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Full text of "Urkunden und Actenstücke zur Geschichte des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von ..."

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IN COMMEMORi\TlON OF XHE VISIT OF 
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PRINCE HENRY OF PRUSSIA 

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THE GERMAN EMPEROR 




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URKUNDEN UND ACTENSTÜCKE 

ZUR GESCHICHTE ' 

DES 

KURFÜRSTEN FRIEDRICH WILHELM 

VON BRANDENBURG. 



AUF YERMLASSUNG SEINER KÖNIGLICHEN HOHEIT DES 
KRONPEINZEN VON PREUSSEN. 



ELFTER BAND. 



BERLIN. 

DRÜCK UND VERLAG VON GEORÖ REIMER. 
1887. 



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URKUNDEN UND ACTENSTCCKE 
ZUR GESCHICHTE DES 

KURFÜRSTEN FRIEDRICH WILHELM 

VON BRANDENBURG. 



POLITISCHE VEEHANÜLÜNGEN. 



SIEBENTER BAND. 



HERAUSGEGEBEN 



TOW 



D«- FERDINAND HIRSCH. 

PROFESSOR AM KÖNIOSTiDTISCHBM RBALQTMNASiaM ZU BERLIN. 



BERLIN. 

DRÜCK UND VERLAG VON GEORG REIMER. 
1887. 



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HARVAi^D COll.pnf LIBRARY 
JAN 6- 1905 

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Vorwort. 

JNachdem der Vater des Unterzeichneten, Professor Dr. 
Theodor Hirsch im Jahre 1879 den neunten Band der 
„Urkunden und Aktenstücke" vollendet, hatte er sogleich die 
Bearbeitung des nächsten Bandes in Angriff genommen, bis zu 
Anfang 1881 hatte er einen grossen Theil der betreflfenden 
Akten des Berliner Geh. Staatsarchivs durchgearbeitet und er 
war eben im Begriflf, die eigentliche Ausarbeitung zu beginnen, 
als er durch einten plötzlichen Tod am 17. Februar dieses 
Jahres dahingerafft wurde. Die Kommission für die Heraus- 
gabe der „Urkunden und Aktenstücke" richtete darauf an den 
Unterzeichneten die Anfrage, ob er es unternehmen wollte, 
das von dem Verewigten hinterlassene Werk zu vollenden, 
und derselbe trug um so weniger Bedenken, diesem ehren- 
vollen Rufe Folge zu leisten, als er einerseits dadurch eine 
Pflicht der Pietät erfüllen zu können meinte, andererseits 
glaubte^ bei seiner Bekanntschaft mit der Handschrift und der 
ganzen Arbeitsweise des Verstorbenen leichter als andere im 
Stande zu sein, das von demselben hinterlassene Material zu 
verwerthen und das Werk in dem Sinne und nach den Ab- 
sichten desselben zu Ende zu führen. Freilich erwies sich, 
als er an diese Arbeit ging, dieselbe als weit schwieriger und 
langwieriger, als er ursprünglich geglaubt hatte. Nicht nur 
dasB er sich zunächst durch die nöthigen Vorstudien in dieses 
ihm bisher fremde Gebiet einarbeiten musste, vor allem zeigte 
sich das von dem Verewigten hinterlassene handschriftliche 
Material in einem weit unfertigeren Zustande, als es anfänglich 
den Anschein gehabt hatte. Nur für einen Abschnitt, den jet- 
zigen dritten dieses Bandes, war das urkundliche Material schon 
einigermassen für den Druck vorbereitet und fanden sich auch 
einige Vorarbeiten für die Einleitung und die Anmerkungen, im 



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VI Vorwort. 

übrigen lag allerdings eine grosse Fülle von Elxcerpten aus den 
Akten nicht nur für diesen, sondern auch schon für den nächsten 
Band vor, dieselben aber waren noch in einem so unfertigen 
Zustande, dass gewiss der Verfasser selbst vor der Herausgabe 
die Akten selbst noch einmal würde zur Hand genommen 
haben, und der Herausgeber jedenfalls sich genöthigt sah, fast 
durchweg, namentlich wo es sich um wörtliche Wiedergabe 
des Textes handelte, auf diese zurückzugehen. Ausserdem 
fand derselbe bei näherer Nachforschung in dem Berliner 
Geh. Staatsarchive, dass dort noch eine Menge werthvoUer, 
von dem- Verewigten noch garnicht benutzter Akten vorhanden 
waren, und überzeugte sich, dass auch aus einigen Provinzial- 
archiven Beiträge zur Ergänzung heranzuziehen seien, und er 
hat so noch ein bedeutendes weiteres Material zusammen- 
gebracht. Um dasselbe verwerthen zu können , hat er sich 
dann veranlasst gesehen, den Plan der Arbeit theilweise zu 
verändern. Nach der in der Vorrede zum neunten Bande 
enthaltenen Ankündigung hatte der Verewigte beabsichtigt, 
in diesem neuen Bande zunächst den Einiluss Brandenburgs 
auf die deutschen Reichsangelegenheiten während der Jahre 
1660—1666, bis zum clevischen Frieden und der Huldigung 
Magdeburgs, und dann den Antheil des Kurfürsten an den 
polnischen Wirren bis zur Abdankung des Königs Johann 
Kasimir und zur Wahl König Michaels (1664 — 1669) dar- 
zulegen, jenen ersten Hauptabschnitt hat er, wie es scheint, 
in folgende Unterabtheilungen sondern wollen: 1) die Be- 
lehnung des Kurfürsten, 2) der Türkenkrieg, 3) die Erfurter 
Händel, 4) Brandenburg und die Rheinische Allianz, 5) der 
Münstersche Krieg, 6) die Unterwerfung von Magdeburg. 
Der Herausgeber hat nun geglaubt, um die Einwirkung des 
brandenburgischen Kurfürsten auf die deutschen Ileichsan- 
gelegenheiten während jener Jahre in ihrem vollen Umfange 
vor Augen treten zu lassen, weiter ausgreifen und auch noch 
einige andere Ereignisse und Händel, an denen derselbe mit- 
betheiligt gewesen ist, berücksichtigen zu müssen, er hat so 
gleich zu Anfang zwei neue Abschnitte über die in den ersten 



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Vorwort. VII 

Jahren nach dem Olivaer Frieden geführten Verhandlungen 
wegen der Garantie des Friedens, der Verlegung des Deputations- 
tages und der Berufung des Reichstages und über die 1661 
mit dem Kurfürsten von der Pfalz gefllhrten AUianzverhand- 
ioDgen und das weitere Verhältnis des brandenburgischen 
Kurfürsten zu demselben vorangestellt, dann nachher die Ab- 
schnitte 9 und 10, in denen der AntheiL welchen derselbe an 
dem lüneburgischen Erbfolgestreite und an dem Wildfangsstreite 
(1665) genommen hat, dargelegt wird, eingeschoben, vor allem 
aber in Abschnitt 4 die Rolle, welche der Kurfürst auf dem 
zu Anfang des Jahres 1663 in Regensburg eröffneten Reichs- 
tage während der beiden ersten Jahre des Bestehens desselben 
gespielt hat, zu veranschaulichen gesucht, endlich noch in 
den Abschnitten 10 und 12 die seit 1663 beginnenden Ver- 
handlungen mit dem Pfalzgrafen von Neuburg und den im 
Jahre 1666 mit demselben getroffenen Ausgleich, welcher 
Gegenstand, wie es scheint, erst in dem nächsten Bande hatte 
behandelt werden sollen, sowohl um des chronologischen als 
auch sachlichen Zusammenhanges willen hier mitaufgenommen. 
Da so die für die deutschen Angelegenheiten urspiilnglich fest- 
gesetzten Grenzen bedeutend erweitert worden sind und ein viel 
reichlicheres Material hat bewältigt werden müssen, so ist es 
nicht möglich gewesen, auch noch die polnischen Angelegen- 
heiten in diesem Bande zu behandeln, sondern haben dieselben 
für den folgenden aufgespart werden müssen. Das gleiche ist 
mit den auf die Unterwerfung Magdeburgs bezüglichen Akten 
geschehen, welche nebst den auf die bremisch -schwedischen 
Händel und den Abschluss der Quadrupelallianz sowie auf 
die Reichstagsverhandlungen der Jahre 1665 und 1666 bezüg- 
lichen Materialien jenen nächsten Band eröffnen sollen. 

Unter den Materialien des hiesigen K. Geh. Staatsarchivs, 
dem natürlich der grösste Theil der nachstehend publicierten 
Aktenstücke entnommen ist, verdient eine Quelle hervorgehoben 
zu werden, welche erst seit dem Ende des nordischen Krieges 
zu fliessen beginnt und welche für diesen Band zum ersten 
Male verwerthet worden ist, nämlich die Geheimenraths-Proto- 



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VIII Vorwort. 

kolle. Allerdings sind dieselben keineswegs so sorgföltig 
und ausführlich abgefasst, als man wünschen möchte, meist 
stehen nur ganz kurz die Gegenstände, welche zur Sprache 
gebracht worden sind, und die betreflfenden Resolutionen sowie 
die Namen derjenigen Mitglieder des Geheimen Rathes, wel- 
chen die weitere Erledigung der Sache übertragen wurde, 
verzeichnet, aber ausnahmsweise sind doch auch ausführlichere 
Aufzeichnungen vorhanden, in denen über die gepflogenen 
Berathungen Bericht erstattet wird, und es haben hier nament- 
lich in den letzten Abschnitten eine Anzahl solcher Protokolle 
veröffentlicht werden können, welche tiefere Einblicke in den 
Gang der brandenburgischen Politik gestatten, welche die 
Motive der gefassten Beschlüsse kennen lehren und zugleich 
zeigen, einen wie thätigen und entscheidenden Antheil der 
Kurfürst selbst an diesen 'Berathungen genommen hat. 

Auch die Benutzung des hiesigen K. Hausarchivs ist 
dem Herausgeber gestattet gewesen, demselben ist die Mehr- 
zahl der in dem dritten Abschnitte über die Belehnung des 
Kurfürsten mitgetheilten Aktenstücke entnommen. Von den 
Provinzialarchiven hat das K. Geh. Staatsarchiv in Hannover 
eine ganze Reihe von Materialien für die Abschnitte 1, 9 und 
11 geliefert, welche in sehr erwünschter Weise die hier be- 
findlichen Materialien ergänzen, auch dem K. Geh. Staats- 
archiv in Münster sind einige Beiträge zu Abschnitt 11 ent- 
nommen, während die auch in dem K. Geh. Staatsarchiv zu 
Düsseldorf angestellten Nachforschungen leider zu dem Er- 
gebnis geführt haben, dass von dort für die hier behandelten 
Gegenstände so gut wie garkeine Ausbeute zu gewinnen 
ist. Der Herausgeber benutzt diese Gelegenheit, um den Vor- 
stehern und Beamten jener Archive, namentlich den Herren 
Geh. Staatsarchivar Dr. Bai Heu und Geh. Archivsecretär Dr. 
Meinardus hierselbst und Geh. Staatsarchivar Dr. Ja nicke 
in Hannover für die freundliche Hülfe und Förderung, welche 
sie seinen Arbeiten haben zu Theil werden lassen, seinen 
wärmsten und verbindlichsten Dank auszusprechen. 

Berlin, im März 1887. Ferdinand Hirsch. 



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Inhalt. 



Seit« 

Vorwort V 

Inhalt IX 

1. Verhandlungen wegen der Garantie des Friedens, 
der Verlegung des Deputationstages und der Be- 
rufung des Reichstages. 1660 — 1662. 

Einleitung 3 

Acten 15 

2. Die Allianz mit Kur-Pfalz. 1661. 

Einleitung 63 

Acten 78 

3. Die Belehnung des Kurfürsten durch den Kaiser 
und die Verhandlungen über die schwedische Be- 
lehnung. 1661. 

Einleitung 95 

Acten 103 

4. Der Anfang des Regensburger Reichstages. 1662 
—1664. 

Einleitung 149 

Acten 159 

Anhang. Die Obersächsischen Kreistage zu Leipzig (October 1 663 
und Juni 1664} und die Zusammenkünfte der Kurfürsten von 
Sachsen und Brandenburg zu Torgau und Berlin (December 
1663 und Mai 1664) 258 

5. Der Türkenkrieg. 1663—1664. 

Einleitung 285 

Acten 294 

6. Die Erfurter Händel. 1663—1665. 

Einleitung 351 

Acten 360 

Anhang. Der Obersächsische Kreistag zu Leipzig. Februar 1665 425 

Mater, t. GMch. d. KurfOraten. XI. * t 



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X Inhalt. 

Seite 

7. Brandenburg und die Rheinische Allianz. 1663 — 
1668. 

Einleitung 437 

Acten 442 

8. Verhandlungen mit Pfalz-Neuburg. Die Vertrage 
zu Dorsten. 1663—1665. 

Einleitung 485 

Acten 495 

9. Der bra un seh weig-lüneburgi sehe Erbfolgestreit. 
1665. 

Einleitung • 559 

Acten • 563 

10. Der kurpfälzische Wildfangsstreit. 1665—1666. 

Einleitung 589 

Acten 595 

11. Der Mönst ersehe Krieg. 1665 — 1666. 

Einleitung 615 

Acten 623 

12. Der Erbvergleich mit Pfalz-Neuburg. 1666. 

Einleitung 731 

Acten 739 

Personenverzeichnis 778 



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Abschnitt 1. 

Verhandlungen wegen der Garantie des Friedens, der 

Verlegung des Deputationstages und der Berufung 

des Reichstages. 

1660 — 1662. 



Mat«r. s. Qctcb. d. Q. Knrfunten. ZI. 



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Einleitung. 



Die nnsichere und gefahrvolle Lage, in welche sich der Earfürst 
Friedrich Wilhelm nach dem Olivaer Frieden versetzt sah, die Besorg- 
nisse namentlich vor Schweden, welches nicht nnr in Polen gegen ihn intri- 
gnierte, um ihn die Früchte des Friedens nicht gemessen zu lassen^ sondern 
sogar, nach den drohenden Aenssernngen einiger seiner einflnssreichsten 
Staatsmänner zn schliessen, bereit schien^ mit seiner auch nach dem Frie* 
den kriegsbereit behaltenen Armee bei nächster Gelegenheit über ihn her- 
zafallen, veranlassten den Kurfürsten, welcher nnr an Oesterreich einen 
keineswegs durchaus zuverlässigen Bundesgenossen hatte, und der bei dem 
erschöpften Zustande seiner Lande sich genöthigt gesehen hatte, seine 
Armee auf ein sehr bescheidenes Minimum zu reducieren, i) Sicherung auf 
anderer Seite, bei seinen norddeutschen Nachbaren zu suchen. Die An- 
knüpfung dazu boten ihm Anerbietungen, welche ihm von ebendorther 
während des letzten Krieges gemacht worden waren. 

Der Kurfürst hatte es nicht verhindern können, dass während jenes 
Krieges im Jahre 1658 die Kurfürsten von Mainz und Cöln, der Pfalz- 
graf von Neuburg, die braunschweigischen Herzoge und der Landgraf von 
Hessen- Cassel mit Frankreich und Schweden jene Allianz abschlössen, deren 
Spitze ebensowohl gegen ihn wie gegen Oesterreich gerichtet war. Doch 
hegte ausser dem Neuburger keiner von diesen deutschen Fürsten wirklich 
feindselige Absichten gegen ihn, am wenigsten die braunschweigischen 
Herzoge, auf deren Betreiben er früher zur Theilnahme an jenem Bünd- 
nis aufgefordert und zu den Verhandlungen über dasselbe hinzugezogen 
worden war, welche dann nur sehr ungern dasselbe ohne ihn abgeschlossen 
hatten, welche auch nachher sehr wenig Lust zeigten, sich zu kriegerischen 
Schritten gegen ihn treiben zu lassen, vielmehr fortgesetzt in Unterhand- 
lungen mit ihm blieben. Als im Jahre 1659 ') durch den Einbruch des Knr- 



S. F. Hirsch, Die Armee des Grossen Kurfürsten und ihre Unterhaltang 
während der Jahre 1660-1666 (Historische Zeitschr. N. F. XVII 8. 232 ff.). 

^ Vgl, für das Folgende Köcher, Geschichte von Hannover und Braun - 
schweig I 8. 283ff. 

1* 



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4 1. VerhandlangeD wegen der Garantie des Friedens etc. 

fürsten nod seiner Verbündeten in Vorpommern der Eriegsschanplatz anch 
in das Reichsgebiet verlegt war^ anch die schwedischen Besitzungen im 
niedersächsischen Kreise bedroht schienen und Schweden sowohl die Ereis- 
hülfe als auch, von Frankreich onterstiitzt, anf Grund der Rheinischen 
Allianz, in welcher der Schutz dieser' Mstteren Gebiete ausdrücklich zuge- 
sagt worden war, die Hülfe der Allitet:ten in Anspruch nahm, versuchten 
die braunschweigischen Fürsten eine Vermittlerrolle zu spielen nnd durch 
Herstellung des Friedens oder wenigstens durch Neutralisierung der beider- 
seitigen, sowohl der schwedischen Besitzungen als auch derjenigen des Kur- 
fürsten im niedersächsischen und westfälischen Kreise, die Kriegsgefahr von 
Deutschland und die drohende Einmischung Frankreichs fern zu halten. 
Daranf fnssend, dass der Kurfürst selbst ihnen versichert hatte, ^) dass er 
und seine Bundesgenossen nur um einen sicheren Frieden zu erlangen Pom- 
mern angegriffen hätten, dass er bereit sei, seine dortigen Eroberungen 
wieder herauszugeben, und dass er und die Seinigen keine Feindseligkeiten 
jenseits der Elbe gegen die schwedischen Besitzungen vornehmen wollten, 
wenn die Herzoge sich verpflichteten, keine Angriffe der Schweden gegen 
seine dortigen Besitzungen zu dnlden, beschlossen sie Ende September 1659 
die Absendung einer Gesandtschaft an den Knrfürsten, welche >) unter Hin- 
weis auf die drohende Einmischung Frankreichs, welche auch diejenige 
Spaniens nach sich ziehen werde, denselben dazu bewegen sollte zu be- 
wirken, dass nicht nur der niedersächsische und westfälische Kreis von 
seinen und seiner Bundesgenossen Truppen nicht betreten und die dortigen 
schwedischen Besitzungen nicht angegriffen würden, sondern auch dass den 
Feindseligkeiten in Pommern ein Ende gemacht und, wenn ein allgemeiner 
Friede nicht so bald zu erreichen sei, der Krieg ausserhalb des Reichs- 
gebietes geführt werde, wogegen sie sich erboten im Verein mit ihren 
Bundesgenossen dahin zu wirken, dass auch die dem Knrfürsten in jenen 
beiden Kreisen gehörigen Gebiete von den Schweden nicht angegriffen 
würden. Ausserdem gab Herzog Christian Ludwig von Celle seinem 
Gesandten noch den besonderen Auftrag, dem Kurfürsten den Eintritt in 
die Rheinische Allianz anzuempfehlen. Die Gesandtschaft traf erst am 
16. November in dem damaligen Hauptquartiere des Kurfürsten, Barth in 
Pommern ein. Das Resultat der dort an den drei folgenden Tagen ge- 
führten Verhandinngen') entsprach nur theilweise den Wünschen der braun- 
schweigischen Fürsten. Allerdings erklärte sich der Kurfürst bereit, seine 



1) Ef. an die braanschw. Herzoge d. Feldlager bei Gesthoff 12./22. August 
1659 (8. Pufendorf VIU §27 S. 484. Kocher I S. 284). Relation des vom 
Kf. an die Herzoge abgesandten Generals v. Kannenberg d. Minden 30. Sep- 
tember 1659. 

2} Instruktion für die Gesandten (Freudemann, v. Hardenberg und 
V. Kram) d. 12./22. September 1659 (Hannov. A.), theilweise abgedruckt bei 
Köcher I S. 651. 

>} Protokoll über die Gonferenzen zu Barth 7./17.— 9./19. November 1659 
(Berliner n. Hannov. A.) s. Pufendorf VHI §27 S. 484f., Kocher I ä.286f. 



^ 



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BinleitoDg. 5 

frühere Zusage, die Elbe sollte nicht überschritten werden, za erneuern, falls 
auch von schwedischer Seite nichts gegen seine jenseits derselben gelege- 
nen Lande nnternommen werde, und versicherte ferner seine eigene Be- 
reitwilligkeit zum Frieden, mass aber die Schuld daran, dass es noch nicht 
zu einem solchen gekommen sei, den Schweden bei und verlangte, die Braun- 
schweiger und ihre Bundesgenossen sollten auf diese dahin einwirken, dass 
sie von ihren ehrgeizigen Absiebten auf Preussen und Dänemark abstehen 
und so das Zustandekommen des Friedens ermöglichen möchten, ferner 
sollten sie bei Frankreich remonstrieren, dass dieses sich Schwedens nicht 
anders als durch Yermittelung des Friedens annehme. Den Beitritt zur 
Rheinischen Allianz, welcher ihm als das beste Mittel zu seiner eigenen 
Sicherung und derjenigen der beiden Reichskreise vorgeschlagen wurde, wies 
er zwar nicht unbedingt zurück, er Hess aber durch seine BcTollmächtig- 
ten erklären und wiederholte nachher bei der Abschiedsaudienz selbst, er 
könne sich darüber noch nicht kategorisch erklären, er müsse vor allem 
erst Sicherheit darüber erhalten ^ ob Frankreich und Schweden in seine 
Aufnahme in die Allianz jetzt während des Krieges einwilligten, er müsse 
femer erst genauer den Inhalt des AUianzvertrages kennen lernen und er 
müsse der Zustimmung seiner Bundesgenossen, des Kaisers und des Königs 
von Dänemark versichert sein. Es wurde daher verabredet, später auf 
einer neuen Zusammenkunft weiter darüber zu verhandeln. 

Der Kurfürst hat dem Kaiser sogleich von diesen Verhandlungen, 
den Anträgen der Braunschweiger und seiner darauf ertheilten Antwort 
Nachricht gegeben i), er rieth demselben, die braunschweigischen Fürsten, 
die ihn selbst darum gebeten hätten, sie dem Kaiser zu empfehlen, auf 
jede Weise an sich zu ziehen, und empfahl ferner^), da Frankreich und 
Schweden durch ihren Eintritt in die Rheinische Allianz hauptsächlich zu 
beabsichtigen -schienen, die anderen Alliierten immer mehr an sich zu fesseln 
und von allem, was bei denselben vorginge, Kunde zu erhalten, man sollte 
auch ihrerseits es ähnlich machen, sich zu* dem begehrten Eintritt in die 
Allianz nicht abgeneigt erklären und weitere Verbandlungen darüber in 
Aussicht stellen, um auf diese Weise genaueres über die eigentliche Be- 
schaffenheit dieser Allianz und über die Absichten ihrer Theilnehmer zu 



^) Kf. an Kaiser Leopold d. Hauptquartier Grimmen 14./24. November 1659. 

*) «Worbey ich dan zu E. Kais. M. — ürtheil — stelle, dass alldieweil die 
anBwertigen GroDeo mit ihrer Eintretang in diese alliance scheinen za erkennen 
za geben, dass ihnen hiernuter es nicht so gross umb Erlangung einer Hülffe 
TOD den AUiirten, sondern darumb vornehmst zu thun, wie man solche Alliirte 
mehr nnd mehr an sich zu ziehen und iederzeit von demjenigen, was bey ihnen 
▼ergehet, Wissenschaft zu tragen vermochte, ob nicht £. Kais. M. gut befinden 
würden, dass man diesseits ein gleichmässiges beliebte und zu der begehrten 
Biotretong (wan man sonsten nach geschehener Communication die instrumenta 
foederis nicht bedenklich fände), sich nicht eben abgeneigt zu seyn erklärte, 
soodern alles zu ferner und weiterem Vernehmen, als wodurch mnn der Sachen 
eigentlichere Bewantnusse etwan mehr penetriren konnte, ausstellen thäte.' 



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6 1. yerhandlüDgen wegen der Garantie des Friedens etc. 

erfahren. Allein der Kaiser wies in seiner Antwort diesen Yorsehlag durch- 
aus zurück. Er erklärte ^), die Absicht Frankreichs nnd Schwedens bei der 
Rheinischen Allianz sei nur, Zwietracht unter den Reichsfiirsten zu stiften 
und dadurch ihre eigenen Pläne zu erreichen. Wenn der Kurfürst sich zum 
Eintritt in dieselbe und er, der Kaiser zur Billigung dessen geneigt zeigen 
sollten, so würde dieses nur zur Folge haben, dass auch die bisher ihnen 
günstig gesinnten Reichsstände ihnen entfremdet würden, da sie dadurch 
den Anschein erwecken würden, als wenn sie die Absichten und Mass- 
nahmen der Alliierten billigten, ihr eigenes bisheriges Verfahren aber für 
unrecht erklärten. Der Kurfürst möchte vielmehr versuchen, die Braun- 
schweiger ganz auf ihre Seite hinüberzuziehen und zum Beitritt zu der 
zwischen ihnen beiden abgeschlossenen Allianz zu bewegen. 

Der Kurfürst hat einen solchen Versuch, von dessen Aussichtslosigkeit 
er von vornherein überzeugt gewesen sein wird, nicht gemacht, sondern er 
hat auf jene andere Weise, welche er trotz der von dem Kaiser geltend 
gemachten Gegengründe für die zweckmässigere gehalten hat, die Verhand- 
inngen mit den Brannschweigern fortgesetzt, und diese sind bereitwillig 
darauf eingegangen, da auch sie an der Hoffnung festhielten, auf dem von 
ihnen eingeschlagenen Wege die Neutralisierung Norddentschlands zu er- 
reichen, nnd in diesen Bemühungen fortfuhren, obgleich inzwischen, seit 
Ende December 1669, die Friedensverhandlungen zwischen den kriegfüh- 
renden Parteien zu Oliva begonnen hatten. Anfang Februar 1660 con- 
ferierten die braunschwejgischen Minister v. Heimburg, Langenbeck, 
V. Hardenberg und v. Bülow mit den Abgesandten des Kurfürsten, 
V. Canstein und Reinhardt zu Tangermünde') und beantragten 



Kaiser Leopold an Kf. d. Wien 31. December 1659: »da ist unschwer 
zu erachten und liegt naoroehr meoniglichen vor Augen, wer nur die Schwedische 
actiooes etwas genauer auf die Wag leget, wohin an Seiten der benachharten 
Cronen das Absehen bey diesem Allianzwesen gerichtet, dass sie nämlich die 
Stände von einander halten und dadnrch ihre Intention behaupten möchten. Ob 
nun durch meine Approbation oder E. Ld. wirklichen Beitritt zu einer solchen 
Allianz, die unserer, der Gonfoderirten gesambten Interesse garnit vertraglich 
ist, der von E. Ld. wohlmeinend intendirte Zweck erhebt werden könnte, und ob 
die gesambte übrige Chur-, Fürsten und Stande, die solche auch ihres Orts dem 
alten lohl. teotschen Herkommen bis dato anderergestalt nicht als höchst nach- 
theilig und verkleinerlich geachtet, ürsuch und Anlass nehmen wurden, sich auf 
unsere Seiten zu begeben, wan sie boren — sollten, dass E. Ld. sich auch darzn 
verstanden und ich dieselbe meines Orts nit weniger approbirt hätte, darüber 
muBS ich bekennen, dass mir in fernerer üeberlegung der Sachen fast andere 
und zwar diese Gedanken zu Gemüth gehen, dass fortan kein einiger Stand des 
Reichs sich unserer Intention bequemen, sondern wir selbst auch die an selten 
der Alliirten geführte consilia dadurch accreditiren, uns aber in uuseren eigenen 
actionibus glelchsamb Unrecht geben würden" (s. Pufendorf VIII §27 S.48Ö.). 

^ Kf. an Kaiser Leopold, Bericht über die Verhandlungen zu Tanger- 
munde d. Göln a. Sp. 7./17. Februar 1660 (Londorp VIII S. 688) , s. Köcher I 



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EioleitUDg. 7 

wiederam NentriUisiening der Bremisch -YerdischeD and anderntheils der 
Halberst&dtischen , Mindeoschen und Cleviscben Lande, ferner EiDstellüng 
der Feindseligkeiten in Pommern , wogegen Schweden unter französischer 
Garantie sich verpflichten sollte, von dort ans nichts gegen den Kurfürsten 
nnd dessen Bundesgenossen zu unternehmen, allein da sie keine sicheren 
Beweise weder dafür vorbringen konnten, dass Schweden noch auch dass 
Frankreich diesen Vorschlägen wirklich zustimmten, so lehnten es auch die 
Brandenburger ab, eine bestimmte Erkl&rnng darauf abzugeben und sagten 
nur zu, dass der Kurfürst dem Kaiser und seinen anderen Bundesgenossen 
diese Vorschläge mittheilen und deren Meinung vernehmen wollte. Ebenso 
fruchtlos endeten die Conferenzen, welche der von dem Kurfürsten nach 
Braunschweig geschickte v. Canstein dort Ende März mit den 
Ministern der drei braunsohweigischen Herzoge abhielt, i) da die letzteren 
auch hier keine festen Zusicherungen geben, sondern nur die* Hoffnung aus- 
sprechen konnten, dass Fraukreich und die Kheinischen Alliierten die Garan- 
tie für die Aufrechthaltung des Friedenszustandes in Norddeutschland über- 
nehmen würden.') Trotzdem gaben die BranuRchweiger diese Versuche 
nicht auf, vielmehr, jedenfalls noch ohne Kenntnis von dem schnellen und 
einstigen Verlauf der Olivaer Friedensverhandlungen und in der Besorg- 
nis, dass Frankreich seine Drohung, wenn nicht bis zum Februar der Frie- 
den zustande gekommen sei, die Schweden in dem Westfälischen Frieden 
zugesagte Garantie seiner Reichslande zu leisten, wirklich wahr machen 
nnd Truppen in Deutschland einrücken lassen werde, gewannen sie*) auch 
den Kurfürsten von Cöln und die Landgrafen von Hessen-Cassel und 
Darmstadt zor Absendung einer gemeinsamen Gesandtschaft an den Kur- 
fürsten, welche diesen dazu bestimmen sollte, die Einstellung der Feind- 
seligkeiten in Pommern und die Räumung der dort von den Verbündeten 
eingenommenen Plätze zu bewirken, wogegen jene Fürsten sich verpflichten 
wollten, im Verein mit den übrigen Mitgliedern der Rheinischen Allianz 
von Schweden die Zusicherung zu erwirken, dass dasselbe die im Reiche 
gelegenen Lande des Kurfürsten und seiner Bundesgenossen nicht angrei- 
fen wolle, und für die Erfüllung dieser beiderseitigen Verpflichtungen die 



S. 285. Der Kaiser antwortet darauf znstimmeDd (d. Wien 3. März 1660), so 
lange man nicht wisse, wie sich Frankreich und Schweden za diesen Vorschlä- 
gen verhielten, könne man sich aach ihrerseits darüber nicht erklären. 

8. Kocher I, 8.288. 

*) Nachträglich schreiben die braanschweigischen Bevollmächtigten an Gan- 
stein (d. Peina 10./ 20. März 1660): » Demselben geben wir hiermit — zu ver- 
stehen, dass die Garantie und Yersichernng der Gron Frankreich und der Al- 
liirten gegen Einstellung der Hostilitäten und Restitution der Plätze in Pom- 
mern verhoffentlich erfolgen und daran kein Mangel erscheinen durfte, massen 
man deshalber gehöriger Oerter behnffige Erinnerung gethan und guten Effect 
versparet. " 

^ üeber diese Ende Februar and März gepflogeoen Vorverhandlungen s. 
Kocher I 8. 288 f. 



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8 1. VerhftndlaDgen wegen der Garantie des Friedens etc. 

Garantie za übernehmen. Als die Oesandten Anfang Mai 1660 in Berlin 
ankamen, stand der Abschlnss der Friedensverhandlnngen in Oliva schon 
nnmittelbar bevor. Sie trugen trotzdem ihr Anbringen vor, doch mit der 
den veränderten Gonjnnctnren entsprechenden Yerändernng, dass sie von 
dem Kurfürsten forderten, er solle ohne Rücksicht auf den Ausgang die« 
ser Friedensverhandlungen, auch für den Fall, dass sich diese selbst oder 
die Ezecution des Friedens hinziehen oder Schwierigkeiten finden sollte, 
sich zur Einstellung der Feindseligkeiten in Pommern und zur Räumung 
des schwedischen Gebietes verpflichten, wogegen sie die Garantie ihrer 
Fürsten und der Bundesgenossen derselben dafür, dass auch Schweden sich 
aller Feindseligkeiten im Reiche enthalte, anboten. 

Die Akten über die mit dieser Gesandtschaft gepflogenen Verhandlun- 
gen bilden den Anfang der in diesem ersten Abschnitte zusammengestellten 
Dokumente. 0*l>wohl diese Yerhandlnngen nicht zu dem gewünschten Er* 
gebnis führten, da der Kurfürst sich zwar bereit erklärte, die Forderungen 
jener Fürsten zu erfüllen und die von ihnen angebotene Garantie anzu- 
nehmen, aber eine genauere Präcisierung derselben, welche ihm Sicherung 
auch gegen etwaige spätere feindliche Schritte Schwedens gewährte, und Auf- 
nahme auch seiner preussischen Lande in dieselbe forderte, und sich wie- 
derum für verpflichtet erklärte, zunächst die Zustimmung des Kaisers ein- 
zuholen, die Gesandten sich aber dahin nicht für instruiert erklärten und 
man so nur verabreden konnte, dass die Angelegenheit demnächst auf 
einer neuen Zusammenkunft weiter verhandelt werden sollte, sind dieselben 
doch dadurch von Wichtigkeit geworden, dass sie dem Kurfürsten die Hand- 
habe boten, um weitere Anknüpfungen mit jenen Fürsten zu versuchen. 
Während nämlich die brannschweigischen Fürsten und deren Genossen, 
nachdem der Friede abgeschlossen, in Ausführung desselben Schwedisch- 
Pommern von den Truppen des Kurfürsten und seiner Bundesgenossen 
wirklich geräumt und so die Gefahr, welche sie durch die Unterhandlungen 
mit dem Kurfürsten hatteu abwenden wollen, beseitigt war, jene Unterhand- 
lungen nicht weiter fortgesetzt haben, hat der Kurfürst, welcher, wie oben 
angeführt, auch nach dem Frieden sich von Schweden bedroht sah, die- 
selben wieder aufgenommen, und indem er sich bemühte, von jenen Fürsten 
eine vertragsmässige Zusicherung jener ihm früher angebote- 
nen Garantie zu erlangen, an denselben eine Stütze zu gewinnen ver- 
sucht *). Die im Folgenden mitgetheilten weiteren Aktenstücke veranschau- 
lichen diese bis gegen Ende des Jahres 1661 fortgesetzten Bemühungen 
des Kurfürsten. *) Sie zeigen, wie derselbe, nachdem eine erste briefliche 



In dem Oeheimenrathsprotokolle vom 25. September/5. Oetober 1660 wird be- 
merkt: .Herr Oberpräsident vorgetragen, weil man soviel Nachricht hat, dass die 
Schweden so stark armiren nnd nichts abdanken, ob S. Ghorf. D. jemand wegen 
der Oarantie an die Alliirten Fürsten sobicken wollten, 2) weil S. Ghnrf. D. 
wegen Prenssen nicht garantirt, wie es zu soeben." 

^ Dropsen, Gesch. der Frenssiscben Politik III 3 (2. Aafl.) S. lOf. a. 573 




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EiDleitnog. 9 

Anfrage an jene FtirBten, ob nicht die verabredete ^leitere Zusammenkooft 
ßtattfioden solle, frachtlos geblieben, bei der Zasammenkunft mit seinem Schwa- 
ger, dem Landgrafen Wilhelm yod Hessen-Cassel auf dem Sparen- 
berg (20. nnd 21. December 1660) anf diesen dahin einzuwirken sacht, dass 
die y erhandlangen wegen der Garantie fortgesetzt werden, wie er dann 
die arsprünglich durch andere Ursachen, den zwischen Earpfalz and 
Kare öl n aasgebrochenen Streit and die heraufziehende Türkengefahr ver- 
anlasste Sendang Portmanns an den Kurfürsten von Cöln (Janaar 1661) 
dazu benutzt, um auch bei jenem die frühere Zusage in Erinnerung zu 
bringen, wie er darauf bei der auf Anregung jenes Kurfürsten (Juni 1661) 
zu Cöln abgehaltenen Zusammenkunft seiner Bevollmächtigten mit denje- 
nigen von Kurcöln, der braunschweigischeo Herzöge und des Landgrafen 
von Hessen-Cassel darauf dringen lässt, dass jene ihm von diesen Fürsten 
angebotene Garantie wirklich geleistet werde, wie aber diese Versuche ver- 
geblich sind, vielmehr, wie schon auf dem Sparenberg der Landgraf ihn 
gemahnt hatte, ^mehr auf die Rheinische Allianz zu reflectiren^, so jetzt alle 
jene Fürsten ihn zum Eintritt in diese Allianz zu bewegen suchen nnd wie 
dann Herzog Christian Ludwig von Gelle Ende 1661 bei Gelegenheit 
der Sendung v. Gladebecks nach Berlin diese Mahnung in der eindring- 
lichsten Weise wiederholen lässt. Wir wissen von anderer Seite her, dass 
der Erfüllung jener Wünsche des Kurfürsten inbetreff der Garantie auch 
Frankreich entgegengearbeitet hat, dass König Ludwig XIY*), noch be- 
sonders aufgereizt durch den Pfalzgrafeu von Neu bürg, welcher ihm seine 
Befürchtung mitgetheilt hatte, Kurcöln und Hessen-Cassel würden bei der 
Rheinischen Allianz die Bewilligung der von dem Kurfürsten verlangten 
Garantie des Friedens und dessen Eintritt in die Allianz durchsetzen, sei- 
nen Gesandten in Frankfurt angewiesen hat, das erstere nicht zuzulassen, 
während er den Eintritt des Kurfürsten in die Rheinische Allianz als Mittel, 
um denselben von der Verbindung mit Oesterreich abzuziehen, schon da- 
mals befürwortet hat. Der Kurfürst seinerseits hat diesen Anträgen gegen- 
über dasselbe Verfahren eingehalten, welches er früher dem Kaiser, als er 
diesem von jener Aufforderung der braunschweigischen ITürsten zum Ein- 
tritt in die Rheinische Allianz Nachricht gab, als empfehlenswerth bezeich- 
net hatte*) und von welchem er sich auch durch dessen Widerspruch da- 
gegen nicht hat abbringen lassen: er hat diese Anträge nicht ohne weiteres 
abgewiesen, sondern zwar Bedenken geltend gemacht, Bedingungen gestellt, 
damnter solche, deren Annahme von seiten der Alliierten durchzusetzen aus- 
sichtslos schien, aber er hat doch immer eine gewisse Geneigtheit zum £in- 



giebt nnr eine kurze Notiz über dieselben, bemerkt aber, dass diese Verhand- 
lungen, wenn sie auch fruchtlos -verlaofen sind, doch .för die Aufklärung der 
deutschen Verhältnisse von grösstem Interesse sind.* 

Instruktion Ludwigs XIV. für Gravel vom 28. März 1661 (Gnhraaer, 
Kur-Mainz in der Epoche von 1672. II S. l 

*) S. oben S. 5. 



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10 !• VerhandlangeD wegen der Garantie des Friedens etc. 

treten in die Allianz knnd gegeben nnd es wenigstens so einzarichten ge* 
wnsst, dass die Yerbandlangen darüber nie vollständig abgebrocben wurden. 
So giebt er noch zuletzt in der Unterredung mit y. Gladebeck zwar seinem 
Unmnthe über die herrschende Stellung, welche Frankreich im Reiche zu 
gewinnen trachte, und über die Abhängigkeit, in welche sich die Fürsten 
der Rheinischen Allianz hätten bringen lassen, den offensten Ausdruck, er 
erklärt dann aber doch nur, er könne sich nicht so pure zum Eintritt in die 
AIHruz verstehen, und lässt durch seine Räthe weiter mit demselben darüber 
verhandeln, er besteht auf der von Gladebeck als unannehmbar bezeich- 
neten fiinschliessung von Preussen in die Allianz, lässt ihm aber durch seine 
Räthe mittheilen, wenn man im übrigen einig wäre, würde man sich auch wohl 
über diesen Punkt verständigen. Sicherlich hat der Kurfürst damals nicht die 
Absicht gehabt, in die Allianz einzutreten, und er hat die Verhandlungen 
darüber hauptsächlich zu dem Zwecke fortführen lassen, um genauer hinter 
die eigentlichen Absichten der Alliierten zu kommen, er hat aber ohne 
Zweifel dabei auch die Absicht verfolgt, sich eine Brücke offen zu halten, 
um, wenn andere Rücksichten ihm doch den Eintritt in die Allianz als ge- 
boten erscheinen lassen sollten, die dahin führenden Schritte ohne sich et- 
was vergeben zu müssen thun zu können. 

Mit diesen Verhandlungen über die Garantie des Friedens kreuzten 
und vereinigten sich solche über eine andere Frage, welche schon seit län- 
gerer Zeit die Stände des Reichs in Aufregung versetzte, über die Ver- 
legung des Reichsdeputationstages^). Die auf Grund der Be- 
schlüsse des letzten Reichstages seit dem September 1655 zu Frankfurt 
a. Main tagende Reichsdeputation ^ hatte sich nach dem Tode Kaiser Fer- 
dinand III. (1657) nicht, wie dieses bisher üblich gewesen, aufgelöst, son- 
dern, obwohl der Kurfurstenrath für die Suspendierung gestimmt und das 
österreichische Directorium im Fürstenrath seine Vollmacht für erloschen 
erklärt hatte, hatte die Majorität im Fürstenrath im Einverständnis mit dem 
Kurfürsten von Mainz, dem als Erzkanzler die Leitung der Verhandlun- 
gen zustand, die Fortsetzung beschlossen und die Bevollmächtigten dieser 
Fürsten hatten dann auch wirklich während der Zeit des Interregnums wei- 
tergetagt'). Nachdem dann (Juli 1658) die Wahl und Krönung des neuen 
Kaisers Leopold erfolgt war, hatte dieser auf den von dem Kurfürsten 
von Mainz an ihn gestellten Antrag, die Fortsetzung der Reichsdeputation 
zu genehmigen und derselben neben ihren anderen Aufgaben die Berathung 
über die secnritas publica, d. h. über eine Reichskriegsverfassnng zuzuwei- 
sen, zwar die Fortsetzung der Deputation gut geheissen aber, um derselben 



S. Grössler, Der Streit um die Translation der Frankfurter Ordinari — 
Reicbsdeputation 1658—1661 (Programm des Gymnasiums zu Stargard in Pom- 
mern 1870), eine Schrift, in welcher nur das bei Londorp gedruckte Material 
zusammeDgestellt ist. 

3) S. Urk. u. Akt. VII S. 633£ 

») S. ürk. Q. Akt. VII S. 695 ff., VIII S.437ff., Köcher I 8. 227ff 



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EinleituDg. H 

näher seia zn können, die Yerlegnng derselben nach Regensbarg verlangt, 
der Eorfürst von Mainz aber hatte darauf, ohne sich um diese Forderung 
za kümmern, die Wiedereröffnung des Depntationstages in Frankfurt auf 
den 1. October 1658 angesetzt. Allein nur ein Tbeil der Mitglieder, ausser 
wenigen anderen nur ebendiejenigen Kurfürsten und Fürsten, welche sich 
inzwischen mit Frankreich und Schweden zu der Rheinischen Allianz ver- 
einigt hatten, waren dieser Ladung gefolgt, und als im Januar 1659 der 
Kaiser seine Forderung wegen Verlegung des Deputationstages, und zwar 
nach Regensburg, wiederholte, erklärten sich die übrigen Kurfürsten und 
eine grosse Anzahl anderer Reichsstände bereit, diesem Verlangen zu will- 
fahren. Allein die Kurfürsten von Mainz und Göln sowie die übrigen 
Mitglieder der Rheinischen Allianz, welche die Versammlung in Frankfurt 
beschickt hatten, erkannten in dieser von dem Kaiser gewünschten Ver- 
legung nur einen Versuch, ihre Allianz, deren Bundesrath auch zu Frank- 
fnrt seinen Sitz hatte, zu sprengen oder wenigstens zn lockern, sie ver- 
weigerten daher, jedenfalls schon damals auch von Frankreich aufgehetzt^ 
die Verlegung als den Reichs Satzungen widerstreitend, mahnten die ande- 
ren Reichsstände, ihre Deputierten nach Frankfurt zu senden, und setzten 
dort, obwohl diese Mahnung nicht befolgt wurde, so nur die Minderzahl 
der zur Theilnahme berechtigten Reichsstände hier vertreten war') und 
desshalb von dem Kaiser und den anderen Reichsständen diese Versamm- 
long garnicht als rechtmässige Reichsdeputation anerkannt wurde, die 
Sitzungen fort, während andererseits ein Theil jener anderen Stände, der 
Aufforderung des Kaisers Folge leistend, ihre Deputierten nach Regens- 
bnrg sandten, welche aber, da Kurmainz sich fern hielt, zu keinen Ver- 
handlungen schreiten konnten, sondern sich unthätig verhalten mussten. 
Nun wurden allerdings von verschiedenen Seiten Versuche gemacht, diesen 
illegalen Zuständen ein Ende zu machen und den Streit zu schlichten. 
Unter Berufung auf die dem Reiche durch die nordischen Kriegswirren 
drohenden Gefahren wies Knrcöln im October 1659 Kurbaiern gegen- 
über darauf hin , dass der 1654 nur vertagte Reichstag wiederberufen wer- 
den müsse, und Kurbaiern, das anfangs dem nicht zugestimmt hatte, 
schlug Anfang 1660 im Verein mit dem Erzbischof von Salzburg dem 
Kaiser selbst dieses Mittel, als am besten geeignet, um den im Reiche aus- 
gebrochenen Zwiespalt zu beseitigen, vor. Ebendieselbe Forderung erhoben 
anch die im März 1660 in "Wien erschienenen Gesandten von Kurmainz 
und Kurcöln, welche zugleich den Auftrag hatten, den Kaiser zur Räu- 
mung Pommerns zn bewegen, allein dieser, welcher fürchtete, dass auf 
einem Reichstage die auf Frankreich und Schweden sich stützende Oppo- 
sitionspartei noch mehr Anhänger finden und ihm noch grössere Schwierig- 
keiten bereiten würde, wies diesen Vorschlag zurück. Seine eigenen Ver- 
suche, den Kurfürsten von Mainz, das Haupt dieser Oppositionspartei, 



1) S. das Verzeichnis der in Frankfurt anwesenden Gesandten im Diarium 
Europaenm VII S. 507, vgl. auch Köcher I S. 284. Anm. 1. 



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12 1- VerhaDdlnofi^eD wegen der Garantie des FHedens etc. 

zaerst durch das ZogeständDis, dass anf dem Depntationstage der pnnctas 
secoritatis vor allen anderen BerathangsgegeoständeD vorgenommen werden 
sollte, dann dnreh die Zustimmung zu dem^ znerst von dem Herzoge von 
Sachsen-Altenbarg vorgebrachten Vorschlage, dass beide Deputationen, 
die in Frankfurt und die in Regen sbnrg tagende, sich an einem drit» 
ten Orte, in Augsburg, vereinigen sollten und dass dort auch schon Vor- 
berathungen über den Reichstag, dem er, wie er sich ausdrückte, keineswegs 
zu entfliehen suche, gehalten werden sollten, zur Nachgiebigkeit zu bewegen, 
waren vergeblich, obwohl sie von den anderen Kurfürsten, selbst von Knr- 
cöln, befürwortet wurden. Von Frankreich aufgereizt, welches durch 
reichliche Geldspenden seinen Forderungen besonderen Nachdruck zu geben 
verstand,^) beharrten der Enrfürst von Mainz und die übrigen Mitglieder 
der Rheinischen Allianz bei ihrem Widerspruche und liessen die Versamm- 
Inng in Frankfurt weiter bestehen. So dauerte der Zwiespalt fort, bis 
endlich der Kaiser, durch die immer mehr drohende Türkengefahr erschreckt, 
um die Hülfe des Reiches zu erhalten sich zur Nachgiebigkeit entschloss, 
zuerst August 1661 sich zur Ansetzung eines bestimmten Termines für den 
Reichstag und zur Einholung des Consenses der Kurfürsten dazu, freilich 
noch unter der Bedingung, dass vorher die Translation des Deputations- 
tages nach Augsburg erfolge, verstand, dann, da Kurmainz und dessen 
Bundesgenossen sich auch dadurch noch nicht umstimmen liessen, auch diese 
Bedingung fallen Hess und November 1661 einfach den Reichstag ausschrieb. 
Kurfürst Friedrich Wilhelm hatte sich in den früheren Stadien dieses 
Streites, entsprechend der engen Bundesgenossenschaft, in welche ihn die 
Wechselfälle des nordischen Krieges zu Oesterreich geführt hatten, und 
dem gespannten Verhältnis, in welches er, nachdem die Rheinische Allianz 
ohne ihn abgeschlossen worden war, zu den Mitgliedern derselben getreten 
war, durchaus anf die kaiserliche Seite gestellt Auf jene Aufforderung des 
Kurfürsten von Mainz zur Beschickung der von demselben anf den 1. October 
1658 wieder nach Frankfurt berufeneu Roichsdeputation hatte er erwidert, >) 
dass er sich von der Reassumption derselben nach den bisherigen Erfah- 
rungen wenig Nutzen verspreche und dass er, da vorher zu Frankfurt ein 
einmüthiger Beschluss inbetreff derselben nicht gefasst sei, vielmehr die 
Majorität beschlossen habe, sich darüber zunächst mit dem Kaiser zu ver- 
ständigen, dorthin keine Gesandten abschicken werde, bevor er die Mei- 
nung des Kaisers und der anderen Kurfürsten erfahren habe, er hatte dann, 
als jene Deputation trotzdem zusammengetreten war, die Rechtsbeständig- 
keit derselben, da so wenige keine Deputation ausmachen könnten, bestritten ') 



1) 8. Ludwigs XIV. lostniction für Gravel vom 28. März und das Be- 
Bcript an denselben vom 1. Ootober 1661 (Gahrauer II S. 306. 814). 

^ Ef. an den Kurfürsten von Mainz d. Hauptquartier zu Trittan 21. Sep- 
tember/1. Ootober 1658 (Londorp VIII S. 448) s. Grössler S. 5. 

*) Kf. an denselben d. Feldlager vor Friedrichsode 27. Mai/ 6. Juni 1659 
(Londorp VIII S. 558). 



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Binleitang. 13 

TindKiirniainz dringend gerathen, der von dem Kaiser verlangten Verlegung 
derselben nach Regen8borg zuzustimmen, hatte selbst im October 1659 
Mathias v. Crockow als seinen Bevollmächtigten nach Regensburg 
gesendet, welcher bis zum Juli des nächsten Jahres sich dort aufgehalten 
bat. Er hatte ferner versucht auf die braunschweigischen Fürsten 
einzuwirken^) und diese zu bewegen, ihre Gesandten von Frankfurt ab* 
zurufen und auch nach Regensburg zu schicken, und in der That hatte 
jene im October 1659 an ihn abgeordnete Gesandtschaft^) derselben erklärt, 
dass sie nebst den übrigen noch zu Frankfurt versammelten Deputierten 
dazu bereit seien, freilich unter Hinzufügung der Bedingung, wenn ein „zu 
Sicherung der Stände und Verhütung künftiger Consequenz diensames 
Mittel^ getroffen werden könnte, und ohne dass sie sich zu einer näheren 
Erläuterung dieses sehr unbestimmten Vorbehaltes bewegen Hessen. Dass 
€8 denselben mit dieser Zusage keineswegs Ernst gewesen, zeigte sich bald 
auf der Zusammenkunft zu Tange rroünde') (Februar 1660), wo die braun- 
schweigischen Gesandten entsprechend der gleichzeitig von Kurmainz und 
Kurcöln an den Kaiser selbst gestellten Forderung verlangten, der Kur- 
fürst solle als bestes Mittel um den Streit wegen der Deputation zu been- 
digen den Kaiser um Wiederbemfung des Reichstages ersuchen. Der Kur- 
fürst hatte in seinem Bericht über diese Zusammenkunft an den Kaiser 
auch dieser Forderung Erwähnung gethan, der Kaiser hatte aber darauf 
erwidert], er könne nicht dafür halten, dass der drohenden Gefahr durch 
dieses Mittel, wohl aber durch sofortige Erneuerung des Deputationstages 
und Erledigung des puncti securitatis daselbst abgeholfen werden könne, 
und diesen Punkt, die Gefahren, welche eine Wiederberufung des Reichs- 
tages damals, noch während des Krieges, nach sich ziehen würde, hat er 
dem Kurfürsten auch durch den im April 1660 nach Berlin abgeschickten 
Fürsten Gonzaga^) näher vorstellen lassen. 

Bei den in der nächstfolgenden Zeit von dem Kurfürsten einerseits mit 
den braunschweigischen Herzogen, dem Landgrafeu von Hessen* 
Gas sei, dem Kurfürsten von Cöln und auch mit dem Kurfürsten von 
Mainz, gerade den Hauptführern der auf der Frankfurter Versammlung 
vertretenen Oppositionspartei, und andererseits mit dem Kaiser geführten 
Verhandlungen sind auch diese Fragen betreffend die Verlegung der Reichs* 
deputation und die Berufung des Reichstages mehrfach berührt worden und 
die nachfolgend abgedruckten Aktenstücke veranschaulichen auch die Stel- 
lung, welche der Kurfürst in den späteren Stadien des Streites über die- 
selben eingenommen hat^). Sie zeigen, dass er diesen Fragen an und für 



1) S. Kocher I 8. 284. 
^) S. oben 8. 4 f. 
^ S. oben 8. 6 f. 

«) 8. Urk. n. Akt. VIII S. 428 ff. und das unten abgedruckte Schreiben des 
Kaisers an Kf. vom 5. Juni 1660. 

^) Ganz kurz hat Droyseo, Gesch. d. Preass. Pol. III 3 S. 10 ff. diese Ver- 



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14 !• VerhandlaogeD wegen der Garantie des FriedeoB etc. 

sich nur eine geringe Wichtigkeit beigemessen nnd dass er keineswegs eine 
scharf ausgeprägte Parteistellnng in denselben eingenommen hat; im allge- 
meinen bleibt er aof der Seite des Kaisers, billigt und unterstützt er dessen 
Massnahmen, doch bemüht er sich denselben zu weiterer Nachgiebigkeit 
und dadnrch zur Beendigung des Streites zu bewegen. Schon früh scheint 
auch er in der Wiederbemfung des Reichstages das geeignetste Mittel 
dazu erkannt zu haben. Sofort nach der Beendigung der Olivaer Friedens- 
unterhandlungen fragt er bei dem Kaiser an, was derselbe jetzt nach dem 
Abschluss des Friedens in betreff des Reichstages zu thun gesonnen sei, er 
benutzt dann bald eine Gelegenheit, um unter schicklichem Yorwande sei- 
nen Gesandten Ton Regensburg, wo derselbe ganz unthätig hatte bleiben 
müssen, abzurufen; bei der Zusammenkunft mit dem Landgrafen von Hes- 
sen sucht er allerdings zuerst diesen zur Einwilligung in die Verlegung 
der Deputation an einen dritten Ort zu bestimmen, als aber dieser die Wie- 
derberufung des Reichstages fordert, erklärt er, er wolle sich auch den 
Reichstag gefallen lassen, wenn man ihn nur versichern könnte, dass aaf 
demselben auch wirklich die dringenden Angelegenheiten würden in Angriff 
genommen werden. In ähnlicher Weise spricht er sich dann auch dem 
Grafen Fürstenberg gegenüber aus, bei den Verhandlungen zu Cöln 
erklärt er sich für die Berufung des Reichstages, erbietet sich auch dem 
Kaiser dieselbe anzurathen, verlangt aber wiederum, man solle dafür sorgen, 
dass dort etwas Nützlicheres als bisher verrichtet werde nnd dass man dort 
in besserer Einigkeit erscheine. Dem Kaiser gegenüber hütet er sich 
wohl, die Berufung des Reichstages geradezu anzuempfehlen oder gar zn 
fordern, er berichtet ihm nur, dass die meisten Reichsstände dieselbe ver- 
langten und von der Verlegung und Fortsetzung der Reichsdeputation 
nichts wissen wollten, ebenso wenig aber missbilligt er dem Kurfürsten von 
Mainz gegenüber dessen Verfahren geradezu, doch ermahnt er ihn zu 
verhüten, dass nicht ,)durch allzu langsame consilia nnd Anstellung^ die 
Türkengefahr noch vermehrt werde. Als der Kaiser sich dann zur Fest- 
setzung des Termins für den Reichstag verstanden hat, versucht er die 
Kurfürsten von Cöln und Mainz zur vorherigen Abhaltung eines Knr- 
fürstentages zu bestimmen, giebt aber, als er dort nicht das gewünschte 
Entgegenkommen findet, den Gedanken auf. 



hältnisse berührt, genauere Nachrichten darüber hat nenerdiogs Köcher, Gesch. 
von Hannover und Braanschweig I S. 283ff. gegeben. 



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PropoBition der Enr-Cölnischen, Braunscbweigischen und 
Hesaißchen Gesandten.^ D. Cölna. Spree 26.ApriI/[6.Mai]1660. 

[Ef. and dessen BaDdesgenossen sowie Schweden sollen sich verpflichten gegen- 
seitig ihre Beichslande nicht anzugreifen, Anerbieten der Gktrantie dieser 

Znsichemng.] 

1660. 

Da ihre Fürsten den Znstand im Römischen Keieh so beschaf- 6. Mai. 

fen finden , dass, wenn dem nicht vorgebant wurde, eine universale Kriegs- 
flarome in demselben zu befürchten sei, so zweifeln sie zwar nicht an des 
S^. Intention, das Reich in seiner Sicherheit zu erhalten, weil aber ans den 
von der Krone Frankreich einkommenden Schreiben') bekannt sei, dass 
diese die in Pommern vorgegangene Expedition pro contraventione pacis 
achte und bei nicht erfolgender Abstellung derselben der Krone Schweden 
die im Westfälischen Frieden verglichene Garantie wirklich leisten wolle, 
80 wünschen die Fürsten, dass es dazn nicht kommen, sondern die in Pom- 
mern entstandene Unruhe cessiren möchte; sie haben es sich daher bei der 
Krone Frankreich angelegen sein lassen, dass mit Leistung wirklicher Ga- 
rantie möchte eingehalten werden, bis man zunächst durch gütliche Mittel 
versuche, das Reich wieder zu seiner Ruhe zu bringen und den darin kriC'- 
genden Theilen gleichwohl genügende Sicherheit dabei zu verschaffen. 



Die Gesandten waren: für Earcöln der Geheime Ratb, Westfälische Land- 
droat nnd Generalwachtmeister Freiherr Dietrich v. Landsberg, für die braan- 
schweigiscben Herzoge die Geheimenräthe Friedrich v. Heimbnrg (Wolfen- 
bfittel) nnd Bodo v. Gladebeck (Celle), für Hessen die Geheimenräthe Chri- 
stian Pagesteeher (Cassel) nnd Hans Eitel Diede zum Fnrstenstein 
(Dannstadt). Vgl. über diese Gesandtschaft Köcher, Geschichte von Hannover 
nnd Braanachweig I 8. 289. 

*) S. das Schreiben Ludwigs XIV. an die Reicbsdepntation zu Frankfurt 
d. Toalonse 5. December 1659, nnd die Schreiben Mazarins an den Kf. von 
demselben Datum nnd an die Eurfarsten von Mainz nnd Cöln vom 22. Decem- 
ber 1669 (Londorp VIII S. 661. 664f). 



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16 1- VerhandlnogeD wegen der Garantie des Friedens etc. 

Gestalt dan unsere gnädigste Chur-, Fürsten und Herren nicht 
allein ihre mitvereinigte Chur- und Fürsten, sondern auch die Chron 
Frankreich vermöge gethaner Erklärunge dahin geneigt und willig 
zu sein wissen, von der Chron Schweden eine solche Declaration, dass 
von derselben Ew. Chf. D. noch dero Conföderirter im Reich gelegene 
Landen nicht sollen invadiref 'werden, wan eine gleichmässige De- 
claration nebenst Restitution der occupirten Posten an die Chron 
Schweden geschieht, nicht allein zu Wege zu bringen, sondern auch, 
da es nöthig, zu Festhaltung solcher gegen einander ausliefernden 
Mutualversicherung sich als Garant darzustellen. 

Trotz der inzwischcD eröffneten friedlichen Aassichten ersuchen ihre 
Fürsten den Ef. doch, sein Absehen nicht aaf den Aasschlag oder die Eze- 
cation der Preassischen Tractaten zu richten, sondern, wenn es mit denselben 
sieh wider Yerhoffen noch verziehen sollte, gleichwohl nichts desto weniger, 
so bald man sich eines instramenti asseryationis werde verglichen haben, 
auch zagleieh die Yerordnnng zu thnn, dass die wirkliche Erledigung der 
in Pommern enstandenen Unruhe unverlangt erfolgen möge, sie sind zu- 
gleich der Zuversicht, dass sich die knegenden Parteien aller Feindselig- 
keit gegen beiderseits im Reich gelegene Lande enthalten werden. 



Protocollum, so mit den Kur-Cölniscben, sämtlichen Brann- 
schweigischen, Hessen Cassel- und Darmstädtischen Gesandten 
zu Berlin vergangen den 26. Aprilis und folgende Tage. 

6. Mai. Nachdem Kf. dem O.-Präsidenten v. Schwerin und dem v. Canstein 

befohlen, mit den Gesandten in Conferenz zu treten, begeben sich diese 
gleich am 26. April zu denselben und v. Schwerin erklärt ihnen nach 
den Curialien, es käme hauptsächlich darauf an, wie man des etwa zu erlan- 
genden Friedens versichert sein könnte. Denn ob zwar in den Polni- 
schen Tractaten dies Werk mit Pommern vorkomme und erledigt werden 
möchte, so bliebe doch Schweden armirt, führe auch gegen Dänemark ferner 
fort, nnd wollte Kf. daher vernehmen, was ihrer Priocipalen Gedanken 
hierunter, namentlich was sie der Garantie halber zu tbun gemeint seien. 
Zwar möchte man meinen, wenn nur der Friede geschlossen, so habe mau 
nichts weiter zu apprehendiren, der polnische nnd letzte dänische Krieg 
aber nnd die kurländische actiones bezeigten wohl das widrige. 

Die Gesandten erwidern darauf, sie wollten ihre mündlich gethane Pro- 
position schriftlich übergeben, dies geschieht am fogenden Tage (27 April), 

7. Mai. Kf. lässt ihnen darauf erklären, nach dieser Proposition schiene ihm, als wenn 



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EorcölDische, brannflchweigische a. hessische Gesandtschaft in Berlin. 17 

die Gesandten nnn, nach Abscblass des polnischen Friedens die Leistung 
der Garantie fast fQr nnnöthig hielten, man hätte ihm aber die mündliche Er- 
klärung derselben hinterbracht, er lasse ihnen daher vorstellen: 

1) ob sie die Proposition ihrer mündlichen Erklärung gemäss ändern 
oder desshalb ein anderes schriftliches Memorial übergeben wollten, in wel- 
chem die Garantie ohne Restriction offeriert werde. 

2) Ef. Ternehroe ungern , als wenn diese Garantie blos auf die Reichs- 
lande restringiert werden sollte. Weil ihre Principalen gegen den Kaiser 
auch zu Einnehmung der Scblesischeu und anderen Lande sich erklärt, so 
hoife Kt, man werde auch Preussen miteinschliessen. 

3) Weil sie selbst gestern angeführt, dass man hier nicht billig diese 
Garantie zustande bringen könnte, man gleichwohl wissen müsste, worauf 
die Garantie sich fandieren sollte, so bäte man, ein Project zu übergeben. 

4) Ef. hoffe, man hätte hierbei auch diese Meinung, dass, wenn etwa 
die Schweden post pacem Polonicam, ante vel post evacuationem der 
▼om Kaiser und Kf. occupierten Oerter ihn infestieren wollten, dass man 
ihm dagegen sofort cum effectu assistieren und nicht dieses nehmen wollte, 
als wenn es aus dem vorigen Kriege herrührte. Kf. müsste deshalb beson- 
ders erinnern, weil er den letzten Friedensbruch gegen Dänemark vor sich 
habe, den man nicht für einen Friedensbrnch, sondern dass es noch vom 
vorigen Kriege herrührte habe nehmen wollen, und weil ihm die schwedi- 
schen Desseins von früher her genugsam bekannt, da man zu der Zeit, als 
man auf schwedischer Seite seine Hülfe am höchsten nöthig gehabt, sich 
doch nicht gescheut, seine Seehäfen und Lande zu begehren. In der Pro- 
position geschehe auch nur der Lande der Conföderierten Erwähnung, Kf. hoffe 
nicht, dasR man dadurch die Kaiserlichen Erblande auszuschliessen suche. 

Auf das letzte antworten die Gesandten sofort, die angebotene Garan- 
tie sei auch auf die Kaiserlichen Erblande gemeint Im übrigen haben 
sie die Sachen in fernere Bedenken genommen, haben am folgenden Tage ihre 
Resolution schriftlich eingebracht, worauf dann auch Kf. seine endliche 8. Mai. 
Resolution ihnen schriftlich zukommen lassen, womit diese Conferenzen 
geendigt haben. 



Der Gesandten Erklärang auf die ihnen bei der gestrigen 

Conferenz vorgestellten 4 puncta wegen der Garantie. 

Cöln a. d. Sp. 27. April/[7. Mai] 1660. 

[Bedingangen der za ubernehmendeD Oarantie.] 

Soviel nun den ersten betrifft, lasset maus bei der — gestrigen 7. Mai. 
Tages so mündlich als schriftlich offerirten Garantie nochmalen be- 
wenden, kraft derer Ihre gn. Chur- Fürsten und HH. sich verobligi- 
ren, wenn S. Durchl. und dero Conföderirten bei der Resolution be- 

Mater. s. Gescb. d. 0. KarffirBten. ZI. 2 



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lg 1. Yerband]aDgen wegen der Garantie des Friedens etc. 

ständig verharren werden, nicht allein ihre Waffen in Pommern und 
anderen E. Schwedischen Reichslanden cessiren zu lassen, sondern 
auch die darin occupirte Oerter zu restituiren, sich nebst der Chron 
Frankreich und anderen ihren Mitalliirten Chur- und Fürsten als 
Garant dergestalt darzustellen, dass weder S. Chf. D. noch dero Con- 
föderirten im Reiche gelegene Lande von der Chron Schweden, 
die sich auf solchen Fall dazu alschon willfährig erklärt, angefochten 
werden sollen, wobei unsere gnädigsten Chur-, Fürsten und Herren 
zwar ganz gerne vernehmen, dass auch ausserdem kraft der auf dero 
Schluss stehenden Preussischen Tractaten die Hostilitäten in Pommern 
cessiren, auch die darin occupirte Oerter restituiret zu werden ganz 
gewisse Hoffnung geschöpfet wird, zu S. Chf. D. tragen sie aber das 
zuversichtliche Vertrauen, dass da auf allen .unverhofften Fall bei der 
Execution des in Preussen vielleicht alschon geschlossenen Friedens 
einige Hindemisse in den Weg kommen — — sollten, dass S. Chf. D. 
ofterwähnte cessationem armorum und Restitution der occupirten Oerter 
in Pommern alsdann auf die Execution des Polnischen Friedens nicht 
verweisen, sondern einen Weg als den anderen dazu gegen jetzo offe- 
rirte Garantie geneigt sein werden, zumal ausser deme unsern gnä- 
digsten Chur-, Fürsten und Herrn sehr bedenklich fallen dürfte, eine 
so schwere Obligation über sich zu nehmen. 

Gleichwie nun unsere gn. Chur-, Fürsten und HH. dafür halten 
müssen, dass S. Chf. D. auf solche Weise genugsam gesichert sein, 
also werden sie gleichwohl nicht unterlassen auf nächstem Reichs- 
tage sich dahin zu bearbeiten, dass nicht allein der punctus securi- 
tatis publicae insgemein recht gefasset, sondern auch zuforderst S. Chf. 
D. nach Anleitung dero denen K. Mainzischen und Cölnischen 
an den Kaiserl. Hof deputirten Gesandten aufgegebenen Commission 
von dem ganzen Reiche gnugsame Sicherheit verschaffet werde, in- 
zwischen aber und bis dahin lassen sie es bei ihrem vorigen Erbieten 
der Garantie halber bewenden — zweifeln gleichwohl nicht, es werden 
S. Chf. D. — wie nöthig es sei, dass die prorogata comitia fürder- 
lichst reassumiret werden, erwägen und dieselbe — möglichst beför- 
dern helfen. — Indem nun hieraus die Churf. deputirte geheimbte mi- 
nistri der anwesenden Gesandten hoher Herrn Principalen eigentliche 
— Intention klärlich werden zu vernehmen haben, als hält man die 
bei dem dritten puncto begehrte Entwerfung eines Projects für jetzo 
überflüssig. 

Wohin der anwesenden Gesandten hoher Herrn Principalen in- 



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RarcölDiBche, braaDSchweigiBche a. hessische Gesandtschaft in Berlin. 19 

tentio bei dem vierten puncto gerichtet, wird yerhofifentlich aus obigem 
zur Genüge erhellen. — 

Was in^ dem andern puncto wegen Miteinschliessung des Ghurf. 
Preussens angefahret, darauf befinden die — Gesandten sich nicht 
instruiret, sein aber ihren gn. Chur-, Fürsten und Herrn bei ihrer 
Zurückkunft alles fideliter zu referiren erbötig. — 



S. Chf. D. Resolution auf der Gesandten Anbringen. 
Cöln a. d. Sp. 30. April/[10. Mai] 1660.^) 

(Ueber die Garantie ist aof einer nenen Zusammenkanft zn verhandeln, Prenssen 
mnss in dieselbe eingeschlossen werden.] 

Tragen die Hoffnung, dass der höchste Gott ver- lo. Mai. 

mittelst Verleihung eines allgemeinen Friedens alles in vorige Sicher- 
heit und gewünschte Ruhe stellen — werde. Wie aber dabei vornehm- 
lieh auch auf die Befestigung desselbigen zu sehen, also können S. 
Chf. D. die deshalb an Seiten Ihrer Chur-, und Fürstl. Dchl. Dchl. 
angebotene Guarantie nicht anders als zu des gemeinen Besten Sicher- 
heit zielend erkennen und wohl aufnehmen, nicht zweifelnd, es wer- 
den auch der Herrn Abgesandten hohe Principalen darob ferner die 
Hand halten, damit was zu Perfectirung dieses alles diensam, ge- 
bührend befördert und zum Effect gebracht werde, und aldieweil hiezu 
allenthalben weitere Vernehmung, insonderheit auch mit den Cronen 
Frankreich und Schweden erfordert wird, von solchen Cronen 
dabei die Herrn Abgesandten nichts beständiges, sicheres und eigent- 
liches itzo exhibiren, sondern selbst erinnern, dass dieses alles bis 
zu solcher weiteren Vernehmung und deswegen absonderlich ange- 
stellter Tagefahrt ausgestellet bleiben müsse, dabenebenst auch von 
der Herrn Abgesandten hohen Principalen diese Sache an die Rom. 
Eaiserl. M. — schon vorher o gebracht ist, so können S. Chf. D. 
nicht weniger, als die völlige Abhandlung dieser erwähnten Guarantie 
bis zu — Ihr. Eaiserl. M. allergnädigsten Erklärung, wie auch der 
angeregten Zusammenkunft ausgestellet sein zu lassen. S. Chf. D. 
wird jedoch lieb sein, dass diese Zusammenkunft nicht nur je ehender 
je lieber vorgehen möge, sondern versehen sich darnebenst, dass 



>) Von demselben Tage ist auch das Recreditiv des Kf. für die Gesandten 
datiert. 

2* 



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20 1- Verhandlangen wegen der Garantie des Friedens etc. 

wann I. Kaiserl. M. und S. Chf. D. von ferneren Hostilitäten gegen 
Pommern und andere in dem Reiche von den Schwedischen be- 
sitzende Länder Inhalten thäten, nachgehends aber I. Kaiserl. M. und 
S. Chf. D. ungeachtet dessen, so zu Dan zig etwa verhandelt sein 
möchte, von der Cron Schweden im Reiche angegriffen werden 
sollten, alsdann der angebotenen Guarantie nach sowohl von der 
Cron Frankreich als von LI. Churf. und Fürstl. Dchl. Dchl. kräftig- 
lich assistirt werden wird. 

So tragen S. Chf. D. kein Zweifel, es werden die Herrn 

Abgesandten aus dem letzten Polnischen Kriege angemerket haben, 
wie dero Oerter in Polen und Preussen nicht wohl einige motus 
vorgehen können, die nicht zugleich das Rom. Reich und dessen Pro- 
vinzen miteinflechteten, darwider dann alle vincula im Rom. Reich 
vergeblich, nichts aber beständiger dieses zu verhindern vermag, als 
wenn diejenigen, so auch dero Oerter Unruhe anzurichten sich unter- 
nehmen, durch eine solche Guarantie (die auch S. Chf. D. Preus- 
sische und angehörige Länder mitbegreift) davon abgehalten und 
gehindert würden, in welche zu verwilligen S. Chf. D. so viel we- 
niger Schwierigkeit sich vermuthen können, angemerket, gegen L 
Kais. M. der Schlesischen und andern Landen zu einer solchen 
Guarantie sich der Herrn Abgesandten Principalen von sich selbst 
anerbietig gemacht. 



Gesamtrelation von v. Landsberg, v. Heimburg, Bodo v. Glade- 

beck, A. Chr. Pagestecher und Hans Eitel Diede zum FürBten- 

stein an ihre Principalen. D. Magdeburg 4./ [14.] Mai 1660. 

(Hannoversches Archiv.) 

[Verlauf der YerhandlangeD. Die an den Kf. zu stellenden Forderungen und die 
mit den Alliierten zu beratbenden Punkte.] 

U.Mai. Sie haben 26. April bei Kf. in GöId a. Sp. Andienz gehabt and darauf 

mit den von diesem deputierten Geheimen Räthen Conferenz gehalten. Sie 
legen bei ihre Proposition i), die sie auf Grund ihrer Instruktion und der 
durch die bei ihrer Ankunft überall erschollenen Friedensnachrichten etwas 
veränderten Conjuncturen aufgestellti und die Antwort; welche Kf. durch den 
O.Präsidenten v. Schwerin ihnen hat ertheilen lassen 3), sowie das Protokoll 



») S. oben S. 15. 
3) 8. 19. 



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Karcoloische, braanschweigische u. hessische Gesandtschaft io Berlio. 21 

über die Conferenzen. Da die brandenbargischeD Deputierten dafür gehal- 
ten haben, dass die von ihnen offerierte Oarantie zn sehr restringiert sei, nnd 
begehrten, dass in diesem puncto ihre Proposition durch ein Memorial erläu- 
tert werde ') , so haben sie durch eine Declaration die Oarantie nicht nur 
auf die Cessation der Waffen und Restitution der oecupierten Oerter in 
Pommern ohne einige Reflexion auf die Ezecution der Preussischen Frie- 
denstractaten, sondern auch ratione temporis bis auf den folgenden Reichs- 
tag KU restringieren für nöthig erachtet, da vermöge der nun geschlossenen 
Friedenstractaten, wenn dieselben ratificiert und exequiert werden, die Hosti- 
litäten ohne das cessieren und die oecupierten Oerter restituiert werden müssen, 
die Fürsten aber gewiss nicht gemeint sein werden, die Garantie zu ver- 
sprechen, wenn nicht dagegen die Versicherung geschehen sollte, dass auch, 
falls die Execntion der Friedenstractaten verzögert werden sollte, doch die 
Hostilitäten in Pommern cessieren und die dort oecupierten Oerter gegen 
die offerierte Garantie restituiert werden sollten, zumal sonst der Zweck, das 
Reich in Ruhe zu halten nnd die sonst unfehlbar erfolgende französische 
Garantie abzuwenden, ganz verfehlt werden dürfte. 

Kf. hat sich aber darauf nicht categorice resolviert, sondern in seiner 
ihnen übergebenen Resolution^ die völlige Abhandlang der Garantie auf 
Commnnication mit dem Kaiser und fernere Vernehmung ausgestellt; sie 
haben darauf ihre frühere Deklaration noch einmal schriftlich wiederholt 
und Schwerin hat des Ef. Intention dieses puacti halber ad protocoUum 
declariert. 

Sie hoffen, nachdem Ef. die offerierte Garantie nicht allein acceptiert, 
sondern auch zu Ausmachung derselben eine zu dem Ende vorgeschlagene 
anderweitige Zusammenkunft beliebt hat, es werde dabei keine andere Mei- 
nung haben, als dass gegen Auslieferung des Instrumenti assecurationis Kf. 
auch declarieren werde, wofern bei Execntion des Friedens die Pommersche 
Restitution stecken bliebe, sollte dieselbe doch kraft besagter Garantie er- 
folgen ; wenn daher bei der neuen Zusammenkunft Kf. sich zu solcher Even- 
tualversicherung nicht inclinieit befinden sollte, müsste seinen Ministern remon- 
striert werden, dass dann auch die Fürsten nicht einsehen könnten, wie 
ihnen die Prästation einer Specialversicherung zuzumuthen sei, da Kf., ob 
er zwar in Ansehung dieser Garantie die Preussischen Tractaten beschleu- 
nigen helfen, doch auf solche offerierte Securität keine Eventualversicherung 
des effectus thun wollte. 

Sie rathen, die Fürsten möchten je eher je lieber mit den übrigen Al- 
liierten und den Ministern der Kronen überlegen lassen, wie das Instr. asse- 
curationis am besten abzufassen, ob, wenn Kf. nicht auf die weitere Zusam- 
menkunft dringen, sondern auf den Ausschlag der Execution des polni- 
schen Friedens sein Absehen behalten wollte, man ihm zu Adjustierung 
der mutuellen Securität Ort und Zeit vorschlagen solle, und ob die Alliier- 



*) S. 17. 
*) S. 19. 



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22 1- Verhandlungen wegen der Garantie des Friedens etc. 

ten zafrieden seien « dass Kf. zu Amplectierang der Allianz nocbmals mit 
invitiert würde. 



Der Kurfttrat an Kaiser Leopold. D. Cöln 2./[12.] Mai 1660. 
(Conc. 0. V. Schwerin.) 

[Mittheilang der Verhandlungen mit E.Cöln, Braunschweig und Hessen. Anfrage 
wegen der angebotenen Garantie und des Reichstages] 

12. Mai. Er theilt mit, was auf den mit den Gesandten von K. Cöln, Brann- 
schweig und Hessen- Cassel and Darmstadt gehaltenen Conferenzen 
vorgegangen. Obwohl es nach dem jetzt za Dan zig geschlossenen Frie- 
den rathsam ist, diese von Frankreich und den genannten Ständen ao- 
gebotene Garantie zu acceptieren, so hat er doch, ohne des Kaisers Willens- 
meinung einzuholen, hierin nicht einseitig etwas Hauptsächliches erklären 
wollen, ersucht also den Kaiser ihn seine Meinung in betreff dieser Garan- 
tie und der dabei angehängten Conditionen, wie auch was er jetzt nach 
geschlossenem Polnischen Frieden wegen des Reichstages zu thun ge- 
sonnen, wissen zu lassen. 



Kaiser Leopold an den Kurfürsten. D. Wien 5. Juni 1660. 

[auf das Schreiben vom 2./ 12. Mai. Empfehlung einer Verbindung mit K. Sachsen, 

Braunschweig, Hessen und E. Baiern. Eröffnungen Fürstenbergs. Reichstag 

unstatthaft. Berufung der Reich sdeputation.] 

5. Juni. Dank für die Mittheilung; er ist mit dem, was Kf. in dieser Sache ge- 

than, durchaus einverstanden. Er hält es für ihre beiderseitige Sicherheit 
am dienlichsten, wenn Kf. sich bei K.Sachsen, dem Hanse Braun- 
schweig, Hessen-Cassel und anderen Confidenten dahin bemühe, dass 
dieselben sich mit ihnen beiden zu Exeqnierung dessen, was in dem Frieden 
geschlossen, contra qnoscumque turbatores pacis verbänden, er seinerseits 
will sich ebenso bemühen, dieselben wie auch K. Baiern dazu zn dispo- 
nieren. 

Es hat zwar der an seinem Hofe bisher anwesende E. Cölnische Christ 
Hoflfmeister, Graf Egon von Fürstenberg ihm durch seinen Obristen 
Hoflfmeister den Vorschlag einer Allianz contra qnoscumque invasores, 
bis man sich hernach auf dem Reichstage einer rechten Reichs- und 
Kreisverfassung vergleichen möchte, beibringen lassen, er hat aber den- 
selben nur dahin beschieden, er sei nicht ungeneigt, mit K. Cöln und anderen 
Fürsten sich in ein solches Bündnis einzulassen, und stelle zn ihrem Be- 
lieben, ob sie ihm eröffnen wollten, was für Kur-, Fürsten und Stände man 
ihres Davorhaltens dazu weiter einzuladen hätte, und wie sich dieselben 
dazu zu verstehen und einzulassen gedächten. Wegen des Reichstages 



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Verlegaog der ReichsdeputatioD. 23 

hat er dnrch Fürst Gonzaga^) dem Kf. eröffnen lassen, aus was für er- 
heblichen Motiven er damals die Reassumption desselben für bedenk- 
lich und den damals anf dem Schlnss stehenden Preussischen Tractaten 
für hinderlich gehalten, aach jetzt erachtet er es für das beste, man möchte 
dem Werk so lange einen Anstand geben, bis man sehe, wie nach vollzo- 
genem Frieden sich der Status rernm im Reich anliesse. Nachdem ihm 
der Vorschlag') an die Pland gekommen, er möchte sämtlichen Reichsde- 
pntierten Ständen schreiben, weil nun der allgemeine Frieden geschlossen, 
man sich aber wegen Consolidation des Deputationstages bisher nicht habe 
vergleichen können, und da man nun in executione des getroffenen Friedens 
begriffnen sei, .ob ihnen gefällig sei, dass künftiges Jahr Anfang März die 
gesamten Reichsdeputierten zusammen kämen, um das vorzunehmen, 
was auf letztem Reichstage der Reichsdepntation übergeben, wie auch de 
praeparatoriis zu dem künftigen Reichstage geredet werden könnte, falls 
inzwischen eine Gefahr auskommen sollte, wollte er, der Kaiser, nicht allein 
den Depntations-, sondern auch einen Reichstag selbst ausschreiben lassen, 
hat er den Grafen v. Fürstenberg zugleich beauftragt, bei K.Mainz, 
K. Cöln und anderen ihren Confidenten zu sondieren, ob und wie weit sie 
sich zo diesem Vorschlage verstehen möchten, er wird Kf. dann Antwort 
mittheilen und auch dessen Gedanken darüber vernehmen. 



Der Kurfürst an Kaiser Leopold. D. Cöln 9./[19.] Juni 1660. 
(Conc. 0. V. Schwerin.) 

[Aaf das Schreiben vom 5. Jani. Zastimmong zu der Aufhebung und späteren 
Reassumierung der KeichsdeputatioD.] 

Wegen der verabredeten weiteren Zusammenkunft hat er bisher noch 19. Juoi. 
nicht die geringste Nachricht erhalten. Betreffend die Aufhebung der De- 
putation und deren Reassumierung im nächsten März will er sich ganz mit 
dem Kaiser conformieren und seinen Gesandten ehestens von Regensburg 
ZDrückkommen lassen'). 



Ueber dessen Mission an den Kf. (Ende April und Anfang Mai 1660) b. 
Urk. u. Akt. VIII S. 428 ff. 

*) Dieser Vorschlag stammte nach dem S. 24 mitgetbeilten Schreiben des 
Kaisers an den Kf. vom 13. Juli und nach den Mittheilungen, welche der Kur- 
fürst von Mainz dem braunschweigiscben Gesandten in Frankfurt Heyland 
machte (Köcher I S. 295), von Fürstenberg selbst her; s. auch Ludwigs XIV 
Instruktion für Gravel (Guhrauer II S. 306), in welcher der König angiebt, 
man bemühe sich den Grafen Egon durch dessen in Paris anwesenden Bruder, den 
Grafen Wrlhelm von Fürstenberg, zum Aufgeben dieses Gedankens zu bringen. 

') Schon am nächsten Tage (10./20 Juni) beauftragt Kf. seinen Gesandten 
KU Regensburg, Matthias v. Grookow, welcher dort seit Oktober 1659 anwe- 
send war, aber, zumal nach dem Friedensschlüsse, ganz unthätig hatte bleiben 
müsseo, er solle sich erkundigen, ob er ohoe Offension, unter dem Vorgeben 
eigener Geschäfte, von dort zurückkehren könne. 



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24 1- VerhaDdlaogen wegen der Garautie des FriedeDS eic 

Kaiser Leopold an den KurftirBten. D. Wien 13, Juli 1660. 

[auf das Schreiben vom 9./19' Jani* Di® Aufhebung des Regensburger Deputa- 
tionstagea kann nur nach Auflösung der Frankfurter Versammlung und mit Zu- 
stimmung aller Deputierten erfolgen. 

13. Juli. — Was nun den von dem Grafen Frantz Egon von Fürsten- 
berg ins Mittel gebrachten Vorschlag veegen Aufhebung des Deputa- 
tionstages und dessen Reassumirung im nächstkünftigen Monat Martio 

— anlanget, finde ich, dass in meinem an Ew. Ld. diesfalls abge- 
lassenen — Schreiben meine Intention entweder nit gnugsam expri- 
miret oder an Ew. Ld. selten nit allerdings eingenommen sein mag, 
sintemaln meine dem Grafen von Fttrstenberg auf diesen seinen 
Vorschlag eröffnete Intention dahin gangen, dass, wan er das Werk 
bei K. Mainz Ld. auch dahin bringen würde, dass dieselbe ihro die 
Aufhebung des Deputationstages und dessen Reassumption im Monat 
Martio nächstkttnftigen Jahres zu Regensburg mit belieben Hessen 
(weiln er wegen seines Herrn consensus bereits die Zusag gethan) und 
ich dessen beständig vergewissert sein würde, dass ich alsdann auch 
mit meinen Confidenten aus dem Werk weiter communiciren und nach 
derselben eingeholter Gemüthsmeinung mich hinwiederumb erklären, 
im wenigsten aber nit, dass ich den Deputationstag zu Regensburg 
ihrer aller un vernommener aufheben wollte, ehe man vorhero ver- 
sichert sein würde, dass die in Frankfurt sich noch befindende we- 
nige Räthe ihre Versammlung aufgelassen hätten, damit dieselbe nit 
etwa aus der allzu frühzeitigen Abforderung einer oder anderer Ge- 
sandtschaft von Regensburg eine Dissolution selbigen Convents er- 
zwingen und hingegen die Frankfurtische Versammlung pro legi- 
time et ordinario conventu Deputationis auszuschreien — sich an- 
massen möchten. Ich ersuche demnach Ew. Ld. — sie wollen ihren 
Abgesandten bis dahin zu besagtem Bogen sburg subsistiren lassen 

— und ihm so lange daselbst zu verbleiben anbefehlen, bis wir uns 
allerseits nach vernommener K. Mainz- und E. Co Inischer Erklärung 
mit einander eines einhelligen Schlusses verglichen haben werden '). 



Zu diesem Schreiben bemerkt M. v. Crockow, dem der österreichische 
Gesandte in Begensburg, Volmer eine Abschrift desselben sugestellt hatte, 
(Begensburg 19. Juli 1660) : »so bei mir allerhand Nachdenken verursachet oder 
mich in meiner vorigen Meinung mehr und mehr bestärket, es sei nämlich am 
Kaiserlichen Hof kein Ernst so wenig einen Deputation- als gemeinen Reichstag 
zu halten, sondern gleichsam per circulum immerfort uf etliche Jahre ad seram 



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Verlegang der Reicbsdeputation- 25 

Der Kurfttrst an Matthias v. Crockow. D. Cöln a. d. Sp. 
9./[19.] Juli 1660. 

[Befehl von Regeosbarg zurackzokebreD.] 

— Ob wir zwar befinden, dass die zu dem R. Deputationstage ver- 19. Juli. 
ordneten Kaiserl. Commissarii dahin zielen, dass Ihr Eure Abreise 
einzustellen und, ehe man von einander ziehet, vorerst der Kaiserl. 
Resolution zu erwarten, so sehen wir doch hingegen je mehr und 
mehr schlechtere Apparenz, dass die zu Frankfurt anwesende De- 
putirte, zumal nach numehr zwischen allerseits kriegenden Parteien 
getroffenen Frieden, sich von dar weg begeben und zuRegenspurg 
einfinden werden, sondern es wird auf ein ander Expedient zu ge- 
denken sein. Weil nun die Kosten nebenst der Zeit vergeblich an- 
gewandt und dergleichen noch weiter geschehen wird, so verbleiben 
wir noch der Meinung, dass Ihr unterm Prätext einiger Euch ange- 
legener privatorum, und dass Ihr nicht lange auszusein verhofiftet — 
zuiorderst bei der Kaiserlichen und dann den — übrigen Gesandt- 
schaften Abschied nehmet und Eure Rückreise in dem Namen Gottes 
fortsetzet. Eine andere Person dahin zu senden finden wir bei so- 
thaner Beschaffenheit nicht rathsam *). — 



usque poBteritatem die albie anwesende Abgesandten affzubalten. — - Zu was 
Ende oder was vor occnlta consilia darunter stecken, kann möglich das Sieben- 
bürgische Wesen und dass man zuvor abwarten wolle, ob man mit dem Türken 
in Gute von einander kommen könne oder nicht, die grosste Coosideration sein. 
Ob aber der anwesenden Abgesandten Chur- und Fürstliche hohe Herrschaft so 
immerhin mit schweren Kosten einig und allein T. Kais. M. zu gefallen die Ih- 
rigen alhie so vergeblich werden verbleiben lassen, solches stehet dahin.* 

^ Kf. erneuert (d. Göin 30. Juli/9. August 1660} an v. Crockow die Weisung, 
sich nach Berlin zurückzubegeben, und theilt ihm mit, dass er, damit inzwischen in 
Regensburg nichts verabsäumt werde, den Hof- und Kammergerichtsrath Georg 
Friedrich v. Borstell, der sich in Kommission zu Baireuth befinde, beauf- 
tragt habe, sich dorthin zu begeben. Derselbe scheint aber dort nicht erschie- 
nen ZQ sein, weitere Berichte aus Regensburg sind in den Akten nicht vorhanden, 
Kf. entschuldigt sich bei Markgraf Georg Alb recht von Ans p ach (d. Cöln 
11./21. Februar 1661), dass er wegen anderweitiger Verhinderung noch zur Zeit 
niemand nach Regensburg abschicken und daher auch nicht an den dort zu füh- 
renden Verhandlungen zwischen dem Markgrafen und Kurbai ern könne theil- 
nehmen lassen, und der Gesandte des Markgrafen, v. Fühel, meldet dem Kf. 
(d. Regensburg 15. März 1661), allerseits, namentlich die Kaiserlichen und Kur- 
bairischen hätten ihn nach der Gesandtschaft des Kurfürsten gefragt und war- 
teten noch immer mit Verlangen auf dieselbe in der Hoffnung, dass dann auch 
die sa Frankfurt Anwesenden sich in Regensburg einfinden würden. 



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26 1- Verhandlnogen wegen der Garantie des Friedens etc. 

Der Kurfürst an den Kurfürsten von Cöln, die Herzoge von 

Braunschweig und die Landgrafen von Hessen - Cassel und 

Darmstadt D. Cöln a. d. Spree 3./[13.] Juli 1660. 

[AnfVage wegen der verabredeten ZosammenkoDft.] 

13. Joli. Er fragt an, ob nicht die verabredete weitere Zasammenkanft erfolgen 
solle, nnd bittet Ort und Zeit dazn za bestimmen nnd ihre Abgesandten 
vornehmlich dahin zn instruieren, wie der Friede exeqniert, erhalten und fer- 
nere Infractionen desselben abgewendet werden könnten. 



Augüstus, Christian Ludwig und Georg Wilhelm, Herzoge zu 

Braunschweig und Lüneburg an den Kurfürsten 

D. 21./[3L] Juli 1660/) 

[Nothwendtgkeit des Reichstages] 

31. Juli. Nachdem inzwischen der Polnische und auch der Dänische Frie- 

den zu Stande gekommen sind, wird hofifentlich die daher dem Reiche dro- 
hende Gefahr jetzt von selbst aufhören und desfalls keine weitere Be- 
mühung bei einem oder andern Theil von nöthen sei. Wohl aber schwebt 
das Reich noch wegen in- und auswärtiger Kriege und zu besorgender inner- 
licher Empörung in grosser Gefahr, im Reiche ist garkeine Anstalt nnd Ver- 
fassung vorhanden, um dasselbe in Sicherheit zu erhalten, eine solche höchst- 
nöthige Verfassung kann aber nur von den gesamten Ständen des Reiches 
bei dessen allgemeiner Versammlung zustande gebracht werden, sie ersucbeo 
daher Kf. auf nachdrückliche Mittel und Wege zu denken, dadurch die 
Wiederantretang des schon weit über die bestimmte Zeit erstreckten Reichs- 
tages ') unverzüglich befördert nnd so dem Streit und der Trennung wegen 
des Deputationsconvents ein Ende gemacht werde. 



Ein Schreiben ähDlichen Inhalts richten auch die Landgrafen von Hessen- 
Caseel und Darmstadi an £f. (d. 31. Juli. 10. Aogost 1660). 

^ Der loeret von Karcöln angeregte Gedanke, den Streit über die Ver- 
legQDg der Reichsdeputation durch Wiederberufuog des Reichstages la been- 
digen (8 Grössler S. 11), ist nachher mit besonderer Lebhaftigkeit von den 
braanschweigisc ben Herzogen aufgenommen worden, 8. die Instruktion Her- 
xog Christian Ludwigs für seinen Gesandten in Frankfurt vom 21./31. Juli 
16^9 (Röcherl S. 6^) und das Schreiben der ausschreibenden Fürsten des 
Diederaicbsischeo Kreises an den Kaiser vom 11. :^1. September 1661 (Diarium 
Enropaenm VI S. >«\ 



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Forderaog der Wiedorberufnng des Reichstages. 27 

Maximilian Henrich, Kurfürst von Cöln, Augustus, Christian 
Ludwig und Georg Wilhelm, Herzoge von Braunschweig, 
Wilhelm und Georg, Landgrafen zu Hessen an den Kur- 
fürsten D. IL August 1660. 

[aaf das Schreiben vom 3./ 13. Jali. Nothwendigkeit der GommanicatioD mit 

ihren Mitalliierteo.] 

Weil die Sachen mit der veranlassten Zusammenkunft so beschaffen 11. Aug. 
sind, dass darob mit ihren übrigen Mitalliierten zu communicieren die Noth- 
dürft erfordert, so werden sie diese Commnnication befördern und alsdann sich 
gegen Kf. erklären, sie bitten, diesen unumgänglichen Verzug nicht übel 
zu vermerken. 



ProtocoU was zwischen S. Churf. D. zu Brandenburg ver- 
ordneten HH. Commissarien, dem H. Oberpräsidenten Frei- 
herm v. Schwerin, H. Generalkriegscommissarius v. Platen, 
H. Hoffmarschallen v. Canstein und H. Cantzler v. Jena 
einestheils und dan denen Fürstl, Hessischen H. HofFmar- 
schall vom Hoff und H. Cantzler Vultejum anderstheils ge- 
handelt worden/) 
1. Conferenz den 10. Deeember 1660 auf dem Hause Sparenberg. 
[Die Garantie. Drobnngeo der Schweden. Die Türkengefabr. Die PoBtangelegen- 
heit. Beschwerde über die Gesandten in Frankfurt.] 

Die K. brandenburgischen erinnern daran, dass Hessen und an- 20. Dec. 
dere bei dem jüngsten Kriege unterschiedliche Male den Kf. ermahnt 
hätten, mit Schweden billige Tractaten einzugehen, und dass sie, 
damit Kf. deshalb nicht in Gefahr geriethe, ihn dergestalt hätten garantieren 
wollen, dass er in keiner Unsicherheit deswegen stehen sollte. K. Cöln, 
Hessen, Braun schweig und andere hätten durch Ambassaden es auch 
solenniter offerieren lassen, und nachdem mehrmals darüber conferiert worden, 
wäre man so weit einig geworden, dass es nur zu weiterer Zusammenkunft 
ausgesetzt sei, bei welcher die Garantie abgefasst und in allen Theilen voll- 
zogen werden sollte, Kf. hätte nach diesem öfters daran erinnert, dass diese 
Garantie zu Werk gebracht werde, es wäre aber bis dato stecken geblieben, 
er wollte den Landgrafen erinnern lassen, dieses Werk zur Richtigkeit zu 
befördern. 



^) Diese Zusammenkanft mit seinem Schwager, dem Landgrafen Wilhelm 
▼OD HeBsen-Oassel hielt der Kurfürst auf der Durchreise nach Gleve, wohin 
er eich im Deeember (irrig giebt Diarium Europ. VI S. 127 den 26. No- 
vember als den Tag seiner Ankunft in Cleve an) begab, um die Verhandlungen 
mit den dortigen Ständen zum Abschluss zu bringen. S. Urk. u. Akt. V S. 939. 



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28 1- VerhandloDgeD wegen der Garaotie des FriedcDS etc. 

Dabey ist yorgestellet worden, dass Schweden viele Dränungen 
wider S. Chf. D. auch nach geschlossenen Frieden vernehmen lassen, 
welches, ob es schon S, Chf. D. nicht von Consideration zu sein ge- 
halten, so wäre es dennoch von solchen Personen geredet, die nicht 
ausser Condition seind, gestaltGraf Schlippenbach*) gesagt, sie hätten 
nun Frieden gemacht, wollten denselben auch mit allen halten, aber 
Sr. Chf. D. konnten sie es nicht schenken. Andere hätten auch der- 
gleichen Reden geführet und öffentlich gesagt, Moskau habe nichts, 
daran sie sich erholen konnten, mttssten demnach andere suchen, der- 
gleichen Briefe dan noch itzo alhier eingekommen, und stelleten die 
Schweden die Werbungen noch stark fort. 

2) Durch den Streit wegen des Depatationstages sei bisher die Zu- 
sammensetzung der Stände verhiodert. Weil aber die Gefahr mehr uud 
mehr zunehme, insonderheit wegen des Türken in Siebenbürgen, wel- 
cher stark armierte, so wünsche Ef., dass Kar- und Fürsten bei dieser Zeit 
zusammentreten, die Gefahr überlegen und auf remedia gedenken möchten. 
Weil man vermeinte, E.Mainz habe Nürnberg vorgeschlagen'), so 
zweifle Kf. nicht, der Landgraf werde helfen, dass der Tag an einen an- 
dern bequemen Ort verlegt werde, gestalt Braun schweig sich desfalls 
auf Hessen referiert hätte. 

3) Gegenüber') den Eingriflfen des Grafen Taxis wegen des Post- 
meisteramts habe Kf. seine und den anderen Stände Befugnis eifrig ver- 
fochten und wünsche, dass der Landgraf mit ihm umtrete, die Posten auf 
solche Art auch in seinen Landen zu bestellen. Die Stadt Dan zig oder 
der König in Polen wollte auch eine Post durch des Kf. Lande anlegen 
und auf Stettin gehen lassen und schiene es, dass Schweden ihnen dar- 
unter zu fügen suche. Weil es aber beschwerlich, wenn es von Auswär- 
tigen geschehen sollte, so hofife Ef. Hessen werde ihm assistieren, er wünsche 
auch zu vernehmen, was sie vermeinten, wie Ef. sich zu betragen hätte, 
wenn Schweden sich solches Werkes mit Gewalt unterfangen wollte. 

4) Kf. beklagt sich, dass die zu Frankfurt subsistierenden Räthe ihm 
den gebührenden TiteP) entzögen, und ersucht Hessen dafür zu sorgen, 
dass es inskünftige nicht mehr geschehen möchte. 



') Ueber Schlippenbachs feindselige Haitong gegen den Rf. und dio 
Machinationeo desseibeD in Polen nach dem Olivaer Frieden s. Urk. u. Akt IX 
S. 7L78. 149 f. 182.202. 

') Diesen Vorschlag liessen die Karfursten von Mainz und Cöln dem 
Kaiser durch den von diesem an den ersteren abgesendeten Reichs vicekanzler 
v. Waldendorf machen, s. Köcher I, S. 297. 655. 

^ Ueber diese PostaDgelegenheit s. Urk. u Akt. IX S. 12. 

*) S. Urk. n. Akt. VIII S. 568. 



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ZnaammeDkanft mit dem Landgrafen von Hessen. 29 

2. Conferenz. 11. December 1660. 

[Die Garantie. Empfehlong des Eintritts des Kf. in die Rheinische Allianz. 
Nothwendigkeit der Wiederbernfong des Reichstages. Die E. Pfälzische 

Ehesache.] 

Die Hessischen erklären, sie könnten sich auf die gestern proponier- 21. Dec. 
ten Punkte wegen Mangelang einiger nötbigen Sachen hauptsächlich nicht 
einlassen, erwidern nur: 

ad 1} sie hätten öfters wegen der Garantie an gehörigen Orten Erinne- 
rung gethan, bis dato aber wäre nichts geschehen wegen anderer unterlau- 
fender Sachen, so es gehindert, sie wollten aber, wenn nöthig, weitere Er- 
innerung tbun, damit eine gewierige Resolution erfolge. Die Bedräuungen 
hätte ihr Fürst mit Bestürzung vernommen, glaubte aber dennoch, dass es 
die Krön Schweden sich annehmen werde, und weil es nicht durch Par- 
ticnliersacheo zu heben, so würde Ef. zu rathen sein, mehr auf die Alliance 
ZQ reflectieren. 

ad 2) Ihr Fürst zweifle, ob durch Translation des Deputationstages 
dem Werk zu helfen sei, das zulänglichste Mittel würde sein Reassumtion des 
Reichstages, jedoch wenn das andere zulänglicher sollte erachtet werdeu, 
wollte er sich gerne conformieren. 

ad 3) Graf Taxis gegenüber wolle ihr Fürst gern für der Stände 
Gerechtsame miteintreten. Wie er wegen des Danziger Eingriffs dem Ef. 
assistieren könne, fände er zwar keine Mittel, würde aber, wenn solche an 
Hand gegeben würden, sich derselben nicht entbrechen. 

ad 4} Hofften sie nicht, dass das, so sie bei dem Directorio nicht än- 
dern könnten, ihnen beigemessen werden sollte, jedoch wenn an Hand ge- 
geben würde, wie der Sache zu helfen, wollten sie es gern thun. 

Sie erinnern dann noch wegen Renovation der Erbverbrüderung, ferner 
dass Ef. sich zur Interposition in der E. Pfälzischen Ehesache erboten, 
Qod hoffen, Ef. werde in dierer Angelegenheit in Entstehung der Güte 
ferner dem Landgrafen assistieren, sie hätten schriftlich abgefasst, worauf 
die Sache jetzt beruhe. 

Die E. brandenburgischen erwidern: 

ad 1) betreffend die Garantie beruhe die Sache nicht auf der qnaestio: 
an? sondern es wäre die Garantie offeriert und vom Ef. acceptiert wor- 
den, und mangelte es nur daran, dass es zur Wirklichkeit gebracht würde. 
Was sonst erinnert worden, dass es besser sei, des Reichs Securität festzusetzen 
oder die Rheinische Allianz nicht ausser Augen zu setzen, so habe Ef. 
gleichfalls die Intention, das erstere nicht zu lassen, und wenn von der 
Allianz ihm völlige Nachricht gegeben würde, wie es sich gehöre, so wolle 
er sich der Eintretung halber so erklären, dass man spüren sollte, dass er 
alle Mittel gebrauche, so zur Ruhe des Reiches dienlich seien, nur begehre 
er, dass die Completierung der Garantie vorher gehen möge und von dem 
Landgrafen solches bei den anderen getrieben werde. Sollte es aber länger 
verzögert oder difficultiert und Ef. etwa gezwungen werden, mit Frem* 



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30 1- VerbaDdluDgen wegen der Garantie des Friedens etc. 

den solche consilia za ergreifen, so dem Reiche rielleicht schaden köoDten, 
so wollte Ef. de innocentia bedungen haben. 

ad 2) Kf. Hesse die rationes, ob Reichs- oder Depotationstag besser, 
dahin stehen , wollte aber den Reichstag wohl belieben, wenn Hessen ihn 
versichere, aoch andere dahin disponieren zu könnem dass man den Reichs- 
tag nicht mit anderen Dingen zubringen, sondern znförderst von der Seen- 
rität und Befriedigung des Reiches reden wollte. 

ad 3} verlangte Kf. von dem Landgrafen nur, was derselbe prästie- 
ren könnte, dass er, wenn Schweden sich der Danziger oder Polen au- 
nehmen sollte, sich in Schreiben seiner annehmen möchte. 

Sie bedanken sich wegen Communication in der K. Pfälzischen 
Sache, wollen dem Kf. davon referieren. 



Der Kurfürst an Kaiser Leopold. D. Cleve 13. Januar 1661. 

[Bericht über die Verhandlungen mit Hessen.] 
1661. 

13. Jan. Kf. hat auf der Reise hieher seinen Schwager, den Landgrafen von 
Hessen-Cassel in der Grafschaft Ravensberg gesprochen und die 
Gelegenheit benutzt, mit ihm selbst in publicis Unterredung zu pflegen und 
auch seine bei sich habende Räthe mit denen jenes in Conferenz treten zo 
lassen und absonderlich vorbringen zu lassen: 1) Da die von K. Cöln, 
Hessen, Brauuschweig und anderen während des seh wedischeu Krieges 
ihm angebotene und von ihm angenommene Garantie noch nicht zur Richtig- 
keit gebracht sei, ihm aber viel daran gelegen sei, weil ihm allerhand 
schwere Bedräuungen, deren sich der Graf Sehlippenbach gebrauchet, 
vorkämen, so ersuche er den Landgrafen, bei den anderen das Werk zu 
fördern, damit es ohne Säumnis sustande gebracht werde und er seine 
Mesures danach nehmen könnte. 

2) Da bisher durch den Streit über den Deputationstag die vertrauliche 
Correspondenz unter den Ständen verhindert sei, so dass man nicht insge- 
samt die Sicherheit des Reichs in Acht nehmen könne, jetzt aber dem 
Reiche von den Türken schwere Gefahr drohe, so wünsche Kf., dass alle 
Stände gegen eine solche Gefahr sich insgesamt vereinigten, dazu sei eine 
schleunige Zusammenkunft nöthig, ihm scheine die vorseiende Deputation 
dazu nicht undienlich zu sein, er ersuche daher den Landgrafen, dieselbe 
seinerseits nicht länger zu divertieren zu suchen, vielmehr deren Beförderung 
sich angelegen sein zu lassen, zumal da Braunsehweig sich deshalb 
auf Hessen bezogen hätte und auch K.Mainz dafür halte, dass die Depa- 
tation bequemer an einem andern Ort als zu Frankfurt anzustellen sei. 

Der Landgraf habe sich darauf nur so weit herausgelassen: ad 1) er 
hätte Erinnerung gethan, wegen der Garantie eine richtige Antwort abzu- 
fassen, dass sie noch nicht vollzogen und überschickt wäre, daran wäre die 
Verzögerung Ursache, näheres über diese Verzögerung und über den Inhalt 
der Antwort hätten die Hessischen nicht angeben wollen, nur endlich hätten 



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Zasammenkauft mit dem Landgrafen von Hessen. 31 

sie erklärt, dass die oblatio garantiae nur mit gewissen Bedingungen und 
modifieata gewesen und dass Ef. zu rathen sei, mehr auf die Alliance zu 
reflectieren. ad 2) den Deputationstag hielten sie für kein zulänglich Mittel, 
das Reich in guter Harmonie und Sicherheit zu halten, sondern der suspen- 
dierte Reichstag sei mit ehestem wieder zu reassumieren. Ef. habe erwidert, 
er wolle sich kein Mittel, das Reich in Sicherheit zu bringen, und also 
auch nicht einen Reichstag entgegen sein lassen , wenn der Landgraf ihn nur 
versichere und auch andere dahin disponiere, dass der Reichstag nicht mit 
anderen Dingen zugebracht, sondern vor allem des Reichs Sicherheit fest- 
gestellt werde. Der Alliance halber habe er erklärt, wenn nur vorher die 
pure angebotene und acceptierte Garantie richtig und ihm von der Alliance 
völlige Nachricht gegeben, wolle er sich dergestalt erklären, dass jedermann 
daraus verspüren könne, wie er alle Mittel zu gebrauchen begierig sei, 
welche zu des Reiches Ruhe und Besten dienlich sein könnten. 

So ist man mir doch mit einem mehreren nicht, als mit einem 
gemeinen guten Erbieten begegnet, und hat dabei contestirt, dass 
Hessen-Cassel dergestalt an Schweden nicht hinge, dass es darüber 
seine Schuldigkeit vergessen, oder mir zu einigem Zweifel Ursach 
geben sollte, auf dem Reichstag wollte es äussersten Vermögens nach 
das Seinige thun, und das würde mir Versicherung genug sein. 

Ob nun wohl bis dato weder wegen der Guarantie noch Alliance 
mir einige fernere Nachricht oder Erklärung zukommen, es auch vor 
diesmal mit Hessen-Cassel nicht weiter zu bringen gewesen, so ist doch 
aus der gehaltenen Conferenz so viel zu nehmen, dass sie nunmehro 
nach dem gemachten Frieden die vorhero angebotene Specialguarantie 
wieder zurückzuziehen, zu der in Instrumente pacis und anderen 
Reichssatzungen paciscirten aber sich zu verstehen schwerlich gemeinet 
und ihr ganzes Absehen auf einen Reichstag gerichtet sei. 



Der Kurfürst an den Geheimenrath Johann v. Portmann.^) 
D. Cleve 15. Januar 1661. 

[Erinnerung an E. Cöln wegen der Garantie.] 

Er soll K. Cöln auch vortragen, derselbe werde sich erinnern, dass 15. Jan. 
er nebst den Fürstlichen Häusern Brannschweig und Hessen und an- 

*) Portmann war vom Kf. an den Korfursten von Goln geschickt worden, 
um laat seiner Instruktion (d. Gleve 12. Jannar 1661) denselben zu bewegen, in 
der Wied sehen Streitsache mit Kurpfalz (s. darüber die Einleitung za Ab- 
schnitt 2) den Forderungen des letzteren nachzugehen , und ferner um die An- 
sicht desselben darüber zn vernehmen, was angesichts der Türkengefahr dem 
Kaiser zd rathen sei. Der Kf. sandte ihm dann diese weitere Instraktion nach. 



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32 1* Verband luDgen wegen der Garantie des Friedens etc. 

deren während des schwedischen Krieges den Kf. durch Schreiben ond meh- 
rere Schickungen za einem billigen Vergleich mit Schweden angemahnt und 
dabei anf erfolgten Frieden den Kf. so zn garantieren versprochen, dass 
derselbe sich keines Widrigen von Schweden oder jemand anders zu be- 
fahren haben solle, dass Kf. die ofiferierte Garantie angenommen ond dass 
man allerseits so weit einig gewesen, dass es nnr an der Abfassung noch 
ermangelt habe. Wie Kf. nun durch Beförderung des Friedens K.Cölns 
und der mitnegotiierenden Fürsten Begehren erfüllt, so hätte er auch erwartet, 
dass jene ihrerseits ihrem Versprechen nachkommen, die Oarantie in Rich- 
tigkeit bringen oder wenigstens ihn mit einer beständigen und deutlichen 
Resolution würden versehen haben. Da aber unerachtet seines Erinnerns 
dieses alles nicht geschehen, ihm aber merklich daran gelegen sei, dass er 
in dieser Sache Gewissheit habe, so ersuche er K. Cöln dem Versprechen 
förderlichst nachzukommen, zumal es ein mehreres nicht wäre, als zu wel- 
chem ohnedem ein Mitkurfürst und Stand dem andern sowohl aus dem Ver- 
ein als Instrumento pacis und anderen Reichssatzungen verbunden. Sollte 
man die Sache difficnltieren oder gar weit von sich werfen wollen, so soll 
er dagegen gehörige remonstrationes thun. 



K.Cölnische Resolution auf des v. Portmann Anbringen. 
Signatum Bonn 18. Januar 1661. 

[Bereitwilligkeit die Garantie zu leisten and eine neue Zasammenknnft deswegen 
ZQ beschicken. Die Türkengefahr.] 

18. Jan. K. Cöln erinnert sich sehr wohl, was für eine Erklärung in seinem 

und der Fürstl. Häuser Braunschweig und Hessen Namen der Parti- 
culargarantie halber gegen Kf. geschehen sei, er hat auch nach Abschlags 
des Friedens bei jenen Fürstl. Hänsern und den übrigen in der engeren 
Correspondenz stehenden Kur- und Fürsten wegen Prästation derselben Er- 
innerung gethan, was darauf insgesamt für gut angesehen , werde Ef. aas 
der in seinem und beider Fürstl. Häuser Namen abgegebenen Antwort vom 
29. Novembris ersehen. Sobald Kf. darauf seine Gedanken inbetreff der 
in Vorschlag gekommenen Zusammenschickung o£Fenbaren werde, sei er 
erbietig y die Seinigen dazu abzuschicken nnd ihnen solche Instruktion za 
ertheilen, dass daraus seine zn Kf. stets tragende Affection zu verspüren 
sein solle. 

Anlangend das Türkische Unwesen, so gehe auch K. Cöln dasselbe 
tief zu Herzen, er höre auch, dass der Kaiser nicht ausser Apprehension 
sei und an die Kurfürsten und die vornehmsten Fürstlichen Häuser Gesandte, 
um schleunige Assistenz nachzusuchen, abschicken wolle. Er glaube, 
dass ein fruchtbarer Schluss nicht wohl ohne Unterredung und Beliebung 
gesamter Kurfürsten und Stände herauskommen werde, sobald er vernommen 
haben werde, was die Kaiserlichen Abgesandten deswegen vorbringen wür- 
den, werde er mit Kf. weiter communicieren. 



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SendoDg v. Portmanns an Enrcöln. 33 

Kaiser Leopold an den Kurfürsten. D. Wien 8. Februar 1661. 

[aof des Kf. Schreiben vom 13. Januar. Der Deputationstag soll sich in Augs- 
burg versammeln.] 

Dank dafür, dass Kf. sich bemüht hat, den Landgrafen von Hessen- 8. Febr. 
Gas sei znr Einwilligung in die Eteassnmption des Deputationstages an einem 
dritten Orte zu bewegen. Er selbst ist mit dem Vorschlag de loco tertio 
sehr einverstanden und hat seine Gesandten in Regensburg in eventum 
dabin instruiert, wenn die dort anwesenden Kur-, Fürsten und Stände an eh 
damit zufrieden, und die zu Frankfurt subsistierenden Stände die Stadt 
Augsburg pro loco tertio gleichfalls beliebten, ebenfalls für diesen Ort 
sich zu entscheiden. Sollte es zum Einverständnis darüber kommen, so 
könnte das Werk ohne Zeitverlierung zu Stande gebracht und, bis man 
zu einem Reichstag füglich gelangen könne, mit der Deputationshandlung 
continuiert und dabei nicht nur die dazu gehörigen Materien erörtert son- 
dern auch dasjenige mit beobachtet werden, was die Sicherheit des Rei- 
ches bei dieser je länger, je mehr überhand nehmenden Türkengefahr 
weiter erfordern wird. Kf. werde seine zu Abwendung dieser Türkengefahr 
fuhrenden sorgsamen Gedanken und warum hierzu für diesmal ein Reichs- 
tag nicht zulänglich sei , von dem an ihn abgeordneten Reichshofrath und 
Obristen, Claudio Grafen von Colalto^) bereits vernommen haben'). 



Kaiser Leopold an den Kurfürsten- D. Wien 13. April 1661. 

[Feindliche Absichten der Schweden gegen Bremen. Gatachten der Kurfürsten.] 

Da ihm fast von allen Seiten Zeitung eingekommen, dass Seh we den 13. April. 
die Stadt Bremen mit Heeresmacht angreifen wolle, angeblich unter dem 
Verwände, weil sie ihm als Reichsstadt den Homagialeid geleistet'), so hat 

>) üeber Colaltos Sendong an den Kf. (Ende Januar 1661} s. unten die 
Binleitang zu Abschnitt 5. 

^ Kf. fordert darauf (d. Gleve 26. Februar 1661) sowohl den Landgrafen 
von Hessen als auch die braanschweigischen Herzoge auf, nach dem Wunsche 
des Kaisers die Verlegung der Reichsdeputation an einen dritten Ort zu befor- 
dern. Landgraf Wilhelm (d. Cassel 2./12. März 1661) erwidert, da nachgehends 
die Laufte sich geändert und die Türkengefahr sich vermehrt habe, so dürfe 
man sich nicht mit Translation des Deputationstages aufbalten, sondern müsse 
den Kaiser ersuchen, sofort den Reichstag zu reassumieren. Das gleiche fordern 
die braunschweigischen Herzoge (d. 13./23. Mai 1661), doch erklären sie 
sich bereit, in die vorherige Verlegung der Deputation an einen dritten Ort zu 
willigen, dafern diese ,in ordine ad comitia und zur Beförderung derselben an- 
gesehen*, und ihre Gesandten dorthin zu schicken, wenn auch andere zu Frank- 
furt Versammelte das gleiche thäten. 

^ Ueber diese Streitigkeiten der Schwedischen Regierung mit Bremen 
and die damals von 'der ersteren gegen die Stadt verübten Gewaltthätigkeiten 
B. Duntze, Geschichte der freien Stadt Bremen, lY, S. 133 ff. und unten die 
Einleitung zu Abschnitt 14. 

Mater, x. GMch. d. G. Kurfürsten* XI. 3 



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34 1- VerhandlüDgen wegen der Garantie des Friedens etc. 

er sich entschlos.seD, dem ganzen Eorfürstlicben Collegiom davon Mittheilang 
zu machen nnd dasselbe zn ersuchen , ihm seine Gedanken darüber zu er- 
öfifnen, er giebt dem Kf. in antecessnm davon Nachricht, damit er um so 
reiflicher überlegen könne, wie dieser drohenden Gefahr und allem ferneren 
Unheil im Reich abzuhelfen sei. 



Der Kurfürst an den Kaiser, D. Cleve 4 Mai 1661. 

[auf das Schreiben vom 13. April. Bedrohliche Nachrichten über Schwedens 
Absichten, Vorkehrungen dagegen.] 

Mai. Er theilt dem Kaiser abschriftlich mit, was ihm nicht allein über die Ab- 
sichten Schwedens von gewisser Hand zugekommen, sondern wie er auch ab- 
sonderlich gewarnt worden ist. ^) Er will nicht hofifen, dass dieses wahr sei, 
doch will er sowohl seine Sachen in Acht nehmen, als auch alles thun und 
beitragen, was zur Erhaltung der Ruhe im Reiche dienen kann. Wenn ihm 
von seinen Mitkurfürsten das kaiserl. Schreiben nebst der Vorhergehendeo 
Bedenken communiciert werde, werde er sich weiter erklären, bittet auch 
den Kaiser, ihm inzwischen seine Meinung zn eröffnen. 



Der Kurfürst an den Kurfürsten von Mainz .^) D. Cleve 

14. Mai 1661. 

[Mittel zur Aufrecbterbaltang der Securitat des Reiches.] 

14. Mai. Er hätte gewünscht, dass K.Mainz ihm seine Meinung mitgetheilt 
hätte, er selbst verharrt bei der Meinung, dass kein besseres — Mittel 
sei, das h. Rom. Reich in seinem Wohlstand und Securitat — zu ma- 
nuteniren, denn durch rechtschaffene einmüthige Zusammensetzung der 
sämtlichen Glieder und des Hauptes, und ob sich wohl diesem — prin- 
cipio bis dato viele Widerwärtigkeiten entgegengesetzet, so hoffe ich 
doch, Gott werde die Sache endlich dergestalt richten, damit das irrige 
Deutschland seine bekannte Mängel und Gebrechen dermaleins bereue, 
Haupt und Glieder in guter Conferenz — für den Riss zu rechter 
Zeit treten und die von Gott verliehene Glorie und Kräfte erkenne. 



S. Urk. Q. Akt. IX S. 243. Nach einer Bemerkung in dem Geheimeoraths- 
Protokoll vom 3. Mai hatte der Kurfürst dieses warnende Schreiben von dem frü- 
her als Gesandter des Königs von Dänemark zu ihm abgeschickten v. Ahle fei d 
(8. Urk. n. Akt. VIII S. 591 ff.) aus Flensburg erhalten. 

^ Antwort auf ein Schreiben des Kurfürsten von Mainz vom 26. April, in 
welchem derselbe den Kf. von dem Kaiserlichen Schreiben inbetreflf der Bre- 
mischen Angelegenheit beoachrichtigt hatte. 



M 



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Drohende Absichten Schwedens gegen Bremen. 35 

£r zweifelt nicht, E.Mai nz werde, wie bisher, seine Sorgfalt allein zu Er- 
haltung und Bestätigung des deutschen Friedens anwenden, er hofft anch 
nicht, dass jemand zu nenem Kriege Ursache geben wolle. Sollte aber dem 
R. Reich etwas Widriges begegnen, so wüssten der Kaiser und alle Stände, 
dass er sich niemals dem entzogen alles zo thnn, wozu ihn Vaterlandsliebe, 
sein Amt, die Reichsconstitntionen , der Westfälische Friede und andere 
dergleichen ?incula verbinden. 



Resolntio^) anf die vom E. Cölnischen Abgesandten Grafen 

von Fürstenberg bei der Conferenz proponirte Punkte. 

[Cleve 16. Mai 1661.] 

1) wegen Unterhaltung guten Vertrauens; darzu seind S. Chf. D. 16. Mai. 
bereit und wollen nichts unterlassen, was darzu dienlich sein würde. 

Schickung nach Beyern. 

2) E.Göln meinte hochnöthig, dem Kaiser Hülfe contra Turcam 
za senden: wie die Hülfe universal zu machen? 

Bb. Müsste durch einen Beichstag geschehen. 

K.Cöln möchte desfalls an den Kaiser mit einem bescheidenen 
Schreiben suchen, S. Chf. D. wollten für sich in modum consilii auch 
schreiben. 

3) Wegen der Schweden Vorhaben auf Bremen"), bittet S. 
Chf D. Meinung und Bedenken, K. Cöln wollte thun, was J. P. ver- 
möchte. 

Ob nicht K. Cöln, Maintz etc. an Schweden schrieben, sie hätten 
Ternommen, dass sie im Beiche etwas moviren wollten, und sie dehor- 
tirten davon abzustehen. 

4) dass bei dem Beichstage punctus securitatis der erste sein 
sollte. 

5) dass besser wäre, Völker als Geld dem Kaiser zu schicken. 

6) Wann es sollte zum Bruch kommen, dass das Directorium 
aber die Armee einem Churfürsten ohne Ansehung der Beligion ge- 
geben werden solle. 

7) Wegen Hildesheim, so sich zur Türkenhülfe nicht verstehen 
wollen, weil kein Beichstag oder Kreistag noch nicht ausgeschrieben. 

8) Ob S. Chf. D. belieben die Zusammenkunft zu Cöln: quod hie. 
Was daselbst zu proponiren: Garantie. 

') Dieselbe liegt dem Geheimenrathsprotokoll vom 16. Mai bei. 
*) 8. oben 8. 33 f. 

3* 



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36 1* VerhandluDgen wegen der Garantie des Friedens etc. 

9) Wie die Churf. Präeminenz zu erhalten und die alten Fürsten 
von den neuen zu unterscheiden. 

S. Chf. D. wollen sich quoad primum engagiren, wie es die 
Noth erforderte. 

Auch quoad secundum, möchte seine Gedanken eröffnen, S. Chf. 
D. wollten ihm conformiren. 

10) Beschwer wider das Cammergericht zu Speyer und Reichs- 
hofrath. Ob Ch. Göln und S. Gh. D. desfalls an das Gammergericbt 
ein Gesamtschreiben abgehen lassen wollten, zu vernehmen. 

Wegen des Reichshofraths an den Kaiser zu schreiben. 

11) Von den G. Staaten und wegen Rheinberg*), ob S. Ghf. 
D. durch H. Gopessen sich wollten der Sache annehmen und gute 
officia thun, wollte es rasiren lassen. 

Rs. S. Ghf. D. wollen die Sache durchsehen lassen. 

12) Ob wegen der Religion in Gülichschen und Glevischen etc. 
Landen') ein Gewisses zu vergleichen. 

S. Ghf. D. sind zufrieden, dass die Gommission ihren Fortgang 
nehme. 

13) Wegen der Titulatur, wollte Durchleuchtigster geben, S. Ghf. 
D. auch dergleichen thun. 

14) ein Bedienter, der im Gölnischen 10000 Thaler gestohlen, 
abfolgen zu lassen, weil er in S. Ghf. D. Landen sein sollte. Fiat 
gegen gewöhnlichen Revers. 



Der Kurfürst an Kaiser Leopold. D. Cleve 18. Mai 1661. 

[Bericht über die Eröffnungen Furstenbergs. Rath K. Coln rrenndlich entgegen- 
zukommen.] 

18. Mai. Er theilt ihm mit, was K.CöIn darch seinen Geheimenrath Graf Franz 
Egon ?. Fürstenberg bei ihm dieser Tage anbringen lassen. E. Göln 
habe contestiert, dass ihm an nichts mehr gelegen, als an Erhaltung yon 
Ruhe und Frieden im Reiche, dass er sich auch dem Kaiser gegenüber zu 
aller möglichen Hülfe gegen den Türken erboten habe und es auch in der 

1} Ueber die damaligen durch Eingriffe der Holländer, welche in Rheio- 
berg eine Besatzung hatten, in die Verwaltung dieser dem Kurfürsten von Göln 
gehörigen Stadt veranlassten Streitigkeiten s. die im Diarium Europ. VI 
S. 358ff und danach bei Londorp VIII S. 739 ff. abgedruckten Aktenstucke. 

S. darüber M. Lehmann, Preussen und die katholische Kirche I S. 60f. 
und unten Abschnitt 8 über die Verhandlungen mit Pfalzneuburg. 



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Graf Fürstenberg io Berliu. 37 

That bezengen wolle, aber er gestehe, dass er nicht glaabe, dass dieser 
and anderen Sachen durch eine particnlar und separierte Hülfe geholfen 
werden könne, sondern es dürfe dem Kaiser nicht l&nger zn widerrathen 
sein, sich zur Berufung eines Reichstages za entschliessen , es könnte ja 
Yorher unter den Correspondierenden festgesetzt werden, dass man auf dem 
Reichstage keinen anderen Punkt Tornehmen wolle und solle, ehe der punctus 
secnritatis seine Richtigkeit hätte und Tollkommentlich eingerichtet wäre. 
Ferner wären ihm die Zeitungen wegen der neuen Bremischen Unruhe sehr 
za Herzen gegangen, weil er aber, wenn es sich berichtetermassen verhalten 
sollte, die Sache und die Mittel hell und klar im Instrnmento pacis befinde, 
so hielte er anch nicht für nöthig, dass man sich darüber viel zu bedenken 
habe, und wolle er dem Ef. zu solchem Ende communicieren, wie er sich 
dieses Punktes halber gegen den Kaiser erklärt habe. Endlich weil £f. in seiner 
Antwort sich dahin Terlauten lassen, dass ihm eine Zusammenschickung 
seiner mit E.Cölns, des Hauses Braunschweig und Hessens Räthen 
nicht entgegen, sondern er dazu geneigt wäre, so erklärte jener, Kf. möchte 
der Meinung bleiben und versichert sein, dass E.Cöln nichts mehr desi- 
deriere, als zu des Kaisers und dessen Assistierender Interesse cooperie- 
ren zn helfen. Kf. hat selbst den Grafen von Fürstenberg mit Fleiss 
sondiert, hat aber nichts anders vernehmen oder penetrieren können, als 
dass dasjenige, was er vorgebracht, recht gemeinet. Ef. hat sich erboten, 
darüber noch weiter mit dem E aiser zn €omninnicieren, uod hat erklärt, 
K.Gölns Meinung sei ihm sehr angenehm, er halte für nöthig, darüber 
auch mit anderen sich zu unterreden, er zweifle nicht, der Eaiser werde 
wenn E.Cöln ihn so versichere, kein Bedenken haben, den von etlichen so 
sehr getriebenen Reichstag länger zu verschieben. Ef. glaubt, es würde 
zu des Kaisers Bestem dienen, wenn derselbe nunmehr E. Co In wohl mes- 
nagieren und dadurch befordern wolle, dass auch andere herangezogen nnd 
den übrigen der bisherige Prätext benommen werde, nnd dass man suche 
durch allerhand Mittel gegen die sogenannten Alliierten sich dergestrilt zu 
bezeigen , damit auf allen Fall der Unglimpf auf ihrer Seite bleibe. Seine 
Intention hiebei sei keine andere, als dass sie sich zur special Garantie des 
deotschen Friedens verbündeten, daferne sie aber andere Gedanken und Des- 
seios führten, so werde man dasselbe nicht besser penetrieren können, als 
bei einer Conferenz. 

Ef. hat den vom Eaiser an ihn abgefertigten Residenten im Haag 
Friqneti) empfangen, derselbe wird berichtet haben, dass Ef. dasjenige, 
was er desideriert, schon gethan habe. 



*) Ueber dessen Sendnog an den Kf. s. ürk. n. Akt. IX S. 245. 



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3g 1. Verhandlnngeo wegen der Garantie des Friedens etc. 

Kaiser Leopold an den Kurfllrsten. D. Laxenburg 
14. Juni 1661.0 

[auf das Schreiben vom 18. Mai. Billigung der verabredeten Zasammenkunft; 
Reichs- und Deputationstag. Bereitwilligkeit K. Cöln freundlich entgegenzu- 
kommen.] 

H.Juni. Dank für die Mittheilnng und trea gemeinte Expectoration. Er ist 
mit der von dem Kf. veranlassten Zasammenschlckong einverstanden^ ebenso 
dass, wenn von den sogenannten Alliierten abseitige Meinung geführt 
würde, man sich gegen dieselben gleichwohl also bezeige, damit auf allen 
Fall der ünglimpf auf ihrer Seite bleibe, er zweifelt nicht, Kf. werde ent- 
sprechend seiner jüngst an E. Mainz erlassenen Erklärung') seine Abgesand- 
ten hauptsächlich dahin instruieren, dass die Sicherheit des Reiches nur 
durch rechtschafifene einmüthige Zusammensetzung der sämtlichen Glieder 
mit ihrem Haupte ohne Einmischung fremder Potentaten und Händel auf- 
recht erhalten werden könne. Betreffend die Frage wegen des Reichstages 
werde Ef. aus des Kaisers Schreiben vom 14. Mai ersehen haben, dass der- 
selbe bereit sei einen Reichstag zu berufen, wenn man mit der Deputations- 
handlung in loco tertio nur solange verfahren werde, bis die zum Reichs- 
tage gehörigen Materien soweit vorbereitet seien, dass er etwas zuverlässiger 
die Mass nehmen könne, auf was für einen Termin er denselben ansetzen 
solle. Er werde nicht unterlassen E.C öl ns gegen ihn contestierte treuher- 
zige Affection zu cultivieren. Wie er gegen Ef. mit Dank zu erkennen habe, 



^) Zugleich mit diesem erhielt der Kf. auch ein früheres, auch an andere 
Kurfürsten gerichtetes Schreiben des Kaisers (d. Laxenburg 14. Mai 1661, die 
Ausfertigung desselben für Kurcöln und Kurpfalz ist Diarium Europ. VII 
S. 103 und Londorp VIII S. 759 abgedruckt), in welchem sich derselbe dar- 
über beklagt, dass ein Tbeil der Reichsstande sein an sie besonders gerichtetes 
Hülfsgesnch so ausdeuten wolle, als wolle er ihnen auf solche Weise das jus 
snffragii nehmen, und dass diese daher desto eifriger auf Wiederberufhng des 
Reichstages drängten. Er habe durch den an Kurmainz abgeschickten Reichs- 
vicekanzler diesem vorstellen lassen,"warum er unter den Jetzigen Verhaltnissen 
einen Reichstag auszuschreiben nicht für nöthig halte, und denselben auffordern 
lassen, den Deputationstag nach Augsburg möglichst bald auszuschreiben, mit 
der Versicherung, dass dort auch praeliminariter von dem gehandelt werden 
solle, was zur Beförderung des Reichstages dienen könne, und dass er, wenn 
er von den Reichaständen die Versicherung erhalten wurde, dass man ohne Weit- 
läufigkeit zum Reichstage gelangen konnte, einen solchen alsbald ausschreiben 
wolle. Kf. möge den Ständen, welchen jene Einbildung gemacht worden, als 
wolle er ihnen das jus snffragii nehmen und dem Reichstage entfliehen, diese 
Gedanken benehmen und sie versichern, dass, wenn jener Deputationstag nur 
wenige Monate im Schwange sein werde, so dass der Kaiser zuverlässiger be- 
stimmen könne, auf welchen Termin der Reichstag anzusetzen sei, er es an 
der Ausschreibung eines solchen nicht werde ermangeln lassen. 

^ 8. oben S. 84 das Schreiben des Kf. an Kurmainz vom U.Mai 1661. 



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DeputatioD6t«g und Reichstag. 39 

dasB derselbe alle seine actiones za SolidieniDg ihres beiderseitigen Inter- 
esses dirigiere, so werde auch er selbst nichts unterlassen, was zn diesem 
Zweck immer mehr würde erspriessen können. 



Kuifiirst Johann Philipp von Mainz an den Kurfürsten. 
D. St Martinsburg 15. Juni 1661.0 

[Bereitwilligkeit die Sicherheit des Reiches anfrechtsaerhalten and dem Kf. za 15. Jani 
assistieren, die Rheinische Allianz.] 

Er hofft nicht, dass jemand Ton den Auswärtigen das Vaterland zn 
bennrnhigen beabsichtige, sollte es geschehen, so wird auch er mit Rath 
Qiid That zu allem beitragen, was zu dessen Abwendnng dienen könne, er 
wird nicht ermangeln, deswegen mit dem Kf. zu communicieren, und wenn 
dieser selbst wider den Reichsfrieden angefochten werden sollte, ihm nach 
aller Möglichkeit, wie er es auch von ihm reciproce erwarte, wirklich zu 
assistieren. Gerade zur Erhaltung des Friedens hat er, bis man sich auf nächst- 
künftigem Reichstage einer allgemeinen Garantie und Reichssecurität ver- 
gleichen möge, die zwischen ihm und anderen Kronen und Reichsständen 
aofgerichtete Allianz für das beste und sicherste gehalten und daher auch 
bisher dabei als einem in dem Friedensschluss und den Reichssatzungen ge- 
gründeten und zu niemandes Offension, sondern allein sich wider alle un- 
billige Gewalt zu schützen angesehenen Mittel bebarrt. 



Instructio, wonach sich unsere ....ClausErnstv. Platen 

und ßaban v. Canstein bei der zwischen uns und K. Cölns 

Ijd., auch denen fürstlichen Häusern Braunschweig und Hessen 

in der Stadt Co In angesetzten Conferenz zu achten. 

D. Cleve 20. Juni 1661. 

[FeststellüDg der Garantie. Ef. ist nicht geneigt, der Rheinischen Allianz bei- 
zutreten.] 

Zweck der Zusammenkunft ist zu überlegen, wie der im Reich erlangte 20. Juni. 
Friede erhalten, insonderheit die von jenen Fürsten dem Kf. angebotene 



>) Auf ein Schreiben des Kf. vom 4. Juni, in welchem dieser in der Haupt- 
sache die in dem Schreiben vom 14. Mai (S. 34) ausgesprochenen Gedanken 
wiederholt hatte. 

') Knrcoln, die drei Herzoge von Brannschweig und die zwei Land- 
grafen von Hessen hatten (18. Mai 1661) den Ef. zur Bescbicknng einer Zn- 
sammenknnft in Coln am 14./24. Juni, worüber aach schon Graf Fnrstenberg 
in Berlin (s. oben S. 35 f.) verhandelt hatte , eingeladen. Es erschienen dort als 



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40 !• VerhandlangeD wegen der Garantie des Friedens etc. 

Garantie prästiert und auf einen gewissen Fuss und richtigen Stand ge- 
bracht werden könne. 

So haben unsere Abgeordnete sich dann über die Particularitaten 
mit denselben zu vernehmen. Da dann dahin zu sehen ist, dass diese 
Guarantie : 

1) auf den MUnsterischen, Osnabrückschen und dann auch den 
Olivischen Frieden gerichtet werde, 

2) dass alle unsere im Reiche belegene Lande, dabei sie auch, 
dass diese auf Preussen extendiret werden möge, zu urgiren und 
zu remonstriren , dass daselbst nichts angefangen werden könnte, 
welches nicht endlich das Römische Reich mitimpliciren würde, 

3) dass anjetzo festgestellet werde insgemein, es sollte einer dem 
anderen getreulich gegen alle diejenigen, so etwan gegen den auf- 
gerichteten Friedenschluss den andern vergewaltigen würden, eine 
mutuelle und reciproque würkliche Assistenz nach jeden Vermögen 
leisten und auf jedesmaliges Erfordern dieselbe prästiren. Was aber 
die Particularitaten ratione modi, temporis, quanti, directorii und der- 
gleichen angehet, darüber können sich unsere Abgesandte mit den 
anderen vernehmen, doch darin nichts schliessen, sondern alles zur 
Hinterbringung an sich nehmen. Sollten aber die Abgeordneten — 
sofort auf die Frankfurtische Alliance und dass wir uns darinne mit- 
begeben möchten, kommen und zu vernehmen geben, dass sie ausser 
derselbigen sich zu keiner anderen Versicherung verstehen wollten, 
so haben die Abgeordnete anzudeuten, dass wir die Frankfurtische 
Allianz — an ihren Ort gestellet sein Hessen. Nachdem aber diese 
jetzige Zusammenkunft wegen der nicht namens der sämtlichen AI- 
Hirten, sondern S. Churf. Dchl. zu Cöl n, des Fürstl. Hauses Braun- 
schweig und Hessen angebotenen Guarantie und auf diese Erbietung 
veranlasst worden, so müsste da nur dasjenige, wesshalb diese Bei- 
einkunft angestellet, alhier in Abhandlung kommen. 

Ob nun diese Guarantie vermittelst einer Alliance mit K.Cöln — 
Braunschweig und Hessen zu stände gebracht werden sollte, das 
könnten wir endlich geschehen lassen, jedoch haben unsere Abges. 
hierbei allemal in Acht zu nehmen, dass nichts hierin geschehe, so 



Bevollmächtigte Kurcolos Qraf Franz Egon von Fürstenberg und Dr. Alden- 
hoven, der drei braonschweigischen Herzoge Dr. Wi tte, von Hessen-Cassel Ge- 
beimerrath Pagestecher, von Darmstadt war in Folge des plötzlich (11. Jani) 
erfolgten Todes des Landgrafen Georg die Zusammenkunft nicht beschickt 
worden. S. über dieselbe Köcher I S. 300ff. 



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Zosamniobkuuft zu Cölu. 41 

der Kaiser!. Maj. zugegen oder dem mit derselben habenden Bund- 
dQss abbrüchig sein könnte. Auch können sie wohl bei Gelegenheit 
vor sich den Abgeordneten zu verstehen geben, warum wir zu Ein- 
tretung in die Frankfurtische Alliance uns nicht verstehen könnten: 

1) dass uns selbige, wie sie eingerichtet ist, unbekannt, 

2) darnebenst unwissend, ob alle und jede der AUiirten gemeint 
wären sich mit uns zu setzen und auf was Maasse, und ob auch wir 
dasselbe zu thun vermöchten. 

3) Könnten wir nicht umhin hierbei anzuführen, dass wir bei 
dieser Frankfurtischen Alliance nicht die Begegnung empfangen, so 
sich billig wo nicht in respect unserer Person, doch in Ansehung, dass 
wir von ihnen invitiret gewesen und den Tractaten bis bald zum 
Ende beiwohnen lassen, gebühret. — — da dann uns billig be- 
denklich sein müsste, in ein solches Bündniss, dabei wir dergestalt 
tractiret worden, einzutreten und gleichsam ein Accessorium zu sein. 
Mit vorgenannten Chur- und Fürsten, wie auch anderen unsren Mit- 
ständen aber wären wir bereit absonderlich — Defensivbündnis ein- 
zugehen. 

Sollte man nun auf anderer Seite blos bei der Eintretung in die 
Frankfurtische Alliance bestehen bleiben, so haben unsere Gesandte 
zu vernehmen, wie und auf was Maasse solches geschehen solle und 
könne, auch was darunter vor conditiones vorgeschlagen werden 
wollen, wie nicht weniger, was vor Sicherheit die Abgeordnete wegen 
Schweden und Frankreich geben können, und diesen Punkt end- 
lich ad referendum annehmen, doch dabei fügen, dass nicht ihrerseits 
fernere Communication gänzlich benommen und abgeschnitten werde. 

Im übrigen kann wohl discoursweise, und wann dazu Anlass ge- 
geben würde, wegen der Schweden Vornehmen, imgleichen der Tür- 
kengefahr halber sich mit den Abgeordneten vernommen werden, und 
wann darbei des Deputation- und Keichstages halber von ihnen etwas 
moviret wird, darin ist denselben unsere Intention bekannt. 



ProtocoUum gehalten zu Colin am Rhein den 28. Juni a. 1661. 

In der Proposition der Knr'- und Fürstlichen Gesandten wird als28. Joni. 
Zweck der Zosammenkonft bezeichnet, alles, was ad conservationem pacis 
in imperio et manutentionem instrumenti pacis immer dien||ph, zn befördern 
und danach zu trachten, wie man diesen gemeinsamen Zweck erreichen 
könne. 



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42 !• Verhaadlaogen wegen der Garantie des Friedena etc. 

Die K.brandenburgischen erinnern dagegen daran, dass K. Cöln 
and die anderen dnrch besondere Abschickong dem Kf. die Garantie angeboteD 
und dass er dieselbe angenommen hätte, dass es also nnr daranf ankomme, dass 
diese Garantie recht eingerichtet werde. Das ganze Werk beruhe darauf, 
dass man sich zusammensetze, einer dem andern die Hand biete, Kf. meine, 
solcher Zweck könne erreicht werden, wenn er sich mit K. CölU; den Häu- 
sern Braunschweig und Hessen verbinde, dass einer dem andern mit 
allen Kräften und Mitteln assistieren solle, er hoffe, dass man bereit sei, auch 
Prenssen mit in die Garantie aufzunehmen. Die K.Cölni8chen, Braun- 
schweigischen und Hessischen erwidern darauf: 1) betreffend die zu 
Berlin offerierte Garantie, hätten ihre Principalen dahin gezielt, dass des 
Kf. Lande im Reiche sichergestellt und die Krone Schweden auch ver- 
sichert bleiben möchte, dass ihre Reichslande ex instrumento pacis auch 
befreit und die oceupierten Plätze restituiert werden, und also die Reichslande 
und negotia von den auswärtigen separiert werden möchten, und hätte maa 
diese Separation durch eine absonderliche Declaration genug zu erkennen 
gegeben, woranf aber keine Gegendeclaration ?om Kf. erfolgt wäre. Weil 
aber der Friede zuOliva nacbgehends geschlossen und exequiert wäre, so 
wäre nicht unbillig zu sagen, dass die Sache in anderen Stand gekommen. 

2) soviel die nähere Zusammensetzung mit K. Cöln, Brannschweig 
und Hessen betrifft, hielten sie, weil diese Zusammeuschicknng mit Vor- 
wissen ihrer Alliierten geschehen, für diensamer und hätten Befehl zu verneh- 
men, ob Kf. nicht beliebig wäre, sich mit den gesamten Alliierten in nähere 
Zusammensetzung zu begeben, und könnte man alsdann de particularibas 
weiter reden. Wenn mit ihren Principalen und den Alliierten eine nähere 
Zusammensetzung geschehe, würde dadurch die Garantie wirklich befördert 
und der Weg zur allgemeinen Reichsdefension gelegt werden. 

Die K.brandenburgischen setzen die Veranlassung wegen der 
Garantie weitläufiger aus einander, es sei £f. eine Garantie in gemein, nicht 
aber auf £xecution des Friedens angeboten worden, dahin gerichtet^ dass 
Schweden im Reich sowohl damals als später nichts anfangen und 
dass Kaiser und Kf. desshalb gesichert sein möchten. Diese Zusammen- 
kunft sei bloss zur Garantie angesehen und solche zwischen ihnen bisher nur 
allein tractiert worden. Ob Kf. sich mit andern Alliierten verbinden könne, 
dazu wären sie nicht instruiert, Kf. wüsste auch nicht, ob alle Alliierten sich mit 
ihm setzen wollten und auf was Weise und Maass solches geschehen sollte. 
Des Ef. Meinung gehe dahin, sich mit K.Cöln, Braunschweig und 
Hessen dergestalt zu setzen, dass einer gehalten sein solle den andern 
bei dem Münsterschen und Olivischen Friedensschluss zu schützen. Dieses 
könne gar wohl salvis aliis foederibus geschehen. 

Die K.Cölnischen, Braunschw^igischen und Hessisch en: Bei 
der Garantie habe man auf den Olivischen Frieden keine Reflexion gemacht, 
sondern denselby vielmehr von den Reichsnegotiis separiert. Kf. habe in 
einem Schreiben vom 3. Juni 1660 den Zweck der Zusammenkunft also 
berahmt, dass der Friede im Reiche erhalten werde. Dieser Zweck könne 



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ZusammeDkunft zu GöId. 43 

nicht sowohl durch particolier, als durch gemeine ZusammeDsetzung erreicht 
werdeD. Anf eine Particnlierconfoederation seien sie nicht instraiert, das Ab- 
sehen ihrer Principalen sei nnr darauf gerichtet, wie die Generalgarantie 
könnte stabiliert werden, das könnte am besten geschehen durch die Alliance, 
die sie schon hätten, wenn Kf. sich mit hinein begeben wolle. Vermöge 
ihrer Instruction könnten sie erklären, dass keiner der Alliierten sich ?on 
solcher Znsammensetzung mit K.Brandenburg alieniert bezeige. 

Die K brandenbnrgischen können nicht einräumeu, dass man bei 
der Garantie nicht das Absehen auf den Olivischen Frieden sollte genom- 
men haben. Wegen Eintretung in die Frankfurter Alliance, wiederholen 
sie, seien sie nicht instruiert, sie wüssten nicht, ob Kf. in dieselbe werde 
eintreten können, 1) weil demselben die Contenta niemals in forma commu- 
niciert, 

2) in dem, so dem Kf. vorgekommen, hätte man gesehen, dass viele 
von des Kf. Landen darin ausgesetzet, 

3) weil dieselbe mit allerhand beschwerlichen Conditionen für Kf. an- 
gefüllt wäre, 

4) weil Kf. bei selbiger Alliance unbillig behandelt worden wäre. 
Daza ginge die ganze Allianz auf den Dänischen Krieg, so sich nun 

ganz geändert , und würden also ganz andere conditiones erfordert werden. 



Continuatio, Cöln 29. Juni 1661. 

Die K. Cölnischen, Braunschweigischen und Hessischen wün-29. Jani. 
sehen, weil die comitia dazu dienen könnten, dass daselbst von Bestäti- 
gung des Friedens und der Generalgarantie etwas abgehandelt werde, 
des Kf. Meinung, wie dazu zu gelangen, zu vernehmen, und ob die K. 
brandenburgischen über die gestern vorgewesenen Punkte, in specie wie 
man sich mit den gesamten Alliierten näher setzen könnte, sich ferner ver 
nehmen lassen wollten. 

Die K. Brandenburgischen: Kf. habe dem Kaiser die Noth wendig- 
keit der comitia vorgestellt, namentlich, dass derselbe ohne diese seine de- 
sideria wegen der Assistenz gegen den Türken nicht erhalten werde, Kf. 
werde bei dieser Intention verharren, hoffe, der Kaiser werde sich zu den 
comitiis verstehen. Es wäre darauf zu sehen, dass dann dort etwas nütz- 
licheres pro imperio, als bisher geschehen, möge verrichtet werden, vor allen 
Dingen müsste der punctus securitatis publicae vorgenommen und müsste da- 
nach getrachtet werden, dass man mit besserer Conformität in consiliis auf 
solchem Reichstage erscheine. 

üeber den Punkt wegen näherer Verbindung mit den sämtlichen Alli- 
ierten könnten Gesandte, da es ihnen an Instruction mangele, nur an Kf. 
berichten. Es würde ihnen lieb sein, wenn man ihnen an die Hand geben 
wollte, wie und auf was Maasse die Verbindung mit den sämtlichen Alliierten 
werkstellig gemacht werden könnte, sie wollten es dann dem Kf. referieren. 

Die anderen erklären, am folgenden Tage darauf antworten zu wollen. 



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44 1» Verhandlaagen wegen der Garantie des Friedeos etc. 

3. Congressus, 30. Juni 1661. 

30. Juni. Die E. Cölnischen, Braunschweigischen und üessischen 

verlesen eine schriftliche Erklärung , sie könnten nicht einsehen^ wie die 
angebotene Garantie auf den Polnischen und Olivischen Frieden und dessen 
Garantie ausgedeutet werdeu könne. Ebenso wenig könnten sie begreifen, 
dass man auf E. brandenburgischer Seite dafür halten wolle, dass was 
zwischen dem Ef. und ihren Frincipalen vorgegangen, blos in ihrem und 
nicht zugleich auch ihrer Mitalliierten Namen geschehen wäre. Weil die E. 
brandenburgischen Gesandten nur instruiert seien, mit den schickenden Kur- 
und Fürsten allein sich in einen näheren Verein einzulassen, und zwar der- 
gestalt, dass man Ef. auch bei dem Olivischen Frieden garantieren solle, 
sie ihrerseits aber nur instruiert seien, im Namen der sämtlichen, diese Ab- 
schickung mit concernierenden Alliierten auf das Fundament des Teutschcn 
Friedensschlusses mit Ef. über eine nähere Zusammensetzung zu handeln, 
sonderlich da Ef. in die mit anderen schon habende Samtalliaoz miteinzu- 
treten inclinieren sollte, auf welchen Fall man auch wohl sich getraue dieje- 
nige DifiTicultät, welche von selten Pfalz Neubnrgs wegen dessen Exclusion 
aus dem Olivischen Frieden gemacht werde, aus dem Wege 2u räumen, so 
werde es für diesmal darauf ankommen, dass man beiderseits referiere. Sie 
erklären, die Eröffnung, dass keiner von den Alliierten mit Ef. sich zu 
verbinden abalieniert sei, hätten sie nicht ex commissione, sondern nur für 
sich gemacht. Wenn Ef. sich resolvieren sollte, sich mit sämtlichen Alliieiten 
einzulassen, so könnte dieses doch keineswegs so blosser Dinge durch Ein- 
tretung in die Frankfurtische Allianz geschehen, zumal da dieselbe nicht auf 
des Ef. jetzigen Estat proportioniert wäre, sie stellen den E. brandenbur- 
gischen Gesandten anheim, ob dieselben sich in dem Allianzrecess ersehen und 
mit einigen Erinnerungen, was Ef. circa modum et conditiones etwa de- 
siderieren möchte, um davon zugleich zu referieren, an die Hand gehen 
möchten. Ueber die Frage, ob inzwischen, wenn einige turbae dem Kf. 
zuwider erregt würden, ihre Frincipalen demselben zu assistieren gemeint, 
werde man referieren. Da ihren Frincipalen auf diese und vorige Expecto- 
rationen wohl anliegen wird, eigentlich zu wissen, ob Ef. auch mit den übri- 
gen Alliierten sich zu vereinigen Belieben trage, welche Resolution, da Ef. 
in der Nähe sei, bald eingeholt werden könne, so stehe zu der E. branden- 
burgischen Gesandten Gutfinden, ob sie vermeinten, dass man in Erwartung 
dessen noch etwas an diesem Ort zu subsistieren habe, oder nicht. 

Wegen des Reichstages stellen sie zu bedenken , ob nicht abzuwarten 
sei, bis der R.Yicekanzler zu E.Mainz komme, um zu sehen, ob der- 
selbe desfalls einige Commission habe , und hernach auf ein Expediens zu 
gedenken, wie der Reichstag könnte befördert werden. 

Die E. brandenburgischen bitten um Communication der schrift- 
lichen abgelesenen Erklärung, die Frage wegen der Garantie wollten sie, 
da sie die Akten nicht bei sich hätten, anstehen lassen, ebenso ob, wie 
jene behaupten, was früher und jetzt geschehen, nomine aller Alliierten ge- 



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ZQsammenkQDft zn GoId. 45 

schehen sei, Kf. sei der Meinung, dass er blos mit den Principalen der Ge- 
Fandten zn thnn hätte, sie hätten anch bei jetziger Conferenz kein anderes 
Crediti? gehabt. Den Punkt wegen Verbindung mit sämtlichen Alliierten 
müssten sie, da sie darauf nicht instruiert seien, ganz zu des Kf. Resolution 
stellen, hielten auch dafür, dass man sich deswegen hier nicht aufzuhalten 
habe, es sei eine Sache Ton hoher Importanz, Kf. werde sich darin nicht 
so geschwinde resolvieren, wenn es zu Tractaten käme, so müssten sie da 
geschehen, wo alle Alliierten wären. 

Darauf Schlass der Conferenz'}. 



Der Kurfürst an den Kurfürsten von Mainz. D. Cleve 

9. Juli 1661. 

[anf das Schreiben vom 15. Jnni. Dank für die zugesagte Assistenz. 
AbwendoDg der Torkengefahr.] 

Dank dafür, dass K.Mainz sich ihm gegenüber besonders zu e?en- 9. Juli, 
taeller Assistenz erboten habe, er versichert, dass auch er auf begebende Fälle 
ihm solche leisten werde, ersucht ihn zugleich zu allem beizutragen, was 
zu Abwendung der Türkengefahr gereichen könne, namentlich verhüten 
zu helfen, dass dem Türken nicht durch allzu langsame consilia und An- 
stellung Gelegenheit zur Ausführung seines blutdürstigen Vorhabens gege- 
ben werde*). 



Der Kurfürst an Kaiser Leopold. D. Cleve 10. Juli 1661. 

[anf die Schreiben vom 14. Mai and 14. Juoi. Knrf. will des Kaisers Intention 
befordern, die meisten Reichsstände aber verlangen den Reichstag.] 

— Gleichwie ich nun bisher mich allemal beflissen E. Kais. M. lO. Joli. 
desideria und bestes, so viel an mir, zu befördern, also werde ich 



') Auch von dem Verlanf dieser Znsammenknnft giebt Kf. dem Kaiser (d. 
Cleve 9. Juli 1661) Nachricht. 

') Knrmainz in seiner Antwort (d. Mainz 1. August 1661, abgedrnckt in 
Diariom Borop. VII S. 377, Londorp VIII S. 774), weist darauf hin, vor 
allem mfisse die gemeine Securität des Reiches festgestellt werdeo, dieses könne 
aber nicht anf einem Depntations-, sondern nur auf einem Reichstage geschehen. 
Wenn der Kaiser sich zor Wiederberufang desselben entschliessen sollte, konnte 
dort nicht nnr gegen den Türken von selten des gesamten Reiches assistiert, 
sondern auch sonst im Reiche gute Ruhe erhalten werden. Darauf erwidert Kf. 
W. Cleve lö.Angust 1661, Diarium Europ. VII S.411. Londorp VIII S. 783), 
ihm sei gleichgültig, ob Depufations- oder Reichstag, wenn nur der Zweck er- 
reicht werde, und stellt Kurmainz anheim, ob nicht dem Kaiser zu willfahren 



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46 1- VerbandlangeD wegen der Garantie des Friedens etc. 

ferner nicht unterlassen, dasjenige willig beizutragen, was zu Errei- 
chung E. Kais. M. guten Intention diensamb sein wird. Wiewohl — 
die meisten Reichsstände nochmals die Beschleunigung des Reichs- 
tages treiben, die Deputation und deren Transferir- und Fortstellung 
decliniren und den Reichstag vor das bequemste und zulänglichste 
Mittel halten, dadurch E. Kais. M. nicht allein gegen den Türken 
mit einmütiger Zusammensetzung unter die Arme gegriffen, sondern 
auch der Friede und die Securität im Reich erhalten werden könne. — 



Kaiser Leopold an den Kurfürsten. D. Wien 25. Angust 1661. 

[Termin für den Reichstag, vorher soll die Reichsdepatation in Angsbarg zn- 
samnientreteii, Kf. sich um K. Mainz's BiDwilligang bemühen.] 

25. Aug. — Nachdem mir nun von unterschiedlichen Ständen die Nach- 
richt als von E.Mainz*) die Erklärung eingelanget, wann ich den 
Reichstag auf einen gewissen Termin ausschreiben würde, dass dadurch 
alles höchstschädliche Misstrauen verhütet bleiben — und das Reich 
durch Feststellung des Puncti securitatis bei Fried und Ruhe bestän- 
dig conserviret, ich aber wider den Türken mehrer und gewisser 
Hülff versichert sein und benebens den. Rücken auf allen Fall frei 
haben würde — Also bin ich entschlossen und im Werk begriffen, 
mich durch meinen R. Vicekanzler, wann anders Ew. und der übrigen 
Kurfürsten LL. dero erforderten Gonsens dem Herkommen nach darzu 
zu ertheilen kein Bedenken haben werden, mich dahin vernehmen zu 
lassen, dass ich den Reichstag gegen den 1. Octobris schierst künf- 
tigen 1662 Jahres nacher Regensburg unfehlbar und zu rechter Zeit 
auszuschreiben erbietig sei, jedoch mich zu Ihr. Ld. hinwiederumb 
gänzlich versehe, sie würden dero mehrmaligem Erbieten und Ver- 
sprechen zufolg die Sache wegen Translation des Deputationstages 



und der Anfang und praeparatorinm zu einem besseren Grande aaf dem Depu- 
tationstag EQ legen eei, weil doch mit dem Gontradicieren schon viele Zeit ver- 
gebene verlaofen sei und leicht noch so viel verstreichen könne. 

^) S. das ausführliche Memorial desselben (d. Mainz 30. Juli 1661 , gedruckt 
Londorp VIII 8. 772flr.), in welchem er entsprechend der ihm von Frankreich 
ertheilten Weisung (s. Guhraner II S. 309) nachzuweisen sucht, dass eine Ver- 
legung der Reichsdeputation unstatthaft sei, und zum Schluss äussert, alles 
Misstrauen werde verhütet und die Stunde bei guter Affection und Treue gegen 
den Kaiser erhalten bleiben, wenn sich derselbe darüber erkläre, in welcher 
Zeit er den prorogierten Reichstag fortsetzen wolle. 



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Reichstag QDd Depatationstag. 47 

dahin richten, dass allerseits deputirte Stände sich mit dem förder- 
lichsten naeher Augspurg — begeben und diejenige Remissa, so ver- 
mög jüngsten Keicbsabschieds praeparatorie ausgemacht werden sollen, 
daselbst unverlangt an die Hand nehmcD. 

Kf. möge ihm seine Gedanken darüber eröffnen, wenn er gegen die 
Ansschreibang des Reichstages kein Bedenken trage , seinen Consens er- 
tbeilen and anch K.Mainz dazu zu disponieren helfen'). 



Herzog Christian Lndwig von Brannschweig und Lüneburg 

an den Kurfürsten. D. auf unserm Jagdhause Fuhrberg 

4./[14.] November 1661,0 

[AokündigaDg der Entsenänng von Beyollmacbtigten za Conferenzen Aber den 

Elbhandel.) 

Ew. Ld. wird zweifelsfrei annoch in gutem Andenken ruhen, 14. Nov. 
wasgestalt ohnlängsthin , da wir Ew. Ld. sehr angenehmen Gegen- 



') Kf. in seiner Antwort (d. Cleve 9. September 1661 , gedruckt Diarium 
Bnrop. VII 8.445, Londorp VIII 8.786) ertbeilt seinen Consens und zeigt 
an, dass er an Knrmainz dem Wunsche des Kaisers gemäss geschrieben habe. 
Das Schreiben an Karmainz (Diarium Europ. VII S. 447. Londorp VIII 
S. 786) ist Yon demselben Datum, ebenso Schreiben an die anderen Kurfürsten, 
denen Abschriften jener beiden Schreiben mitgetheilt werden. Kurmainz er- 
widert dem Kf. darauf (d. Mainz 17. September 1661, Diarium Europ. VII 
S. 460. Londorp VIII 8. 786), dass er mit der Berufung des Reichstages einver- 
standen sei und seinen Consens dazu ertheilt habe, dass er sich aber zu der 
Verlegung der Reicbsdeputatioa ausser anderen Gründen schon desshalb nicht 
verstehen könne, weil die zu Frankfurt anwesenden Reichsdeputierten darein 
nicht willigen wollten. In ahnlicher Weise, unter Berufung auf den Widerspruch 
von Kurmainz und der anderen Mitglieder der Deputation zu Frankfurt lehnt 
Koreö In die Verlegung ab, während Kurpfalz, Kurtrier, Kursachsen und 
Korbaiern ebenso wie Kf. sich einfach zustimmend zu den kaiserlichen Vor- 
schlagen erklären und darauf nochmalige aber ebenfalls vergebliche Versuche 
machen, Kurmainz umzustimmen s. die Correspondens darüber Londorp VIII 
S. 789 ff., vgl. GrösBler S. 17ff. 

') Infolge der Zolle und anderweitigen Belästigungen, welche Hamburg dem 
Handel, namentlich mit Uo\z und Getreide, auf der Elbe auferlegte, hatte Kf. 
mit dem Herzoge Christian Ludwig von Celle Verhandlungen angeknüpft, 
um den Elbhandel aus seinen Landen, statt nach Hamburg, auf der Südelbe 
nach Haarburg zu leiten. Sohon am 26. September 1661 war auf einer Con- 
ferenz der beiderseitigen Bevollmächtigten zu Haarburg eine Convention darüber 
vereinbart worden. Nachdem dai n Kf. auf der Rückreise von Cleve nach Berlin 
mit dem Herzoge, den ec unterw« gs besuchte, die Angelegenheit persönlich be- 
sprochen hatte, sandte dieser Mitte November die Geheimen Eammerräthe Bodo 



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48 !• VerhaDdluDgen wegen der Garantie des Friedens etc. 

wart zu geniessen und uns mit deroselben — zu besprechen die Ehre 
gehabt, unter anderen die Abrede genommen, dass wegen der be- 
haaptenden freien Schiffahrt und Handlung auf dem Elbstrom und 
Ratification des derobehuf in unser Stadt Haarburg errichteten Re- 
cessus eine Conference einiger aus Mittel unser allerseits Geheimen 
Räthe angestellet und sodann desfalls ein endlicher Schluss gemaehet 
werden sollte. 

Er wird daher seine dazu bereits deputierten Geheimen Räthe in weni- 
gen Tagen nach Berlin schicken. 



Derselbe an den Kurfürsten. D. Zell 6./[16.] November 1661. 

[Greditir für B. y. Gladebeck zu besonderen vertraulieben Unterhandlungen. ] 
16. Nov. Nachdem ich zu der mit Ew. Ld. Geheimen Hinistris der Haar- 
burgischen Handlung halber anstellender Gommunication meinen Geb. 
Cammerrath, den von Gladebeck, deputirt und abgcfertiget, so habe 
ich demselben zugleich befohlen, dass er sich bei dieser Gelegenheit 
k part bei Ew. Ld. unterthänigst anmelden und meine zu deroselben 
tragende — Affection und Confidence mit mehrem contestireu, auch 
für die mir neulich gegönnete Besuchung gebührenden Dank abstatten 
und danebenst eine und andere Eröffnung thun solle. — — Zwei- 
fele *) nicht, Ew. Ld. werden bei unter uns abgeredete Sachen und 
deroselben wohl bewusst beständig beharren, deswegen den Monsieur 
Gladebeck meine Meinung Dero entdecken wird. Hoffe bald die 
Ehre zu haben E. Ld. auf der Reiherbeize hinwieder aufzuwarten 
vermöge genommener letzter Abrede. 



Relation Bodo v. Gladebeck's an Herzog Christian Ludwig 
von Braunschweig und Lüneburg. D. Berlin 20./ [30.] Novem- 
ber 166 L (Hannoversches Archiv.) 

[VerhandlaDgen mit dem Kf. nod dessen Rätben wegen Eintritts in die Rhei- 
nische Allianz.] 

30. Nov. Nachdem er dem Kf. das IlandschreibeD des Herzogs übergeben und 
dieser daraus ersehen, dass er noch etwas a part ihm vorzobringeni hat er 

V. Gladebeck nnd Heinrich Bessel za weiteren Verhandlongen nach Berlin, 
and zwischen diesen and den vom Karfürsten deputierten Geheimenräthen Claus 
Ernst V. Platen, Otto Grote and Friedrich v. Jena warde der Vertrag 
vom 26. November/6. December 1601 (s. v. Morner 8. 256} abgeschlossen, wel- 
chen Kf. am 30. November/ 10. December, Herzog Christian Ludwig am 
23. December/ 2. Januar ratificierte. 

Die letzten Worte sind von dem Herzoge eigenhändig hinzugefügt. 



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VerhaDdlangeo mit v. Oladebeck. 49 

nach der Tafel ihn alleio wieder in sein Gemach gefordert. Als 61. bier aufs 
neue ihn seines Herrn Freundschaft versichert und bemerkt, derselbe erin- 
nere sich dessen, was zu verschiedenen Malen wegen des Eintretens des 
Kf. in die Frankfurter Allianz vorgekommen, dafern Kf. meinte, dass 
der Herzog hierzu cooperieren sollte, so möchte er es demselben ver- 
traulich an die Hand geben, dankt Kf. dafür sehr höflich, und erklärt, 
er vertraue auf des Herzogs freundliche Absichten, ^denn sie ihrestheils 
kein ander Interesse als die Wohlfahrt des Rom. Reichs hätten, be- 
gehrten auch von dessen Ständen nichts anders, als dass sie bei 
demjenigen möchten guarantiret werden, was ihr das Instr. pacis 
zueignete, — und obschon ihre consilia beschuldigt werden woll- 
ten, als ob sie ganz von Oesterreicb oder Spanien dependirten, 
so solle ich jedoch meinem gn. Fürsten und Herrn — versichern, dass 
sie weder kaiserlich, weder spanisch, weder französisch, weder schwe- 
disch, sondern einzig und allein gut reichisch wären und fUr dessen 
Freiheit alle ihre consilia und actiones dirigiren würden, es möchte 
auch niemand glauben, dass sie an den Kaiser dergestalt attachiret 
wären, dass sie nicht freie Wahl zu reden haben sollten, sie wären 
imperatori zu nichts in der Welt obligiret als pro salute imperii und 
dessen Defension, und wann imperator diese Stunde etwas dagegen 
anfangen würde, so wäre er der ärgste Feind des Kaisers, welches 
er imperatori klärlicb sagen und schreiben lassen, auch noch neulich 
in puncto comitiorum solche remonstrationes gethan, dass er gewiss 
versichert, dass es keiner seiner Mitstände gethan hätte, er hätte sich 
aber des Vertrauens, so Ih. Kais. M. zu ihm hätten, bedienet und 
deswegen frei heraus geschrieben, wollte auch femer das Seinige 
dabei thun. Das Bündnis') zwischen Oesterreich und ihm zielete 
auf nichts anders als die Situation der Lande, dass weder Schlesien 
noch Böhmen von den Schweden nicht könnte angegriffen werden, 
sie müssten denn zuvor sein Land berühren. Wenn nun imperator 
den geringsten Widerstand leistete, die Schweden repoussirete oder 
nicht alsobald in seinen Erblanden Meister werden liesse, so hätte 
er das ganze theatrum belli wo nicht von beiden, so zum wenigsten 
von einer Armee im Lande. Weil er nun doch in der äussersten 
Gefahr seiner Ruin auf solche zutragende Fälle sitzen müsste, so 
wollte er lieber mitspielen als zusehend das Seinige verlieren. In 
Holstein hätte ihm zwar der Kaiser das Generalat über die ge- 



Das Defensiv- und Offeusivbüuduis vom 30. Januar/ 9. Februar 1658 (v. 
Mörner, S. 683 f.). 

M«ter. s. Qescb. d. 0. Knrfunteii. JU. 4 



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50 !• Verhandlangen wegen der Garantie des Friedens etc. 

samte conjungiiie Armeen aufgetragen, er hätte es aber niemals 
pure aeeeptiren, auch nicht allerdings abschlagen wollen, sondern 
hätte das Werk in solcher Balance gehalten, dass es zu nichts scha- 
den und ihn nicht gar zu weit verbinden könne. 

Mit den Kronen hätte er allezeit in beständiger guter Freund- 
schaft gelebt .... Nachdem er aber mit Schweden brechen müssen, 
hätte Frankreich auch seinen disgusto merken lassen, hätte mit Neu- 
burg sich so arctissime gegen ihn verbunden, dass er genugsam seine 
Intention gegen ihn verspüren können. Er hätte gar gute und ver- 
trauliche Nachricht, dass Gravel zu Heidelberg dem Eurftlrsten 
zumuthen dürfen ^), er solle der Allianz, so er mit ihm, Ef., gemacht, 
renunciiren, oder sein König würde ihm alle Freundschaft aufsagen. 
Nun würde ja das den deutschen Kur- und Fürsten zum höchsten 
Präjudiz gereichen, wenn sie sich von den Kronen sollten fürschreiben 
lassen, ob, wie und mit wem sie in Bündnis treten oder unter sich 
verbinden sollten. Er hätte gegen Frankreich niemals das geringste 
gethan, suchte auch noch nichts anders als seine gute Freundschaft, 
hätte auch unter der Hand vertrauliche Nachricht, dass man am fran- 
zösischen') Hofe erbötig, wann Kf. ihm, dem Gallo, einen Sehritt 
entgegen thäte, wollte man an seiten Frankreich ihr gern drei ent- 
gegen kommen; er hätte aber nichts gegen Frankreich gesttndiget, 
könnte sich derowegen auch nicht submittiren, sondern liesse sie in 
Wachsen und Subsistenz, müsste ihnen trauen, so viel er könnte, und 
würde im übrigen ihr guter Freund verbleiben. Mons. Budelweltz') 
hätte etliche Mal herausgeschrieben und S. Chf. D. grosse contesta- 
tiones gethan, als sie nun endlich bei dem Mons. Lionne weiter 
nachfragen und sich gleichsam anmelden lassen, hätten sie eine solche 
kaltsinnige Antwort bekommen, dass sich die Zeiten nunmehr geän- 
dert, das Werk in einem andern Stand und anderwertig zu überlegen 
wäre. Nun wollte der König in Frankreich alle consilia in dem 
Römischen Reiche dirigiren und möchten doch die deutschen Kur- 
und Fürsten selbsten bei sich erwägen, in was für Esclavität sie sich 
und ihre Nachkommen stürzten. Er wiederholete nochmaln — dass 
er kein spanisch, noch österreichisch, noch einiges ander Interesse 



S. anten Abschnitt 2. 

'0 S. die Schreiben Wicqneforts an den Oberpräsidenten v. Schwerin 
ürk. u. Akt IX S. 591 ff. 

3) Podewils, 8. ürk. u. Akt. IX S. 57ö. 



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VerhandlangeD mit v. Gladebeck. 51 

als nur die Freiheit der freien Reichsstände fovirete — und hoflfe 
er noch zu erleben, dass endlich erkannt werden würde, dass die 
Brandenburgischen consilia aufrichtig und zu des Reichs Besten ge- 
meinet gewesen. Wegen Neuburg hätte er keine sonderliche Re- 
flexion. Es hätte derselbe zwar seinen Racken an Frankreich ge- 
setzet, er getrauete aber der Gerechtigkeit seiner Sache und hätte 
seine final Deduction herausgegeben, die er uns communiciren wollte, 
und hätte sieder dem Neuburg acquiesciret und dagegen nichts ein- 
wenden können. Er hätte seinestheils die ganze Sache dem GhurfÜrstl. 
CoUegio zu dessen Interposition untergeben und könnte leicht er- 
messen, wann unparteiisch darin verfahren würde, wie das Urtheil 
fallen möchte. Es wären an Spanischer Seiten für diesem einige 
Furschlage ins Mittel kommen, dass der Rhein die Grenze zwischen 
ihnen beiden sein sollte, weil aber S. Churf. D. darbei gar zu viel 
verloren und nichts als die Stadischen Guarnisonen in ihrem Lande 
behalten hätten, so hätten sie diese Handelung ausschlagen müssen, 
es würde ihr aber lieb sein, wenn das Churf. Collegium je eher je 
lieber die Sache reassumiren möchte. Es gaben S. Churf. D. nun zu 
allem unparteiischen Nachsinnen, ob bei solcher Bewandnus sie sich 
der Direction der auswärtigen Cronen gleichsamb unterwerfen und 
ihr Interesse in dero Hand stellen sollten.'' 

Als Gl. erwiderti auch die consilia des fürstl. Hauses zielten Dur darauf, 
die jara statuom zu coDservieren und die gute Harmonie im Rom. Reiche 
zu stabilieren, keineswegs aber sich den auswärtigen Kronen zu unterwerfen 
oder das Interesse in ihre Hände zu spielen, man könnte also mit Kf. gar 
leicht sich rereinigen und würde nur die Frage sein, ob man sich denn 
nicht in den mediis auch yereinbaren könnte, antwortet Kf., es sollte ihm 
gelbiges nicht entgegen sein, aber in der Frankfurtischen Allianz wären einige 
Dinge, darin er so pure nicht willigen könnte, weil er aber des Herzogs 
gute Intention darin yerspürte, so wollte er durch Dr. Jena, der in der 
Harburgischen Sache mit ihnen negotileren würde, auch dies Werk weiter 
mit ihm überlegen lassen. 

Den 21. Donnerstags eröffnet ihm Jena, dass er von Kf. Befehl 1. Dec. 
erhalten, mit ihm in Conferenz zu treten, wiederholt fast eben dasjenige, was 
bereits oben angezeigt ist, giebt dabei aber zu verstehen, dass dem Kf. 
das Frankfurter foedus gar zu weitläufig fallen würde, zumal die Interessen 
gar zu wunderlich und divers , und solche Personen darin begriffen wären, 
die vor diesem des Kf. Diener gewesen und mit denen er kein foedus machen 
wurde, als insonderheit der Graf von Wal deck*). Gl. erwidert, die 



1) Graf Heinrich VII. von Waldeck hatte 1438 seinen Theil der Wal- 
deckecbeD Lande dem Landgrafen Ludwig von Hessen zu Lehn aufgetragen 

4* 



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52 1- VerhandlaDf^en wegen der Garantie des Friedens etc. 

anfängliche Intention dieses foederis sei gewesen, endlich und unter der 
Hand das ganze Rom. Reich wieder in eine gute Harmonie zu setzen, wenn 
man nur dem noch inhärierte, könnte das foedus nicht zu weitläufig sein, 
Graf Wal deck wäre nicht immediate, sondern mediate in demselben, so 
dass Ef. weder mit ihm paciscieren noch schliessen dürfte, er hoffe, wenn 
die anderen dubia des Kf. nicht wichtiger wären als diese jetzt moyierten, 
so würde man sowohl in modo als intentione einig werden. 
Dec. Den 23. neue Conferenz mit Jena. Derselbe erklärt, Kf. würde gern 

mit allen Ständen des Reiches und sonderlich, wie zu Co In*) vorgekommen, 
mit dem Hause Braunschweig, Hessen und anderen sich vereinbaren, 
so absolut und ohne Restriction aber in die Frankfurter Allianz zu treten 
würde er grosses Bedenken tragen, er hielte vielmehr dafür, dass, wenn die ob- 
erwähnten Kur- und Fürstlichen Häuser nebst K. Pfalz in einem bestän- 
digen Bündnis ständen, man der Auswärtigen nicht bedürfen, sondern ge- 
gen Kaiser und Könige sich genugsam redoutabel machen könnte. Des 
Kf. Verbindung mit dem Kaiser sei der Art, dass er sich auch mit an- 
deren setzen könnte, wie er wollte. Ol. erwidert, separatim und exclusis 
coronis noch zur Zeit im Rom. Reich beisammen zu stehen, wäre bisher 
von vielen für imprarticabel gehalten worden und deswegen sei noch neu- 
lich die Frankfurter Allianz auf 3 Jahre extendiert worden*), wenn diese 
verflossen und Kf. sich inmittelst mit hinein begeben, so würde sich als- 
dann überlegen lassen, ob die Stände besser allein oder bei den Kronen 
ständen, inmittelst wüssten sich die Alliierten keiner sonderlichen Direction 
von den Kronen zu erinnern. Er bittet das Bündnis des Kf. mit ester- 
reich zu communicieren, ebenso wie es mit dem englischen geschehen 
sei. Jena bemerkt darauf, ob es nicht bei den Alliierten zu erhalten sein 
möchte, dass P reu ssen mit eingeschlossen werde. Gl. erwidert, das werde 
wohl etwas hart halten, und wenn Kf. seine anfänglichen conditiones gar 
zu schwer machte, würde es fast scheinen, als wenn es mit der Beitretung 
kein Ernst wäre. Jena hat hierbei so ganz allen von der Sache sich nicht 
vernehmen lassen, sondern dahin gezielt, dass man nicht ganz abrumpiereu 
möchte, fragte aber nur für sich, ob mau vermeinte, dass die gesamten 
Alliierten mit des Kf. Eintretung einig sein würden, ob die Handlung eini- 
gen Deputierten könne committiert und ob nicht auch K.Pfalz, als des Kf. 
Mitalliierter, könne mit eingenommen werden. Gl. erwidert, an seinem 



und seitdeiD stand Waldeck zu Hessen in einem Lehnsverhaltnis , das frei- 
lich mehrfache Streitigkeiten veranlasste, diese wurden 1635 durch einen Ver- 
gleich beigelegt, welcher auch in dem Westfälischen Frieden (XV § 14) bestätigt 
wurde. S. Schulze, Die Hausgesetze der regierenden deutschen Fürsten- 
häuser HI S. 378 ff. Vgl. über die Aufnahme des Waldeckschen Hauses in die 
Rheinische Allianz und die zweifelhafte Stellung, welche es in derselben ein- 
nahm, unten Abschnitt 7 die Relation G. v. Jena's vom 15/25. December 1665. 

') S. oben S. 39 ff. 

^) Diese Erneuerang der Bheinischen Allianz war am 7. März 1663 erfolgt, 
B. Köcher I S. 313 ff. 



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YerhandlaDgen mit y. Gladebeck. 53 

Hofe sei man der MeinoDg, dass Ef. allen angenehm sei| und wolle man 
in diesem and den anderen Punkten zn unterbauen sich bemühen, wenn 
man nnr des Kf. beständiger Intention versichert wäre. 

Den 27. Vormittags eröffnet ihm Jena des Ef. schliessliche Resoln- 7. Dec. 
tion: dass er zwar in dieses jetzige Frankfurter foedus, wie dasselbd in sei- 
ner Tollkommentlichen forma bestünde, nicht allerdings treten könnte, son- 
dern er müsste für sich noch einige gewisse conditiones machen, er wäre 
aber erbietig, nach Veranlassung des jetzigen foederis sich mit den Alliierten 
za setzen, er würde aber solchenfalls auch seinen Mitalliierten, den Kurfür- 
sten von Pfalz, gern mit einnehmen und von selbigem sich nicht separieren, 
and er hoffe, dass dadurch die Allianz dergestalt verstärkt und verbunden 
werden sollte, dass man die Wohlfahrt des Rom. Reiches auch ohne aus- 
wärtige praeceptores endlich beobachten könnte, jedoch suchte er auch mit 
den Kronen nichts anders als beständige Freundschaft zu halten. Sein foe- 
das mit Oesterreich wäre er erbötig, auch das Original, zur Collation 
zo communicieren , er verhoffte aber, der Herzog würde das Werk dahin 
mesnagiereu, dass etwa dem Fürstlichen Hause Brau n schweig, Hessen, 
Co In und anderen wenigen die Handlung aufgetragen werden möchte. Als 
Gl. wünscht, mau möchte doch zu besserer Facilitiernng des Werkes das 
Frankfurter foedus durchgehen und etwaige desideria dabei mittheilen, ver- 
langt J e n a Mittheilung eines Exemplares des foedus und bemerkt, Kf. werde 
sich nicht gern einigem Directorio unterwerfen, sondern lieber sehen, dass 
man ganz keines Directorii Erwähnung thäte, ferner Kf. würde nicht mit 
Gravel als Gesandten, sondern lieber mit dem Könige selbst unterschrei- 
ben, dafern der König auch nur wegen des Elsass darin wäre, würde Kf. 
ihm nicht cedieren. Gl. erwidert, wenn die übrigen Erinnerungen von kei- 
ner grösseren Wichtigkeit als diese beiden wären, so würde dem Werk 
leicbtlich zu helfen sein, wegen K.Pfalz werde sein Fürst kein Bedenken 
tragen, er fürchte aber, dass von Hessischer Seite solches werde diffi- 
cnltiert werden^), Jena erwidert, erhoffe nicht, dass es sich daran stossen 
werde, das Werk werde sich appaisieren, K. Pfalz habe es in des Kf. 
Hände gelegt. 

1. December. Gl. fragt Jena, ob man das Frankfurter foedus nicht 11. Dec. 
durchgehen und ihre monita vernehmen möchte, zumal er aus dem Cöl- 
nischen Protokoll ersehen, dass es den Ihrigen daselbst zugestellt sei. Jena 
erklärt, diese Akten seien noch nicht angekommen, und als Gl. sich er- 
kundigt, ob einige Bedenken dabei wären, vermeint er, man müsste ihrer- 
seits erst wissen, ob die gesamten Alliierten Kf. admittieren wollten, eher 
könnte er sich keiner sonderlichen Conditionen vernehmen lassen. 

3. December besucht Gl. wieder Jena, dieser erläutert des Kf. Er- 13. Dec. 
klärnng dahin, dass Kf. in die jetzige Allianz nicht eintreten würde, sondern 
erbötig sei, mit den gesamten Alliierten sich zu setzen, die Articul aus der 

^) Ueber die Zwistigkeiteo zwischen Korpfalz und Hessen s. die Ein- 
leitoDg zu Abschnitt 2. 



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54 1- VerhandluDgeo wegen der Garantie des Friedens etc. 

Allianz dnrchzageben und daraus sich zu verbinden. Was er jenesmal von 
Französischer Subscription und dergl. erwähnt, würde keine sonderliche 
Difficul täten haben, es müsste zoförderst diese quaestio an von den Alliierten 
resolviert werden, so würde Kf. sich wohl zur Billigkeit weisen lassen, er 
würde aber K.Pfalz nicht verlassen und Freussen gern mit einge- 
schlossen sehen. Gl. erwidert, die Prenssische Condition würde schwerlich 
bei allen Alliierten zu erhalten sein und also fast aHein capabel sein, das 
Werk zu hindern, er wollte nicht hoffen, dass Kf. darauf bestehen würde. 
Jeua erwidert, sie wollten Polen und Moskau excipieren, wenn sie nur 
wegen Schweden und dessen Beifall gesichert wären, wiewohl sie sie eben 
nicht ^ross fürchteten. GK erwidert, er könne dazu keine Hoffnung machen. 

14. Dec. 4. December berichtet ihm Jena, dass er mit dem Kf. geredet, der- 

selbe bliebe beständig bei der Preussi sehen Inclusion. Gl. fragt» ob sie 
zur Handlung wohl jemand nach Frankfurt schicken würden, jener ver- 
neint es. 

15. Dec. &• December redet Gl. mit C an stein, dass er nicht glaube, dass die 

Preus6is(be Inclusion zu erbalten wäre. Jener erwidert, Kf. bestände 
zwar darauf, wenn man aber im übrigen richtig wäre, würde sich dieses 
wohl finden, man möchte nur nicht die Hand abziehen. Der Für^t von 
Anhalt war beim Abschied derselben Meinung und erbot sich zu aller 
Cooperation. 



Der Kurfürst an Herzog Christian Ludwig von Braunschweig 
und Lüneburg. I). Cöln a. d. Spree 2./[l2.] December 1661. 

IRecreditiv für v. Gladebeck.] 

12. Dec. Als Ew. Ld. nebenst der bekannten und nunmehro abgehandelten 
Harburgischen Sache dero Geh. Gammerrath, dem von Gladebeck, 
absonderlich und k part befehligen wollen, mich nicht nur Ew. Ld. 
beständigen — Affection und Confidence zu versichern, sondern auch 
in andern publicis einige vertrauliche Eröffnung zu thun, so habe ich 
bei verstatteter absonderlichen Audienz von ihm solches alles wohl 
eingenommen, daraus Ew. Ld. gegen mich und unser allerseits ge- 
meines Vaterland tragende Affection, Vorsorge und Vigilanz mit 
grossem Vergnügen und erfreulich verspüret, und mich gegen ihn, 
den von Gladebeck, in eigener Person auch sonsten dergestalt er- 
kläret, dass E. Ld. aus dessen Relation meine für deroselben und 
dero löbliches fürstliches Haus, auch für allerseits des H. Römischen 
Reichs Glieder Wohlfahrt führende Intention verhoffentlich sattsam 



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VerbandlaDgen mit v. Qladebeck. 5Ö 

abnehmen und alles zu des Vaterlandes, auch unser beider Cbur- 
und Fflrstlicben Häuser Besten mesnagiren werden. — 



Der KurfQrst an den KurfUrsten von Cöln. D. Cöln a. d. 
Spree 4/ [14.] Jannar 1662. 

[YorBchlag der Abhaltaog eineB KarfürsteDtages.] 

— Nachde;n uns weder des Ausschreibens zu besagtem Reichstage 14. Jan. 
halber noch der Deputation wegen etwas gewisses ferner zukommen, 

als seindt wir dessen täglich gewärtig, Im übrigen ist E. Ld. 

erinnerlich, wie S. Kais. M. in verschiedenen Reichssachen der HH. 
Kurfürsten Sentiment begehret ^) , auch ohne das verschiedene Reichs- 
händel, absonderlich die Executionsordnung und das Ghurf. Collegium 
in specie belangend, unter Händen, so gegen den Reichstag wohl zu 
überlegen wären. Solchem nach stellen wir zu E. Ld. reifen !Nach- 
dencken, ob nicht rathsam, dass ein KurfUrstl. CoUegialtag ') förder- 
lichst möchte ausgeschrieben und gehalten werden, damit, wann wir 
gleich nicht in Person beisammen kommen könnten, dennoch die 
Sachen durch unsere zusammengeordneten Räthe überlegt — und 
zu einem allgemeinen Schlüsse befördert werden möchten, gestalt uns 
denn auch lieb sein würde, wenn E. Ld. mit K.Mainz Ld. hieraus 
zu communiciren Belieben tragen wollten. — 



*) S. das Schreiben des Kaisers vom 13. April 1661 (oben S. 33), in wel- 
chem die Kurfürsten zn einem Gutachten in der Bremischen Angelegenheit auf- 
gefordert werden. Ein solches Gutachten (d. 2. December 1661) ist wirklich von 
Kurmainz abgefasst und darauf von allen Kurfürsten unterzeichnet worden. 
Der Kaiser wird darin aufgefordert, falls Schweden wirklich gegen Bremen 
etwas Gewaltthatiges vorzunehmen gesonnen sein sollte, dasselbe davon abzu- 
mahnen und dahin zu wirken, dass der Streit entweder gütlich oder auf dem 
Rechtswege beigelegt werde. Sollte auch dieses nichts verfangen, „so würden 
alsdann auch die Reichsconstitutiones und der Friedensschluss weitere Ziel und 
Maass geben, was zu Abwendung neuer Unruhe und Erhaltung gemeinen Frie- 
dens im Reich ferner hiebei zu thun sein möchte.*' Zu derselben Zeit hatte 
der Kaiser von dem Kf. wie auch von den anderen Kurfürsten ein neues Gut- 
achten wegen der von Schweden errichteten Warnemünder Schanze und 
anderer schwedischer Uebergriffe verlangt (Geheimenrsthsprotokoll CÖln a. d. 8p. 

18/28. December 1661\ 

') Schon im Juni 1661 war vom kaiserlichen Hofe aus die Abhaltung eines 

Kurfürsten tage 8 angeregt worden, s. das Schreiben des Kf. an Kurpfalz vom 

24. Juni 1661 unten in Abschnitt 2. 



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56 1- Verhandlungen wegen der Garantie des Friedens etc. 

Kurfürst Maximilian Henrich von Cöln an den Kurfürsten. 
D. Bonn 25. Januar 1662. 

[auf das Schreiben vom 4./14. Januar. Bedenken wegen des KurfürstentageB.] 

25. Jan. Er hätte gewünscht, dass die Depatation za Frankfurt völlig ergänzt 

geblieben, oder man sich der Translation halber hätte yergleichen können, 
welchenfalls das Knrf. Collegium beisammen gewesen, ond alle vorfallen- 
den Sachen von demselben ad partem hätten überlegt, auch die Jalousie, 
welche die Ausschreibung eines absonderlichen CoUeglaltages bei den übri- 
gen Reichsständen gebären würde, abgewendet werden können, es werde 
ihm jedoch lieb sein, von Kf. zu vernehmen, was demselben hierin für 
Gedanken zu Gemüth gehen. 



Der Kurfürst an den KurfUrsten von Cöln. 
D. Cöln 4./[14.] März 1662. 

[auf das Schreiben vom 25. Januar. Der Kurfürstentag kann jetzt nicht mehr 

stattfinden.] 

14. März. Er hätte die Ausschreibung eines Collegialtages vor dem Reichstage 
für sehr nötig und nützlich gehalten, sieht auch nicht ein, wie andere 
Stände daraus hätten Jalousie schöpfen können, da aber jetzt der ausge- 
schriebene Reichstag nahe vor der Thür, sieht er nicht; wie zu dergleichen 
Collegialtage zu gelangen. 



Kaiser Leopold an den Kurfürsten. D. Wien 8. Februar 1662. 

[Anzeige der Ausschreibung des Reichstages. Der Convent zu Regensburg soll 
bis zu Beginn des Reichstages fortgesetzt werden.] 

8. Febr. Nachdem er aus der Relation des von ihm hierher berufenen R.Vice- 

kanzlers ersehen, dass ein Theil der Stände noch in dem Gedanken ver- 
harre, als ob es ihm mit dem Reichstag kein rechter Ernst sei, so hat er 
zu Benehmung dieses ungleichen Wahns denselben, wie Kf. aus beikom- 
mendem Ausschreiben') ersehen wird, innerhalb 4 Monaten nach Regensbnrg 
ausgeschrieben, woraus Kf. erkennen wird, dass er weder den Reichstag zu 
verzögern noch unter der für gut befundenen Translation und Reassump- 
tion des Deputationstages einige Gefährde oder Verlängerung der comi- 
tiorum, sondern vielmehr die Präparierung der dazu gehörigen Materien 
gesucht habe. Weil aber unterdessen sein und der mit ihm einstimmen- 

^) d. Wien 8. Februar 16r>2 (Diar. Earop. VIII S. 123ff. Londorp VIII 

S. 811 ff.). 



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Berufung des ReichBtagee. 57 

den Stände Respect und Reputation erfordert, dass der Convent zaRegens- 
burg nicht aufgegeben werde, so ersucht er Kf., seinem daselbst snbsistieren- 
den Gesandten anzubefehlen, dass er sich von dort nicht hinweg begebe, 
sondem diese geringe Zeit noch daselbst verharre. 



Der Kurfürst an den Kaiser 25. Februar/[7. März] 1662. 

[auf das Schreiben vom 8. Febraar. Kf. wird den Reichstag beschickeo, hat 
seinen Gesandten von Regeosborg schon laugst abgefordert.] 

Kf. wird seine Gesandten gegen die angegebene Zeit mit nöthiger 7. März. 
Instruktion nach Regensburg abfertigen. 

Belangend £. K. M. gnädigstes Begehren, dass wir den Depu- 
tationstag zu Regensburg continuiren möchten, so ist E. E. M. be- 
kannt, dass flirlängst verschiedene Stände wie auch ich meine Ge- 
sandten von dannen abgefordert, wie denn auch von der Translation 
des Tags indessen vielfältig gesprochen und gehandelt worden. Da- 
ferne aber £. E. M. die Ihrige dahin zu senden gst. entschlossen 
und es nöthig finden, dass ich wiederumb annoch für dem Junio je- 
mandes auch dahin sende, so will ich dero gsten Begehren und Gut- 
finden zu folgen mich gehorsamst anschicken^). — 



Churf. Resolution, so dem Chur - Sächsischen Abgesandten, 

Geheirabten Rath und Cämmerern Nickel von Gerstorffen^) 

ist ertheilet. D. 4./ [14.] März 1662. 

[Ob Kf. den Reichstag personlich besacben werde, ob aaf demselben der Strei- 
tigkeiten wegen Translation des Deputationstages Erwähnung zu than. Die 

Rheinische Allianz.) 

Ob Sie aber Ihres Orts solchen Reichstag persönlich wer- 14. März. 

den beiwohnen können, dabei müssen Sie wegen allerhand wichtigen 
Motiven billig anstehen, zumablen aus dem Keys. Ausschreiben zu 



*) S. oben S. 25. Es ist dieses nicht geschehen. Von den Mitgliedern der 
Deputation waren, als sich der Reichstag in Regensborg versammelte, dort ausser 
zwei kaiserlichen Deputierten nur noch der K.bairische, K. sächsische und Sach- 
sen - Altenbnrgische Gesandte anwesend, s. Gemeiner, Gesch. der öffent- 
lichen Yerhandlangen des zu Regensbnrg noch fortwährenden Reichstages I S. 12. 

^ In der yon demselben mandlich rorgetragenec and dann auch schriftlich 
übergebenen Proposition (d. Göln a. d. Sp. 28. Februar/ 10. März 1662) wird bei 
Kf. angefragt, ob er in Person zum Reichstage nach Regensburg zu kommen 



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58 1- VerhaDdlnogen wegen der Garantie des Friedens etc. 

ergeben, dass noch ungewiss, ob auch I. Keys. M. selbst in Person 
dahin kommen werden. Wenn aber I. Keys. M. der Herrn Chur- 
fürsten persönliche Gegenwart begehren und deshalb absonderlich an 
Sie etwas gelangen lassen wttrden, so würden S. Chf. D. sich als- 
dann nach Gelegenheit der Zeit darauf zu resolviren haben, inmit- 
telst aber dero Gesandten mit genügsamer Vollmacht — dahin abzu- 
fertigen nicht unterlassen. 

Was die Translation des Reichsdeputationstags anlanget — seind 
mit I. Churf. D. zu Sachsen darin ganz einig, dass solche eine Sache 
gewesen, darin sowohl der Keys. M. hohe Autorität als des Churf. 
coUegii Respect nicht wenig interessire, dass wider alt ^Herkommen 
einige wenige sich den majoribus wiedersetzet und also die Fort- 
setzung des Deputationstags gehindert haben, allermassen S. Churf. 
D. solches in dero Schreiben dabevor gnugsam zu erkennen gegeben. 
S. Churf. D. hielten auch wohl nöthig, dass man dienliche Wege 
ergreifen könne, wodurch sowohl dieses inskflnftige verhütet als die 
bei dem Reichsdirectorio eingerissene Mängel und Missbräuche, wor- 
aus dieses zum Theil entstanden, remediret und abgestellet werden 
möchten. Alldieweil aber solche Streitigkeiten wegen des ausge- 
schriebenen Reichstages nunmehr cessiren, so stehen S. Chf. D. an, 
ob nicht zu Erhaltung und Stiftung guten Vertrauens und damit nicht 
andere nöthige und nützliche deliberationes dadurch aufgehalten wer- 
den, solches silentio zu involviren — und solches umb so viel mehr, 
weil I. Keys. M. in dem Ausschreiben davon keine Meldung thun. 
Sollten aber I. Keys. M. davon in der Proposition einige Anregung 
thun oder von der andern Seite etwas moviret werden, so wird man 
auch dieserseiten nicht unterlassen können, die Nothdurft und was 
das Herkommen und die Reichssatzungen erfordern, zu beobachten, 
wie dann S. Chf. D. — dero Gesandten uff allen Fall darüber in- 
struiren wollen. 



gedenke, was za thnn sei, wenn der Kaiser auf dem Reichstage die Sache wegen 
der Translation des Deputationstages vorbringen sollte, nnd ob, falls der Kaiser 
dieselbe mit Stillschweigen übergehe, Kor-. Fürsten und Stände jenes ungebahr- 
Hche Verfahren etlicher weniger ungeahndet lassen durften, ferner was Kf. von 
der zwischen einigeo Reichsständen aufgerichteten Allianz halte, von der K.Sachsen 
gehört, dass sie den Reichsconstitutionen zuwiderlaufende Bestimmungen ent- 
halte, ob Kf. mit der Ausschreibung eines Obersächsischen Kreistages nach 
Leipzig einverstanden sei und welche Bewandnis es mit dem zwischen dem Kf. 
und Herzog Christian Ludwig von Braunschweig wegen des Eibhandels 
abgeschlossenen Vertrage (s. oben S. 47 f.) habe. 



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VerhandlnDgen mit v. Gersdorif. 59 

Ueber die von einigen Ständen uffgerichtete Alliance hätten S. 
Ghf. D. jederzeit Klage geführet und davor gehalten, dasB obzwar den 
Chur-, Forsten und Ständen des Reichs unverboten, sowohl unter 
sich als mit frembdeu Potentaten, Herrschaften und Republiquen Al- 
liancen und Bündnis aufzurichten, dennoch diese also beschaffen, 
dass sie den Fundamental gesetzen und Reichsverfassung zuwider zu 
laufen scheine, indem nicht allein, wie von S. Chf. D. zu Sachsen wohl 
angeführet, darin nicht enthalten, wenn ein Stand von einem Alliirten 
angegriffen würde, dass demselben vermöge der Reichsexecutions- 
ordnung und andern Satzungen wider den alliirten aggressorem Hülfe 
wiederfahren sollte, sondern vielmehr das contrarium darin zu be- 
finden. S. Chf. D. hätten zwar es an gnugsamen Remonstra- 
tionen nicht mangeln lassen, wäre aber wenig oder gar nichts atten- 
diret worden, und wäre derselben auch die alliance von den Alliirten 
nicht in forma communiciret worden, ausser was vor weniger Zeit 
von S. Chf. D. zu Co In geschehen, so S. Chf. D. Abgeordneten davon 
zu Co In ^) bei einer Conferenz Copei zustellen lassen. Wie es sonst 
damit vor Jahr beschaffen, würden S. Chf. ü. zu Sachsen ohnzweifel 
wohl Selbsten Nachricht haben, indem die Alliirten allmählig mehr 
Stände darein zu ziehen sich angelegen sein lassen, auch bereits einige 
dieselbe anzunehmen bewogen, und von neuen unter sich renoviret 
haben. Gestalt auch einige S. Chf. D. selbsten sich darein zu be- 
geben angetragen, dabei aber S. Chf. D. bisher nicht unbillig ange- 
standen. Und halten S. Chf. D. fast ausser Zweifel, dass sie bei 
gegenwärtigem Reichstag noch mehr Stände mit darein zu bringen 
sich äusserst bemühen werden. Dannenhero S. Chf. D. würde lieb 
gewesen sein, wenn S. Chf. D. zu Sachsen sich hierunter etwas ferner 
herausgelassen, ob dem Werk also zuzusehen oder was dabei zu thun 
sein möchte. — 

1) 8. oben S. 39 ff. 



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Abschnitt 2. 

Die Allianz mit Kur -Pfalz. 
1661. 



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Einleitung. 



Zu dem Karfürstea Karl Ladwig von der Pfalz, dem Sohne des 
QDglürklieheD Friedrich V., welcher, nachdem er darch den Westfälischen 
Frieden von seinen väterlichen Landen nnr die Unterpfalz mit der achten 
Kur erhalten hatte, dort im Jahre 1649 zur Regiernng gekommen war, hatte 
Karfiirst Friedrich Wilhelm, obwohl beide dnrch nahe Verwandtschaft 
and durch dasselbe religiöse Bekenntnis verbunden waren, doch bis zum 
Jahre 1661 in keinem näheren Verhältnis gestanden. Im Gegentheil hatte 
zuerst der enge Anschlnss Karl Ludwigs an den Kaiser und die Gefü- 
gigkeit desselben gegen die österreichische Politik, welche bei der Königs- 
wabl zu Augsburg und auf dem Reichstage zu Regensburg (1653 und 
1654) zu Tage trat^, das Misstrauen des brandenburgischen Kurfürsten 
erweckt, und die Unterstützung, welche dieser in dem Streite Karl Lud- 
wigs mit seinem Oheim, dem Pfalzgrafen Ludwig Philipp, wegen des 
diesem zustehenden Antheils an den pfälzischen Landen dem letzteren hatte 
zukommen lassen^, sowie Ceremonialstreitigkeiten >) bei der Krönung des 
neugewählten Königs Ferdinand hatten beide noch mehr einander ent- 
fremdet. Als dann 1657 nach dem unerwarteten Tode Kaiser Ferdi- 
nand III. Kurfürst Friedrich Wilhelm eine Verständigung mit den 
übrigen Kurfürsten anzubahnen versuchte und, wie zu den anderen, so auch 
an Karl Ludwig einen Abgesandten schickte, hatte jener sich sehr reser- 
viert gehalten«), bei den Wahlverhandlnngen in Frankfnrt hatte sich 
dann gezeigt, dass derselbe ganz entgegengesetzt gegen seine frühere Haltung 
Oester reich feindlich gesinnt und von Frankreich und Schweden gewon- 
nen war ^), wiederum also haben djamals beide Kurfürsten auf der entgegen- 



') S. ürk. u. Akt. VI S. 177. 224. 236. 255. 308 und Karl Ludwigs Recht- 
fertigung wegen dieses Verhaltens S. 449. Vgl. Haus s er, Gesch. der rhei- 
Dischen Pfalz II S. 592 f. 

^ ürk. u. Akt. VI S. 305. 347, vgl. Häusser II S. 594. 

*) ürk. u. Akt. VI 8.242. 

*) 8. ürk. u. Akt. VIII S.438f. 

5) 8. ürk. u. Akt. VIII S.463ff. 4ö9, vgl. Häusser II S. 616. 



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R4 2. Die AlliaDE mit Kur-Pfalz. 

gesetzten Seite gestanden; der brandenburgische Kurfürst hat damals Karl 
Ludwig im Verdacht gehabt^), dass er sich ganz an Frankreich hin- 
gegeben und sich verpflichtet habe, demselben seine Festungen zu überlie- 
fern Damals wurde auch der Kurfürst, freilich zunächst nur vorübergehend, 
in die unglücklichen Ehehändel Karl Ludwigs^) mit hineingezogen. Die- 
ser hatte sich 1650 mit der Hessischen Prinzessin Charlotte, der Schwester 
des Landgrafen Wilhelm VL von Hessen-Cassel, welcher seinerseits 
seit 1649 mit der Schwester Friedrich Wilhelms, Hedwig Sophie, ver- 
mählt war, verheiratbet. Seine Ehe mit dieser kalten, uuweiblichen und 
launenhaften Fürstin hatte sich aber bald zu einer sehr unglücklichen 
gestaltet und schliesslich (l6f)7)j nachdem der Kurfürst von Liebe zu 
einem Hoffräulein seiner Gemahlin, Luise von Degen feld^ welche wie 
er unter den Launen derselben zu leiden gehabt hatte, ergriffen worden, war 
es zu einem vollständigen Bruche gekommen. Der Kurfürst, ohne dass er eine 
förmliche Ehescheidung zu erwirken versucht hätte, hatte öffentlich die Ehe 
mit seiner Gemahlin für gelöst erklärt und das Luise von De gen fei d 
gegebene Eheversprechen bekannt gemacht'). Er hatte dann den Versuch 
gemacht^), seinen Schwager Landgraf Wilhelm dazu zu bestimmen, dass 
derselbe seine Schwester dazu bewegen sollte, Hei d el berg zu verlassen und 
zunächst nach einem seiner anderen Schlösser überzusiedeln, allein der Land- 
graf hatte sich dazu nicht verstehen wollen. Vielmehr betrachtete man am 
Casselschen Hofe das Verhalten Karl Ludwigs gegen seine Gemahlin als 
einen dem ganzen Hessischen Hause aiigethanen Schimpf, der Landgraf 
verlangte daher, dass derselbe sich mit seiner Gemahlin, weiche sich jetzt 
dazu bereit erklärte, wieder aussöhne, und drohte im Weigerungsfälle alle 
Anverwandten des Hauses aufzurufen. Davon aber wollte Karl Ludwig 

^) Kf. theilt dem Kurfürsten von Sachsen (d. Oölu a. Sp. 15./25. Decem- 
her 1657) mit, dass er gewisse Nachricht erhalten, Kurpfals habe nicht nur 
Frankenthal Bcbon an Frankreich abgetreten, sondern sei auch Vorhabens 
audero am Rhein gelegene Plätze demselben einzuräumen. — Diese Nachricht 
ist irrig, Kurpfalz bat damals allerdings mit Frankreich ein Bündnis auf 3 
Jahre abgeschlossen, scheint sich aber in demselben nur verpflichtet zu haben, 
bei der Kaiserwahl und sonst in den Reichsangelegenheiten die französische 
Politik zu unterstützen, wofür ihm jährlich 40,000 Thaler zugesagt wurden, s. 
Ludwig XIV. Instruktion fürGravel vom 28. März 1G61 (GuhrauerH S. 307). 

^ S. über dieselben Kazner, Luise Raugräfin von Pfalz. Häusser U 

5. 609 ff. Rommel, Qeschichte von Hessen IX S. G2ff. Memoiren der Her- 
zogin Sophie von Hannover, herausg. von Köcher (Publicationen aus den 
K. Preussischen Staatsarchiven IV S. 46 ff. 57 ff. und Einleitung S. 15 ff.). Schreiben 
des Kurfürsten Karl Ludwig von der Pfalz und der Seinen, herausg. von 
Holland (Bibliothek des Litterarischen Vereins in Stuttgart GLXVII). 

^ S. die Ehegelöbnisse Luisens und des Kurfürsten vom 10. Februar und 

6. März 1657 und den offenen Brief des letzteren vom 6. März 1657 (Holland 
S. 14 ff.). 

^) Relation des im April 1657 nach Cassel geschickten Kurpfalzischen Ge- 
heimenrathes v. Hoen (abschriftlich im Berliner Geh. Staatsarchiv). 



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tSialeitUDg. ' 65 

Dichte wisseo, vergeblich versuchte Landgraf G e o r g von Hessen- Dar in - 
Stadt, der zusammen mit einem Casselschen Abgesandten za diesem 
Zwecke im Juli 1657 nach Heidelberg kam, zu vermitteln^), im Janaar 
1658 vollzog Karl Ludwig seine förmliche Vermählung mit Luise v. 
Degenfeld und richtete derselben; da die Eurfürstin in Heidelberg 
blieb, eineu eigenen Hofhalt in Schwetzingen ein. Darauf wandte mau 
sich von Hessischer Seite an die eibverbrüderten Häuser von Sachsen 
und Brandenburg, man gab dem Kurfürsten Friedrich Wilhelm') 
und dem Korfiirsteu Johann Georg von Sachsen Kunde von jenen Ereig. 
nissen und ersuchte sie auf Grund der nahen Verwandtschaft und der Erb- 
verbrüderung auf den Kurfürsten von der Pfalz dahin einzuwirken, dass 
derselbe sich zu einer Aussöhnung mit seiner Gemahlin verstehe. Beide 
Kurfürsten haben sich auch wirklich dazu bereit erklärt und Kurfürst 
Friedrich Wilhelm hat seinem Frincipalgesandten bei dem Wahltage 
in Frankfurt, dem Fürsten Johann Moritz von Nassau, den Auftrag 
ertheilt^, zusammen mit dem dort persönlich anwesenden Kurfürsten von 
Sachsen den ebenfalls dort anwesenden Kurfürsten von der Pfalz zur 
gütlichen Beilegung der Streitigkeiten mit seiner Gemahlin zu vermögen. 
Allein jener überzeugte sich sehr bald bei Gelegenheit eines Besuches , deu 
er Pfingsten 1658 zu Heidelberg machte, dass „die Gemüther schon allzu- 
sehr von einander alieniert seien.^^) Vielleicht hat die Entfremdung, welche 
bald darauf zwischen dem Kurfürsten nnd dem Landgrafen Wilhelm infolge 
des Beitrittes des letzteren zur Rheinischen Allianz eintrat, auch auf diese 
Angelegenheit eingewirkt, jedenfalls scheint von brandenburgischer Seite 
die zugesagte Einwirkung auf den Kurfürsten von der Pfalz auch nicht 
einmal versucht zu sein. Hessischerseits hat man dann auch zunächst 
uicht weiter sich bemüht, den Kurfürsten in diese Angelegenheit hineinzu- 
ziehen. Als man sich dort 1660 doch zu Verhandlungen mit Karl Lud- 
w i g wegen der jetzt auch von der Kurfürstin selbst gewünschten Entfer- 



^ S. die Briefe des Kurfürsten Karl Ludwig an Luise v. Degenfeid 
vom 4. u. 6. Juli 1657 (Holland S. SOff.) 

^ Landgraf Wilhelm an Kf. d. Cassel 12./22. März 1658. Der Kurfürst 
von der Pfalz hatte schon Endo 1657 durch v. Brandt den Kf. über diese An- 
gelegenheit informieren lassen, s. das Schreiben Karl Ludwigs an Luise v. 
Degeofeld vom 3. November 1657 (Holland S. 54). 

^ Kf. an Forst Johann Moritz von Nassau d. Göln a. d. Sp. 23. März/ 
2. April 1658, unter demselben Datum an den Landgrafen Wilhelm. 

^} Fürst Moritz von Nassau an Kf. d. Frankfurt 8./18. Juni 1658. Karl 
Ludwig, der am 25. Mai Luise v. Degenfeld angezeigt hatte, er bringe zu 
Pfingsten Fürst Moritz mit, schreibt derselben am 29. Mai: „Vetter Moritz 
ist bej mihr — Er gibt mihr in meiner Sachen gross recht, sagt, er bette es 
selbst gethan; wolte gern nach Schwetzingen*' (Holland S. 76f.); 13. Juni mei- 
det er (S. 79), ein guter Freund habe verhindert, dass nicht auf der Knrfurstin 
von Sachsen Vorschlag alle Kurfürsten sich bei ihm für seine Gemahlin ver- 
wendet hätten. 

llAt«r. B. Qescb. d. O. Kurfürsten. XI. 5 



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66 2- Die Allianz mit Rur-Pfalz. 

nnng derselben aas Heidelberg verstand, wandte man sich ansser an den 
Landgrafen Georg an das Haupt der Rheinischen Allianz, den Kurfürsten 
Johann Philipp von Mainz^ und unter Vermittelnng dieser beiden 
Fürsten wurden im August Verhandlungen begonnen, die sich aber zunächst 
bis zu Ende dieses Jahres fruchtlos hinzogen, da man über die Bedingungen, 
unter welchen diese Entfernung erfolgen sollte , namentlich über die Höhe 
der von Karl Ludwig seiner Gemahlin zu zahlenden jährlichen Unterhalts- 
summe sich nicht einigen konnte i). Als Kurfürst Friedrich Wilhelm 
im December 1660 auf der Durchreise nach Cleve mit dem Landgrafen 
Wilhelm auf dem Sparenberg zusammenkam, wurde bei den dort gehal- 
tenen Conferenzen ') hessischerseits auch diese pfälzische Ehesache beröhrt 
und die Hoffunng ausgesprochen, der Kurfürst werde, wenn dieselbe sich 
nicht sollte in der Güte beilegen lassen, dem Landgrafen beistehen, branden- 
bnrgischerseits aber scheint keine bestimmte Erklärung darauf abgegeben 
zu sein. 

Gerade damals nun hat Kurfürst Karl Ludwig einen Versuch gemacht, 
mit dem brandenburgischen Kurfürsten in eine nähere Verbindung zu treten. 
Derselbe glaubte sich damals durch den Kaiser und den Kurfürsten von 
Cöln in seinen Rechten schwer gekränkt und war darüber mit dem letz- 
teren in einen Streit gerathen'), welcher schon zu Thätlichkeiten geführt 
hatte. Infolge von Streitigkeiten, welche zwischen dem Grafen Friedrich 
von Wied und dessen ünterthanen wegen barter von dem ersteren gefor- 
derter Frohndienste ausgebrochen waren, hatte Kurfürst Karl Ludwig, 
an welchen als den Lehnsherren des Grafen sich die Ünterthanen desselben 
gewendet hatten, den Grafen vor sein Lehnsgericht gefordert, derselbe aber 
hatte sich dort nicht gestellt, sondern die Sache vor den Reichshofrath 
gebracht. Von diesem war dieselbe dem Kurfürsten von Cölii übertragen 
worden, derselbe hatte diese Kommission auch angenommen, Bevollmäch- 
tigte in die Grafschaft geschickt und diese mit militärischer Gewalt gegen 
die aufständischen ünterthanen einschreiten lassen. Der Kurfürst von 
der Pfalz, der dadurch seine lehnsherrlichen Rechte verletzt glaubte, 
hatte darauf nicht nur bei dem Kaiser Beschwerde geführt, sondern auch 
sich an verschiedene andere Fürsten gewendet und dieselben um Verwen- 
dung bei dem Kaiser gebeten. Auch an den Kurfürsten Friedrich 



^) S. über diese Verhaudlungen die Briefe Karl Lndwigs an Luise v. D. 
vom 4. 12.21. August und 2d. October IGGO (HoHaDd S. lODff.) und diejenigen 
der Herzogin Sophie von Hannover an Karl Ladwig vom 24. Juni, 8. Juli, 
2G. Sept. und 9. October 1660 (Briefwechsel der Herzogin Sophie von Hannover 
mit ihrem Bruder, dem Kurfürsten Karl Ludwig von der Pfalz, herausg. von 
Bodemann (Publ. aus den K. Preuss. Staatsarchiven XXVI) S. 32ff). Ob das 
in dem Briefe derselben vom 17. November 1G60 (S. 38) erwähnte Schreiben des 
brandenborgischen an den pfälzischen Kurfürsten auch auf diese Ehesache be- 
züglich gewesen, Ist nicht zu ersehen. 

^ S. das Protokoll darüber oben S. 29 f. 

s) S. Diarium Europaenm VII S. 149f. 



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ßiDleituog. 67 

Wilhelm hatte er eia solches Schreiben *) gerichtet, und dieser hatte darauf 
wirklich sich bei dem Kaiser für ihn verwendet ^). Wahrscheinlich dnrch 
dieses Entgegenkommen ermnthigt, gab dann Karl Lud wig^), als von Kur- 
cölnischer Seite weitere Gewaltschritte erfolgten, dem Kurfürsten Nachricht 
hievon und bat ihn, sich seiner anzunehmen und den Kurfürsten von C ö 1 n 
zu ermahnen, ?on solchen Schritten abzulassen und ihn in seinen lehns- 
herrlichen Rechten nicht weiter zu beeinträchtigen, und er schickte dann 
im December 1660 seinen Geheimen Regierungsrath Dr. Arnold Peil zu 
dem Kurfürsten, um denselben dazu zu bewegen, ihn auch weiter mit diplo- 
matischen und im Nothfalle mit militärischen Mitteln zu unterstützen. Peil 
wird Ende December*) bei dem Kurfürsten in Cleve angekommen sein, 
über die mit demselben geführten Verhandlungen besitzen wir keine Auf- 
zeichnungen, ans den folgenden Schritten des Kurfürsten aber ersehen wir, 
dass derselbe durchaus auf die Wünsche Karl Ludwigs eingegangen 
ist. Er entsandte im Januar 1661 seinen Geheimenrath v. Portmann an 
den Kurfürsten von Cöln und Hess*) demselben vorstellen, dass jene Wieder 
Angelegenheit vor die Gerichtsbarkeit des Kurfürsten von der Pfalz gehöre 
und dass daher eine Kommission in derselben nicht statthaft sei, und ihn 
auffordern, das von jenem schon früher gemachte Anerbieten, beide Theile 
sollten ihre Truppen aus der Grafschaft zurückziehen und Kommissare zu 
gütlicher Schlichtung des Streites zusammentreten lassen, anzunehmen, zu- 
gleich aber andeuten, dass er, wenn derselbe diese Forderungen nicht er- 
füllte, dem Kurfürsten von der Pfalz sofort durch Entsendung von Truppen 
Hülfe leisten werde. Diese Sendung hatte auch in der Hauptsache den 
gewünschten Erfolg, denn der Kurfürst von Cöln behauptete in der Port- 
mann ertheilten Resolution^) allerdings, dass er durchaus nicht in die 
Rechte des Kurfürsten von der Pfalz eingegriffen habe und dass er zur 
Widerlegung der von demselben gegen ihn erhobenen Beschuldigunge s 
eine Darstellung des Verlaufes der ganzen Angelegenheit wolle drucken 
assen), erklärte aber, dass von seinen Truppen überhaupt nur noch 23 Mann 

1) d. Heidelberg 6./ 16. September 1660. 

^ Kf. an den Kaiser d. Cöln a. d. Sp. 18. /28. September 1660. 

') Knrf. Karl Ludwig an Kf. d. Heidelbersr 13./23 November 1660, darauf- 
hin riclitet Kf. ein solches ErmahnungsschreibeD an Kurcöln d. Sparemberg 
8./ 18. December 1660. 

*) Nach einem Schreiben Kurf. Karl Ludwigs an Kf. (d. Heidelberg 
7./ 17. December 1660) war Peil am Tage vorher abgereist. 

^ Instruktion far Johann v. Portmann (d. Cleve 12. Januar 1661). Ueber 
die anderweitigen Aufträge desselben s. oben S. 31 f. 

«) d. Bonn 18. Januar 1661. 

^ Dieselbe erschien unter dem Titel: „Umbständlicher Bericht zu Männig- 
liefaes WiBsenecbaft, was durch Ihrer Cbnrf. Durchl. zu Collen in der voo Ihrer 
Born. Kayserl. Maj. Ihre in Sachen Herrn Friedrichen Graffen zu Wiedt — 
gegen desselben ungehorsame Underthanen allergnädigst auffgetragenen Com- 
mission verrichtet worden.^* Dagegen erschien von Kurpfalziscber Seite: «Gründ- 



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68 2. Die AlliaDZ mit Kur-Pfalz. 

sich in der Grafschaft Wied zum Schatz der Person des Grafen befänden, 
und dass er aach diese, wenn sich die Unterthanen desselben rahig ver- 
halten and der Kurfürst von der Pfalz versprechen werde, denselben hia- 
fort nicht weiter za vergewaltigen, abfordern werde. Zagleich aber trat 
der Karfürst auch bei dem Kaiser weiter für Karl Ladwig ein. In 
Erwiderung eines Schreibens, in welchem ihm dieser*), wie er behauptete, 
den wahren Hergang der Sache auseinandergesetzt hatte, theilte er dem- 
selben mit,') wie sich dieselbe nach der Angabe des Pfälzers verhalte, 
indem er hinzufügte, der Kaiser werde daraus ersehen, dass jener berech- 
tigt sei, vor seinem Lehnhof Klagen gegen seine Lehnsleute anzunehmen, 
uod ihn aufforderte, denselben bei seinen Rechten zu schützen, den Grafen 
von Wied an dessen Lehnshof zu verweisen und den Kurfürsten von Cöln 
zur Abführung seiner Truppen anzuhalten. 

Was für weitere Aufträge ausser in dieser Wieder Angelegenheit Peil 
gehabt hat, wissen wir nicht, es scheint, dass sein Kurfürst erst nachträg- 
lich, nachdem er den brandenburgischen Kurfürsten so bereitwillig zu sei- 
ner Unterstützung gefunden hatte, auf den Gedanken gekommen ist, mit 
demselben überhaupt eine engere Verbindung einzugehen, denn erst vom 
28. Februar ist das Creditiv datiert , in welchem er seinen Entschluss, mit 
dem Kurfürsten von Brandenburg eine Defensivallianz abzuschliessen, 
ausspricht und Peil zu den darauf bezüglichen Verhandlungen bevoll- 
mächtigt, darauf sind dann solche Verhandlungen geführt worden,') doch 
erst vom 26. April ist das Creditiv des Karfürsten Friedrich Wilhelm 
für den von ihm zu dem Abschluss der Allianz bevollmächtigten Geheimen- 
rath Friedrich v. Jena ausgestellt. Das Resultat dieser Verhandlungen 
waren dann der Allianzvertrag nnd der Nebenrecess vom 6. Mai 1G61, 
welche unten zum ersten Male abgedruckt sind. Ueber die Verhandlungen 
selbst sind weder in dem Berliner Geh. Staatsarchive Aufzeichnungen vor- 
handen , noch haben sich in dem Generallandesarchiv zu Karlsruhe oder 
dem K. Bairischen Keichsarchiv zu München solche auffinden lassen. 
Einigen Ersatz dafür bietet der ebenfalls unten abgedruckte, in den hie- 
sigen Akten befindliche Auszug aus der Instruktion Karl Ludwigs für 
Peil, welcher zusammengehalten mit den Erklärungen, welche derselbe 
dann in Paris über die Motive dieser Verbindung mit Brandenburg 
hat abgeben lassen und von welchen wir durch die Instruktion Lud- 



lieber Oegenbericht off den K.CöllDischen oholengst in Truck gegebeoeD also 
geoandten UmbständtlichsD Bericht die Gräfflich Wiedische Sache betreffend etc.* 
Heydelberg 1661. 

Kaiser Leopold an Kf. d. Wien 23. November 1660. 

') Kf. an Kaiser Leopold d. Cleve 4. Februar 1661. 

') In einem Memorial des Karpfälzischen Abgesandten Caspar v. Borcke 
(October 1661) wird daran erinnert, dass Kf. zuerst durch den OberprasidenteD 
V. Schwerin und daon selbst am 29. März/8. April Peil erklärt habe, er werde 
eich in dieser Allianzsache von seiner Schwester, der Landgräfio von Hessen, 
nicht irre machen lassen. 



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BiDleitaog. 69 

wigs XIV. für seinen Ende März nach Frankfurt geschickten Gesandten 
GraveP) Kunde erhalten, deutlich genug die Absichten, welche der Knr- 
fürst von der Pfalz bei dieser Allianz verfolgt hat, erkennen lässt. 
Weniger klar lässt sich ersehen, welche Beweggründe den brandenburgischen 
Kurfürsten dazu bestimmt haben, eine solche Verbindung einzugehen, welche 
ihm selbst sehr geringe Vortheile zusicherte, dagegen ihm Verwickelung in 
diejenigen Händel und Streitigkeiten in Aussicht stellte, in welche der Kur- 
fürst von der Pfalz mit seinen Nachbaren und anderen Reichsständen gera- 
tben wurde. Dass es an solchen nicht fehlen würde, wird angesichts der 
Lage der Kurpfälzischen Territorien, andererseits des Eifers, mit welchem 
Karl Ludwig alle Rechtsansprüche seines Hauses durchzuführen suchte, 
und der Leidenschaftlichkeit und Hartnäckigkeit, mit welcher er an solchen 
Ansprüchen fest hielt, der Kurfürst ebenso gut wie Ludwig XIV. 3) gewusst 
haben. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist es vornehmlich der Gegensatz 
gegen die französische Politik, der Wunsch zu verhüten, dass auch der 
Kurfürst von der Pfalz ebenso wie die Mitglieder der Rheinischen Allianz 
ganz in das Schlepptau derselben sich ziehen lasse, gewesen, was ihn zu 
diesem Entschlüsse bestimmt hat. Wie wir aus der Instruktion für Peil 
ersehen, hat Karl Ludwig durch diesen dem Kurfürsten erklären lassen, 
wenn sich ihm nicht eine anderweitige Stütze darbiete, so sehe er sich 
genöthigt, eine solche wieder bei Frankreich zu suchen und die vor drei 
Jahren mit dieser Macht ahtgcschlossene Allianz zu erneuern, andererseits 
ersehen wir aus der Instruktion Ludwigs XIV. für Gravel, dass dem 
französischen Könige diese Verbindung des Kurfürsten von der Pfalz mit 
dem von Brandenburg, den er für enger denn je an Oesterreich 
gekettet hielt, sehr verdächtig erschienen ist und dass er seinem Gesandten 
aufgetragen hat, alles aufzubieten, um dieselbe zu vereiteln und Karl 
Ludwig dafür zum Beitritt zu der Rheinischen Allianz zu bewegen. 

Diesen Zweck, den Kurfürsten von der Pfalz vom Eintritt in die 
Rheinische Allianz und von einer Unterordnung unter Frankreich abzu- 
halten, hat der brandenburgische Kurfürst durch die mit demselben abge- 
schlossene Allianz erreicht, dagegen ist es zu einem wirklich engen Bundes- 
Verhältnis zwischen beiden nicht gekommen. Allerdings ist man zunächst, 
wie die unten publizierten weiteren Dokumente beweisen, in vertraulicher Weise 
einander eutgegengekommen , Karl Ludwig hat sowohl unmittelbar nach 
dem Abschlnss der Allianz dem brandenburgischen Kurfürsten die Anträge, 
welche ihm von Frankreich gemacht wurden, und die zu seiner Kennt- 
nis gekommenen, gegen Oesterreich gerichteten Machinationen Frank- 



Guhraoerll S. 306f. 

^ S. dessen ürtheil über Karl Ludwig (Guhrauerll S. 307): comme c'est 
ao esprit pen ferme dans ses amiti^s, fort iotöress^ et telJAment appliqu^ pour 
cette raison -U a toarmenter et a cbicaner tous ses voisios et la noblesse de 
TEmpire, qa'il en tombe dans nne haioe generale, qui se commnDiqcieroit i aes 
Protectenrs, dans des causes le plos souvent iujastes, oü il s'embarasse. 



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70 2. Die Allianz mit Kar-Pfalz. 

reiche beim Frankfurter Bundesrath, als auch nachher, im October 1661, 
die neuen ihm durch Gravel übarmittelten Vorschläge Ludwigs XIV., 
welche dahin giogen, seine Allianz mit Brandenburg illusorisch zu machen 
und ihn doch in das engte Abhängigkeitsverhältnis zu Frankreich zu 
bringen, mitgetheilt, und der Kurfürst hat nicht nur, indem er seinerseits 
dem Kaiser Kenntnis davon gab, diesem die Interessen seines Bundes- 
genossen auf das wärmste anempfohlen, sondern auch bei den Verhandlun* 
geu, welche er mit Kurcöln, den brauusch weigischen und hessi- 
schen Fürsten geführt hat, um mit diesen in ein engeres Bündnis zu treten, 
und bei den ersten Verhandlungen wegen seines Beitrittes zur Rheinischen 
Allianz auf denselben Rücksicht genommen'), sehr bald aber ist es infolge 
davon, dass er sich zu einer Einmischung in jene unglückseligen Ehehändel 
desselben bestimmen liess, zu Differenzen zwischen ihnen beiden gekommen, 
welche nicht nur das freundschaftliche Verhältnis zwischen ihnen getrübt, 
sondern auch das Fortbestehen der Allianz überhaupt auf das ernstlichste 
bedroht haben. Wir wissen, dass diese häuslichen Verbältnisse Karl 
Ludwigs auch bei den Verhandlungen zu Cleve zur Sprache gekommen 
sind. Bei den folgenden Verhandlungen ist von braudenburgischer Seite mehr- 
mals daran erinnert und behauptet worden, der Kurfürst habe nicht nur bei 
dieser Gelegenheit sich bemüht, eine Aussöhnung zwischen Karl Ludwig 
und dessen Gemahlin zu erreichen-), sondern auch, er habe Bedenken getra- 
gen 3), die Allianz überhaupt abzuschliessen, ehe jene Sache erledigt sei, 
daher habe sich der Abschluss derselben verzögert und bei demselben sei 
die Hessische Angelegerheit ausdrücklich ausgenommen worden^), von 
Pfälzischer Seite dagegen ist dieses bestritten und behauptet worden, jene 
Verzögerung habe andere Ursachen gehabt und bei dem Abschlüsse der 
Allianz sei kein solcher Vorbehalt gemacht worden^), es ist daran erinnert 
worden^), der Kurfürst habe selbst Peil versichert, er würde sich in dieser 
Allianz^^ache durch seine Schwester, die Landgräfin von Hessen, nicht 
irre machen lassen, und allerdings konnte von jener Seite darauf hinge- 
wiesen werden, dass in dem Allianzvertrage jener Händel keine Erwähnung 
geschieht, sondern dass in demselben die Hülfeleistung im Falle eines thät- 
lichen Angriffs von selten eines oder mehrerer Reichsstände ohne irgend 
welchen Vorbehalt oder Einschränkung zugesagt wird. 

Da eine auch nur auszugsweise Wiedergabe des sehr umfangreichen 
Aktenmaterials, welches im Berliner Geh. Staatsarchiv über die durch die 



^) S. oben S. 52 ff. nnd unten Abschn. 7. 

^ Kf. an Landgraf Wilhelm von Hessen d. Cleve 24. Juni 1661. 

^ Kf. an Kurfürst Karl Ludwig von der Pfalz d. Cleve 17. Septem- 
ber 1661. 

*) Kf. an 0. V. Berlepsch d. Königsberg 23. Februar lü63. 

^) 0. V. Berlepechs Relation an Kf. d. Heidelberg 22. December/1. Januar 
1662/16Ü3, Kurf. Karl Ludwig an Kf. d. Heidelberg 10./ 20. August 1663. 

^) S. das Bcbou S. 68 citierte Memorial Caspar v. Borckea .Octpber 1661). 



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Eioleitaag. 71 

Eiomischong des Kurfürsten in diese sogenannte Kurpfälzische Ent- 
fern an gssacbe veranlassten Verhandlungen und Streitigkeiten vorhanden 
ist, dnrch den Plan dieses Werkes ausgeschlossen ist, andererseits aber 
diese sowohl an und für sich ein gewisses Interesse darbieten, namentlich 
weil sie zeigen^ wie eifrig der Kurfürst damals auch bei dieser Gelegenheit 
für die Aufrechterhaltung des Friedens im Reiche thätig gewesen ist, als 
auch da sie mit auf das spätere Verhalten desselben in dem unten (Ab- 
schnitt 10) näher zu behandelnden Wildfangsstreite eingewirkt haben, 
so möge hier eine auf jenes Aktenmaterial gegründete kurze Darlegung 
derselben folgen. 

Nachdem die, wie oben^) erwähnt, seit August 1660 unter Vermittlung 
des Landgrafen Georg von Darm Stadt und des Kurfürsten Johann 
Philipp von Mainz unternommenen Verhandlungen wegen der Entfernung 
der Knrfürstin Charlotte aus Heidelberg, wohin jetzt Karl Ludwig 
anch seine neue Gemahlin Luise von Degenfeld hatte übersiedeln 
lassen, auch nachdem man sich über den Hauptpunkt, den Betrag der 
der Karfürstin jährlich zu zahlenden Geldsumme^), geeinigt hatte, infolge 
der Weigerung Karl Ludwigs, auf andere von Hessischer Seite gestellte 
Forderungen 3) einzugehen, sich bis in den Sommer 1661 fruchtlos hinge* 
zogen hatten, wandte sich Landgraf W ilhelm aufs neue an den Kurfürsten 
Friedrich Wilhelm mit der Bitte^), sich der Sache auzunehmen. Der 
Kurfürst, jedenfalls in der llofihung, dass der jetzt mit ihm so eng ver- 
bündete Kurfürst von der Pfalz seine Mahnungen bereitwillig berücksichti- 
gen werde, sagte dieses zu^) und entsandte bald darauf seineu Clevischen 
Regierungsratb, den Freiherrn v. Heiden nach Heidelberg, mit dem Auf< 
trage ^), zunächst zu versuchen Karl Ludwig zu einer Aussöhnung mit 
der Kurfürstin zu bewegen und, wenn dieses vergeblich sein sollte, in den- 
^elben zu dringen, die Verhandinngen wegen der Entfernung der Kurfürstin 
sogleich, noch während seiner Anwesenheit, und auf Grund der von Hessi- 
scher Seite (gestellten Bedingungen zum Abschluss zu bringen. Die Sen- 
dung v. Heide ns, welcher Eode Jnli 1661 in Heidelberg eintraf, war 
aber ganz erfolglos')" Karl Ludwig zeigte sich sehr empfindlich über 

>) S. 65 f. 

^ Dieselbe wurde auf 8000 Thaler jährlich festgesetzt, wovon aber einen 
Theil (812^ Tbaler), entsprechend den Zinsen des von Hessischer Seite nicht aus- 
gezahlten Heirathsgutes, der Landgraf von Hessen zahlen sollte. 

^ Dieselben betrafen vornehmlich den Vorbehalt ungehinderter Rückkehr 
der Kurfürstin nach Heidelberg, die Sicherstellnng der von Karl Ludwig der- 
selben zu zahlenden Summe und die Befriedigaug gewisser anderer von der 
Kurfürstin an ihren Gemahl gestellten Geldforderuogen. 

Landgraf Wilhelm an Kf. d. Cassel 4./14. Juni 1661. 

^) Kf. an Landgraf Wilhelm d. Cleve 24. Juni 1661. 

^ Instruktion far v. Heiden d. Cleve 11. Juli 1661. 

Relation v. Heidens d. Heidelberg 23. Joli / 3. Auj^ust 1661 und desseq 
Diarium. 



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72 2. Die Allianz mit Kar-Pfalz. 

diese plötzliche BinmiscboDg des Karfürsten in seine häuslichen Angelegen- 
heiten ^ behauptete, derselbe habe sich von Hessischer Seite gegen ihn 
einnehmen lassen, wollte von einer Aassöhnnng mit seiner Gemahlin gar- 
nichts hören, weigerte sich anfangs auch, anter dem Verwände, dass mit 
dem inzwischen erfolgten Tode des Landgrafen Georg die bisherige 
Mediation erloschen sei, die Yerhandlnngen wegen der Entfernung fortzu- 
setzen , bequemte sich nachher zwar doch daza , verwarf aber einen Theil 
der Hessischen Fordernngen und liess einen neuen Yertragsentwarf anf- 
setzen, den er als sein Ultimatum bezeichnete. Er entliess Anfang Aogost 
V. Heiden mit einer schriftlich abgefassten Resolution, in welcher er sich 
beklagte, dass der Kurfürst, durch unwahre Berichte seiner Gegner ver- 
leitet, ganz im Widerspruch za den ihm bei Abschlnss der Allianz gemachten 
freundschaftlichen Erbietungen die längst abgethanen Aussöhnnngsversache 
wieder ernenert habe, ferner dagegen protestierte, dass die Knrfürstin, wie 
v. Heiden in seiner Proposition sich ausgedrückt hatte, gefangen gehalten 
und angeziemend bebandelt werde, und schliesslich die Erwartung aussprach, 
dass man sich weiterer unbefugter Einmischung in seine häuslichen Ange- 
legenheiten enthalten werde. Natürlich empfand der Kurfürst eine so schroffe 
Abweisung sehr übel. Er antwortete erst nach längerer Zwischenzeit in 
einem Schreiben^), in welchem er in nicht minder scharfer Weise seinem 
Befremden über diese ebenso für ihn wie für den Landgrafen von Hessen 
fast schimpfliche Begegnung Ausdruck gab, trotzdem aber erklärte, er halte 
sich für verpflichtet, zu Verhütang der Extremitäten alle gütlichen Mittel 
zu versuchen, and daher Karl Ludwig ermahnte, die Entfernungstractaten 
doch nicht um nur unbedeatender Dinge willen länger aafzuhalten, sondern 
auf Grund der Hessischen Fordernngen zum Abschlass zu bringen. Er 
erinnerte bei dieser Gelegenheit an das, was er dieser Sache wegen bei 
Abschliessung der Allianz zu Peil gesagt habe, und sprach zum Schluss 
die Hoffnung aus, der Kurfürst werde nicht Ursache dazn geben, dass von 
Hessischer Seite auf Grund der Erbverbrüderung weiter in ihn gedrangen 
werde. Dieses Schreiben hatte zur Folge, dass Karl Ludwig doch ein- 
lenkte; er schickte seinen Hofgerich tsrath Caspar v. Borcke zu dem Kur- 
fürsten nach Cleve, Hess') demselben versichern, es sei ihm nicht in den Sinn 
gekommen, dem Kurfürsten oder dem Landgrafen schimpflich zu begegnen, 
er habe vielmehr ans Rücksicht auf den ersteren in seinem Entwurf mehr, als 
er eigentlich schaldig gewesen, nachgegeben; freilich aber liess er wiederholen, 
jener Entwurf sei sein letztes Wort, weiter könne er nicht gehen. Er liess 
ferner, sogar unter ßeifügang von Attesten seiner Hofbeamten, darlegen, dass 
der Zustand der Kurfürstin keineswegs ein so kläglicher sei, wie sie und 
ihre Verwandten ihn schilderten, liess bestreiten, dass der Kurfürst sich 
gegen Peil in solcher Weise geäussert hätte, und schliesslich verlangen, 

') Kf. an Karf. Karl Ludwig d. Cleve 17. September 1G61. 
') Memorial v. Borcke s s. d. Die daraaf bezügliche Resolution des Kf. ist 
datiert Cleve 13, October 16G1. 



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ßinleitung. 73 

da man Hessischerseits garkeine gegründete Ursache zn Beschwerden hätte, 
dasft, falls man von dort aus thätlich gegen ihn vergehen sollte, der Knr- 
fürst ihm die vertragsmässige Hülfe leiste. Der Knrfürst hat daranf wieder 
gemahnt^ die Sache in der Qüte beizulegen, er übersandte dnrch jenen 
V. Borcke einen neuen ihm von Hessischer Seite zugestellten Vertragsent- 
worf und machte Vorschläge, wie die noch übrigen Differenzpunkte aus- 
geglichen werden könnten. Darauf ist mehrere Monate lang über dieses 
Projeet hin und her geschrieben worden, Karl Ludwig nahm die meisten 
Vorschläge des Euriürsten an, nun erklärte man aber auf Hessischer Seite 
diese Zugeständnisse für sehr unerheblich und bestand auf den anderen von 
Karl Ludwig verworfenen Forderungen. Der Knrfürst bemühte sich nach 
beid'^n Seiten hin auszugleichen, aber ohne Erfolg, schliesslich hat er einen 
Versuch angestellt, die Sache kurz abzumachen. Kurfürst Karl Ludwig 
hatte im April 1662 aufs neue v. Borcke zu ihm nach Berlin geschickt, 
der Korfürst hatte das von demselben übergebene Memorial nach Gas sei 
gesendet, als darauf auch von dort her ein Abgesandter, der Kanzler Vul- 
tejus, bei ihm erschien, hatte er mit jenen beiden wegen der noch streiti- 
gen Punkte verhandeln lassen, als es zu keiner Verständigung kam, Hess 
er sich selbst genauer über die noch vorhandenen Differenzpunkte informie- 
ren, traf darauf eine Entscheidung über dieselben und erklärte i) (Anfang 
Aogust 1662), wenn diese von einem von beiden Theilen nicht angenommen 
werden sollte, so wollte er nichts weiter zor gütlichen Beilegung des Strei- 
tes beitragen, auch jenem Theile nicht assistieren, sondern diesen alles 
Unglück, das etwa daraus entstehen sollte, verantworten lassen. Jener 
Knrpfalzische Abgesandte ist noch bis Anfang September bei ihm geblieben, 
mass aber auf jene Forderung des Kurfürsten, dessen Schiedsspruch anzu- 
nehmen, keinen Bescheid von seinem Herren erhalten haben. Als auch bis 
Mitte November keine Antwort von demselben eingetroffen war*), beschloss 
der damals schon in Königsberg befindliche Kurfürst nochmals durch 
Abschickung eines Gesandten, des Obristen und Schlosshauptmanns zu 
Berlin Otto v. Berlepsch auf ihn einzuwirken. Er beauftragte den- 
selben»), von dem Kurfürsten Karl Ludwig eine Erklärung auf seine 
Vorschläge zu fordern, wenn diese zustimmend laute ^ darauf zu dringen, 
dass die Sache sofort mit Zuziehung der anderen Vermittler zum vollstän- 
digen Abschluss gebracht werde, sollte aber Karl Ludwig seinen Schieds- 
spruch nicht annehmen^ demselben zn erklären, der Knrfürst könne dieses nur 
so aufnehmen, dass jener die Sache aufhalten und den bedrängten Zustand 
seiner Gemahlin noch schlimmer machen wolle, er werde daher zusammen 
mit dem Landgrafen von Hessen auf andere Mittel zur Rettung derselben 

^ Kf. an Karf. Karl Ludwig d. Cöln a. Sp. 30. Jali/9. August 1662. 

^ Irrig behaupten Reiger,Die aussgeleschte Ror-Pfalz-Simmerische Stamm- 
Linie S. 66, und Rommel, Gesch. v. Hessen, IX S. 64, dass 16G2 wirklich ein 
EntferouDgavertrag abgeschlossen sei. 

') iDStraktioD für v. Berlepsch d Köoigsberg 15. November 166^. 



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74 2. Die Allianz mit Knr-Pfalz. 

denken müssen. Sehr bald aber, nachdem er v. Berlepsch diese Anf- 
träge ertheilt hatte, traf ein Sehreiben Karl Ludwigs^) bei ihm ein, in 
welchem derselbe anzeigte, dass infolge von Streitigkeiten, welche zwischen 
ihm nnd dem Landgrafen ron Hessen- Darmstadt über die Besetzung 
der Pfarre in der beiden gemeinschaftlich gehörigen Stadt Um Stadt ans- 
gebrochen waren, der Landgraf Truppen in diese Stadt geschi(!kt und sei- 
nen dortigen Amtskuecbt habe missbandeln nnd gefangen setzen lassen ,'^ 
dann bald darauf die weitere Anzeige'), dass stärkere Darmstädtische und 
auch Casselsche Truppen sich dort festgesetzt hätten, verbunden mit der 
Aufforderung, beide Landgrafen von solchen Thätlichkeiten abzumahnen und 
ihm kraft der Allianz Truppen zu Hülfe zu schicken. Einen Monat später^) 
folgte dann die Erklärung Karl Ludwigs, er könne jetzt infolge der von 
Hessischer Seite verübten Gewaltthätigkeiten die Entfernungstractaten nicht 
fortsetzen, sondern müsse dieselben auf spätere Zeit aussetzen. Der Kur- 
fürst forderte darauf Karl Ludwig auf^), zunächst zu versuchen den Streit 
wegen Umstadt auf gütlichem Wege beizulegen, wozu Berlepsch mithel- 
fen solle, gelinge dieses nicht nnd sollten von Hessischer Seite noch weitere 
Gewaltthätigkeiten erfolgen, so werde er ihm die vertragsmässige Hülfe 
schicken. Zugleich beauftragte er Berlepsch^), sich zu bemühen, jenen 
Streit gütlich beizulegen, wenn der Kurfürst von der Pfalz seine Vermittc- 
lung annehme, sich nach Darmstadt und Cassel zu begeben und die 
Landgrafen zu ermahnen, da von ihnen der Anfang mit den Thätlichkeiten 
gemacht sei, diese einzustellen und Umstadt wieder zu räumen. Ber- 
lepsch war inzwischen in Heidelberg angekommen und hatte sich hier 
bemüht Karl Ludwig zu bewegen , trotz jener Streitigkeiten die Entfer- 
nungstractaten wieder aufzunehmen, aber vergebens, derselbe halte nur 
jene dem Kurfürsten, selbst gegebene Erklärung wiederholt, er könne Ehren 
halber jetzt mit Hessen nicht verhandeln, und es war zwischen beiden schou 
zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen'). Infolge jener neuen Wei- 
sungen des Kurfürsten begab sich Berlepsch Anfang Januar 1663 nach 
Darmstadt und dann nach Cassel und er bewirkte hier ohne besondere 
Schwierigkeiten, dass die Landgrafen sich der Mahnung des Kurfürsten 
fügten und die Räumung von Umstadt zusagten^). Im März erfolgte die- 

^) Kurf. Karl Ludwig an Kf. d. Heidelberg 28. October/7. November 1662. 

^) S. über diese seit dem October spielenden Händel die Diarium Europ. 
IX S. 435 ff. 482 ff. und Londorp VIII S. 889 ff. abgedruckten Schriftstücke. 

s) Kurf. Karl Ludwig an Kf. d. Heidelberg 17./27. November 1662. 

*) Derselbe an Kf. d. Heidelberg 16./ 26. December 1662. 

^) Kf. au Kurf. Karl Ludwig d. Königsberg 18. December 1662. 

^ Kf. an V. Berlepsch d. Königsberg 20. Deceinber 1662. 

^ V. Berlepschs Relatiouen voi»> 20. und 22. December 1662, nach der 
lezteren bat sich Karl Ludwig heftig über den Fürsten von Auhalt be- 
schwert, der jetzt beim Kf. als Premierminister alles dirigiere und der sich von 
Hessischer Seite gegen ihn habe einnehmen lassen. 

^) V. Berlepschs Berichte aus Darmstadt und Cassel vom l./ll. und 
13./ 23. Januar 1663. 



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EiDleituDg. 75 

selbe wirklich und dqd versachte der inzwischen nach Heidelberg 
zurückgekehrte v. Berlepsch infolge neuer Anweisungen des Kurfürsten ») 
?0D Karl Ludwig eine kategorische Erklärung auf dessen Vorschläge in 
der Entfernungssache zu erlangen. Anfang April erhielt er endlich eine 
solche, in der aber nur in einigen Punkten die Vorschläge des Kurfürsten 
angenommen, im übrigeü an den alten Forderungen Karl Ludwigs fest- 
gehalten und noch allerhand für die Kurfürstin ungünstige und verfängliche 
Vorbehalte gemacht wurden. Vergeblich versuchte Berlepsch durch 
mündliche und schriftliche Vorstellungen Karl Ludwig zu weiterer Nach- 
giebigkeit zu bewegen, endlich entschloss er sich, mit der letzten Declara- 
tion des Kurfürsten hervorzutreten, er erklärte erst den Käthen Karl Lud- 
wigs und dann diesem selbst, dass unter diesen Umständen der Kurfürst 
Hessen assistieren und auf andere Art für die Kurfürstin eintreten müsse, 
nod reiste, als auch diese Drohung ohne Wirkung blieb, von Heidel- 
berg ab'). Unterwegs hielt er in Um Stadt mit dort eingetroffenen Pfälzi- 
schen nnd Hessischen Kommissaren eine Conferenz behufs Schlichtung der 
Umstädtischen Streitsache, welche aber seinem Berichte nach auch durch 
die Schuld der Pfälzischen Abgesandten sich fruchtlos zerschlugt). Nach- 
träglich Hess ihm Karl Ludwig noch ein neues Project in der Entfernungs- 
sache zugeben, welches aber auch von den Vorschlägen des Kurfürsten 
mehrfach abwich. Wenn schon die Berichte v. Berlepschs den Unwillen 
des Kurfürsten über das Verhalten des Kurfürsten von der Pfalz hatten 
erregen müssen, so noch mehr ein bald darauf eintreffendes Schreiben des 
letzteren,^) in welchem derselbe sich heftig über v. Berlepsch beschwerte, 
der ohne Grund die Tractaten abgebrochen, sich Drohungen nnd sogar die 
Aufkündigung der Allianz erlaubt habe, zugleich aber auch dem Kurfürsten 
selbst vorwarf, dass er sich durch die parteiischen Hessischen Berichte 
gegen ihn habe einnehmen lassen, nnd schliesslich erklärte, wenn derselbe 
doch Berlepschs Auftreten gutheissen und Hessen assistieren sollte, so 
werde er aller Welt seine Unschuld darthun und seine Sicherheit und Ruhe 
mit allen erlaubten Mitteln zu erhalten snchen.. Der Kurfürst erwiderte 
darauf in einem sehr geharnischten Schreiben*), er erklärte zunächst, er 



Kf. an V. Berlepsch d. Königsberg 4. und 23. Februar 1663. 

^ V. Berlepschs Relation s. 1. 11. /2L April 1663, sein Recreditiv ist vom 
9. April. Vgl. über die letzten mit ihm geführten Verhaudiangen die Briefe 
des Kurfürsten Karl Ludwig an Luise v. D. vom 12. März, 3. und 9. Mai 
1663. (Holland S. 115. 119. 123.) 

3) V. Berlepschs Relation aus Cassel 28. April/7. Mai 1663. 

*) Kurf. Karl Ludwig an Kf. d. Heidelberg 20./30. April 1663. 

*) Kf. an Kurf. Karl Ludwig d. Königsberg 26. Mai 1663, darin beisst es, 
die Kurfurstin müsse geschehen lassen, «dass gleichsam in ihrem Angesicht 
eine andere Frauensperson gehalten, welche sie aus ihrem Ehebette und von 
dem Recht, welches ihr der Kurfürst vor Gott uo^ der Kirche irersprochen, mit 
grosser Gewalt ▼erdrungeu.'' Kf. müsse sich derselben annehmen, «damit der 
ganzen Welt gezeigt werde, dass eine geborene deutsche Prinzessin, vermählte 



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76 2. Die Alliaot mit Knr-Pfals. 

könne nicht befinden, dass Berlepscb wider seine Instro^tion gehandelt, 
sieb Drohungen erlaubt und die gütliche Beilegung des Streites ycrbindert 
habe, ging dann aber auf die Sache der Kurfürstin und die unwürdige 
Behandlung, welche dieselbe zu erdulden habe, näher ein, erklärte, er müsse 
als naher Verwandter sich derselben annehmen, und verwahrte sich endlich 
dagegen, dass die zwischen ihnen beiden abgeschlossene Allianz auch auf 
diesen Ehebande! bezogen werde. Dieses Schreiben blieb längere Zeit 
ohne Antwort, inzwischen starb am 16. Juli 1663 Landgraf Wilhelm von 
Hessen und für seinen unmündigen ältesten Sohn übernahm seine Gemahlin 
Hedwig Sophie, die Schwepter Friedrich Wilhelms, die vormund- 
srhaftliche Regierung. Diesen Umstand benutzte der Kurfürst als Vorwand, 
nm doch wieder mit Karl Ludwig anzuknüpfen >) und denselben aufs neue 
zu ermahnen, die Entfernnngssache zu einem gütlichen Abschlass zu bringen. 
Inzwischen aber, aus welchem Anlass ist nicht ersichtlich«), hatte die Kur- 
fürstin Charlotte wirklich Heidelberg verlassen und war nachCassel 
übergesiedelt, wo sie hinfort geblieben ist. So war das eingetreten, was Karl 
Ludwig von jeher gewünscht hatte, er hat der Rurfürstin in den nächsten 
Jahren jene für ihren Unterhalt festgesetzte Summe zahlen lassen, aber er 
wollte keine bindenden Verpflichtungen deswegen eingehen, er lehnte daher 
in seiner Antwort an den Kurfürsten') unter Hinweis darauf, dass er nach 
des Landgrafen Tode nicht wüsste, mit wem er unterhandeln solle, und 
dass seine Gemahlin abgereist sei und von ihm die früher geforderte 
Summe ausgezahlt erhalte, weitere Verhandlungen ab und wiederholte, als 
der Kurfürst sich trotzdem den Anschein gab^), als habe er seine Antwort 
für eine zustimmende gebalten, und neue Vorschläge zu einer Verstand:- 



Karfärstin . und mit den vornehmsten Kar- und FarstlicheD Häasern alliirte 
Färfltin dergestalt nobst ihren hohen Anverwandten nicht dürfe beachimpft und 
durch ihre gewesene Dienerin nnd Aufwärterin gemartert werden." Karl Lud- 
wig schreibt an Luise v. Degenfeld 7. Juli 16(33 (Holland 8. 131): ^Chor- 
Brand. hatt mihr ein annüts und mitt vielen Unwahrheiten gespicktes Schreiben 
zugeschickt. Werden es der Gebühr beantworten.*" Die Herzogin Sophie mel- 
det demselben 11. Juli 1663 (BodemannS. 60), Kf. solle 2000 Mann bereithalten, 
nm die Hessen zu unterstützen, und solle sehr angehalten über dessen Vertrag 
mit Pfalz Neuburg sein. 

Kf. an Kurf. Karl Ludwig d. Jagdhaas Romitten 1. September 1663. 

3) Aus den Schreiben Karl Ludwigs an Lnise v. I>. vom 14. Juni und 
14. September 1663 (Holland S. 129. 132) ergiebt sich, dass in der Zwischenzeit 
die Abreise der Kurfärstin erfolgt ist. Irrig lässt Hausser 11 S. 612 die 
Kurfurstin 1662 nachCassel zurückkehren, Reiger, die aussgeleschte Ghur- 
Pfalz- Simmerische Stammes -Linie Si 71 erst 1665, wogegen schon der Ver- 
fasser der neuen Auflage (1735) Joannis (S. 202 f.) Bedenken erbebt. 

*) Kurf. Karl Ludwig an Kf. d. Heidelberg 12./22. October 1663. üeber die 
Entsendung eines neuen pfälzischen Gesandten v. Brunn an Kf., der Anfang 
December 1663 in Berlin eintraf, erfahren wir nur durch den Brief Karl Lud- 
wigs an Luise v. D. vom 28. December 1663 (Holland S. 136.) 

*) Kf. an Kurf. Karl Ludwig d. Cöln a. Spr. 14. /24. December 1663. 



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EinleitaDg. 77 

gong machte, diese Weigeroog in der bestimmtesten Weise 0- Als aber 
der Kurfürst nnn wieder mit Aofkündigung der Allianz drohte, lenicte er 
doch wieder ein and bequemte sich (März 1664) zu neaen Verhaudlangen, 
bei denen der Knrfürst, welcher sich auch erboten hatte, die Garantie des 
abznschliessenden Vertrages zn übernehmen, die Vermittlerrolle spielte, es 
aber nicht verhindern konnte, dass dieselben wieder dieses und das ganze 
folgende Jahr (1665) ohne Ergebnis sich hinzogen. Auf erneute Bitten von 
Hessischer Seite machte der Karfürst (Anfang 1666) den Versach, durch 
den zur Beilegung der durch die Wildfangsstreitigkeiten veranlassten Hän- 
del nach Heidelberg abgeschickten Freiherrn v. Mahren hol tz die Erle- 
digung der Sache zustande zu bringen, das gelang aber wieder nicht, da 
Kurfürst Karl Ludwig 3) sich anfangs garnicht auf diese Sache einlassen 
wollte, dann aber erklärte, nur wenn verschiedene Aenderungen in dem Pro- 
jecte des Kurfürsten vorgenommen würden, dasselbe annehmen zu können. 
Nachdem dann Hessischerseits auf alle diese Forderungen eingegangen 
war, erklärte sich Ende 1666 Karl Ludwig') zur Ausfertigung des Ver- 
trages bereit, es wurde darauf verabredet, in Regens bürg durch die dort 
auf dem Reichstage anwesenden Gesandten aller drei Parteien diese Aus- 
fertigung und die Auswechselung der betrefifenden Documcnte vornehmen 
zu lassen , aber dort zogen sich die Verhandlungen darüber wieder das 
ganze Jahr 1667 hin. Endlich zu Ende dieses Jahres kam es so weit, 
dass der Kurfürst das von der Kurfürstin, der Landgräfin und ihm selbst 
unterzeichnete Exemplar des Vertrages nach Regensburg zur Auswechselung 
gegen das von dem Kurfürsten Karl Ludwig unterzeichnete Exemplar 
hinschickte^), aber nnn wurden von Pfälzischer Seite wieder neue Vorwände 
her?orgesacht, um diese Auswechselung weiter und weiter hinauszuschieben, 
so dass diese Verhandlungen doch zn keinem Abschluss gekommen sind^). 



Knrf. Karl Ludwig an Rf. d. Heidelberg 18./28 Januar 1664. 

^ V. Mahrenholtzs Relationen aus Heidelberg 8./ 18. Januar und aas Speier 
15./ 25 Januar 1666. 

^ Rarf. Rarl Ludwig an Rf. d. Heidelberg 29. Noven)ber/9. December 1666. 
▼gl. das Schreiben desselben an Luise v. D. vom 27. October 1666 (Holland 
S. 178.) 

*) Rf. an die Gesandten in Regensburg d. Cöln a. Spr. 17./27. December 1667. 

^) S. über die später (1679) wieder erneuten Bemühungen der Rurfurstin 
Charlotte in dieser Angelegenheit die Briefe Rarl Ludwigs an seine Schwe- 
ster, die Herzogin Sophie, vom 1. Februar, 4./14. und 18./28. October 1679 und 
die Briefe Hopbiens vom 10. October und 25. December 1679 (Bodemann 
S. 344 IT.). 



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Auszug aus der Instruktion des Kurfürsten von der Pfalz fiir 
seinen Abgeordneten Dr. Peil (s. 1. et d. c. Februar 1661). 

[Kf. möge seioe BemäboDgen, sich mit dem Könige von England anssasöbnen, 

unterstützen, ihm rathen, ob er die Allianz mit Frankreich erneuern solle, selbst 

ihm bei Behauptung seiner Rechte Hülfe leisten.] 

Er hat dem Kf. auseinanderzusetzen, in welchen Verhältnissen K. 
Pfalz in England früher gelebt babe, wie er durch die Noth gezwan- 
gen gewesen sei, sich so zn halten, dass er das Parlament nicht offen- 
diere^); er habe sich dadurch das Missfallen des jetzigen Königs zugezogen, 
wolle aber jetzt einen Gesandten nach England schicken und hoffe, die 
Sache zu verglimpfen; Kf. möchte dabei gute officia anwenden, auch ein- 
rathen, ob etwas Fuss auf die englische Freundschaft zu machen, weil er 
ex antecedentibus gesehen, dass wenig darauf zu fussen. 

Er soll ferner dem Kf. und dessen Geh. Rath v. Schwerin von der 
zwischen K.Pfalz und der Krone Frankreich getroffenen Alliance sattsa- 
men Bericht geben and dabei anführen , dass er tempore interregni , da 
Baiern armiert gewesen, um den ihm und seinem Kurhause zustehenden 
Vicariatum zu disputieren und für sich zu verfechten, und da er von den 
wenigsten Ständen im Reich in seiner so klaren Befugnis Beifall bekom- 
men, sich in diese Alliance, um sich und seine Lande vor unbilliger Gewalt 
zu schützen, zu begeben gemussiget worden, und dass darin nichts ent- 
halten, so wider die Kays. Mt., das Reich und dessen Constitutiones laufe, 
und ob zwar obgedachte Alliance ad tempus, nämlich auf drei Jahre 
geschlossen gewesen, nunmehr aber solche Zeit expirieret, so hielte er doch 
gänzlich dafür, Kf. würde es ihm nicht verdenken, wenn er sich um Pro- 
longation derselben bei Frankreich (welches dazu nicht ungeneigt), 
bemühte. Es sei denn, dass Kf. es für besser erachtete, mit Frank- 
reich allein in guter Nachbarschaft und Freundschaft zu stehen, ohne sich 
in eine Particularverbündnis wiederum einzulassen, welchenfalls Peil andere 
Vorschläge von Kf. oder dessen vertrautem Ministro, H. v. Schwerin, 

V S HäufiTser II S. 564. 



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Gesandtschaft Peil's. 79 

welchem er allein, was diesen nnd vorigen Pnnkt anlangt, za commnni- 
cieren , vernehmen solle , wie er sich auf andere Weise gegen seine Wider- 
sacher manntenieren könnte. 

Peil soll den Kf. nnd dessen Minister ersncben, durch dessen Auto- 
rität ihn bei seines Kurhauses uralten Regalien, Rechten und Privilegien 
(darin vornehmlich die Unter- Pfälzischen Lande bestehen, und wenn die- 
selben ihm geschmälert und genommen werden sollten, er in keiner Consi- 
deration sein würde, in Betrachtung die Lande klein nnd mit grosser Schul- 
denlast beschwert, auch er selbst mit vielen oneribns beladen) erhalten zu 
helfen und zu dem Ende ihm seine Assistenz zur Behauptung seiner Gerecht- 
same angedeihen zu lassen, und zwar einestheils mit seinem Voto auf 
Reichs- nnd anderen Tagen und mit nachdrücklichen Schreiben gehörigen 
Orts, anderntheils auch, da es nöthig, mit der That dem Instr. pacis und 
Reichsconstitutionibus gemäss, [falls er dagegen angegriffen werden sollte. 
Hiebei soll er dem Kf. wohl zu Gemüth führen, dass falls in ihn ferner mit 
Gewalt nnd Thätlichkeiten (wie jetzt von E. Cöln in der Wieder- Sache, 
welche er ob summum in mora periculum vor allen andern zu treiben hat) 
sollte gedrungen werden, er zu Rettung seiner juriuro und Gerechtsame end- 
lich sich gemüssigt sehen würde, sich anderer und fremder Hülfe, (deren 
er doch lieber entübrigt sein wollte), zu gebrauchen, nnd stelle er lieber 
Kf. zu bedenken anheim, ob derselbe ihm zu dieser Extremität rathen 
und nicht vielmehr selbst durch die jetzt an Hand habende Mittel ihm in 
seiner klaren Befugnis Assistenz leisten wollte, dagegen wäre er erbötig, 
nicht allein des Kf. und dessen Kurhauses Interesse bei allen Begebenheiten 
nach Möglichkeit zu befördern, sondern sich anch zu einer proportionierten 
Reciprocation zu obligieren. 



Defensivallianz zwischen Kurfürst Friedrich Wilhelm von 

Brandenburg und Kurfürst Karl Ludwig von der Pfalz. 

D. Cleve 26. April/[6. Mai] 1661.0 

Zu wissen. Demnach zwischen der Ghurfürsten zu Branden- 6. Mai. 
barg und Pfalz Churffirstlichen Durchleuchtigkeiten höchstlöblichen 
Vorfahren vor vielen und langen Jahren eine sonderbahre vertraw- 
liche Freundschafft gestifftet, dieselbe zu allen Zeiten und Gelegen- 
heiten j wegen der nahen Anverwandnuss, dazu gekommener Einig- 
keit in der Religion, auch gemeinen Interesse beständig erhalten und 
fort für fort auf beyderseits hohe Nachkommen gepflanzt und fort- 
gebracht worden, auch bis auf gegen werttige Stunde der Durch- 
leuchtigste Fürst und Herr, Herr Friederich Wilhelm, Marggraf zu 

*) luhaltsaogabe bei v. Mörner, S. 251. 



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80 2. Die Alliaoz mit Kor-Pfalz. 

Brandenburg, des Heyl. Rom. Reich» Ertzkämmerer und Churfarst, 
zu Magdeburg u. s. w. und der Durchleuchtigste Fürst und Herr, Herr 
Carl Ludwig, Pfalzgrave bey Rhein, des Heyl. Rom. Reichs Ertz- 
schatzmeister und Churfürst, Hertzog in Beyern, als beyderseits re- 
girende GhurfUrstliche Durchleuchtigkeiten durch Gottes Gnade da- 
rinnen nicht nur unverrttckt verharren, besondern auch dieselbe zu 
Gottes Ehre, des Heyligen Römischen Reichs Nutzen und Besten, zu 
Beybehaltung nöthigen Vertrawens zwischen Haubt und Gliedern und 
dann zu dero eigener Ghurfürstenthumben, FUrstenthumben und Lan- 
den gutem Gedeyen, Ruhe und Wohlstand je mehr und mehr zu be- 
festigen und zu stiften gemeinet und bedacht seyn, unnd zu Errei- 
chung solchen Zwecks und damit jedwedes Theil bey dem Seinig'en 
ungekränckt seyn und bleiben, und keinesweges betrübet oder de facto 
beleydiget werden möge, eine nähere Verständnuss und Defensivbiind- 
nuss für ein zulangendes Mittel gehalten. So haben Ihre Churf&rst- 
liche Durchleuchtigkeit zu Brandenburg mich dero Geheimen Raht und 
Cantzler des Fürsten thumbs Halberstatt Friedrichen von Jena mit 
gnugsamer Vollmacht und Pienipotenz versehen, Ihre Ghuritirstliche 
Durchleuchtigkeit zu Pfalz aber mich dero Geheimen und Regierung-s- 
raht Arnold Peilen gleichergestalt bevollmächtiget mit dem gnädig- 
sten Befehl, dass wir unns beyderseits zusammen thun, die Sache 
mit einander überlegen und eine Defensivbündnuss tractiren und 
schliessen selten. Alss wir nun crafft habender vorangezogener 6e- 
waldt und Befelch darüber mit einander zu verschiedenen Mahlen con- 
feriret, so baben wir uns über nachfolgende Articul und Puncta ein- 
mtlhtig und gründlich verglichen. 

I. 

Unnd soll nun zwar zu anfangs diese Defensivbündnuss auf des 
Heyl. Rom. Reichs Constitutiones und auf den zu Ossnabrugg und 
Münster abgehandelten und beschlossenen Frieden gegründet und ge- 
meint seyn. 

IL 

Darauf beyderseits Ihre Ghurfürstliche Durchleuchtigkeiten ein- 
ander rechtschaffene beständige Freundschafft versprechen. Es will 
und soll auch ein Theil des andern und dessen Ghurfürstenthumben, 
FUrstenthumben und Landen Nutzen, Frommen und Aufnehmen suchen 
und nach aller Möglichkeit befördern. 



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Der AUiaDzvertrag. 31 

III. 

Zu welchem Ende jedes Theil schuldig und gehalten seyn soll, 
demjenigen Tfaeil, welches wieder die Reichsconstitutiones , den 
Teutschen Frieden und Freyheit, altes Herkommen und aufge- 
richtete Verträge ahn seinem Churffirstenthumb, der Marggrafschafft 
Brandenburg oder Pfaltzgrafschafft bey Rhein, sambt dazu gehörigen 
FOrstenthumben , Landen, Leuthen, Mannen, Underthanen, Schutzver- 
wandten, Angehörigen, wie auch sonsten allen andern Regalien, 
Privilegien, Recht und Gerechtigkeiten im Heyl. Römischen Reich 
Teutscher Nation, sie haben Nahmen wie sie wollen, auss was Ur- 
sache oder unter was für Prätext und Schein es auch seye, betrübet 
und angefochten wtirde, nicht nur mit schleuniger Interposition , son- 
dern auch auf Reichs-, GoUegial-, Deputation-, Creyss- und andere 
dergleichen Tage und Zusammenkunfften, und dann ausser solchen 
bey der Eayserl. Mayestät, denen Herrn Churfbrsten, Fürsten und 
Ständen in gesambt oder auch absonderlich, wie auch bey ausslän- 
dischen Potentaten und Republiquen mit allen möglichen officiis ver- 
tretten und assistiren, gestalt denn beyde hohe Paciscirende sich auch 
nebenst deme craift dieses verbunden, auf vorgedachten Reichs- und 
anndere Diäten, auch wo es sonsten nöthig und thunlich, zu des Hey- 
ligen Römischen Reichs Besten und zu Beybehaltung der alten Teut- 
schen Freyheit, des Reichs Praeeminenz und ihren eigenen Regalien, 
Privilegien, Recht und Gerechtigkeiten, Churfttrstenthumben, sambt 
dazu gehörigen Fürstenthumben , Landen und Leuthen, Mannen, 
Unnderthanen , Schutzverwandten und andern Angehörigen im Reich 
Teutscher Nation Ruhe und Tranquillität, die consilia zu con- 
jungiren, verträwlich von allem und jedem zu jeder Zeit mit ein- 
ander zu communiciren, und sich dergestalt in ihren votis zu ver- 
einigen, die Ihrigen auch dahin anzuweisen. 

IV. 

Dafern aber wieder VerhofFen bey dem offendirenden Theil keine 
Gtttte etwas verfangen, sondern derselbe ungeachtet aller angewandten 
Officien noch weiter und de facto verfahren, oder da auch stracks 
und zugleich er die That zur Hand nehmen und einen von beyden 
hohen Paciscirenden dero Churfürstenthumb und dazu gehörige Fttr- 
stenthumb, Lande, Leuthe, Mannen, Underthanen, Schutzverwandte 
und andere Angehörige im Römischen Reiche Teutscher Nation auss 

lfmt«r. c. Gesch. d. 0. Kurfürsten- XI. G 



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82 2. Die AUians mit Kor-Pfals. 

was Ursache oder unter was vor Prätext und Schein es immer wolle, 
mit Gewalt angreiffen und beleidigen oder ahn Exercirung dero Pri- 
vilegien, Regalien, alt Herkommen, Recht und Gerechtigkeit ein oder 
mehr Stände oder Glieder des Reichs auf einige Weise oder Wege 
thätlich hindern oder turbiren wdrde, so sollen zwar die gQttliche 
Mittel nicht zurdck gesetzt werden, nichts desto weniger aber ein 
Theil dem andern zu assistiren und auf geschehene Notification und 
Requisition alssbald, ohne Aufenthalt und Saumnuss, wQrckliche Hülffe 
zu schicken schuldig und verbunden seyn, massen beyderseits Ihre 
Churfttrstliche Durchleuchtigkeiten sowohl der Anzahl halber, alss auf 
was Weise und Manier solche Hülffe am füglichsten zu Werck^ zu 
richten, sich in einem Nebenrecess verglichen haben. 

V. 

Unnd obwohl die officia und die Assistentz auf Reichs-, Collegial-, 
Deputations-, Creyss- und andern Tagen, inngleichen bey der Kayser- 
lichen Mayestät, Churfttrsten, FQrsten und Ständen, auch ausswerttigen 
Potentaten und Republiquen auf beyderseits Ihre Churfttrstlichen 
Durchleuchtigkeiten obgedachte ChnrfQrstenthumb und die dazu ge- 
hörige Ftlrstenthumbe, Lannde, Leuthe, Mannen, Unnderthanen, Schutz- 
verwandte und andere Angehörige, wie auch Regalien, Privilegien, 
Recht und Gerechtigkeiten im Römischen Reich Teutscher Nation, 
nichts überall davon aussgenommen, allein gemeint und angesehen, 
so soll doch die würckliche Hülffe, so des Pfattzgrafens Churfürstliche 
Durchleuchtigkeit crafft dieses und des Nebenrecesses zu leisten 
schuldig, ahn selten Ihrer Ghurfürstlichen Durchleuchtigkeit zu Bran- 
denburg nicht weiter verstanden oder begehrt werden, dann sofern 
das Hertzogthumb Gleve, Grafschafft Marck und Ravensberg mit ihren 
Zubehör von einem oder mehr Stännden oder Gliedern des Reichs an- 
gefochten oder beleidiget werden sollten. 

VI. 

Dafem auch bey, vor oder nach geschehener Notification und 
Requisition oder auch wehrender Httlffleistung der Requisitus von 
andern thätlich solte angegriffen werden oder gegen den Erbfeind, 
wie auch sonsten Ihrer Kaysserlichen Mayestät und dem Römischen 
Reich wttrkliche Hülfe leisten mflsste, so solle derselbe, wann er die 
in diesem Bündnuss und Nebenrecess versprochene Hülffe noch nicht 



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Der AUtanzvertrag. 83 

geschickt, solche zarückzubehalten oder die albereit geschickte wie« 
der abzufordern befugt, der Requirent auch selbige ohne Aufenthalt 
sofort folgen zu lassen schuldig seyn. 

VII. 

Unnd alss diese Defensivbtlndnuss sambt dem dabej aufgerich- 
teten Nebenrecess in ihren Articuln und Glausuln nur von zukünftigen 
Thätlicbkeiten und Fällen zu verstehen, also solle solches alles von 
dato die zehen nechst nach einander folgenden Jahre seine Grafft 
und Wttrckung haben, und die Zeit tlber nicht nur von beyderseits 
hohen Paciscirenden, sondern auch von dero Successoren und Nach- 
kommen trewlich und unverbrüchlich, doch mit diesem Verstände ge- 
halten werden, dass wann einer unter ihnen mit einem aussländischen 
Könige oder Republicque solte in Streit gerahten, desselben sich der 
ander gegen solche anzunehmen durch diese Bündnuss weiter nicht 
gehalten seyn soll, alss die Reichsconstitutiones und Westphälische 
Frieden verordnen und mit sich bringen. 

Unnd haben wir dazu bestälte und zu anfangs genante Gevoll- 
mächtigte über diese Bündnuss zwey gleichlautende Exemplaria heut 
dato aufgerichtet, verfertigt und gegen einander aussgegeben, damit 
dieselbe von beyderseits Ihren Ghurfttrstl. Durchleuchtigkeiten inner- 
halb vier Wochen von dato des Schlusses und geschehener unsserer 
Underschrifft genehm gehalten und ratificiret, die ratificationes auch 
gegen einander aussgewechselt werden ^). 

Zu mehrer Beglaubigung haben wir dieses alles unterschrieben 
und besiegelt So geschehen zu Gleve den 6. May/ 26. Aprilis Taus- 
send sechshundert ein und sechzig. 

Friderich von Jena. Arnoldus Peil D. 



Nebenrecess. 

Kund und zu wissen seye hiemit Jedermänniglich , demnach 
zwischen Ihrer Ghurfttrstlichen Durchleuchtigkeit zu Brandenburg 
an einem, dann Ihrer Ghurfürstlichen Durchleuchtigkeit zu Pfaltz am 
andern Theil den 6. May/ 26. Aprilis eine Defensivalliance beliebet 

Die Ratification dee Allianzvertrages nnd des Nebenrecessea ist von 
Karl Ludwig aasgestellt Heidelberg 9. / [19.] Mai 1661, von Kf. Gleve 18./ 
28. Mai 1661. 

6» 



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84 2. Die Allianz mit Ror-PfalE. 

und aufgerichtet und dabey beyden hohen Paciscenten gefallen, einen 
und den anndern Punct vorgedachter Defenslybündnuss nicht einzu- 
verleiben, besondern dieselbe in diesen Neben- und Secreten Recess 
zu verfassen, dass darüber beederseits höchstgedachter Ihrer Chur- 
fttrstlichen Durchleuchtigkeiten Gevollmächtigte folgendergestalt sich 
vereiniget undt verglichen: 

I. 

Unnd wollen nun zufolge geschlossener AUiance und da der- 
selben gemeess von Ihrer Churfürstlichen Durchleuchtigkeit zu Pfaltz 
die Notification und Requisition auf die im Haubtrecess enthaltene . 
Fälle und Bedingungen diesem Bündnuss gemeess geschehen, Ihre 
Churfürstliche Durchleuchtigkeit zu Brandenburg hundert zu Ross und 
dreyhundert zu Fuss tüchtiger geworbener und bewehrter Mannschafft 
ohne Auffenthalt und Säumnuss zuschicken. 

II. 

Ingleichen verbinden sich des Pfaltzgrafen Churfürstliche Durch- 
leuchtigkeit auf geschehene Notification und Erfordern auf gleich- 
massige im Haubtrecess enthaltene Fälle und Bedingungen diesem 
Bündnuss gemeess Ihrer Churfürstlichen Durchleuchtigkeit zu Bran- 
denburg sobald und gleichfallss ohne einige Verzögerung zweyhun- 
dert und fünffzig Mann guter tüchtiger geworbener und bewehrter 
Musquetirer ahn statt der Hülife zu senden. 

III. 

Die Hülffe solle von beyden Theilen biss ahn des Requirenten 
Gräntzen geschickt und biss dabin von demjenigen, welcher sie schickt, 
unterhalten werden. Sobald aber die Mannschafft gedachte Gräntzen 
erreicht, so bald ist dieselbe von demjenigen nach seiner Verpfle- 
gungsordnung mit aller Notthurft zu versehen und zu verpflegen, 
welchem sie zu Hülffe kommen, es wehre dann Sach, dass der Orth, 
wo mann die Hülff benöthiget, näher alss die Gräntzen oder bey- 
seits gelegen, auf welchen Fall auf des Herrn Requirenten Begehren 
der commandirende Officirer mit der Hülffe dahin zu gehen beordert 
seyn solle. Mit dem Unterhalt aber und Verpflegung bleibt es da- 
bey, dass sobald die Völcker über des Herrn Requisiti Gräntzen ge- 
bracht, der Herr Requirent dieselbe vorhergesetzter Massen über 
«ich nehme. 



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Der Alliaozvortrac^ , 85 

IV. 

Unnd wenn die Httlff nun in des Bequirenten Gräntzen und von 
ihme angenommen ist, so soll die Mannschafft und OüBcirer dessen 
Commando und Befehl, welchem sie zugeschickt, allerdings und nicht 
minder als ihres Herren Gebott gehorsamen. Doch soll der Officirer, 
welcher mit der Hülffe geschickt wird, nicht schuldig oder gehalten 
seyn einem Befehlshaber, der mit ihme in gleicher oder geringerer 
Charge stehet, zu pariren. 

So geschehen zu Gleve den 6. May/26. Aprilis Tausendt sechs- 
hundert ein und sechzig. 

Friderich von Jena. Arnoldus Peil U. 



Kurfürst Karl Ludwig von der Pfalz an Dr. Peil. Datum ut 
in litteris 25. Mai/ [4. Juni] 1661. 

[MiUheiluDg der von Gravel in dem RheiDischea Allianzrath gemachten Propo- 
sitioD wegen der Türkenhülfe. Ob man nicht die Hülfscontingente zariick- 

bebalten solle.] 

PS. Auch — habt Ihr K.Brandenburgs Ld. zu remonstriren 4. Juni. 
und dero — äentinient zu vernehmen, wann occasione der vom Pabst 
vorgeschlagenen Türkenhülfe die von Frankreich durch Mr. Gra- 
velles in seiner dem Allianzrath zu Frankfurt den 30. Mai st. n. ge- 
thanen nachdenklichen Proposition *) — projectirte Zusammenziehung 
der Rheinischen Conföderirten neben den Französischen Völkern zu 
Werk gerichtet werden sollte, was etwa diejenige, so nicht in der 
Allianz begriffen, vor Reflexion darauf zu machen haben würden, 
und ob es denselben rathsamb sei in Erwartung solchen Falls sich 
von Völkern und Mitteln zu entblössen und dieselbe I. Kais. M. 
vertröstetermassen zuzuschicken, und ob nicht I. Kais. M. dazu zu 
bewegen sein möchte, dieselbe bei so gestalten Sachen von Schick- 
und Unterhaltung solcher Völker zu dispensiren ^). 

Dieselbe entspricht durchaus den Weisangen, welche Ladwig XIV. in 
der Instruktion vom 28. März. 1661 ^Guhraaer IL S. 297 ff.) Gravel ertheilt hatte. 

*) KT. erwidert darauf nur (d. Gleve 10. Juni 1661), auch ihm komme Gra- 
vels Proposition sehr nachdenklich vor uod er wolle ihm künftig seine Gedanken 
darüber mittbeilen, zugleich giebt er ihm NTachricht von der auf den 29. Juni in 
Co In mit Kurcoln, den brauuschweigischen und hessischen Fürsten verabre- 
deten Zusammenkunft (s. oben S. 39 ff.) 



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gg 2. Die Allianz mit Kur-Pfalz. 

Der Kurfllrst an Kaiser Leopold. D. Cleve 11. Juni 1661. 

[Mittheilang der ihm von K-Pfalz aber die fransosischeD Antrage gemachten Er- 
öffnangen. Verwendung für K.Pfals.] 

11. Juni. Er übersendet eine Abschrift der Proposition, welche Gravel oeolich inn 
Allianzrathe vorgebracht, der Anträge, welche derselbe K.Pfalz wegen 
dessen Eintrittes in die Allianz gemacht, nnd der ?on diesem darauf er- 
theilten Antwort. 

Ich stelle zu Ew. Kais. M. ferneren Höchsterleuchteten Nachsinnen, 
ob Sie vermeinen, dass etwa K.Pfalz durch ein gnädigstes kaiser- 
liches Schreiben bei der bisher erwiesenen guten Bezeigung beständig 
zu verharren zu animiren, und ob Ew. Kais. M. darbenebenst gnä- 
digst geruhen möchten, an den Reichshofrath die Verordnung ergehen 
zu lassen, damit Ihre Ld. (wie sie sich beklagt) etwas gelinder trac- 
tiret und darum absonderlich auf dieselbe künftig mehrere Reflexion 
genommen werde, weil Ew. Kais. M. sich dadurch eines kurf&rst- 
lichen voti mehr zu versichern. — 



Kurfttrst Karl Ludwig au den Kurfürsten. D. Heidelberg 

7. /[l 7.] Juni 1661. 

[Der B.Vicekanzler verlangt Abhaltung eines Knrfarstentages.] 

17. Juni. Glückwunsch zn der abgeschlossenen Allianz. 

PS. Sein am Kaiserlichen Hofe befindlicher Abgesandter, Obristlent- 
nant Johann v. Arentin hat ihm berichtet, dass der R. Vicekanzler 
ihm in discnrsu zu verstehen gegeben, es müsste ein Collegialtag gehalten 
werden. Da er Termuthet, der R. Vicekanzler, der, wie verlaute, ehe- 
stens herauswärts ins Reich kommen werde, werde dergleichen anfs Brett 
werfen, so bittet er Kf. ihm sein Sentiinent darüber zn eröffnen. Er selbst 
hält einen Collegialtag nicht für unrathsam and will, wenn Kf. dabei 
kein Bedenken habe und der Kaiser einen solchen verlange, 'gern damit 
einstimmen. 



Der Kurfürst an den Kurfürsten Karl Ludwig. D. Cleve 

24. Juni 1661. 

[Der in Wien vorgeschlagene Karfärstliche Oollegialtag.l 

24. Jnni. Dank für die guten Erbietnngen , ferner für die communicierte Nach- 
richt, was der R. Vicekanzler eines vorseienden Collegialtages halber 
gedacht. Sollte auch an Kf. etwas gebracht werden und er sehen, wie 



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Verwendang fär K.Pfalz beim Kaiser. S7 

ein solcher GoIIegialtag io Vorschlag gebracht werden, aoch was für Sachen 
daranf vorkommen möchten , so wird er sich darauf erklären and solches 
dem Kurfürsten communicieren. Ihm soll sonst keine zu des Rom. Reiches 
oder seiner Mitkurftirsten ins Mittel kommende Zusammenschickung zu- 
wider sein. 



Kaiser Leopold an den Kurfürsten. D. Wien 29. Juni 1661. 

[aaf die Schreiben vom 6. u. 11. Jani. Sendang des R.Vicekanzler8 an K.Mainz. 

Berücksichtignng der Verwendang des Rf. für K.Pfalz.] > 

Dank für die Mittheilungen. Er hat seinen Beichsyicekanssler29. Juni. 
Wilderich Freiherren von Walder sdorff an E.Mainz abgeordnet, 
denselben seiner aufrichtigen Intention und alles dessen zu versichern, was 
zu Erhaltung der allgemeinen Wohlfahrt erspriesslich und zu Maturierung 
des von einigen Kurfürsten und Ständen so hoch verlangten Reichstages 
selbst zulänglich und beförderlich sein könne. 

Was dann . nächst diesem die nach Ausweisung Ihres letzten 
Schreibens wegen Animir- und Beibehaltung des Churfttrsten zu Pfalz 
Ld. gethane wohlmeinende Erinnerung betrifft, wollen Ew. Ld. mir 
beständig zutrauen, dass gleich wie ich meinestheils Ihrer Ld. alle 

Affection zu jeder Begebenheit zu erweisen geneigt bin, also 

ich derselben auch dasjenige widerfahren lassen werde, was Ihre 
die justitia immermehr attribuiren wird, habe dahero — meinen 
Reichshofrath dahin angewiesen, dass er hierauf seinen mir gelei- 
steten treuen Pflichten nach gebührende Reflexion machen und Ihro 
Ld. Gerechtsame — beobachten wolle. 



Korfttrst Karl Ludwig von der Pfalz an den Kurftiraten. D. 
Heidelberg 28. October/[7. November] 1661. 

[Alittheilung neuer französischer Anträge.] 

£r theilt ihm mit, was Üravelles dieser Tage im Namen des Königs 7. Nov. 
▼on Frankreich bei ihm angebracht und welche Antwort er darauf 
ertheilt hat, bittet Ef. ihm seine Gedanken darüber mitzutheilen und diese 
vertrauliche Communication dergestalt zu mesnagieren^ dass ihm keine Unge- 
legenheit deswegen zuwachsen möge. 



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gg 2. Die Allianz mit Knr-Pfals. 

Propositiöii de Mons. Gravelles attouchant le renouuellement 
de TAlliance aaec la France 

et 

La resolution la dessus de S. A. E. Pal.* le 25. Octob. 166L 

25. Oct. M. Gravelles a propoß6 & S. A. E. Pal.f que le Roy Treschrestien, 

voyant que S. A. E. troaaoit de la dilficnltö a entrer dans rAlliance du 
Rhin, desiroit de reoouoeller le dernier Traitt6 particulier fait aoec S. A. 
E., raais qu'il y falloit, ponr precaution, changer et adiouster quelques 
Articles, assanoir: 

Qn'en attendant que S. A. E. entre dans la Confederatioa qui a 
6t6 conelue entre S. M.** Tresch.»« et quelques Electeurs et Princes de 
r Empire ä Mayence le 15. d'Aoust de Taun^e 1658, S. A. E. se conforme 
cependaut aux Conseils et anz resolutions de la d.* Confederatioa en tout ce 
qui regardera la seuret^, le bien et la libert6 de TEmpire. 

Que S. A. E.« declare , que le Traitt6 qu'Elle a fait auec M. TElec- 
teur de Brandebourg ne nuira et ne pourra deroger eu rien Ä celluy 
qu'Elle fait auec S. M.'^ Trescb.°« et qu'en toutes les rencontres oil les 
iuterests et les desirs de lad. M.^^ se tronueront contraires aus Sentiments 
dud. Electeur de Brandenbourg sad. A. E. promette d'opiner dans 
le College Electoral soit ä la Diete generale, soit daus les autres Assem- 
blees pnbliques par Elle mesme on par ses Ministres conformement aux 
intentions de S. M.^ Tresch.°« en tout ce qui regardera le bien de TEnopire. 

Que S. A. E. s'estant engagö dans le mesme Traitt6 fait auec led. 
Electeur de Brandenbourg de se communiquer reciproquement tous 
leurs Conseils dans les affaires publiques, promette et s'oblige que nonob- 
stant cette Clause Elle ne communiquera rien aud. Elect' de Branden- 
bourg tant qu'il demeurera engagö dans des jnterests contraires qui 
puisse nuire a ceux du Roy, et ne luy donnera aucune connoissance de 
ce que S. xM.^ Trescb.°<> pourra luy auoir confi^ de ses intentions si ce 
n'est auec le consentement prealable obtenu de sa M.^^ Tresch.°«. 

Que le Roy Trescb. ne youloit pas se mesler des differends particuliers 
de S. A. E. (ayant expressement nomm6 ceux qui regardent les Leibeigene) 
autrement que par Tentremise de ses bons Offices et exortations. 

Que sad. M.*« Tresch.»« desiroit fort que S. A. E. fust en bonne intelli- 
gence auec la Maison de Hessen Cassel, roais qu'il ne disoit pas cella 
comme une coodition sine qua non; que le Roy y prenoit interest parce 
qu'ayant est^ pendant la derniere guerre en une estroite alliance auec cette 
maison 14 et l'ayant a present renouuell6e, il ne voudroit pas que faisant 
alliance auec S. A. E. ses alliös vescussent en mesintelligence ensemble. 
Sur ce que dessus S. A. E. luy fit donner pour response et resolution: 

Que S. A. E. ne doutoit pas que led. S.' Gravelles ne se souuienne 
des conditions auxquelles S. A. E. s'offrit de traitter auec luy lors qu'il fut 
icy au Mois de May de cette ann^e; Surquoy il se chargea d'obtenir un 
plein pouuoir de S. M.'* Trescb."«. 



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Französische Anträge an K.Pfalz. 89 

Qoe S. A. E. n'a scea remarqoer par sa proposition et ce qu'il a dit 
aus GoDseillers de S. A. E., qu'il ait est^ pourven aasdites conditionS; 
mus bieo qoe le Traitte qa'll propose scmbloit batter directement i Inj 
oster la libert^ de son suffrage en tout ce qal regardera la seuretö, le bien 
et la liberf6 de TEmpire^ en TobligeaDt ä se conformer aox Conseils et 
resolations de quelques Electenrs et Princes de FEmpire Alliös de sa M.^^ 
Trescb.B® en vertu de la Coufederation conclne a Mayence le 15. d'Aout 
16Ö8- Ce qne ne se ponnoit faire sans donner grand sniest de Jalousie 
a S. M.^ Imp> et aux antres Electenrs, Princes et Estats de TEmpire 
qni ne sont pas de cette Confederation et particulierement ä M. TElecteur 
de ßrandenbourg proche parent et Alliö de S. A. E. 

Que S. A. E. n'auoit Jamals desirö que S. M.^* Tresch."« interrompe 
le cours de la justice de l'Empire en faveur des droits de S. A. E. mais 
seulemeot d'en estre assist^e par ses bons Offices et contre la voye de fait. 

Que pour le diffeiend anec M. le Landgrave de Hessen Cassel S. 
A. E. ayant satisfait M. FElectenr de ßrandenbourg sur les expediens 
que led. Electear de ßrandenbourg a proposö pour adiuster les points 
lesquels i son auis estoient encor a decider et entrepris d'y disposer aussi 
M. le Landgrave, il n'y auoit lieu de doutter^ qu'il n'arriue ä un bon 
aeoord. 

Que 8. A. E. se promettoit, que S. M.** Trescb.»« aura la bont6 de 
ne pas trouver mauuais que les affaires estans en ces Termes, S. A. E. de- 
menre daus ceux du Traitte de paix, qu'elle obseruera tousiours de tout 
&ont pouuoir, et particulierement en tout ce qui regarde les interests de 
sa M.'« Tresch.«», la seuret6, le bien et la libert6. de TEmpire et que S. 
M.*^ Tresch.^* ne lairra pas de continuer a S. A. E. sa faueur et son appny 
pour le ßien de ses interests en conformit6 du dit Traittö. Enquoy S. 
A. B. prioit le d. S/Grauelles de vouloir employer ses bons Offices. 



Der Kurfürst an den Kurfürsten von der Pfalz. D. Cöln a» d. 
Spree 18. November 1661. 

[auf das ScbreibeQ vom 28. October/7. November. Die AnmassuDg Frankreichs. 
AafrechterbaUuDg der Allianz.] 

Dank für die vertranlicbe Communication. 18. Nov. 

Und gleichwie wir das Gravellische An- und Vorbringen der- 
gestalt beschaffen zu sein befinden, dass dasselbe von mehrer Con- 
sequenz und dahin angesehen zu sein scheine, wie man ferner einen 
und den anderen Reichsstand an sich ziehen möge, also können wir 
gleichwohl nicht begreifen, wie im H. Römischen Reich und dessen 
öffentlichen Versammlungen oder sonsten unser als eines Reichscuhr- 
fbrsten für die Ehre WUrde, Ruhe und Wohlstand unsers geliebten 



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90 '^' Die Allianz mit Kur-Pfalz. 

Vaterlandes teutscher Nation führende Intention und Rathschlftge mit 
dem Könige oder Cron Frankreich concurriren and dahero gegen 
einander sein werde, viel weniger, wie der König oder Cron von 
Frankreich, nachdem das Reich dem Instrumento pacis seinerseiten 
ein vollkommenes GnQgen gethan, bei den Cuhrfttrstlichen oder an- 
dern Conventen etwas zu erinnern. Zwar ist es uns dabei leid, wie 
der Gravelli seines Königes und unser Interesse ftir zwo wider- 
wertige Dinge halte, und seind versichert, dass wir darzu unsers 
Orts die geringste Ursach nicht gegeben, als wir aber bei Lebzeiten 
des Cardinal Mazarini ungeachtet aller geschehenen Remonstration 
in der That erfahren, dass Frankreich von seinen alten Maximen 
und mit unserm Cuhrhaus von vieler Zeit hero gehalten genauen 
Gorrespondenz abgelassen und soviel möglich wider uns und unser 
Interesse an allen Orten stark gearbeitet, so haben wir auch unsere 
Conservation so gut wir gekonnt sonsten suchen und beobachten 
müssen. Und demnach Ew. Ld. sich albereit wohl und dergestalt 
erkläret, wie es einen getreuen Cuhrfttrsten — gebühret, überdem sich 
zu beständiger und fester Haltung des mit uns aufgerichteten Bund- 
nus nochmals erbieten, also versichern wir Ew. Ld. hiermit gleich- 
falls reciproce zu aller beständigen und der Allianz gemässenen 
Freundschaft. Und weil sowohl das Reich als auch iedweder Cuhr- 
fürst, Fürst und Stand desselben nicht nur mit dem Könige und 
Cron Frankreich, sondern auch anderen auswertigen in gutem Ver- 
trauen und Nachbarschaft zu leben, auch wir absonderlich vor uns 
keines anderen gemeinet sein, so sehen wir nicht, warumb — je- 
mand der auswertigen von dem Reich oder demselben zugethanen 
Cuhrfttrsten, Fürsten und Ständen etwas anders und weiters zu be- 
gehren haben. Es ist Ew. Ld. aus denen alten und neuen Geschich- 
ten mehr dann zuviel bekannt, dass das H. Römische Reich niemals 
sich in besserem Stande befunden, als wenn es seine Sachen vor 
sich allein gehabt, denen Benachbarten zur Feindschaft keine Ursache 
gegeben und sich aller fremden Sachen soweit entschlagen, das wird 
verhoffentlich mit Gottes Hülfe auch noch ietzo das beste — sein. — 



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Französische Anträge an EiPfalz. 91 

Der Kurfürst an den Kaiser. D. Cöln a. d. Spree 18. No- 
vember 1661. 

[Mittheilnng der Eröffnnngen von E.Pfalz. Frankreichs anmassendes Auftreten 

im Reiche.] 

Er theilt demselben das Anbringen Gravelles an K.Pfalz und dessen 18. Nov. 
Erklärung darauf mit, bittet den Kaiser, ihm seine Meinung darüber zu 
eröffuen. 

Es will fast das Ansehen gewinnen, dass nachdem Münster und 
Trier*) sich auch in die also genannte Frankfurtische Allianz be- 
geben, man die annoch wenig ttbrige Stände vollend hineinzuziehen und 
dergestalt das arbitrium im H. Römischen Reich per indirectum an 
sich zu bringen suche, welches, wie es eine Sache von der aller- 
grössten Wichtigkeit ist, also werden E. Keys. M., zumal gegen be- 
vorstehenden Reichstag deroselben — reichlich vorzusinnen wissen 
nnd ihro belieben lassen, das Werk unbeschwert in geheimb zu 
halten. — 



Kaiser Leopold an den Kurfürsten. D. Wien 29. No- 
vember 1661. 

[auf das Schreiben vom 18. November. Der Anmassang Frankreichs muss ent- 
gegen getreten werden. 

Dank für die Mittheilung. Kurpfalz hat in seiner Antwort an 29. Nov. 
Gravelle das Werk gar reiflich nnd wohl überlegt, was das für eine 
Freiheit des Reiches sein würde, wenn dessen vornehmste Sänien sich an 
eine so gestalte Allianz binden lassen sollten, vermöge deren sie sich des 
höchsten Kleinods ihrer Gerechtsame und Libertät zu begeben, und sich 
deren nur so weit zu gebrauchen befugt sein sollten, als es der Krone 
Frankreich Interesse zulassen würde. Auch er wie Ef. ist der Meinung, 
dass man auf diese als eine der allerwichtigsten Sachen eine absonderliche 
Reflexion zu machen nnd wohl vorzusinnen habe, damit solchem weit aus- 
sehenden Beginnen gesteuert werden möge. Kf. möge sich bemühen, K. 
Pfalz bei seiner gnten Intention zn erhalten. 

*). Bischof Christoph Bernhard von Münster war schon im Januar 1661 
der Rheinischen Allians beigetreten (s. Tucking, Geschichte des Stifts Münster 
anter Christoph Bernhard von Galen S. 82; Köche.r I S. 299.)» Kurfürst Karl 
Kaspar von Trier im Angnst desselben Jahres. (Gnhraajer II S. 311, Mignet, 
N^goeiations relatives ä la succession d'Espagne sous Loais XIV, U B. 19.) 



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Abschnitt 3. 

Die Belehniing des Kurfürsten durch den Kaiser und 
die Verhandlungen über die schwedische Belehnung. 

1661. 



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Einleitung. 



Nachdem Kurfürst Friedrich Wilhelm im Juli 1642^) durch Kaiser 
Ferdinand III. die Belehnuug mit seinen Reichslanden und den böhmi- 
schen Lehen empfangen hatte, hatte der Tod dieses Kaisers und die 
Erhebung des Sohnes desselben, Leopold I. zur kaiserlichen Würde 
(18. Juli 1658) auch für ihn eine neue Lehnsempfängnis nöthig gemacht. 
Da die damaligen kriegerischen Yerhältnisse die Ausführung derselben 
innerhalb der eigentlich vorgeschriebenen Jahresfrist unstatthaft erscheinen 
liessen, so hatte zu Ende derselben der damals auf dem Feldzuge in Jüt- 
land abwesende Kurfürst die Geheimen Räthe in Berlin angewiesen'), 
dnrch seinen Residenten in Wien, Andreas Neumann, um Verlängerung 
dieser Frist nachsuchen zu lassen, schon jetzt aber die zu einer solchen 
Belehnnng nöthigen Vorbereitungen zu treffen, die Instruktion, Vollmachten, 
Creditive n. s. w. für den Geheimen Rath Johann Friedrich ▼. Loben 
and jenen Andreas Neumann, welche er damit zu betrauen gedachte, 
anzufertigen. Der Kaiser hatte dann auf das Gesuch Neumanns zu- 
nächst durch ein Decret vom 23. Juli 1659 den Termin auf 6 Monate, bis zum 
23. Januar 1660, und als der Kurfürst infolge der Fortdauer der kriege- 
rischen Verwickelungen zu £nde 1659 um eine weitere Prolongation nach- 
suchen liess'), durch ein neues Decret vom 19. Januar 1660 auf weitere 
6 Monate bis zum 23. Juli, dann auf ein nochmaliges Prolongationsgesuch^)« 
welches mit der bevorstehenden Reise des Kaisers nach Steiermark und 
andererseits damit, dass der Kurfürst infolge des Todes seiner Mutter und 
des eben erfolgten Friedensschlusses seine Minister zu allerhand anderen 
Abschicknngen gebrauchen müsste, motiviert wurde, auf weitere 3 Monate, 
bis zum 23. October 1660 verlängert. Diesen Termin scheint der Kurfürst 
wirklieh einzuhalten beabsichtigt zu haben. Rechtzeitig Hess er die Vor- 
bereitungen, welche vorher doch unterblieben sein müssen, treflfen, Anfang 



») 8. ürk. u. Akt. I S. 790. 

^ d. Feldlager bei Coldingen in Jätland 30. Juni / 10. Juli 1659. 

') Kf. ao A. Neomann d. Hauptquartier zu Barth 3./ 13. November 1659. 

*) Kf. an A. Nenmann d. Goln a. d. Spree 3./13. Mai 1660. 



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9G ^' ^i® Belehoang des KarffirsteD n. 8. w. 

Jali wurde eine Instruktion für jene beiden Bevollmächtigten durch den 
Geheimenrath Friedrich v. Jena aufgesetzt, der Entwurf desselben wurde 
am 31. Juli im Geheimen Rathe verlesen, darauf auch an Neumann mit- 
getheilt und demselben aufgetragen, was er dabei etwa zu erinnern habe 
rechtzeitig anzumelden, auch die in den fränkischen Fürstenthümern regie- 
renden Vettern des Kurfürsten, Markgraf Albrecht von Anspach and 
der minderjährige Markgraf Christian Ernst von Baireuth, denen 
kraft der Dispositio Achillea und des dieselbe bestätigenden Geraer Haas- 
Vertrages die Mitbelehnung zur gesamten Hand mit den Kurlanden zustand, 
wurden von der Absiebt des Kurfürsten in Kenntnis gesetzt und aufgefor- 
dert, Bevollmächtigte nach Wien zu senden. Schliesslich aber hat der 
Kurfürst doch noch einmal eine neue Prolongation des Termins nach- 
gesucht. In einem Rescripte an Neumann*) schreibt er, derselbe werde 
aus seinem vorigen Rescripte ersehen haben, dass er gewünscht habe, die 
Belehnungssache jetzt zu Ende zu bringen.* Da er sich aber aus dem In- 
strumento pacis und sonst ferner habe berichten lassen, dass der König 
von Schweden als Herzog von Pommern zu der Zeit, wann er mit 
Pommern belehnt werde, durch seine Bevollmächtigten die Mitbelehoung 
zu empfangen habe, und dass er, der Kurfürst, verpöichtet sei, demselben 
den von dem Kaiser für die Belehnung angesetzten Termin vier Monate 
vorher anzuzeigen, so solle Neu mann dieses dem Kaiser vorstellen und 
denselben ersuchen, wegen dieser ihm nicht eher beigefallenen Ursachen 
einen weiteren Indult auf wenigstens 6 Monate zu gewähren, und in der 
That bewilligte der Kaiser durch Decret vom 12. November, dem Antrage 
Neumanns entsprechend, eine weitere Prolongation auf 8 Monate bis zam 

23. Juni 1661. 

Es Ist durchaus unglaublich, dass man brandenburgischerseits, wie der 
Kurfürst hier vorgiebt, jenes durch den Westfälischen Frieden Schweden 
zugesprochene Recht der Mitbelehnung über Hinter pommern und Gam- 
mln und die noch weiter gehenden Rechte, welche der Kurfürst in dem 
Stettiner Grenzrecess von 1653 dieser Krone hatte einräumen müssen, ein- 
fach vergessen und dass man sich erst nachträglich derselben erinnert 
haben sollte, vielmehr ist ganz offenbar, dass der Kurfürst zu Anfang die 
bewusste Absicht gehabt hat, jene Rechte Schwedens, und zwar nicht so- 
wohl die aus dem Westfälischen Frieden als vielmehr die ans jenem 
.Stettiner Recess abzuleitenden, unberücksichtigt zu lassen. In dem West- 
fälischen Friedensinstrument ^) war Schweden nur die Simultaninvestitur 
mit Hinterpommern und Caromin znerkannt worden, ohne dass dabei 
Näheres über die Modalitäten festgesetzt oder bestimmte Verpflichtungen 
für den Kurfürsten daran geknüpft wären, erst durch den Stettiner Re- 
cess vom 14. Mai und die im Anschlüsse an denselben zu Stockholm am 

24. Mai 1653 abgeschlossenen Specialconventionen waren solche festgesetzt 



») d. Cöln a. d Spree 13./ 23. September 1G60. 
Inslr. pacis Osnabr. X, § 4 b. auch XI. § 1*2. 



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EiDleitoDg. 97 

und zDgleich die Schweden eingeräaniten Rechte bedeutend erweitert wor- 
den. Einmal nämlich hatte sich der Kurfürst dort verpflichten müssen i), 
wenn yom Kaiser der Termin für die Lehnsempfangnis festgesetzt sei, den- 
selben yier Monate vorher dem schwedischen Könige anzuzeigen , damit 
derselbe rechtzeitig seine Bevollmächtigten zur Entgegennahme der Simul- 
taninvestitur über Hinterpommern und Gammln an den Kaiserlichen Hof 
entsenden könne. Ferner aber hatte der Kurfürst') dem Könige und der 
Krone Schweden die früher den Herzogen von Pommern kraft der 
Erbvertrftge zustehende Anwartschaft auf die Neumark, das Land Stern- 
berg und die Schlösser Vierraden und Löckenitz samt deren Oebiet 
nnd demgemäss auch die Simultaninvestitur mit diesen Landen zugestehen 
müssen. Dieses auch im übrigen so ungünstigen Vertrages, welcher ihm 
nur im Drange der Noth abgepresst war, hat der Kurfürst bei nächster 
günstiger Gelegenheit sich zu entledigen gesucht, und eine solche schienen 
die glücklichen Waffenerfolge gegen Schweden im nordischen Kriege, in 
dessen letztem Stadium ein grosser Theil des Schwedischen Pommerns von 
den Truppen des Kurfürsten und seiner Bundesgenossen besetzt wurde, dar- 
zubieten. Allerdings hat er, ohne grosse Schwierigkeiten zu machen, bei den 
Friedensverhandlungen in 1 i v a und den gleichzeitigen Verhandlungen mit den 
Braunschweigischen Fürsten und deren Genossen*) in die Räumung 
und Wiederabtretung dieser eroberten Plätze eingewilligt, aber jenen Ver- 
trag betrachtete er als durch den Krieg hinfällig geworden. Er verweigerte 
die von Schweden geforderte ausdrückliche Erwähnung und Bestätigung 
desselben in dem Olivaer Friedensvertrage und gab ganz offen kund, dass 
er denselben nicht für zu Recht bestehend anerkannte. In einer bald nach 
dem Abschluss des Friedens, sicherlich auf seine Veranlassung erschienenen 
Flugschrift^) wird auf das eindringlichste die Ungerechtigkeit und Gewalt- 
samkeit, mit welcher Schweden bei den Stettiner Tractaten gegen den Kur- 
fürsten verfahren, geschildert, die Ungerechtigkeit und Unbilligkeit der 
Bestimmungen des Recesses dargelegt und dem Kurfürsten die Befugnis 
zugesprochen, ohne Rücksicht auf denselben sich wieder in den Besitz 



') Stettiner Grenzrecess § 27 (Dähnert, Sammlung gemeiner n. besonderer 
Pommerscher und Rügischer Landes -Urkunden I S. 140), vgl. Specialconven- 
tioD I (Dahnert S. 160). 

») Stettiner Grenzrecess §29 (3.143), s. Specialconvention II (8. 170). 

>) S. oben S. 4ff. 

*) Sammarium prooessns, qao erga serenissimam et potentissimnm electorem 
Brandenbnrgicnm contra instrnmentam pacis, pragmaticas imperii sanctiones, dei, 
natnrae, gentium oroniaqae iara circa restitaendam Pomeraniam ulteriorem apud 
ita dictos limitam tractatus Stetini habitos magna iniastitia atqae aperta vi 
osa est Saeeia (s. 1. 1660). Ohne Zweifel ist es diese Schrift, welche des Kf. 
Gesandter in Paris, v. Brandt, ins Französische übersetzt, um sie dem Car- 
dinal Mazarin zu überreichen (s. Urk. n. Akt. IX S. 580), und aaf welche der 
aebwediache Reichskanzler 1663 v. Grockow gegenüber hindeutet (Urk. n. Akt. 
IX 8.751). 

Haler, s. Gesch. d. 0. Kurfurtteik JLT. 7 



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98 3. Die Belehnnng des Knrfarsten n. s. w. 

dessen zu setzen , was ihjn von Rechts wegen zakomme, und der Korförst 
hat noch nach dem Friedensschlüsse bis in den Herbst 1660 hinein am 
französischen Hofe Unterhandinngen führen lassen ^)y welche dahin zielten, 
nnter französischer Einwirknng von Schweden eine günstigere Grenzlinie 
in Pommern nnd den Verzicht auf den Antheil an den Colberger SeezölleD, 
welchen es sich anch in dem Stettiner Recess ansbedungen, zn erwirken. 
Allein diese Bemühnngen waren ganz erfolglos nnd einerseits die Erkennt- 
nis, dass diese Pläne jetzt doch nicht ansführbar seien, andererseits der 
Wnnsch, Schweden, dessen feindselige Haltung gegen ihn gewiss znm Theil 
dnrch dieselben hervorgerufen war, seinerseits keinen Vorwand zn dem 
befürchteten kriegerischen Losbrechen darzubieten, haben den Knrfürstea 
bewogen, einznlenken und wenigstens eine directe Verletzung der Bestim- 
mungen des Stettiner Vertrages zu vermeiden. Er hat daher, nachdem er 
von dem Kaiser die erbetene weitere Prolongation des Termines für die 
Lehnsempf&ngnis erlangt hatte, rechtzeitig im Januar 1661 dem Könige 
von Schweden, allerdings ohne des Stettioer Vertrages Erwähnung zu 
thnn, nur nnter Berufung auf das demselben dnrch den Westfälischeo 
Frieden zugesprochene Recht der Simultaninvestitur Anzeige von dem ihm 
dazu gestellten Termine und von seiner Absicht, zu demselben Bevoll- 
mächtigte nach Wien zu senden, gemacht*). Die schwedische Regentschaft 
erwiderte darauf*), dass auch sie im Begriff sei, eine Gesandtschaft nach 
Wien zu schicken, um dort die Belohnung mit den Schweden durch den 
Westfälischen Frieden zugefallenen Reichslanden zn betreiben, nnd dass 
sie Sorge tragen werde, inbetreff der Simnltaninvestitur das, was ihr nach 
dem Friedensinstrument obliege, auszuführen. Zugleich machte dieselbe 
dem Kaiser die Anzeige ^), dass sie, sobald es die Jahreszeit erlaube, eine 
Gesandtschaft wegen der Lehnsempfängnis zu ihm schicken werde, nnd 
sie entsandte vorläufig ein Mitglied derselben, den „in den Uerzogthümeru 
Bremen und Verden bestellten Regierungsrath^ Schweder Dietrich 
Klei he, welcher schon 1655^) in Wien die damals vergeblichen Verhand- 
lungen wegen der Belehnung geführt hatte, dorthin vorans, um zunächst 
die Rechte Schwedens bei der Belehnung des Kurfürsten wahrzunehmen. 
Derselbe reiste am 10. Mai von Stockholm ab, sah sich aber genöthigt, sich 
nnterwegs länger aufzuhalten. Die Schwedische Regierung in Stettin 
ersuchte daher den Kurfürsten^, falls Kl ei he nicht zn dem bestimmten 



1) S. V. Brandts Berichte ans Paris (Urk. a. Akt. IX S. 580 ff.). 

*) d. Cleve 13. Januar 1661 (abgedruckt in , Bericht und Bewandois der In- 
vestitnrsache zwischen den Römisch Kaiserlichen nnd K. Schwedischen May.' 
Stralsund 1662, aach lateinisch „Repraesentatio etc.* Beil. F.) 

*) Schwedische Regentschaft an Kf. d. Stockholm 9. Februar 1661. 

«) Dieselbe an Kaiser Leopold d. Stockholm 16./ 26. Februar 1661 (Bericht 
nnd Bewandois (Repraesentatio) Beil. D ) 

*) S. Heyne, Der schwedische Investiturstreit 1648—1664. Progr. Weilbarg 
1883 S. 11 ff. 

^ d. Stettin 4/14. Mai 1661. 



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BinleitiiDg. 99 

Termine io Wien eintreffeD sollte, seine Gesandtschaft 8 bis 14 Tage auf 
denselben warten zu lassen, und der Kurfürst befahl dem entsprechend 
r. Löbeb^), der urspründlich Anfang Juni hatte abreisen sollen, seine 
Reise noch 14 Tage aufzuschieben, y. Loben begab sich daher zunächst 
noch auf seine Güter , reiste erst am 28. Juni von Peitz, wohin er das 
übrige Gesandtschaftspersonal beschieden hatte, ab und traf am 14. Juli in 
Wien ein, wo inzwischen auch Kl ei he schon erschienen war. 

Die nachfolgenden Akten yeranschaulichen den Verlauf der von den 
Gesandten des Karfürsten dort geführten Verhandlungen, welche erst im 
Oetober ihren Abschluss gefunden haben. Die lange Verzögerang der- 
selben und die Schwierigkeiten, welche die Gesandten zu überwinden hatten, 
worden h auptsächlich' durch drei Umstände veranlasst. Erstens durch einen 
zwischen den beiden Vettern des Kurfürsten, welche die Mitbelehnung zu 
empfangen hatten, dem Markgrafen Alb recht von Anspach und dem noch 
unmündigen Christian Ernst von Bai reuth ansgebrochenen Präcedenz- 
Btreity welcher zur Folge hatte, dass die erwartete Gesandtschaft des letz* 
teren nicht in Wien erschien. Zweitens durch die von Schweden auf 
Grund des Stettiner Recesses erhobenen Ansprüche, namentlich die For- 
derung, dass dasselbe nicht nur zur Simultaninvestitur über Hinterpom- 
mern und Cammin, sondern kraft der durch jenen Recess der Krone 
Schweden zuerkannten Ezpectanz auf die Neu mark und die benachbarten 
Gebiete auch zur Mitbelehnung über die Kurlande zugelassen werde, und 
dass der Kurfürst von dem Kaiser die Bestätigung jenes Recesses ver- 
langen solle. Endlich drittens durch die von kaiserlicher Seite erhobene 
Forderung, dass nicht wie früher alle Reichslande des Kurfürsten in einen 
Lehnsakt znsammengefasst und demgemäss auch nur ein Lehnsbrief über 
dieselben ausgestellt, sondern dass über die von demselben durch den 
Westfälischen Frieden erworbenen Lande, für welche damals zum ersten 
Male die Belehnung nachgesucht wurde, besondere Belehnungsakte vorge- 
nommen und eigene Lehnsbriefe ausgestellt, und dass der Kurfürst beson- 
dere Lehnsgebühren für dieselben bezahlen solle. 

Die erste Schwierigkeit wurde dadurch gehoben, dass der Kurfürst, 
welcher mit Markgraf Albrecht zusammen die Vormundschaft über Markgraf 
Christian Ernst geführt hatte, für den letzteren, welcher gerade damals 
die Volljährigkeit erlangte >), von dem Kaiser einen Indult erwirkte, dass er 
erst später sowohl die Belehnung mit seinen eigenen Landen als auch die 



>) d. Oieve 6. Jooi 1661. 

>) Christian Ernst (geb. 27. Jali 1644) hatte am 27. Jali 1661 das 18. Jahr 
erreicht. Er hatte die letzten Jahre auf Reisen im Auslände zagebracht, jetzt 
auf der Rückkehr erschien er bei dem Eurfürsteo in Cleve, dieser resignierte 
dort (25. September 1661) anf die Vormundschaft und überliess ihm die Regie- 
rong, welche er dann, nachdem er am 29. Oetober in Baireuth eingezogen war, 
wirklich übernommen hat. S. Rensohel, Des Dnrchlenchtigsten Chnr- und 
Fürstlichen Hauses Brandenburg Stammbaum (Bayreuth 1666) S. 115. 

7* 



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1(X) 3. Die BelehDung dei Kurfürsten n. s. w. 

Mitbelehnnng mit denen des Rnrfürsten empfangen dürfe *), worauf an dem 
Belehnungsakte nur die Anspachische Gesandtschaft Tfaeii genommen hat. 
Den Schwedischen Forderungen gegenüber hatte der Kurfürst von vorne 
herein seine Gesandten angewiesen, sich durchaus passiv zu verhalten, d. b. 
es dem Schwedischen Gesandten zu überlassen, ob er die Erfüllung der- 
selben beim Kaiser durchsetzen könne oder nicht An diesem Verfahren 
hat er dieselben conseqnent festhalten lassen, und seine Voraussetzung, 
dass man kaiserlicherseits in dieser Angelegenheit in seinem Interesse han- 
deln werde, hat sich durchaus erfüllt. Der Kaiser, welcher nach dem 
Olivaer Frieden Schweden in nicht minder gespanntem und feindseligeoi 
Verhältnis gegenüberstand als der Kurfürst, hat unter Berufnng darauf, 
dass die in dem Stettiner Recesse vorbehaltene Einhoiuug der kaiserlichen 
Ratification bisher nicht erfolgt sei und dass in demselben Schweden Rechte 
zugesprochen seien, welche zu bestätigen er durch die goldene Bulle und 
seine Wahlcapitulation verhindert sei, die Berücksichtigung jener schwe- 
dischen Forderungen verweigert, und wenngleich es Kleihe gelang, die 
Verhandlungen längere Zeit aufzuhalten, so hat er doch nicht verhindern 
können, dass diese endlich den Wünschen des Kurfürsten gemäss ihren 
Abschluss fanden, dass die Belehnung desselben mit den Kurlanden ohne 
seine Zuziehung erfolgte, worauf er sich auch von derjenigen mit Hinter- 
pommern fern gehalten und sich begnügt hat, die Ausstellung eines 
kaiserlichen Decretes zu erwirken, in welchem erklärt warde, dass das bei 
der Belehnung des Kurfürsten Vorgegangene den aus dem Westfälischen 
Frieden herstammenden Rechten Schwedens nicht präjudicieren solle. Jenen 
von kaiserlicher Seite aufgestellten Forderungen entgegen hatte der Kur- 
fürst seinen Gesandten aufgetragen, dahin zu wirken, dass für die Aequi- 
valentlande keine besonderen Lehnsbriefe ausgestellt, sondern dass dieselben, 
ebenso wie früher Pommern, mit in den Hauptlehnsbrief aufgenommen würden, 
die Verpflichtung zur Bezahluog besonderer Gebühren hatte er vollständig 
abgelehnt. In dem ersten Punkte hat er sich nachher den Wünschen des 
Kaisers insofern gefügt, als er, damit den nach dem Westfälischen Frieden 
Schweden zustehenden Rechten Genüge gethan werden könne, zuliess, dass 
zwei Belehnungsakte, der eine für die K u r 1 a n d e und die A e q u i v al e n t e, der 
andere für Hinterpommern und C a m m i n, vorgenommen, und dass bei dem 
letzteren Schweden die Zulassung zur Empfangnahme der gesamten Hand 
gestattet wurde. In dem zweiten Punkte, in Betrefif der von kaiserlicher 
Seite geforderten Gebühren, hat er in der Hauptsache seinen Willen durch- 
gesetzt. Nur für Hinterpommern erklärte er sich bereit, die Regalien 
zu entrichten, und als die Reichskanzlei und der Reichshofrath damit nicht 
zufrieden waren und durch immer weitere Verzögerung der Belehnung ihre 
Forderungen durchzusetzen suchten, drohte v. Loben, dass er abreisen 
und die ganzen Verhandlungen abbrechen würde. Schliesslich liessen sich 



Dieselbe hat erst am 1. August 1663 stattgefunden (Diarium Europ. 
X S. 498). 



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Einleitung. 101 

die Reichskanzlei, die Hofämter nnd die niederen kaiserliehen Beamten mit 
der Zahlung ziemlich unbedeutender Summen (im ganzen c. 1300 Tbaler) 
zofriedenstellen, während der Reichshofrath , welcher den Betrag des von 
ihm beanspruchten Laudemium der Generosität des Kurfürsten anheimge- 
stellt hatte, ganz leer ausging. 

Zu Anfang des nächsten Jahres 1662 erschien^) in Wien jene früher 
angekündigte grosse schwedische Gesandtschaft, um dort die Be- 
lehnnng ihres Königs mit den Reichslanden und bei dieser Gelegenheit zu- 
gleich die Bestätigung des Stettiner Recesses durch den Kaiser sowie die 
Erfüllung anderer Forderungen, welche schon 1655 durch Kleihe gestellt 
worden waren, zu erwirken. Gleichzeitig schickte die schwedische Regent- 
schaft an den Kurfürsten den Yicekanzler von Vorpommern v. Sternbacb, 
am bei demselben über die Haltung, welche y. Loben Eleihe gegenüber 
eingenommen hatte, Beschwerde zu führen und auf Grund des Steltiner 
Recesses von dem Kurfürsten zu verlangen, dass derselbe jene Forderun- 
gen Schwedens in Wien unterstutzen und dort selbst die Bestätigung des 
Stettiner Recesses nachsuchen solle. Die am Schluss dieses Abschnittes 
abgedruckten Akten zeigen, wie der Kurfürst sich diesem Ansinnen gegen- 
über verhalten, wie er gerade daraus, dass die Erfüllung desselben als 
vertragsmässige Pflicht von ihm gefordert wurde, Gelegenheit genommen 
hat, dasselbe auf das entschiedenste abzulehnen, und wie er auch in Wien 
seinen Residenten Neu mann dieselbe passive Rolle wie früher hat weiter- 
spielen lassen. 

An dieser ablehnenden und feindlichen Haltung Schweden gegenüber 
bat der Kurfürst auch noch weiter, bis in das Jahr 1663 hinein, festgehalten. 
Sie zeigt sich in der Instruktion des Kurfürsten vom 2. August 1662 ') für 
seine Gesandten zum Reichstage in Regensburg, auf welchen der Kai- 
ser, nachdem die Verhandlungen mit jener schwedischen Gesandtschaft 
sich fruchtlos zerschlagen hatten, die ganze schwedische Belehnungssache 
rerwiesen hatte, ebenso auch in der seinem nach Schweden geschickten 
Gesandten v. Krockow mitgegebenen Instruktion vom 31. October 1662 3) 
nnd in den zu Anfang des nächsten Jahres im Geheimen Rathe des Kur- 
fürsten gehaltenen Berathungen*). Dieselbe ändert sich erst, nachdem der 
Korfürst in diesem Jahre eine wirkliche Aussöhnung und eine engere Ver- 
bindung mit Schweden als nothwendig erkannt hat. Schon in einem Re- 



*) S. Heyne, Der schwedische iDvestitarstreit S. 17. 

*) S. unten Abschnitt 4. 

') ürk, u. Akt. IX S. 743. 

*) Nach dem GeheimenrathsprotokoUe vom 9. Januar 1663 befiehlt Kf. in- 
folge der Nachrichten v. Krockows von der Armatur der Schweden seinen Ge- 
heimen Bäthen, dass ein jeder" von ihnen sein schriftliches Bedenken aufsetzen 
solle, «was sie vermeioten, dass, wenn solche Zeitung continuieren sollte, Ef. 
zu thun, was für Aktionen zu machen, wie er sich zu verhalten, woher die Mittel 
zu Debmen.* 



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102 3* I)id BelehouDg des Karffirsten n. 8. w. 

Bcript ao 7. Krockow vom 1. JqdI 1663^) erklärt er sich bereit, als wei- 
teren Beweis seiner Freundschaft die begehrte Bestätigung des Stettiner 
Vertrages und die Belehnung Schwedens mit Pommern beim Kaiser und 
Reichstage zu recomroandieren '), und da man damals auch am kaiserlichen 
Hofe, in dem Wunsche, 7on Schweden Hülfe für den Türkenkrieg zu er- 
langen, geneigter war den Forderungen desselben zu willfahren, so nahmen 
die seit dem März 1664 in Regensburg wiederaufgenommenen Yerhand- 
langen') einen günstigen Verlauf uud endeten damit, dass am 5. Mai der 
schwedische Gesandte dort die Belehnung empfing und in dem von dem 
Kaiser ausgestellten Lehnsbriefe der gesamte Stettiner Recess und noch 
besonders die in demselben Schweden zuerkannten Anwartschaften bestätigt 
wurden, worauf der Kurfürst am 19. October 1664 im Beisein schwedischer 
Kommissare die Erbhuldigung in Hinterpommern entgegengenommen hat. 



h Urk. u. Akt. IX 8.755. 

') S. das Rescript an die Reichstagsgesandten v. 9./19. December 1663 unten 
Abschnitt 4. 

») S. Heyne S. 21f. 



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Instruction*), wornach sich Unsere . . . Johan Friederich 
Freiherr v. Loben ^) . • . und Andreas Neamann^) bei Em- 
pfahung der Reichs Lehn zu achten. D. Cleve 4. Mai 1661*). 

[Waram die Belehoung erst jetzt aachgesucht wird; auf das Beispiel K.Sach8eD8 

uDd K.Baierns zu achten; die far Pommern gewonnenen Aeqaivalente; die 

Belohnungen zu gesaroter Hand, von welchen die über Gleve, Jülich, Berg zu 

sondern sind; Abfindung der Reichs -Kanzlei.] 

AU nach Absterben der R. Keys. M., weylandt Ferdinand III. IftW- 
— und darauf erfolgter ordentlicher Wahl der jetzigen R. Keys. M. 4 Mai. 
Wir uns so balde erinnert, wohin Uns Unsere Pflicht und Schuldig- 
keit derer von dem H. Rom. Reiche zu Lehn tragenden — Lande wie 
auch aller anderen Anwartunge, Privilegien, Gnaden und Gerechtig- 
tigkeiten halber anwiese, und dass Wir dieselbe zu rechter Zeit zu 
suchen hätten, so seind Wir zwar derselben mit der gewöhnlichen 
Mutbung gehöriger Maassen und zu rechter Zeit nachkommen. Dem- 
nach aber beides die R. Keys. M. ausser dem Reich in Ungarn eine 
Zeit lang sich aufgebalten, dan auch Uns Krieges - Expeditiones 
zugestossen, wodurch Wir und daher verursachter Abwesenheit von 
Unsern Landen die Lehn wttrcklich empfangen zu lassen bishero ab- 



Die ivlohtigsten Akten für diese Belehnungssache finden sich im K. Haus- 
archiv SU Berlin. Pufendorf hat dieselben benutzt und giebt auf Grund der- 
selben (IX §29—31 8. Ö67flf.) eine kurze Darstellung dieser Ereignisse. 

*) y. Loben hatte schon bei der ersten Belehnung des Kurfürsten 1642, eu- 
sammen mit dem damaligen Residenten desselben in Wien, Rebeneck, als 
Bevollmächtigter fungiert, s. ürk. u. Akt. I S. 790. 

*) Andreas Nenmann, seit 1646 Resident des Kurfürsten in Wien, s. 
ürk. u. Akt. IV S.890. 

*) Das Goncept dieser Instruction, von Friedrich v. Jena geschrieben, 
trägt ursprünglich das Datum vom 9./19. Juli 1660, es wurde am 31. Juli im Ge- 
heimen Ratbe verlesen, nachher aber auf den 4. Mai 1661 umdatiert, s. oben S. 96. 



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104 3. Die BelehDUDg des Eurrürsten a. 8. w. 

gehalten, deshalb auch von I. Keys. M. auf geschehenes geziemendes 
Anhalten verschiedene gnädigste Indulta ertheilet und numehro end- 
lich zur Abstattung der Würcklichkeit und solennen Lehns-Empfahung 
der Monat Junius dieses Jahres dazu berabmet — so haben Wir 
Uns resolviret das Werk nicht länger anstehen zu lassen, besondern 
zumal Wir in Unserer Residenz wieder angelanget, der verlangete 
Friede durch Gottes Gnade erfolget und dahero die vorgewesene Ver- 
hinderungen guten Theils bei Uns aufhören, dasselbe — zu seiner 
Endschaft und Richtigkeit zu befördern, weswegen ihr, der Freih. 
V. Loben, euch dan zu rechter Zeit von hinnen aufmachen sollet, 
damit ihr euch mit Unserm Rath und Residenten Andreas Neu- 
mannen zuvorhero — die Sache mit einander zu überlegen Zeit und 
Gelegenheit haben möget. 

Ges. haben darauf zu sehen, dass die Solennien wie sie vor Alters 
im karfürstlichen Hause gebräuchlich waren, beobachtet und der Lehns- 
eid in der alten Form geleistet, sie selbst ganz wie die von K. Baiern 
und K. Sachsen recipiert und traktiert werden, zumal Neu manu vor 
diesem berichtet hatte, dass die K.Mainzischeu gegen jene zurückge- 
setzt worden seien. Doch werden sie sich so zu betragen wissen, dass 
keine unnütze Skrupel erweckt, oder ohne Grund die Hauptsache aufge- 
hoben werde. Bei der Audienz haben sie die Proposition so wie sie 1638 
and 1642 abgelegt, jedoch mit Berücksicbtigang der seither im Besitzstand 
eingetretenen Veränderungen abzulegen, so dass in specie des Hcrzogthums 
Magdeburg, wie auch der Fürstenthümer Halberstadt, Minden und 
Camin, auch der Snchung der gesamten Hand an das Herzogtham 
Mecklenburg, das Fürstenthum Ratzeburg und sonst überall der ge- 
samten Hand für unsere Vettern, die Markgrafen zu Nürnberg mitgedacht 
werde, ausser was die Herzogthümer Jülich, Cleve und Berg nebst den 
dazu gehörigen Landen betrifft, an welchen den Markgrafen weder die ge- 
samte Hand noch sonst ein ander Recht zusteht. Ges. erhalten zwei Haupt- 
Vollmachten, eine zu Empfahung der ordentlichen männlichen Reichslehen, 
darunter auch die Aeqnivalentlande inbegriffen, und eine für die Cleve- 
Jülich-Bergischen Lande, and sie haben diese Lehnssacbe, absonder- 
lich die Angelegenheit der Aequivalente, bei den anwesenden Ministris 
aufs beste zu recommandieren und dabei sich der beifolgenden Creditive ^) 
zu bedienen. 



Sie erhalten solche ausser an den Kaiser, die verwittwete Kaiserin aod 
den Erzherzog Leopold Wilhelm an Wenzel Franz Easebias Herzog 
von Sagan und Forst von Lobkowitz, an Johann Weichardt Fürst von 
Anersperg, an Johann Ferdinand Fürst von Portia, an Dod Annibal 
Gonzaga, an den Hofmarschall Graf Stahremberg, den Geheimenrath Graf 
V. Traun und den Oberkämmerer des Erzherzogs Leopold Wilhelm, den Grafen 



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iDStraktion der Gesandien. 105 

Und ob wir wohl — dafür halten müssen, dass die Belehnung 
ttber die Jülich-Gleve-Bergischen und zugehörigen Lande so wenig 
vor jetzo als vor diesem erfolgen möchte, so ist jedennoch — die 
Belehnung — mit ganzem Fleiss zu suchen — (damit) uns die ge- 
ringste Schuld der bis anhero unentschieden gebliebenen Sachen nicht 
beizumessen, auf den äussersten Fall aber unser Recht — zu ver- 
wahren. Und nachdem wir — jetzo auch zugleich mit denen 

in dem Instrumento Pacis erhaltenen Aequivalent - Landen , als 
Magdeburg, Halberstadt, Minden und Gamin belehnet werden 
müssen und dahero die Kotturft erfordert, dass die Lehnbriefe dar- 
über als die ersten, und weil die Lande geistliche Güter gewesen, 
wohl und ohne einigen Scrupel oder Praejuditz, absonderlich der- 
gestalt eingerichtet werden mögen wie unser Haupt- Lehnbrief über 
unsere Chur-, Herzogthümer und andere Fürsten thümer, und dass dem 
Papst oder andern Päpstlern zu gefallen keine vorträgliche oder son- 
sten einige andere Glausula reservativa hieringerückt werde — , so 
sehen wir nicht, wie wir dergleichen Glausul gar oder doch auf 
den äussersten Fall anderer Gestalt zulassen können, als dergestalt: 
„doch uns und dem h. Reich an unser Obrigkeit und sonst männig- 
lich an seinen Rechten und Gerechtigkeiten, so weit sie dem Instr. 
Pacis gemäss und demselben auf keinerlei Weise oder Wege zuwider 
und entgegen, unvorgreiflich und unschädlich." Dieweil auch — 
diese Aequivalent- Lande gegen das abgetretene Pommern uns zu- 
kommen, wir aber wegen Pommern keine absonderliche Lehnbriefe 
empfangen, sondern dieses Herzogthum mit in unsern Hauptlehnbrief 
gesetzt ist^ — so haben •— (Ges.) dahin es zu vermitteln, da- 
mit auch alle diese Aequivalent - Lande zugleich mit in unsern 
Hauptlehnbrief gebracht und keine Sonderung gemacht werde. — 
Sie haben aber nichts destoweniger dasjenige, was vorhin der Glausul 
halber erinnert, in Acht zu nehmen, und dass bei denen Aequivalent- 
Landen unter andern gewöhnlichen Rechten aller schiffreichen und 
anderen Strömen und Wasser gedacht und sonsten alle Hoheit und 
Recht, sowohl ob als unter der Erden beobachtet, und bei Halber- 
stadt Acht gegeben werde, hiermit Uns weder der Probstei halber 
noch auch sonsten einiges Präjuditz zugezogen, sondern alles ohne 

voo Schwarzenberg (sämtlich datiert Cleve 4. Mai 1661), aasserdem Doch an 
Ö6D Erzherzog Carl Joseph und an zahlreiche andere Hof- and Staatsbeamte, 
welche letzteren sie aber nicht abgegeben, sondern wieder zarückgebracht haben 
B. noten die Hanptrelation vom 6./ 16. October. 



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106 3. Die BelehDUDg des Kurfärsten q. s. w. 

Nachteil — ausgefertigt werde. Und was ietzo wegen der Probstei 
im FOrstentum Halberstadt erinnert, das ist auch bei Minden in 
Acht zu haben, weil uns Minden mit eben den Juribus in allen 
Stücken ttbergeben, mit welchen uns Halberstadt im Instr. Paeis 
zugeeignet. 

Weil wir auch — in dem Hauptlehnbriefe zugleich zu gesam- 
ter Hand das Angefälle des Herzogthums zu Mecklenburg'), des 
Fttrstenthums zu Wenden, der Grafschaft Schwerin mitsamt denen 
Landen Stargardt und Rostock mit ihren Herrschaften etc. wirk- 
lich empfangen und damit zugleich belehnt werden, nunmehro aber 
vermöge des Friedensschlusses ') das beste Kleinod des Landes als 
Stadt und Haven Wiszmar, Land und Amt Pohl, Insel Walfisch 
und Amt Neuen Kloster mit allen Pertinentien zu Erlangung des 
Friedens her- und denen Schweden hingegeben und dagegen anstatt 
eines Aequivalents das Ftlrstenthum Ratzeburg mit aller Zubehör 
von dem h. Rom. Reiche abgetreten, die Herzoge von Meckelnburg 
damit belehnet und dergestalt jetztgedachtes Ftlrstenthum anstatt des 
Abganges dem Herzogthum Mecklenburg wiederzugelegt worden, 
80 haben Ges. darauf zu achten, dass der Hanptlehnbrief in Betreff die- 
ses Punktes io eotsprechender Weise geändert werde. 

Zn dem Akt der loyestifar sind auch Bevollmächtigte der Herren Vet- 
tern, Markgrafen zu Brandenborg für die gesamte Hand zuzulassen*), so 



^) Darch den swischeo Karfarst Friedrich IL voo Brandenbnrg nnd den 
Hersögen Johann V. und Heinrich IV. von Schwerin nnd Heinrich von 
Stargard am 12. April 1442 abgeschloeseoen Wittstocker Vertrag war dem Eur- 
fürsten nnd dessen Nachkommen für den Fall des Erlöschens des gesamten 
Mecklenburgischen Mannsstammes die Succession in den Mecklenburgischen 
Landen zugesichert worden. Dieser Vertrag war noch in demselben Jahre 1442 
von Kaiser Friedrich III bestätigt worden, nnd seitdem wurde bei jeder Kaiser- 
lichen BelehnuDg für Kurbrandenburg dieselbe auch auf das AngeflLlle der Mecklen- 
burgischen Laude erstreckt, s. Sc hülse, Die Hausgesetse der regierenden deut- 
schen Fürstenhäuser II S. 19L 

') S. Instr. pacis Osnabr. X, § 6. XII, § 1. 

^ Auf Grund der Dispositio Achillea und des diese bestätigenden Ge- 
raer Hausvertrages von 1598 sowie des diesen wiederum bestätigenden Onoltz- 
bacher Vertrages von 1603 stand den in Anspach und Baireuth cur Regie- 
rung gekommenen jüngeren Linien des HohensoUerschen Kurhauses die An- 
wartschaft auf die Kurfürstlichen Lande und die Milbelehnnng mit denselben su. 
In Anspach (Onoltzbach) regierte damals (1654 — 1667) Markgraf Albreoht, 
in Baireuth (Culmbach) war nach dem Tode des Markgrafen Christian 1655 
dessen früh verwaister unmündiger Eukel Christian Ernst zur Regierung ge- 
kommen, für welchen bis su seiner Volljährigkeit (1661) Kurfürst Friedrich 



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iDStruktion der GesandteQ. 107 

wie andererseits für die Sparoeckiscben nnd Hallersteinischen Reichs« 
leben, welche die Herren Vettern in Franken inne haben nnd besitzen, die 
gesamte Hand für den Ef. zn snchen ist. Anch sollen die Ges. den 
Markgrafen Albrecht in der E>itzingi sehen 8ache^) gegen Würzbarg 
unterstützen nnd bei dem Kaiser eine dem Vorschlage des Markgrafen ent- 
sprechende Resolution aaswirken. 

In Betreff der Kanzlei -Gebühren ist anstreitig, dass ein Karfürst 
für Urkunden, die seine Eurlande angehen, nichts zn zahlen schuldig ist; 
die Aeqaivalente hat die letzte Wahl • Kapitulation ') ausdrücklich für tax- 
frei erklärt. Für Pommern hat schon des Kf. Vater 1638 7000 Thaler, 
und überdies für die Hofämter jener so wie der jetzige Ef. 1642 ein Dop- 
peltes gezahlt, und da ihm überdies nnr ein Theil von Pommern zugefallen 
ist, so ist er am so weniger verbunden, noch einmal für die Aequivalent- 
lande za zahlen. Alle diese Forderungen haben Ges. deshalb abzuweisen. 
Für Camin, obgleich dasselbe in dem Friedensschluss nicht ausdrück- 
lich zu einem weltlichen Fürstenthum erhoben ist, fordert Kf. doch, da 
laut des Friedensschlusses') selbst die Eanonikate nach dem Tode ihrer 
jetzigen Inhaber erlöschen sollen, dieselbe Belehnnng wie für die übrigen 
Aequivalente. 



Die Geheimen Räthe in Berlin (v. Loben, v. Somnitz, v. Blu- 
menthal und Tornow) an den Kurfürsten. D. Colin a. d. Sp. 
4/ [14] Juni 1661. 

[Eventnelle Forderangen der Schweden.] 

Sie fragen mit Bezug anf y. Loben s Absendung nnter anderm an: U.Juni. 
Die Schweden werden, wie in Oliva so anch jetzt, es dahin zu bringen 
suchen, dass die mit ihnen zu Stettin 1650 (sicl) aufgerichteten Grenz-Pacta, 
wie es mit den pommerscben Erbverträgen bei den jedesmaligen Beleh- 
nangen der Pommerschen Herzoge gebräuchlich gewesen, vom Eaiser 
absonderlich confirmiert oder wenigstens die darin specificierten nnd dem 

Wilhelm und Markgraf Alb recht die Yormundscbaft führten, 8. Benschel, 
Des Darchleuchtigeten Char- und Farstlicben Haases Brandenburg Stammbaom 
S.lllflf. 

S. Instr. pacis Osnabr. IV § 23 nnd die genauere Darstellung dieses 
Streites bei Ren sehe 1 S. 127. 

*) Wahlcapitulation Kaiser Leopolds I. d. Frankfurt 18. Joli 1658 § 17 
(Londorp YIII S. 354): «auch sollen diejenige Chur-, Fürsten und Stande, 
welche vermog des Friedensschluss Länder haben abtreten und davor andere 
aonehmen müssen, zu keiner neuen Cantzley- oder Lehngebühr vor die über- 
kommene flertzog* und Fürstenthumen und Landen vor das Mahl angehalten 
werden, oder darzn einigerley Weiss verbunden sein.* 

*) Instr. pacis Osnabr. XI § 5. 



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108 3. Die Belehoang des Kurfärsten a. s. w. 

Ef. abgegrenzten Orte dem Lehnbrief inseriert werden. Nun ist zwar ein 
Unterschied zwischen Erbverträgen nnd Grenz-Pacten, sie finden anch nicht, 
dass in den letzteren wegen der kaiserlichen Confirmation etwas enthalten. 
Demnach bittet v. Loben um Instraktion für den Fall^ dass sie hiernnter 
einigen Beifall erlangen sollten. 

Des Ef. Vorfahren haben bei den Pommerschen Belehnnngen noch 
1626 daranf gedrangen, dass wegen der Anwartschaft anf solche Länder 
ihre Abgesandten zur Mitberührnng des Evangelienbaches and Schwerdtes 
verstattet werden möchten, sie haben aber solches nicht erhalten, son- 
dern sich mit Anrührung des Mantels der Pommerschen Gesandten bc- 
gnijgen müssen. Nun finden sich in den Stettiner Greoz-Pacten die Worte: 
per contactnm vexilli nnd werden sich die Schweden daranf beziehen, 
dagegen wird Loben die Worte: solitas solennitates und solito more 
halten nnd sich von dem alten Gebrauch nicht begeben, bis ihm deshalb 
Befehl des Enrfürsten zukomme. 



Der Kurfürst an die Geheimen Räthe in Berlin. D. Cleve 

21. Juni 1661. 

[Auf die Relation vom 4/14. Juni. Die Frage wegen GoDfirmation der Grenz- 
pacten und der Cerimonieo bei der Belehoung mit Pommern ist dem Eaiser 

anheimzustellen.] 

21. Juni. — In Betreff der Confirmation der Stettiner Grenz-Traktate 

durch den Kaiser haben sich die Gesandten auf den Fall» wenn es vor« 
kommen sollte^ defectu mandati und dass sie darüber nicht instruiert zu 
entschuldigen, und dass sie daher weder dagegen zu reden noch auch 
darinnen zu willigen hätten, sondern sie müssten es zu Ihro Kaiserl. Maj. 
Gefallen stellen, was Sie hiernnter für Recht und sonst dem Instrumeuto 
Pacis gemäss befinden würden. Es würden doch ohne das alle Confirma- 
tiones salvo jure tertii und also auch dieses dergestalt eingerichtet werden 
müssen. Was aber die Solemnia Investiturae wegen Hinterpommern 
anlangt, scheu wir nicht, wie man von Schwedischer Seite, da sie nur die 
gesamte Hand an Hinterpommern haben, dieselbe aber dem Reichs- 
herkommen nach anders nicht denn durch Angreifung des Mantels ge- 
schieht, ein mehres werde praetendieren können, wiewohl auch endlich 



Der betreffende Passus des Stettiner Grenzvertrages von 1653 (§27) 
lautet: lode obteoto ab Imperatore termino investiturae renovandae is similiter 
quatoor ante mensibus S. Regiao Maiestati Sneciae ad modam supradictam a 
Saa Sereoitate Electorali sigoificandas est, quo S. Regia Maiestas euos ad so- 
litas circa recipieodam simaltaneam investituram per contactnm vexilli aoleoDi- 
tates peragendas matare satia ad aalam Caesaream ablegare simultaneamque 
iovestituram saper ducatu nlterioris Pomeraniae episcopatnque Camminenst so- 
lito more recipere possit (Dähnert, I 8.140). 



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Schwedische Forderangen. 109 

dergleichen Solemnia nicht so eigentlich uns sondern den Stylnm Curiae 
angehen, nnd so wird solches gleichfalls zu Ihr. Kais. M. Verordnung 
stehen. Ges. haben sich aber darüber mit den Schwedischen in keinen 
Dispntat noch auch über die Grenz - Traktaten und die darin enthal- 
tenen Worte in Streit einzulassen, damit es nicht das Ansehen gewinne, 
als wenn sie diesen Traktat dadurch auch approbierten. — ▼. Loben wird 
darüber mit den Kais. Ministris in Zeit conferieren und vorbauen, dass 
keine Neuerung uns zum Präjudiz zugelassen werde. 



Lorenz Christoph v. Somnitz an den Kurfürsten. D. Colin 
a. d. Sp. 25. Juni/ [5. Juli] 1661. 

[ZnaammeDkanft mit dem Vorpommerscben Kanzler v. Sterobach.] 

Er ist am 20. [30.] mit dem Schwedischen Kanzler zu Stettin^) in Zeh- 5. Jali. 
denick^ zusammen gewesen. Derselbe bat angebracht: 1) Ef. hätte zu Graf 
DohDa')| der neben seinen eigenen Geschäften auch beauftragt gewesen 
sei, den Kf. der Freundschaft seines Königs zu versichern, gesagt, jener 
contestiere zwar seines Königs Freundschaft, er würde aber eben berichtet, 
dass die Schickung aus Schweden nach Warschau*) zu seinem Nachtheil 
angesehen, 2) der Franzose de Bourdeaux^) habe gegen Kf. im Namen 
des Schwedischen Königs Sachen ausgebracht, die das gute Vertrauen 
zwischen diesem und Kf. stören möchten, 3) Sehnolsky habe aus Frank- 
furt berichtet, dass der Kaiser den Deputierten einiger Reichsfürsten ein Me- 
morial wegen der bedrohlichen schwedischen Kriegsrüstungen*) habe zu- 
gehen lassen. Sein König habe ihn beauftragt, die Nichtigkeit dessen, so 
Misstrauen verursachen könnte, zu weisen, und des Königs friedliche In- 
tention gegen Kf. zu bezeugen. Wegen der Schickung in Polen, so sei 
Graf Skitte^) aufgetragen, einige Sachen, die Polen und Schweden an- 

') Der Schwedische Kanzler in Vorpommern Heinrich Coelestinv. Stern- 
bach hatte (d. Stettin 2./12. Juni 1661) v. Somnitz aufgefordert, mit ihm zu 
einer geheimen BesprechuDg zuBammeüzukommen, v. Somnitz hatte (d. Berlin 
5./ 15. Juni) dem Kf. davon Mittbeiiang gemacht uod demselbeo angezeigt, dass 
er gesoDoen sei, dieser Aufforderung Folge zu leisten, er wolle anhören, was 
jener vorbringen werde, und sich ihm gegenüber sehr vorsichtig halten. Rf. ge- 
nehmigt dann diese Zusammenkunft (d. Cleve 20. Juni 1661). 

^ Zehdenick an der Havel, Regierungsbezirk Potsdam, Kreis Templin. 

*) S. über dessen Aufenthalt am Hofe des Kurfürsten zu Cleve (März — 
April 1661) ürk. u. Akt. IX S. 733. 

*) Gemeint ist die Sendung Steno Bjelkes, der Ende Mai 1661 als schwe- 
discher Gesandter in Warschau angekommen war, s. Urk. u. Akt. IX S. 253. 
Diarium Europ. YlII S. 347. 

*) S. Urk. u. Akt. IX S. 737. 

^ 8. darüber ürk. u. Akt. IX S. 739 u. oben S. 55. 

') Irrig, der Gesandte hiess Bjelke. 



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110 3. Die Belehnaog des Earfdrsten a. s. w. 

giDgeo^ za tracüeren, aber dabei auch Acht kd haben, dass die Frenod- 
Schaft mit Ef. nicht verletzt würde. Boardeaoz betreffend könote 
der König, was derselbe nach seiner Abreise ans Schweden am kurfürst- 
lichen Hofe geredet oder geschrieben, nicht für das seinige erkennen. Die 
Armatur sei nothwendig den Moskowitern gegenüber, mit denen der 
Stillstand nur bis in den Herbst danre 0- Er betheoerte darauf des Königs 
freundschaftliche Gesinnungen und bat Somnitz, Kf. zu ersuchen, da 
sein König mit demselben in engere Correspondenz zu treten wünsche, 
Ef. möchte sich erklären, ob dergleichen fernere Correspondenz ihm ge- 
fällig und ob er jemand dazu deputieren wolle. Somnitz yersieberte da- 
gegen, dass auch Kf. znr Erhaltung des Friedens und der Freundschaft 
geneigt sei; was mit Bonrdeaux passiert, wisse er nicht; dass Graf 
Schlippenbach sofort nach dem zu Olira geschlossenen Frieden sich 
vermerken lassen, dass der Krone Schweden nicht angenehm sein würde^ 
wenn El hing dem Kf. tradiert würde, wäre zu verschiedenen Malen be- 
richtet, auch erweckte bei manchen Nachdenken, dass berichtet werde, der 
Friede zwischen Schweden und Mose au sei geschlossen und dennoch 
Schweden in ziemlicher Armatur, zumal an Orten, die von Moscan weit 
entlegen, bestehen bliebe. Sternbach sagte dagegen, mit dem Frieden 
mit Moscan habe es bisher misslich gestanden, ihre Armatur, zumal in 
Deutschland, könne niemand ärgern. Feldmarschall Königs mark habe 
in Bremen die Verpflegung auf die Hälfte reduciert, in Pommern seien 
2 Regimenter zu Ross, welche, sobald der Friede mit Moscan richtig, cas- 
siert werden würden, ob Reichsadmiral Wrangel herauskommen würde, 
sei sehr nngewiss. Graf Schlippenbach wäre dem Kf. bekannt gewesen, 
auf sein Reden wegen El hing hätte man nicht viel zn sehen. 

Wenn ich meine einfältige Gedanken sagen soll, ist nicht ohne, 
dass es zum Theil auf ein Sondiren, wie man etwa gegen Polen 
und esterreich gesinnt, angesehen gewesen sein mag, sonsten 
aber kommt es mir so für, als wenn die Leute was für hätten und 
E. Churf. D. sich gerne vorher versichern wollten, dann die Sincera- 
tion — war sehr gestudieret — auch that er, als wenn Schweden 
f&rchtete, dass E. Churf. D. wider sie was fürnehmen möchte, gestalt 
er dann einmal unter andern erwähnte, man möchte ja nicht das 
praevenire spielen —^ däuchte mir also wohl, dass sie was fürhaben 
müssen, wohin aber ihre Intention gerichtet sein mag, dess wegen 
konnte man aus seinen Discursen nichts gewisses nehmen. Von dem 
Muscowi tischen Kriege und dessen Conduite auf Entstehung des 

Aehnliche freandfichaftiiche und berohigende Erklärangen erhielten da- 
mals die Gesandten des Kf. v. Hoverbeck nnd v. Dobrczeuski in Waracbaa 
von dem dortigen schwedischen Gesandten Bjelke (s. deren Berichte vom 4. 
u. 7. Juni Urk. u. Akt. IX S. 257. 259) und ebenso der damals von dem Kf. 
nach Stockholm geschickte v. Ledebnr (s. ürk. u. Akt. IX S. 736 ff.). 



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Zasammenkanft y. SomnitK*8 mit v. Steiobach. 111 

Friedens redete er unverholen; wann er von Reichssachen redete, 
wollte er behaupten, dass Schweden im Römischen Reich was fürzu- 
nehmen keine Lust hätte. — Wie ich ihm sagte, dass neulich von 
Wien geschrieben, dass I. Kais. M. alle Werbung eingestellet und 
daher wollte geschlossen werden, dass die Siebenbürgische Sachen 
zum Accommodement kämen, hörete er was hoch auf und fragte, wo 
I. Kais. M. auf solchen Fall ihre Völker lassen würden, die sie schon 
in ziemlicher Anzahl hätten. Von den Polen sprach er also, als wenn 
zwischen ihnen und Schweden noch nicht alles richtig, weil die Grenze 
an der Düne noch nicht gezogen, auch weil er fÜrgab, sambt hätte 
der Bischof von Craco mehr Anhang in Polen als der jetzige Erz- 
bischof, däuchte mir umb so viel mehr, dass er nur umb ausforschen 
willen solche Fragen movirete, er hat aber von mir nichts widerliches 
gegen Polen vernommen. — 



Der Kurfürst an v. Loben. D. Cleve 12. Juli 1661. 

[ZneammeDkanft za ZehdeDick. Mittbeilong davon an Fürst Portia.] 

— Schon vor seiner Abreise nach Wien werde v. L. verstanden haben, 12. Juli, 
dass zwischen dem Schwedischen Kanzler in Stettin und dem Kanzler 
in Hinterpommern mit des Kf. Consens 20. Jnni st. v. [30. Jnni] zu Zeh- 
denick eine Conferenz stattgefunden hat. Der Schwede hat den Wunsch 
seines Königs und der Krone, mit Kf. in Freundschaft zu leben, kund 
gegeben und contestiert, dass sie das, was der Franzose de Bourdeaux 
zur Stömng des guten Vertrauens ausgesagt, für das ihrige nicht agno- 
scierten, vieiraehr wünschten sie mit Kf. in engere Correspondenz zu treten, 
und wollten ihm annehmliche Bedingungen anzeigen lassen, und jener hat 
angefragt, ob Kf. die Conferenz zur Anhörung solcher Vorschläge conti- 
noieren lassen wolle. Kf. hat dies nicht wohl declinieren können und 
Somnitz die Fortsetzung aufgetragen^). Ges. soll dieses dem Fürsten 



>) Kf. weist (d. Cleve 12. und 22. Juli 1661) v. Somnitz an, Sternbach 
mitzatheilen, dass er beauftragt sei, eine neue Zosammeokaoft mit ihm zn halten, 
ermahnt ihn aber, dort nar za vernehmen, in welcher Weise die nähere Cor- 
respondenz zustande gebracht werden sollte, und sich seinerseits nicht auszu- 
lassen. Somnitz berichtet ihm darauf (5. October 1661), er habe Sternbach 
von jenen Befehlen des Kf. Mittheilung gemacht, aus dessen Antworten aber 
sei za ersehen, «wie sie von der vorhin gesuchten Conferenz abstehen, einige 
Particnlarprätensionen als die Waldeckische und Biorenklauische treiben," es 
scheine, als wollte Sternbach an die Hand geben, «dass E. Chf. D. in Schwe- 
den schicken, nnd von Ihrer Seite nunmehro dergleichen Conferenz oder Cor- 
respondenz begehren möchten.* Darauf erwidert Kf. (d. Cleve 11. October 1661), 



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112 3. Die BelehnoDg des Karfürsten n. s. w. 

Portia vertranlich, jedoch ohne Vorzeigoug dieses Schreibens, com- 
monicieren and ihn ersnchen, dass er solches dem Kaiser hioterbringe, 
sonst aber noch geheim halte, bis man vernehme, was bei dieser Conferenz 
vorgehen wird. 



V. Loben an den Kurfürsten. D. Wien 5./ 15. Juli 1661. 

[Ankunft in Wien. Türkeogefahr] 

15. Jali. ▼. L. hat bei seiner gestrigen Ankunft in Wien den Schwedischen 

Gesandten Elej nnd den des Markgrafen Albrecht von Onoltzbach, 
Grafen yon Hardeck vorgefunden. Nenmann hat Nachricht, dass anch 
der Cnlmbacher bald eintreffen werde. Die Türken haben eine nene Armee 
von 40000 M. nach Siebenbürgen geschickt, denen zn widerstehen nnd anf 
alles ein wachsames Auge zu haben, Montecncnli an die Türkische und 
Graf V. Staren berg an die Siebenbürgiscbe Grenze geschickt sind, Sta- 
renberg aber, der nur 6000 M. hat, wird nichts tentieren dürfen. De 
Sonches hält sich hier auf nnd wird wegen der Competenz mit Monte- 
cncnli wohl nicht nach Ungarn, sondern nach seinem Gonvernement zn 
Brunn gehen. Inzwischen giebt der Sultan viele Friedensversichernngen, 
denen man aber nicht traut, sondern in aller dienlichen Gegenverfassnng 
begriffen ist, anch an den Werken Wiens fleissig arbeitet <), so dass um 
die Stadt hernm viele stattliche Gebäude, Klöster und Gärten umgerissen 
werden müssen. PS. Der Kaiser hat sich mit einer Spanischen In- 
fantin versprochen, was noch ganz geheim gehalten wird. 



V. Loben an den Kurfürsten. D. Wien 24. Juli 1661. 

[auf das Rescript vom 12. Juli. Mittheilung an Portia.] 

24. Juli. Fürst Portia dankt für die Mittheilnng, derselbe glaubt, dass die 
Schweden nnd Franzosen sich alle Mühe geben würden, das zwischen 
dem Kaiser nnd Brandenburg bestehende vertraute Bünduis wo nicht zn 
zerbrechen, so doch zu schwächen. Er billigt, dass Ef. die Fortsetzung 
der Verhandlungen gestattet hat, man werde die Pläne jener besser daraas 
kennen lernen. 



er finde nicht oothtg, dass Somnitz über die in des Schwedischen Kanzlers 
Schreiben berührten Punkte sich in Schriftwechselung einlasse, sollte von jeDem 
ferner etwas Schriftliches ao ihn gelangen, so solle er alles bis za des Ef. 
Rückkehr anstehen lassen. 

^) üeber diese damaligen Befestigungsarbeiten in Wien s. Diarium Europ. 
VII 8.377; Vni S. 66. 



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Erste Verhandlaogeo. 113 

Aus dem Diarium v. Löben's und Neumann's über ihre Ver- 
handlungen in Wien vom 5./ 15. bis 20./30. Juli 1661. 

Nach Uebergabe seines Creditivs an den Oberkämmerer Grafen v. Lam- 15. Juli, 
berg am 5./15. Juli erhält v. Loben am Nachmittage des 8./18. Audienz 18. Jnli. 
beim Kaiser, welcher ihm möglichste Beschlennigong der Belehnang za- 
sagt, am 9./ 19. bei der yerwittweten Kaiserin, in deren Namen Graf Ma- 19. Juli, 
radas antwortet, während Erzherzog Leopold durch seinen Oberhofmei- 
ster Grafen t. Schwarzenberg den Empfang wegen Unwohlseins ab- 
lehnt. Schon am 6./ 16. hat N euman n Abschriften der früheren Lehnsbriefe 16. Jali. 
und die üblichen Memorialien dem Reichs- Hofrath übergeben, hat aber 
zugleich vernommen, dass die neue Belehnung nicht in einem Lehnsbriefe 
restringiert, sondern yerschiedene Briefe ausgefertigt werden sollten, damit 
den Erb- und Hofämtern die Regalien nicht entgingen. 

7./17. Juli verhandelt Neumann mit Klei he. Dieser erklärt, seine 17. Jali. 
Negotiaton bezwecke: 1. Negotia regia, 2. Simultan-Investitur für Pommern, 
3. die Schwedische Belehnung mit den Reichslanden. Die Simultan-Investltur 
umfasse auch alle Stettiner Tractaten. Da er über die letzteren noch Infor- 
mation aus Stettin erwarte, so hoffe er, wir würden ihm Zeit lassen, zumal 
da über die Schwedische Belehnnug bei seiner vorigen Anwesenheit zwar 
ein Projekt') entworfen wäre, bei dem es jedoch noch allerlei zu bedenken 
gäbe. Auch sei zur Theilnahme an diesem Schwedischen Actus ein Herr 
Sparr, aus einer der ältesten und vornehmsten Schwedischen Familien, 
bestimmt, der aber auch erst in 5 Wochen hier sein werde. Im übrigen 
wünsche sein König — und das habe er schon vor v. Ledeburs') Ankunft 
las Auge genommen — mit dem Kf. gute Freundschaft und I^achbarschaft 
zu halten. Ueber das seit 14 Tagen herrschende Gerücht, als seien Irrun- 
gen zwischen Dänemark und Schweden ausgebrochen, äusserte K leihe 
sich dahin, Dänemark habe seine Miliz noch nicht ans Holstein abgeführt, 
auch in Holstein Contribution erhoben und suche auch Femern an sich zu 
bringen. Darüber habe Schweden in Copenhagen sich beschwert und er- 
warte Abhülfe. 

Unter Bezeugung, dass auch der Kf. Freundschaft und gute Nach- 
barschaft wünsche, erklärten wir, dass uns aufgegeben sei, unser Geschäft 



K leihe war Bchon Ende 1654 von König Karl X. Qastav nach Wien 
geschickt worden, um die Belehnang mit den durch den Westfälischen Frieden 
tichweden zogefalleDen Reichslanden zu betreiben, hatte aber schliesBlich nach 
fruchtlosen Verhandlaogen 1657 abreisen mässen. S. Heyne, Der schwedische 
Investiturstreit S. 11 ff. 

^ Dasselbe ist abgedruckt in Bericht und Bewandnis (auch lateinisch 
erschienen unter dem Titel: Repraesentatio inter S. Caesaream Maiestatem et S. 
Regiam Maiestatem actorum de negocio investitarae etc. Stralsund 1663} Beil. B, 
danach im Diarium Europ. VIII S. 428 u. Londorp VIII 8.844. 

») S. Urk. u. Akt. IX S. 733ff. 
Mater, x. Gesch. d. G. Knrfursteo. XI. 8 



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114 3. Die BelehnaDg des Karfüraten a. e. w. 

bald zu beendigen, in Betreff des Stettiner Traktates* nns defectn mandaci 
zn entschuldigen, uns aber gefallen zu lassen, was der Kaiser darin für 
Recht erklären werde; übrigens verlange nicht einmal der Stettiner Traktat 
die Inserierung der Licent-CouTention in den Lehns-Akt. 

Vom 13./28. — 16./26. Jnli verfassen und überreichen die Gesandten 
dem Reichshofrath die Anträge (Memonalien) wegen des Ef. eigner Be- 
lehnung und wegen der gesaraten Hand, wobei ihnen der Präcedenzstreit 
des kürzlich mündig gewordenen Markgrafen Christian Ernst von Gul m- 
bach mit seinem Vetter Albrecht von Onolzbach Schwierigkeiten be- 
reitet, da die Gesandtschaft des Culmbachers deswegen erst nach 6 Wochen 
26. Juli, eintreffen will. Am 16./ 26. Juli meldete sich Eleihe an und stellte in 
zweistündigem Discurs 9 Forderungen auf: 1) vertrauliche Besprechung 
wegen der gesamten Hand unter gegenseitiger Mittheilung der Instruktionen, 
2) in den Lehnsbrief des Kf. sollte bei solchen Landen, in denen Schweden 
die Anwartschaft und gesamte Hand zustehe, diese Expectanz mit inseriert 
werden, damit die verbündeten Häuser i) nicht deswegen mit Schweden 
in Streitigkeiten geriethen, 3) Vorlage des Antrages, den Ges. wegen de.s 
Investitur -Akts machen würden, 4) ob man des Königs dabei gedenken 
werde? 5) im Pommerschen Lehnsbrief sei des Schweden zukommenden 
Halbscheids der Liceoten zu erwähnen, 6) Mittheilung, wie man in demsel- 
ben über das Herzogthum Pommern sich äossern wolle, 7) ob wir befeh- 
ligt seien, die Confirmation des Stettiner Recesses zu begehren? 8) Ef. 
solle sich verpflichten, nicht nur in direkten Anschreiben, sondern auch einem 
Dritten gegenüber den Eöoig Majestas statt Regia Dignitas zn nennen; 
in solchem Fall werde Eleihe dem Ef. in der Vollmacht an den RHof- 
rath das Prädicat Serenissimus Celsissimus geben, 9) wie in vorigen Zeiten 
zwischen den Eurfürsten und den Herzogen von Pommern^ so solle es auch 
im Pommerschen Lehnsbrief zwischen dem Ef. und Schweden in Betreff 
der gesamten Hand gehalten werden. 

Wir erwiderten: ad 1) beim bevorstehenden Lehnsnegotium wäre es 
von uns auf alle von Eaiser und Reich dem Ef. zustehenden Lande ab- 
gesehen, in welchen terminis wir präcise verbleiben würden, der kgl. Ges. 
aber werde, was er ratione simultaneae Investiturae dabei zu verrichten, 
auch wohl in Acht zu nehmen wissen. Ef. habe seiner Obliegenheit ge- 
mäss dem Könige zn rechter Zeit Nachricht gegeben und werde auch sonst 

Sachsen and Hessen, denen kraft der Erbverbräderang mit dem Bran- 
denbargischeD Haase die Anwartschaft auf dessen Lande zustand. Nachdem 
durch den Erbvertrag mit den Herzogen von Pommern vom 30. Juli 1571 (s. 
Bericht und Bewandnis (Repraesentatio) Beil. B) Kurfürst Johann Georg 
diesen die Anwartschaft auf die Neumark, das Land Sternberg n. s. w. zuge- 
sprochen hatte, war in der Erneuerung jener Erbverbrfiderung (d. Naumburg 
30. März 1614) dieses Anrecht der Pommerschen Herzoge auf jene Lande aus- 
drücklich anerkannt worden (Bericht und Bewandnis (Repraesentatio) Beil. T). 
Vgl. Schulze, Die Hausgesetze der regierenden deutschen Fürstenhäuser H 
S.38ff. 



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VerhandlangeD mit Eleihe und Schütz. 115 

allem, was den Pactis gemäsF, nichts in den Weg legen, 2) der gesamteD Hand 
Schwedens im Korf. Lehnsbrief zu gedenken, wäre nicht Herkommens. 
Was jener wegen der Erb verbrüderten anführte, gehöre nicht hierher; das 
Instromentum Pacis zeige ihm, was es damit für ßewandnis habe. Der- 
gleichen zu movieren würde ohne das. beim RHofrath nnr za Weiterungen 
Anlass geben nnd ich, ▼. Loben, hätte Befehl, bald möglich mich zo ex- 
pedieren, ad 3) würde nnr in generalibus bestehen nnd Schwedens in spe- 
cie nicht gedenken, ad 4) die Reqnisita der Belehnnng würden im RHof- 
rath examiniert, ad 5), 6) nnd 7) wären wir nicht instruiert, ad 8) der 
Titulatur wegen würden wir alles an den Ef. berichten und dessen Befehle 
erwarten, der Ges. würde am besten thun, diejenige Vollmacht einzuliefern, 
wodurch dem Ef. am wenigsten zu nahe getreten wird, ad 9) was zwischen 
dem Kf. nnd den Pommerschcn Herzogen vorgegangen, sei vigore pacto- 
ram initorum geschehen, jetzt Hesse man es bei demjenigen, was die pu- 
blica und andere pacta mit sich brächten, denen man von Seiten des Kf. 
za inhaerieren begehre. — Eleihe bedauerte, dass wir in einem und an- 
deren uns nicht anders erklärt hätten, lehnte auch unsere Einladung, bei 
ans zn Mittag zu bleiben, mit seinen Geschäften ab, Hess sich aber um 
4 Uhr bei Ne,umann zu Besuche anmelden, was dieser aus Besorgnis, 
dass jener ein anderes zu Disputat bringen würde, ausschlug. 

Eleihe betreibt jetzt die Simultan -Investitur, hat deswegen um eine 
besondere Audienz nachgesucht und trachtet danach, nachdem er unsere 
Auslassungen vernommen, sich beim RHofrath zn insinuieren. Deshalb 
wurde für gut angesehen, dass ich, Neumann zum RHofrath Schütze, 
welchem in Abwesenheit des H. Lindenspührer das von uns eingesandte 
Lehnsbriefs - Project übergeben worden, mich verfügte. Ich bemerkte 
ihm, dass Ef. die vom Eaiser ertbeilte Anwartschaft auf Schwerin und 
Ratzebnrg freudig aufgenommen habe, aber gegen die beabsichtigte 
Sonderung der Aequivalente in einem besondern Lehnsbrief remonstrieren 
müsse, da diese Laude nur ein Surrogat für das, was Ef. amore pacis 
in Pommern aufgegeben hätte, seien, und fragte, in wie weit er sonst 
mit unserm Entwürfe übereinstimme. Schütz antwortete: In Betreff 
Schwerins und Ratzeburgs wären im RHofrath allerhand Bedenken pro 
nnd contra vorgekommen, über welche zu entscheiden man dem Eaiser an- 
heimgegeben habe (N. weiss, dass der Eaiser zu Gunsten des Ef. entschieden 
hat). Auch wie der Lehusbrief einzurichten, beruhe auf des Kaisers Willen. 
Wie man Pommern, magnum tractum Germaniae, in den Eur- Lehns- 
brief habe inserieren können, befremdete viele nicht wenig. Weil aber 
Eaiser und Reich hieran soviel nicht gelegen wäre, so stünde dahin, was 
der Eaiser thun werde. — Auch verspüren wir, dass man das Herzog- 
thnm Magdeburg, weil es im Instr. Pacis nur als eine Expectanz be- 
zeichnet ist, nicht ebenso wie die bereits in Besitz genommenen Aequiva- 
lente in den Lehnsbrief inserieren will , und bitten wir Ef. uns darüber zu 
instruieren. 

PS. 1. D. Wien 20./30. JnH 1661. 

8* 



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\IQ 3. Die BelehDQDg des KurforsteD n. s. w. 

28. Juli. Vorgestern war Kleihc wiederum bei Neuro an n und erhob gegen 

unser Vorgehen allerlei Einwendungen; namentlich forderte er mit Beru- 
fung auf eine Urkunde und gethane Versprechungen, dass er beim Lehos- 
akt mit den übrigen Lehne -Empfängern niederkniee, das Eyangelienbach 
berühre und den Knopf am Schwerdte küsse n. s. w. Ich erinnerte 
K leihe, er möge dem Wesen seinen Lauf lassen und vor der Zeit nicht 
unnöthige Sorge tragen; es würde im RHofrath alles adjustiert werden, 
den Schweden günstigen Urkunden stünden Resolutionen entgegen, nath 
welchen Usus und Observanz in contrarium liefen. Klei he sucht mit Fleiss 
Gelegenheit, das Lehnsnegotium in Conferenzen und dadurch in Weit- 
läuftigkeiten zu ziehen, was wir abzuschneiden uns möglichst bemuhen 
wollen. — 

29. Juli. Gestern haben wir beim Fürsten Fortia Visite abgelegt und ihm die 

Lehns-Sache recommendiert. Porti a contestierte, dass, indem er dem EI. 
zu Willen sei, er auch des Kaisers Nutzen förderte. Kf. werde nicht be- 
reuen, dass er mit dem Kaiser in gutem Vertrauen stünde ; man würde den 
Schweden nicht mehr einräumen, als was ihnen vermöge des Instr. Pac. 
gebühre. Er empfing uns oben an der Stiege und begleitete uns bis an 
die Kutsche, wie auch Tags vorher Fürst Lobkowitz gethan. 

30. Juli. PS. 2. Nach Abfassung obiger Relation meldete sich Herr Johann 

Ludwig Herwig Smoldt gen. Schütz und brachte an 1) der RHof- 
raths-Secret'ir hätte ausser Befehl die kaiserliche Resolution wegen der 
Expektanz auf Schwerin und Ratze bürg herausgegeben, welche man 
deshalb gerne geheim gehalten haben wolle, damit es nicht durch allzufrühe 
Eröffnung zu Contradiction anderer gerathen möchte, zumal Sachsen- 
Lauen bürg bei den Friedens -Traktaten anf diese Lande praetendiert 
und es durchgesetzt habe, dass sein Protest dem Instr. Pac. inseriert 
wurde ^), wogegen vom Kf. nichts eingewendet noch auf die den Schweden 
in Mecklenburg zugewachsenen Länder etwas bedingt sei. Falls nun 
auch S. Lauenburg eine Prätention darauf nicht zustände, *so würden 
doch diese Lande eveniente casu et in defectum domus Mecklenb. Kaiser 
und Reich heimfallen, wo dann der Kaiser dieselben dem Reiche zu in- 
corporieren verbunden wäre. Nun hätte aber der Kaiser in Consideration 
gezogen die grossen und hohen Merita des Kf., indem er durch Hingebung 
der vornehmsten Theile der Pommerschen Lande das ganze Reich obli- 
gieret, und wolle ihm daher desto eher in solcher Anwartschaft condes- 
cendieren. 

2. In Betreff des Lehnsbriefes seien zwar die Aequivalente statt 
Pommerns gegeben und Pommern im Hauptbriefe begriffen; das sei aber 
darum geschehen, weil der Kf. und sein Vater noch nicht in possesslone 
solcher Lande gewesen , um bei obhan denen Kriegslänften ihre jura desto 
mehr zu bestärken ; jetzt sei alles in sicherm Stande, die Aequivalente aber 
absonderliche Herzog- nnd Fürstentbümer, welche auch absonderliche Ses- 



') S. Instr. Pacis Osnabr. XII § 1. 



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VerhandluDgeD mit Kleibe and Schatz. 117 

siones and Vota aaf dorn Reichstage führten. Doch stünde es den Qes. 
frei, solche rationes anzuführen , welche den Kaiser und RHofrath bewegen 
möchten, alles in Einen Lehnsbrief kommen zu lassen. 

3. Die über die Recorapensländer ertheilten Lebnsbriefe würden com 
insertione teztQum Instrument! Pac. expediert werden. Dass der Kaiser 
hiervon nicht abgehen könne, habe diesen Qrund, weil der Stadt Bremen 
auf keine andere Weise pro tuenda libertate et immedietate Imperii könnte 
geholfen werden, daher auch die Schweden sich dem Entwürfe dieses Lehns- 
briefes heftig widersetzten, der Kaiser aber davon nicht ablassen wollte. 
Wollte man nun dem Kf. willfährig sein, so würden die Schweden sofort 
gleiches verlangen und die Stadt Bremen in Gefahr bringen, um deren 
Conservation der Kf. sich so dringend beim Kaiser verwandt habe. Auch 
sei das Project des Lehnsbriefes so eingerichtet, dass es in anteceden- 
tibns quam sequentibns auf ganz Pommern, wie es 1638 und 1642 ver* 
liehen, laute, obzwar dieses in medio etwas restringiert würde, welches die 
Schweden, wenn sie Gommunication des Lehnsbriefes begehren würden 
— es stünde dahin, ob man ihnen dieselbe abschlagen könnte, — nicht 
eingehen oder zugeben würden. Man hätte sich sonst zwar wohl zu ver- 
sichern, dass man ihnen nichts übriges einräumen würde,, es wäre hingegen 
bekannt, wie sie bald, wenn man ihnen irgend wie nahe kommen wollte, von 
contraventiones Pacis zu reden anfingen; man dürfe ihnen dazu keinen 
Anlass geben. 

4. würde sonderlich auch wegen Magdeburgs dem Instrumento Pac. 
nachzugeben sein, in welchem dasselbe als eine Ezpectanz bezeichnet sei, 
and könnte der Kaiser davon nicht abgehen in Erwägung, dass der jetzige 
Administrator dieses Land noch in Possess habe, auch unlängst damit be- 
lehnt sei. Wollte man diese Expectanz dem Hanptlehnsbriefe inseriert 
wissen, so könnte derselben an dem Ort, wo der Expectanz auf das Her- 
zogthum Mecklenburg Meldung geschehe, gedacht werden. Wollte man 
auf Ausfertigung eines Lehnsbriefes allein beharren, so müsste man beim 
Kaiser per memoriale einkommen, damit es demselben per votum könne 
Torgetragen werden, und alsdann könnte über die Einrichtung desselben 
gesprochen werden, uns anheimstellend, ob wir ein anderes Concept dem 
RHofrathe darüber vorlegen wollten. Damit aber dies ganze Kur- und 
Fürstliche Lehns-Negotinm desto füglicher eingerichtet und dem Kaiser auf 
einmal vorgetragen werde, wäre von nöthen, dass auch wegen Culmbachs 
die Requisita prodnciert würden. Zwar habe der Kaiser wegen des ans- 
schreibendeq Fürstenamts sich für Onolzbach resol viert, doch erwarte 
er vom Kf. als caput familiae Anträge, wie beide Fürstenthümer zu ver- 
gleichen seien. 

Hierauf wurde von uns in kurzem so geantwortet: ad 1) man werde 
die kaiserl. Resolution nicht ausbreiten, ad 2) Aequivalcnte könnten nur 
ex natura surrogatorum judiciert werden, ad 3) hätte es mit dem Kf. eine 
andere Bewandniss als mit anderen, da Kf. im vorigen Lehnsbrief ganz Pom- 
mern erbalten , ad 4) Magdeburg sei nicht Anwartschaft, sondern ein dem 



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11g 3. Die BelehDQDg des Karfarsten a. s. w. 

Kf. bereits gehnldigtes Herzogtbnm, wenn auch Kf. die Nntzniessang 
ad dies Titae dem Administrator nicht streitig maciien wolle. Ein neues 
Projekt darüber abzufassen, erscheine ihnen bedenklich, doch wolle Neo- 
mann sich in seinem Hanse mit dem Secretar darüber besprechen. Anf 
Cnlmbach sei nicht zn warten. 

Schütz, indem er dies dahin gestellt sein liess, gab zu verstehen, 
dass, wenngleich alles in Einen Lebnsbrief gebracht würde, Kf. doch 
der Entrichtung der Regalien für die Erbämter wegen Magdeburgs, Hal- 
berstadts, Mindens und Camins sich nicht entziehen werde, sprach 
es aber nicht ausdiücklich aus, so dass wir es unbeantwortet Hessen. Dar- 
auf kam er auf das Landemium, welches der RHofrath wegen Magde- 
burgs begehrt: Anno 1688 habe des Ef. Vater die Zahlung nur deshalb 
anstehen lassen, weil er noch nicht zum wirklichen Possess in Pommern 
gelangt sei, der RHofrath hoffe daher, Kf. werde das Landemium jetzt ab- 
führen lassen, und stelle dessen Betrag dem Kf. als einem „mOdreichen^ 
Herrn anheim. Wir versprachen in unserer Relation dessen zn gedenken. 
Der RHofrath behauptet, dass alles, was 1638 bezahlt, der Kanzlei 
zugekommen sei und er, der RHofrath, daran gar nicht participiert 
habe. Bei diesen^ ersten Lehns - Negotium nach dem Friedensschlüsse 
thäten sich allerhand Difficultäten vor und noch andere dürften sich bei 
Abfassung des Lehnsbriefes zeigen; wenn man nun den RHofrath, der 
an den Emolnmenten der Kanzlei nicht participiert, nicht bedenke, so 
könnte dieser leicht Hindernisse bereiten, welche Zeit- und deshalb grossen 
Kostenaufwand verursachen möchten. 



Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Wien 3. August 

St. n. 1661. 

[Verhandlangen mit dem Reichshofrath Schütz.] 

3. Aag. RHofrath Schütz hat heute bei v. Loben vorgebracht, dass gestern 

Kleihe den Kaiser schriftlich, den RHofrath mündlich 1) um Abschrift 
aller unserer Eingaben, 2) um Zulassnng zu dem für unsere Belehnung an- 
gesetzten Termine mit Bezug auf die Simultan -Investitur gebeten, auch 
gefordert, dass bei der Belehnung auf Grund des von Kaiser Rudolf (d. 
Regensbnrg 12. Ang. 1594) den Herzogen von Porom ern ertheilten Privi- 
legiums sämtliche Gesandte neben einander anf den Knieen das £vangelien- 
buch berührten und den Knopf des Schwerdtes küssten, dass ferner 3) die 
Stettinischen Pacta den Lehnsbriefen inseriert, auch 4) das sogen. Direc- 
torium Ceremoniarum ihm, Kleihe, ausgeantwortet werde. Weil dies nun 
morgen dem Kaiser referiert werden solle, die Punkte aber wichtig und 
dem Kf. nachtheilig sein könnten, so hätte man gemäss dem zwischen dem 
Kaiser und Kf. herrschenden Vertrauen erst unser Sentiment darüber ver- 
nehmen wollen. V. Loben bat Schütz gedankt und verheissen, dass 



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VerbandlaDgen mit Schutz. 119 

Neu mann sich darüber mit ihm besprechen solle, dabei aber bemerkt: 
ad 1) scheine K leihe nur Gelegenheit za suchen^ durch aufgefundene 
Scrapel die Sache auf die lange Bank za schieben, wie er schon darin 
kand gebe, dass er Aufschub bis dahin verlange, dass der Principal- 
Gesandte Fh. v. Sparr, von dessen Aufbruch es noch still sei, angelangt 
wäre, und die Schwedische Hauptbelehnnng über die in Deutschland gele- 
genen Lande yorhergegangen sei, wogegen sie befehligt seien, sobald nur 
der Cnlmbachische Gesandte gekommen wäre, die äusserste Beschien- 
nignng zu betreiben, ad 2) hielten sie dafür, dass der Kaiser nicht darein 
willigen werde, weil es gegen das Herkommen nnd auch den kurfürstlichen 
Gesandten bei den Belehnungen mit Pommern nicht gestattet worden sei, 
aoch läge darin ein Präjudiz für die Vettern des Kf , indem zu besorgen, die 
Schweden möchten diesen Actus für sich erzwingen und jenen gar einst 
io der Succession vorgreifen wollen. Wir Ges. würden uns der Belehuung 
enthalten, ehe wir dergleichen uachtheilige Dinge gestatten sollten. Gegen 
4 wäre nichts einzuwenden. Dass der Stettinischen Pacta im Lehnsbriefe 
gedacht werde, werde Kf. nicht gestatten. 



Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Wien 6. Augast 

St. n. 1661. 

[Weitere VerhaodloDgeD mit Schütz.] 

Neumann hat gestern mit Schütz das zwischen diesem und v. Lö- 6. Aag. 
beu Verhandelte nochmals besprochen. Es sei zu befürchten, meinte er, 
dass wenn die Schweden die Simultan -Investitur, auf die sie so dringen, 
weg hätten, sie uro die Hauptbelehnnng, woran Kaiser nnd Reich beson- 
deres Interesse haben, sich nicht bekümmern dürften. Zwar könne ihnen 
die Simnl tan- Investitur nicht denegiert werden, wenn sie binnen einem Jahre 
nach eztradiertem Olivischen Frieden gefordert würde. Da aber dieser 
Termin am 4. oder 14. Angnst zu Ende gehe, stünde es beim Kaiser, ob 
er sie ihnen später gestatten wolle. Kf. fürchte aber, dass die Schwe- 
den, nachdem sie dieselbe erlangt hätten, nicht allein den posteris, son- 
dern auch dem Kf. selbst allerhand Einträge in den anfälligen Ländern 
ond deren Administration machen werden. Der nächste Weg, allen zu 
besorgenden moris vorzubeugen, werde sein, wenn die Investitur des Kf. der 
Simultan -Investitur vorhergehe. — Der RHofrath, welcher vorgestern und 
gestern das Lehnsnegotium berieth, hat beschlossen, der Kaiser könne 
nicht zugeben, dass der Schwedische Gesandte dem völligen Actus Investi- 
turae, zumal wenn Kf. mit der Kur belehnt würde, beiwohne, daher müssten 
3 Actus gehalten werden 1) wegen der Kur, 2) wegen Pommern und 
Camin, 3) wegen der anderen Lande; auch die Regalien für die 
Erb- nnd Hofämter würden sich dann leichter bestimmen lassen; die ver- 
schiedenen Actus nach Nenmanns Vorschlage in Einen Lehnsbrief zu 



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120 3. Die Belehnuug des Karfürsten n. s. w. 

bringen, hat man nicht für thaalich gehalten Ges. rathen, Kf. möge 
2 Actus, einen für alle anderen Lande, den anderen für Pommern gestatten, 
dann würden die Begalien nur für Pommern zu zahlen sein. Freilich 
würden die Schweden wegen der im Stettiner Traktate gewonnenen An- 
sprüche auf Märkische Gebiete auch bei der Investitur der Rurlande hin- 
zugezogen werden müssen. Dieser Uebelstand, der auch dem Kaiser nicht 
genehm sei, werde jedoch beseitigt, wenn die Schweden zuerst zum Em- 
pfang der Reichslehen aufgefordert werden; dem würden sie nicht nach- 
kommen, schon weil der Principal -Gesandte nicht zur Stelle ist, Kf. sei 
dann nicht schuldig, auf diese Belehnung zn warten, der Kaiser ebenso 
wenige die Schweden zur Simultan-Investitur zuzulassen',' ehe sie sich dem 
Reiche verpflichtet haben. Kf. wolle bestimmen, ob im Lehnsbriefe das 
Herzogthnm Stettin auszulassen, da man nicht genau wisse, was dazu 
gehört, und ob für den Pupillen*), da v. Stein noch immer nicht ange- 
kommen ist, ein Ind'nlt zu fordern sei, damit durch ihn die Belehnnng des 
Kf. nicht aufgehalten werde. — 



Der Kurfürst an die Gesandten in Wien, D. Cleve 
16. August 1661. 

[auf das PS. vom 20./ 30. Juli. VerhaltaDgsbefehle.] 

16- Aug. In dem Streite zwischen Onolzbach und Baireuth hat Kf. als 
Vormund eine Interims-Verordnung gemacht. Da aber am 27ten die Vor- 
mundschaft endet, so wünscht Kf., dass bei diesem Actn Investitnrae beide 
Theile sich so betragen möchten, damit der Streit zu des Hauses Respect 
und ohne Aergernis zu Ende gebracht werde. Ges. sollen den Kaiser 
zur Ausstellung einer Erklärung zu bestimmen suchen, dass, obgleich Onolz- 
bach diesmal Culmbach vorgehe, solches der Baireuthischen Linie 
zu keinem Praejudiz gereiche, zumal da bei Empfabung der gesamten 
Hand an den Kur- und anderen Landen des Kf. Baireuth ohne das dem 
Hause Onolzbach vorgehe. Ges. sollen auf Einen Lehnsbrief bestehen; 
Kf. ist zufrieden, dass der Belehnnng mit Hinterpommern hinzugefügt wird : 
„wie es im Instr. Pac. enthalten und wegen der Grenzen in Stettin 1653 
verglichen ist.** In Betreff Magdeburgs sollen Ges. eine Abschrift des 
dem Administrator ertheilten Lehnsbriefes begehren und examinieren, ob das 
Instr. Pac. darin angezogen ist. Mecklenburg und Magdeburg dürfen 
nicht zusammen gestellt werden, da Kf. auf Mecklenburg erst nach Ab- 
gang des ganzen Mannsstammes mitzusprechen hat. In Betreff des Laude- 
mium erwartet Kf., was deshalb vom RHofrath praetendiert wird, Ges. sollen 
ihnen ihrerseits keine Hoffnung geben. Bei dem Acte der Investitur kann 
Schweden nicht mehr praetendieren als des Kf. Vettern. Dem Gesuche 
der Schweden nach einer Confirmation des Stettinischen Grenz -Tractats 



^) Markgraf Christian Ernst von Baireuth s. oben S. 99. 



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VerhandluDgen über die schwedischen Forderaagen. 121 

Bolleo sie nicht widersprechen. Sie sollen auf den Empfang der Lehn, 
so weit es die Enr-, die Länder im Reiche nnd in Böhmen betrifft, so- 
fort bestehen, woranf v. Loben sich sogleich znrUckzabegeben hat. Wenn 
man aber wegen Pommerns am kais. Hofe nicht sogleich fertig und einig 
werden kann, so sollNenmann solches ferner allein respicieren, und kann 
der Hanpt-Lehnsbrief so lange ausgestellt bleiben, bis man wegen Pommerns 
in Richtigkeit ist. 



Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Wien 10./20. August 1661. 

[Weitere Yerhandlnogeo mit Wolkenetein nod Schütz wegen der schwedischen 

Forderangen]. 
Der Vicepräsident ?. Wolkenstein und RHofrath Schütz haben20. Aug. 
uns gestern in einer Conferenz im Namen des Kaisers eröffnet: der Kaiser 
wünsche, wie in anderen Dingen, so auch darin dem.Kf. zu willfahren, 
dass die Belebung förderlichst und unico actu geschehe, aber die Postu- 
late der Schweden enthielten mehrere Formalia nnd Materialia, vor deren 
Ausgleichung der Lehnsakt nicht vor sich gehen könne. Formalia: 
Schweden verlange mit den Agnaten ad contrectationem evangelii et gladii 
zugelassen zu werden und begründe das auf eine zwischen Brandenburg 
und Pommern früher geübte Observanz , auf die Observanz des kaiser- 
lichen Lehnshofes und auf den Stettinischen Recess, in welchem dies aus- 
drücklich Schweden zugesagt sei. Nun sei dem Kaiser die Observanz 
zwischen Pommern und Brandenburg nicht bekannt, am Kaiserhofe fände 
sich aber bei der Kanzlei das Contrarium, es habe nämlich 1626 Kurfürst 
Georg Wilhelm auf sein Anbringen wegen der Solennien den Bescheid 
erhalten, dass zwar dergleichen in den Lehnsbrief eingerückt, niemals aber 
zur Wirklichkeit gelangt sei. Der Stettinische Recess sei vom Kaiser 
nicht ratificiert, obgleich beide Tbeile die Ratification desselben reserviert 
hätten, 1) auch werde die Ratification von keinem Theile gesucht, dieser 

^) Der betreffende Passus des Stettiner Recesses (§ 29) lautet (Dähnert I 
8.148): Caeteram cum S. Regiae Maiestati Reguoqae Sueciae per Instrumeotom 

Pacie Don modo Citerior Pomeraoia et Bugia ac simultauea investitora 

in reliquam eiusce partem, sed etiaro omoia autecessorum Oucam Pomeraoiae 
jura ac ezpectantiae atqae ita qaoqae ezpectantia et simultauea investitura iu 
Neo-Marchiam necnon et in castra Vierraden ac LÖckeoitz eorumque adperti- 
Dentia bona eis Marchicos fioes in Pomerania sita coocessa et collata siot, 
IQ eam quidem concessionem et expectantiam sab S. Caesareae Maiestatis rati- 
ficatiooe Ser. D. Blector Braodenbargicus ejusque soccessores Decnoo agoati 

omoes hisce deouc coDseotiuDt idqae cum declaratibne sequenti: nempe 

ei coDtingat — S. Electorem BraDdenbargicum eiusque totam domum et familiam 
Electoralem absque prole maeeula deficere, quod eo casu S. Regia Maiestas Reges 
Begnumque Sueciae in hasce ditiones succedere earumque vacuam possessioDem 

praevia supradicta Caesarea ratificatione arripere, iuterea autem casu ema- 

Dente simultaoea investitura gaudere debeant. 



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122 3. Die BelehDUDg des KurfärsteD n. s. w. 

Recess könne also vorläofig Kaiser und Reich nicht hiuden, und der Kaiser 
sei nicht gesonnen, ans dem Herkommen zn schreiten und Schweden das 
einzuräumen, was man des Kf. Vorfahren zu vergönnen Bedenken getra- 
gen. Ad Material ia finde der Kaiser bedenklich, die Verleihung uui( o actu 
vorzunehmen , die Expectanz auf die Neumark widerspreche der Verpflich- 
tung des Kaisers, vom Reiche nichts zu veräuBsern, zugleich auch der golde- 
nen Bulle, wonach die Kurlande ungetheilt bleiben sollen. Der Kaiser 
wünsche aber zu wisseu, ob Ges. es für den Kf. für zuträglich erachteten, 
den Actum zu theilen, oder wie sie meinten, dass die Schwedischen Forde- 
rungen abzuwenden seinen. Wir antworteten: wir stellten die Formalia 
in des Kaisers Erkentnis, meinten aber, dass die Forderung an die Schwe- 
den, vorerst ihre eigenen Feuda zu suchen, alles beseitigen werde, dng^en 
erklärten wir uns gegen die Trennung der Actus und für sofortige Beleh- 
nung des Kf. Der Krone Schweden könne per decretum versichert werden, 
dass ihr diese Belehnung nicht praejndiciere, sondern, wenn sie für ihre 
eigene Lehen praestanda praestiert, ihre Befngniss offen gehalten werden 
solle; ich, v. Loben, hielte mich schon bis in die sechste Woche hier auf, 
der Kf. bedürfe meiner und ich müsste auf Beschleunigung dringen. 

Jene bestanden dennoch auf Theilung des Actus; dem Kaiser würde 
es schwer, anders zu verfahren, nachdem Kf. einmal selbst den Schwe- 
den die Theilnahme bewilligt habe, die Schweden aber, wenn mau 
ihnen dies direkt abschlüge, Ursache nehmen könnten, mit ihrer Belehnung 
zum Nachtheile des Reiches zurückzuhalten, die Simultan -Investitur über 
Hinter-Pommern und Camin wolle der Kaiser, indem er nur so weit sich 
erkläre, als das Instrumentum Pac. es verlange, so restringieren, dass es, 
nullo colore, nicht weiter sollte extendiert werden können. Schliesslich 
theilten die Kaiserlichen vertraulich mit, dass sie befehligt seien, mit den 
Schweden in Conferenz zu treten, doch nur über einige Formalia. Heute 
Morgen hat Schütz an v. Loben geschrieben, die Relation an den Kai- 
ser sei coucipieit, der gesamte RHofrath wünsche die Sache zum Con- 
tento des Kf. einzurichten, Klei he habe Aufschub für die Conferenz erlangt. 



Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Wien 13./23. August 1661. 

[CoDferenz der Kaiserlichen mit Kleihe, dessen anscheinende Vertraulichkeit.] 

23. Aug. Der Kaiser hat befohlen, die ihm übergebene Relation zurückzulegen, 
bis die Conferenz mit dem Schweden gehalten sei; diese ist heute vor sich ge- 
gangen. Nach derselben zeigte Kleihe den Gesandten an, dass in derselben 
an dem Eide etwas desideriert worden und seine Forderung, dass in der Voll- 
macht der Titel des Königs von Schweden dem des Kaisers vorgesetzt 
werde, nicht gebilligt sei. Ges. Hessen sich durch diesen Schein der Ver- 
traulichkeit nicht bestimmen, jenen, was er sichtlich mit dieser Mittheilnng 
bezweckte, mit dem Resultate ihrer Conferenz bekannt zu machen. 



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VerhandloDgen fibor die Bchwedischen ForderangOD. 123 

Der Kurfürst an v. Löben und Neumann. D. Tornhout in 
Brabant 24. August 1661. 

[auf die Belatioo vom 6. Angnst. Die Schwedisohen ForderoDgeo. Rechte des 

Kf. auf HoheosollerD.] 

Beide sollen die am Schlnss seines Rescripts vom 16. Angnst gegebene 24. Aag. 
Ordre strenge befolgen, insbesondere sollen sie verhüten, dass ihm auf 
keine "Weise von den Schweden duich die gesamte Hand an Hinter- 
pommern, Neumark, Vierraden und Sternberg eine Coneurrenz in 
der Regierung wegen selbiger Lande introdueiert werde, und ist nöthig, 
dass das mit ausdrücklichen Worten praecaviert werde. Wofern aber der 
Schwede in seinen Memorialien diesen Punkt nicht berühre, sollen sie auch 
deswegen nichts erinnern, und würde sodann gleichwohl Schweden nicht 
mehr begehren können, als andere im Reiche simultanee Investierte. Was 
die Titulatur anbetrifft, so ist dem Schweden glimpflich anzuzeigen, dass 
er in Wien für die Krone Schweden als Reichsstand erscheint, und dass 
dem £f. nicht allein von allen Kur- und Fürsten, sondern auch vom Kai- 
ser der Titel Serenissimus gegeben wird. Wenn Kf. aber mit seinem 
Könige als König von Schweden correspondierte , so hätte man sich der 
Titulatur halber verglichen. Sollte jener aber damit auch auf C am in deuten, 
so sollen sie ihm anzeigen, dass Kf. damit vermöge des Instr. Pac. zu beleh- 
nen ond befngt sei, alle Länder, mit welchen er belehnt sei, in seinen Titel 
aufzunehmen. Dass dem Kaiser durch den Stettiner Vergleich das Werk 
erschwert sei, könne er leicht glauben und hätte er es gern anders 
gesehen und gewünscht. Wenn sie aber am kaiserl. Hof seinen damaligen 
Znstand, und dass Kaiser und Reich, wie sie wohl schuldig gewesen, bei 
der Sache nichts hätten thun wollen, bedächten, so würden sie von sich selbst 
gestehen, dass man ihn und das Reich in solchen Zustand gesetzt, wie 
derselbe jetzt wäre. Kf. hätte aber dadurch dem Reiche nicht praeju- 
dicieren wollen noch können. Und obgleich seine Vettern den Ver- 
gleich ratificieret, so wären doch die Erbverbrüderten nicht weniger 
dabei interessieret, welche doch weder dazu ihren Gonsens gegeben 
hätten, noch deren sonst dabei mit einem Worte gedacht sei. Kf. wollte 
den Schweden den Vergleich nicht disputieren, und würde Confirmation 
und Ratification zu des Kaisers Belieben stehen. Sollten die Schweden 
jetzt oder dereinst, wenn die Belehnung über Hinter-Pommern, Neu- 
mark etc. absonderlich empfangen würde, bei dem Actu luvest, vorzu- 
sitzen begehren, so ist ihnen zu antworten, dass sie nur als herzogliche Ab- 
geschickte anzusehen seien, und ohnedem der, welcher nur simultanee investiert 
wird, dem principaliter Belehnten nachsitze. Ihr wüsstet auch, dass bei 
der in Frankfurt a. M. geschlossenen Allianz der König von Schweden 
in der Ordnung als ein Herzog gesetzt sei, seine Gevollmächtigten auch in 
dieser Ordnung unterschrieben. Den R.Hofratb Schütz können sie auf 
des Kf. Erkenntlichkeit hoffen lassen. 



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124 3. Die Belehnaog des Knrfursten a. s. w. 

Dieweil anch unser Eurhaas ans dem Hohenzollerischen Hanse 
seinen Ursprnng hat, dasselbe auf gar schwachen Füssen nnd fast auf dem 
Falle steht/) es aber in nnserm Archivo zu Colin a. d. Spr. an eigentlicher 
Nachricht mangelt, so soll Neu mann sich bemühen, aus der RHofrathsre- 
gistratur einige Nachrichten darüber einzuziehen, und nebst y. Lö ben beim 
Kaiser und den vornehmsten Ministern Ansuchung thnn, dass der Kaiser 
über das Hohenzollersche Reichslehen, weil es mit unseres Hauses An* 
fang — nnd unsere Vorfahren es vor diesem allezeit gehabt, nicht zo 
unserm Präjudiz disponiere, sondern unser altes Recht von neuem bestätige. 



Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Wien 21./31. Auguöt 1661. 

[anf das Resor. vom 16. Aug. EotscheidaDg des Kaisers wegen zweier 
Belehpungsactus. Das Laodemiam für den BHofrath.] 

31. Aug. Schütz hat uns im Namen des Kaisers gemeldet, dass die ßelehnong 
in 2 Actns, einem für die Knrlande nnd Markgraf Albrechts Reichslehen, 
und einem für Hinterpommern und Camin erfolgen könne, wofern im 
Taxamte gebührende Richtigkeit gemacht wäre, die Schweden sollten zur 
Mitbelehnnng gelangen, wenn sie ihr Memorial nach des Kaisers Willen ander* 
ten, doch dürften sie nur den Mantel berühren. Wir erklärten uns mit den Ac- 
tibus zufrieden, doch dürfe der Schwede nur bei dem letzteren anwesend sein. 
Dass in dem einen Lehusbriefe alle Lehen, auch die Böhmischen, zusammenge- 
^ fasst werden, will der Kaiser nicht zugeben, schon das sei eine besondere 
Gnade, dass nicht über jedes Fürstenthum ein besonderer Lehnsbrief ausgefer- 
tigt würde. Nach dem Schluss der Conferenz sondierte v. L. Schütz, wohin 
und auf eine wie hohe Summe der RHofrath wegen des Laudemii zielte. 
Er meinte, wegen des Quanti werde jener alles des Kf. , als eines weitbe- 
rühmten liberalen Herrn und Potentaten Willkür lediglich anheim stellen. 



*) Von den drei Linien, unter welche nach dem Tode des Grafen Karl L 
von Hohenzollero (1576), der 1558 der Alleiobesitzer und Stammhalter der 
ganzen schwäbischen Linie geworden war, die Besitzungen desselben getheilt 
worden waren, war die jüngste (die Heigerlocher) schon 1634 auegestorben, ans 
der älteren (Hechinger) war, nachdem Fürst Eitelfriedrich V 11. Juli 1661 ge- 
storben war, nur dessen schon sechzig Jahre alter Bruder Philipp Christoph 
übrig, welcher sich erst im nächsten Jahre 1662 vermählte, nachher aber noch 
mehrere Söhne bekommen hat. Graf Mein r ad I. von der mittleren (Siegmari nger) 
Linie (1638 — 1681) hatte mehrere Söhne. S. Schulze, Die Hausgesetze der 
regierenden deutschen Fürstenhäuser III S. 632 ff. Schon 1488 hatten die Sohne 
des damals gestorbenen Grafen Jost Nicklas eine Üebereinkanft getroffen, dass 
sie einander beerben, für den Fall ihres allseitigen erblosen Ablebens aber das 
Baus Brandenbarg zu Erben einsetzen wollten. Schulze a.a.O. S. 551. 



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Verzögerang darch Eleihe. 125 

Ges. fragen schliesslich an, ob Markgraf Christian Ernst, der 
27. Jali 1644 geboren, als majorenn zu betrachten sei, da annas inceptns 
pro completo nicht gehalten werde. 



V. Loben an den Kurfürsten (eigenhändig). D. Wien 
28. August / 7. September 1661. 

ISchwterigkeit mit Kleihe zq verhandelD, derselbe sncht die Sache hiDznzieheo]. 

Da uns von Berlin über die Armatar und die besorglichen Einfälle der 7. Sept. 
Schweden viel geschrieben wird, auch allerlei Zeitungen umlaufen, die nur 
bestimmt sind, den Kaiser und RHofrath irre zu fähren, so lege ich bei, 
was der Rath und der Hauptmann von Kolbatz^) mir überschrieben hat. 
Mein hiesiges Geschäft geht schwer und langsam weiter, und wenn auch 
gestern eine neue Conferenz mit den Deputierten des RHofrathes gehalten 
ist, nach welcher keine weitere Verhandlung mehr Btaltfinden darf, so fürchte 
ich doeb^ durch Eleihe noch lange aufgehalten zu werden. Mit Kleihe 
ist übel zn negotiieren, und kann man wohl nicht in gutem an ihn kommen, 
raassen er, wie freundlich man sich auch gegen ihn behauptet, dennoch 
io seiner eingebildeten Meinung continuieret, selbiges mit Yergessung aller 
Rationen, redet ohne Aufhören von seines Königreiches grosser Macht, dass 
sie ein Heer von 30 completeu Regimentern NationaWölker aus dem König- 
reich ohoe Nachtheil schicken und damit, wohin sie wollten, gehen könnten, 
und dass man alles aus Furcht vor dieser eingebildeten Macht thun müsse, 
wie er sich dann nicht gescheut uns seinen Secretar mit einem Entwurf, 
wie er es haben wolle, auf den Hals zu schicken, und solches Concept ohne 
seine, sondern nur des Secretars Unterschrift, was Ursache gewesen, dass 
wir ihm den Aufsatz zurückgesandt und uns defectn mandati entschuldigt 
haben. — Ich verspüre wohl, dass seine Intention dahin geht, den Haupt- 
actus 80 lange aufzuhalten, bis die Sache wegen des Stettinischen Yer- 
gleirhes am kaiserlichen Hofe und bei Kf. so weit stabiliert werde, 
dass die darin enthaltenen Lande und Plätze mit Hinterpommern und 



*) Derselbe (Franz v. Feiend schreibt an v. Loben (d. Kolbatz 9/19. Angnst 
ICiJl), die Gerächte von den kriegerischen Absichten' der Schweden bestätigteu 
sich nicht, es solle in Schweden ein grosser Geld- und Proviantmangel sein, auch 
in Pommern, namentUob io Rügen sei unerhörter Misswachs, uud die Vor- 
pommerschen Stände hätten durchgesetzt, dass die deutschen Soldaten abgedankt 
und schwedische Nationalvölker in die Festungen nothdarftig verlegt werden 
sollten, welche mit Eommisbrod und Käse zufrieden wären. Es scheine daher, 
als wären die Schweden des Krieges müde, nicht so sehr ihres Willens sondern 
ihrer unzureichenden Mittel wegen, nur W ran gel sei kriegerisch gesinnt, die an- 
deren Häupter der Regierung seien friedlich und wurden wohl, zumal während 
der Minderjährigkeit des Königs, besonders im Römischen Reich, nicht so leicht 
Krieg anfangen. 



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126 ^« I)ie Belehnnog des Kurforsteo a. 8. w. 

Ca min zusammen gezogen, er za dem Hauptactus gelassen und hernach 
alles in des Ef. Hanptlehnsbricf gebracht werden möge. Ef. wolle bei 
Zeiten daran denken, wie seinem Ansinnen, welches nicht lange ausbleiben 
wird, zu begegnen und zu antworten sei. Ich fürchte, dass das Geld des 
Schweden an den Orten, da man es nicht verhüten kann, die Gedanken und 
guten Concepte verändern dürfte. So machen mir auch die von den RHof- 
raths-Deputierten geführten Worte nicht wenig Nachdenken, indem uns auf 
mein Anbringen, dass ich mit dem Schwedischen Legato sonderlich wegen Be- 
stätigung des Stettiner Recesses mich einzulassen nicht instruiert sei, alsbald 
von jenen vorgehalten wurde: der Kaiser hätte zu Kf. das Vertrauen, der- 
selbe würde bei diesem Werke nicht allein auf sich und sein Kurf. Haus 
sehen, sondern zuvörderst auf des Kaisers hohes Amt und das h. Römische 
Reich selber, wobei H. v. Wolkenstein auch erwähnte, dass dem Kaiser 
und Reiche nimmer zu rathen^ dass ausländischen formidablen Potentaten 
so stattliche Festungen, als Cüstrin und Driesen mit ihren beifliessenden 
Strömen wären, in ihrer Hand gelassen würden. 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Cleve 23. September 1661. 

IZurückweisnog der Forderang des Grafen Schwarzeoberg. Die Belehnnog kann 
in zwei actas erfolgen, der Schwedische darf nur bei der Investitar mit Hinter- 
pommero, nicht bei der mit der Knr zugegen sein, der Stettinische Becess in den 
Lebosbrief nicht eingerückt werden, Kf. will für Hioterpoinmern die einfachen 

Regalien erlegen]. 

Sept. Gereichet uns anfangs zu sonderbarem gnädigsten Gefallen, dass ihr 
euch zu demjenigen, was der Graf von Schwartzenberg^) wegen des Erz- 
herzogs Ld. begehret, nicht verstanden. Wir befehlen euch auch hiemit 
gnädigst und ernstlich, dass ihr euch darzu durchaus nicht bequemet. — 
Wie uns dann auch nicht wenig zu Gemüth gehet, dass der Graf von 
Schwartzenberg von einigem actu submissionls Erwähnung gethan und 
dahero auch von dem Kaiserl. Hause ein Argument ziehen und vor einen 
Erzherzog eben dasjenige haben wollen, was ein Römischer Kaiser präten- 
diret. Wir haben uns deshalb — bei dem Fürsten von Portia — be- 
schweret, werden die Sache mit andern unsern Herren Mitchurfürsten, Fürsten 
und Ständen communicieren und davon auf künftigem Reichstag weiter reden. 

Soviel das Lehnsnegotium betrifft, so zweifeln wir nicht, ihr werdet 

unser gnädigstes Rescript de dato Tnrnhout ^) vor Ankunft dieses erhalten und 
ans demselben unsere fernere Meinung und dass wir in die zweeen Actus 



1) S. unten die Hanptrelation der Gesandten. Ueber Graf Adolf v. 
Schwartzenberg, den Sohn des früheren braodenbnrgischen Ministers, s. Wolf, 
Fürst Wenzel Lobkowitz S. 72. Vgl über diesen Vorgang Pnfendorf IX 
§ 31 (S. 569 f.). 

^ S. oben S. 123. 



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üegebährliche Forderang des Grafen Schwarzenberg. 127 

gewilliget gesehen, haben. Dass aber der Schwedische bei dem acta in- 
vestitnrae, wann wir mit der Chur belehnt werden, sein könne oder solle, 
dazu können wir nns keineswegs verstehen, wir mögen «ach nicht absehen, 
ans was für einem Schein er solches Sachen oder prätendiren könne. Und ob 
wir es wohl nochmals dabei bewenden lassen, dass wir den zu Stettin aaf- 
gerichteten Rccess vor uns nicht anfechten oder dispatiren and sonsten alles 
dasjenige thun wollen, was in Instromento Pacis enthalten, dieweil ihr aber 
nntertbänigst berichtet, dass I. Kaiser!. M. aas vielen erheblichen Ursachen 
bedenken, den Schweden contra Instrnmentnm Pacis an der Neu mark etc. 
die gesamte Hand za geben, so könntet ihr ante actum investiturae ein — 
Memorial übergeben, und in demselben berichten, was die Schweden ans dem 
Stettinischen Vergleich an die Nen mark, Sternberg etc. prätendirten, and 
dass, weil wir den Vergleich dazumal eingehen müssen, ietzo nicht gemeint, 
denselben zu disputiren, sondern müssteu das übrige, was I. Kais. M. vor 
sich and des Reiches wegen dabei zn verordnen allergnädigst gemeinet, zu 
dero allergnädigstem Gefallen stellen, doch dass die Ghurlande keineswegs 
separiret ond getrennet werden, ihr begehretet durch die Belehnung, welche 
uns geschähe, dem Könige und der Krohn Schweden an deren Befugnissen 
nichts zn pr&judiciren und deswegen vor euch proteistando bedingen, und 
darauf könnet ihr in Gottes Namen (wenn es nicht albereit geschehen) die 
Belehnung in zween actibus vor sich gehea lassen und bei Hinterpommern 
und Camin den Schwedischen zur Empfahung der gesamten Hand zulassen. 

Ob wir auch wohl wegen der in Instrumento Pacis überkommenen 

Lande weder ratione regalinm noch sonsten ichtwas gestehen, so wollen wir 
doch endlich zufrieden sein, dass ihr, wie ihr euch albereit herausgelassen, 
wegen Hin terpommern die regalia eiufach erleget, zu einem mehreren aber 
euch durchaus nicht verstehet. Sollte m^u euch auch dieserhalben oder 
auch wegen der Schweden über die Gebühr aufhalten wollen, so habt ihr 
anzuzeigen, dass ihr endlich de diligentia Protestation einlegen und ihr, der v. 

Loben, euch wieder zurückbegeben wolltet. Dass sich Ihre Maj. 

gnädigst resolviret, alle unsere Lehen in einem Lehnbrief endlich bringen 

zu lassen, dafür werdet ihr euch gebührend bedanken. Dass der 

Stettinische Vergleich unserm Lehnbriefe eingerüeket werde, das kann nicht 
sein, wie weit aber derselbe bei Pommern, der Grenzen halber, zu gedenken, 
deswegen haben wir euch albereit gemessenen Befehl neulich zukommen 
lassen. 



Der Kurfürst an Fürst Portia. D. Cleve 23, September 1661. 

(Conc. F. V. Jena.) 

[Beschwerde aber die Forderang des Grafen Schwarzenberg, dass die Gesandten 
dem Erzhersoge Leopold Wilhelm gleiche Ehren wie dem Kaiser erweisen sollen-l 

£w. Ld. wollen aus beiliegendem Extract vernehmen , was der Graf 23. Sept. 
7ü Schwarzenberg wegen des H. Erzherzogen Leopolp Wilhelms 



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128 3. Die BelehnoDg des EnrfarsteD u. a. w. 

zu Oesterreich Ld« an ansere itzo zu Wien subsistirende Gesandten, dass 
nemblich Hochg. S. Ld. von ihnen eben solche Submission und Ehre als 
Ihrer Kays. M. selbst bei der Proposition und Andienz triboiret werden 
müsse, prätendiren dürfen. Nun befrembdet nns solches alles nicht unbillig 
und können wir uns in diesen des Grafen von Schwarzenberg gegen 
unseren Gesandten geführten ungereumbten und unrermnteten Discursen fast 
nicht schicken. Sinthemal uns im Rom. Reich von keinem Kaiser mehr 
als nur von einem das geringste wissend. Wann auch sein, des Grafen 
von Schwarzenberg, Argument fest stehen sollte, dass nemblich allen 
denjenigen, so auf dem Ealserl. Schlosse wohnen, wie er rermeinet, auch 
Eaiserl. Ehre angethan werden müsste, so geben wir Ew. Ld. zu bedenken 
anheimb — was vor eine seltsame und wunderliche Folgerung daraus 
erwachsen würde, haben derowegen solches E. Ld. vermittelst dieses mit 
wenigen vorzustellen eine Nothturft befunden und werden nicht unterlassen 
dieses Schwarzenbergische ungewöhnliche und neuerliche Anbringen auch un- 
sern H.H. Mitcburfürsten wie auch andern Fürsten und Ständen zu remonstri- 
ren und daraus bei künftigem Reichstage der Nothturft nach zu commuoicieren. 
Unterdessen ersuchen wir E. Ld. — Sie belieben es bei allerhöchstg. Ihrer 
Kays. M. dahin zu vermitteln, damit dieses mehrobg. Grafen von Schwarzen- 
berg gebührend vorgehalten und auch von Ihrer Kays. M. der H.H. Chur- 
fürsten Praeeminenz, Recht und Befugniss denen Reichsfundamentalsatzun- 
gen gemäss auch an Ihrem Kays. Hof conserviret — werden möge. — 



Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Wien 14./24 Sep- 
tember 1661. 

[Belehunog mit deo Karlaoden.] 

24. Sept. Nachdem der Kaiser endlich den ersten actum auf heute gegen 10 Uhr 
zu Ebersdorff angesetzt, haben sich die sämtlichen Gesandten vorher 
um 8 Uhr in v. Löbens Logement eingefunden und sind sie in sechs 
Kutschen, darunter die v. Löbens und des Grafen von H ardegg mit 6, die 
anderen mit' zwei Pferden bespannt waren, nach Ebersdorff gefahren. 
Dort ging dann der actus um halb elf mit eben den Cerimonien, welche in 
dem Directorio beschrieben, vor sich. Das Gemach war fast klein und mit 
Zusehern sehr angefüllt, darunter sich auch des Schwedischen Gesandten 
Secretarius und andere Bediente befanden. Der Kaiser bezeugte sich bei 
dem ganzen actu ganz gnädig, nahm den Hut sowohl bei unserem Heran- 
nahen als Abtritt sehr tief ab. Zu seiner rechten Hand stand der O. Mar- 
schalk Graf von Starenberg mit dem blossen Schwert, an der linken aber 
ein Graf von Hoheozollern als Erbkämmerer. Der H. Yicepräsident 
Graf von VVolckenstein that im Namen des Kaisers auf unsere und der 
Gevollmächtigten Markgraf Albrechts Proposition die Antwort, wie er 
uns dann auch die formulam juramenti, so wir nachsprachen , vorlas. Der 



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Die Belehnnog mit den Karlandon. 129 

Kais. O. Hofmeister Fürst von Portia hielt nebst dem Grafen von Hoben- 
zollern das Evangelienbach. Sonst standen ringsherum noch verschiedene 
Kaiserliche Minister, welche dem actns bis za Ende znsahen. Nach En- 
dignng desselben wurden wir wie auch die anderen Fürstl. Markgräflichen 
Gesandten vom O.Hofmarschall , welcher nn^ des Tages vorher einladen 
lassen, tractiert, und ist sonsten vor diesmal wegen der Regalien, ausser 
das» der Hofmarschall in seinem and der anderen Erb- and Hofämter Namen 
deshalb Erinnernng that, ons nichts in den Weg gelegt worden, vermuthlich 
weil dieser actus vornehmlich das Chnrfürstenthum concernieret, weswegen 
keine regalia entrichtet werden, wir dürfen ans aber nicht einbilden, dass 
man davon still schweigen würde. 



Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Wien 18./28. Sep- 
tember 1661. 

[Weitere Verzögerangen.] 

V. Loben hat zufolge des Kf. Befehl and nachdem er die Verzögerung 23. Sept. 
und Schwierigkeit, so sich wegen der Schwedischen gesamten Hand er 
eignet, vermerkt, sich bemüht, dass dessen unerwartet die anderen Reichs- 
uod Böhmischen Sachen zur Richtigkeit gebracht werden möchten, allein man 
hat an Kaiserl. und R.Hofraths Seiten keines von beiden zurücksetzen wollen, 
sondern die Conferenzen mit dem Schwedischen Abgesandten und uns pari 
passa fortgesetzt, und man ist willens, nun den particularen Actus über 
Hinterpommern und Gamin, und zwar noch vor dem böhmischen, 
vorgehen zu lassen. Dieser Actus wird nun wohl bald nach der Rückkehr 
des Kaisers von Neustadt vor sich gehen, sie bitten daher am weiteres Geld, 
da die ihnen mitgegebenen und per Wechsel übermachten 8000 Thaler nicht 
ausreichen. 

PS. Heute Mittags 12 Uhr haben sich bei mir, v. Loben, drei Per- 
sonen angegeben, davon einer sich für einen Notar, die anderen beiden 
aber für Zeugen ausgaben, der Notarius berichtete, er sei vom Schwedischen 
Oesandten an mich, v. Loben, geschickt, ich fiel ihm darauf ins Wort, 
sagend, dass ich nicht allein Gesandter wäre, und darauf kam Neu mann 
aaf Erfordern auch dazu, da er dann continaieret und nichts mehr gesaget 
als nämlich wegen des Stettinischen Recesses, welches er etliche Mal wie- 
derholte, nnd weil er nun sich nicht zu explicieren wusste, die andern bei- 
den aber ihm einhelfen wollten und sagten, dass es defectu mandati und 
wegen der Belehnung wäre, dabei aber die Schrift, so er in der Hand 
hatte, weder von sich selbst zeigte noch auch wir zu sehen begehrten, so 
haben wir ihm angedeutet, dass wir ans in ihre Reden nicht zu finden 
wüssten, und wenn sie sich nicht besser und deutlicher zu vernehmen geben 
könnten, sie sich nur wieder, woher sie gekommen, zu begeben hätten. 
Zugleich haben wir denselben vorgehalten , dass wir mit dem Schwedischen 

lf»t«r. X. Gesch. d. O. Kurfilrston. XI. 9 



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130 3* 'Oie Belohnung des EurfqrBten n. 8. w. 

Gesandten nichts zn thnn , nnd sie , sonderlich der Notarias, es schwer zu 
verantworten haben würden, dass sie sich dergestalt gegen I. MaJ. gebrau- 
chen Hessen, als welche den Karfürsten wie andere Kar- and Fürsten belehnt 
hätte, nnd wann sie diesfalls etwas anzabringen hätten, daselbst Sachen 
nndy was ihnen darüber begegnen würde, erwarten Itnöchten. Womit dieselbe, 
nachdem sie sich entschuldigt, sich zwar zurückbegeben, wir aber des 
Schwedischen Gesandten Intention daraus klärlich genug abnehmen können, 
dass es nämlich ihm nor darum zu thnn, wie er einige acta formieren und 
sich vielleicht deren etwa hernach bedienen möchte, derhalben wir 'desto 
mehr Ursach gehabt, uns auch diesmal nicht viel mit ihm einzulassen. 



Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Wien 25. September/ 

5. Oetober 1661. 

[BelehnuDg mit den' Böbmiscben Lehen. Entwurf des Generallehobriefes.] 

5. Oct. Vorgestern ist im Kaiserlichen Geheimen Rath beschlossen worden, dass 

die Böhmischen Lehen heute, Mittwoch um 10 ühr zu Ebersdorf 
empfangen werden sollten, und ist solches nunmehr auch wirklich erfolgt. 
Gestern Nachmittag haben sie auch endlich das Project des Generallehns- 
briefes erhalten, sie werden sich bemühen , dass derselbe noch etwas mehr 
nach des Kf. Intention eingerichtet und womöglich noch vor v. Löbens 
Aufbruch ausgefertigt werde. 



Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Wien 28. September/ 

8. Oetober 1661. 

[ßesorgoisse vor den Absichten Schwedens, v. Lobens Verabschiedung auf- 
geschoben.] 

8. Oct. Sie freaen sich, dass auch Kf. in seinem Rescript vom 23. Sept. sich 

dahin ausgesprochen, dass der Belehnungsact über die Kurmark Branden- 
burg nicht gethcilt werden dürfe. Sie haben sich dahin bemüht, nicht nur 
wegen des Befehles des Kf. vom 14/24. August, darauf Acht zu haben, 
alle Concurrenz in der Regierung zu vermeiden, sondern auch weil v. Lo- 
ben als Deputierter zu den Hinterpommerschen Landtagstractaten und zum 
F. Pommersches) Leichenbegängnis zu Stettin^) wohl vernommen, womit man 
schon damals von Schwedischer Seite umgegangen, indem der Schwedische 

Das Leicbenbegänguis des letzten Pommerschen Herzogs Bogislav XIV., 
welches erst, nachdem die Streitigkeiten zwischen Schweden und dem Kf. über das 
Erbe desselben durch den Stettiner GrenKreccss beendigt waren, am 25. Mai 1654 
za Stettin gefeiert wnrde, 9. v. Bobleu, Die Erwerbung Pommerns durch die 
Holienzollern S. 35 f. 



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Belehnang mit den böhmiscben Lehen, mit Hinterpommern n. Camin. 131 

Abgesandte Lilienstrohm^) ihm über der Tafel vorgeworfen, dass Kf. 
neben der Lotberiscben auch die Reformierte Religion in Hinterpommern 
einführen wollte nnd dass Schweden wegen seiner Anwartnng nnd gesamten 
Hand solches nicht leiden würde, woher nicht zweifelhaft, dass dergleichen 
ans solchem vermeinten principio herfliessendes Eingreifen nun hiernärhst 
nach wegen der Neumark werde prätendiert werden, wenn die mit ihnen 
anfgerichtete Stettinische Pacta also simpliciter sollten confirmicrt und sie 
zur gesamten Hand auch über solche Provinz admittiert worden sein. 

PS. Loben hat sich 28. Sept./8. Oct. beim Kaiser Audienz erbeten, 
um von demselben Abschied zu nehmen, dieser aber hat von ihm verlangt, 
er solle sich noch ein paar Tage gedulden, dann werde der Kai&er ihm 
fernere Resolution seines Abschieds halber zukommen lassen. 



Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Wien 5./ 15. Oc- 

tober 1661. 

[Belehnung über Hinterpommern und Camin. v. Löbens Verabscbiedang.] 

Auf ihr eingegebenes Memorial wider das abermalige Anmutben wegen 15. Oct. 
so vieler Regalien und nach einfacher Erlegung derselben ratione des Her- 
zogthums Hinterpommern beim Taxamt ist ihnen die Belehnung über Hin- 
terpommern und Camin angekündigt, auch darauf gestern Morgens 
um eilf Uhr zn Ebersdorff verrichtet worden, ratione solennium ging 
es ebenso wie bei den anderen Belehnungen zu, ausser dass, weil ich, der 
Freiherr v. Loben, mit einem catarrho befallen gewesen, ich, Nenmann 
die Proposition und Danksagung auf den Knieen gethan. 

Obgleich der Schwedische Gesandte noch des Abends vorher, als 
v. Loben ihm von der Ansage zu solcher Belehnung berichten lassen, 
in Zweifel gestanden, ob er dem Actu beiwohnen wollte, nnd zugesagt, 
dass er ihn solches noch an demselben Abend wollte wissen lassen, so 
ist doch weder solches erfolgt, noch auch er am folgenden Morgen bei dem 
Airtu gegenwärtig, sein Secretarius aber dabei als ein spectator befindlich 
gewesen. Dem R.Hofrathssecretar Schütz gegenüber hat er erklärt, er 
wolle sich bei den Kaiserlichen Geh. Räthen bemühen, dass der Actus noch 
differiert würde'). 

V. Loben hat gestern gleich nach dem Actus sich vom Kaiser und den 
dort anwesenden Kais. Ministris verabschiedet, will heute dasselbe bei den 



>) Jobann Nicodemus Liliestrom, Vicepräsident von Vorpommern s. 
ürk. u. Akt. IV S 923 ff. 

*) Bei der Abschiedsvisite, welche v. Loben dem schwedischen Gesandten 
macht, erklärt dieser, er sei deswegen nicht bei dem Belehnnngsakt erschienen, 
„weil ihm mit der Titulatur, lateinischer Sprache nnd sonst nicht gefugt sei, und 
well in dem ihm communicierten Hanptbelehnungsproject des Karförsten demselben 
etliche Sachen attribuiret worden, deren er sich schon vorlängst begeben hätte.* 

9* 



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132 3- l^>e ßelehnuDg des Karfarsten n. a. w. 

hiesigen und dem Schwedischen Gesandten thun und übermorgen, Montag, 
seine Rückreise antreten. 



V. Löben's und Andreas Neumann's Hauptrelation. D. 
Wien 6./16. October 1661. 

16. Oct. Nachdem wir vom 5./ 15. Juli ab von Posten zu Posten berichtet, wie 

es mit dem Lehnsnegocio daher gegangen, und dasselbe durch allerhand 
Hindernisse bis in die zwölfte Woche hingezogen und endlich von I. Eais. M. 
veranlasst worden, dass E. Cbf. D. von I. Eais. M. und dem Reiche recog- 
noscierende Leben nicht, wie vor diesem, una vice eodemqne actu, sondern 
wegen der durch den Frieden von 1648 erfolgten Veränderung und darin 
der Krone Schweden auf Hinterpommern und Camin ertheilten Expectanz 
in duobus separatis actibus ertheiU, und zwar in dem anderen die Schweden 
zu gesamter Hand admittiert werden sollten, so achten wir unnöthig , alles 
der Länge nach hier zu wiederholen, und wollen nur dasjenige berühren, 
was zu diesem Belehnungswerk eigentlich und hauptsächlich gehört und 
woraus bei künftigen Fällen die Series actorum soviel klärlicher erhellen 
könne. Und zwar weil der Ingrcss dieser Handlung von Ueberreichung 
der zwei Creditive an I. Kais. M., das eine tanqnam ad Caesarem, das 
andere tanqnam ad Bohemiae regem, und der darauf folgenden Audienz 

17. Jali. gemacht worden, so sind die Creditive zwar bald am vierten Tage nach 

V. Lobe US Ankunft, weil L M. die Tage vorher verreist gewesen, dem 
Kais. O.Kämmerer, Graf v. Laraberg, durch den Secretarius Leg?Uionis 

18. Jali. überreicht, die Audienz auch des andern Tags daniuf durch einen kaiserl. 

Trabanten gegen 3 Uhr Nachmittag angesagt und dabei die Proposition 

sowohl wegen der Reichs- als Böhmischen Lehen durch mich, v. Loben, 

^ vorgelegt worden. Bei der verwittweten Kaiserin, bei deren Vice-Oberhof- 

meiscer,Graf v. M aradas, die Creditive gleichfalls abgegeben waren, erhielten 

19. Juli, wir Tags nachher 4 Uhr Nachmittags im Favoritenhause im Beisein Dero 

Hofdamen Audienz, wobei die Kaiserin durch Dero Vice -Oberhofmeister 
Antwort ertheilte. Das Creditiv an Erzherzog Leopold Wilhelm hat 
der O.Kämmerer Graf v. Schwarzenberg zwar an sich genommen, des 
Fürsten Unpässlicbkeit aber anfangs zur Entschuldigung angewandt, warum 
die Audienz zur Zeit ihren Fortgang nicht haben könne. Als aber diese 
Ursache cessierte, brachte der Graf ein anderes Obstaculum in den Weg, 
dass nämlich der Fürst, als vom kaiserlichen Hause und der auf der kaiser- 
lichen Burg wohnte, sowohl als der jüngere Erzherzog Carolus Jose- 
phus bei diesem vassallagii et submissionis actu ebeudergleicheu Tracta- 
ment als der Kaiser mit dem Hutdeckeu und sonst praetendierten , dessen 
wir uns aber, nachdem wir bei dem anwesenden ehemaligen Kursächsischen 
Priucipal-Gesandten v. Burckerode uns vorher erkundigt hatten, in dem 
Wege billig verweigert, und daher diese Visite und Audienz gar zurück- 
geblieben, was S. Chf. D. 13./23. August approbiert. An die kaiserl. Mi- 



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Hauptrelation der GesaDdteD. 133 

nUtros und fast alle Geheime und Reichs - Hofräthe hatten wir Creditive; 
wir haben sie aber nur an die vornehmsten abgegeben; and bei der ab- 
gestatteten Visite nnser Anbringen vornehmlich auf die Beförderung des 
Lehnswerkes und Recommendation der Jüliohschen Belehnung gerichtet. 
Unterschiedliche haben uns darauf zu Gaste geladen und sonst alle Ehren 
angethan. Während wir mit den Visiten zu thun hatten, hat man bei der 
Canzlei nicht ermangelt, diejenigen Urkunden, deren Confirmation nach- 
gesucht wurde ^ abschreiben und vidimieren zu lassen.. Da ferner der Ge- 
neral- Leb üb rief propter dispositionem lostrum. Pac. wesentlich hat geändert 
werden müssen, so haben wir uns bemüht, sonderlich dem R.Hofrath 
Schütz diesfalls E. Chf. D. Intention beizubringen, damit er dieselbe be- 
fördern helfe. Nächstdem wurden folgende Memorialia dem R.Hofrath über- 
geben: 1) M. pro Investitura, 2) M. über die Belehnung des Chf. mit 
den Jülich-Cleve-Bergschen Landen, 3) M um des Chf. gesamte Hand an 
allen und jeden der Vettern in Franken tragende Reichs- Leben, 4) M. um 
Ertheilang eines Scheines wegen der. etwa noch mangelnden Pommernschen 
Urkunden. Obzwar zu wünschen gewesen wäre, dass auf diese Memorialia 
gewierige Resolution hätte erfolgen und, wie vor diesem, die Belehnungs- 
actns bald angesetzt werden wollen, so hat doch solches aus deu angege- 
benen Ursachen, theils aber auch weil die Culmbachischen Gesandten erst 
23. Aug./2. Sept. ankamen, eher nicht geschehen können, ausser dass der 
kais. Coromissar mit uns sowie mit dem Schwedischen Gesandten Conferenzen 
pflog, darüber an den R.Hofrath referiert und verschiedene Gutachten an 
den Kaiser abgefasst wurden und endlich eine Resolution ertheilt wurde, 24. Sept. 
wornach der erste Belehnungsactus am 14./24. Sept. um 10 Uhr Vormittag 
zu Ebersdorf vor sich gehen solle, was Tags vorher communiciert wurde. 
Gleichwie nun vorher auf E. Gbf. D. Rescript vom 6./ 16. August wir uns 
mit dem Culmbacher Abgesandten deswegen vereinigt, dass Markgraf 
Christian Ernsts Lehen vor diesmal nicht empfangen, sondern solches 
bis zur Antretuog Dero Regierung differiert werden möchte, gestalt dem 
wir deswegen die Indulta auf 2 Monats Frist erhalten, auch E. Chf. D. 
Befehl vom 23. Sept. zufolge noch um fernere Prorogation angehalten 
worden, so ist es auch dabei verblieben und sind also vor diesmal nur 
E. Chf. D. und des Markgrafen AI brecht zu Onolzbach Lehen uno actu 
empfangen und die gesamte Hand dabei reciproce beobachtet worden. 
Auf nnser erstes Memoriale haben wir die Griginal-Documenta und Confir- 
mationes erhalten, welche mit den zuvor mitgetheilten Kopeien collationiert 
und richtig befunden worden. Und weil E. Chf. D. General - Lehenbrief, 
dessen Concept ausm R.Hofrath communicieret worden, und die davon de- 
peadicrende Generalis Confirmatio sowohl wegen der von uns beigefügten 
Notalen und Erinnerungen, welche noch zur Zeit vom R.Hofrath nicht 
allerdings attendiert werden wollen, als auch weil solches LehenbriefsPro- 
ject den Schweden communiciert worden, bisher noch zu keinem Stande 
haben gebracht werden können^ so werde ich, Neumann, E. Chf. D. fer- 
nem Befehl sonderlich wegen der völligen Insertion des Art. XI. Instru- 



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134 3 Die BelehDang des Kurfürsten u. s. w. 

menti Fac. and in demselben enthaltenen Paragraph!: Civitati vero Magde- 
bargensi, gehorsamst erwarten, auch Dero Intention za erreichen mir äus- 
serst angelegen sein lassen, wiewohl Schütz, von dessen Direktion das 
Werk grossentheils dependiert, uns dazu jüngst 28. Sept./8. Oct. fast wenig 
Hoffnnng gemacht. 

Nachdem es dann mit der Belehnung von Hinterpommern und Camin 
wegen obiger Difficultäten sich ziemlich verweilet, auch der vielfaltigen 
Regalien halber noch immerfort Zumuthungen geschehen; so dass der 
Tax- Amts- Verwalter aus vorgegebenem Befehl des O. Hofmarschalls sich 
noch 2 Tage vorher angemeldet und angedeutet, es würde dieser Actus 
luvestiturae nicht ehender vorgehen, bis man von den verschiedenen Fürsten- 
thümern die Regalien entrichtet hätte, wir aber dagegen ein abermaliges Me- 
morial an den Kaiser dem O.Hofmeister Fürsten v. Portia haben überbringen 
lassen und derselbige sich entschuldigt, und dass solcher angeforderten 
Regallen halber dem Actus kein Hindernis zugezogen werden solle, 
versichert, so ist hierauf die^e Belehnung über Hinlerpommein und 
14. Oct. Camin am 4. / 14. October Vormittags um 11 Uhr zu Ebersdorf verrichtet 
worden. Vorher hat man uns das Directorium Ceremoniarum communiciert, 
dabei aber zu beobachten, dass obwohl des kgl. Schwedischen Ablegati darin 
and quo loco et ordine er seine Stelle zu halten, gedacht wird, derselbe 
doch bei solchem Acta nicht erschienen ist, hat sich vielmehr bemühet, 
damit derselbe differieret werden möchte. Von dem Expectanzbriefe auf 
Hinterpommern and Camin, wie auch von dem decreto assecurationis, 
dass dieser mit dem Chur- und Fürstlichen Hause Brandenburg allein vor- 
gegangene Actus luvestiturae über Hinterpommern und Oamin dem Könige 
und der Krone Schweden an ihrem ex Instr. Pacis zustehenden Jure si- 
multaneae luvest, nicht solle praejudicierlich sein, so man dem Schwedi- 
schen Gesandten eriheilt, sind uns Copiae, wie auch was derselbe wegen 
der praetendierenden gesamten Hand und Expectantia auf die Neumark etc. 
beim R.Hofrath eingegeben, communiciert worden. 

Beim Hinterpomnierschen Lehnsakte hat Neu mann statt des mit 
einem Katarrh befallenen v. Loben die Proposition und Danksagung auf 
den Knicen abgelegt. Die Belehnung über die Jülich -Cleve- Bergischen 
Herzogthümer, welche die Gesandten zweimal schriftlich forderten, wird 
ebensowenig jetzt als früher erfolgen, es ist ihnen aber der gewöhnliche 
Schein darüber, dass sie diese Lehen gebührlich gesucht hätten, ertheilt 
worden, und als der Churfürstlich Sächsische Anwalt gegen ihre Forderung 
protestierte, haben Ges. dagegen eine Reprote Station eingereicht. Zu den 
Lehen der Vettern in Franken sind Ges. zwar zu denen des Markgrafen 
Albrecht am 14/24. Sept. zu gesamter Hand zugelassen worden. Weil 
aber Markgraf Albrechts Lehnsbrief von Adjustierung des churfürstlichen 
dependiert und vorher nicht ausgefertigt werden kann, auch Markgraf 
Christian Ernsts Belehnung noch bevorsteht, wo auch die Investitur 
über die Sparneck- und Wallersteinschen Reichslehen geschehen wird, so 
wird Neu mann erst küuft'g zu den betreffenden Lehnsbriefen gelangen 



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Hauptrelation d«r Gesandten. 135 

köooen. Auch einen Schein darüber^ dass die etwa noch nicht vorgelegten 
Pommerschen Privilegienbriefe dem Kf. nicht schädlich sein sollen, und die 
Erlaabnisy in den Registraturen der R.Hofraths- Kanzlei sich danach umzu- 
sehen, bat Neumann noch nicht erhalten; hat aber bereits die Registratur 
danach durchsucht und giebt ein Verzeichnis derer, die er dort gefun- 
den hat. 

In Betreff der vom Tfixamt geforderten Regalien und der Prätension 
des gesamten R.Hofraths Collegii ratione Laudemii ist zwar jetzt keine 
fernere lustanz gethan, sondern alles in £. Cljf. D. Belieben gestellt, so 
stehen sie doch annoch in dem festen Gedanken, £. Chf. D. werde von 
sich selbst ihnen eine Gnade widerfahren und sie Dero Liberalität und 
Müdigkeit empfinden lassen. Sonst baben wir dem Rescript vom 23. Sept. 
zufolge noch vor dem Actu über Hinterpommeru uncf Camiu die einfachen 
Regalien wegen Hinterpommern beim Taxamt abtragen lassen^). Dem 
Markgrafen Albrecht haben wir befohlener Maassen in der Kitzingischen 
Sache alle mögliche Assistenz geleistet. 



Der Kurfürst an Fürst Portia. D. Cöln a. d. Spree 
4./ 14. November 1661. 

[ZarückweisuDg der Forderaag des Qrafeo Schwarzenberg.] 

Wir haben aus E. Ld. Beantwortung de dato Ebersdorf vom 18. Octo- 14. Nov. 
bris 3) so viel wahrgenommen, dass sie zwar der Meinung sein wollen, 
samt hätte unser — Freiherr v. Loben dasjenige, was ihm der Graf 
V. Schwarzenberg wegen der von desH. Erzherzogen Ld. prätendierten 
Submission angezeiget, nicht wohl eingenommen, gleichwohl dabei in denen 
Gedanken stehen, dass, weil der actus investiturae ein actus submissionis, 
des H. Erzherzogs Ld. aber auf dem Kaiserlichen Schlosse sich anfbielten, 



Laut der den Akten builiegenden QaittaQgen sind bezahlt worden: 
an die Reichskanzlei wegen ausgefertigter Kaiserlicüer Gonfirmationsbriefe 

für Kf. 168 Thaler 20 Gr. 

an die Hofämter (8 ä 120 Fl.) 960 Fl. 

die Geh. Reichssekretäre (2 ä 24 Fl.) .... 48 FI. 

den ReichBtaxator 20 Fl. 

den Reiohsregistrator 20 Fl. 

die KaozlisteD in gesamt 30 Fl. 

für die Kapsel __, 3^ Fl. 

1081 Fl. « 720 Thaler 20 Gr. 
an die Kaiserlichen ünterofficiere (darunter 
gerechnet auch 100 Thaler an A. Neumann 

und 15 Thaler an dessen Schreiber.) 537 Thaler 

zusammen 1426 Thaler 10 Gr. 

^ Dieselbe fehlt in den Acten. Vgl. über die Sache oben S. 126 ff. 



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136 3. Die BelehDQDg des Karfärsteo a. 8. w. 

in ihrer Macht und Gewalt nicht gestanden, uusere des Lehos halber ab- 
geschickte Gesandten als formelle Gesandten zu qualificieren und zu trac- 
tieren. Wan aber nosere Gesandtschaft die Sache anders nicht als E. Ld. 
eingenommen, sie uns auch nie anders daron — referieret, — also müssen 
wir nochmals bekennen, dass uns dergleichen Anmuthen — nicht wenig 
befrembdet und von mehrer unzulässiger Conseqnenz vorkommet. Dan gleich- 
wie kein Cuhrfürst, Fürst und Stand des H. Römischen Reichs gegen 
jemand anders als dem Kaiser und dem H. Römischen Reich bei der Lehns- 
empfängnis einige Submission zu erzeigen schuldig, also werden sie auch 
keinem unbeschadet ihrer und des Reichs Gerechtsame und Hoheit ein- 
räumen können, dass er von Submission rede und dasjenige an sich nehme 
und ziehe, was dem zeitlichen Kaiser und dem H. R. Reiche einzig und 
allein gebühret, und weil es nun keine andere Beschaffenheit mit des H. 
Erzherzogen Ld. Beginnen hat, und das Argument, dass L Ld. auf dem 
Kais. Schloss sich aufhalten, uns oder andern des H. R. Reichs Cuhr- 
fürsten, Fürsten und Ständen nicht praejudicieren und die von ihnen ge- 
schickten Gesandtschaften qualificieren oder disqualificieren kann, demnach 
so müssen wir es nochmals bei unserm vorigen an E. Ld. abgelassenen 
Schreiben bewenden lassen. 



Andreas Neumann an den Kurfürsten. D. Wien 15. Fe- 
bruar 1662. 

[EiDBOodoDg der GeneralcoDfirmatioD, die Anfertigung des Lehosbriefes 

verzögert sich.] 

15. Febr. Er übersendet die GeneralconfirmHtion der Privilegien und Rechte des 
£f. Die der Kanzlei zugestellten Monita sind meist beobachtet worden, 
bei einigen Punkten aber wäre es erforderlich gewesen, an den R.Hofrath 
zu gehen, er hat dieses vermieden^ weil es danu dem Schwedischen Able- 
gatus kund geworden wäre und zur Contradiction hätte Anlass gegeben 
werden können. Die Ausfertigung des Lehnsbriefes wird, wie Schütz ihm 
gesagt, mit Fleiss nicht stark betrieben, da man des Kf. Intention, ab- 
sonderlich in betreff der Klausel wegen Magdeburg, zu befördern sonst 
nicht ungeneigt sein würde, jetzt aber, ehe es mit dem Schwedischen Lehns- 
brief seine Richtigkeit erlangt, Difficultäten geben dürfte, da die Schweden 
sogleich darauf fallen und die Auslassung des coutextus Instrumenti Pacis 
gleichfalls prätendieren würden. 



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YerhaDdlnDgeii mit v. Sternbach. 187 

Proposition des Pommerschen Kanzlers Heinrich Coelestin 

V. Sternbach an die Deputierten des Kurfürsten. D. Cöln 

a, Sp. 17./ 27. Februar 1662. 

[Klage über v. Loben, die Schwedische BelehouDg, Kf. soll die BestatigUDg des 
Stettinischeo Recesses dnrch den Kaiser befördere] 

Sein König hat gehofft, dass die anlangst in Wien gewesenen Abgc^ 27. Febr. 
sandten des Kf. dessen Neigung zur Herstellung der alten Freundschaft mit 
Schweden durch die That bewiesen und mit dem Schwedischen Abgesandten 
Kleyhe über die Beförderung dessen, was zwischen Schweden und Kf. 
in Kraft und Anleitung des Instr. pacis in Stettin abgehandelt worden, ver- 
trauliche Commnnication gepflogen haben würden. Der Baron t. Loben 
aber bat nicht allein nicht gestehen wollen, dass er von Kf. Ordre hätte, 
mit demselben über das, was besagten Stettinisehen Recess anginge, zu 
communicieren, sondern gar negiert, dass er von solchem Recess etwas 
wüsste, daher er auch so viel weniger nötbig zu haben vermeinet, sich 
im geringsten darum zu bekümmern, massen er, der Baron v. Loben 
noch weiter, als ihm Kleyhe ein und anders, wovon er gemeint, dass 
dass es denselben auf andere und bessere Qedanken werde bringen können, 
gleichwohl in gebührender Moderation zu Gemüthe führen lassen, mit ein 
Haufen ungestümer Worte ausgefahren, alles sinistre gedeutet und vermit^ 
telst des daraus gemachten Quereis sich desto besser aller correspondence 
äasaern zn können gehalten. Derselbe hätte dann nicht gesucht zur Con- 
firmation desjenigen, was zwischen beiden Principalen abgehandelt, zu ge- 
langen, sondern darauf bestanden und es geschehen lassen, dass ihm die 
Investitur in antiquis terminis conferiert worden. Demzufolge hat sich 
Kleyhe entschliessen müssen, von dem ihm sonst committiert gewesenen 
actn simultaneae investiturae wegzubleiben. Da der Kaiser demselben ein 
Beeret, kurz vor der Kurfürstl. Lehnsempfängnis, hat zustellen lassen, 
dass dieselbe den Rechten des Königs und der Krone Schweden nicht 
präjudicierlich sein sollte, so habe sein König sich damit contentieren 
lassen müssen, er glaubt auch, dass jene Bezeigung nicht mit des Kf. 
Willen und auf sein Geheiss geschehen sei, da er aber im Werk begriffen 
ist, jetzt am Kaiserlichen Hofe das negotium investiturae principale be- 



') In dem für denselben ausgestellten Creditiv (d. Stockholm 12./ 22. December 
1661) erklärt die schwedische Regentschaft, sie habe gehofft, dass die Abgesandten 
des Karfürsten am Kaiserlichen Hofe eingedenk des Stettiner Recesses mit 
ihrem behufs der Belehnung dorthin geschickten Gesandten in commani Interesse 
et simultaneae investiturae negotio communicare sustinerent. Da sie jetzt ihre 
Gesandten zur Lehnsempfängnis nach Wien geschickt hätten, enteendeten sie 
zugleich Sternbach an den Kf, um mit demselben darüber und über andere 
ihm aufgetragene Dinge zu verhandeln. Vgl. über die Sendung desselben die 
Berichte des gleichzeitig in Berlin anwesenden französischen Abgesandten de 
Lesseins (Urk. u. Akt. H 8.255. 257). 



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138 3- 1^10 BelchouDg dee KurffirsteD a. b. w. 

treiben zu lassen; and seine dazu Bevollmächtigten^ schon auf der Reise 
sind, und ihm sehr daran gelegen ist, die Belehnung über alles, wozu er 
in kraft des Westflllischen Friedensschlusses und des daraus geflossenen 
Stettinischen Recesses berechtigt, zn erlangen, Ef. aber die Gonfirmation 
selbigen Recesses bei dem Kaiser mit zu befördern aus gedachtem lustru- 
mento verpflichtet ist, so ersucht der König den Kf., dass er dessen allen 
sich erinnern und nunmehr von seiner Seite einen Ministrum benennen und 
verordnen wolle, welcher mit den Schwedischen Abgesandten am Kaiser- 
lichen Hofe vertraulich communicicre und die Confirmation auf alle dien- 
liche Wege dergestalt befördere, dass dieselbe entweder in einem abson- 
derlichen Instrumento expediert, oder auch in dem Lehnbrief mit einge- 
führt werde. 



Resolution des Kurfürsten auf v. Sternbachs Proposition. 
D. Cöln a. Sp. 19./[29.] Februar 1662. 

[ZurAckweisaag der Beschwerdeo gegen v. Löbeo, Verweigeraog der Goopera- 
tioo am kaiserlichen Hofe.] 

29. Febr. Kf. hat aus Sternbachs Vortrage die Beschwerde über v. Loben 
und die jetzige Forderung des Königs vernommen und demselben folgende 
Resolution zn ertheilen anbefohlen. Wie Kf. dem Könige die Zeit der 
vom Kaiser angesetzten Investitur angezeigt und, da am Kaiserl. Hofe über 
des Schwedischen Ablegati Suchen einige Schwierigkeit sich ereignet, seine 
Abgeordneten bis in die fünfzehn Wochen in Wien habe verweilen lassen, 
so lebe er auch der Zuversicht, v. Loben werde sich gegen K leihe so 
betragen haben, wie die Aflfectiou, welche der Kf. gegen den König hege, 
fordere. 

Gestalt dan auch S. Ghf. D. sehr lieb gewesen wäre, wenn durch 
besagten K. Schwedischen Ablegati fast harte und bedräuliche Re- 
monstration — , dass er zwischen I. Kön. M. und S. Chf. D., wenn 
er [Loben] ihm in seinem Begehren nicht allerdings fftgete, Weite- 
rung und Unheil stiften würde, bemeldter Freih. v. Loben nicht 
hätte dürfen veranlasst werden, dieselbe zu Herzen und zu Gemttthe 
zu ziehen. — Anlangend die S. Ghf. D. angestellte Assistenz und 

Es waren Peter Sparre, Vicepräsident des Kgl. Hofgerichts io Stock- 
holm, und David Mevint, Vicekaosler des Tribanals io Wismar. Sie kamen 
mit grossem Gefolge im April 16G2 in Wien an, s. Diarium Enrop. VUI S. 308. 
AuBrührlichen Bericht über die dort von denselbeD geführten VerhandluDgen mit 
zahlreichen Urkuodeobeilagen enthält die von Mevius verfasste Schrift: „Bericht 
und Bewandnis," (RepraeseDtatio) Stralsuad 1663. S. oben S. 113; vergl. auch 
Heyne S. 17 ff. 



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VerhandlaDgen mit v. Sternbacb. 139 

Cooperation, so seind zwar S. Chf. D. die zwischen I. Kön. M. und 
deroselben befindliche Blut- und nachbarliche Freundschaft und Cor* 
respondenz — zu cultiviren und zu erhalten allerwege entschlossen. — 
Aldieweil Sie aber yernehmen mQssen, welchermassen die besagte 
Cooperation ex pacto und als ein debitum gefordert wird, und aber 
aus keiner Convention oder Pacto dergleichen etwas aufzubringen oder 
zu erweisen, dass S. Chf. D. sich dazu verbindlich gemacht, I. Eon. 
M. auch selbst erkennen werden, mit was für einer neuen Beschwerde 
8. Chf. D. sich dergestalt beladen wQrden, als setzen Sie zu dersel- 
ben das freundvetterliche Vertrauen, sie werden S. Chf. D. mit sol- 
chem Ansinnen fernerhin verschonen und sich allewege versichert halten, 
dass S. Chf. D. sonsten deroselben angenehme Freundschaft und ge- 
fällige Dienste nicht allein den Pactis, sondern auch der nachbar- 
lichen Freundschaft zufolge zu erweisen sich willig werden erfinden 
lassen. 



Zweites Memorial v. Sternbachs. D. Cöln a. Sp. 27. Fe- 
bruar/ [9. März] 1662. 

[WiederboloDg der Beschwerden über v. Loben. Kf. iat durch sein Versprechen 
dasQ yerpflichtet, die Ratification des Stettiner Grenzrecesses durch den Kaiser 

zu befördern.] 

Wiederholung der Beschwerden gegen ▼. Loben wegen seines Ver- 9. März 
haltens gegen KI ei he, Darlegnng verschiedener Gründe, aus denen Kf. 
verpflichtet sei, zur Ratificierung des Stettinischen Grenzrecesses durch 
den Kaiser zu cooperieren. 

I. Churf. D. aber haben aus diesem allen ohnfehlbar zu urtheilen, 
dass I. Kon. M. umb keiner andern Ursaeh vrillen, als dass dero- 
selben daher, dass I. Churf. D. die Ratification des Grenzrecesses nicht 
suchen lassen, die simultanea investitura gehörigermaassen hat wollen 
difficultiret werden, dero Durchl. darunter ersuchen müssen. — — 
In Erw&gung, dass zwischen I. Kön. M. und I. Churf. D. ein gewisser 
Vergleich getroffen, derselbe dergestalt ratificiret, dass von I. Churf. 
D. nomine suo et successorum suorum bona et electorali fide ver- 
sprochen und angenommen, nicht zu gestatten, dass sothanem Ver- 
gleich auch von andern auf einigerlei Weise zuwider gehandelt werde. 

Gleichwie nun I. Kön. M. ihrerseits was im Kamen der Kön. M. 
und Cron Schweden solchergestalt ^benermassen verheissen und ver- 



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140 3* 1^1^ Belehonng des Kurfürsten u. s. w. 

schrieben, Ihrer Ghurf. D. ufrichtig und Königlich zu halten — sich 
angelegen sein lassen, also verlassen sich dieselbe nicht minder uf 
die Erf&llung I. Ghurf. D. gegebenen Wortes, dass nämlich, weil die 
Kais. M. die Ersuchung umb die Ratification des Stettinischen Re- 
cessus vor noth wendig hSlt und, solange sie darumb von I. Ghurf D. 
nicht reqniriret worden, die Investitur Ihrer Kon. M. also, wie es 
dero Sicherheit erfordert, förmblich zu thun nicht verstehen will, I. 
Ghurf D. die Requisition thun zu lassen kein Beschwerde nehmen, 
viel weniger, als ob aus keiner Gonvention oder pacto dergleichen 
etwas ufzubringen oder zu erweisen wäre, sich bedeuten lassen werden. 
Dann zum Fall es also angesehen werden sollte, ob hätten die Gon- 
trahentes sub hujusmodi formalitate verborum: dass sie die Ratifica- 
tion oder Gonfirmation des Grenzrecesses bei der Kais. M. entweder 
separatim oder conjunctim beschaffen wollten, sich nicht verbindlich 
gemacht, würde doch bei so gestellten Sachen, da die Ratification ge- 
suchet zu werden der Kais. Hof vor noth wendig genommen, — der 
Gontrahirenden Theile Intention, Wille und Meinung gewesen sein, 
dass sie zugleich solche Ratification suchen sollten. — 



Erklärung des Kurfürsten auf des Schwedischen Abgesandten 
anderwärtiges Memorial. D, Cöln a. Sp. 17. /[27,] März 1662. 

[Wiedorholuog der frnhereo Erklärung. Ef. hat kein derartiges Versprechen 

gegeben.] 

27. März. Kf. läset betreffend die Beschwerde gegen v. Loben es bei seiner 
früheren Resolution bewenden. 

Den Hauptpunkt belangend, so will zwar bemeldter Herr Able- 
gatus auf die Erfüllung S. Churf. D. gegebenen Worte dringen. Nun 
seind zwar S. Churf. D. dero gethanen Versprechen allezeit fllrstlich 
nachzukommen beständig gesinnet, als aber, dass deswegen einiges 
Wort gegeben, nicht dargethan worden, noch dargethan werden kann, 
und im übrigen S. Churf. D. diesesorts sich hierunter in einige Dis- 
ceptation einzulassen Bedenken tragen, so wollen sie auch gleichfalls 
dieses passus halber auf dero Resolution sich beziehen. Und weil 
von dem K. Schwed. H. Ablegato eine und andere Erklärung, so in 
dieser Sachen am Kais. Hofe soll gefallen sein, und dadurch man 
sich auf S. Churf. D. beziehen wollen, angeführt wird, davon aber 
Sr. Churf. D. bis hieher sonsten nicht das geringste zu Ohren gekom- 



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Verhandlangen mit v. Sternbacb. 141 

men, so werden S. Ghurf. D. des Zustandes der Sachen sieb erkun- 
digen, und wie sie Ihrer Kön, M. dasjenige, wozu sie rechtswegen 
befuget, zu streiten garnicht gemeinet, als leben sie auch der guten 
Zuversicht, man werde auch an Ihr. Kön. M. selten mit neuen be- 
schwerlichen Anstellungen sie zu behelligen fernerhin kein Belieben 
tragen '). 



Der Kurfürst an Andreas Neumann. D. Cöln a. Sp. 
29. April /[9. Mai] 1662. 

[Verhandlangen mit v. Sterobach. Kf. ist nicht yerpflichtet, die Ratification des 
StettiniRchen Yertrages vom Kaiser sn fordern.] 

Kf. giebt demselben Nachriebt von den dem Kanzler v. Stern bach er- 9. Mai. 
theilten Resolutionen und befiehlt ihm, sich auch dem Schwedischen 6p- 
sandten in Wien gegenüber demgemäss zn verhalten. 

Was in specie die im besagten Pommerischen Grenzreeess ge- 
meldete Expectanz auf die Neumark belanget, da ist euch ohne 
Zweifel erinnerlich, dass wir darin sub ratificatione Caesarea consen- 
tiret und also, nachdem wir solche ratificationem als eine conditionem 
zu unserer Verwahrung, damit wir weder dem Reiche noch dem 
Kaiser praejudicirten, a parte Suecica selbst requiriret, so seind wir 
ja die von uns ihnen angestellte Gondition zu praestiren nicht schuldig. 
Es giebt auch das protocollum, dass unsere Gommissarii bei diesem 
Punkte bedungen, wenn es etwa deswegen Streit abgeben sollte, der 
Kön. Maj. zu Schweden selbigen auszuführen obliegen würde. Ihr 
habt euch aber mit den Schwedischen hierüber nicht einzulassen, son- 
dern defectum mandati vorzuschützen. Und wie man alhier dem 
Schwedischen Ablegato versprochen'), dass man weder hierunter 
was hindern noch befördern wollte, als habt ihr euch danach zu 
achten. 



*) Das Recreditiv des Knrfärsten für v. Sternbach ist datiert vom 26. März/ 
5. April 1662. Ueber dessen Abreise and die ihm ertheilte Resolution des Kf. 
s. auch Lesseins* Bericht vom 11. April (Urk. und Akt. II S. 275.) 

') S. Lesseins' Bericht vom 11. April, dem der Kf. selbst von diesem Ver- 
sprechen Nachricht gegeben hatte. 



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142 3. Die BeleboQog des Knrfarsten q. b. w. 

Andreas Nenmann an den Knrftirsten. D. Wien 
3./ 13. Mai 1662. 

[Die Forderongen der Schweden in b.treff des Lehnbriefee werden nicht erfüllt 

werden.] 

13. Mai. Den Schwedischen Gesandten hat man ein Dekret zngefertigt, 

Donnerstag l./H. Mai die Lehen zu empfangen, und ist Sonntag vorher 
mit ihnen conferiert worden. Sie bestanden hier darauf, dass ihr Lehns- 
brief möchte adjustiert und die Monita beobachtet werden, die sie später 
schriftlich eingaben '), in welchen sie hauptsächlich eingerückt haben wollen : 
jas fortificandi mare alluens, Oommendas, Monasteria, Recessnm Steti- 
nensem und einen General - Passns wefi;en der Stadt Bremen. Man wird 
zwar endlich ante actum Investiturae ein Goncept des Lehnsbriefes herans- 
geben, aber nach dem Inhalt des Instrnm. Pacis und weiter ni« bts hinein- 
seteen nnd alsdann ihnen freistellen, ob sie die Lehen empfangen wollen 
oder nicht; die Insertion des Stettin. Recesses will beim RHofrath nicht 
angenommen werden; ob der Kaiser im Geheimen Rathe sich dazu ver- 
stehen wird, stehe dahin, wird gleichwohl schwerlich davor gehalten. Die 
Gesandten lassen sich verlauten, wenn man's nicht machte, wie sie verlangen, 
dass sie davon ziehen wollen, worauf man es wird ankommen lassen, weil 
man geneigt gewesen ihnen zu geben, was das Instrum. Pacis mit sieh 
fuhrt. Und weil der Kaiser Estat macht, am 9./ 19. nach Presbnrg zu ver- 
reisen, so werden sie sich bald resol vieren müssen, was sie thun wollen, 
indem auf den Ungarischen Landtag wenigstens ein Vierteljahr hingehen 
wird und sie nicht nachfolgen werden. 



Andreas Nenmann an den Kurfürsten. D. Wien 
10. /20. Mai 1662. 

[Der Kaiser will den Stettiner Recees nicht ratificiereo.] 

20. Mai. Er übersendet die Monita der Schweden gegen das Projekt des Lehns- 
briefes. Man hat im RHofrath ein neues Projekt aufgesetzt nnd meint ein 
Temperament aufgefunden zu haben, wie man dem Instr. Pacis nachgehen 
and doch des Stettin. Recesses halber das Werk in suspenso halten könne. 
Es will sich aber nicht schicken, und ist der Kaiser damit nicht zufrieden 
gewesen, welchem im Interesse des Erzhauses die Auslegung der Expec- 
tanzen und die Genehmigung des Stettiner Recesses, was Artikel 29 an- 
betrifft, nicht genehm ist. Die Schwedischen Gesandten berufen sich auf das 

h d. 4. Mai 1662 (Bericht und Bewandnis (RepraeseDtatio) Beil. H. 
Diarium Europ. VIII S. 439. Londorp VIII 8.847). 

>) S. Bericht und Bewandnis (Rppraeaentatio) Beil. G. D iarium Europ. 
VIII S. 420. Londorp VIII S. 842. 



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VerhandlungeD in Wien Aber die schwedische Belehonog. 143 

vorhin ausgehändigte Concept, worin der Secretar ohne Befehl den Stetti- 
nischen Recess angezogen hat. Alles dependiert von des Kaisers Kati6cation, 
welche absqne consensn Statnum vel saJtem Electorum nicht erfolgen kann. 
Sollte es znr Belehnung kommen, so kehrt der Kaiser von Presburg, wo 
er jetzt ist, zurück. 



Andreas Nenmann an den Kurfürsten. D. Wien 
17./ 27. Mai 1662. 

[Aaf das Rescript vom 29. April/ 9. Mai. Verhandlangen mit den deputierten 
Reicbshofratbeu wegen der schwedischen Forderangen.] 

Seit Sparr and Meyins hier angelangt, haben mir dieselben keinen 27. Mai. 
Anlass gegeben, mit ihnen zn reden. Gestern aber schicicte der Reichs- 
Vicekanzler zn mir und begehrte, dass ich zu ihm käme. Er sprach an- 
fangs mit mir allein über die Schwedische Belehnung, doch kamen bald 
die anderen zu diesem Belehnungswerk deputierten Reichshofräthe (Graf 
V. Wolcicenstein, Walderode und Schütz) dazn, worauf er m'r vor- 
trug, ich würde wissen, dass man mit jener Belehnung bisher occnpiert ge- 
wesen. Die Schweden behan ten nnn anf der Goufirmation des Stettinischen 
Recesses, beriefen sich auf des Kf. und der Agnaten Consens, anch dass 
ihnen a. 1655 ein Goncept ihres Lehnsbriefes, worin des Stettinischen Re- 
cesses gedacht wird'), wäre zugestellt, und trotz der vielen Jahre Iseine 
Contradictio sich hervorthäte und dieses alles in Notorietate bestünde, und 
begehrten daher zn wissen, ob der Kaiser, was von keinem widersprochen 
worden, vor sich difficnltieren wolle. Alle bisherigen Remonstrationes hätten 
nichts verfangen, sie beharrten vielmehr darauf, dass der Rec. Stett. durch 
das Instr. Pacis veranlasst nnd also in demselben fundiert, anch in dem 
neulichen Olivischen Frieden Artic. 1 bestätigt wäre, dass sie ohne dessen 
Insertion oder Confirmation die Lehen nicht empfangen könnten, anch 
weder des Instr. Pacis noch des vorstehenden Recesses gesichert sein 
würden. Er wolle nun vernehmen, ob wegen des Ef. ich etwas dabei an 
Hand zn geben hätte, weil der Kaiser nicht gern wollte, dass dem Kf. nnd 
dessen Hanse Ungelegenheit entstehen sollte. Ich erklärte, dass ich über 
diese Dinge keinen Befehl hätte, dem Sternbach habe Kf. gesagt, dass er 
das, wozn er verpflichtet gewesen, praestiert habe, und zu weiterem nicht 
verbunden sei. Das 1655 abgefasste Concept eines Schwedischen Lehns- 
briefes sei, so viel Neu mann vernehme, ein unvollkommenes Werk, doch 
wäre ihm davon weiteres nicht bewusst, viel weniger, wie es mit dem an- 



*) Der belreffende Passus desselben lantet: ea latitudioe partis oricutalis, 
proat inter Regios et filectorales commissarioB circa ezactionem limilam cae- 
teroroQiqae minutioram definitionem Stetini die 4. Mail a. 1G.^)3 pecnliari et ab 
otriusque partis principalibus ratihabita recessu pleue convootum est. 



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144 3* ^10 BelehnuDg des KnrfurBten a. s. w. 

geblichen Consens der Markgrafen bewandt sei. Nachmittag theilt Schätz 
Neamann mit, das Werk sei noch mit ziemlichen Difficultäten amfangeo, 
die Schwedischen Abgesandten wollten von ihren Monitis nicht weichen 
nnd drohten davon zn ziehen, wofern man ihnen nicht deferierte. Was nun 
nach den eintretenden h. Pfingsttagen weiter vorgehen and aus dem Werke 
endlich werden wird, steht zu erwarten. 



Andreas Neumann an den Kurflirsten. D. Wien 
14. /24. Juni 1662. 

[Kaiserliche Besolation, neues Memorial der Schweden.] 

24 Juni. In der Schwedischen Lehnssarhe ist, nachdem der Kaiser einige zu- 

rückgebliebene Geh. Räthe nach Fressburg convociert, resolviert^, sie 
ihnen secnndnm tenorem Instr. Pacis zu geben und mit dem übrigen an 
den Reichstag zu verweisen. Sie haben aber durch ein Memorial cathe- 
goricam resolutionem auf ja oder nein begehrt, und soll das Memorial 
ziemlich hart eingerichtet, auch Wiedererstattung der verursachten Kosteu 
und Schäden darin bedingt sein. Ob sie mit solcher Bedrohung etwas her- 
ausbringen werden, steht zu erwarten; dem Verlaut nach macheu sie sich 
reisefertig. 



Andreas Neumann an den Kurflirsten. D. Wien 
21. Juni/ I.Juli 1662. 

[Neue Resolution des Kaisers. Abreise der Behwedischeo Gesandten.] 

1. Juli. (auf ein Resciipt des Kf. vom 28. Mai, worin er angewiesen ist, sich in 

das Schwedische Belebnungswerk weiter gar nicht einzulassen.) Uebersende 
hiermit der Schwedischen Gesandten rationes, so zu Behauptung ihres In- 
tents dem Reichshofrath hinterbrachte), deren ungeachtet sein Kais. M. 
darbei geblieben ^) , dass die Sache ad comitia zu remittieren , worauf die 
Gesandten am verschienen Dienstag nach Presbnrg gereiset, von Ihr. Maj., 
wie geschehen, Abschied zu nehmen, und sein gestern wieder anhero kommen, 
willens anstehende Woche ihre Rückreise anzutreten, nehmen ihren Weg 



Die Kaiserliche ResolutioD vom 18. Juni 1662 in Bericht nnd Bewaodais 
(Repraesenlatio) Beil. N. Diarium Europ. VIII S. 644. Londorp VIII 8.868. 

^ Memorial der Schwedischen Gesandten vom 21. Juni 1662 in Bericht 
und Bewandnis (ßepraesentatio) Boil. 0. Diarium Burop. VIII S. 652. Lon- 
dorp VIII 8.869. 

^ Zweite Kaiserliche Resolution vum 28. Juni 1662 in Bericht und Be- 
wandnis (Repraesontatio) Beil. P. Diarium Europ. VIII S. 668. Londorp 
VIII 8. 873. 



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Abreise der schwed. OesandteD. Drohende AbaichteD Schwedens. 145 

über Prag. Der Baron Sparr soll sich im Bremischen aufhalten, Kleihe 
aber nach Schweden gehen wollen, mündliche Relation zu erstatten und 
sodann den Reichstag za besnehen, dem Snolsky anch beiwohnen soll. 



Ewald V. Kleist^) an den Kurfürsten. D. Sternberg 
31. Oetober/[10. November] 1662. 

Er hat dem Kf. am 23. aus Dargnn berichtet, was zwischen dem 10. Nov. 
Schwedischen Reich6admiral und ihm wegen der Investitur über die Ex- 
pectantien im Discars vorgegangen. Der Camiusche Kapitular Weissen- 
fels hat ihm zu verstehen gegeben, man fürchte schwedischerseits , dass 
Kf. sich der Occasion, da am kaiserl. Hofe der Belehnuug über die im 
Grenzrecess ^exprimierten Expectantien widersprochen wird, dahin bedie- 
nen wolle, dass der ganze Grenzrecess möchte umgestossen werden, und 
dass solches ohne Krieg nicht würde geschehen können. Er hat das aber 
durchaus verneint. Sonst wird man gewahr, dass von schwedischer Seite 
so bald keine Investitur mehr wird gesucht werden, sondern man es darauf 
ankommen lassen will, ob die Zeit käme, da man sie offerieren würde, wie 
denn auch die Schickung auf den Reichstag so bald nicht geschehen wird. 
Der Yerdruss auf den kaiserlichen Hof ist sehr merklich und die Begierde, 
des Reichs Stände gegen denselben zu animieren, auch daher abzunehmen, 
dass der R.admiral oftmals wiederholte, der Kaiser bemühe sich sehr, die 
Krone Polen an sich zu bringen und fomentiere daher die Conföderation, 
wenn es ihm gelinge, sei es um des Reichs Freiheit gethan, und dieselbe 
noch mehr in Gefahr als 1629. Diese Materie, nebst dem, was wegen 
Lothringen das französische Interesse ist, scheint die vornehmste bei den 
Conferenzen gewesen zu sein, welche der Reichsadmiral occasione des 
Schwalbachschen Bades*) mit etlichen Kur- und Fürsten gehalten. 
Bei K.Mainz ist er zweimal und dieser ebenso oft bei ihm gewesen, er 
soll sogar atif dieser Reise selbst bis in Frankreich gewesen sein, dessen 
wahrer, eigentlicher Grund nicht zu penetrieren gewesen ist. Daran aber 
ist kein Zweifel, dass zwischen Frankreich und Schweden das Concert 
ganz fertig, und je geheimer es gehalten wird, je mehr und besser dieje- 
nigen, welchen an diesem Geheimnis gelegen, sich vorzusehen haben. 



1) Ewald V. Kleist, Geheimer Rath, 1649—1651 Gesandter des Kf. in Stock- 
holm (8. lY S. 843 ff.}, 1656 und 1657 wiederholt als Gesandter nach Dänemark 
and zu König Karl X. Gustav entsendet (s. VIII S. 113 ff. 124 ff. 175 ff. 228 f.). 

^ Wrangel war (Diarium Europ. VIII S. 643) incognito am 5. Juli 1662 
in Frankfurt angekomoien und von dort über Mainz, wo er stattlich empfangen 
wurde, nach Lange nach walbach gereist. Ende August kam er dann (Diar. 
Europ. IX, S. 186) inCöln an und reiste von hier über Holland nach dem Her- 
zogthum Bremen. 

Mater, s. Gesch. d. G. Karfürstcn. XI. 10 



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146 3- 1^16 Belehonng des Kurfürsten n. s. w. 

Die National -Regimenter in Schweden sind ganz complet nnd rühmt 
man sie 30000 Mann stark, davon über 15000 Mann zu Felde gehen können, 
ohne was im Bremischen vorhanden, und soll jetzt mit Königsmarck 
wegen Werbungen des Orts für Schweden gehandelt werden. 

Bei dem allen bleibt dennoch Gott Richter auf Erden. 



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Abschnitt 4. 

Der Anfang des Regensburger Reichstages. 
1662 — 1664. 



10* 



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Einleitung. 



Als der im Jahre 1653 in Regensburg zusammeDgetretene Reichstag 
im Mai des folgenden Jahres geschlossen wurde, obwohl die Mehrzahl der 
demselben durch das Westfälische Friedensinstrument zugewiesenen Reichs- 
verfassungsfragen noch nicht ihre Erledigung gefunden hatten, war be- 
stimmt worden ^), dass derselbe behufs Vollendung dieser Aufgabe nach 
zwei Jahren, am 17. Mai 1656 sich wieder versammeln und dass inzwischen 
eine der wichtigsten und schwierigsten unter jenen Fragen, diejenige be- 
treffend die casus restituendorum ex capite amnestiae et gravaminum, 
d. h. die Ausführung der Bestimmungen des Friedensinstrumeutes über den 
kirchlichen Rechts - und Besitzstand, durch die jetzt streng paritätisch zu- 
sammengesetzte ordentliche Reichsdeputation, welche auf den 1. October 
1654 nach Frankfurt a. M. berufen wurde, in Angriff genommen werden 
sollte. Die letztere ist, allerdings erst ein Jahr später, im September 1655, 
in Frankfurt zusammengetreten, hat dort, freilich ohne irgend etwas Er- 
hebliches auszurichten, bis zu Ende der Regierung Kaiser Ferdinand III. 
getagt, ein Theil ihrer Mitglieder bat dann eigenmächtig auch nach dem 
Tode dieses und nachher nach der Wahl des neuen Kaisers Leopold I., 
trotzdem derselbe ihre Verlegung nach Regensburg forderte, ihre Sitzun- 
gen dort fortgesetzt und hat so Veranlassung zu jenen Streitigkeiten ge- 
geben, welche im ersten Abschnitte dieses Bandes behandelt worden sind. 
Dagegen ist der Reichstag weder an jenem festgesetzten Termine noch 
überhaupt während der Regierung Ferdinand III. wieder zusammenberufen 
worden, und auch dessen Nachfolger hat sich lange gesträubt, jene Zusage 
seines Vaters zu erfüllen. Eine wirkliche Erledigung und Ordnung aller 
jener noch offenen und streitigen Fragen der Reichsverfassnng lag über- 
haupt durchaus nicht im Interesse der kaiserlich - österreichischen Politik, 
und am wenigsten konnte diese damals, nachdem gerade im Gegensatze 
zu ihr ein Theil sowohl der katholischen als auch der protestantischen 



*) Reichstagsabscbied 7on 1654 § 191. 192 (v. Meiern, Regenspargische 
BeiebstagB-HaDdlnDgen H S. 138 f.). 



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150 4- ^^^ Anfang des Regensbarger Reichstages. 

Fürsten sich mit Frankreich nnd Schweden zur Rheinischen Allianz 
vereinigt hatte, hoffen, dass eine solche ihren Wünschen gemäss werde 
zustande gebracht werden können. Daher hat der Kaiser dem ihm zu- 
erst von einigen befreundeten Fürsten zu Anfang des Jahres 1660 ge- 
machten Vorschlag'), jenem Streite über die Verlegung der Reichsdepu- 
tation durch Wiederberufung des Reichstages ein Ende zu machen, welcher 
bald auch von den Fürsten der Oppositionspartei wiederholt wurde, kein 
Gehör geschenkt, und auch, als zu Ende dieses Jahres infolge der üblen 
Wendung, welche die Siebenbürgischen Wirren nahmen, die Gefahr eines 
neuen Türkenkrieges heraufzog, und er sich entschloss, für einen solchen 
die Hülfe der deutschen Reichsstände in Anspruch zu nehmen, hat er zu- 
nächst unter dem Vorwande'), dass Gefahr im Verzuge sei, auf anderem 
Wege, durch besondere Verhandlungen mit den einzelnen mächtigeren Für- 
sten und Städten diese Absicht zu erreichen gesucht. Allein nur ein Theil 
derselben zeigte sich willfährig, und den Fürsten der Oppositionspartei gab 
gerade dieses Hülfsgesuch des Kaisers Gelegenheit, mit um so grösserem 
Nachdrnck die Berufung des Reichstages zu fordern. Das Haupt derselben, 
der Kurfürst von Mainz, verlangte in der Resolution, welche er dem an 
ihn abgeschickten kaiserlichen Gesandten ertheilte^), als das beste Mittel, 
nm einmütbig dem Türken entgegenzutreten, die Wiederberufung des Reichs- 
tages und sagte nur für den Fall, dass es vor derselben zum wirklichen 
Ausbruch des Krieges kommen sollte, die Stellung von Hülfstruppen zu. 
Noch entschiedener war die Sprache, welche der Pfalzgraf von Neuburg 
führte <), und in ähnlicher Weise machten auch die Braunschweigischen 



») S. oben Abschn. 1 S. 11. 

^) Vortrag der kaiserlichen Gesandten an die Reichsstände wegen der Tür- 
kenbülfe (Diar. Europ. VI 8.235. Londorp YIII 8.744): , Dieselbe thun sich 
zwar des alten Herkommens guter maassen bescheiden, dass dergleichen An- 
suchen and Begehren auf einer allgemeinen Reichs- oder Kreisversammlung ge- 
schehen sollte, nachdem aber mehr bedeutete vor Augen stehende Gefahr ein- 
zigen Verzug nit leidet und dargegen bekannt ist, wie schwer, kostbar und lang- 
sam es mit solchen Zusammenkünften hergehet, so haben I. K. M. nothwendig 
diesen nähern Weg der absonderlichen Schickung ergreifen — müssen. 

^ Diar. £urop. VI 8. 240. Londorp VIII 8. 746. Ueber die später von 
Kurmainz gestellten Bedingungen 8. Ludwig XIV. Instruktion für Gravel 
(Guhrauer II S. 305). 

*) Resolution von Pfalz -Neuburg an den kaiserl. Gesandten Grafen zu 
Konigseck, d. Düsseldorf 6. Februar 1661 (Londorp VIII 8.747): er ver- 
weigert eine bestimmte Erklärung, weil eine einseitige Hülfe nicht allein dem 
Kaiser wenig nützen, ^sondern von den Mitständen eine solche Specialdeclara- 
tion als ein Vorgriff in eine allgemeine Reichssache aufgenommen und ungleiche 
Gedanken erwecken werde", dagegen zweifle er nicht, wenn der Kaiser die 
Reichsstände zu einem Reichstage förderlichst berufen werde, dass dieselben 
ohne ZeitverlieruDg denselben beobachten und zu Abwendung der Gefahr freudig 
concurrieren werden, und dass im Fall der Feind vor Ablauf des im Reichstags- 



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EioleituDg. 151 

Fürsteo, der Herzog ?oq Würtemberg, der Landgraf von Hessen- 
Cassel u. a. ') ihre Hülfeleistnng von der Berafang des Reichstages ab- 
häDgig. Der Kaiser versuchte diese Opposition dadurch zu beschwich- 
tigen, dass er in einem Schreiben, welches er am 14. Mai 1661 an den 
Kurfürsten von Mainz und auch an die anderen Kurfürsten richtete^), im 
Princip in die Bernfung des Reichstages einwilligte und gegen die Deu- 
tung, welche man jenen besonderen Hülfsgesuchen an die einzelnen Reichs- 
stände gegeben hatte, als wolle er auf solche Weise denselben ihr jus' 
suffragii nehmen und dem Reichstage entfliehen, protestierte. Aber er 
erklärte doch wieder, dass er unter den jetzigen Verhältnissen die Aus- 
schreibung des Reichstages nicht für thuulich halte, und verlangte, dass zu- 
nächst der Deputatioustag nach Augsburg verlegt werde, mit der Versiche- 
rung, dass dort auch praeliminariter von dem gehandelt werden solle, was 
zur Beförderung des Reichstages dienen könne, und dass er, wenn er von 
den Reichsständen die Versicherung erhalten werde, dass man ohne Weit- 
läufigkeit zum Reichstage gelangen könne, einen solchen bald ausschreiben 
wolle. Allein dieser Versuch, zu dessen weiterer Durchführung er den 
Reichsvicekanzler v. Waldersdorf nach Mainz schickte, scheiterte voll- 
ständig. Der Kurfürst von Mainz und dessen Bundesgenossen verharrten 
einerseits bei ihrem Widerspruch gegen die Verlegung der Reichsdeputation, 
andererseits beschlossen sie auf den Vorschlag Ludwigs XIV., welcher 
so in geschicktester Weise die Bemühungen sowohl des Kaisers als auch 
des mit diesem Hand in Hand gehenden Papstes zu vereiteln wusste^), 
zwar dem Kaiser Hülfstrup^en anzubieten, aber unter Bediogungeu, von 
denen man im voraus wusste, dass derselbe sie nicht annehmen werde, 
nämlich dass die gesamten Alliierten als solche im Verein mit Frankreich 
ein besonderes Hülfsheer schicken wollten. Obwohl dieses Anerbieten ihm 
uicht officiell mitgetheilt wurde, bewog doch die Kunde von diesen Ab- 
sichten der Alliierten den Kaiser, zumal da die .Gefahr eines Krieges mit 
den Türken immer ernstlicher heranzutreten schien, zu weiterem Nachgeben. 
Zu einer solchen Demüthigung, die Hülfe des so verhassten und bisher so 
viel geschmähten Rheinbundes anzunehmen, wollte er sich nicht verstehen, 
leichter als mit diesem schien es doch möglich sich mit einem Reichstage 
zu verständigen, so erklärte der Kaiser schon im August 1661^), dass er 
den Reichstag auf den L October des nächsten Jahres ausschreiben wolle, 



auBschreiben benannten Termins losbrechen sollte, die Reichsstände „in ADsehnng 
des ausgeschriebenen Reichstages anerwartet des BeichsschlaBses'* dem Kaiser 
beispringen werden. 

') 8. Kocher, Gesch. von Hannover und Brauoschweig I S. 307. Sattler, 
Gesch. des Herzogthums Würtenberg X S. 10 f. Vgl. oben Abscho. 1 S. 29. 

^ Diar. Eorop. VII S. 103. Londorp VIII S. 759. S. oben Abechn 1 S.34. 

*) 8. Guhrauer H S. 297 ff. Köcher I S. 307 ff. 

*) 8. das Schreiben des Kaisers an den Kf. vom 25. August 1661 oben Ab* 
schnitt 1 S. 46. 



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152 4> I^or ÄDfaog des Regensbarger Reichstages. 

erbat deo CoDsens der Karfürsten dazo, stellte freilich nochmals das Ver- 
langen, dass zunächst der Depntationstag in Augsburg zusammentreten 
solle, Hess aber, da der Kurfürst von Mainz und dessen Bundesgenossen 
bei ihrem Widerspruche dagegen verharrten, schliesslich diese Forderung 
fallen und schrieb am 8. Februar 1662^), unter Hinweis auf die immer 
weiteren Uebergriffe der Türken in Ungarn und ihre bedrohlichen Rüstun- 
gen, sowie andererseits darauf, dass er „schon sonst gemäss dem letzten 
Reichsabschied entschlossen gewesen sei, zu fernerer Abhandlung der aus- 
gestellten Punkte und zu Erhaltung yon Friede und Einigkeit den proro- 
gierten Reichstag zu reassumieren^^ den Reichstag und zwar schon auf den 
S.Juni dieses Jahres nach Regensburg aus. Als Aufgabe desselben 
wurde in diesem Ausschreiben nur bezeichnet, es solle berathen werden, 
wie dem Türken kräftig und nachdrücklich gesteuert, derselbe von den 
kaiserlichen Erblanden abgehalten und dadurch auch das Römische Reich 
in beständiger Ruhe und Sicherheit erhalten bleiben möge, doch enthielt 
jene vorhergehende Erklärung wenigstens indirect das Zugeständnis, dass 
auf demselben auch die auf dem letzten Reichstage unerledigt gebliebenen 
Fragen wieder aufgenommen und auch über die securitas imperii, über eine 
Reichskriegsverfassung berathschlagt werden sollte- 

Das Verhalten des brandenburgischen Kurfürsten in den der wirk- 
lichen Bernfung des Reichstages vorhergehenden Streitigkeiten und Verhand- 
lungen ist schon oben im 1. Abschnitt näher dargelegt worden, die nachfolgend 
milgetheilten Akten sollen die Wirksamkeit veranschaulichen, welche der- 
selbe durch seiue Gesandtschaft auf dem Reichstage zunächst während der 
beiden ersten Jahre des Bestehens desselben ausgeübt hat. Die Auswahl 
aus dem ungemein umfangreichen Aktenmateriale ^ ist von dem Gesichts* 
punkte aus getroffen worden, dass diese Auszüge neben der besonderen 
Aktion des Kurfürsten und seiner Gesandten auch den allgemeinen Verlauf 
der Reichstagsverhandlungen erkennen lassen sollen. Allerdings liegt eine 
auf urkundlicher Grundlage beruhende Geschichte') jenes Reichstages vor, 
doch bietet dieselbe, für welche vornehmlich reichsstädtische Gesandtschafts- 
akten benutzt siod, weder ein ganz vollständiges Bild der dortigen Vor- 
gänge, noch finden diese immer die richtige Beleuchtung und Würdigung, 



Diar. Earop. VIII S. 123ff. Londorp VIII S. 811ff. Fachner v. Eg- 
gen stör ff, Vollständige SammluDg aller von Anfang des noch fürwährenden 
Teutschen Reichstages de anno 1663 biss anhero abgefassteo Reicbsschlüsbe 
I S. 1 ff. 

'-*) Ausser den sehr zahlreichen und ansführlichen , mit vielen Beilagen aus- 
gestatteten Relationen der Gesandten nnd den Sitzungsprotokollen liegt noch 
ein voD 6. v. Jena eigenhändig geführtes nioht minder umfangreiches Dia- 
rium vor. 

^) Gemeiner, Geschichte der öffentlichen Verhandlaogen des zu Regens^ 
burg noch fortwährenden Reichstages, I. II. Nörnberg 1794. 95. Auffallender 
Weise sind auch die Verhandlungen dieses Reichstages von Pufendorf fast 
ganz unberücksichtigt gelassen worden, dagegen sind die Hauptmomente der- 



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BinleitoDg. 153 

so dasB eine Ergänzong derselben ans anderweitigen Quellen keineswegs 
als überflüssig erscheint. 

Die wirkliebe Eröffnung des ursprünglich auf den 8. Juni 1662 be- 
rufenen Reichstages hat sich sehr lange hingezogen. Als die branden- 
bnrgische Qesandtschaft Anfang September in Regensburg ankam, waren 
dort ausser den kaiserlichen Kommissaren, deren Haupt, der Erzbischof von 
Salzburg erst wenige Tage vorher seinen Einzug in die Stadt gehalten 
hatte, nur wenige andere Gesandten anwesend, erst allmählich in den näch- 
sten Monaten fand sich eine grössere Zahl zusammen, am 2. December 
kündigte der Erzbischof von Salzburg an, dass der Kaiser die Ver- 
lesung der Proposition und damit die Eröffnung des Reichstages auf den 
20. Januar 1663 festgesetzt habe, an diesem Tage fand dieselbe wirklich 
statt und darauf haben die Sitzungen begonnen. Gleich zu Anfang trat 
der Gegensatz der Parteien hervor; während der Kaiser und die demselben 
willfährige Majorität im Kurfürsten- und Fürstencollegium zunächst nur 
den ersten Funkt der kaiserlichen Proposition, die Berathung über die dem 
Kaiser gegen die Türken zu leistende Hülfe, in Angriff nehmen wollte, 
verlangte die Oppositionspartei, die Rheinischen Alliierten, und unter ihnen 
namentlich die weltlichen Fürsten, welche auf Anregung und unter Leitting 
von Pfalz -Neuburg im April 1662 zu dem „Pürstenverein" zusammen- 
getreten waren 1). auf deren Seite sich aber bald auch einige andere Fürsten 
und zeitweilig auch die Reichsstädte stellten, auch gleichzeitige Vornahme 
der beiden anderen Punkte, der Reichskriegsverfassung und der durch das 
Friedensinstrument auf den Reichstag verwiesenen Fragen, namentlich über 
die Wahlcapitulation, doch konnten die letzteren damit nicht durchdringen, 
und 80 hat der Reichstag angesichts der immer drohender herannahenden 
Türkengefahr sich bis zum Juli ausschliesslich mit den die Türkeuhülfe 
betreffenden Fragen beschäftigt. Entsprechend den Weisungen, welche er 
seinen Gesandten schon in ihrer Instruktion ertheilt hatte, lässt der Kurfürst 
dieselben während dieser Verhandlungen durchaus die Wünsche und For- 
derungen des Kaisers unterstützen^ freilich aber bedingt er insgeheim aus, 
dass er selbst mit Rücksicht auf die Gefahren, welche ihm im Norden 
durch die feindselige Haltung Schwedens und Polens und durch die 
Streitigkeiten mit den preussischen Ständen drohten, von der Leistung der 
Hülfe entbunden sein sollte. Anfang Juli erhielten diese Berathungen über 
die Türkenhülfe mit der Ueberreichung eines Reichsgutachtens an den 
Kaiser, in welchem sich das Kurfürsten- und die Majorität des Fürsten- 
collegiums zu der Zahlung von 50 Römermonaten auf ein Jahr, die Al- 



selbeo schon von Droysen, Gesch. der Preuss. Politik 111,3 S. 28ff. hervor-, 
gehoben worden, neuerdings sind dann die dortigen Vorgänge, aber nor des er- 
sten Jahres 1663, genauer von Köcher, Gesch. von Hannover und Braunschweig 
I S. 321 ff. dargestellt worden. 

^) 8. Sattler, Gesch. des Herzogthums Wurtenberg X S. 19. Köcher, 
I S. 316 ff. 



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154 4* I^er Anfang des Regensbnrger Reichstages. 

liierten, denen der Kaiser nun doch dieses Zugeständnis machen mnsste, 
ZQ der Stellang eines entsprechenden Truppencorps unter besonderen, oiit 
dem Erzbischof von Salzburg vereinbarten Bedingungen^ von den Städten 
nur ein Theil zur Zahlung von 20 Römermonaten erboten, einen vorläufigen, 
sehr ungenügenden Abschluss, und es wurden nun die anderen Fragen vor- 
genommen. Nach langen Streitigkeiten darüber, in welcher Ordnung über 
dieselben berathen werden sollte, einigte man sich Anfang September d^hin, 
dass in der nächsten Zeit nur die Reichskrieg6verfassung, vom 1. November 
an aber abwechselnd mit derselben auch die Wahlcapitnlation berathen 
werden sollte. Obwohl inzwischen der Krieg in Ungarn begonnen hatte 
und bei den glücklichen Erfolgen der Türken bald auch die deutschen 
Erblande des Kaisers in ^ä(;h:^ter Nähe von denselben bedroht wurden, 
wurden die Verh.indlungen über die R eic hs kr iegs Verfassung zunächst 
rein theoretisch und mit derselben L;mü;8amkeit und Uneinigkeit wie vorher 
geführt, so dass erst Anfang December ein einhelliger Bcv^^chluss der drei 
Collegien zu stände kam, nach welchem ein jeder Reichsstand das Triplum 
seines alten Anschlages bereit halten sollte. Kurfürst Friedrich Wil- 
helm, der inzwischen dem Kaiser ein besonderes Hülfscorps geschickt 
hatte, hat sich allerdings auch nn jenen Berathungeu betheiligt und die- 
selben durch gute Rathschläge, welche er ertheilen Hess, zu fördern ge- 
>ucht, er hat aber fortgesetzt darauf gedrungen, dass dieselben beschleunigt 
und dass vor allem der augenblicklich drohenden Gefahr gegenüber wirk- 
lich Hülfe geschafft werden solle; in der Erkenntnis, dass ein nach dem 
bewilligten Triplum aufgestelltes Reichsheer (c. 30,000 Mann) nicht aus- 
reiche, verlangt er, dass man sich zunächst über eine grössere Zahl von 
Truppen (er schlug 60,000 Mann vor) vergleichen und dann erst überlegen 
solle, wieviel die einzelnen Reichsstände dazu zu stellen hätten, er dringt 
darauf, dass die Fragen wegen einer beständigen Reichskriegsverfassung 
und wegen der gegenwärtig zu leistenden Türkenhülfe von einander ge- 
sondert und dass zunächst, da die höchste Gefahr im Verzuge sei, nur die 
zweite erledigt werde. Nur dieses letztere ist erreicht worden, im übrigen 
aber nahmen die Verhandlungen, auch nachdem Ende December der Kaiser 
und dadurch veranlasst die übrigen Kurfürsten und zahlreiche andere Für- 
sten persönlich in Regens bürg erschienen waren, (Kurfürst Friedrich 
Wilhelm hat die Frage, ob auch er der an ihn ergangenen Einladung 
dorthin Folge leisten solle, ernstlich in seinem Geheimen Rathe erörtern 
lassen, aber sich schliesslich namentlich mit Rücksicht darauf, dass die 
Wirren in Polen seine Anwesenheit im eigenen Lande erforderten, ent- 
schlossen, dieselbe abzulehnen) denselben schwerfälligen Verlauf wie vorher, 
zu der Bewilligung einer grösseren Streitmacht wollte man sich nicht ver- 
stehen, und Monate vergingen, ehe man sich über die Einrichtung und Aus- 
rüstung des nach dem Triplum aufzustellenden Reichsheeres, welches, da 
die Truppen der Alliierten ein besonderes Corps für sich bildeten , auf 
20,000 Manu augeschlagen wurde, namentlich über die Besetzung der 
höheren Befehlshaberstellea einigen konnte. So hat sich diese Reichsarmee 



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EioIeitoDg. 155 

erst Mitte Juli 1664 mit der kaiserlichen Armee unter Monte cnccoli ver- 
einigt und hat nur ao den letzten Kämpfen, denen schon im September 
der von dem Kaiser auf eigene Hand abgegchlossene Friede ein Ende 
machte, mit wenig Ruhm Thell genommen. Der Kurfürst hat sich die von 
dem Reichstage in diesen Angelegenheiten gefassten Beschlüsse gefallen 
lassen, hat nach wie vor die Forderungen des Kaisers unterstützt, hat 
aber seinerseits unter Berufung darauf, dass er dem Kaiser ein besonderes 
Hülfscorps geschickt habe^ und dasp dieses stärker sei, als das nach dem 
Triplam auf ihn fallende Contingent betragen würde, jeden Beitrag zu den 
Kosten des Reichsheeres abgelehnt. 

Die mit der Türkenhülfe zusammenhängenden Fragen haben bis gegen 
Ende des Jribres 1664 den Reichstag üo überwiegend beschäftigt; dass 
neben ihnen und der Erfurter Angelegenheit, welche zeitweilig im Sep- 
tember und October die ordentlichen Reichstagsverhandlungen ganz in's 
Stocken brachte, nur noch ein anderer wichtiger Punkt, nämlich die Wahl- 
capitalation, in Angriff genommen worden ist. Nach dem am 26. Sep- 
tember 1663 gefassten Beschlüsse sollte vom 1. November dieses Jahres an 
diese Frage abwechselnd mit der Reichskriegsverfassung berathen werden, 
dem zufolge waren im October die kurfürstlichen Gesandten zu vertrau- 
lichen Besprechungen über diese Angelegenheit zusammengetreten, am 
19. November fassten sie eine Declaration ab, in welcher die Zugeständnisse, 
zu denen sich die Kurfürsten aus freien Stücken bereit erklärten, angegeben 
wurden, und |);ellten am 23. November dieselbe dem Directorium des Fürsten- 
collegiums zu. Diese Zugeständnisse waren aber so unbedeutend, dass die 
Fürsten, insbesondere die Mitglieder der Oppositionspartei, damit durchaus 
nicht zufrieden waren, vielmehr wurden von denselben ähnlich wie schon 
auf dem vorigen Reichstage Forderungen erhoben, welche darauf hinzielten, 
den Kurfürsten bei der Abfassung der Wahlcapitulation gänzlich die Hände 
zu binden und so die Prärogativen derselben auf das äusserste zu be- 
i^cbränken. Doch wurden auch die Verhandlungen über diese Frage so 
hinausgezogen, dass dieselben bis zu Ende des Jahres nicht über die vor- 
bereitenden Stadien hinausgekommen sind. Innerhalb des Fürstencollegiums 
selbst DQachte sich der Gegensatz zwischen den weltlichen und den 
geistlichen Mitgliedern desselben geltend, zunächst traten nur die er^teren 
und zwar unter Ausschliessung der Gesandten derjenigen kurfürstlichen 
Häuser, welche als Inhaber von Fürstenthümern auch diesem Collegium 
angehörten, zusammen und stellten ein Gegenproject einer „beständigen^ 
Wahlcapitulation auf. Nachdem sie Anfang Juli 1664 damit fertig gewor- 
den waren, traten nun die Geistlichen, von denen auch die Vertreter der 
kurfürstlichen Häuser, darunter auch der des brandenburgischen Kurfürsten, 
hinzugezogen wurden, ihrerseits zusammen, um über das kurfürstliche Pro- 
ject zu berathen, erst Ende November wurden sie mit ihren Bemerkungen 
zu demselben fertig und erst Anfang Decembcr haben dann die Berathun- 
gen darüber im pleuuni des Fürstencollegiums begonnen. Kurfürst Fried- 
rieh Wilhelm hat auch jetzt in dieser Frage dieselbe Haltung einge- 



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156 4- I^or Anfang des Regensbürger Reichstages. 

Qommea wie auf dem vorigen Reichstage^ er hat allerdings gegenüber jenen 
so weit gehenden Forderungen der Pürstenpartei an der Behauptung der 
wesentlichen, in den Reichsgesetzen und dem Herkommen begründeten 
Vorrechten der Kurfürsten mit Entschiedenheit festgehalten und hat zu 
diesem Zwecke unter diesen selbst eine festere Vereinigung zn begründen 
versucht, aber er hat sonst gegen billige Forderungen der Fürsten zur 
Nachgiebigkeit gerathen. Er hat gleich zu Anfang, als ihm jene kurfürst- 
liche Declaration, die den Charakter eines Ultimatum trug, mitgetheilt wurde, 
erklärt, die Fürsten würden sich sicherlich nicht mit diesen Zugeständ- 
nissen begnügen, und darein gewilligt, dass mit denselben weiter darüber 
verhandelt werde, ebenso hat er nachher, obwohl er vorher das Gegentheil 
gewünscht und gefordert hatte, nachgegeben, dass diese Verhandlungen im 
plenum in ordentlicher Weise geführt wurden. 

Neben den eigentlichen Reichstagsgeschäften haben die brandenbur- 
gisclien Gesandten in Regensburg in diesen Jahren auch andere Verhand- 
lungen zu führen p:ehabt, sie erhielten den Auftrag, beim Kaiser die Resti- 
tution von Jägerndorf zu betreiben, sie sind mit den Gesandten des 
Pfalzgrafen von Neuburg und mit denjenigen Fürsten, welche sich zur 
Vermittelung der Streitigkeiten desselben mit dem Kurfürsten erboten, in 
Unterhandlungen getreten, und haben, freilich schliesslich ohne Erfolg, zu- 
nächst in der Streitfrage über das Directorium im wei>tfäli sehen Kreise 
einen Ausgleich anzubahnen versucht, ihnen wurden dann im Jahre 1664, 
nachdem der Kurfürst sich entschlossen hatte, der R he ini selben Allianz 
beizutreten, die darauf bezüglichen Verhandlungen mit dem jetzt auch in 
Regensburg anwesenden Bundesrathe übertragen; auch über diese ander- 
weitige Thätigkeit derselben geben die hier mitgetheilten Akten Auskunft. 

Die Gesandtschaft, welche Kurfürst Friedrich Wilhelm im August 
1662, jedenfalls in der Voraussetzung, dass auch dieser Reichstag eine 
nicht allzu lange Dauer haben werde, nach Regensburg schickte, war eine 
sehr zahlreiche und ansehnliche, sie bestand aus den beiden Mitgliedern 
des Geheimen Rathes Clans Ernst v. Platen und Carl Caspar 
V. Blumenthal, aus dem Halberstädtischen Regierungs- und Landrath 
Curt Asche v. Mahrenholtz und dem Frankfurter Professor Dr. Gott- 
fried V. Jena, denen 4 Edelleute und ein stattliches anderweitiges Ge- 
folge beigegeben wurden. Die lange Verzögerung der Eröffnung des 
Reichstages, dann das unerwartete Hinziehen der Verhandlungen desselben 
haben aber den Kurfürsten bald veranlasst, namentlich aus Rücksicht auf 
den grossen Kostenaufwand, dieselbe einzuschränken. Schon Anfang De- 
cember 1662, also noch ehe die eigentlichen Reichstagsverhandlongen be- 
gonnen hatten, wurde v. Blumenthal abberufen, um die Gesandtschaft 
nach Paris zu übernehmen, im Mai 1663 wurde auch v. Platen und der 
grössere Theil des Gefolges zurückgerufen, so dass nur v. Mahrenholtz 
und Jena, jener als Vertreter des Kurfürsten im Kurfürsten-, dieser im 
Fürstencollegium, mit bescheidenem Gefolge in Regensburg zurückblieben. 



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Einleitung. 157 

Der erstere war schon im Jahre vorher (Januar — Februar 1661) zu 
einer diplomatischen Sendung an den dänischen Hof verwendet worden, 
er ist bis zu seihem Tode (29. October 1674 ^) in Regensburg geblieben, 
ohne, wie es scheint, dort eine bedeutende Rolle zu spielen, der letztere 
hat hier zum ersten Male die diplomatische Carriere und zugleich diejenige 
Stellung angetreten, in welcher er nachher lange Jahre verblieben ist, und 
in welcher er eine hervorragende Thätigkeit entwickelt hat. Gottfried 
von Jena'), der jüngere Bruder des Geheimen Rathes und Halberstäd- 
tischen Kanzlers Friedrich von Jena, 1620 in Zerbst geboren, hatte 
wie jener sich der jaristischen Laufbahn zugewandt und nach Absolvierung 
seiner Studien auf den Universitäten Wittenberg, Giessen und Mar- 
burg und nach längeren Reisen sich als Docent der Rechte in HeideU 
berg niedergelassen, war dann aber 1655 als Nachfolger seines damals 
von dem Kurfürsten als Geheimer Rath in dessen unmittelbare Nähe ge- 
zogenen Bruders als ordentlicher Professor der Rechte an die Univer- 
sität Frankfurt a. 0. berufen worden. Dort hat er sich neben seiner 
akademischen Thätigkeit durch die Anfertigung von Rechtsdeductionen und 
Gutachten hervorgethan, er wurde dafür von dem Kurfürsten mit dem Titel 
eines Geheimen Rathes beehrt und 1662 als Mitglied der Reichstagsgesandt- 
schaft nach Regensburg entsendet. In dieser neuen Stellung als Ver- 
treter des Kurfürsten auf dem immer verlängerten und schliesslich in eine 
ständige Versammlung verwandelten Reichstage ist er ein Viertel Jahrhun- 
dert lang, beinahe bis zum Tode des Grossen Kurfürsten, bis zum Sommer 
1687 *) verblieben, nnd er hat dieselbe auf das geschickteste und würdigste 



») S. ürk. u. Akt. IX S. 719f. 

>) Irrig setzen Cos mar nnd Elaproth, Gesch. des PreussischeD Geheimen 
Staatsraths S. 362 seioen Tod anf den 18. September 1689 ao; O. v. Jena mel- 
det (d. Regenshurg 19./29. October 1674), dass v. M. an diesem Tage Nachmittags 
3 Uhr nach ganz kurzer Krankheit (er hat noch die vorhergehende Relation vom 
15./25. October unterzeichnet) gestorben sei. ^ 

') S. Isaacsohn in der AUgem. deutschen Biographie XIII S. 762. 

*) Irrig giebt Isaacsohn a. a. 0. an, G. v. Jena sei trotz der zu Anfang 
des Jahres 1687 zwischen ihm und dem Kf. entstandenen Differenzen anf seinem 
Posten in Regenshurg bis über den Tod des Kf. hinaus verblieben. Allerdings 
wurden jene Diflferenzen ausgeglichen, der Kf. versichert ihn (d. Potsdam 
22. März/ 1. April 1687) wieder seiner früheren Huld und Gnade, gewährt ihm 
aber zunächst einen dreimonatlichen Urlaub, um seine in Brescia sich aufhaltende 
Tochter daselbst zu besuchen, und weist ihn an, sodann sich zur Beobachtung 
seiner obliegenden Funktionen im Herzogthum Magdeburg wieder einzufinden, 
nimmt aber (d. Potsdam 29. Mai / 8. Juni 1687) den ertheilten Urlaub wieder zurück 
nnd befiehlt ihm, sogleich nach Halle sich zu begeben, und J. meldet von dort 
am 2./ 12. Juli desselben Jahres, dass er dort angekommen sei. Nach seinem 
Abgange verwaltete zunächst der schon 1680 ihm beigegebene C. Schonheck 
allein die Gesandtschaftsgeschäfte, bis der Kf. noch in demselben Jahre Ernst 
V. Metternich und Wolfgang v. Schmettau zu seinen Gesandten beim 
Reichstage ernannte. 



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158 4- Der Anfang des Regensburger ReichetageB. 

and zar volleo Zufriedenheit seines Herren ausgefüllt. Mit einer gründ- 
lichen Kenntnis der verwickelten staatsrechtlichen Verhältnisse verband er 
eine scharfe Beobachtungsgabe; und auch mit den damaligen Künsten der 
diplomatischen Intrigue hat er sich schnell vertraut gemacht; bei aller Ent- 
schiedenheit; mit welcher er die Rechte und Interessen seines Herrn ver- 
trat, zeigte er sich doch mild und versöhnlich, er war von angenehmen 
Umgangsformen und hat sich so auch bei seinen Genossen in Regensburg 
allgemeiner Achtung und Beliebtheit erfreut. 

Als Anhang sind diesem Abschnitte die auf die Versammlungen des 
Obersächsischen Kreises zu Leipzig (October 1663 und Juni 1664) 
und auf die beiden Zusammenkünfte des brandenburgischen Kurfürsten mit 
dem Kurfürsten Johann Georg von Sachsen (December 1663 und Juni 
1664) bezüglichen Akten beigegeben. Dieselben Fragen; welche den Reichs- 
tag beschäftigten; namentlich die Abwehr der Türkengefahr und die Er- 
furter Händel, sind auch auf diesen Zusammenkünften zur Sprache gekom- 
men. Von Interesse sind dieselben namentlich deswegen; weil sie zeigen, 
wie der Kurfürst den damals angesichts der Türkengefahr auch im Ober- 
sächsischen Kreise gemachten Versuch der Organisierung einer Landes- 
vertheidigung unterstützt, wie er zugleich sich bemüht hat, einerseits eine 
Vereinigung desselben mit dem benachbarten Niedersächsischen Kreise, 
in welchem eine ähnliche Einrichtung begründet war, herbeizuführen, anderer- 
seits eine besondere Verbindung mit Kursachsen und anderen benach- 
barten Fürsten zur gegenseitigen Hülfeleistung zu stände zu bringen, wie 
er ferner sich bemüht hat; überhaupt mit Kursachsen in ein näheres 
und engeres Verhältnis zu treten, welche Versuche aber durch die un- 
schlüssige und zweideutige Haltung des sächsischen Kurfürsten vereitelt 
worden sind. 



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Instruktion der Reichstagsgesandten. 159 



Instruktion, womit wir — unsere liebe getreue Claus Ernst 
V. Platen — , Christoph Casparn Freiherrn v. Blumenthal — , 
Gurt Aschen von Mahrenholtz — und Gottfrieden v. Jena auf 
den am 8. Juni 1662 ausgeschriebenen Reichstag naher Re- 
gensburg abgefertiget haben. D. Cöln a. d. Sp. 23. Juli/ 
[2. August] 1662. 

Sie sollen, obwohl die kaiserlichen Eommissarien wohl nicht zum fest- 2. Aug. 
gesetzten Termin eintrefifen werden, doch im Juli in Regensburg sich 
einfinden, v. Platen soll im Kurfürstlichen Collegio des Kf. Stelle halten 
und Freih. v. Blumenthal das Wort führen, im Fürstenrath aber v. Mah- 
renholtz wegen Hai berstadt und Pommern, v. Jena wegen Minden 
and Camin reden und votieren^). 

Als Funkte der Berathschlagnng bezeichnet das kaiserliche Ausschreiben, 
d. Wien 8. Februar*), dass: 

1) Yon der Sicherheit des Reiches und wie dem Türkischen Yorbruch 
in dasselbe als auch in die Kaiserlichen Erblande zu wehren, 

2) von der dnrch den Friedensschluss und letzten Reichsabschied zur 
allgemeinen Erörterung verwiesenen Reichsangelegenheiten zu handeln 
sein wird. 

Woneben dann einige andere absonderlich uns und unsere Lande 
angehende, dann auch diejenige Sachen, so uns sonsten recomman- 
dieret, zu beobachten sein werden. 
I. Türken hülfe. Ges. sollen dafür stimmen, dass solch Werk zu- 
erst .vorgenommen werde, zuförderst aber rathen, dass der Kaiser quibus- 
cnnqne honestis conditionibus Frieden mit dem Türken machen möchte; 
sollte dies nicht möglich sein und zur Deliberation kommen, ob und wie 

') S. die ähnliche Geschäftsvertheilnng in der laBtraktion für die Gesandten 
aat dem vorigen Reichstage, Urk. u. Akt. VI S. 164. 

') Diarium Europ. VIII S. 123ff. Londorp VIII S. 811 ff. Pachner 
7. Eggenstorff, Vollstäodige Sammlaog aller von Anfang des noch fürwäh- 
reuden Teutschen Reichstags de anno 1G63 biss anhero abgefassten Keicha- 
schlösse I S. Iff. Vgl. oben S. 56 u. 152. 



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160 4- ^^f Anfang des Regenaburger Reichbtages. 

weit sich das Reich dieses Krieges anznnehmen habe, so befindet Kf. in 
Anbetracht der aach deni Reiche durch die Türken drohenden Gefahr die 
Hülfe für nöthig. Betreffend 1) die Frage, wie stark die Hülfe sein solle, 
kann Ef. jetzt noch nichts resolvieren, sondern will sie erst auf empfan- 
genen Bericht hierüber instruieren. Einwendungen wegen Moderation der 
Matrikul u. dgl. sollen nicht beachtet, sondern deren Erörterung auf an- 
dere Zusammenkünfte verschoben werden. 

Jedoch haben unsere Abgesandten bei den Kaiserlichen Commis- 
sarien ingeheimb zu bedingen, dass, da es anjetzo an nnsern Gren- 
zen sehr trübe aussiebet und wir umb unserer Lande aus der Nach- 
barschaft anscheinenden Gefahr willen eben jetzo noch in kostbaren 
Verfassungen stehen müssen, wir zu solcher allgemeinen TürkenhQlfe 
für diesesmal und ehe wir von der obgesagten Gefahr befreiet, wie 
gerne wir auch wollten, etwas beizutragen nicht vermöchten, und 
hoffeten also, Ihre Kais. Majestät hierunter uns nicht verdenken, son- 
dern das Türkische Wesen vielmehr dahin richten würden, dass durch 
Gelegenheit desselben andere nicht Anlass nehmen möchten, Sie und 
uns zu beleidigen und zu infestiren. 

Betreffend die Fragen: 2) ob die Hülfe in Völkern oder Geld beste- 
hen, 3) wenn Völker zu senden, wie es mit ihrem Unterhalt, 4) wie es mit 
dem Commando und der Direktion des ganzen Wesens zn halten sein 
solle, hält Kf. die Geldhülfe für die geeignetste, doch da auch hierbei 
Schwierigkeiten sind und er zu diesem Werke diesmal überhaupt nichts 
beitragen kann, können sich die Gesandte den Majoribus accommodieren ; 
5) wie das Geld aufzubringen, wird am passendsten der Ausschlag nach 
den Römermonaten gemacht werden, auch nach den Beschlüssen früherer 
Reichstage auswärtige christliche Potentaten, auch die Eidgenossen, der 
Ritterorden und die unmittelbare Reichsritterschaft um Geldhülfe und Sen- 
dung yon Truppen angegangen werden können; 6) wegen der Artillerie, 
ist es wie früher zu halten, dass die Könige von Ungarn diese anzuschaffen, 
die Kreise etwas Feldgeschütz ihren Völkern mitzugeben haben. Betref- 
fend 7) die anderweitige Sicherheit des Reichs, so scheinen Gefahren für das- 
selbe jetzt nicht zu fürchten zu sein, man müsse Streitigkeiten mit aus- 
wärtigen Mächten jetzt nicht anregen, aber doch dafür sorgen, dass das 
Reich in unvermutheten Fällen nicht gar bloss stehen, sondern ein jeder 
der Executionsordnung gemäss sich bezeigen möge. 

II. Punkte, welche durch das Instrumentum paci s auf einen 
allgemeinen Reichstag verwiesen, aber auf dem vorigen Reichs- 
tag nicht völlig abgethan sind. 

1) Justitialia. Betreffend Abthoung der Mängel bei dem Reichskam- 
mergericht, Verbesserung der Ordnung desselben sowie der Reichshof- 



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loBtruktioD der Reichstagsgesandten. 161 

' rathsordoung sollen Ges. in a]Ien zweifelhaften Fällen erst an Kf. 
referieren. Eine Revision der Eammergerichts-Matriknl ist, nachdem 
aaf dem letzten Reichstage Erhöhung der Gehälter der Assessoren 
und sonstigen Officianten desselben beschlossen ist ^), nothwendig. 
Betreffend die Präsentation der Assessoren von evangelischer Seite 
sollen Ges. dahin sehen, dass Ef. im niedersächsischen Kreise mit zar 
Präsentation gezogen werde, im westfälischen Kreise aber den einen 
evangelischen Assessor allein präsentiere. Auch in der Kanzlei soll 
die Parität der Religionen durchgeführt, die Visitation derselben nicht 
.durch K.Mainz allein, sondern mit Zuziehung anderer, darunter 
auch evangelischer Stände, erfolgen. Bei der neuen Reich shofraths- 
Ordnung^) sollen die Monita der Stände'} berücksichtigt, in dem 
Reichsbofrath selbst die Zahl der evangelischen Mitglieder vermehrt wer- 
den, so dass die Parität wirklich beobachtet werden kann; Qes. sollen 
auch dahin wirken, dass den evangelischen Mitgliedern grössere Re- 
ligionsfreiheit gewährt werde. 

2) Ecclesiastica. Bei Erledigung der Restitutionsfragen sollen Ges. 
ihr Absehen auf das Instr. pacis, den Nürnbergischen Executions- 
recess und den arctior modus exequendi richten. 

3) Politica. In betrefif der Herstellung der Parität im Kurfürsten- 
collegium auf Deputationstagen soll es, da über andere Vor- 
schläge Kur- und Fürstencollegium sich nicht haben verständigen 
können, bei dem alternierenden quarto voto^), das auf ein interim bei 
jüngster Deputation eingeführt ist, verbleiben. In der Frage wegen 
der Pluralitas votorum in collectis') hat Kf. sich jetzt für die 
von den evangelischen Fürsten vorgeschlagene^) Distinktion entschie- 
den, dass nicht bei voluntariae, sondern nur bei necessariae coUectae 
die majora zu gelten hätten, und zwar nur, wenn die Majorität wenig- 
itens zwei Drittel der Vota betrage. Wenn zwei Drittel der Vota 
nnius collegii eine collecta für necessaria erklären, so soll dieselbe 
dafür zu achten sein. 

Verhandlungen über die Frage wegen einer beständigen Wahl- 
capitulation ^) haben die Ges. sich zu bemühen zu verhüten, sollten sie 

BeichstagsabBchied von 1654 § 11 (v. Meiern II Anhang S. 97); 8. Urk. 
u. Akt. VI S. 294. 

2) 8. V. Meiern I S. 1133fr. Urk. u. Akt. VI S. 436. 450. 

.») V. Meiern I S. 1135 f. 

^) Reichstagsabschied von 1654 § 191 (v. Meiern II Anhang S. 138). S. Urk. 
u. Akt VI S. 319ff. 348. 400f. DroysenlU, 2 S. 87ff. Kocher I S.lOSff. 149. 

^) S. über die darüber anf dem letzten Reichstage geführten Verhandlungen 
Droyeen HI, 2 S. 86 ff. Köcher I S. 108ff. 149. 

h 8. Urk. u. Akt. VI S. 320f. 

S. über die Verhandlungen darüber anf dem letzten Reichstage und die 
Stellungnahme des Ef. Urk. q. Akt. VI S. 375 ff. 400ff. Droysen a. a. 0. 
Köcher a. a. 0. 

Mater, x. Gesch. d. O. Kurfürsten XI. 1 1 



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162 4* Der Anfang des Regensbarger Reicbstages. 

doch vorgenommen werden, so sollen sie darauf sehen, dass in einer solchen 
Capitulation den Rechten der Kurfürsten nichts vergeben werde; es wird 
sich schwerlich practicieren lassen, eine solche Capitulation aufzusetzen, 
darin nach Gelegenheit der Zeit bei künftigen Fällen nichts zu ändern 
vorfallen sollte. 

Wegen der Achtserklärungi) soll die Bestimmung der Wahlcapi- 
tulation^ wiederholt und dem Reichsabschiede inseriert werden, dass kein 
Stand des Reiches ohne der gesamten Stände Erkenntnis und Einwilligung 
oder wenigstens der sieben Kurfürsten bei einer Collegialvcrsammlung in 
die Acht erklärt werden dürfe; der Punkt des letzten Reichstagsabschieds ^, 
worin dem Kammergericht die Achtserklärung ex solo capite contumaciae 
zuerkannt wird, soll geändert werden. 

Wegen Verbesserung der Defensions- und Executionsord- 
nung ist auch Kf. der Meinung, dass diese wohl eingerichtet und es nur 
dahin zu bringen sei, dass sie wirklich ausgeführt werde, doch soll der 
Punkt der Executionsordnung geändert werden, dass erst ein Kreis seine 
Macht allein versuchen und erst, wenn diese sich nicht als ausreichend er- 
weist, andere Kreise herangezogen werden sollen, vielmehr muss sofort die 
Hülfe nach der Gefahr und Macht des Feindes eingerichtet und einem 
solchen mit gesamter Macht begegnet werden. 

Es soll eine Verbesserung der Polizeiordnung vorgenommen wer- 
den, auf Grund der auf dem niedersächsischen Kreistage zu Braunschweig 
1654 gemachten Vorschläge, doch muss allen Ständen freigelassen werden, 
nach Gelegenheit und Zustand ihrer Lande die Polizei einzurichten, nur 
dass darin nichts, so der allgemeinen Polizei direct entgegenlaufe, festge- 
setzt werde. 

Im Kriege unbefugterweise eingeführte Zölle^) sollen abgeschafft, neue 
gemäss der Wahlcapitulation ^) nur mit Zustimmung des Kurfürstencolle- 
giums gestattet werden. Ges. sollen sich bemühen, dass DonaiArörth 
restituiert, dass dasPostwesen geregelt werde. Wenn, wie zu erwarten, 
die Mitglieder des Deputationstages, über dessen Translocation es zu 



^) Vgl. die ähnlichen Vorschriften in der Instruktion für die Reichstagsge- 
sandten vom 16. December 1652 (Urk. a. Akt. VI S. 153 f.) and die Instruktion 
für dieselben vom 21. Mai 1653 (S. 218). 

3) Wahlcapitulation Kaiser Leopolds I. (d. Frankfurt 18. Juli 1658) § 28 
(Londorp vm 8.357). 

^ Eine solche Bestimmung findet sich dort nicht, vielmehr werden in § 36 
die im Fall der contumacia bisher gebräuchlichen Wege, entweder auf die Poen 
der Acht oder Immission ez primo vel secnndo decreto zu procedlereui unter- 
sagt und in § 162 dem Kammergericht vorgeschrieben, nur in soweit es demsel- 
ben vermöge der Reichsabscbiede und der KGordnang gebühre, zur Achtserklä- 
rung zu schreiten. 

^) Vgl. die ähnlichen Vorschriften in der Instruktion für die Reichstagsge- 
sandteo vom 16. December 1652 (Urk. u. Akt. VI 8. 160). 

*) Wahlcapitulation Kaiser Leopolds I. §21 (Londorp VIII S. 355). 



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Instruktion der Reicbstagsgesandten. 163 

so heftigen Streitigkeiten gekommen ist, Bestätigong alles dessen, was sie 
getban ond verrichtet ^ vom Reichstage fordern, so müssen zunächst die 
actus ond Handlungen, deren Confirmation gesucht wird, specificiert werden, 
doch wünscht Kt^), dass diese Sache, als welche sehr stachlich ist, weil 
diese Streitigkeiten nunmehr cessieren, nicht möchte angeregt werden. 

III. Punkte, welche Kf. in particnlari concernieren: 

1) Man untersteht sich") ihm ratione der Stifter und Bisthümer Bran- 
denburg, Havelberg undLebns und der Herrschaften Rupp in, 
Schwedt und Vierraden absonderliche collectas anznmuthen; dies 
ist durchaus ungegründet, doch sollte wegen dieses Punktes von den 
anderen Reichsständen nichts moniert werden, so haben auch Ges. ihn 
zu übergehen. Weil bei diesem Reichstage Redressierung der Matricul 
vorgenommen werden soll, so haben Ges. sich zu bemühen, dass 
eine Redressierung') derselben auch inbetreff der unrechtmässig be- 
lasteten Lande Cleve, Mark und Ravensberg, ferner Hinter- 
pommern, Halberstadt und Magdeburg vorgenommen werde. 

2) Gegenüber der Stadt Magdeburg*), welche die im Instr. pacis ver- 
glichene Eventual- Erbhuldigung verweigert und einen Immediatstand 
beansprucht, haben Ges. sich zu bemühen, dass dieselbe nicht die 
vom Kaiser geforderte Bestätigung des Privilegium Ottonianum erhält, 
vielmehr Rath und Bürgerschaft der Alten Stadt Magdeburg von 
ihrem Unfug und Widersetzlichkeit abgemahnt, hingegen zur Ablei- 
stung des Eides angewiesen, und, falls sie sessionem et votum bean- 
spruchen sollten, zurückgewiesen werden, auch die Forderung der- 
selben wegen Ausdehnung ihres privilegii muniendi et fortificandi auf 
alle eine Viertelmeile Weges um die Stadt liegende bona privatorum 
und wegen Verhinderung der Wiederaufbauung der beiden Land- 
städte Neustadt und Sudenburg sind ganz ungegründet. Ges. 
sollen sich in diesen Sachen mit den Gesandten des Administrators 
vereinigen. 

3) Ges. haben die Rechte des Kf. zu wahren, falls wegen der Jülich- 
schen Sncces sionssache auf dem Reichstage etwas vorkommen 
sollte, oder falls die Stadt Herfordt^), obwohl sich dieselbe mit 
ihm verglichen, oder die Städte Wesel und Duisburg^ als freie 



S. oben S. 58 f. 

^ Tgl. die ganz ähnlichen Vorschriften in der Instruktion vom 16. Decem- 
ber 1652. (ürk. u. Akt. VI S. 152 f.) 

») ibid. S. 152f. 

*) ibid. S. 161. Näheres über diese Streitigkeiten mit Magdeburg nnten 
in Abschn. 13. 

^) ibid. S. 162. Die Stadt hat allerdings 1653 auf dem Reichstage Versuche 
gemacht, ihre Reicbsstandschaft geltend zu machen, 8. ebendaselbst S. 166 f. 
195 f. 220. 

ö) ibid. S. 163. 

11* 



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134 3. Die Belehnung des Earfarsteo q. 8. w. 

Reichsstädte sesßionem et votam beanspruchen, oder der Cardinal 
V. HarrachO angebliche Rechte auf die Probstei Halberstadt 
vorbringen sollte. 

4) Der König von Schweden') hat vom Kf. dessen Assistenz nachge- 
sucht, um vom Kaiser mit der Pommerischen Belehnnng auch zugleich 
die Ratification des Grenzrecesses zu erlangen, Kf. hat dieses aber 
abgeschlagen, Ges. sollen sich darauf nicht einlassen, sondern anstatt 
voti die dem schwedischen Gesandten ertheilte Resolution 3) vorlesen. 

5) Kf. hat sich bisher nicht entschlossen, der Aufiforderung einiger Stände 
und des Königs von Frankreich, der AUiance derselben beizu- 
treten^), nachzukommen; sollte auf dem Reichstage von diesen des- 
wegen etwas an die Ges. gebracht werden, so haben sie zu erklären, 
darauf nicht instruiert zu sein , es aber an Kf. referieren zu wollen. 

6) Gegenüber etwaigen Klagen einzelner Stände über Belegung mit Durch- 
zügen oder Quartier im letzten Kriege wider Schweden sollen Ges. 
nachweisen, dass Kf. keine Schuld daran trage. Andererseits aber 
sollen sie dafür, dass Kf. erst im fünften Jahre nach dem Osnabrück- 
sehen Frieden in den Besitz von Hinterpommern gekommen, 
Schadenersatz oder, dass dem Kf. deswegen einige caduc Lehne zuge- 
wandt werden, fordern. 

7) Sollte wegen der Posten*) etwas vorgehen, so sollen Ges. sich 
darüber beschweren, dass der Kaiserliche Generalpostmeister Graf 
Taxis sich erlaubt hat, des Kf. Recht, in seinen Landen Posten anzu- 
legen^ anzufechten, und dahin wirken, dass diesem sein unbegründetes 
Vornehmen und die harten Reden, die er in seinen Schriften gebraucht 
hat, verwiesen und Kf. bei seinem Rechte geschützt werde. 

IV. Schliesslichen nun auf diejenige zu kommen, so unsere 
Assistenz und Hülfe bedürfen und uns zum Theil darum er- 
sucht haben: 

1) Ges. sollen mit den anderen evangelischen Ständen zusammen beim 
Kaiser Fürbitte für seine evangelischen Unterthanen wegen mehrerer 
Religionsfreiheit einlegen. 

2) sollen sie sich der Interessen des Kurfürsten von der Pfalz, der Kf. 
darum ersucht hat^, annehmen. 



I) ibid. S. 164; vgl. die Relation der Gesandten vom 17. Juli 16.53 (S. 25G). 

>) S. oben Abschn. 3 S. 137 ff. 

») 8. oben S. 138. 140. 

♦) 8. die Verhandlungen mit Lesseins ürk. u. Akt. II S. 243 ff. IX S. 600 ff. 

^) S. schon die Vorscbriftea in der lustruktion vom 16. Oecember 1652. (Urk. 
n. Akt. VI S. 164 f.) Vgl. Stephan, Geschichte der preassischeo Poat S. 39 ff. 

^ Auf Grund der zwischen ihnen 6. Mai 1661 abgeschlossenen Allianz (s. 
oben Abscbo. 2) hatte Kurfürst Carl Ludwig den Kf. ersucht, ihn auf dem 
Reichstage zn unterstützen. 



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lostraktioD der ReichstagsgesandteD. 165 

3) Kf. hat versacht, den Streit zwischen den beiden brandenburgi- 
schen Hänsern in Franken') über die Präcedenz and das ausschrei- 
bende Fürstenamt und Direktorium im fränkischen Kreise zu schlich- 
ten; wenn sie sich nicht beruhigen, so sollen Ges. sich weiter um 
einen Vergleich Jbemühen und vorschlagen, dass jene inzwischen ihnen 
das Votum in beider Häuser Namen überlassen, auch sollen sie die 
Kitzinger Sache derselben gegen K.Mainz') und die Forderung 
des Markgrafen Christian Wilhelm') gegen den Administrator von 
Magdeburg unterstützen. 

4) Der Herzog von Mecklenburg hat des Kf. Assistenz gegen Schwe- 
den wegen des Warmünder Zolles^) nachgesucht; Ef. hält Schwe- 
den dazu nicht für befugt und sollen Ges. demgemäss ihr votum 
eip richten. 

5) Ges. sollen den Heermeister, Fürsten zu Nassau, bei seinen Be- 
mühungen wegen der 3 Ordenscomtureien Mirow, Nemerow und 
Wildenbruch*) unterstützen. 

6) Der Kaiser hat vom Kf. sein Gutachten über die Lothringische 
Translation, über die von Frankreich geforderte Huldigung der zehn 
Städte im Elsass und wegen der Strass burgischen Huldigung 
gefordert. Kf. ist über diese Punkte nicht genügend informiert, Ges. 
sollen zusehen, was darüber für Information ertheilt wird, und wohin 
andere zielen, und danach sich in ihrem votum richten oder an ihn 
referieren. 

Ges. sollen alles jederzeit unter sich insgesamt wohl überlegen und 



S. oben Abschn. 3 S. 99. 

^ S. darüber ReDSchel, Des DurchleiichtigsteD Cbur- and Färstlichea Hauses 
Brandenbarg Stammbaum (Bayreuth 1666} S. 127. 

') Des Grossoheims des Ef., des ehemaligen, seit 1632 katholisch geworde- 
Deo Administrators von Magdeburg. Die Streitigkeiten desselben mit dem 
jetzigen Administrator von Magdeburg, Aagast von Sachsen, betrafen die 
ihm aus dem Erzstift zu zahlenden rückstandigen Alimentgelder, b. Ürk. a. 
Akt IV S. 905. 

*) S. die darüber schon auf dem vorigen Reichstage 1653 vorgebrachten Kla- 
gen bei V. Meiern I S. 356 ff. 

^) Durch den Westfälischen Frieden (Art. XII § 3) waren dem Hause M ek- 
le nburg als Entschädigung anch die daselbst gelegenen Johanniterordens-Com* 
tareien Mirow und Nemerow zugesprochen worden, doch unter der Bedin- 
gung, dass dasselbe die Einwilligung des Ordens erwirke und diesem sowie dem 
Kurfürsten von Brandenburg als Patron desselben die üblichen Leistungen fort- 
entrichte. Der Orden protestierte aber dagegen und forderte nicht nur die 
Responsgelder, sondern nach dem Tode des Herzogs AdolfFriedrich 1658 auch 
die Rückgabe der Comtureien selbst, und auch der Kf. unterstützte dieses Be- 
gehren. S. über die darüber bis zum Jahre 1693 sich hinziehenden Streitigkeiten 
Lisch in Jahrbücher des Vereins für Meklenburgische Geschichte und Alter- 
thamskunde IX S. 67 f. 



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16ß 4. Der Aufung des Begeusburger Reichstagee. 

nichts ohne gemeines Gutbefioden thun, votieren oder handeln, alles fleissi^ 
protocoUieren and dem Ef. von allem , was passiert, bei allen Posten aas- 
führlichen Bericht senden. 



V. Blumenthal, v. Mahrenholtz und v. Jena an den Kurfürsten. 
D. Regensburg 25. Augu8t/[4. September] 1662. 

[Aokanft. Qeringe Zahl der Anwesenden.] 

4. Sept. Sie sind gestern hier angekommen, v. Platen') hat sich in Jadenbach 
von ihnen getrennt und ist noch nicht eiugetroflfen. Der Erzbischof von 
Salzburg') ist am 19./29 August hier angelangt*), will aber, weil nur we- 
nige Gesandte anwesend sind, wieder abreisen und Graf Wolkenstein 
hier lassen. 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Cöln *a. d. Spree 
26. August/[5. September] 1662. 

[Wie sie sich gegen den französischen Gesandten verhalten sollen.] 

5. Sept. Er sendet Abschriften der Berichte Becks über seine Audienz beim 

Könige von Frankreich und über die mit demselben wegen Einenernng 
der Allianz gehaltenen Discurse, sowie seines Rescripts an denselben*). 
Sollte der französische Gesandte ihnen gegenüber diese Sache berühren, 
und die nene Instruktion, welche Kf. ihnen darüber zufertigen will, noch 
nicht angelangt sein, so sollen sie dieses demselben anzeigen, inzwischen 
demselben mit aller Courtoisie und Vertraulichkeit begegnen und des Kf. 
Geneigtheit zur Freundschaft mit dem Könige versichern. 



V. Platen begab sich zunächst za den Markgrafen von Ansbach und 
Baireath,um eine Ausgleichung des zwischen denselben aasgebrochenen Präce- 
denzstreites (s. 8. 165) zu versuchen. Er meldet dem Ef. 26. Augnst/ö. September 
aus Baireath, Markgraf Albrecht von Ansbach wolle den Vorschlag des Kf. 
nicht annehmen, beide Markgrafen wollten sich auf dem Reichstage der Session 
enthalten und ihr votum einem anderen auftragen. 

^ Erzbischof Gnidobald von Salzburg, kaiserlicher Principalkommissarius; 
neben ihm hatte der Kaiser den Reichshofraths-Vicepräsidenten Grafen von 
Wolckenstein and den Reichsbofrath Crane zu Kommissarien bestellt. Die 
österreichische Gesandtschaft bestand aus Graf von Weissen wolf, -Freiherr 
V. Volroar, Dr. Scherer and Dr. Höcher. S. Diar. Earop. VIII S. 567. 

^ S. die Beschreibung seines Einzuges Diar. Europ. IX S. 188 ff. 

<) S. Urk. u. Akt. IX S. 615 f. 



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ÄDkanft der Gesandten. Aensserungen des Erzbischofs von Salzburg. 167 

Die Gesanflten an den Kurfürsten. D. Regensburg 
l./ll. September 1662. 

[Absichten der Depatierten in Frankfurt. Cerimonialstreit mit dem Erzbischof 

von Salzburg.] 

y. Platen ist vor drei Tagen auch von Baireuth hier angelangt. 11. Sept. 
Es scbeiDt mit dem Reichstag sehr langsam and schläfrig daherzugehen; 
die za Frank fort Snbsistierenden werden sich wohl nicht so geschwind 
hier einfinden; wie ihnen der knrsächsische Gesandte Dr. Strauch mitge- 
theilt, wollen dieselben , um ihre bisherigen actiones zu beschönigen nnd 
den Convent mit Manier anfzoheben, einen DepntationsabsQhied verfassen 
nnd sich hier nicht einlassen, ehe selbiger vom ganzen Reich confirroiert 
worden. Ges. haben sich heute bei dem Kaiserlichen Principal -Commissa- 
rias, dem Erzbischof von Salzburg, zur Visite anmelden lassen; da derselbe 
aber erklärt hat, sie so behandeln zu wollen, wie er andere kurfürstliche 
Gesandte zu Salzburg zu behandeln pflegte , und sich geweigert, ihnen, wie 
sie verlangt, die Präcedenz und Oberhand und den Titel Excellenz zu geben, 
so haben sie die Visite aufgeschoben und fragen bei Ef. an, wie sie sich 
dem gegenüber zu verhalten haben. ^) 



Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Regensburg 
22. October st. v. / [1. November] 1662. 

[Visite bei dem Erzbischof von Salzburg.] 

V. Blumenthal hat den 20./. 30. Audienz beim Erzbischof von Salz- l.Nov. 
bürg gehabt. Nach Erörterung des Präcedenzstreites, wobei jener sowohl 
als V. Bl. auf ihren Behauptungen nnd Forderungen beharren, spricht der 
Erzbischof über den Reichstag, beklagt, dass es mit demselben so schläfrig 
herginge, auf seine Anfrage beim Kaiser, ob er, ohne auf die anderen 
Stände zu warten, mit der Proposition verfahren solle, habe er noch keine 
Antwort, ja er wäre versichert, dass man zu Wien weniger auf den Reichs- 
tag als alhier gedächte. So gefiele ihm die Kaiserliche Conduite bei jetzi- 
gem Türkenkriege auch gar nicht, sagte, er hätte Leute, die sich zu gar 
nichts resolvieren könnten. Der Feldmarschall Monte cucoli wäre zwar ein 
capabel jSnbjectum, allein gar zu speculatif, langsam nnd behutsam. Zum 
Schlnss erwähnt er des päpstlichen und französischen Streites'), giebt dem 
Papste auf das höchste Unrecht und erklärt, derselbe disgnstiere alle tent- 



Kf. erwidert darauf (d. Cüstrin 17./ [27.] September 1662), sie sollten auf 
ihrer Forderung bestehen, wenn dieselbe nicht erfüllt würde, den Erzbischof 
einzeln und ohne Solennitäten besuchen, aber in den Geschäften fleissig mit ihm 
communicieren. 

^ 8. Ranke, Franzosische Geschichte III S. 295 ff. 



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168 4- Der Anfang des Begensbarger Reichetagee. 

sehen Fürsten; er hätte ihm neulich einen Brief geschrieben, den er ans 
Fenster zn stecken Bedenken tragen würde; er wünschte nnr, dass durch 
genauere Zusammentretnng der teutschen Fürsten dem Pabst ein solcher 
Knoten möge vorgelegt werden, den er nicht aufzulösen vermöchte. 



Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensburg 10./ 20. No- 
vember 1662. 

[Aensserungen des Erzbischofs von Salzburg.] 

20. Nov. V. Platen und v. Blumenthal sind gestern einer Einladung des 
Erzbischofs von Salzburg zur Mittagsmahlzcit gefolgt; dabei erzählte der 
Erzbischof^ er hätte an den Kaiser gelangen lassen, weil man den Frieden 
mit den Türken für gewiss hielte, so würde nicht zu rathen sein, den An- 
fang des Reichstages von der Hülfe der Stände zq Beibehaltung der kaiser- 
lichen Armatur zn machen, sondern man solle zunächst die auf dem letzten 
Reichstage unerledigt gebliebenen Reichssachen, namentlich punctum securi- 
tatis imperii vornehmen, und würde der Kaiser darauf bedacht sein müssen, 
dass den gravaminibus imperii abgeholfen werde; wenn solches geschehen, 
würde sich am besten von der Elülfe reden lassen. Er wüsste zwar, dass 
er damit bei den kaiserlichen ministris schlechten Dank verdiente, der Kaiser 
hätte ihm aber doch anheimgegeben, wenn die KMainzische Hauptgesandt- 
schaft käme^), mit derselben und dem kurfürstlichen CoUegio zu überlegen, 
wie die Proposition am füglichsten einzurichten sei. Man glaubt aber allge- 
mein, dass die Proposition vor dem neuen Jahre nicht geschehen werde. 



Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensburg 23. November/ 
[3. December] 1662. 

[FestaetzuDg der Eröffoang des Reichstages.] 

3. Dec. t>er Erzbischof von Salzburg hat zn gestern Nachmittag erst um V32 

die kurfürstlichen und dann um VaS die fürstlichen Gesandten zu sich berufen; 
V. Mahrenholtz ist zu dem ersten, Jena zu dem zweiten Termin erschie- 



^) Auch Rarfürst Johann Philipp von Mainz billigte das Vorgehen Lud- 
wigs XIV. gegen den Papst, und Ludwig XIV. selbst hat damals eine Yereini- 
gUDg des französischen und deutschen Klerus gegen denselben gewünscht, s. 
die Rescripte des Königs an Gravel vom 28. September und 28. October 1602 
(Guhrauer, Karmainz in der Epoche von 1672, II S. 341.344). 

^) Anfang November ist in Regensburg als Gesandter für K.Mainz nur 
Dr. Ettinger anwesend, erst am 25. November kommt der Kaozler Mehl, 
18. Januar 1663 der Principalgesandte, Bischofvon Worms, an, letzterer stirbt 
daselbst am 13. März 1663 (S. Diar. Europ. IX S. 508. X S. 4. 132.). 



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EröffQUDg des Reichstages. 169 

neu , auf dem ersten theilte der Erzbischof mit, dass der Kaiser für den 
20. -Janaar st. n. die Proposition festgesetzt habe, und fragte, ob die kur- 
fürstlichen Gesandten damit einverstanden wären; auf ihre bejahende Er- 
klärung theilte er dieses dann nachher den fürstlichen Gesandten mit, die 
sich auch zustimmend erklärten. 



Dieselben^ an den Kurfürsten. D. Regensburg 12. /22. Ja- 
nuar 1663. 

[Eröffnung des Reichstages.) 

Vorgestern, Sonnabend den 10./20.') wurde die Reichstagsproposi- 22 Jan. 
tion') eröffnet; obgleich sowohl auf der geistlichen als weltlichen Bank 
ao die 40 Stände fehlten. Freitag Nachmittag fand vorher im Hause des 
EMainzischen Kanzlers Mehl eine Zusammenkunft der kurfürstlichen Ge- 
sandten statt, worin über allerhand Gerimonialien , worin die Präeminenz 
des Kurfürsten zu wahren, verhandelt wurde. 



Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensburg 15./ 25. Ja- 
nuar 1663. 

[Beschlüsse über die Beihenfolge der zu berathenden Gegenstände und den 

modus tractandi.] 

Dienstag den 13./23. Januar wurde die erste Session^) gehalten; die in 25. Jao. 
beiden Collegien ad deliberandum vorgetragenen Punkte waren: 

1) nach welcher Ordnung die in der kaiserlichen Proposition enitialtenen 
Materien vorzunehmen? 

2) was für ein modus tractandi hierin zu halten sei? 

Beide Gollegien beschlossen: 1) die vom Kaiser in der Proposition 
gemachte Ordnung zu observieren, also zunächst von der Hülfe gegen den 



V. Blamenthal, den Kf. für die Gesandtschaft nach Paris bestimmt hatte, 
(s. Urk. u. Akt. IX S. 616) hat inzwischen 4. December Begensburg verlassen 
and ist zunächst nach Berlin gereist (Diar. Europ. IX S. 508.)< 

^ S. die aosfuhrliche Schilderung der Eroffnongssitzung Diar. Europ. X 
S. 5ff.; Theatr. Europ. IX S. 8ö7f.; Gemeiner I S. 17 ff. 

^ In derselben (Diar. Europ. X S. 12ff.; Londorp VIII S. 963; Pachner 
V, Eggenstorff I 8. 7 ff.) werden drei Punkte zur Berathuog gestellt: 1) Hülfe 
gegen die Türken, 2) Erhaltung der Rohe und Sicherheit des Reiches, 3) Erle- 
digung der nach dem Friedensschluss zu vollziehenden und auf den Reichstag 
verwiesenen Gegenstände, es wird aber verlangt, dass zunächst der erste erle- 
digt werde. 

«) S. Gemeiner I S 23ff. 



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170 4. Der AnfaDg des Begensburger Reichstages. 

ErbfeiRd za handeln, doch so, dass die in den beiden letzten Pnnkten be- 
griffenen Materien nach Möglichkeit zugleich mit vorgenommen würden. 

2) die Dinge sollten ordentlich in pleno vorgetragen werden, doch dass 
nach der Sachen Beschaffenheit zn Zeiten anch deputati solche vorzuneh- 
men verordnet würden. 

Ges. erbitten vom Ef. Anweisung inbetreff der Türkenhülfe, ob sie auf 
das Geld oder anf das Volk gehen, und wieviel sie bewilligen sollen. Sie 
haben wegen des Fürstenthums C ammin ein Memorial ^) dem Erzbischof von 
Salzburg übergeben. 



Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensburg 19. / 29. Ja- 
nuar 1663. 

[Gespräch Jenas mit Grane, AndeatuDg, dass Kf. nicht zu der Türkenhülfe bei- 
tragen könne.) 

29. Jan. Heute wird die zweite Sitzung gehalten werden. Weil dort über die 

Türkenhülfe berathen werden soll, haben Ges. es für nöthig gehalten, den 
Kaiserlichen Eommissarien von weitem zn verstehen zn geben, dass Ef. 
diesesmal sich an der Leistung von Volk oder Oeld nicht betheiligen könne. 
Daher hat sich Jena zu Crane begeben und zunächst als Verwand 
angefragt, ob dem Kaiser mit Volk oder Geld mehr gedient sei. Jener 
antwortete, der Kaiser würde hierin indifferent sein und den Ständen solches 
anheimstellen. Im Discurs kamen sie auf die vom Ef. geführten Kriege und 
wie Kf. auch jetzt noch in Waffen bereit stehen müsste, und Jena be- 
merkte darauf, dass Ef. wohl für entschuldigt gehalten werden würde, wenn 
er für diesmal mit der Hülfeleistung verschont zn sein suchen müsste. Da 
aber jener hierauf nicht antwortete, so merkte Jena, dass er keine Instruk- 
tion oder Macht in diesem Werke hätte, weshalb er es auch nicht für ge- 
rathen hielt, sich deshalb deutlicher herauszulassen. Ges. bitten Kf. um 
Anweisung, was von ihnen hierin ferner zu thun sei, sie bitten zu erwägen, 
ob es nicht räthlich sei, dass Kf. selbst an den Kaiser schriebe, und ob 
dem Dinge nicht besser zu Wien als hier abgeholfen werden könne. 



Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensburg 22. Januar / 

1. Februar 1663. 

[Vorgänge in der Sitzung vom 21./ 31. Janaar.] 

Febr. In der gestrigen zweiten Session*) wurde im kurfürstlichen Collegio 

deliberiert, auf welche Weise die Türkenhülfe einzurichten sei, und be- 

^) Loodorp VIII S. 967 f., darin wird verlangt dass dem durch den Wetit- 
fäÜBchen Frieden säcularisi arten Bisthum Cammin die ihm gebührende Stelle im 
Fürstenrathe angewiesen werde. 

2) S. Gemeiner I S. 27flF. 



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Erste BerathQDgen. 171 

scblossen, gewisse Fragen abzufassen und solche ad deliberundum in colle- 
giis zu proponieren. Im Fürstenrath kam erst die Sache wegen der Ses- 
sion für Cammin vor, dann proponierte das Direktorin m die Frage, ob dem 
Kaiser gegen die Türken zu helfen wäre, welches auch beliebet ward, doch 
dass die anderen Materien specificiert, zugleich mit vorgenommen und ab- 
gehandelt werden möchten. 



Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensburg 26. Januar/ 

5. Februar 1663. 

[Die Sitzangen vom 21./31. Jannar nnd 24. Januar / 3. Februar.] 

Genauerer Bericht über die Vorgänge in der zweiten Session. Die 5. Febr. 
Kurfürsten hatten für unnöthig erklärt, vom Kaiser Information wegen des 
ungarischen Wesens zu verlangen, ebenso dass die im 2. und 3. Punkt der 
Proposition enthaltenen Materien von den Directorien specificiert würden, 
sondern man sollte erst den ersten Punkt abhandeln. Im Fürstenrath 
verlangte ein Theil znnächst nähere Information und Specificierung jener 
Punkte, die Majorität aber erklärte sich dagegen; doch bestritten einige, 
darunter alle Alliierten, dass es wirklich die Majorität gewesen. In der fol- 
genden «Sitzung (24. Januar /3. Februar^) behaupteten die Alliierten, die Ma- 
jorität sei eine ganz geringe gewesen, um 2 oder 3 vota sollte nicht der 
anderen Meinung hintenangesetzt werden, doch blieb es dabei. Weil aber 
auch die Städtischen Information über die ungarischen Verhältnisse und 
subdivisionem secundi'et tertii puncti begehrten, wurde endlich verwilligt, 
dass bei den Kaiserlichen Kommissarien Information könne eingezogen 
werden, doch dass dadurch der Handlung des ersten Punktes kein Auf- 
schub gemacht, und dass inzwischen die directoria den 2. und 3. Punkt 
subdividiertcn und materias tractandas spezifizierten. 

Die Alliierten haben wohl 50 Punkte aufgesetzt, welche alle auf 
diesem Reichstage abgehandelt werden sollen. Ihre vota richten sie auf 
einerlei Weise ^n und nennet einer des andern ohne Unterschied ein vor- 
treflfliches votnm, mit ihnen stimmen und treten auch zusammen: Sach- 
sen-Altenburg, Brandenburg Culmbach und Bamberg. 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Königsberg 2./12. Fe- 
bruar 1663. 

[auf die Relation vom 15./ 25. Januar. Kf. verlangt von der Leistung der Tür- 
kenhülfe entbanden zu werden.] 

— Solchem nach habet Ihr, was sothane Htllfe belanget, zwar da- 12. Febr. 
hin zu votiren, dass wir, gleich anderen getreuen Churfürsten, Ftlrsten 

'} S. Gemeiner I S. 30ff. 



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172 4. Der Anfang des Regensburger Beiclistages. 

und Ständen des Reiches dieselbe zu thun bereit und erbötig wären. 
Gh. |:Dieweil Euch aber zum Theil bekandt, wir uns auch nicht anders 
erinnern, als dass es Euch in Instructione mitgegeben, dass, wann es 
zu der wQrklichen Leistung der Hülfe oder Abführung der Römer- 
monat vor diesem gekommen, wir von dem Keyser zuvorhero ver- 
sichert worden, dass wir zu der Würklichkeit nicht gehalten, also 
habet Ihr auch itzo mit dem (jrafen von Wolckenstein und Granen 
deswegen ä part im Vertrauen zu reden und es gleichfalls dahin zu 
beforderen, auch auf solchen Fall I. Keys. M. in diesem Stück mit 
euren Yotis an Hand zu gehen. :|^) 



Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Regensburg 
2./ 12. Februar 1663. 

[Sitzang vom 30. Januar/ 9. Februar, Gespräch mit der österreichischen Oesandt- 
schaft wegen Befreiung von der Türkenhulfe.] 

12. Febr. Die Direktoren des kur- und fürstliclien Collegiam haben sich zasam- 
mengethaDy den ersten Pankt in Specialfragen dividiert^) und zugleich da- 
bei einige Nachricht von dem siebenbürgischen Zustand gegeben; 3) daraaf 
• wurden 30. Januar/ 9, Februar*) alle 3 Collegia berufen, um über diese 
Specialmembra zu rathscblagen. Kurfürsten- und Fürstencollegium be- 
schlossen, sogleich zur Deliberation zu schreiten, doch wurde nichts rechts 
verglichen, weil die Frankfurter Alliierten sich nicht eher herauslassen 
wollten, bis auch der 2. und 3. Punkt der Proposition subdividiert und 
roateriae tractandae spezifiziert seien; die Städtischen entschuldigten sich 
defectu mandatorum. 

Der Kaiser begehrt nach dem zur Diktatur Gegebenen eine starke 
Oeldhülfe, da aber weder in dem kaiserlichen Ausschreiben noch der Pro- 
position etwas davon enthalten, so werden sich Ges. vorläußg defectu man- 
dati entschuldigen und des Kf. Resolution abwarten. 

Bei einer Visite d^r österreichischen Gesandtschaft am 31. Jan./lO. Febr. 
erklärte dieselbe, der Kaiser wünsche lieber Geld als Volk, Ges. erwiderten, 
auch sie seien auf Geldbülfe instruiert, Kf. aber hoffe, dass der Kaiser die 
Erschöpfung seiner Lande und, dass er noch beständig in Wafifen bleiben 
müsse, berücksichtigen werde; jene erklärten darauf, sie erkennten, dass 
Kf. Ursache habe, sich in Verfassung zu halten, und wüsste man nicht. 



^)S. oben S. 160. Kf. wiederholt diese Weisung am 6. März 1663. 

2) S. Pachner v. Bggenstorff I. S. llff. 

3) Diar. Europ, X S. 30ff. (irrig als vom 19./ 29. Januar). Londorp VIU 
S. 965. 

*) S. Gemeiner I S. 33£r. 



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BerathaogOD über die Tärkenbülfe. 173 

wenn man in Ungarn orcnpiert, wessen man sich a tergo zu versehen hätte, 
was sie wegen des Contingents des Kf. angeführt, würde sich schon finden. 



Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensburg 5./ 15. Fe- 
bruar 1663. 

[Sitzung vom 3./ 13. Februar. Parteinahme eines Theiles der Allierten für 

die Städte.] 

Die Berathschlagung über die 3 membra von Punkt 1 ist am 3./13. Fe- !•''>• F**br. 
broar*) durch das Conclusum der Städtischen') verzögert worden; gestern') 
ist im kurfürstlichen und fürstlichen Colleglo wieder beschlossen worden, 
dass man die Frage, quomodo die Turkenhülfe zu leisten sei, vornehme 
und die Reichsstädte ermahne, sich diesem Beschlnss zu accommodieren. 

Es fangen sonsten etliche von denen Herrn Alliirten im Fürsten- 
rath an, ob sie gleich auf vorigem Reichstage ganz anders gesinnet 
gewesen, der Städte sich anzunehmen*), und wollen lieber, dass die- 
selbige sofort mit im Anfange, ehe die beide höhere Collegia ver- 
glichen, zur Re- und Correlation gezogen würden, und das städtische 
Votum so viel als das Churfürstliche oder Fürstliche gelte. Man 
Biebet wohl, dass sie vermeinen, wann solches geschehe, es zu ihrem 
Zweck dienlich sein würde. — 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Königsberg 18. Fe- 
bruar 1663. 

[Weserzoll des Grafen von Oldenburg.] 

Der Graf von Oldenburg hat, trotz der Vorstellungen desKf. am Kai- 18. Febr. 
serlichen Hofe, vom Reichshofrath erwirkt, dass er über den für einige Jahre 
erlangten WeserzoU nach seinem Belieben disponieren darf; doch werden 
davon sowohl die Rechte des kurfürstlichen CoUegiums als auch des Kf. 
besonderes Interesse betroffen, der Reichshofrath ist nicht befugt, sich 
dergleichen Concessionen anzumassen, der Zoll darf ohne Zustimmung des 



In der Relation steht irrthümlich 6./16. Janaar. 

*) 8. Gemeiner I 8.37. Darin verlangen dieselben genauere Information 
über den Türkenkrieg, erklären, dass sie über mehrere Punkte der dictierten Sub- 
division ohne Instruktion seien, und fordern zunächst Erledigung der Fr ob 
die Majorität die anders Stimmenden verbindlich mache, Revision der Matrikel u. a. 

>) S. Gemeiner I S. 38ff. 

*) S. Gemeiner I S. 39. 



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174 4. Der Anfang des Regensbarger Reichstages. 

karfürstlichen Coll^giuuis nicht alieniert werden. Ges. sollen dieser Sache 
wegen mit den anderen karfürstlichen Gesandten commanicieren. 



Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Regensburg 
9./ 19. Februar 1663. 

[Nachgiebigkeit der Städte.] 

19. Febr. Die Reichsstädte haben sich soweit accommodiertO, dass die Frage, 
wie dem Kaiser die Hülfe wider die Türken ea leisten^ hente in Delibera- 
tion gezogen werde, doch mit der Bedingung, dass sie in materia collec- 
tarum per plura sich nicht wollten binden lassen und dass die noch anre- 
vidierte Matrikai ihnen nicht nachtheilig sei. * 

Die Pfalz- Nenbargischen Gesandten') haben privatim Jena eine 
Schrift") mitgetheilt, welche der Pfalzgraf in der Jülichschen Successions- 
sache hat drncken lassen, deren Verfasser der jetzt verstorbene Kanzler 
Sillemann sei. Sie gedachten, dass, wenn sie das votam wegen der Jülich- 
schen Läader sachten, des Kf. Gesandten mit ihnen wohl amtreten würden, 
and wünschten, dass die ganze Jülichsche Sache per sententiam decidiert 
werden oder dass ihr Herr and der Ef. einmal persönlich zusammen kommen 
möchten, damit ein endlicher gänzlicher Vergleich getroffen werde. 



Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensburg 19. Februar / 

1. März 1663. 

[Geldhülfe ist beschlossen worden. Vorschläge wegen des qoanti.] 

1 März. Alle drei Collegien haben sich für die^Hülfe in Geld entschieden*), nnd 
soll nun ein gemeines Gutachten abgefasst und den kaiserlichen Komrais- 
sarien übergeben werden. Jetzt wird man de quanto and de modo collec- 
tandi rathschlagen, Ges. erbitten dafür nähere Instruktion. 

Einige der geistlichen Fürsten schlagen 60 Römerraonate, 20 pro prae- 
terito, 20 pro praesenti und 20 pro futnro vor. Im Fürstenrath ist von 
einigen, namentlich Wü rzb u rg, gerathen worden, dass ein gemeines Eriegs- 
heer zu der Stände und des Reiches Sicherheit möge aufgerichtet werden, 



B. Gemeiner! S. 40. 

') Der Christ nod Hofrathsprasident Wolf Jacob Ungelter v. Diessen- 
hansen und der Hofrath Dr. Oarrer (üiar. Eürop. IX 8.508). 

') Lucii Veronensis de saccessione in jara ditionesque Jaliae, Gliviae, 
Aiontiam, Marchiae et Ravensbergae etc. dissertatio, refutatio, apologia anno 16G0 
tertium recognita, s. anten Abechn. 8. 

*) S. über die Verhandlungen darüber Gemeiner I S. 4lff. 



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' BerathnDgen über die Tüjkenhulfe. - 175 

dessen man sich contra queracnnqne sofort zq bedienen hätte; Ges. bitten 
anch deswegen am Instruktion. 



Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensburg 26. Februar / 

8. März 1663. 

[Reservatum der Alliierten.] 

Das Reichsgutachtan bat noch nicht übergeben werden können, weil 8. März. 
die Alliierten evangelischen Theiles nnd einige andere das reservatum 
hineinrücken wollen^), dass sie zur Leistung der Hülfe wider den Türken • 
sich nicht verbindlich machen wollen, wenn die im 2. nnd 3. Pnnkt der Pro- 
position begriffenen Materien auf diesem Reichstag nicht ausgemacht werden 
sollten. Das kurfürstliche und die Mehrheit des fürstl. Colleginms wollen 
es auslassen, unterdessen steht dessbalb das ganze Werk still. Die Alliier- 
ten erklären, sie wollten solche Versicherung, weil sie erfahren hätten, so- 
bald iQan mit dem ersten Pnnkt fertig sei, wollten die Kurfürstlichen davon- 
ziehen; überhaupt feind sie gegen das kurfürstliche Collegium nicht zum 
besten gesinnt. 



Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensburg 2./12. März 1663. 

IDas Beichfigutachten. Gespräch mit Graf Wolckenstein über Befreiung des Kf. 

von der Türkenbülfe.] 

Das Reichsgutachten 2) ist nun glücklich zustande gekommen und wird 12. März, 
den kaiserlichen Kommissarien per deputatos übergeben werden. 

Qes. sind heute bei dem Grafen v. Wolckenstein gewesen und haben 
bei ihm, was Kf. ihnen wegen der Türkenbülfe befohlen, angebracht, auch 
gemeldet, was der Kaiser deswegen dem Kf. schon für Vertröstung gegeben. 
Er erklärte darauf, dass der Kaiser dem gethanen Versprechen wohl gnä- 
digst nachkommen lassen würde, er wollte es mit H. Cranen besprechen, 
den sie morgen auch besuchen wollen. 



S. Gemeiner I S. 44ff. 

^ d. 12. März 1663 (Diar. Europ. X 8. 124 ff. Londorp VIII S. 967 
Pachner v. Eggenstorff I S. 13), aber die vorhergehenden Verhaodlaogen 
s. Gemeiner I S. 48. Dasselbe wnrde am 15. März den kaiserlicheD Kommissa- 
rien übergebeq, darauf erfolgte eine zustimmende kaieeriicbe Resolution vom 
2. April 1663 (Londorp VIII S. 969f. Pachner v. Eggenstorff I S. 15), 
in welcher der Kaiser verlangt, dass ihm aufs eheste mit einer absonderlichen 
erheblichen Hülfe assistiert werde. 



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176 ^- Der Anfang des Regensbarger Reichstages. 

Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensburg 
12./22. März 1663. 

[Sitzung vom 9./ 19. März. Verschiedene Abstimmung io betreff der Leistung 

der Türkenhulfe.] 

22. März. I^iG Frage, wie die Türkenhulfe za leisten, ist 9. /19. vorgenommen 
worden, ini kurfürstlichen Collegium haben Mainz, Cöln und Baiern 
für Volk, sie, Sachsen und Pfalz für Geld gestimmt, Trier hat sich 
nicht entschieden erklärt. Im Fürstenrathe stimmten alle Alliierten und 
einige andere für Volk, andere für Geld, andere Hessen sich garnicht her- 
aus, andere wieder stellten allerhand Bedingungen. In dem endlich abge- 
* fassten Conclusum ist enthalten: 

1) Anordnung eines allgemeinen Gebetes. 

2) Ausländische Potentaten sollen um Hülfe angerufen, auch die Reichs- 
ritterschaft und die Hansestädte dazu gezogen werden. 

3) Ratione auxilii hätte sich die Majorität für Geldhülfe erklärt. 

Es scheint, dass diejenigen, so Volk, und diejenigen, so Geld gewilligt, 
bei ihrem Erbieten werden gelassen werden, sonderlich da es eine frei- 
willige Hülfe ist, und der Kaiser wird au^ wohl damit zufrieden sein. 



Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensburg 
12./ 22. März 1663. 

[Befreiung des Kurfürsten von der Türkenhulfe.] 

22. März. Als gestern der Graf v. Wolckenstein und Herr Grane ihnen 
die Gegenvisite gemacht, haben sie den Punkt wegen Befreiung des Kf. 
von der Türkenhulfe wieder vorgebracht. Beide erkannten die rationes, 
welche sie angeführt, für erheblich, erklärten aber, sie könnten darüber 
nichts rcsol vieren, erboten sich aber, deswegen an den Kaiser zu refe- 
rieren und die Sache auch vor dem Erzbischof von Salzburg geheim 
zu halten. Ges. sind in Zweifel, wie sie sich inzwischen, bis sie Bescheid 
erhalten, verhalten sollen, werden aber wohl mit ihren votis wie bisher fort- 
fahren müssen. 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Königsberg 
17./27. März 1663. 

[auf die Relationen vom 19. Februar/ 1. März und 2./ 12. März. Die Türkenhulfe. 
Das Würzburger Projeet Die Neuburgische Sache] 

27. März. ^a Kf. sieht, dass inbetreff der Türkenhulfe noch zur Zeit wenig Stat zu 
machen, so befiehlt er den Ges. sich zu bemühen, dass der Kaiser auf 



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BerathongeD über die Tarkeohülfe. 177 

allen Fall sich eines gewissen za versichern habe. Das von Würzburg be- 
antragte Heer znr Defensiou des Reiches contra quoscunque anbetreffend, 
lässt er sieh die Sache an nnd für sich nicht zuwider sein, wünscht aber 
erst nähere Auskunft darüber. In der Nenburgischen Sache kommen 
3 Punkte vor: 

1) ratione voti, ob sie auch von Seiten des Kf. solches prätendieren und 
den Nenburgischen unterstützen sollen. Darüber, ob es'vortheilhaft, 
sollen Ges. erst ihre Meinung äussern. 
* 2) wegen des westfälischen Kreisdirectoriums nnd der Bemü- 
hungen von Osnabrück, Münster nnd Brannscbweig eine Ei- 
nigung darüber zu vermitteln: Kf. ist bereit dazu, will mit der Alter- 
nation zufrieden sein, doch so, dass er den Anfang mit dem Direc- 
toriö auf dem Kreistage mache.. 
3) wegen eines hauptsächlichen Vergleiches. Er will sich auch darin 
so zeigen, dass man erkennen soll, dass er zu Friede nnd Einigkeit 
geneigt sei. 



Die Gesandten an den Kurflirsten. D. Regensburg 
20./ 30. März 1663. 

[Erneueradg der Rheinischen Allianz.] 

Von der Frankfurter Allianz haben sie Nachricht, dass diese zwar auf 30. März 
3 Jahre prolongiert sei^), dass die dort befindlichen Gesandten sich aber 
alle separieren 3), auch der französische Gesandte Gravel und der schwe- 
dische Schnoltzki seien entweder schon auf der Reise hieher oder doch 
znm Aufbruch bereit, von den Reichsstädten befinde sich keine in der Al- 
lianz nnd wolle man solche auch nicht aufnehmen. 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Königsberg 6. April 1663. 

[aaf die Belatioo vom 12./22. März. Unterstützung der kaiserlichen Fordernng.] 

— Dieweil wir nun nicht zweifeln, es werde :| Ihre Key. Mt. [: die G.April, 
von Euch angefahrte und in der kundbaren Wahrheit bestehenden 
Ursachen :| bei sieh wohl gelten lassen und sich unserem Verlangen 



I^ie Rheinische Allianz war am 7. März 1663 auf drei Jahre (Aagast 
16*14—1667) verlängert worden (Dumont VI, 2 8.453). S. M.igDet, Nögociations 
relaiivea i la saccession d'Espagne II 8. 19. Köcher I S. 314. 

') Am 12. März heschloss der Bundesrath zu Frankfurt die Uebereiedelung 
nach Regeosbnrg, doch hatten schon vorher die meisten Mitglieder der Allianz 
ihre Gesandten dorthin geschickt, s. Rocher I S. 313f. 

Mater, x. Gesch. d. Q. Kurfürsten XI. 12 



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178 ^* I>er Anfang des Regensbarger Reichstagefl. 

nach erklären, | : also habet Ihr gegen vorgedachte : | beide Commis- 
sarien zu gedencken, dass, weil Ihr nicht zweifeltet, es würde auf ihre 
geschehene Relation die kaiserliche Resolution so, wie wir dicRelbe 
begehrten, einkommen, also wolltet Ihr in solchem Vertrauen kraft 
habendes unsers aussdrucklichen Befehls sie ratione modi et quanti 
so, wie sie es desideriren möchten, in Euren Votissecundiren, gestalt 
Ihr dann auch, wie itzo gedacht, solches zu thun und allen mü^ 
liehen Fleiss mit guter Manier anzuwenden, damit Ihre Key. Mt. in 
diesem Sttlck zu ihrem Intent ie eher ie lieber gelangen möge. | : — 



Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Regensburg 
30. März/ 9. April 1663. 

[BeratbuDgen über das Qaantum der Türkenhülfe.] 

9. April. VergaDgeneo Freitag >) ist eine Session gehalten and die qnaestio quanti 
(wie gross die Hülfe in praesenti and in fnturam dem Kaiser zo leisten) 
berathen worden, doch ist niemand weder im Karfürsten- noch im Fürstenrathe 
gewesen, der darüber etwas gewisses determinieret hätte, auch Ges. haben 
sich za keinem qaanto erboten, sondern gefordert, die kaiserlichen Kom- 
missarien möchten angeben, mit was für einem quanto dem Kaiser gedient 
wäre. Sonnabend ist Mahrenholtz bei H. Crane gewesen und hat ihn 
gefragt, auf was für eine Samme eigentlich der Kaiser zielte, und ob schon 
Antwort von demselben inbetreff der Forderung des Kf. diesmal von der 
Leistung der Hülfe entbunden zu werden, eingetroffen sei. Crane ant- 
wortete, die kaiserlichen Kommissarien wären nicht instruiert, den Ständen 
etwas ratione quanti vorzuschlagen, doch gab er auf M's. wcitejes Drängen 
endlich zu verstehen, dass im Salzburgischen Votum 60 Römernionate 
pro praesenti und, wenn es zum Kriege komme, jährlich 50 Monat in futu- 
rum ofiferiert worden, in dem Pfalz-Lauternschen Votum aber hätte 
man sich besser und, wie er redete, hurtiger heransgelasseu und pro prae- 
senti 100 Römermonate gewilligt, welches dem Kaiser gewiss zum Gefallen 
gereichen wurde. Auf ihren Bericht an den Kaiser wegen der Forderung 
des Kf. sei noch keine Antwort erfolgt, der Kaiser würde aber gewiss die 
gefährdete Lage des Ef. berücksichtigen. Er wüsste auch nicht anders, als 
• dass derselbe dem Kf. durch eine Gesandtschaft schon vor d'esem Ver- 
sicherung gegeben, dass er von seinem Antheil befreit werden sollte, wobei 
er es wohl werde bewenden lassen. Nachdem nun am 30. März/9. April 
wieder ratione quanti zu Rath angesagt, aber von der österreichischen Ge- 
sandtschaft bei voriger Session gar übel empfunden, dass niemand ausser 



^) Ueber diese Sitzung vom 27. März/6. April nnd über die folgende vom 
30. März/9. April 8. Gemeiner I S 52f. 



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Berathangen aber die Türkenhälfe. 179 

Salzburg nnd Pfalz-Lau tero ein quantam habe benennen wollen, haben 
sie beschlossen, obwohl sie darauf nicht instruiert sind, auf Rati6kation 
des Kf. 100 Römermonate vorzuschlagen, dafür haltend, dass, weil Kf. dabei 
nichts zutragen wolle, wie er ausdrücklich habe bedingen lassen, es ihm 
gleich sein werde, ob viel oder wenig verwilligt werde, und dass dadurch 
Kf. bei dem Kaiser sich soviel angenehmer machen werde. 



Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensburg 3./ 13. April 1663. 

[Vorschläge wegen des Quantum.] 

Sie haben 100 Römermonate für die Türkenhülfe vorgeschlagen. Die, 13. April. 
welche sich anfänglich zu Volk erboten, haben erklärt, dem Kaiser, wenn 
es zum öffentlichen Kriege käme, 8000 Mann oder mehr mit der nöthigen 
Artollerie auf ein Jahr, im Nothfall noch länger, auf ihre Kosten stellen zu 
wollen, doch da Verschiedene noch keine bestimmte Erklärung abgegeben, ^ 
ist man noch zu keiner Re- und Correlation geschritten. 



Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensburg 6./16. April 1663. 

[Abstimmung wegen des Quantum der Tärkeohülfe.] 

Heute ist wieder Sitzung gewesen; im Kurfürstencollegium hat dieMa-ic. April, 
jorität auf 50 Römermonate gestimmt, auch sie haben sich dem accommo- 
diert. Im Fürst^rath hat die Majorität auf 50 Römermonate ratione prae- 
teriti et praesentis auxilii geschlossen, von der künftigen Hülfe werde künftig 
zu reden sein. 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Königsberg 17. April 1663. 

[Abberufung v. Platens.] 

Kf. sieht sich der grossen Kosten wegen genöthigt, seine Gesandtschaf- 17. April, 
ten möglichst einzuziehen, daher erhält v. Platen den Befehl, nach Berlin 
zurückzukehren^), v. Mahrenholtz und Dr. Jena sollen dortbleiben und 
ihren Staat und Suite so einrichten, dass sie monatlich mit 600 Rtbl. aus- 
kommen. 



V. Platen reist am 15. Mai ab. 



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180 I^ei* Anfang des Begensburger Reichstages. 

Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Kegensbarg 
16./26. April 1663. 

[Resolotion des Kaisers auf die Forderung des Kf. Verlangen des Administra- 
tors von Magdeburg] 

26. April. Vorgestern hat ihnen Crane die Antwort des Kaisers auf seinen, 

ond des Grafen Wol(!ken8tein Bericht wegen der brandenburgischen For- 
dernng mitgetheilt, dieselbe lautet: 

Wie nun erstbesagten ChurfQrsten zu Brandenburg Ldn. sieh 
gegen uns woll versichert wissen, dass wir derselben in allen müg- 
lichen Dingen zu willfahren geneigt seind, also werden wir Ihrer Ldn. 
desideria des Orts dergestalt beobachten, dass Sie damit zuversichtlich 
woll vergnügt und hinwiederumb beursacht sein werden, unsere dem 
Rom. Reich und der gfinzen Christenheit sowoU alss unsern beider- 
^ seits der Gefahr am nächsten gelegenen Land und Leuten zum besten 
angesehene Intention Ihres Theils nicht weniger zu secundiren. 

Ges. fragen an, ob Kf. es dabei bewenden oder aber noch etwas dess- 
halb erinnern lassen wolle, und stellen anheim, ob er deswegen an Crane, 
welcher sich dieser Sache voruehmlich angenommen, schreiben wolle. Der 
Gesandte des Herzogs August von Sachsen, Administrators von Magde- 
burg, hat ihnen mitgetheilt, sein Herr habe mit Kurs ach sen einen Ver- 
gleich geschlossen, wodurch er die landesfürstliche Hoheit über etliche Aem- 
ter erhalten ^), er beanspruche daher Session und votnm im Fürstenrath. Der 
Kaiser habe bereits seine Zustimmung dazu erthcilt, an Kf. wäre deswegen 
auch geschrieben, und er wünschte zu wissen, was ihnen hierin zu thun 
anbefohlen sei. Sie haben erwidert, dass sie noch keine Resolution des- 
wegen erhalten hätten. 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Königsberg 
17. /27. April 1663. 

[Ges. sollen ihr V^otnm in betreff des Qaaotam redressieren.] 

27. April. — Im übrigen so ist euch unsere eigentliche Meinung ratione 
subsidii, welches Ihter Keys. M. zu leisten, aus mehren Rescripten zur 
gnüge bekannt, und hättet ihr euch daher auf mehr Monate als an- 
dere herauslassen sollen, und weil wir sehen, dass ihr darinnen das 
pfalzische Votum gefolget und. sub spe rati euch auf 100 Monat in 
futurum herausgelassen, wir :| aber vielmehr den Dank bei Ihrer Keys. 

^) S. Opel, Die YereiuiguDg des Herzogthums Magdeburg mit KorbrandeD- 
burg 8: 7. 



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Die TürkeDhülfe. Das von dem Admio. von Magdeburg gesachtc Votum. 181 

M. ZU haben verlangen, dass wir anderen und nicht andere uns vor- 
gehen, {: solchem nach so habt ihr dahin zu sehen, damit ihr mit 
guter Manier euer Votum, als welches sub spe rati abgeleget,:| der- 
gestalt redressiret, I : dass ihr in euren Yotis an und furbringet, dass 
ehe und bevor eure unt. Selation bei uns einkommen : { unser gnädig- 
ster Befehl ratione quanti eingelanget. Was nun die Keyserliche, als 
mit welchen ihr daraus vorhero zu communiciren, begehren möchten, 
dass ihr ratione quanti sowohl wegen des künftigen als vergangenen 
votiren sollet, darnach habt ihr euch zu richten, doch dass eure Vota 
auf eine höhere Summa als die pfalzische ist, und, wann die Eeyser- 
liehen es zu determiniren Bedenken hätten, zum wenigsten auf 150 
Monat eingerichtet werden, | : und dass, wan inskunftige ein mehres fttr 
des Reiches und der Christenheit Bestes notig sein möchte, damit nach 
Beschaffenheit der Sachen continuiret werde. Dass aber einem andern 
als dem Keyser die Disposition über dem Geld gegeben werde, das 
halten wir gar nicht f(ir zuträglich, und werdet ihr daher, wie ihr 
alleweil zu unserm gnädigsten Gefallen gethan, femer im Votiren 
fortfahren. — 



Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Regensburg 
27. April / 7. Mai 1663. 

[EröffnuDgen des nenen PfalzneDbargisohen Gesandten.] 

Der K.Sächsische Gesandte hat aufs neue wegen Session und Vo- 7. Mai. 
tum des Administrators, Herzog Augast, Eriniieruog gethan. Pfalz-Neu- 
bürg hat einen seiner vorigen Abgesandten, v. Didinghansen, abge- 
fordert und an dessen Stelle den v. Rauten stein, der früher in Polen zu 
01i?a bei den Tractaten ^), auch zu Frankfurt a. M. gewesen, hieher ge- 
sandt, welcher sofort, als er das erste Mal in den Fürstenrath gekommen, 
Jena zugesprochea und sich zu Fortsetzung der Freundschaft, in der je- 
ner mit dem früheren Abgesandten gestanden, erboten. Als sie dann priva- 
tim von der Jülichschen Sache gesprocbcn, erklärte er, es sei für beide Theile 
nützlich, wenn ein endlicher Vergleich aufgerichtet würde, und dass ein 
jeder mit des anderen Assistenz der Jülichschen Lande halber ein votum 
suchen könnte. 



') S. ürk. u. Akt. Vm S. 711. 



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Ig2 DerAnfaiig des Regensbarger Reichstages. 

Gottfried V. Jena') an den Kurfürsten. D. Regensburg 
8./ 18. Mai 1663. 

[Versöholicbe AeasseraDg des Pf. NeabnrglBchen GesandteD. VerhandliiDgeD 
wegen des für den Administrator von Magdeburg verlaDgten Yotums.] 

Mai. Vorgestern wurde das vom Reichsdirectorio abgefasste Reicbsgut- 
achten') den Ständen per dictatnram mitgetheilt und worden denselben Tag 
alle eonsilia berufen, doch ist es noch zu keinem Schlass gekommen. 

Der Pfalzneubnrgische Gesandte v. Rauten stein hat mit J. vertrau- 
lich geredet, er hätte über ihr früheres Gespräch") seinem Fürsten berichtet, 
dieser wäre damit wohl zufrieden und wünsche, J. möge dem Kf. berichten, 
dass er zu einem beständigen Vergleich wohl geneigt sei, und könnten dazu 
einige Interponenten vorgeschlngen werden; J. hat erklärt, darüber an Kf. 
berichten zu wollen, und erwartet von diesem Instruktion. 

Wegen der Forderung des Administrators von Magdeburg hat er mit 
dem E. sächsischen Abgeordneten Strauch verhandelt und dabei des Kf. 
Forderung vertreten, dass jener ratione loci nichts den Fürstenthümern des 
Kf. Präjudicierliches prätendieren dürfe. 



Derselbe an den Kurfürsten. D. Regensburg 11./21. Mai 1663. 

[Berathangen über das Reichsgatachten wegen des Qaantnm.] 

21. xMai. Trotz dreier Sitzungen (Freitag, Sonnabend und heute) ist doch das 

Reichsgutachten noch nicht zustande gekommen^), im kurfürstlichen Colle- 
gio ist jetzt eine vollständige Conformität erzielt, nachdem der Kurcölnische 
auch zu 50 Römermonaten sich erboten , gleichwohl ist angezeigt worden, 
dass Kf. sie inzwischen auf 100 Monat, auch wohl noch mehr instruiert 
habe. Die bewilligte Sutnme soll in zwei Terminen, künftigen Michaelis 
und Ostern 1664 erlegt werden. 



Derselbe an den Kurfürsten. D. Regensburg 15./25. Mai 1663. 

[Das Reichsgatachten ist zustande gekommen. Bevorstehende Berathang wegen 

des futurum auxiliam.] 

25 Mai. Das Reichsgutachten ^) ist glücklich zustande gcfkommen und heute 

durch Deputierte den kaiserlichen Koramissarien übergeben worden. Der 

*) v: Mahrenholtz war nach Halberstadt gegangen, um dort die für die 
Gesandtschaft bestimmten Gelder flüssig zu machen. 

^ S. über dasselbe und über die vorhergehenden Verhandlungen Gemei- 
ner I S. 55ff. 

») S. oben S. 181. 

S. Gemeiner I S. 63ff. 

*) d. 13/23. Mai 1663 (Londorp VIU S. 971 flF. Fachner v. Eggen- 
storff I S. 18 f.). 



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Die Tarkenhälfe Die Forderung des Admin. von Magdeburg. 183 

Erzbischof von Salzburg hat darauf- io seiner Antwort erklärt, man 

möchte jetzt zuerst das futurum anxilium abhandeln, weil der Bruch und 

Krieg mit den Türken sehr wahrscheinlich wäre, der Kaiser würde sich 
Volk so lieb als Geld sein lassen. 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Königsberg 26. Mai 1663. 

[Die kaiserliche ResolutioD, die Forderung des Administrators von Magdeburg.) 

— So viel die keys. Kesolution, welche euch von Cranen com- 26. Mai. 
municiret, belangt, da sind wir der Meinung, dass ihr andeutet, dass 
wir die Kesolution also verstünden und annehmen, als wir es von 
Ihrer Keys. M. desideriret. — Was des H. Administratoris zu Magde- 
burg Ld. prä^endirte Session und Votum ratione Querfurt betrifft, 
da lassen wir es nochmals bei unserm jüngsten Bescript ^), und habet 
ihr euch durch keine majora davon bringen zu lassen, als welche uns 
und anderen das jus iam in ipso Instrumento pacis quaesitum nicht 
entziehen oder nehmen können, auf solche Weise könnte einer, der 
allererst in Fürstenstand erhoben, durch die majora denen älteren vor- 
gezogen werden, welches doch injustum und inauditum. — 



Gottfried v. Jena an den Kurflirsten. D. Regensburg 
18./28. Mai 1663. 

[Berathnng über die künftige Hülfe, Forderang, dass auch der punctos securi- 
tatis zugleich vorgenommen werde.] 

Gleich am Sonnabend sind wieder die OoUegia berufen worden, nnd 28. Mai 
heute') ist dann der Punkt von der künftigen Hülfe ordentlich vorgenom- 
men, doch noch kein Beschluss gefasst worden. Im kurfürstlichen waren 
die plara (Cöln, Trier, Mainz und Baiern) für Volk; Branden- 
burg beantragte, da das kurf. coUegium vorher einmütbig auf Geld ge- 
stimmt und der Kaiser erklärt hätte, dass ihm ebenso mit Geld wie mit Volk 
gedient, möchte man sich npch zur Zeit auf 50 Hömermonate au Geld er- 

Ein solche» ist in den Akten nicht erhalten, der Inhalt desselben ist aus 
den spateren Rescripten nnd Relationen der Gesandten ersichtlich. Kf. willigt 
ein, dass der Administrator für sein Fürstentham Sachsen-Qaerfart Sits nnd 
Stimme im Färstenrath erhalte, will aber nicht zugeben, dass derselbe, wie er 
verlangt, mit den übrigen sächsischen Häusern zusammen vor seinen Färsten- 
thümern die Stelle erhalte. 

^ S Gemeiner I S. 69 f. 



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134 4. Der Aufang des Regensbarger Reichstages. 

klären, auch damit, so lange der Türkenkrieg währte, continuieren, wovon, 
in Betrachtung die Matricnl sehr geschwächt, etwa ^000 Mann, wenn die 
andern zum 'Kriegsheer nöthigen Dinge mitgerechnet würden, erhalten wer- 
den könnten. Mit geringerm wäre kein genügsamer Widerstand zu thun 
oder was Fruchtbar! iches zu verrichten. K.Mainz verlangte, dass der punc- 
tus securitatis zugleich mit der Türkenbülfe vorgenommen werde, die Ma- 
jorität aber erklärte sich dafür, dass dieses erst nach ausgemachtem erstem 
Punkt in Richtigkeit zu bringen sei. Auch im Fürstenrath stellten die 
Alliierten und wenige andere dieselbe Forderung, dass die Sicherheit des 
Reiches sofort und zugleich mit der künftigen Hülfe abzuhandeln wäre. 



E. V. Platen an den Kurfürsten, Berlin 22. Mai / 
[1. Juni] 1663. 

[Vorschlage der K.Mainzischen oud K.Gölnischen wegen der künftigen 
ReicbsverfasBung.] 

1. Joni. Er ist vorgestern hier angekommen, will nur berichten, dass, als er von 

einigen Gesandtschaften, darunter der K.Mainzischen und K.Gölni- 
schen, Abschied genommen, von denselben ein Discnrs wegen der künfti- 
gen Reichsverfassung angefangen wurde. Der K.Mainzi8che Kanzler Mehl 
erklärte, sein Herr sei auf den Gedanken gekommen, es müsste nothwendig 
im Reiche eine beständige Kriegsverfassung eingerichtet werden, und zwar 
müsste, da den alten Reichsverfassungen und der Execntionsordnung fast nie 
nachgelebt sei und die Hinderung unter anderem aus der Matricul herrührte, 
etwas ganz neues gemacht werden, nämlich: 

1) der Kaiser müsste sich mit den Ständen und diese unter sich zu. 
mutueller Hülfe auf das kräftigste verbinden. 

2) auch die auswärtigen benachbarten Kronen, namentlich Frankreich 
und Schweden, müssten hinzugezogen werden, so dass auch diese 
sich mit dem Reiche zu mutueller Hülfe verbänden. 

.3) es müsste jederzeit ein vollkommenes Kriegsheer aus geworbener 
Mannschaft mit Generalen, sonstigen Officieren, Artollerie und Muni- 
tion in Bereitschaft gehalten werden, wozu jeder Stand das seinige 
contribuieren müsste. 
4) Jedem Stande müsste freie Hand gelassen werden, wie hoch er sich 
anschlagen und was er bei solchem gemeinnützigen Werke thun wolle. 
Er hat darauf nur erinnert, *ob es auch dem Reiche zuträglich sein 
würde, sowohl die Fremden so weit in des Reiches Affairen zu mischen, 
als auch sich zu ihrer mutnellen Defension contra quoscunque, da sie oft 
viel Streit mit ihren Nachbaren hätten, zu verbinden. 

Bei dem K.Gölnischen Gesandten D. Aithofen hat es fast gleichen 
Discnrs gegeben, derselbe hat nur noch hinzugefügt, dass man Frankreich 
und Schweden ohnedem wegen der abgetretenen Reichslande zur Garantie 



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Project einer Beichskriegsverfassoog. Forderung des Admin. v. Magdeb. 135 

verbanden sei, die sie sehr weit (z.B. Schweden im polnischen Kriege) 
eztendierten. 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Königsberg 1. Juni 1663. 

[Geneigtheit za einem Vergleich mit Pfalz -Netiburg.] 

In betreff der Forderung des Administrators von Magdeburg wieder- 1 Juni, 
holt Kf. seine frühere Entscheidung. Mit dem Pfalzneuburgischen 
Gesandten soll Jena ferner reden und ihm andeuten, Kf. sei geneigt, wenn 
Pfaizneuburg es beliebe, sich mit ihm in gutes Yei trauen zu setzen 
und einen gütlichen Vergleich nicht auszuschlagen, er wolle erwarten, was 
jener ratione modi compositionis und personarum median tinm vorschlagen 
werde, und werde sich dann darauf erklären. 



V. Mahrenholtz und Gottfried v. Jena an den Kurflirsten. 
D. Regensburg 25. Mai /4. Juni 1663. 

l K.Sachsens Forderung wegen des Administrators. Die Angriffe gegen die 

Beformierten.] * 

Die kursächsischen Gesandten haben wieder die Sache des Administrators 4. Juni, 
vorgebracht und verlangt, Oes. sollten wenigstens sub spe fati demselben den 
Vorsitz vor Halberstadt und consequenter den anderen Fürstenthümern des 
Kf. verwilligen, sie haben aber erklärt, des Kf. Befehl abwarten zu müs- 
sen, und dabei dessen Weisung gemäss bemerkt, Kf. hätte K. Sachsen und 
dem Administrator zu Liebe rem ipsam, nämlich sessionem und votum, 
verwilligt, in der Zuversicht, es werde das alte Vertrauen zwischen ihnen 
erhalten und in K.Sachsens Landen nicht ^ut geheissen werden, des Kf. . 
Religionsverwandte wider den Keligions- und Osnabrückischen Friedens- 
schlnss zu beschweren^), v. Gersdorf erwiderte, der Kaiser hätte dem Ad- 
ministrator schon sessionem unti votum concediert, wenn er aber die Stelle 
bei den anderen sächsischen Häusern nicht erhielte,, werde er Session und 
Votum nicht begehren. K.Sachsen würde an dem, was privat doctores 
gegen einander schrieben, kein Gefallen tragen, und falls einer^ dass er 
sich vergriffen, wie dann nöthig wäre, überwiesen werden sollte, würde er 
aUdann solchen in seinen Landen nicht dulden. Was Calovius geschrie- 
ben, deshalb hätte er sich entschuldigt.') 



S. über diese theologischen Streitigkeiten, durch welche das gegen die 
UniverBitat Wittenberg gerichtete Edict des Kf. vom 21. Aogast 1662 veranlasst 
worden ist, Hering, Nene Beitrage zur Gesch. der evangelisch -reformirten 
Kirche in den Prenssiscb - Brandenbnrgischen Ländern II S. 160 ff. nnd unten im 
Anbang die Akten über die Zusammenkunft des Kf. mit K.Sachsen za Torgau. 

^ Hering a a. S. 172 ff. 



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186 4- I^or Aofang des Regeosbarger Reichstages. 

Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensbarg 
29. Mai/ 8. Juni 1663. 

[Droheode Nachrichten von der Türkeogefahr.] 

8. Juui. Vor wenigeD Tageo ist der Graf Lacroa von Wieo angekommeD , um 

dem Erzbischof von Salzburg die Türkengefahr vorzustellen^), der darauf 
auch beiliegendes Schriftstück') über den ungarischen Zustand den Ständen 
per dictaturam mitgetheilt hat, darüber ist heute deliberiert'), aber weder 
im kurfürstlichen noch fürstlichen Coilegium zu einem Schluss gekommen; 
im ersteren wurde erklärt, da der Kaiser an alle Kurfürsten dieser Sache 
halber Gesandte geschickt, müssten sie deren Befehl abwarten; im Fürsten- 
rathe wird es wohl zu keinem einmüthlgen Beschluss kommen, die Alliierten 
verlangen, dass der punctus securitatis mit der künftigen Türkenhülfe zu- 
gleich vorzunehmen sei, werden es aber nicht durchsetzen. 



Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensburg 5./15. Juni 1663. 

[Berathungen wegen der küoftigeo Türkenhülfe.] 

ir).Juni. Der künftigen TürkeuhüITe wegen ist es im Fürstenrath noch zu kei- 

nem conclusum gekommen, wegen der Verschiedenheit der Meinungen und 
da sich noch etliche 20 defectu instructionis entschuldigt. Die Alliierten^ 
welche sich zu Volk erboten, sind gestern und vorgestern bei den K.Maia- 
zfschen versammelt gewesen, um sich zunächst unter sich wegen der Con- 
ditionen, unter welchen sie die Völker schicken wollen, zu vergleichen, sie 
werden dann ihre Bediugungen dem Erzbischof von Salzburg mittheilen. 

Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensburg 19./29. Juni 1663, 

[UneiDigkeit iobetreff der zu leistenden Türkenhülfe.] 

29. Jaui. Mit dem futuro amilio wird es nun bald zu Ende kommen, doch bleibt 
es ratione quanti sowohl im fürstlichen als auch städtischen Collegio bei 
der Difformität, muss also das allgemeine Reichsgutarhten secundum con- 
clusa difformia eingerichtet werden und ist es daher zu keiner durchgehen- 
den Qleichheit (welches wohl vor diesem im h. Reich niemals geschehen) 
zu bringen. Die Alliierten haben ihre (abschriftlich beiliegenden) Condi- 
tionen übergeben. 

^) S. das Schreiben des Kaisers an den Erzbischof von Salzburg d. Lazen- 
burg9. Mai 1B63 (Diar. Burop. X S. 207 f. Londorp VIII S. 971). 

«) x)iar Knrop. X S. 260ff. Londorp VIII S. 973. Pachner v. Eggon- 
Btorff I S.20. 

^ G eoieioer I S. 72. 



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Die Türkengofahr. Berathungen über die TürkeDhülfe. 187 

Nach Erledigung des ersten Punktes wird es jetzt bald znr Verhand- 
lung über den zweiten, die Sicherheit des Reiches, kommen; Ges. erwarten 
darüber des Ef. Willensmeinnng. 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Königsberg 
6. Juli St. V. 1663. 

[auf die Relation vom 29. Mai/8. Jnoi. Mahnnogen an die Reichsstande , die 
Türkenbulfe ernster auzagreifen. Eigene Bulfserbietnngen des Kf.] 

— Wir betrüben uns über, dergleichen Verzögerung und gefährlichen 16. Juli. 
Aufenthalt nicht wenig und dass man des Erbfeindes dessein nicht 
mit mehreren Ernst und Eifer zu Herzen nimmt. — Ihr habet dahero 
unsertwegen dies Werk beweglich und glimpflich vorzustellen — 
dass gleichwohl, da der Allerhöchste annoch Mittel genug verliehen, 
solchem allen in Zeiten mit dessen göttlichen Beistand vorzukommen 
und abzuwehren, diejenigen eine schwere Verantwortung über sich 
und ihre Nachkommen ziehen würden, welche durch andere Respecte 
die Defension des Vaterlandes zu hindern oder doch zu divertiren 
suchen, und weil wir versichert wären, dass unter allen Gliedern des 
Reiches niemand wäre, welcher an solcher Auflage zu participiren 
begehrefe, vielmehr alle Kräfte und Mittel wider Gottes und des Vater- 
landes Feind anzuwenden begierig, so wollten wir ihnen allen und 
jeden als ein getreues Mitglied die Beförderung dieses Werkes bester- 
massen recommandiret haben, und weil wir Euch neulich albereit 
gnädigst anbefohlen, dass 'Ihr unsertwegen 150 Römermonat willigen 
solltet, also lassen wir es nochmals dabei bewenden, und haben wir 
denn, nachdem die Keys. M. durch eine eigene Abschickung ') uns 
die instehende Gefahr repraesentiren lassen und umb schlünige Hülfe 
an Volck, Munition und Geld beweglich anhalten lassen, deroselben 
alsofort einige Völcker zu Ross und Fuss, etliche hundert Centner 
Pulver, etliche tausend Stuck Kugeln und Granaten und dann hun- 
dert tausend Rthaler versprochen, das Geld albereit wirklich gezahlet, 
und sollen die Volcker und Munition, so bald es Ihre Keys. M. noti- 
ficiren und begehren werden, marchiren und geliefert werden, wel- 
ches alles Ihr bei guter Gelegenheit zu erwähnen und dahin mit allen 
Vleiss Euch zu bemühen, damit vor allen Dingen der punctus der 



üeber diese Sendung Lisola's an den Kf. s. unten Abschn. 5. 



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188 4. Der AnTang des Regensburger Reichstages. 

Türkenhülfe vest gesetzet und durch keine andere Materie divertiret 
werde. — 



Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Regensburg 
10./20. Juli 1663. 

[MittheilaDgeo RautensteiDS.] 

20. Juli. In pnblicis ist in 14 Tagen niclits geschehen, die Stände sind so lange 
nicht ZQsammen berufen worden, da man erst die kaiserliche Resolution 
auf das Reich sgutacht^n erwartet, vermnthlich wird der Kaiser^nicht mit 
dem^ was bisher bewilligt, zufrieden sein, sondern eine andere, besser ein- 
gerichtete, coiiforme und st&rkere Hülfe begehren. 

PS. Der Pfalz-Neuburgische Gesandte, Rautenstein, hat Jena an-, 
gezeigt, sein Herr hielte das, was hier wegen eines gütlichen Vergleiches 
geredet sei, für aufrichtig geroeint und schlage seinerseits den König von 
Frankreich und den Bischof von Münster als Interponenten vor, wün- 
sche die Sache aber vorläufig noch geheim zu halten. 



Dieselben an den Kurfürsten D. Regensburg 17./ 27. Juli 1663. 

[Die kaiserliche Reaolation anf das Reichsgatacbteo.] 

27. Juli. Die kaiserliche Resolution i) auf das Reichsgutachten ist nun erfolgt 

und werden jetzt, nach 3 Wochen, die Stände zusammenbernfen werden, 
doch ist zu fürchten, dass keiner oder wenige sich anders oder zu einem 
höheren quanto erbieten werde ^ man meint, der Kaiser werde geschehen 
lassen^), dass jetzt der panctus securitatis angegriffen werde, doch mit dem 



d. 24./14. Juli 1663 (Kondorp VIU S. 981f., Pachner v. Eggenetorff 
I 8.33). Darin verlangt der Kaiser, dass die ez causa praesentis et praeteriti 
temporis bewilligte Geldhülfe anticipiert werde, dass diejenigen Reichsstande, 
welche weniger als 50 Römermonate bewilligt, den anderen beitreten, dass für 
die auf dieses Jahr bewilligte Geldhülfe bestimmte und zwar möglichst nahe 
Termine festgesetzt und dass, da zu besorgen sei, dass der Krieg in diesem 
Jahre nicht werde beendigt werden, zeitig wegen fernerer Hülfe Beschlnss 
gefaset werde, dass ferner diejenigen, welche Volkshulfe bewilligt hätten, 
ihre Truppen sofort anmarschieren liessen, damit er dieselben Ende Juli oder 
Anfang August zur Hand habe, die vorgeschlagenen Bedingungen habe er schon 
durch deu Erzbischof von Salzburg auf die Billigkeit adjustieren lassen. (S. 
den Vertrag mit den Alliierten wegen der von diesen zu stellenden Hülfstruppen 
d. Regensburg 11. Juli 1663 Diar. Europ. IX S. 406 ff., Londorp VUI S. 977, 
Pachner v. Eggenstorff I S. 30f.) 

^ Der Erzbischof von Salzburg theilt (d. Regensbnrg 27. Juli 1663). dem 
K. Mainzischen Direktorium den Inhalt der kaiserlichen Resolution mit und 
stellt anheim, da die Gesandten deswegen erst Instruktion von ihren Principalen 



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Die Törkenhülfe. Die secnritas imperii. 189 

'Vorbehalt, wenn die Türkengefahr nicht nachliesse, den pnnctns anzilii zu 
resssamieren. 

Ges. haben den inzwischen angelangten französischen Gesandten G ra - 
Tel besucht und wegen des Tractaineuts garkeine Schwierigkeit gefunden. 

E.B airische und K. Mainzische Truppen sind schon auf dem 
Marsch nach Ungarn. 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Königsberg 
20./30. Juli 1663. 

[BemerkoDgeD in betreff der secaritas imperii. Geneigtheit zar Verstan- 
dignng mit Pfalz-Nenbarg.] 

Kf. bedauert , dass es der Türkeugefahr gegenüber nicht zu etw.is 30. Juli. 
Rechtschaffenem gekommen ist; er selbst will für das Vaterland und die 
Christenheit beitragen, soviel ihm der Allerhöchste Vermögen und Kräfte 
verleihe. 

1) Wann nun der punetus securitatis imperii vor und in Delibera- 
tion kommen sollte, so habt Ihr unsertwegen in beiden Collegiis das 
Votum dahin abzulegen, dass wir verhoffeten, man werde uns im 
h. röm. Reich das Zeugniss geben, dass wir bis anhero nichts anders 
gesuchet, dann dass die Ruhe und so teuer erworbene Friede — er- 
halten und conserviret werden möehte. Da hätten wir nun wohl bei 
uns kein zulänglicher und sicheres Mittel finden können, dann dass 
zuforderst im h. röm. Reiche zwischen Haupt und Gliedern ein rech- 
tes und höchst nöthiges Vertrauen und Verständnuss gestiftet und be- 
festiget werde, und hätten auch zu keinem andern Zweck alle unsere 
eonsilia und actiones gerichtet, möchten aber nicht eigentlich wissen 
oder sagen, woran es sich bis anhero gestossen, befindeten aber dieses 
bei uns, dass so lange im Reich selbst zwischen den Gliedern und 
dem Haupt und dann denen Gliedern unter sich selbst ohne An- • 
sehn und Unterschied der Religion kein rechtes Vertrauen gestiftet, 
alle factiones, studia und Misstrauen aufhöre, an der Securität des 
Vaterlandes vergeblich und ohne Effect gearbeitet werde. Wir er- 
beten uns und wollten ferner in der That mit Gottes Hülfe beweisen, 
dass wir unserem Eeyser, zumal dem gegenwärtigen, welchem doch 
auch nicht das geringste zu imputiren oder beizumessen, dass er 



erwarten würden, inzwischen d.n punctas seonritatis vorznnehmeD und die Ver- 
baodlnDgen wegen der Anticipation fortzusetzen (Diar. Enrop. IX S. 428ff.y 
Londorp VIII S. 979f). 



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190 ^' C^or AofaDg des Regenaborger ReichBtages. 

einigen Stand betrübet oder zu Weiterung Uraach und Anlass ge-* 
geben, allen schuldigen Respect leisten und gegen alle und jede un- 
sere Herrn Miteburfürsten, Fürsten und Stände dergestalt betragen 
wollen, wie es einem getreuen und redlichen Gliede des Vaterlandes 
gebühret und die Grundgesetze und andern des Reiches Constitutionen 
erfoderten, und nebenst ihm des h. röm. Reichs Ehre und Ruhe — 
samt der vor diesem erworbenen Reputation, Praeeminentz und Glorie 
mainteniren und nach äussersten Kräften und Vermögen vertreten 
helfen wollten» 

2) Negst diesem so gehörte zu der Securität des Reiches, dass 
dasselbe mit allen Benachtbahrten in gutem Verständnuss stunde und 
bliebe. Unter den Benachtbahrten wären Frankreich und Schweden 
die vornehmsten, wann nun fler mit denselben zu Ossnabrugg und 
Münster aufgerichtete Friede beständig gehalten und dasjenige, was 
beiden aus obgedachtem Frieden zukommet und würcklich tradiret, 
gelassei) wurde, so hätte es mit beiden Cronen seine gute Richtigkeit 
und würden sie auch an ihrem Ort nicht weniger den Frieden un- 
verbrüchlich zu halten geneiget sein. 

3) — bestünde die Sicherheit des Reiches auch mit darin, dass 
sich da s h. röm. Reich von niemand zu nahe treten Hesse oder gar 
zu viel leidete, denn auf die Wei^e käme es in Verachtung, wurde 
man sich aber einmal und einmüthig des Vaterlandes Interesse ange- 
legen halten und dasselbe mit Nachdruck secundiren, so wurde sich 
auch wohl hernachmals einer und der andere bedenken, dasselbe 
zu lacessiren. 

4) — so hätte man nun über hundert Jahr bis gegenwärtige Zeit 
an einer guten Ordnung, wie nemlich ein Creyss dem andern und 
ein Stand dem andern im Nothfall assistiren und mit Hülfe erschei- 
nen sollte , gearbeitet, man hätte aber gleichwohl kein besseres be- 
finden können, als das Fundamentum, • welches in der Executions- 
ordnung vom Jahr 1555 enthalten, wir hätten auch wohl so viel 
wahrgenommen und in der That erfahren, dass es nicht so sehr au 
guter Ordnung als an denenjenigen ermangelt, welche denselben Ord- 
nungen kein Gnüge thun und denenselben nachkommen wollen, ge- 
stalt man sich dann bisdahero so wenig auf die allgemeine Reichs- 
verfassungen, Executionsordnung und was darauf mehr erfolget, als 
auf particulär Verbandnusse, Vereinigung, Etbverbrüderung und der- 
gleichen zu verlassen gehabt, wurde demnach dahin vornemlich mit 
zu arbeiten sein, dass nach Anweisung der Executionsordnung die 



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Die Becorita imperii. 191 

Sache vorgenommen, was in der Executionsordnung nicht zureichend, 
verbessert, was mangelhaft, hinzugethan, und absonderlich darauf das 
Absehen gerichtet werde, damit der Ordnung, welche gemachet und 
beliebet, ein rechter Nachdruck gegeben werde, damit die bedarfen- 
den Stände darauf sich auf allen Nothfall verlassen und darauf Staat 
machen können. 

5) — wurde nöthig sein, dass Haupt und Glieder alle ihre con- 
silia einzig und allein auf das h. röm. Reich und desselben wahres 
Interesse wendeten und sich davon durch kein fremdes Absehn, es 
sei auch dasselbe wie es wolle, abwendig machen lassen. 

6) So wurde auch für das sechste nicht undienlich sondern zur 
Sicherheit des Reiches nothig sein, dass ein perpetuus miles im h. 
röm. Reich unterhalten wurde, welcher nicht so sehr in numero als 
in robore und in geübten und tapferen Soldaten und OfGcieren be- 
stünde und dass dieselben ordentlich und ohne Abgang besoldet wür- 
den, und diese letztere securitatis media alle wurden sich leichtlich 
finden, wann nur das erste seine gute Richtigkeit hätte. 

Dieses wären unsere treugemeinten privat Gedanken für die 
Sicherheit des Vaterlandes und wollten der übrigen gleichfalss ver- 
nehmen und an unsern Ort alles getreulich beitragen helfen. Und 
diese unsere Meinung nun habt Ihr in Euren Votis verbotenus, wie 
dieselbe alhier zu befinden, abzulegen, der übrigen Churfursten, Für- 
sten und Stände Meinungen und Vota vleissig protocoUiren zu lassen 
und uns unt. zu berichten. 

Ges. sollen den franzöbischen Gesandten Gravel visitieren und des 
Kf. freundschaftliche Gesiunuug gegen die Krone Frankreich contestiereo. 

PS. Rautensteio sollen sie auf seine neuliche Erklärung von selten 
des Et. versichero, dass auch von diesem die Sache aufrichtig gemeint 
sei, er wünsche aber^ dass dieselbe zunächst im geheimen nud ohne Hin- 
zuziehung von Vermittlern zwischen ihren beiderseitigen Räthen abgethan 
werde. 



Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Regensburg 
24. Juli/ 3. August 1663. 

[BerathoDgen über den panctas secnritatis.] 
Vorgestern, Mittwoch, sind die Stände wieder zusammenbernfen wor- 3. Aug. 
den 9 nachdem K.Mainz eine Art Proposition') betreffend punctum securi- 

d. RegeoBburg 19./29. JuU 1663 (Diar. Burop. IX S. 430. Londorp 
VllI S. 980f. Pachoer v. BggeDStorff I S. 44), s. Gemeiner I S. 83 f. 



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192 4- I^cf Aofang des.BegeDBbarger Reichstages. 

tatis hat öffeDtlich dictieren lassen, über welche Neuerang der Erzbischof 
von Salz barg sehr angehalten ist. Im karfürstlichen Collegio propo- 
nierte das K. Main zische Direktorinm, dass nach abgehandeltem ersten Punkt 
nun der punctus securitatis vorzunehmen sei, er hätte seine Gedanken darü- 
ber schon schriftlich mitgetheilt. Die meisten (auch Oes.) stimmten darauf 
dafür; dass dieses K.Mainzische Memorial erst den Principalen einzusenden 
und deren Meinung zu erwarten sei; im Fürstenrath brachte das öster- 
reichische Direktorium den punctus securitatis so vor, wie er in der kai- ' 
serlichen Proposition enthalten ist, die Umfrage wurde aber nicht zu Ende 
gebracht, die Mehrzahl hat bisher verlangt, dass die Directoria diesen Punkt 
in membra subdividieren und dann solche proponieren möchten^). Sach- 
sen-Altenburg, auch BrandenburgCulmbach und Braunschweig 
beantragten, dass die Capitulatio perpetua zuerst vorgenommen werde. 
Dabei scheint die Intention eines oder anderen zu sein, den statum des R. 
Reichs anders zu formieren, man wünscht, die von den Kurfürsten depen- 
dierendcn Gesandten solange aas dem Fürstenrath los zu werden, bis die 
das kurfürstliche CoUegium und dessen Präeminenz angehenden Dinge zu 
Ende gebracht sind. Ges. aber wollen zu bewirken Sachen, dass diese 
Frage noch etwas zurückbleibe. 

Graf Hohenlohes), General der Frankfurter Alliierten, ist hergekom- 
men, dieselben halten viele Zusammenkünfte, bei welchen sich auch der 
französische Gesandte einfindet. 



Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensburg 
30. Juli / 9. August 1663. 

[VerhandluDgen über den panctas securitatis.] 

9. Ang. Die Umfrage im Fürstenrath ist 24. Juli/ 3. August ') fortgesetzt und 

beendet worden, es wurde beschlossen, dass die fürstlichen Directoria mit 
dem K.Mainzischen sich zusammen thun, den punctum securitatis in ge- 
wisse membra subdividieren und solche in eine Ordnung, wie sie vorzuneh- 
men, bringen sollten. Es wurden von verschiedenen Seiten verschiedene 
Punkte, die zuerst zu behandeln seien, vorgeschlagen (so die Wahlcapitu- 
lation, von ihnen selbst der punctus restituendorum). Mittwoch wurde das 



^) V. Jena in dem Votum für Halberstadt verlangt: 1) das Direktorium 
möchte diese Punkte so vortragen, dass nicht bald unter den Stauden oder Golle- 
gien Streit entstehe; 2) man möchte zuerst das Reich ^egen des Türken Einbrach 
in Sicherheit setzen, 3) zugleich aber den punctum restituendorum vornehmen, 
der nach dem FriedensschluBs zuerst zu erledigen sei. Er erklärt zugleich, dass 
das von E. Mainz Dictierte keine Proposition sein könne, dass dem Fnrstencol- 
legium überhaupt ausser seinen Direktoren niemand etwas zu proponieren habe. 

>) S. über denselben Theätr. Europ. IX S. 8G3 ff. 

^ S. Gemeiner I S. 85. 



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Berathnngeo über die vorsunehmeodea GegeDataode. 193 

knrfurstliche Collegiom allein convociert, E.Mainz wünschte, man möchte, 
sich näher herauslassen, man erklärte aber, man habe zunächst das E.Uain- 
zische Memorial den Principalen eingeschickt, man wünsche, weil im Fürsten- 
rath der pnnctus secnritatis sehr weit extendiert werde, die directoria möch- 
ten sich zasammenthun und diesen Punkt in gewisse capit^ dividieren, damit 
nicht die beiden CoUegien über verschiedene Materien deliberierten, beson- 
ders wäre die Executionsordnung zu verbessern; E.Mainz will aber vorläufig 
diese Snbdivision nicht übernehmen, bis man sich specialius erklärt hätte. 



Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensburg 
7./17. August 1663. 

[Die Erklärung des Korfärsten. Weitere Berathuogen über den panctus 

securitatis.] 

Ges. haben des Ef. Rescript vom 30./20. Juli am 4./14. August erhalten 17. Aug. 
und bei heutiger Zusammenkunft dessen Meinung befohlenermassen in 
ihren votis in beiden Collegien verbotenus vorgetragen; es wurde dieses 
nicht allein mit guter Attention in beiden collegiis angeh(5rt, sondern auch 
gar wohl aufgenommen und fast hoch gehalten. Im kurfürstlichen Colle- 
gium gingen die majora dahin 2), dass eine Provisionalverfassung zu des 
Reiches Sicherheit ehestens zu machen sei, damit man einer Reichshülfe 
sowohl gegen den Erbfeind als contra quosvis invasionis casus versichert 
wäre, und dass auch die Ezecntionsordnung revidiert werden müsse. Im 
Fürstenrath erklärte sich die Majorität wieder dafür, die directoria möchten 
zunächst den Punkt in gewisse membra subdividieren und diese den Stän- 
den mittheilen. Die allermeisten auf der weltlichen Bank bestehen aber 
dsirauf, dass die perpetua capitniatio zunächst abgehandelt werde, deuten 
in Privatgesprächen auch das votum des Ef. dahin, weil darin vorgestellt 
werde, dass das innerliche gute Vertrauen ^wischen Haupt und Gliedern 
zuerst zu stabilieren wäre, während Ges. daraus schliessen^ dass zuefst die 
Executionsordnung und der perpetnus railes weiter abzuhandeln sei; sie er- 
bitten des Kf. Gedanken über die perpetnierliche Capitulation. 



Dieselben an den Kurfttrsten. D. Regensburg 
14./ 24. August 1663. 

[Weitere BerathnDgen über die zu behandelnden Gegenstände.] 
Das kurfürstliche Collegium hat endlich per majora beschlossen '), 24- Aag. 
dass die Executionsordnung zu revidieren sei, im Fürstenrath^) aber hat 

^) S. Gemeiner I S. 89ff. 

^ S. ddn E.Mainzischen Avisationszettel d. 17. August 1663 (Londorp 
vra S. 983). 

') 12./22. Augnst s. Gemeiner I S. 92. 
*) S Gemeiner I S. 89 ff. 

Mater, c. Ge«ch d. G. Rnrrursten. XI. 13 



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l94 ^' ^^^ ADfaog des Begensbarger Reichstage^. 

• 
es wegen der VerscbiedeDheit der Meinungen noch zn keinem wirklichen 

Bescblnss kommen können; die Alliierten aof der weltlichen Bank (denn 
die Geistlichen nehmen es sich nicht i»n) und andere, damnter die kur- 
fürstlichen Hänser zum grösseren Theil mit sind, dringen daranf, dass die 
Capitnlation zuerst Yorgenommen werde; sie selbst haben in Ermangelung 
besonderer Instruktion verlangt, dass zuerst die Executionsordnung und 
Verfassung im Reich, auch der puuctus restitnendorum zn Ende zu briu* 
gen and dann der defectns comitiorum zn corrigieren sei. Einige im Für- 
stenrath lassen sich verlauten, Ef. würde denjenigen, welche die Einrichtung 
der perpetnierlichen Capitnlation zuförderst urgicrten, nicht abfallen, weil er 
auf dem vorigen Reichstage^) durch seine Qesandten im Fürstenrath sol- 
ches Werk habe secundieren lassen. 



Der Kurfürst an die GesaDdten. D. Königsberg 
31. August 1663. 

[ErhaltQog der kurfürstlichen Prärogativen.] 

31. Aug. Ges. sollen sich die Erhaltung der kurfürstlichen Prärogativen') an- 

gelegen sein und sich auf keine Weise ans dem Fürstenrath excludieren 
lassen. Ef. ist betrübt über die Vorgänge auf dem Reichstag und fürchtet, 
dass nur noch grösserer Zwiespalt dadurch entstehen wird. Wenn diese 
Materie im Fürstenrath vorkommen sollte, sollen sie erklären, sie müssten 
darüber erst an Kf. referieren, bis sie Resolution erhielten, möchte mit dem 
conclusum innegehalten werden, im Kurfürbtenrath haben sie sich möglichst 
mit Baiern und Sachsen zn conformieren. 



Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Regensburg. 
21/31. August 1663. 

[Berathang über die zu behandeluden Gegenstände. Frankreichs Erbieten zar 

Türkenhülfe.] 

31. Aug. Man hat sich noch immer nicht verglichen, welche Materie zuerst vor- 

zunehmen sei; im Fürstenrath verlangen die meisten Weltlichen zuerst die 
Wahlcapitulation, die anderen, darunter auch Halberstadt, haben be- 
schlossen, mit der Wahlcapitulation zugleich eine Verfassung im Reich 
aufzurichten, und zwar solle über beides in pleno verhandelt, zugleich der 
punctus restitnendorum durch Deputierte vorgenommen werden. Dieser 
Beschlus!? derselben ist heute durch das österreichische Direktorium den an- 



^) S. Droysen lU, 2 8.98 f. 

^ S. das Rescript des Kf. ao seine Gesandten anf dem Reichstage vom 
r>/15. Februar 1654 (ürk. u. Akt. VI S. 400). 



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PeststelloDg der vorzuDeliineDdeD QegeDBtäDde. 295 

deren mitgetheilt worden, dieselben haben sich aber noch nicht daranf 
erklärt. 

Die Alliierten haben Bomb ach zum General-Major bestellt, ihre Trup- 
pen sollen schon anf dem Marsch sein. Frankreich erbietet sich zam 
simpel Allianceanschlag, 800 z. Pf. und 1600 z. F. nnter denselben Bedin- 
gungen, wie die anderen Alliierten, zo schicken. 



Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensburg 
28. August/?. September 1663. 

[Feststellung der zu behandeloden Gegenstände; allgemeine Zufriedenheit mit dem 
Votum des Kf. wegen der Wahlcapitulation.] 

Im Fürstenrath ist es endlich, nachdem Halb er Stadt erklärt, weil 7. Sept. 
sich immer nene Difficultäten ereigneten und man diese wichtigen Dinge 
nicht in pleno tradieren wolle, müsse es seine Meinung zurückziehen, an 
sich halten und nene Instruktion erwarten, zu einer Einigung gekommen'), 
nämlich zugleich mit der allgemeinen Reichsdefension und der Wahlcapitu- 
lation anzufangen und damit bis zu Ende der Sachen zu continuieren , zu- 
gleich aber auch den pnnctus restituendorum , diesen per deputatos, die 
beiden anderen aber in pleno zu verhandeln; anch Halberstadt hat sub 
spe rati eingewilligt^ 

Sonst wird es *Ew. Chf. D. sehr wohl gedeutet, dass das von 
dero dependirende Halberstadt — sich der Capitulation nicht wider- 
setzet — sondern gütlich und aus Liebe zu Stiftung innerlichen Ver- 
trauens in dero eheste Handlung gewilliget, und seind dergestalt beide 
Tbeile mit Halberstadt Aber die massen wohl zufrieden und stellen 
sich mit Gebehrden sehr freundlich. — 



Der Kurfürst an die Gesandten* D. Insterburg 
10. September 1663. 

[auf die Relation vom 14. /24. August Zusammengehen mit K.Baiern und E.Sach- 
sen gegenüber den bei der Wahlcapitulation beabsichtigten Nenemngen.] 

Ef. erneuert seine Anweisung, mit den K. Bairischen und K. 10. Sept. 
Sächsischen vertraulich zu communicieren , wie man sich den im Für- 
stenrathe beabsichtigten Neuerungen gegenüber zu verbalten habe. Sie 
sollen femer zu penetrieren versuchen, was eigentlich bei der Capitulation 
prätendiert werde und anf welche Weise man dieselbe eingerichtet haben 



S. das Oonclasam 7om 26. Augoat / 5. September Londorp VIII S. 983, 
vgl. Gemeiner I 8. 98f. 

13* 



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196 4- ^®r Anfang des Regenabarger Reichstages. 

wolle, ferner sollen sie berichten, wer neben den Alliierten, Alteubnrg 
und Cnlmbach noch dieses Werk wider das unstreitige Recht der Kur- 
fürsten treibe. Man hat sowohl bei Anfrichtung der Wahlcapitniation auf 
dem vorigen Reichstage zu Regensburg als auch bei der Wahl des jetzi- 
gen Kaisers 1658 die Erinnerungen aller Stände berücksichtigt; es ist also 
den Vorschriften des Instr. pacis sattsam Genüge geschehen. YorläuGg, 
bis Kf. ihnen weitere Resolution gesandt, sollen sie erklären, sie hätten in 
betreff der Capitulation wegen Ferne des Weges noch keine Instruktion 
erhalten. 



Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Regensburg 
4/ 14. September 1663. 

[Streit zwischen Kur- and FürstencoUeg über Vornahme der Wablcapitulatioo. 
Klagen Bremens über Schweden. Freandliche Erklärungen des schwedischen 

Gesandten.] 

14.Sept Das kurfürstliche Collegiuna hat beschlossen i), dass zuerst nur die 

Reichs ?erfassung und erst nach deren Abhandlung die Wahlcapitulatiou 
vorzunehmen sei. Vorgestern kamen darauf beide höhere Collegia zur Re- 
und Correlation zusammen, die Sache wurde aber nicht verglichen. Inmit- 
telst geht etlicher Meinung im kurfürstlichen Collegio dahin , lieber gütlich 
sofort zu verwilligen, dass die Capitulation mit der Reichs Verfassung zusam- 
men verhandelt werde, Ges. werden sich der Majorität anschliessen. 

Der Deputierte der Stadt Bremen >) hat geklagt, dass der Herzoglich 
Bremische Gesandte die Exclusion der Stadt vom Reichstage verlangt und 
gefordert habe, dass die Stadt ihre Quote zur Türkensteuer dem Herzog- 
thum erlegen solle, er fürchtet Thätlichkeiten und bittet um Unterstützung. 

Der Schwedische Gesandte wegen Bremen hat in Privatdiscursen 
mit Halberstadt erklärt, die Krone Schweden und ihre ministri hätten 
es mit Brandenburg imm«r ehrlich gemeint, wenn Kf. mit derselben in 
gutem Vertrauen stünde, würde es für beide Theile der grösste Nutzen sein, 
Halberstadt hat geantwortet, dass Kf. dazu bereit sei. 



S. das Conclusum vom 2/12. September Londorp VIII, S. 986, vgl. Ge- 
meiner I S. 94. 

3) Dr. Burchard Eden. Schon am 27. Januar 1663 hatte der Schwedisch- 
Bremische Gesandte (Snol skt) einen Protest gegen die Zulassung der Stadt zum 
Reichstage eingereicht (Londorp Vm. S. 966), wogegen Eden um Schutz der 
Reichsimmedietät der Stadt beim Beichetage eingekommen war (L o nd orp a. a. 0.). 
Vgl. Dnntze, Gesch. der freien Stadt Bremen IV S. 138. 



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WahlcapitalatioD. Tarkeogefabr. 197 

Der Kurfürst an die Gesandten. D. Königsberg. 
21. September 1663. 

[aaf die Relation vom 2d. August/ 7. September. NothweDdigkeit schneller Hülfe. 
Die flülfssendung des Kf.] 

I Ges. werden nochmals angewiesen, sich wegen des modi tractandi ma- 21. Sept. 

terias nach den E.B airischen und K.Sächsischen zn richten. Kf. ist 
dorchaus nicht dagegen, dass nach Anweisung des Instr. pacis die Wahl- 
capitnlation vorgenommen und womöglich eine perpetua eingerichtet werde, 
angesichts der traurigen Nachrichten ans Ungarn und Oesterreich aber 
hält er es vor allem für nöthig, dass ein jeder sofort nach Kräften Hülfe 
leiste. Es wird ja an der Capitniation nichts versäumt und es kann 
ohne Gefahr des Reiches damit auf einige Wochen Anstand haben. 
Ihr habet es in beiden CoUegien anzuzeigen und unsertwegen zu 
bitten, dass man jetzt nicht so sehr auf die Matricul oder Gleichheit, 
sondern auf die Noth sehen und schicken möge, was man könnte; 
auf allen Fall und wann es nicht verfangen will, so seind wir ent- 
schuldiget und haben wir gethan, was in unserm Vermögen gewesen. 
Wir schicken Ihrer M. 1000 Musquetirer, 500 Reuter und 600 Tra- 
guner, guter tüchtiger und geübter Mannschaft, und werden uns des 
Vaterlandes und der Christenheit Elend mit Gottes Hülfe ferner an- 
gelegt sein lassen. Inskunftige werden wir euch des Defensions- 
werks halber specialius. instruiren, weil wir durchaus nicht rathen 
können, dass man durch langsame Handlung und Conditionirung die 
Hülfe aufhalte oder dieselbe allererst nach geschlossener und ver- 
glichener Defension resolviren und schicken wolle, dann da wurde 

I ^ dieselbe wenig nutze sein und verfangen. — 



Der Kurfürst an dieselben. D. Königsberg 21. September 1663. 

[Zosammengehen mit K. Mainz. Qes. solleD in die Vornahme der Capitniation 

einwilligeD.] 

Der Enrfurst vonMainz, dem Kf. sein votnm wegen der secnritas publica 21. Sept. 
mitgetheilt hat, hat in seinem Antwortschreiben (d. Mainz 4. September) er- 
klärt, dass er darüber mit Kf. einig wäre und seiner Gesandtschaft in Re- 
gensbarg befohlen habe, mit der brandenbnrgischen vertraulich zu confe- 
rieren, Kf. befiehlt daher den Gesandten, mit der K. Mainzischen Gesandt- 
schaft wegen der Türkengefabr, der Präeminenz des kurf. Collegiams und 
der Sicherheit des Reichs vertraulich zu communicieren. — 

Und können wir endlich geschehen lassen, dass man so v^eit die 
Capitniation vornehme, als solches in Instrumento pacis gegründet, 



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198 4. Der Anfang des Regensbnrger Reichbtages. 

in welchem doch dem Cuhrflirstlichen Collegio nichts entzogen. Ihr 
habt hierunter mit aller Behutsamkeit zu procediren und lieber eine 
Sache, daran ihr zweifelt, bis zu unserer gn. Resolution auszustellen. — 



Die Gesandten an den KurfUrsten. D. Regensburg 
11./21. September 1663. 

[Furcht infolge des Streifzoges der Tataren und Tarken.] 

21. Sept. Wegen des Streifens der Türken und Tataren*) ist nicht nur 

grosses Geschrei, sondern auch Flüchten in Böhmen, Voigtland, Ober- 
pfalz und den benachbarten Landen gewesen, so dass die Leate, eine 
Meile von dieser Stadt wohnend, sich und das Ihrige nicht mehr getrauet, 
auch alhier die Stücke auf die Bastions gebracht worden, doch hat sich 
dies jetzt, nachdem diese streifenden Parteien zurückgegangen, wieder ver- 
loren. 



Die Gesandten an den Kf. D. Regensburg 
17. /27. September 1663. 

[VerstäDdignng zwischen dem kurfürstl. and fürstlichen CoUeginm. Forderungen 
der Fürstlichen bei der Wahlcapitolation.] 

. 27. Sept. Nachdem das fürstliche Collegium das von dem kurfürstlichen vorge- 
schlagene Temperament'), dass nämlich securitas allein bis zum 1. No- 
vember zu tractieren und alsdann die Capitnlation zu combiniereri sei, 
gebilligt, sind vorgestern, Mittwoch, beide höhere Collegia zur Re- und 
Correlation geschritten und haben sich endlich verglichen'). 

V. Jena hat erfahren, dass die Forderungen der Fürstlichen wegen 
der Wahlcapitulation sich auf folgende Punkte richten : 

1) ratione banni. 

2) rat. teloneorum, dass künftig neue Zölle zu bewilligen, nicht den 
Kurfürsten allein zustehen solle. 

3) rat. postarum. 

4) rat. belli et pacis, dass ehe solche vorgenommen würden, alle Stände 
darüber zu vernehmen wären. 

5) rat. eligendi regem Romanornm^ dass zunächst alle Stände zu verneh- 
men, ob solches bei Lebzeiten eines römischen Kaisers nützlich und 



') S. darüber unten Abschn. 5. 

^ S. Gemeiner I S. 95 ff. 

>) Kor- und Fürstliches Conclusom vom 16./ 26 September Londorp VlII 

S. 986. 



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Türkengefahr. VerBtandigoDg über die zu berathendeD Gegenstände. igg 

uöthig sei; weno sie es für gut befinden würden, sollten die Kurfürsten 
nachher nach ihrem Belieben w&hlen, wen sie wollten. 



Dieselben an den Kurfllrsten. D. Regensburg 
25. 8eptember/5. October 1663. 

[Mittheilang der MahnaogeQ des Kf. Grosserer Eifer seit dem Tatareneinfall.] 

Bei Torgestriger Session haben Ges. nach des Kf» BefehP) in ihren 5.0ct 
votis erinnert, dass männiglich sofort nnd noch vor aasgemachtem Defen- 
fiionswerke sich in Verfassung stellen und die vorhandenen Völker alsobald 
anmarschieren lassen möchte, Ef. hätte schon eine ziemliche Anzahl tüchti- 
ger Mannschaft anziehen lassen. Einige erklärten sich hierauf ziemlich^ 
etliche aber nahmen solches ad referendnm an, es scheint, es hätte der 
nenliche Streif der Tataren^ und der dadurch weit und breit entstan- 
dene Schrecken verursacht, dass manche die Gefahr etwas besser zu be- 
herzigen anfangen wollen. 

800 Pfalz-Neuburgische und 1000 Münsterische Musquetiere, 
letztere mit 12 Regimentsstücken und Mörsern, sind nach Oest^rreich durch- 
marscbiert * 



Gottfried v. Jena an den KurfUrsten. D. Regensburg 
2./ 12. October 1663. 

[EinigoDg über den modus tractandi materias. Verhältnis der Gesandten 

zu Gravel.] 

Die 3 Collegieu haben sich über den modus tractandi materias nun 12. Oct. 
dahin verglichen, dass nach verflossenem October die Sicherheit oder Ver- 
fassung des Reichs 4 Tage und dann wieder die Capitulation 4 Tage alter- 
native in pleno tractiert werde. Nachdem durch die directoria die Ver- 
fassung des Reichs in 11 Punkte eingetheilt') nnd diese per dictaturam 
den Ständen mitgetheilt worden, begann am vergangenen Mittwoch die 
Berathnng. Im kurf. Colleg wurde nur beschlossen, bei Stellung des 
Fnsses die Reichsmatrikul zu beobachten Im Fürstenrath ist noch ni(?ht6 
geschlossen worden. 

Freih. von Blumenthal hat^) (21. Sept.) aus Paris geschrieben, 

1) S. das Rescript vom 21. September oben S. 197. 

^ 8. oben S. 198 nnd unten Abscbn. 5. 

') Subdivisio des punctuB securitatis d. 8. Octüber/28. September 1663. Pach- 
ner V. BggenBtorff I S. 46f. Gemeiner I S. 105 f. 

*) S. V. ßlumeuthals Relation an den Kurfürsten, d. Paris 11/21. September 
1663 (Urk. n. Akt. IX 8.659.) 



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200 4. Der Anfang des Regensbarger ReichsUgeB. 

LjODiie habe das vertraoliclie Verhältnis zwischen hiesiger Gesandtschaft 
und Gravel gerühmt, and sie aufgefordert, da dieses seiner Negotiation 
zustatten kommen könne, darin fortzufahren; sie bitten, Kf. möchte ihnen 
etwas an die Hand geben, dadurch sie Gelegenheit erhielten, zu Zeiten 
Gravel mehr zu sprechen. Derselbe hat neulich Jena in seiner Eigen- 
schaft als für das Fürstenthum Nas sau, Votierenden besucht, sich zu allen 
Diensten erboten, erklärt, er menge sich in nichts, suche Eintracht zu er- 
halten ^ der König von Frankreich habe sich sogar zum Dupel- und Tri- 
pelanschlag zur Türkenhülfe erboten, der Kaiser aber habe es nicht anneh- 
men wollen. 



Gottfried V. Jena an den Kurfürsten. D. Regensburg 
9./ 19. October 1663. 

[Berathungen über die beiden ersten Punkte der Reichskriegsverfaesong. 
Beschwerden gegen die Matrikai.] 

19. Oct. In beiden höheren Collegien ist über die 11 Punkte berathschlagt, doch 

nur die beiden ersten') recht angegriffen w<nrden. Der Fnss wird ohne 
Zweifel nach der Reichsmatrikul und dere§ Anschlag eingerichtet werden, 
das Quantum aber kann erst dann seine Determination erlangen, wenn zu- 
nächst klar gemacht wird, was die Matrikul und deren Simpel-Anschlag 
wirklich austragen. 

K.Trier und K.Cöln haben 20000 z. Fuss und 50000 z. Ross vor- 
geschlageui einige im Fürstenrath 40 bis 50000, andere meinen, um die 
Sache schneller zu erledigen, solle man sich mit denen, die sich über ein 
zu hohes Contingent beschweren, gütlich einigen. Einige Stände in dem 
Niedersächsischen Kreise (Magdeburg^, Mecklenburg-Schwerin und 
Mecklenbnrg-Güstrow, Sachsen-Lauenburg) bringen schon ihre 
Beschwerden über allzugrossen Anschlag ad dictaturam und wollen um 
Moderation oder Rectification derselben anhalten. Da diese Frage sicher 
vorkommen wird, schlägt Ges. vor, Kf. möchte allen seinen Provinzen und 
Landen befehlen, ihre gravamina über das allzngrosse Contingent aufzu- 
setzen und möglichst bald herzuschicken. 



Derselbe an den Kurfürsten. D. Regensburg 
19. /9. October 1663 (eigenhändig). 

[Vertrauliche Berathnng des kurfurstl. Coilegiums über die Wahlcapitolation. 
Klagen über die kaiserlicheo Mioister.] 

19. Oct. Das kurfürstliche Collegium hat schon vor einigen Wochen beschlossen, 

über die Capitulation vertraulieb zu verhandeln, ein gemeinsames Gutachten 

^ S. über diese VerbaudluDgen Gemeiner I S. 108 ff. 



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ReichskriegayerfaBBUDg und WahlcapituIatioD. 201 

abzufassen nnd den Principalen zn übersenden. Doch ist diese Familiär* 
conferenz erst am 2./12. gehalten worden, doch ist dort nur sine ordine dis- 
carriert nnd endlich beschlossen worden, dass ein jeder Gesandter seine 
Gedanken schriftlich am 7./ 17. dem directorio übergeben sollte, daraus 
dann das gemeinsame Gutachten abzufassen wäre. Doch ist auf den be- 
stimmten Tag damit nicht innegehalten worden , da Jena aber mit seinem 
[beiliegenden] Gutachten fertig erschien, erbat es sich Director Mehl 
zur Commnnication, erklärte, dass er damit ganz einverstanden sei nnd es 
seinem Kurfürsten zusenden wolle ^). Das Collegium hat auch beschlossen, 
um die Sache geheimer zu halten, selbige remotis secretariis oder proto- 
collistis zu verhandeln, so dass die Gesandten selbst die Protokolle und 
Relationen abzufassen haben. 

Hiebe] wurde auch erinnert und abgeredet, dass ein iet weder 
seinem gn. Herrn Oberen gebührlichst in geheim hinterbringen sollte, 
wie theils der Herren Fürstlichen sich verlauten Hessen, dass Keys. 
Maj. vornehmste Ministri dem ßegiment im Rom. Reiche bei diesen 
gefährlichen Läuiften nicht wie es sich gebührete vorstünden, und 
dass denen Herrn Churfürsten zukäme, hierin zu wachen und Sorge 
zu tragen, Keys. Maj. deshalben zu erinnern und abzurathen, sich 
des Werks bei diesen Läufften selbst mit anzunehmen. Schiene zu 
befahren, wann dieses länger anstünde, und die Herrn Churfürsten 
sich nicht interponirten und auf des Reichs Wohlfahrt selbst mit 
sehen, auch etwas der Regierung sich mitannehmen, dass die Herrn 
Fürsten etwas hierin tentiren möchten. — 



• Der KurfUrst an die Gesandten. D. Königsberg 
12./ 22. October 1663. 

[Bei der drohenden Gefahr ist zuerst die DefeDsioDSverfassaDg schnell zu er- 
ledigen.] 

Angesichts der Türkengefahr, und nachdem der Kaiser ihm die Noth 22. Oct. 
in einem besonderen Schreiben ') vorgestellt und begehrt hat, die Hülfe ohne 
einig ander Absehen zu Regensburg zu poussieren, befiehlt er ihnen, 
da die Türken für das nächste Jahr mit einer unglaublich grossen Macht 
gegen Ungarn sich herausbegeben und absonderlich gegen Teutschland den 
Krieg eifrigst fortzusetzen beabsichtigen sollen, dem kurfürstlichen und 
fürstlichen Collegio dieses zu remonstrieren und dahin mit höchstem Fleiss 
zu cooperieren, damit man bei solcher Beschaffenheit die Hauptreflexion 

16/26. October sendet er auch Abschriften der Gatachteo von Trier, Cölc, 
Baiern, Sachsen und Pfalz dem Kf. ein. 

>) d. Wien 3. October 1663 s. unten At>8übn. 5. 



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202 4* I^er AofaDg des Regensburger Beichetagee. 

vor allen Dingen auf die Rettung des Vaterlandes — richten möge, 
damit in Betrachtung dieser jetzterwähnten Gefahr die Defensions- 
Verfassung vor allen andern Sachen vor die Hand genommen, ohne 
Yerlierung einiger Zeit verglichen, und wann dieselbe zur Richtigkeit 
gebracht, alsdann des GhurfUrstlichen Collegii selbsteigener Meinung 
nach von der Gapitulation nach Ausweisung des Instrumenti pacis 
und der Guldnen Bull gebandelt werde, man auch auf keine Matrikul 
oder auf einen langwierigen modum wegen Aufbringung der Hflife 
sein Absehen richten, sondern dieselbe schleunigst schicken möge, wie 
solche ein jetweder zu thun vermag. — 



Gottfried V. Jena an den KurfUrsten. D. Regensburg 
16./26. October 1663. 

[BewaffnoDg des Landvolks io den Kreisen. Vorschläge wegen Beilegang des 
Streites über das Directoriam im Westfälischen Kreise.] 

26. Oct. Es wird noch über den Foss, darauf die Reichsverfassong zu stellen, 

verhandelt. Es ist anch beschlosseo worden, dass in allen Keichskreisen 
die tüchtigen Landvölker armiert und in Bereitschaft gehalten werden 
sollen^ um sie im Nothfall zn gebrauchen. Im Schwäbischen Kreise ist 
es schon ausgeführt; der bairische, fränkische und schwäbische 
Kreis wollen eine Zusammenkunft veranstalten, um sich wegen Hülfeleistung 
zu vergleichen. Ein Theil der w est phäli sehen Stände klagt, dass wegen 
Unrichtigkeit des directorü der Kreis Schaden leide und nicht zusammen- 
komme; dem Anspruch Münsters, dass ihm vorläufig das Direktorium 
allein gegeben werde, hat Ges. und ebenso Pfalz-Neuburg widersprochen, 
Ges. hat vorgeschlagen, es vorläufig dem Kf. allein zu überlassen. Er 
übersendet das jetzt von K.Mainz dem kurfürstlichen CoUegio communi- 
cierte Verfassungsproject. 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Marienwerder 
in Preussen 5. November 1663. 

[Der Anschlag zur Reichsdefension ist ungenügend, eilige Hülfe notbwendig.] 

5. Nov. Die Berichte vom 8./ 18. und 9./ 19. October hat Ef. auf der Reise 

nach Brandenburg erhalten, er kann erst nach seiner Rückkehr nach Berlin 
ihnen ausführlicheren Befehl darauf zukommen lassen. Vorläufig verweist 
er sie wegen der Gapitulation anf sein Schreiben an K.Mainz, 

Die Anzahl der 20000 Mann z. F. und 6 000 Reuter, worauf die 
Reichsdefension gerichtet werden sollte, finden wir nicht allein ge- 



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Die ReichsknegsverfassiiDg. 203 

ring, sondern aueh nicht proportioniret, wovon wir Euch hienegst 
unsere fernere Meinung wissen lassen wollen. Dass man aber der 
gegenwärtigen Gefahr vom Türken durch dieses Mittel zu begegnen 
gedencken wollte, würde im geringsten sich nicht practiciren lassen, 
and bestehet der Kachdruck und das pondus derjenigen Hülfe, welche 
I. Kais. M. geleistet werden soll, furnehmlich in der Eilfertigkeit und 
wnrcklicher schleunigster Anstalt. — 

Ef. sendet bei, was er deswegen an die meisten Fürsten geschrie- 
ben hat'). 



V. Mahrenholtz und v. Jena an den Kurfürsten. D. Regens- 
burg 29. October/8. November 1663. 

[auf das Reaoript vom 12/22. October. Berathungen über das qaaDtum der Reichs- 

verfassang.] 

Das Quantum der ReichsTerfassoog hat noch nicht festgestellt werden 8. Nov. 
können, weil anfänglich einige Geistliehen , welche eine beträchtliche Yer- 
ringernng ihres alten Anschlages am Kais. Hofe aasgewirkt, Ursache zur 
Yerzögerong gaben >), die aber nun damit stille sind, jetzt aber hat das 
Salzbnrgische Direktorium allein das Werk verzögert, welches für sich 
die Moderation zn behaupten sucht '). Ges. haben nach Befehl die grosse 
Gefahr beweglich vorgestellt und ihrerseits sab spe rati sich zn dem alten 
Matrikulanschlag für diesesmal und salva fotura rectificatione erklärt, wenn ^ 

alle anderen Kurfürsten, Fürsten und Stände das gleiche leisten wollten. 



Dieselben an den-Kurfllrsten. D. Regensburg 
5./ 15. November 1663. 

[Bescbluss des Triplom. Versöhnliche Erklärang des PtNeubargischeo Ge- 
sandten. Erklärung des Kurfärstencollegs wegen der Wahlcapitalation.] 

Wegen der Reicbsdefension haben sich endlich beide höheren Gollegia 15. Nov. 
dahin verglichen *), dass ein jeder Stand .mit dem triplnm seines alten An- 
schlages an geworbener Mannschaft sich gefasst halten solle, um solche 
zn stellen. Wie aber die Reichsmatrikul und deren Moderation be&tändig- 



*) d. Königsberg 15./25. October 1663 s. unten Abschn. 5. 
') Ueber diese Streitigkeiten wegen Moderation s. Gemeiner I, S. HO ff. 
*) S. Gemeiner I, S. 115. 

*) S. das ConclusomiLect. 7. November 1663. Londorp VIII, 8. 992., vgl. 
Gemeiner I, S. 116. 



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204 4 Der Anfang des Kegeosbnrger Reichstages. 

lieh einzorichten, <lavon wäre sno loco zu reden , unterdessen aber sollte 
hier mit den gravatis vermittelst der Kreise provisionaliter gehandelt werden. 
Das reichsstädtische Collegiam ^) bat sich zwar die ProTisionalmoderation 
gefallen lassen, allein zum gedachten triplo .sich noch nicht verstehen wollen 
und einmüthig erklärt, dass dieses Defensiqnswerk nicht von einem immer- 
währenden, sondern nur von einem zeitlichen, pro durante periculo et necessi- 
tate, zu verstehen sei, auch K.Sachsen, K.Pfalz und einige im Fürsten- 
rath meinen ebenso nnd halten perpetuum militem für unnöthi^, die meisten 
aber meinen, dass eine wirkliche perpetnierliche Verfassung aufzurichten sei. 

Betreffend das Directorium im «Westfälischen Kreise scheint es mit 
des Kf. Satisfaction dermaleins zum Ende zu gelangen. Der Pfalz -Neu- 
burgische Gesandte hat v. Jena einen Eztract aus dem Vergleich mit 
Brandenburg von 1647 ') zugestellt mit der Erklärung, dass er davon bisher 
nichts gewusst, und weil die Hauptsache sei, dass den Cleve- und Jülich- 
schen Landen zwei Vota auf Kreistagen verwilligt würden, so habe er mit 
den Gesandten der anderen Kreisstände deswegen geredet, mit Begehren, 
es an ihre Principalen zu bringen, und ihnen die Nützlichkeit und Billig- 
keit dieses Ausgleiches remonstriert. Ges. haben sich darauf noch nicht 
erklärt, sondern erwarten des Kf. Befehl. 

PS. Das Knrfürstencolleg hat jetzt auf Vorschlag von K.Mainz be- 
schlossen, den Fürsten und Ständen eine schriftliche Erklärung^ was es in 
beire^der Wahlcapitolation einzugehen willens, semel pro semper zuzustellen; 
sie senden den Entwurf dazu ein. Sie hoffen, da im Fürstenrath unterschied- 
liche anfangen sich mitius auszulassen, es werde noch so ziemlich ablaufen. 

Die desideria der Fürsten sind ausser den früher erwähnten >): jus fa- 
ciendi foedera inter se et cum exteris, suffragia statuum, si leges universales 
ferendae, und der Kaiser möchte sich solcher ministrornm gebrauchen, die 
dem Reiche nicht etwa schädlich sein möchten. 



Geheimenraths-Protocoll. D. Cöln a. d. Spree 
9./ 19. November 1663. 

[Ob Kf. persÖDlich nach Regensbnrg sich zum Reichstage begeben und das 
Reichsgeneralat aDoehmen solle.] 
praes. 8. Ohf. D. I. F. 6. v. Anhalt. Graf v. Doboa. Freih. v. Schwerin. Freih. 
V. Loben, floverbeck. Platen. 

19. Nov. Kf. proponiert die Frage, weil der Kaiser ihm geschrieben ') und begehrt, 

dass er persönlich auf den Reichstag nach Regensburg kommen möchte, 
ob ihm bei gegenwärtigem Zustande zu rathen sei, solche Reise zu thun. 

S. Gemeiner I S. 116 f. 

^ ProviBionalvergieich zwischen Kf. and dem Pfalzgrafen Wolfgang Wil- 
helm von Neuburg vom T.April 1647(Londorp VI 8. 241 ff.) s. ürk. u. Akt. 
IV S. 335. 

») Oben S. 198. 

^) Dieses Schreiben des Kaisers liegt den Akten nicht bei. 



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Entflchlass des Kf., nicht persönlich nach Regensbarg zq geben. 205 

O. Präs. V. Schwerin erklärt sich dagegen: 

1) weil S. Chf. D. m solchem Lande, das in Frontieren vieler 
Potentaten gelegen, da viel Unruhe ist, ut in Polen, item in 
Schweden solche Sachen vorgehen, da der Effect im Vorjahr 
zu sehen sein wird. • 

2) der Effectus itineris ist dubius. 

3) die Mittel, die sie haben, vielm.ehr zur Defension ihrer Lande 
als auf eine .kostbare Beise zu verwenden; scheinet, dass es 
dem Kaiser nur blos darum zu thun, dass S. Chf. D. die andern 
Churflirsten und Stände dazu treiben soll, welches wohl ein Ge- 
sandter thun könnte. 

Auch die anderen änssern sich in ähnlicher Weise, endlich Kf. : Sie 
hielten davor, dass sie hohe Ursache hier zu bleiben: 

1) wo es also ist, dass es mit Polen also abgelaufen, dass sie 
vom Moskowiter geschlagen. 

2) die potissima ratio, warum der Kaiser mich dahin haben will, 
scheinet, dass ich die Brücke niedertreten solle, welches aber 
nicht zu vermuthen, zumahlen meine eigene Vettern sich nicht 
nach meinen votis richten wollen. 

3) weil man wegen Schweden nicht weiss, was sie vorhaben 
möchten gegen diesen künftigen Sommer. — 

An den Kaiser könnte man also schreiben, hätte ihr Schreiben 
erhalten, und wie gerne ich wollte,* und wegen der grossen Beise , so 
ich itzo gethan, und wegen meiner Unpasslichkelt, so mir itzo zu 
begegnen pfleget, würde sich nicht wohl thun und ich solche Hinreise 
nicht verrichten können. — 

Wegen des Generalats anzunehmen hätten S. Chf. D. gross Beden- 
ken, sie wüssten, wie es ihren Vorfahren ergangen, denen man kein 
Geld gegeben und hätten ihre grösste Schuldeif dadurch gemacht; wä- 
ren auch allerhand Völker, da man die Officiere noch auch die Gemei- 
nen kennete und daher schwerlich was rechtschaffenes auszurichten. 



Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Regensburg 
13./ 23. November 1663. 

[Die Declaration des Kurfürsten- ao das FürBieocoUeg. Der Erfurter Streit.]. 

Vorigen Montag hat das kurfürstliche CoUegium seine jetzt revidierte 23. Nov. 
schriftliche Declaration ^) dem Directorium des fürstlicbeD Collegiums zu- 

V Dict. 10. November 1663, Londorp VIII, S. 992 f. 8. Gemeiner I, S. 119. 



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206 4- ^^f Anfang des Regensbnrger Reichetages. 

gebtellt, nach Verlesaug dieser Proposition aber ist die Umfrage nicht zu 
Ende geführt worden, da alle verlangten, dass diese Erklärung per dicta- 
turam zu commonicieren sei , was auch geschehen ; seitdem ist es noch za 
keiner Sitzung gekommen. Die Fürstlichen sind seither in ihrem Begehren 
mitiores und temperati nnd nicht mehr so importan, es scheint auch, dass 
die vom Kf. an die meisten Fürsten abgelassenen Schreiben') nicht allein wohl 
aufgenommen sind, sondern auch eine gute, erspriessliche Wirkung haben 
werden. 

Die K. Mainzische Gesandtschaft hat ihnen vor 3 Tagen die ge- 
druckte Relation') der Kaiser!. Commissarien nnd des Heroldes, die wider die 
Stadt Erfurt die Acht publicieren sollten, zugeschickt, auch ihnen gestern 
ein Schreiben von E. Mainz an Kf. in dieser Sache mitgetheilt. Der K. 
fiächsische Qesandte Strauch hat auch mit ihnen über die Sache gesprochen, 
Boineburg habe ihm gesagt, K.Maiuz wolle vorläufig keine wirkliche 
Belagerung der Stadt vornehmen, aber dieselbe durch 100-200 Reiter in- 
commodieren lassen, das Haus Sachsen werde aber dazu nicht still bleiben 
können; Strauch wünscht, dass die Execation aufgeschoben werden möge, 
damit inzwischen die Stadt, in welcher der Rath zur Parition erbötig und 
der Pöbel allein jetzt regiere, durch andere geringere Mittel zur Schuldig- 
keit gebracht werde, und bittet, Kf. möge auch in diesem Sinne an K.Mainz 
schreiben. 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Cöln a. d. Spree 
17./27. November 1663. 

[aaf die Relation vom ö/lö. November.* Bemerkungen aber den BeBchlnss wegen 

des Triplumi die Erkläroog des Pfalz-Nenbargiechen, das Schreiben des Kurfürsten - 

College. Der zu erwartende spanische Oeaandte.] 

27. Nov. Kf. ist erfreut, dass das kurf. und fürstl. Collegium sich auf ein trip- 
lum verglichen, hoflfti auch die Städte werden sich dazu disponieren lassen, 
Ges. haben sich dahin zu bemühen und zu sehen» dass niemand aus dem 
kur- und fürstlichen Collegio durch der Städte Opposition sich abwendig 
machen lasse. 

Die Moderation betreffend, gönnen v^ir dieselbe den gravatis gar 
gerne, jedoch muss vor allen Dingen dahin gesehen werden, dass 
solche Materie die wirckliche Aufbringung der Assistenz nicht hin- 
dere. Ob der miles perpetuus sein solle, der itzo vom Reich aufge- 
bracht wird, halten wir anitzo nicht von der Zeit, davon zu delibe- 
riren, sondern es wird die Zeit, die Gefahr und die Minderung der- 



S. oben S. 203 und nnten Abschn. 5. 

3) S. Diar. Europ. XS.929ff. Londorp VIII S. 9d6ff. Vgl. nnten Abschn. 6. 



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Die Erfarter Angelegenheit. BeschlusB des Triplam. 207 

selben inskttnftige hierzu mehr Anlass und Licht geben können, 
dannenhejo Ihr dahin zu rahten habet, dass man itzo alle solche 
onnöthige Dinge bei Seit setze und blos und allein sich mit recht- 
schaflFener Hülfe gegen die besorgliche Macht des Türken im Früh- 
ling gefasst machen solle. — Gleichwie uns auch lieb zu vernehmen, 
dass der Neuburgische Gesandte nunmehr erkennet, dass wir Theil 
an der Direction im Westphälischen Greise haben, also erinnern wir 
uns auch wohl, was wir uns im Jahr 1647 mit dem Pfalzgrafen von 
Neuburg deshalb verglichen, und wann. es auch von Neuburgischer 
Seite bishero nicht wäre gehindert worden, so möchten die zwei Vota 
längst eingewilligt sein; wir wollen aber ehest an die Westphälische 
Creisstände schreiben und zweifeln im geringsten nicht, sie werden 
sich alle willig darzu verstehen, nur habet Ihr bei dem Pfalzneu- 
burgischen anzuhalten, dass ihrerseits desgleichen geschehe. 

Kf. ist mit dem Schreiben des kurfürstlichen ao das fürstliche Colie- 
gium sonst wohl zufrieden, besorgt aber, es möchte dem letzteren noch 
nicht vollkommene Satisfaktion geben, er hätte daher lieber gesehen, dass 
man es nicht als nltimam resolutionem ausgegeben; Ges. sollen sich bemü- 
hen, die anderen kurfürstlichen Gesandten dahin zu disponieren, dass sib 
sich mit den Fürstlichen vergleichen, jedoch sei dabin zu sehen, dass der 
Präenifnenz der Kurfürsten kein Nachtheil geschehe. 

Mit dem Gesandten, Graf Carlo Archinto, welchen nach der Mel- 

*dang des hiesigen spanischen Gesandten^) der König von Spanien nach 

Regeasburg schicken werde, sollen sie gute Correspondenz unterhalten. 



Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Regensbnrg 
20. /30. November 1663. 

Im Fürstenrath ist über die Declaration der Kurfürsten berathen wor- 30. Nov. 
den*), und kann das Kurfürstencolleg vorläufig mit den Beschlüssen wohl 
zufrieden sein. Der Versuch, es dahin zu bringen, dass die monita per * 
deputatos zusammen getragen und dann in pleno 'deliberiert würden, um 
dadurch einen oder andern, so etwas hinderlich fället, auszuschliessen , ist 
vereitelt worden. Es scheint, dass es im Fürstenrath selbst wegen Viel- 
heit der Köpfe und unterschiedlicher Inclinationen in materia capitnlationis 
allerhand Difficultäten geben dürfte. 



^) Sebastian d*(Jcedo s. anten Abschn. 5. 
s) S. Gemeiner I 8. 120 ff. 



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208 4. Der Anfaog des Regensbarger Reichstages. 

Der Kurfürst an die . Gesandten. D. Cöln 
21. November/[l. December.] 1663. 

[auf die Relation vom 13./ 23. November. Wie über die DecIaratioD der Ear- 
fürsteD zu verhandeln und die Reichskriegsverfassung einzurichten sei. Ver- 
fahren des Ef. in der Erfurter Angelegenheit.] 

1. Dec. Ef. zweifelt sehr, dass die Fürsten sich mit dem in der Declaration 

der Kurfürsten Enthaltenen begnügen werden, meint also, dass, wenn die- 
selben darauf bestehen, dass die materia capitulationis ordinario modo vor- 
genommen werde, man ihnen dieses zugestehen , die Declaration loco con- 
clusi repetieren und darauf ihr conclusum begehren solle. Darum aber 
darf der ponctos defensionis nicht ins stocken gerathen; Kf. hält den An- 
schlag auf 3 Römerzüge, welcher kaum 30,000 M. zu Ross und Fuss aus- 
tragea würde, für viel zu gering, man müsse sich zunächst eines gewissen 
quanti an Mannschaft z. R. und z. F. vergleichen und alsdann, wie solche 
von den Ständen aufzubringen und unter dieselben zu vertheilen, überlegen, 
das quantum auch so einrichten, dass man nach Gelegenheit auch offensive 
agieren könne; der Anschlag sei zum wenigsten auf 60,000 Mann, 40,000 
z. F. nnd 20,000 z. R., zu machen, dahin sollen Ges. ihr votnm einrichten. 
Man wird in Regensburg schwerlich, wie eigentlich der Krieg zu führen, 
ein gewisses verordnen können, sondern man wird das Absehen nur daranf 
zu richten haben, damit es an Volk, Geld, Munition, Proviant und anderen 
nöthigen Stücken nicht ermangele. 

in der Erfurter Sache i) hat K.Sachsen bisher noch nichts an ihn 
gelangen lassen, ausser dass gestern der G. Wachtmeister Arnim her- 
gekommen nnd dabei einige Apertur gethan, wohl aber bat Kf. von den 
Herzogen Friedrich Wilhelm und Ernst von Sachsen, von E.Mainz 
und der Stadt Erfurt Schreiben erhalten, er hat darauf an K.Mainz ge- 
schrieben und demselben gerathen, die Vollstreckung des banni bei diesen 
gefährlichen Zeiten nicht zu eifrig zu urgieren, sondern den Sachen auf 
einige Zeit Anstand zu geben , da sich ohne Zweifel andere Mittel an die 
Hand geben würden, die Stadt zum Gehorsam zu bringen. 



Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Regensburg 
27. November/ 7. December 1663. 

[aof das Rescript vom 17. Nov. Beschlnss der Reichsstädte. Umtriebe der Pf.- 
Nenburgischen. Nene Berathnngen aber die Reichskriegsverfassung.] 

7. Dec. I^ic Reichsstädte haben sich per majora zum duplum erklärt und zwar, 

dass etliche dasselbe nicht in Mannschaft, sondern mit Geld oder anderen 
zum Kriege dienlichen Dingen abtragen wollten. 



^) S. über diese Erfurter Angelegenheit unten Abschn. G. 



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Erfarter und Westnilische Kreisangelegenheit Reichskriegeverfassang 209 

Die Neaborgi sehen Gesandten haben zwar Jena den Eztract aus 
dem Vergleich von 1647 mitgetheilt und auch sonst nichts anders bezeugt, 
als ob sie darwider nichts zu sagen hätten. Allein er hat kürzlich er- 
fahren, dass sie heimlich bei den Ereisständen und sonst die Ausfuh-. 
rang der verglichenen Alternation zu hindern und es dahin zu spielen 
suchen, dass Pfalz-Nenburg allein das directoriuro circnli provisionaliter 
aufgetragen werde. Jena hat dagegen eifrig bei den Ständen remonstriert 
und die Rechte des Kf. verfochten, und hat dieses vornehmlich die Pfalz- 
Neaborgischen und Catholischen und auch andere, so dubii amici, stutzig 
gemacht, dass er vorgegeben, er vermuthe, dass, sobald sich jemand unter- 
stände einen Kreistag auszuschreiben, Ef. incontinenter desgleichen thun würde, 
es stände dahin, zu welchem die meisten Stände kämen. Wenn Kf. in der 
Sache an die Kreisstände schreiben wollte, wird dieses hofifentlich gute 
Früchte tragen. 

Im Fürstenrath hat man bei der kurfürstlichen Declaration erinnert, 
dass dieselbe gar zu general sei^ und verlangt, dass das kurfürstliche Colle- 
giam sich specialius herauslassen möchte. 

Nachdem man 4 Tage von der Capitulation gehandelt, wurde den 
21. materia defensionis reassumiert % doch ist es im Kurfürstenrath noch zu 
keinem Conelnsnm gekommen und im Fürstenrath ist man in drei Sitzungen 
Doch nicht mit der Umfrage fertig geworden. Ges. haben sich vorläufig 
defectu instrnctionis entschuldigt. 



Der Kurflirst an die Gesandten. D. Cöln 
l./[ll.]December 1663. 

(Abgelesen in Consilio am 30. November/ [10. December] in praes. S. Chf. D. 
und anderer geheimbten Käthe.) 

[aaf die Relation vom 20. /30. November. Bemerkungen über die 11 Funkte, be- 
treffend die ReichskriegsverfasBung.] 

Bei der andringenden Türkengefahr müssen der punctus securitatis n d^q^ 
publicae in quoscunqne casus und, wie der gegenwärtigen Türkengefahr zu 
widerstehen, vor allen Dingen abgethan werden, Ges. haben darauf zu 
dringen, dass diese zwei Casus getrennt und der letztere, als wobei snm- 
mum periculum in mora, zuerst abgethan werde. Kf. wiederholt seine 
vorige Weisung, der Anschlag müsse wenigstens auf 60,000 Mann gemacht 
werden, sie sollen denen von den Städten zureden, dass sie sich in solcher 
allgemeinen Noth mit den kur- nnd fürstlichen Collcgiis conformieren. 
Auf die 11 überschickten Fragen^ bemerkt Kf. vorläufig: 
ad 1) Er ist damit zufrieden, dass der Fnss der Verfassung auf die 
Reichsmatrikul salva moderatione genommen werde. 

>) S. Gemeiner I S. 123 ff. 

>) S. oben die Relation vom 2./12. Oktober S. 199. 

Uftter. c. Qescb. d. G. Kurfurtsen. XL 14 



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210 4. Der Ad fang des BegeDsburger ReichBtages. 

ad 2) ratione der beständigen Verfassung auf künftige Fälle ist er mit 
dem Triplum einverstanden, für die gegenwärtige Türkengefahr aber genügt 
die Tripulhülfe nicht. 

ad 3) Ein Regiment z. F. hat aus 10 Compagnieeu, und jede Com- 
pagnie ans 150 gemeinen Knechten, ohne prima plana, ein Regiment z. R. 
aus 10 Compagnieen und jede Compagnie aus 100 gemeinen Reutern zu 
bestehen. Die Stände, welche ein Regiment oder eine Compagnie stellen, 
haben alle Officiere zu bestellen, solche, deren Contingent nicht soviel aus- 
trägt, müssen zusammengesetzt und eine Disposition gemacht werden, was 
ein jeder von Officieren annehmen und bestellen soll. 

ad 4) So lange die Völker nicht zusammengeführt werden, haben sie 
in dessen Pflicht zu stehen, der sie wirbt und unterhält, wenn sie aber zu- 
sammengeführt werden, sind sie in des Reiches, des Kaisers und der ge- 
samten Stände Pflichten zu nehmen, bleiben aber daneben in dessen Pflicht, 
der sie schickt 

ad 5) Das Oberdirectorium muss den^ Kaiser und den Ständen des 
Reiches bleiben, welche sich auch wegen Bestellung der Generale werden 
zu vergleichen haben. Den Generalen wird das Directorium, wenn's zur 
Action kommt, anzuvertrauen sein, doch muss dem Stand, dem durch dieses 
Corpus Hülfe geschieht, so lange in seinen Landen agiert wird,' der Vorzug 
gelassen werden. Die Generalität wird durch gemeine Wahl des Kaisers 
und der Stände, wie in andere Reichssachen Herkommen ist, zu bestellen 
sein, und muss dabei das Absehen vornehmlich auf die Capacität def Person 
und derselben Erfahrenheit gerichtet werden. Ein Kriegsrath ist nöthig, 
über die Ali; der Besetzung desselben will Kf. erst die Vorschläge anderer 
i hören und sich dann resolvieren, es werden aber auch dazu Leute, die 
nicht allein studiert, sondern auch des Krieges erfahren sind, zu nehmen s§in. 

ad 6) Das ganze Werk ist nur zur Defension des Reiches in gemein 
und eines jeden Standes contra qnoscunque invasores, dabei dann blos 
auf das factum invasionis und nicht quo jure quave injuria der Invadent 
oder Friedebrecher dazn bewogen, zu sehen ist. Ob die ganze Verfassung 
oder die Hälfte oder weniger zu senden oder aufzufordern, wird ex viribus 
invadentis zu judicieren sein. Sobald ein Tumult im Reich entsteht, ist 
ein Reichstag auszuschreiben, aber mit der Hülfe kann so lange, dass alle 
Stände darin consentieren oder ein gemeines Reichsconclusum herauskomme, 
nicht verzogen werden. 

ad 7) So lange die Völker nicht aufgefordert werden, steht jedem 
Stande des Reiches frei, ^ie seinigen zu verpflegen, wie er will, wenn sie 
aber aufgefordert werden, so müssen sie einerlei Verpflegung erhalten, über 
welche man sich zu vergleichen hat. 

ad 8) Ein jeder Stand hat Magazine einzurichten, daraus er zur Zeit 
der Noth der Soldatesque entweder gegen bare Zahlung Proviant zukommen 
lassen oder einen Vorschuss thun könne. Einquartierung wird nicht abzu- 
wenden sein, aber jeder Stand hat seine Völker selbst zu unterhalten. 

ad 9) Competenz der Officiere wird dadurch verhütet werden können^ 



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Die ReichskriegsverfassiiDg. 211 

wenn nicht junge Leute, sondern alte, geschickte und capable Männer dazn 
genommen werden, und weiss man, wie die Chargen anf einander folgen, 
unter denen, die in gleicher Charge stehen, werden die, so die Charge bei 
diesem Werke am längsten bedient haben, vorgehen, oder will man, dass 
die Obersten einander in dem Rang und Ordnung, wie sonst Kur- und 
Fürsten nnd Stände, folgen, so kann Kf. auch damit zufrieden sein. Den 
Generalen aber müssen alle Christen indifferent parieren. 

ad 10) Wegen der ArtoUerie, Munition nnd dergleichen wird zwar ein 
Anschlag, wie viel bei einem Feldzug nöthig, zu machen und solcher unter 
alle Stände proportionaliter zu vertheilen sein, doch mnss jeder Stand da- 
von einen grösseren Vorrath bereit halten, um, wenn er beleidigt wird, 
soviel« in der Eile nöthig hergeben zu können. 

ad 11) Die Wachsamkeit und dass ein Stand dem anderen bei Zeiten, 
wenn etwas vorgeht, Nachricht geben mnss, findet sich von ihm selbst. 

Dieses haben wir in der Eile aufsetzen lassen. — Ihr habt aber 
vor allem dahin zu sehen, dass zufoderst das Werk, wie der jetzigen 
Türkengefahr zu begegnen, erörtert und fest gesetzet werde, in der 
beständigen Verfassung aber befinden wir die Sache der Wichtigkeit — 
dass man sich hierin nicht übereile, sondern dem einen nnd dem 
andern Zeit zu lassen , damit er von dem, was votiret, seinen Princi- 
palen Relation thue, derselbe sich darin ersehen und desto besser 
resolviren könne. Gestalt Ihr solches zu erinnern und Euch, was wir 
Euch hierin befohlen, dergestalt zu gebrauchen, wie Ihr sehen werdet, 
dass sich die andern herauslassen, darnach Ihr Euch auch zu richten. 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Cöln 
2./[12.]December 1663. 

[WahruDg der Rechte des Rf. auf einer etwaigen Zasammenkanft des West- 

fälischen Kreises] 

Da auf dem 1653 zu Essen abgehaltenen Westfälischen Kreistage^) 12. Dec. 
dem Ef. allerhand Präjudicia und Torten zugefügt sind, so ist zu verhüten, 
dass ihm dergleichen femer begegnen möge. Die Streitigkeiten mit Nen- 
barg wegen des Ausschreibens und Directoriums lässt er für jetzt dahin- 
gestellt sein, Ges. sollen aber, wenn eine Zusammenkunft der Rreisstände 
erfolgen sollte; darauf bestehen, dass, wenn die ihm wegen des Herzog- 
thums Cleff, des Fürstenthums Minden, der Grafschaften Marck und 
Ravensberg zustehenden vier vota in Zweifel gezogen werden sollten, 



') 8. ürk. u. Akt. VI S. 474 ff, 

14^ 



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212 4- I^or Anfang des Regensbnrger Reichstages. 

er sich zu nichts ratione dieser Lande verstehen, noch sich zu Effectuierung 
dessen, was vom Kreise beschlossen werden sollte, verbunden erachten werde. 



Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Regensburg 
4./14. December 1663. 

[Verhandlungen aber die BeichskriegsverfasBung. Das Directorinm im West- 
fälischen Kreise.] 

14. Dec. Sie haben die Vorschläge des Ef., dass zuvörderst das Quantum des 

'Simpelanschlages in Richtigkeit gesetzt werden möge, und dass der An- 
schlag zum wenigsten auf 40000 z. F. und 20000 z. R. zu machen und 
offensive zu agieren sei, vorgestellt , aber ohne Erfolg, manche Stände 
wollen sich auch zu dem Triplnm nicht, ausser salva moderatione, ver- 
stehen, die Städte verharren bei dem Dnplum. 

In materia defensionis ist eifrig berathen^) und über alle 11 Punkte 
sowohl im kurfürstl. als fürstlichen Collegium ein Gonclusum abgefasst 
worden. 

Gegenüber den Bemühungen Pfalz-Neuburgs, das Directorium im 
westfälischen Kreise allein *zu erhalten, hat man für nöthig erachtet, im 
Mindenschen Voto anzuführen, dass die Alternation verglichen, auch den 
Ereisständen erspriesslich sei, und dass die zwei Vota nicht difficultiert 
werden könnten. Es scheint, dass diese vorgebrachten Motive manchen 
Gesandten ziemlich afficiert und anf den rechten Weg gebracht haben, 
auch der Pf alz- Neuburgische Gesandte, der zuerst gereizt geantwortet, 
bat (ebenso wie manche andere um Gommunication der Erklärung, die auch 
gewährt wurde. Die Pfalz'neuburgischen haben inzwischen nochmal, 
dass sie zur Güte nicht ungeneigt, erklärt, von Münster aber scheint es, 
dass es solches lieber gehindert sähe. 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Cöln 
7./[17.] December 1663. 

[Kf. wird nicht selbst nach Regen sbarg kommen.] 

17. Dec. Endlich geben wir euch gn. zu vernehmen, dass zwar I. K. M. 

inständig bei uns angehalten, in Person nach Regenspurg zu kom- 
men, dass wir auch nicht ungeneigt gewesen, wenn nicht die Weit- 
läufigkeit unsrer Regierung, Situation der Lande und, dass wir jeder- 
zeit auch unser Absehen ufif Pohlen und was aldort passirt, haben 
müssen, uns daran gehindert, daher wir bewogen, uns bei I. K. M. 

') S. Gemeiner I S. 124 ff. 



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Westfälisches Kreisdirectormm. Schwedische Belehnang. 213 

za entschuldigen , so auch I. K. M. in Gnaden angenommen. — Werdet 
euch demnach bei Ankunft I. K. M. und denen andern in Person 
ankommenden Chur- und Fürsten umb Audienz anmelden, solche Ent- 
schuldigung wiederholen, I. E. M. unsere beständige Affection zu dero 
und des Reichs Wohlfahrt wie ingleichen bei andern Chur- und Ftlr- 
ßten versichern, —t 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Cöln 
9./[19.] December 1663. 

[BefördeniDg der schwedischen Belehnnng.] 

Da er aus S c h w e d e n Nachricht erhalten^), dass man dort wegen der 19. Dec. 
schlechten Behandlnng der nach Wien geschickten Gesandtschaft^) sehr 
disgnstiert und nicht gemeint sei, fernere Ansuchnng der Investitur halber 
ZD thnn, aach sich wegen des Snccnrses wider den Erbfeind nicht so zn 
bekümmern, wie es nöthig ist, befiehlt er ihnen, E. Mainz dieses vorzu- 
stellen und ihn zn veranlassen, am kaiserlichen Hofe dahin zn wirken, 
dass Schweden aufs neue zur Empfahung der Lehen invitieret werde, 
auch sollen sie selbst bei den kaiserlichen Ministris die Sache befördern. 



Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Regensburg 
18./28. December 1663. 

[Ankunft des Kaisers. Berathang der kurfürBtlichen Gesandten üher die dem- 
selben abzustattende Visite.] 

Der Kaiser ist Sonnabend den 12./22. hier angekommen 3) , durch 'sei- 28. Dec. 
nen Einzng und durch die katholischen Feiertage sind die Berathnngen 
unterbrochen worden, so dass es in materia defensionis noch zu nichts weiter 
gekommen ist. Kf. möge sie instruieren, wen er bei det bevorstehenden Wahl 
des Reichsgenerals vorgeschlagen haben wolle, und ob er geneigt sei, seine 
Völker dem Ober-, Niedersächsischen und Westfälischen Kreise zu conjun- 
gieren und einige Gelder zu den Kreiskassen zu contribuieren. 

Die Reformlernng der Reichsmatrikul wird ein sehr schwieriges und 
lange dauerndes Werk sein, Ges. geben zu bedenken, ob es nicht dienlich 
wäre, wenn eine ganz neue Reichsmatrikul gemacht würde. 



^) S. die Relationen v. Krockows aas Stockholm vom 17. und 29. November 
1663 (ürk. o. Akt. IX S. 760. 763). 
') 8. oben Abschn. 3 S. 142 ff. 
») S. Diar. Europ. X S. 913f. Theatr. Europ. IX S. 874, 



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214 4- I^^r Anfang des Begensbnrger Reichstages. 

Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensburg 24. December 
1663/3. Januar 1664. 

[Vorschlag des Kaisers wegen der Tarkenhülfe. Von der immerwährenden Reichs- 

kriegsverfassnng ist es still geworden. Drohangen Rantensteins gegen den 

Paderbornschen Gesandten. Visiten bei E.Mainz und dem Kaiser. Empfehlang 

der schwedischen Belehnang.] 

3. Jan. Der Kaiser hat am letzten SoDDabend seine Meinnng wegen des Hülfs- 

werksO in allen Collegien verlesen lassen, dass zuerst der Fuss oder das 
einfache Quantum in Richtigkeit zu bringen sei, der Vorschlag wurde so- 
fort allgemein angenommen. 

Von der immerwährenden beständigen Verfassung und in Bereitschaft 
stehender Soldatesque wird es etwas stille, und haben einige Stände dazu 
wenig Belieben. Das Haus Oesterreich hat zu dieser Sache auch keine 
Lust, wie denn dessen Directorium im Fürstenrath vor etlichen Wochen 
Jena ersucht hat, solche hindern zu helfen. £r hat geantwortet, dass er 
solches öffentlich nicht thun dürfe, aber gerathen, dass sich das oester- 
reichische Directorium nicht mehr opponiere, sondern sich anstelle, als in* 
dinierte es dazu, dadurch würde es eher erhalten, dass das Ding stecken 
bliebe, als per manifestam contradictionem. Nachdem nun Oesterreich sich 
also bezeugt, ist es davon ziemlich stille geworden und hat es niemand so 
stark mehr urgiert. 

Ueber die Antworten auf des Kf. Schreiben an die Westfälischen 
Kreisstände ^ haben Oes. noch nichs erfahren. Nup der Gesandte des 
Bischofs von Paderborn, Meiuders hat Jena auf sein Nachfragen er- 
klärt, sein Herr wäre zufrieden, dass die zwei im Vergleich von 1647 ge- 
dachten Vota verwilligt würden, und dass Ef. das Directorium alternative 
führe. Als er solches dem Pfalz -Neuburgischen Gesandten Rautenstein 
offenbart, habe sich dieser verlauten lassen, ob der Bischof haben wollte, 
dass sein Herr demselben mit sechs oder siebentausend Mann ins Land 
fallen sollte, der Bischof verliesse sich aber auf Kf. Ob nun zwar diese 
aus Unbesonnenheit ausgestossenen minae wohl wenig zu fürchten, so be- 
richtet er doch dem Kf. davon und wird sich dieselben hier sonderlich zu 
Nutze zu machen wissen. 

Sonnabend den 19./ 29. haben Ges. bei K.Mainz') die Visite abge- 
legt; derselbe bedauerte des Kf. Abwesenheit, sprach seine Freude aus, 
dass beide in materia defensionis et capitulatlonis eines Sinnes wären, wollte 
auch, dass den Türken zuförderst begegnet und alsdann erst die perpe- 
tuierliche Verfassung eingerichtet würde. £r befinde sonst noch hier zur 



1} Dict. 19./29. December (Londorp vm, S. 997 f. Pachner v. Eggens- 
torff I 8.55.). 

*) S. das Rescript des Kf. vom 17./27. November 1663 oben S. 207. 

*} Derselbe war am 20. December in Begensburg angekommen s. Diar. B arop 
X S. 913. 



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WestfaÜBches Kreisdirectorium. Schwedische Belehnaog. 215 

Zeit wenig gethan, wolle aber dem Kaiser frei zureden nnd das Werk bei 
dessen Ministris mit gelinden nnd anderen Worten nrgieren. Wegen der 
schwedischen Investitur^), welche Sache Ges. ihm empfohlen, würde er 
Sorge tragen. An demselben Nachmittag 5 Uhr haben sie dann Audienz 
beim Kaiser gehabt und sind auf das ehrenvollste behandelt worden. 
Am Montag machte Jena einen Besuch bei Fürst Auersperg, um das An- 
suchen des Kf. ^egen der schwedischen Investitur vorzubringen, der- 
selbe erklärte, dass vom Reich shofrath legitime darin verfahren sei, was aber 
etwa ausser diesem sonst vorgegangen, damit wäre er nicht in allem einig 
gewesen, wollte diese Sache beobachten , Oraf Windischgrätz') sei nach 
Schweden geschickt, mit dem könne davon geredet werden. Yorgestern 
hat Jena auch aus derselben Ursache Fürst Portia besucht; derselbe 
erklärte, dem Könige von Schweden sei zu Wien die Investitur nicht 
abgeschlagen, sondern er sei wegen der unterschiedlichen. Interessenten an 
die Reichsstände verwiesen worden, es würde auch vermuthlich hier wie- 
der vorkommen, er wollte der geschehenen Erinnerung eingedenk sein. 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Cöln 29. December 1663/ 

[8. Januar 1664.] 

[auf die Belation vom 18. /28. December. Beantwortung der Anfragen der 

Gesandten.] 

Wegen Benennung des Reichsfeldhauptmanns hat er ihnen in einem s. jan. 
besonderen Rescript^) die Nothdurft befohlen, wegen Benennung gewisser 
Personen zu den Kriegsräthen will er zunächst die Vorschläge vonseiten 
der Vorsitzenden abwarten. Ob er seine Völker mit anderen Ereisvölkern 
nach Situation eines jeden Landes conjungieren oder absonderliche Regi- 
menter daraus formieren wolle, darauf kann er sich noch nicht erklären, 
sondern will vorher die particuliere Repartition erwarten, sich auch nach 
anderen Fürsten, welche in verschiedenen Kreisen Länder haben, richten. 
Auch inbetreff der Capitulation will er zunächst erwarten, was von den 
Fürsten dabei wird erinnert werden. Die alte Matrikul ganz zu verwerfen 
und eine ganz neue zu machen, hält er nicht für rathsam, das würde eben- 
soviel Difficnltäten geben, doch sollen Ges. ihm ihre Gedanken darüber 
ausführlicher mittheilen. 



1) S. das Bescript des Ef. vom 9./19. December 1663 oben S. 213. 
') S. über dessen Sendung nach Stockholm Diar. Europ. XI S. 63. 
') S. das folgende Bescript vom 30. December/9. Jaoaar, 



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216 4- Der AnfaDg des Regensbarger Reichstages. 

Der Kurfürst an die Gresandten. D. Cöln 30. December 1663/ 

[9. Januar 1664.] 

[Conferenz mit E.SachseD io Torgan. Vorschläge wegen des Gommando der 
Reichsarmee. Die Jägcrodorfer Sache. Gütliche Beilegung der Erfurter Sache. 
Unterstützung der Forderung des Administrators von Magdeburg.] 
9. Jan. Er tbeilt ihnen die Resultate der mit K.Sachsen za Torgaa^) gehalte- 

nen Conferenz mit. K.Sachsen hat ihn für das Gommando der Reichsarmee 
vorgeschlagen, er hat aber verschiedene Bedenken dagegen vorgestellt. 

Sollte nun diese Materie daselbst furkommen — so habt Ihr unser 
Votum auf Ghur-Saehsens Ld. — abzulegen, in Erwägung dieselbe 
nicht allein für ihre Person der Rötn. K. M. und dem ganzen Reich 
ausser allem Zweifel angenehm, sondern auch wegen dero mit denen 
oesterreichischen Erblanden meistentheils an^grenzenden Estats bei 
dem Werk zum hogsten interessiret wären. Im Fall aber auch I. Ld. 
sich desfalls entschuldigen mogten, so könnet Ihr in unserm voto auf 
Hertzog Friedrich Wilhelms Ld. zu Sachsen-Altenburg zielen. 

K.Sachsen will persönlich nach Regensbnrg gehen und hat zuge- 
sagt, dort des Kf. consilia und Intention , sowohl in publicis; als in den 
particnlieren Angelegenheiten seines Hauses zu befördern, besonders beim 
Kaiser wegen Restitution des Fürstenthums Jägerndorf zu intercedieren, 
welche hochimportierende Sache Ges. aufs fleissigste zu befördern haben. 

In der Erfurter Sache sollen Ges. vorstellen, dass man billig aller- 
band occasiones zu innerlichen Troublen verhüten müsse, K.Mainz könnte 
darum doch zu seiner Intention und Befugnissen gelangen, wozu sie dem- 
selben des Kf. Assistenz und Interposition offerieren sollen. 

Ges. sollen die Sache des Administrators von Magdeburg wegen Vo- 
tum und sessio den Wünschen desselben gemäss secundieren ^). 



Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Regensburg 
1./ 11. Januar 1664. 

[Beschlüsse über die Reichshälfe. Das Westfälische Kreisdirectorium.] 

11. Jan. Das kurfürstliche und fürstliche Collegium haben sich am 30. Decem- 

ber zu einem gemeinschaftlichen conclusum^) über die Reichshülfe geeinigt; 
von den Städten^) haben nur 14 erklärt, das Triplum erlegen zu wollen. 

S. uDten den Anhang. 

^ Dazu hatte sich Kf. auf der Zusammenkunft mit K.Sachsen zn Torgau be- 
stimmen lassen s. ebendaselbst. 

3) Londorp VIII S. 993 (wiederholt IX S. 1), Pachner v. Eggenstorff 
I S. 58. 6. Gemeiner I S. 127 ff. 

*) Das CoDclasum derselben Lect. 7. November. Londorp VIII S. 993 ff. 
(IX 8. 2ff.), 8. Gemeiner I S: 135 ff. 



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Zusammenkanft zu Torgaa. Westfälisches Kreisdirectorium. 217 

Im karfüsrtlichen Gollegium ist am 28. durch das Directoriam proponiert 
worden, dass vom Reich an Pfalz-Neuburg oder Münster geschrieben 
and Erkundigung eingezogen werden solle, was ein jeder Stand im West- 
fälischen Kreise an Y ölkern geschickt oder sonst coutribniert, und welcher 
noch in Rest sei, dem aber hat Mah renhol tz als den Rechten des Kf. 
präjudicierlich widersprochen, und Jena hat darauf Boineburg Vorstel- 
langen gemacht und diesen dahin gebracht, dass er, was vom Westfälischen 
Kreisdirectorio vorgekommen, aus den Protokollen hat auslöschen lassen. 
Jena hat die Gelegenheit benutzt, um die Drohungen Rautensteins gegen 
den Paderbornischen Oesandten^ anderen mitzutheilen und sich darüber 
zu beklagen, Rautenstein hat ihm darauf erklärt, die Sache verhielte 
sich anders, als der Paderbornische sie erzählt habe. 

Der Schwedische Gesandte Schnolski hat sich sehr für die Bemühun- 
gen der Ges. bei K. Mainz in der Investitursache bedankt. ^ 

Dienstag haben sie den spanischen Gesandten, Grafen d'Archinto 
besucht. Vorgestern hat K. Baiern hier seinen Einzug^) gehalten. 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Cöln a. d. Spree 
6./[16.] Januar 1664. 

[BemerkuDgeD zu der Beichskriegsverfassung. Die Drohangen BaatensteiDS. 
Aufnahme Fürst Badziwills in den Füratenrath.] 

Weitere') Bemerkungen und Vorschläge zu den einzelnen Punkten der i6. Jan. 
Reicbskriegsverfassung. 

Die Antwort des Pfalz-Neuburgischen an den Paderbornschen 
Gesandten kommt ihm sehr insolent vor, er kann nicht glauben, dass der 
Ffalzgraf demselben solches sollte in Instruktion gegeben haben, doch darf 
man das nicht hingehen lassen, sondern jener soll befragt werden, ob er 
solches auf seines Herrn Befehl gethan. Falls der Paderbornsche Gesandte 
Bedenken tragen sollte, dieses zu thun, soll Jena bei Gelegenheit mit Zu- 
ziehung eines anderen Gesandten ihn deswegen zur Rede stellen. Dem 
Paderbornschen aber sollen sie mittheilen, Kf. hoffe nicht, der Pfalzgraf 
werde so verfahren, sollte es aber geschehen, so werde Ef. ihm mit aller 
Macht assistieren. 

Ges. sollen die Bemühungen des Fürsten RadziviP), zur Session und 
Votum im Fürstenrath zugelassen zu werden, unterstützen. 



^} S. die BelatioD vom 24. December/3. Januar oben S. 214. 

2) S. Diar. Enrop. XI S. 18. Theatr. Burop. IX S. 874. 

3) 8. oben S. 214. 

*) 8. über den schon auf dem vorigeD Reichstage von demselben gemachten 
Yersnch, die KeichestandBchaft zu erlangen, Urk. u. Akt. VI S. 209. 450. 



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218 4. Der Anfaag des RegeDsbarger Reichstages. 

Der Kurfürst an die Gesandten. D. Cöln 7./[17.] Januar 1664. 

[HuifegesQch bei den Niederlanden.] 

17. Jan. Da es wegen der Hülfe und Defension wider den Türken bei den 

Reicbsdeliberationen so langsam hergeht, hat Kf. durch einige seiner Räthe 
in den Niederlanden Hülfe sollicitieren lassen^). Ges. sollen K.Mainz 
und den kaiserlichen Ministern davon Mittheilang machen, damit diese da- 
hin wirken, dass die Oeneral Staaten von dem ganzen Reiche hierzu ersucht 
oder er beauftragt werde, im Namen des ganzen Reiches dergleichen bei 
denselben zu sollicitieren. 



* Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Regensburg 

8./18. Januar 1664. 

[Das Votum des Rf. im Westfälischen Kreise. Bemühungen Magdeburgs, seine 
Ansprüche auf Reichsunmittelbarkeit durchzusetzen. Bewilligung für den 

Provi:Änt.] 

18. Jan. Der Osn ab rück sehe Gesandte hat ihnen erklärt, dass er beauftragt 
sei, Kf. im Westfälischen Kreise für seine Clevischen Lande ein Votum za 
verwilligen nnd auch des Directoriums wegen an die Hand za gehen. Auch 
Münster erklärt sich in ähnlicher Weise günstig. Ges. glauben, Kf. thue 
sehr recht, wenn er es zunächst bei einem Votum dort bewenden lassen 
wolle; wenn er jetzt auch solche für Mark und Ravensberg forderte, 
würde es nur Weitläufigkeit verursachen. 

K.Mainz hat ihnen durch Boinebnrg Copie einer Supplication der 
Stadt Magdeburg^) mitgetheilt, worin sich dieselbe auf die erdichtete Otto- 
nische Freiheit und das eztendierte Festungsrecht stützt. Ges. schlagen 
vor, Kf. möchte desswegen an K.Mainz schreiben; derselbe könne dieses 
Attentat der Magdeburger sehr zurückhalten, oder anch etwas ' deswegen 
proponieren lassen. Die Magdeburger haben ausserdem ihr Gontingent nnd 
Contribatiou dem Erzbischof von Salzburg, als kaiserlichem Principal- 
kommissar, offeriert nnd hier erlegen wollen, sind aber damit abgewiesen 
worden. Der Sjndic'us I d e u ist noch hier, der Bürgermeister Rosen stock 
ist schon längst nach Hanse gereist. 

Im kurfürstlichen CoUeg ist auf Remonstration des Kaisers per ma- 
jora beschlossen worden , 4 Römermonate zur Anschaffung von Proviant 



^} S. unten Abschn. 5. 

') d. 19. December 1663, darin wird K.Mainz ersnchti auf dem Reichstage 
dahin zu wirken, dass der die Stadt Magdeburg betreffende Paragraph des 
Westfälischen Friedens zur Ausführung gebracht werde, s. über diese Be- 
muhuDgen Magdeburgs beim Reichstage Hoff mann, Otto von Guericke her- 
ausg. von Opel S. 164 f. 



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Westfölisches Kreisdirectoriüm. BemühangeD Magdeburgs. 219 

ZQ bewilligen 0, die Gesandten von E. Sachsen, E.Pfalz und aocli sie 
haben sich defectu instrnctionis entschuldigt. 



Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensburg 
15./25. Januar 1664. 

[Der Pf.Neubargische Gesandte Giese. Die JägerDdorfsche Sache ist bei Fürst 
Portia yorgebracht worden. Wünsche des Kaisers in betreff der Besetzung des 

Beichsgeneralats.] 

In publicis ist, obgleich der Eaiser sich nnn schon bei fünf Wochen hier 25. Jan, 
befindet, auch die Stände sich öfters versammeln, wenig fortgeschritten^).. 

Pfalz-Neuburg hat an Stelle Eautensteins seinen Obersten Kanz- 
ler 6 bis e hieher geschickt, derselbe hat Jena freundlich zugesprochen, sein 
Herr wolle dem Ef. sessio et vota im Westfälischen Kreise nicht difficul- 
tieren, wenn er nicht befürchtete, dass daran das verglichene. directorinm 
alternativum hinge und daraus folge. 

Mahrenholtz hat Freitag dem Fürsten Portia eine Visite gemacht 
und dabei Gelegenheit genommen^ der Jägerndorf sehen Sache zu ge- 
denken und des Ef. Recht und Praetention kurz anzuführen, er vermerkte 
aber wohl, dass jener sich in etwas alterierte, er antwortete gar kürzlich, 
er hätte nicht vermuthet, dass diese Sache jetzt vorkommen würde, und 
wäre darin nicht eigentlich informiert, wollte doch gerne sein Bestes und 
Möglichstes zu des Kf. Satisfaction thun. M. hat ihm, damit er sich nicht 
ans Mangel der Information zu entschuldigen hätte, eine Copie der ihm 
vom Kf. zugeschickten species facti übergeben, die jener auch angenom- 
men hat. 

P. S. Soeben hat sie Herr Hoc her, welcher wegen Oesterreich 
im Fürstenrath das Directorium führt, besucht, hat ihnen einen Gruss 
des Kaisers und dessen Dank für ihr bisheriges Comportement, zu- 
gleich die Bitte mitgetheilt, sie möchten dahin wirken, dass nicht fernere 
Weitläufigkeit und Aufschub verursacht werde; vor allem sei nöthig, dass 
das Generalat versehen und der Obriste Feldhauptmann vorhanden sei; 
der Kaiser incliniere dahin, dass das Reichsgeneralat dem Markgrafen 
zu Baden, der ein teutscher Fürst, bei 20 Jahren in Kriegen geübt und 
dessen Valor bekannt sei, aufgetragen werde, er hätte auch beabsichtigt, 
des Kf. Generalfeldmarschall Sparren dem Markgrafen zu adjungieren; 
trüge derselbe aber Bedenken, unter diesem zu stehen, so wollte der Kaiser 
ihn bei seiner eigenen Armee, welche Graf Montocucoli commandiert, 



^) Kf. in einem Rescript vom 19./29. Januar ertheilt seine Zastimmnng dazn. 

') S. über die den ganzen Januar sich hinziehenden Verhandlungen, welche 
sich hauptsächlich darum drehen, auch die Städte zur Einwilligung in das Tri- 
plnm zu bewegen Gemeiner I S. 138 ff. 



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220 4* ^^^ Anfang des Begensburger Reichstages. ^ 

als mit dem er in guter Freundschaft gelebt, accommodieren, er gedächte 
auch den Pfalzgrafeo von Snltzbach, den General Würtz nnd an- 
dere in seine Dienste za nehmen. Der Kaiser hielte für nicht nöthig , den 
Eriegsrath mit absonderlichen Snbjectis za bestellen, derselbe könnte ans 
den Generalen nnd anderen Eriegsbedienten formiert werden. Da die 
Alliierten die Ihrigen nicht zn den Ereisvöllcern stossen lassen und auch 
ihren eigenen General behalten nnd unterhalten wollten, so würden die 
übrigen Stände die Unkosten für die Reichsgeneralität allein tragen müssen. 



Dieselben an den Kurfürsten, D. Regensburg 
21./31. Januar 1664. 

[K. Mainz und Münster habe ihre Yermittelaog in dem Streit wegen des 
Directoriams im Westfölischen Kreise angeboten.] 

31. Jan. Sie haben die Vorschläge des Ef. wegen einer Hülfesuchnng bei den 

Generalstaaten E.Mainz mitgetheilt, derselbe hat sich zur Beförderung 
der Sache erboten; namentlich Munition werde von dorther leicht geliefert 
werden können. Ges. haben bei dieser Gelegenheit demselben die West- 
fälische Ereissache empfohlen; er erbot sich zu allem Guten, dem Ef. 
werde es sehr nutzlich sein, wenn die Sache in Güte beigelegt würde; er 
wäre bereit, dazu mitzuhelfen und in eigener Person den Traktaten beizu- 
wohnen. Auch der Bischof von Münster, dem Jena als Nassauischer 
Gesandter seine Visite machte, erbot sich von selbst zur Vermittelung ; er 
erklärte, es wäre der Wahrheit ganz zuwider, dass er mit Pfalz-Neu- 
b u r g wegen des Directoriums ein pactum, dass kein anderer zu demselben 
gelangen solle, aufgerichtet; er sei zwar mit Pfalz-Neuburg alliiert, 
machte daraus aber nicht causam communem. Wenn dem Ef. E. Mainz 
angenehm wäre, wollte er mit demselben communicieren. 

Im städtischen Collegium hat sich die Majorität nun auch zum Triplum 
erklärt 0? cloch wollen sie zwei Drittel an Soldaten, das dritte an Geld und 
Munition leisten. 



Der Kurfilrfst an die Gesandten. D. [Cöln] 26. Januar/ 
[5. Februar] 1664. 

[auf die Relation vom 15./25. Januar. Was die Gesandten in der Jägemdorfer 
Sache tban sollen. Feldmarschall Sparr.] 

5. Febr. — In der Jägern dorfischen Sache wird die Nothdurft erfodern, 
dass Ihr ein kurz Memorial abfasset, simpliciter umb Restitution des 
Herzogthumbs anhaltet und solches I. E. M. abgebet und Resolution 
begehret. Sollte bei einer Conferenz oder sonst auch angetragen 

1) S. Geroeiner I S. 145 f. 



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Westfälisches Kreisdirectoriom. Jägerndorfer Sache. 221 

werden, dass I. K. M. uns an Geld, wie sie sich vor deme yerneh- 
men lassen '), Satisfaction thnn wollten, so habet Ihr solches pure zu 
refusiren, und dass Ihr solches nicht einmal ad referendum annehmen 
durfftet, Euch vernehmen zu lassen, — wann aber in Vorschlag käme, 
uns an Land und Leuten ein Aequivalent zu geben, so habet Ihr 
solches ad referendum anzunehmen und, was man uns eigentlich geben 
will, mit Fleiss zu erkundigen, und könnet Ihr hierin den Spani- 
schen Gesandten auch umb Assistenz ersuchen'). 

Auch Ef. findet es höchst nöthig, dass der Feldhanptmann baldigst 
benannt werde, lässt es aber deswegen bei seiner früheren Resolntion. ') 

ünsern Feldmarschall Sparren aber, weil wir uns selbst in De- 
fension zu setzen entschlossen, von uns zu lassen, — können wir uns 
noch zur Zeit nicht erklären. — 



Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Regensburg 
29. Januar/ 8. Februar 1664. 

[Vorschlag einer ZasammenkoDfi der Weatfaiiachen Kreisstände. Das Beichs- 

gntachten wegen der Türkenhülfe. Yerhand langen mit den kaiserlichen Ministem 

wegen der Jägerndorfer Sache.] 

Zu Erledigung der Westfälischen Kreissache dürfte sehr dienlich 8. Febr. 
sein, wenn die Westfälischen Kreisstände zusammen kommen könnten. Ges. 
schlagen vor, dass sie eripächtigt werden vorzuschlagen, dass diese Stände 
ohne Cleve nnd Jülich, nur einmal und allein des streitigen Directorii 
halber, zusammen kämen, nnd dass ihre Gesandten dazu von Münster 
convociert würden, doch müsste Minden mit dabeisein. 

Zu Ernenernng der Erbverbrüdernng*) finden sie sowohl die*K ur s äch s i- 
sehen als anch Hessischen Hänser sehr incliniert, sie haben eine bal- 
dige Zusammenkunft, um de praelinlinaribus et generalibus zu reden, vor- 
geschlagen. 

In puncto der Verfassung wider den Erbfeind ist es endlich zu einem 
Reicbsgntachten ^) gekommen, welches dem Kaiser durch das K. Mainz i sc he 

') zuletzt 1659, s. ürk. u. Akt. VIII S. 371. 

^ In einem Bescript vom 30. Janaar/9. Febraar weist Rf. sie an, auch K.Mainz 
nnd R.Baiern am Cooperation in dieser Sache anzngehen. 

3) S. oben S. 216. 

*) S. die darüber aaf der Zasammenkanft zu Torgau zwischen Kf. nnd 
K.Sachsen getroffenen Verabredungen unten im Anhang. 

^} d. 18. Januar 1664: Diar. Europ. XI S. 36 ff. Londorp IX S. 235 f. 
Pachner v. Eggenstorff I S 58 Die kaiserliche Resolution darauf d. 
28.Januar/7. Februar 1664: Londorp IX S. 296 ff. Pachner v. Eggenstorff. 
IS. 62. Vgl. Theatr. Europ. IV S. 1101. Gemeiner I S. 147f. 



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222 4- I^^r Aofang des Regensbarger Reichstages. 

Directorium übergeben worden ist, doch hat das reichsstädtische Collegiom 
eine besondere Specification ausgestellt, wie viel diese oder jene Stadt con- 
tribuieren wolle/ 

Die Jägerndorfsche Sache hat Mahrenholtz ferner den Fürsten 
von Auersperg nnd Lobkowitz vorgestellt, sie contestierten sonderbaren 
Eifer gegen Kf., entschuldigten sich aber, sie wären nicht eigentlich in- 
formiert, die Sache würde am besten dem Grafen von Nostitz, als Böh- 
mischem Kanzler, bekannt sein. Mit diesem hat M. auch davon geredet, 
hat aber aus seinen Discursen erkannt, dass er nicht gern davon hörte, nnd 
Hess derselbe fast schlechte Affection vermerken. 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Cöln a. d. Spree 
3./[13.] Februar 1664f 

[auf die Relation vom 21./ 31. Jannar. Kf. hält an dem Vergleich wegen des 
Westfälischen Directorinms fest, verlangt Berufung eines Kreistages.] 

13. Febr. — Wegen des WestpfäHseben Creyss-Directorii, weil wir darin 
einen richtigen Vergleich *) mit Pfalz-Neu burgs Ld. vor uns haben, 
können wir uns anderergestait nicht erklären, als wie wir Euch neu- 
licher Zeit gn. in Befehl gegeben. — Und weil wir, wo nicht aller, 
doch der meisten Westpfälischen Greyss- Stände Ver willigung des 
duplicis Yoti et sessionis in Händen haben — so halten wir, dass 
hiedurch die Sache seine Richtigkeit habe und die Gondition, so dem 
Pacto annectiret, purificiret sei, also dass es nun an nichts ermangelt, 
als dass sich der Ffaltzgraf dem Vergleiche accommodire, und man 
also nach Inhalt solches Vergleichs zum Ausschreiben des Greyss- 
tages schreite. Habt demnach aus solchen Schreiben, darin das du- 
plex Votum zugestanden wird, einen Extract zu machen und sowohl 
Sr. Ld. dem Ghurfürsten zu Maintz, als dem Bischöfe zu Münster 
vermittelst gebührender Danksagung vor ihr gutes Erbieten solches 
vorzutragen und dieselbe zu ersuchen, dass sie solches dem Pfaltz- 
grafen von Neuburg vorstellen und dieselben dahin disponiren wollen, 
dass sie es auch ihrestheils bei dem Vergleich bewenden lassen mögen, 
gestalt darauf die Ausschreibung des Greysstages nach Anweisung 
des Vergleichs communi nomine von uns und dem Pfaltzgrafen nebst 
Münster wirklich geschehen kann. — Was die gänzliche Hinlegung 
des Successionsstreits anlanget, finden wir dabei wegen der vielen 



'} Gemeint ist der Vergleich vom 6. April 1647 s. oben S. 204. 



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Westfälische and Jägerndorfer Sache. 223 

Interessenten allerhand Difficultäten, wollen euch aber mit ehestem 
unsere Meinung dartiber wissen lassen. Inmittelst aber könnet ihr 
' alle gute Contestationes unsertwegen thun. — 



Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Regensburg 
5./15. Februar 1664 

[Gerächte vom Abschluss der Allianz des Rf. mit FraDkreich. Reichsscblass 
wegen des Proviantweseqs.] 

Die Rheinische Alliaozsache belangend, ist hier ungefähr vor 15. Febr. 
10 Tagen ans Paris Nachricht gekommen, dass Kf. mit dem Könige von 
Frankreich am 14. Jannar habe schliessen lassen ^)y auch geneigt wäre, 
in diese Allianz zn treten. Daranf haben Ges. an selten der HH. Alli- 
ierten sofort fast mehr Liebe, AflFectioa und Vertrauen verspürt und wahr- 
genommen, dass dieselben auf des Kf. Person sonderbare Reflexion machen, 
ihn zum Alliierten wünschen und den grossen Nntzen hervorheben, den er 
dadurch dem Yaterlande erweisen werde. Einige andere aber, die, ob sie die 
besten Freunde, wir nicht wissen, darunter anch die Pfalznenburgischen 
sein mögen, nnd die ihr eigenes Interesse und Nutzen durch diese neue 
obhandene genauere Freundschaft nicht befördert sehen, Hessen ihnen wohl 
lieber sein, wenn das Werk seinen Fortgang nicht gewinne. 

Betreffend die materia defensionis ist es wegen des Proviantwesens zn 
einem allgemeinen Reichsschluss^ gekommen, dass ein jeder Kreis noth- 
wendige Proviantbediente bestellen, auf 6 Monat Proviant anschaffen und 
seine Völker versorgen solle; die Alliierten aber wollen sich deswegen nicht 
in Unordnung nnd Weitläufigkeit setzen. 



Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Regensburg 
12./22. Februar 1664. 

[Memorial an den Kaiser wegen der Jägerndorfer Sache. VerhandluDgeo über 
die zu ernennenden Beichsgenerale.] 

Wegen der Restitution von Jägern dorf haben sie ein kurzes Memorial 22. Febr. 
für den Kaiser abgefasst nnd diesem in einer Audienz vorge^ern übergeben. 
Der Kaiser antwortete ; dass er allemal geneigt gewesen, dem Ef. seine 
Affection zu erweisen, wobei er auch künftig verharren würde, er wollte 
das Memorial durchlesen und ihnen darauf seine Resolution zukommen 
lassen. 



1) Diese Gerüchte waren irrig s. ürk. n. Akt. IX S. 672 ff. 
') d. 11/1. Februar 1664 (Pachner v. Eggenstorff I S.69.) 8. Gemeiner 
I S. 148 ff. 



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224 ^* I>er Anfang des Begensburger Reichstages. 

Ueber die ßen^nnang der Generalität ^ ist vorgestern in den Collegien 
die Berathung begonnen worden. Im Korfürstenrath ist es noch zu keinem 
Schloss gekommen, im Fürstenrath ist die Umfrage nnr bis Sachsen- 
Gotha gebracht. Des Ef. Person ist von Magdeburg, Pfalz- Laatern 
und Pfalz-Veldentz vorgeschlagen worden, sonst ist auch Pfalz- Nen- 
burgs, Pfalz-Salzbachs and Baden-Badens gedacht worden and 
sind noch zur Zeit die plura für Baden-Baden vorbanden'). 

Der Reichspfennigmeister, Freiherr v. Hohen feldt, hat gegen Jena 
erwähnt, dass manche Stände ihren alten Matrikular- Anschlag selbst mode- 
rierten und die Römermonate danach erlegten, Ges. fragen an, ob Ef. für 
seine Lande es nicht ebenso machen wolle. 



Der KurfUrst an die Gesandten. D. Cöln 16./[26.] Februar 1664. 

[Information für den Kaiser in betreff der dnrch v. Blamenthal mit Frankreich 
geführten Verhandlungen.] 

26. Febr. — Nachdem sowohl der keyserliche als königl. hispanische sich 
anitzo bei unserm Hofe befindende Minister sich dessen vermerken 
lassen'), dass die durch unsern Geheimbten Raht, den Freiherrn 
von Blumenthal eine Zeit hero mit dem Könige in Frankreich 
gepflogene Handlung^) bei beiden Höfen allerhand Nachdenken ver- 
anlasset, und wir leicht ermessen können, dass daraus bei entste- 
hender gründlichen Nachricht von dem, was vorgangen, leicht ein 
Misstrauen erwachsen dürfte, so haben wir, umb demselben vor- 
zukommen, die prorogirte Preussische Alliance ^) in extensa copia 
euch beigefügt uberschicken wollen. So ihr — Ihrer Keyserl. M. bei 
bequemer Gelegenheit in unserm Namen zu. communiciren und dabei 
gebührend zu berichten haben werdet, welchergestalt, da uns sonsten 
in allem, was unserstheils erinnert oder desideriret worden, deferiret, 

') S. Gemeiner I S. 151ff.; sehr irrig wird dort (S. 152) behauptet: „Unter 
den deutschen Fürsten bewarb sich sonderlich der Ghurfürst von Brandenburg 
um die erste Stelle. '^ 

^ S. „Specification derjenigen Generalen , so bey der den 20. Februar 1664 
gehaltenen Session in unterschiedlichen votis in Vorschlag gekommen''. (Diar. 
Europ. XI S. 81 ff). 

3) S. das Protokoll über die am 8./18. April 1664 zu Berlin mit Lisola und 
Ucedo gehaltene Conferenz unten Abschn. 5. 

*) S. Urk. u. Akt. IX S. 620 ff. Die Verhandlungen waren damals noch keines- 
wegs zum Abschluss gekommen, schienen aber damals (s. y. Blumenthal s Re- 
lation vom 1Ö./25. Januar 1664 S. 673) demselben nahe zu sein. 

*) Pufendorf 1. IX § 60 (S. 602). 



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MittheÜQDg über die Verbandlongen mit Frankreich. 225 

wir uns dennoch keineswegs dabin hätten wollen lenken lassen, dass 
wir nachgeben sollten ^), dass des Königs AUiirte mit Kamen speci- 
ficirt, unserseit aber der mit Ihrer Eeyserl. M. habenden AUiance 
per expressum nicht mitgedacht würde, wie aber endlich das Expe- 
diens ins Mittel kommen, dass der von beider Theile Alliirten dispo- 
nirende Artikel in general terminis eingericht werden könnte, und man 
französischer seiten sich daran vergnügen lassen, hätten wir solches 
mit Fug und Glimpf nicht ausschlagen können. Als nun hierunter 
nichts vorgangen, so Ihrer Keyserl. M. Interessen zuwiderliefe oder 
der mit deroselben aufgerichteten Alliance entgegen wäre, so haben 
sich dieselbe zu versichern, dass wir deshalb nicht weniger dann vor- 
hin ihr und des H. R. Reichs Bestes und Aufnehmen unserm Vermögen 
nach zu befordern uns jederzeit werden angelegen sein lassen. 

Der von Frankreich bei dieser Negotiation endlich ausge- 
würkten Guarantie') über den dem Instrumento pacis Olivensis zu Ver- 
sicherung unsrer Jurium beigefugten Articulum separatum, wofern es 
der Discurs nicht mit sich bringt oder auch Anlass dazu gegeben 
wird, achten wir nicht nöthig sei zu gedencken, weil alles, was des- 
halb im jetztgedachten Frieden disponiret, Ihrer Keys. M. gevoUmäch- 
tigte Gesandte mit gut gefunden und Sie selbst in dero extradirten 
Keyserl. Ratification approbiret. 

Es hat auch mehrgemelter unser Geheimbter Raht eine Declara- 
tion *) ausgestellet, dass wir uns mit denen in der so genannten 
Rheinischen Alliance stehenden Gronen, Chur- und Fürsten mit ver- 
bünden wollen. Es soll aber auch (welches Ihr ebenmässig zu ver- 
sichern habt) nicht anders dann mit Beibehaltung unsers Ihrer Eeyserl. 
M. zutragenden schuldigen Respects und vermittel&t solcher Modi- 
ficationen geschehen, dadurch des H. Rom. Reichs Ruhe und Sicher- 
heit bestätiget werde. — 

Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Regensborg 
19./29. Februar 1664. 

[Gespräche mit E. Mainz und Munster. Bestellung der BeichsgeDeralitat. Das 
Westfälische Kreisdirectorium.] 

Ges. habeo eiae Audienz bei E. Mainz gehabt. Wegen der Hülfe- 29. Febr* 
Buehoog bei den Generalstaaten will derselbe veranlassen, dass zunächst, 

S. ürk. u. Akt. IX S. 629 ff. 

») Pufendorf l. TX § Gl S. 602 f). 

') Eine solche Declaration ist nachher nicht von Blumen tbal, sondern von 

Mater, z. Gesch. d. Q. Knrfürsteo. XI. 15 



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226 4- ^^r Anfang des Regenaborger Reichstages. 

zur Beschleanigung der Sache, nnr ein Schreiben vom karfürstlichen Colle- 
giom an Kf. abgelassen werde, worin derselbe ersucht wird, im Namen des 
Reichs Hülfe gegen die Türken von den Niederlanden zu erbitten. In der 
Jägerndorfschen Angelegenheit erklärt er, nicht genügend informiert 
zu sein, erbietet sich aber, nicht nnr selbst zu helfen, sondern auch das 
kurfürstliche Collegium zur Intercession zu veranlassen. Auch wegen des 
Westfälischen Ereisdirectoriums will er das Seinige thun, er erwähnte 
wieder eines endlichen Hauptvergleichs. Jena ist auch beim Bischof 
von Münster gewesen und hat im Namen des Kf. für dessen Anerbieten 
gedankt und ihn gebeten, Pfalz-Neuburg, der in wenigen Tagen hier 
erwartet wird, dahin zu disponieren, dass er das Directorium alternativum 
nicht länger difQcoltiere. Der Bischof zeigte sich sehr befriedigt, kam auch 
bald auf das Hauptwerk und erbot sich, ohne alle Passion zu dessen güt- 
licher Beilegung zn cooperieren, er bezeigte gegen den Kf. ganz besonderen 
Respekt, erklärte sich bereit, mit dem Pfalzgrafen wegen des Direktoriums 
zu reden, hielt dafür, dass, wenn das Hauptwerk beigelegt werden könnte, 
dieses sich von selbst geben würde. Er fragte, nach welchem Jahr die 
Religion einzurichten, ob nach 1609 oder 1624. Jena hat sich mit Mangel 
an Instruktion entschuldigt, aufgefordert aber, seine Privatgedanken za 
entdecken, erklärte er, diese Sache werde sich schwerlich mit Fug nach 
a. 1624 regulieren lassen, da durch die von den possedierenden Fürsten 
ausgestellten Reversalen die Unterthanen ein qnaesitum jus hätten. 

Es stehet dahin, wie Ihre F. 6n. eigentlich intentioniret, allein 
dürfte Ew. Ch. D. darunib mehr. nützlich als nachtheilig fallen, weil 
Sie die Reputation gerne werden haben wollen , dass Sie diesen so 
lange gedauerten Streit und wichtige Sache schlichten helfen, und 
dass Sie vermeinen, als ein Nachbar beständige Ruhe zu haben. 

In den Reichscollegien ist über die Bestellung der Generalität ver- 
handelt worden, Ges. haben in beiden Collegien K.Sachsen nnd, wenn 
dieser ablehnte, Herzog Friedrich Wilhelm von Altenbnrg vorge- 
schlagen. Die meisten im Kurfürstenrath und auch ein Theil der Fürsten 
meinen, dass zur Zeit noch kein Reichsfeldhauptmann, sondern nur die 
Feldmarschälle oder General-Lieutenants zu verordnen seien, daher sind 
auch der Markgraf von Baden und Pfalzgraf von Sultzbach nnr 
zn Feldmarschällen vorgeschhigen worden. Pfalz-Neuburg hat nur 
ein einiges Votum bekommen, hingegen seindt Ew. Chf. D. von allen 
denen, so vermeinen, dass ein Reichsfeldhauptniann oder Generalis-, 
simus nöthig sei, dazu genannt worden, dabei dann ausführlich de- 
monstriret, wie niemand zu finden, der mit allen denen zu diesem 
wichtigen Werke gehörigen nöthigen Qualitäten, Experientz, Valor 

dem Kf. selbst (Pafendorf 1. IX §63 S. 603) ausgestellt worden, dnd auch 
während der Verhandlangen in Paris ist nur von einer solchen die Rede s. Urk. 
u. Akt. IX S. 671 ff. 



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Das westfälische Ereisdirectoriam. ßestellaDg der Eeichsgeiieralitat 227 

und Glück begäbet sei, als Ew. Chf. D. höchste PersoD. Auf E. 
Sachsen und Sachsen-Altenburg hat ausser uns keiner der Vor- 
oder Nachsitzenden gestimmt. — So wird auch wohl das Westfählische 
Kreysdirektorium und die darin competirende sessiones und vota zum 
billigmässigen Stande zu bringen, das allerdurchdringendste Mittel sein, 
dessen Ew. Chf. D. — vor etlichen Wochen erwähnet, dass Sie näm- 
lich von denen Jülich- und Gleveschen Landen so lange keine Onera 
beitragen wollten, bis dasjenige Ihr eingeräumet wäre, was andern 
ultro vergönnet wird. — 



Dieselben an den Karfürsten. D. Regensbnrg 
26. Februar/ 7. März 1664. 

[BestellQDg der Reicbsgeneralitat. Audienz bei K. Sachsen. Wänsche der Alli- 
• ierten in betreff der Verbandlaogen mit Kf.] 

Im Eurfürstencolleg, wo Mainz, Trier, Baiern and der hente vor T.März, 
acht Tagen hier angekommene Kurfürst von Sachsen persönlich zugegen 
waren, sind gewählt worden ^): 

znm Generallieatenant z. if. Graf Georg Friedrich t. Waldeck, 

Gen.-Feldzengmeister und Generallientenant z. F. Gr. Franz Fagger, 

Gen.-Wachtmeister z. R. Herzog Hans Adolph v. Holstein, 

Gen.-Wachtmeister z. F. Freih. ?. Bngg und Holtz; 
zu Kriegsrathsdirectoren sind ernannt: 

Bischof zu Münster, der dies Amt auf seine eigenen Kosten ver- 
walten will, und 

Markgraf zu Baden-Durlacb. 
Zu Kriegs- oder Assistenzräthen, auf Vorschlag von K. Sachsen: 

T. Haubitz und Graf Lynar. 

Ges. haben wegen mangelnder Instruktion zu allen diesen, ausser Mark- 
graf Leopold Wilhelm von Baden^) und Graf Ljnar^), nichts sagen 
können. 



S. das karfürstlicbe CoDclasum vom 27. Februar/ 8. März Diar. Earop. 
XI S. 8öf. 

^ Derselbe hatte schon am 30. October 1663 nnd dann nochmals am 7. Februar 
1664 Kf. ersucht, seine Ernennung zum Reichsfeld mar schall zu befBrdern, und 
Kf. hatte ihm seine Unterstützung in einem Schreiben vom 6/16. Februar zugesagt, 
8. das Bescript des Ef. an die Gesandten vom l./ll. März 8. 229. 

') Kf. hatte durch Rescript vom 9./ 19. Februar nach Verabredung mit 
E.Sachsen die Gesandten angewiesen, denselben vorzuschlagen. 

15* 



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228 ^' I^^r Anfang des Regen sburger Reichstagefl. 

Im Fürstenrath sind die anderen Stände mit Ansschlnss der Alliierten 
zusammengekommen und haben gewählt'): 

zum Qen.-Lieutenant z. Pf. Graf Georg Friedrich v. Waldeck'), 
General über die Cavallerie Herzog Ulrich zu Würtemberg, 
Gen.- Feldzeugmeister und General von der Infanterie Graf Franz 

Gen.- Wachtmeister z. Pf. Herzog Hans Adolph v. Holstein, 

Gen.- Wachtmeister z. F. Gustav Adolph v. Baden und Baron 
y- Bugg, 
von Bestellung des Kriegsraths und des Directoriums desselben ist dort 
noch nicht geredet worden. 

K. Sachsen hat ihnen vorgestern Audienz ertheilt und auf die von 
ihnen vorgetragenen 4 Punkte: Erneuerung der Erbverbrüderung, Schreiben 
an Polen wegen der Königswahl, Restitution von Jägerndorf und Abschaf- 
fung der Missbräuche der Zünfte und Innungen, ihnen vergnügliche Ant- 
wort ertheilt. 

. Die Gesandten der Alliierten erklären, dass die monita des Ef. ^) zu 
dem Allianzvertrage hier, wo sie alle bei einander und bevollmächtigt wären, 
am füglichsten samt dem ganzen Werk sich einrichten lassen- würden. 

K. Mainz schickt an Kf. das Schreiben des kurfürstlichen^ Colleginms 
wegen Hulfeleistung der Niederlande zum Türken kriege. 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Cöln l./H. März 1664. 

[Die Jägerodorfer Sache and das Westfälische Kreisdirectoriam. Reichsgene- 
ralität. Des Kf. Leistung zur Türkenhülfe.] 

11. März. Die Jägerndorfsche Sache sollen sie fleissig poussieren, da der 
Kaiser nicht lange dort verweilen wird und die, so der Sache nicht wohl 
wollen, daher Gelegenheit nehmen möchten, sie bis zur Abreise der Kaisers 
zu trainieren, da sie dann wieder wie früher ins Stocken gerathen würde. 
Eine gleiche Verzögerung fürchtet er wegen des Westfälischen Kreis- 
direktoriums, zumal da K.Mainz und Münster immer davon abstrahieren 
und auf die Vergleichung des Hauptstreites kommen, welches doch nicht 



^) 8. über die Verhaadlungeo mit den Alliierten, weiche darauf beatandeo, 
ihren Truppen se.lbst eioen Chef zu geben und weder an den ADordnaogen für 
die übrigen Eeichstruppen noch an den Beiträgen für dieselben Tbeil zn nehmen, 
Gemeiner I S. 153 ff. 

^ S das fürstliche CoDclaaum Diar. Europ. XI S. 88. 

^ Derselbe theilt dem Kf. 13. März seine Ernennung mit, £f. beglückwünscht 
ihn darauf am 1Ö./25- März und ersucht ihn um Mittheilungen über die Kriegser- 
eignisse, welcher Aufforderung auch Wal deck durch Briefe vom 15. Mai, 12. Juni, 
15. Juli und ein uodatiertes Schreiben entsproctien hat. 

*) S. UDten AbscbD. 7. 



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Bestellang der BeichsgeDerftlität. 229 

so geschwinde wird erreicht werdeo können. Ges. sollen aosdrüeklich er- 
klären, dass Kf.; wenn nian ihn darin länger aufhalten and nicht za der 
Session und Votum und alternierendem Directorium nach Inhalt des Ver- 
gleiches wolle kommen lassen, von seinen Westfälischen Landen weder zu 
der Türkenhülfe noch zu anderen Reichs- oder Kreisoneribus das geringste 
beitragen wolle. Wegen der Religion kann Kf. nicht von den Reversalen 
nnjd dem terminus 1612 abstehen. 

Wegen Benennung der Generalität ist Kf. einverstanden damit, dass 
die Bestellang eines obersten Reichsfeldhanptmanns vorläufig ausgesetzt 
werde; er würde gern sehen, dass Markgraf Leopold von Baden die 
Feldmarschällcharge erlange, ist auch zufrieden, dass Herzog Ulrich von 
Würtemberg Gen.-Leutnant über die Cavallerie, Graf Fug^er Gen.- 
Leutnant zu Fuss, der Herzog von Holstein Gen.- Wachtmeister zu 
Ross, und wünscht, dass Herzog August von Holstein, der seine Völker 
comniandiert, bei der Reichsarmee Gen.- Wachtmeister zu Fuss werde. 

Was sonst uns an Völkern wegen aller unser Lande zu der Tri- 
peltOrkenhülfe zukommt, habet Ihr aus beigehendem Uffsatz^) zu er- 

^) yUfifsatz, was S. Chf. D. zum eiDfachen und zum dreifachen Römerzuge 
kompt nach der Nürnberger Repartition, darin aber S. Chf. O. dero Lande zum 
Theil sehr graviret befinden: 

Einfach Triplum 



z. Robb 


z. Fuss 




60 


277 


ChurbraudeDburg 


13| 


83 


Pommeru 


6 


28 


Gamin 


14 


66 


Halberstadt 


10 


16 


Minden 


35 


161i 


Cleve und Mark 


2 


8 


Hohenstein, so S. Chf. D. uff 
sich nehmen 


6 


17 


Ravensperg 



146J ü56Jt 

Nun haben S. Chf. D. bei der keyBerÜchen Armee: 
500 z. Robb, ist also zu viel 

machet z. Fuss 
600 Dragoner, thun z. Fuss 
1100 z. FuBB, bleibt 

wäre nach soh hem Calculo zu viel 
Seinen Ständen gegenüber hat der Kf. ganz anders gerechnet. In dem Aus- 
schreiben zu dem kurmärkischen Landtage (d. Coln 22. Januar/ 1. Februar 1664) 
giebt er als das auf die Kurmark nach dem doppelten Triplum (zur Reichs- und 
Kreishulfe) fallende Contingent an: 860 z. Robb und 2712 z. Fuss; für Halber- 
stadt (und ähnlich für Pommern) 140 z. Robb, 48 z. Fubb; für Minden 100 z. 
Robb, 48 z. Fubb; für RaveuBberg CO z. Robb, 51 z. Fubb; für Cleve und Mark 
350 z. Robb, 484 z. Fubb (in dem Rescript an Beinen Statthalter in Cleve, den 



z. Robb 


z. Fuss 


180 


831 


41 


249 


18 


84 


42 


198 


30 


48 


105 


484 


iil 

6 


24 


18 


51 


440 


1969 


60 z. Robb 


■ 180 




1200 




1100 




2480 




521 


Mann.« 



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230 4. Der Anfang des Regeasburger Reichstages. 

sehen. Ob nun zwar in dem Simpelanschlag einige unser Lande 
graviret sein, und wir deswegen Moderation begehren, so lassen wir 
es doch wegen des Volkes dabei bewenden, weil wir — schon Ihr. 
E. M. mehr Völker als uns zukommen, wann vor 3 zu Fuss ein Reuter 
und vor 2 zu Fuss ein Dragoner gerechnet wird, — zugeschicket haben, 
so wir hierzu zu emploiren oder wegen der Türkenhülfe rechnen wollen, 
doch uns, ob dieselbe zu andern Reichsvölkern gehen, oder bei der 
Eeyserl. Armee bleiben sollen, die Resolution vorbehalten. Sollte es 
aber zu Schickung einiger Gelder wegen Unterhaltes der Generalität, 
Artollerie oder dergleichen kommen, so werden wir uns der Modera- 
tion, so andere Eurem Vermelden nach thun, auch gebrauchen und 
soviel uns gut deucht einschicken. 



Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Regensburg 
4/ 14. März 1664. 

[Das Westfälische Kreisdirectorium. Audienz beim Kaiser.] 

14. März. ^i^ Reichsarmee, welche Ton den nicht zur Rheinischen Allianz ge- 
hörenden Ständen zusammengebracht wird, soll sich ungefähr auf 4000 z. R. 
und 16000 2. F. belaufen i). 

Sonst geht es in allem hier ebenso langsam von statten wie früher, 
auch wegen des Westfälischen Kreisdirectorii steht es noch in vorigen 
terminis. Sie haben in Privatdiscursen erklärt, Ef. würde, wenn seine 
Forderungen nicht erfüllt werden sollten, seine westfälischen Länder exi- 
mieren, ufn sie als souverain zu besitzen. Der Bischof von Münster 
ist zu Pfalz -Neu bürg, der seine Reise hierher aufgegeben hat, gereist, 
um ihn zu bestimmen, des directorium alternativnm wegen nicht länger zu 
difTicultieren , zugleich angeblich, weil der Pfalzgraf einen seiner Prinzen 
zum Hoch- und Teutschmeister befördert zu sehen wünscht. 

Vorigen Montag hatten Ges. Audienz beim Kaiser, condolierten dem- 
selben zum Tode des Erzherzogs Carl Joseph'), recommandierten den 



Prinzen Johann Moritz von Nassau vom 5. Februar giebt er letzteres sogar 
auf 365 z. Boss, 1946 z. Fuss an, s. Urk. u. Akt. V S. 99*2). Die kurmärkischeo 
Stände aber haben dagegen remonstriert und in ihrem Memorial vom 8./ld. März 
daraufhingewiesen, dass in.deh Beichsanschlägen und Matrikeln die Enrmark 
nur zu einer simplen Anlage von 60 z. Ross und 277 z. Fuss gefanden werde. 

^) Diese ganz ungefähre Berechnung war in der^Sitzung vom 19./29. Februar 
aufgestellt worden s. Gemeiner I S. 154. 

^ Erzherzog Carl Joseph, Bruder Kaiser Leopolds, Deutschordenshoch- 
meister, Bischof von Passau, Breslau und Olmütz war 16 Januar 1664 zu 
Linz gestorben s. Diar. Europ. XI S. 627. 



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VermHtelang der Streitigkeiten mit Pf. Nenburg. 231 

Herzog zu Brannscbweig^) und Landgrafen za Hessen^ za dem va- 
Gierenden Hoch- und Tcatscbmeister- , aacb Bisthümern, tbaten Apertnr') 
des französischen prorogierten foederis, übergaben die Artikel in extensa 
forma mit angebängten Contestationen und Versicherung beständiger Treue 
und baten um kaiserliche Resolution auf das Memorial wegen der Restitution 
von Jägerndorf und wegen Camins. Der Kaiser antwortete auf alle 
4 Punkte ordentlich, bedankte sich für die Condolenz und Apertur und 
that im übilgen allergnädigste Vertröstung. 



Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensburg 
11. /21. März 1664. 

[Münster und K.Mainz erbieten sich zur Vermittelang mit Pfalz-Neubarg. Mark- 
graf von Baden BeichsfeldmarBcbali. Der neue Kalender] 

Der Bischof von Münster hat, nachdem er von dem Besuche bei 21. März, 
dem Pfalzgrafen van Neuburg zurückgekommen, Jena, mitgetheilt, der 
Pfalzgraf habe sich, nachdem er ihm hart ^ugeredet^ bereit erklärt, gütlich 
zu tractieren, er selbst sei bereit, als Vermittler zu fungieren, und könnte 
zunächst nur punctus directorii et religionis abgehandelt werden, da dann 
Kf. noch einen Evangelischen zu adjungieren hätte, und kam dabei der 
Gesandte der Frau Landgräfin von Hessen-Cassel in Vorschlag. Auch 
E.Mainz hat sich abermals zur Interposition erboten und sich auch bereit 
erklärt, zunächst nur punctum directorii et religionis anzutreten, auch Frh. 
V. Boinebnrg hat seinen Wunsch zu erkennen gegeben, Kf. bei dieser 
Gelegenheit einen Signalen Dienst zu erweisen. 

In publicis ist man etliche Wochen garnicht fortgeschritten ^), auch die 
Bestellung der Geneiale hat sich verzögert, einige Stände wollen den 
Markgrafen von Baden nicht, doch ist es endlich im Kur- und Fürsten- 
rath zu Beschlüssen gekommen, aus denen aber noch nicht ein einheitlicher 
gemacht worden ist, doch ist der Markgraf von Baden zum Feldmarschall 
ernannt worden. Von Bestellung eines Reichsfeldhauptmanns ist vorläufig 
abstrahiert worden. 

Im kurfürstl. Collegio ist vorgekommen, ob nicht endlich der neue Ka- 



*} Johann Friedrich, Bruder der regierenden Herzoge Christian Lud- 
wig von Celle und Georg Wilhelm von Calenberg, der 1651 zur katho- 
lischen Kirche übergetreten war, s. Kocher I S. 358 ff. 

') Friedrich, jüngster Sohn des Landgrafen Ludwig V. von Hessen- 
Darm Stadt, seit 1636 zur katholischen Kirche übergetreten, seit 1638 General- 
prior des Malteserordens in Deutschland, seit 1655 Cardinal. Kf. hatte durch 
Kescript vom 13./23. Februar die Gesandten angewiesen, sich für beide beim Kaiser 
zu verwenden. 

^ 8. das Rescript des Kf. vom 16./26. Februar oben S. 224. 

*) 8. Gemeiner I S. 157 ff. 



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232 4. Der Anfang des Regensburger ReichBtajres. 

lender angenommen nnd ein Reiehskalender genannt werden könnte >); K. 
Sachsen hat sich daza bereit erklärt, man hofft es auch vom Kf., da seine 
preussischen und clevischen Länder and aach die meisten Nachbaren sich 
desselben bedienen. 

R. Mainz wünscht wie die übrigen Kurfürsten TOtum et sessionem im 
Fürstenrath, etwa wegen des Eichsfeldes oder Kheingaues. Die Re- 
novation der Erbyerbrüderung wird schwerlich bei E. Sachsens An- 
wesenheit, der in 14 Tagen von hier aufbrechen will, vorkommen, sie er- 
innern wegen dieser und anderer Sachen dessen Gesandten öfter. 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Cölnl5./25. März 1664. 

[AusDahmestelluDg der Alliierten. Die EriegsrathsdirectoreD. Monita zu der 

VerpflegUDgsordinanz.] 

25. März. — Befinden sonsten dem Reiche wenig vorträglich zu sein, dass 
zwischen denen Alliirten und andern Reichsständen gleichsam eine 
Division gemacht wird, und diese absonderlich und jene auch abson- 
derlich ihre Generalität setzen, selbige absonderlich unterhalten und 
keine gemeine causam machen wollen. Es scheint solches einer 
Trennung im Reiche nicht unähnlich, daraus leicht mehre Weiterung 
entstehen kBjüu, — Und wenn es noch dahin zu bringen, dass man 
der Alliirten Armee mit der andern Stände in ein Corpus brächte, 
und nicht diese des Heichs und jene der Alliirten, sondern beide 
zusammen die Reichsarmee nennete, so wurde dadurch vielen besor- 
genden Confusionen vorgebauet werden. Es scheinet aber, dass es 
damit schon zu späte und dass man also uff ander Media, Uneinig- 
keit zu verhüten, wenn die Noth die Conjunction erfodern sollte, wird 
bedacht sein müssen, so doch daruff beruhen wird, dass man gewisse 
Regeln setze, welcher Feldmarschalk das oberste Commendo und den 
Vorzug haben und wie die andern Generals von beiden Corporibus 
und die Regimenter einander folgen sollen. 

Ef. kann nicht einsehen, weshalb zwei Reichsfürsten zu Direktoren des 
Eriegsraths genommen werden, sie dürfen keine andere Gewalt als die 
anderen Eriegsräthe, nur den Yorsftz haben. 

Monita zu dem Entwarf der VerpflegangsordinauZi namentlich meint Ef., 
da die Reichsarmee oft neben und mit der kaiserlichen agieren würde, so würde 
es am passendsten sein, diese Verpflegnug nach der kaiserlichen einzurichten. 



S. das kaiserliche Decret vom 4. April 1664 (Londorp IX S. 250. Pach- 
ner V. Eggenstorff I S. 80). 



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VerhaltoD der Alliiorten. VersammlaDg der Westfälischeo Kreisatände. . 233 

Die Gesandten an den Kurfürsten, D. Regensburg 
18./ 28. März 1664. 

[Herzog Angast von Holstein. Versammlang der Westfälischen Kreisständo. 
Erbverbrüderung. Neue vota.] 

Wegen des Herzogs Augast von Holstein, den Ges. aaf Befehl 28. März, 
des Kf. zum Generalmajor bei der Reicbsarmee vorgeschlagen, ist be- 
schlossen^), dass er dazn angenommen sein solle, wenn die kurfürstlichen 
Truppen zum Kreiscorps stiessen. 

Der Bischof von Münster hat die Westfälischen Kreisstände, 
welche nicht der Rheinischen Allianz angehören, der Türkeuhülfe halber 
zu sich geladen; Jena, obwohl nicht eingeladen, hat sich auch dorthin 
begeben und hat seine Stelle zur Rechten des Bischofs von Münster einge- 
nommen, doch wurde dort ohne Ordnung geredet, einige ersuchten Jena, 
Kf. möchte doch (wie Münster, Pfalz- Neuburg, Paderborn und 
Osnabrück sich erboten) ausser dem triplo noch das simplum cum di- 
midio bewilligen, er erklärte darauf, wenn seinen desideriis a circulo ein 
Genügen geschehen, möchte er wohl sub rato was thun. Wegen der Erb- 
verbrüderung hat bei K.Sachsens Anwesenheit nichts vorgenommen werden 
können, da dieser durch Tisiteu, Gastereien u. s. w. an diesem und der- 
gleichen mehr verhindert worden. Er will in 8 bis 10 Tagen abreisen und 
dann bald Kf. besuchen. Pfalz-Sulzbach sucht Session im Fürstenrath, 
dasselbe soll auch K. Baiern für die Oberpfalz, Münster für Strom- 
berg und andere, etwa 12, beabsichtigen. Da im Fürstenrath schon über 
90 vota sind', so wäre besser auf Mittel zu denken, dieselben zu vermiudera 
als zu vermehren. 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Cöln 
23. März/ [2. April] 1664. 

[auf die Relation vom 11/21. März. Die Streitigkeiten mit Pfalz Neuburg. Ein 

einheitlicher Kalender] 

Kf. hat gern vernommen, dass K.Mainz und Münster sich zur Ver- 2. April, 
mittelung mit Pfalz -Neu bürg erboten haben. Wegen des directorii aber 
ist ein richtiger Vergleich vorhanden, und kann Kf. nicht zugemuthet werden, 
sich desselben zu begeben und in neue Traktaten einzulassen. Ges. sollen 
dieses K.Mainz und Münster remonstrieren und sie ersuchen, dem Pfalz- 
grafen zuzureden, diesem Vergleich, wie Kf. erbietig sei, nachzuleben. Die Re- 
ligionssache aber hängt von gewissen vom Kaiser dazu verordneten Kommis- 



S. das ConcluBum d. 26./ 16. März 1664 (Di ar. Euro p. XI S. 124fif. Lon- 
dorp IX S. 247. Pachner v. Bggenstorff I S. 77 f). 



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234 Der Anfang des Regeosbarger Reichstages. 

sarieni) ab, welche wieder ihre Subdelegierten verordnet haben (aaf des Kf. 
Seite sind es: Herzog Aogost von BrauDschweig-WoIfeabü ttel, 
Fürst Friedrich von Anhalt und der neulich verstorbene Für.<t von Nas- 
sau-Dillenbnrg), bei denselben ist die Sache instruiert und sie haben 
alle Acta nnd Informatioues in Händen, daher zweifelt Kf., ob die Sache 
von ihnen avociert werden und er sich in andere Traktaten einlassen könne. 
Da ihm aber lieb sein würde, dass dieser Streit ehest abgethan werden 
möchte, so sollen Ges. mit den betreffenden Gesandten reden, ob sie hierauf 
von ihren Herren mit instruiert seien, dann könnte er wohl geschehen las- 
sen, dass es dort zu gelegener Zeit vorgenommen werde und K.Mainz 
und Münster sich zugleich mit interponierten. 

Wegen des Feldhauptmanns, Feldmarscballs und der Instruktion für den 
Reichskriegsrath willKf. sich den Majoritätsbeschlüssen conformieren. Er 
ist auch einverstanden damit, dass durchgehende einerlei Kalender einge- 
führt und dazu der neue gebraucht werde, doch soll es nicht das Ansehen 
haben, als wenn es in Respect des Papstes geschehe. Ges. sollen darüber 
mit anderen evangelischen Ständen conferieren. 



Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Regensburg 
25. März/4. April 1664. 

[Der Reichskriegsrath. Schwedische Belehnung. VerwendaDgBSchreiben des 
KurfurateucoUegs wegoo Jägerndorf.] 

4. April. Im Fürstenrath war vorigen Freitag beschlossen worden, dass kein 

eigener Kriegsrath gebildet werden solle, am Mittwoch aber ist das Gegen- 
theil beschlossen worden und haben sich auch die meisten Alliierten erklärt, 
zu demselben beitragen zu wollen, damit das Kreis- und der Alliierten Cor- 
pus hierdurch zusammengehalten würden^). 

Die Kreisvölker sollen den 14./24. April zu Ungarisch Altenburg 
auf dem Rendezvous sein, es ist aber dazu noch wenig Apparenz; ehe man 
hier alles, wie es sein soll, einrichtet, dürfte der Sommer meistentheils 
vergehen. 

Den Schweden ist die formula investiturae zugestellt worden, dazu sie 
ihre monita gethan, und soll, wenn sie es begehren, der Stettinische Ver- 
gleich dem Lehnsbrief eingerückt werden. Ges. fragen an, ob sie eine Copie 
des Lebnsbriefs begehren oder aber es so geschehen lassen sollen'). 

DieselUen waren 1651 bei Gelegenheit des Vergleichs zwischen dem Ef. 
und dem Pfalzgrafen eingesetzt worden s. diesen Vergleich vom 11. October 1651 
(Londorp VI S. 632). 

^ S. Gemeiner I S. 164 f. 

3) Kf. (d. Colu 5./15. April 1664) erklärt sich damit einverstanden, dass der 
Stettinische Recess dem schwedischen Lehnsbrief wörtlich inseriert werde, beauf- 
tragt aber die Gesandten, eine Abschrift des letzteren vor seiner Ausfertigung 
zu verlangen und ihm einzuschicken. * 



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Reichsgeceralität und Kriegsratb. JägerDdorfer Sache. 235 

Wegeu der Restitution von Jägerndorf haben sie das von dem Knr- 
fürstencolleg dem Kaiser einzureichende Memorial selbst abgefasst und dem 
Freih. v. Boineburg zugestellt, heute soll dasselbe im Kurfürstencolleg 
vorgelesen und eingerichtet werden. 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Cölu 
• 29. März/[8. April] 1664. 

[auf die Relation 7om 18./28. März. Ef. will zur Bezahlung der Reichsgenerali- 
tät nicht beitragen.] 

Kf. will sich die Beschlüsse wegeu der Generalität, deren Bezahlung 8. April. 
und was demselben anhängig, wohl gefallen lassen, weil seine Völker schon 
bei der kaiserlichen Armee sind und schwerlich zu dem Reichscorpus kom- 
men werden; er erwartet daher, und Ges. sollen dahin wirken, dass man 
ihn mit dem Zutrag zum Unterhalt der Generalität, Anschaffung des Pro- 
viants und was hiervon dependieret, verschone, zumal da er über die 
Yolkshülfe dem Kaiser auch ein ansehnliches an Munition (200 Gentner 
Pulver) zugeschickt hat. 



Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Regensburg 
31. März/ 10. April 1664.* 

[Kommiseion wegen der Jülicb-Cleveschen Religionssache. Reichskriegsrath.] 

Wegeu der Kommissarien in betreff der Religionsangelegenheit in den 10- April. 
Jülich-Clevescben Landen haben sie durch den Residenten Neu mann 
Erkundigungen eingezogen. An Steile des Fürsten von Nassau-Dilien- 
burg ist dessen Sohn eingesetzt worden, hat aber dawider excipiert; der 
Wolfenbütte Ische Gesandte hat erklärt^ dass er mit Vollmacht versehen 
sei, das gesamte fürstl. Anhaltische Haus hat das votum dem Sachsen- 
Gothaischen Gesandten aufgetragen, welchem von dieser Sache nichts 
bewusst ist, und mit Nassau-Dillenburg ist es noch nicht richtig, 
Jena führt dieses Votum, Pfalz-NeubuTg wird aber vermuthiich gegen 
ihn excipieren lassen. Ges. glauben, dass hier in dieser Sache schwerlich 
etwas Fruchtbares wird verrichtet werden können^), zumal ingemein da- 
für gehalten wird, dass gegenwärtiger Reichstag sich in kurzem endigen 
dürfte. 

Wegen des Kriegsraths haben, da auch die Alliierten an demselben 
Theil haben wollen, das kurf.- und fürstliche Collegium die Einsetzung. 

1) Auch Kf. (d. Coln 12./22. April 1664) erklärt auf Grund dieses Berichtes, 
die Kommission werde sich dort bei dem Reichstage nicht füglich expedieren 
laeBen, 



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236 4- ^cr Aofang des RegenRburger Reichstages. 

von vier Kriegsrätheo beschlossen*), die Reichsstädte wollen auch zwei 
dazu ordnen, worüber man aber noch nicht einig ist. Ueber die Befugnisse 
der Reichskriegsraths-Directoren wird etwas concipiert werden. 

Das von den Ges, entworfene Empfehlungsschreiben des Kurfürsten- 
collegiums in der Jägerndorfer Sache ist im Colleginra angenommen 
und wird von K.Mainz dem Kaiser insinuiert werden. Ges. bekommen 
auch nunmehr etwas bessere Hoffnnng dieser Sache wegen als zuvor, in- 
dem sie vernommen, man solle an Seiten des Kaisers entschlossen sein, 
deswegen mit ihnen in Conferenz zu treten. 

Ges. übersenden den im Kurfürstencolleg angenommenen Entwurf einer 
constnntis capitulationis, der jetzt den Fürtten übergeben ist. 

K.Mainz prätendiert votum et sessionem im Fürstenrath für Lorsch, 
auch Fürst Porti a fängt an dergleichen zu suchen^). 



Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensburg 8./ 18. April 1664. 

[Beibülfe zur Artillerie. Zusammenkunft der Evangelischen. J 

18. April. Im kurf. Collegio haben sich dieser Tage alle, ausgenommen sie und 
die K.pfälzische Gesandtschaft, erboten, dem Kaiser wegen der Artillerie 
8 Römermonate zu zahlen^). 

Die gesamten Evangelischen Fürstlichen hielten unter Vorsitz von 
Magdeburg eine Zusammenkunft und beriethen über 6 Punkte: 

1) Religionsfreiheit für die seh lesischen ünterthancn. 

2) Monita wegen der Reichshofrathsordnung. 

3) Visitierung des Reichshofraths durch K.Mainz allein. 

4) wegen der Sache des Herzogs Christian von Mecklenburg*) und 
der ihm angeblich vom Kaiser ertheilteu Dispensation. 

5) was bei der Erfurter Achtsache zu thun. 

6) wegen Klagen evangelischer Unterthanen im Stift Bamberg. 
£s wurde beschlossen^): 

ad 1. Wegen der evangelischen kaiserlichen Erbunterthanen solle 
K.Sachsen durch eine Deputation aufgefordert werden, persönlich dem 



^) CoDclusum vom 30. März/9. April 1664 (Londorp IX S. 251. Pachner 
V. Eggenstorff IS. 82). Die InstriiktioD für den Reichskriegsrath vom 17./27. März 
Londorp IX S. 244 ff. 

^ 8. die betreffenden kaiserlichen Decrete vom 31. und 27. März 1664. 
Pachner v. Eggenstorff I S. 79. 85. 

^) S. Gemeiner I S. 173. 

*} S. ürk. u. Akt. IX S. 646. 

') S. diese Bescbiüsse (d. Regensburg 28. März (?), dict. 4./ 14. Mai 1G64) 
bidi V. Scbaurotby Vollständige Sammlung aller Conclusorum, Schreiben und an- 
dt^rer übrigen Verhacdiungen des bochpreisslichen Corporis Evangelicorom I. 
S. Öl8. 



L 



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ZaBammenkaoft der EvaDgeliecheo. 237 

Kaiser zuzureden, dass dasjenige erbalten werde, was dem Instr. pacis 
gemäss sei^). 

ad 2 und 3. Die Reiehsbofrathsordnong sei durcbzugeben, die nöthigen 
monita zu verfassen und bernach eines gewissen zu yergleicben und zu be- 
obachten, dass solcbe Ordnung zu wirklieber Observanz komme. Inzwiscben 
solle K.Mainz ersuebt werden, mit der beabsiebtigten Visitation einzubalten. 

ad 4. Wegen des Herzogs C brist ian von M ekle nburg solle durch 
die Deputierten mit K. Sachsen vertraulich communiciert werden, dass den 
Evangelischen dadurch nichts beschwerliches zustehen, sondern das ausge- 
wirkte kaiserliche Decret wieder cassiert werden möchte^, hernach solle 
auch mit dem französischen Gesandten Gravel daraus geredet werden. 

ad 5. An die Stadt Erfurt wolle man ein bewegliches Schreiben 
abgehen lassen, um sie zur Parition zu ermahnen, worin aber der wider sie 
gebrauchte Process nicht zu billigen. 

ad 6. Wegen der evangelischen Unterthanen im Stift Bamberg 
könne die von ihnen verlangte Kommission nrgiert werden. 

K.Sacbsen ist gestern, der Bischof von Münster vor eHugen Tagen 
abgereist, Feldm. Sparr gebt beute zu Wasser nach Wien. 



Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensburg 
15./25. April 1664. 

[unterhalt der Reichsgeneralitat. KaiBerliche Bestätigaog des Testamentes 

des Kf.] 

Ges. haben im Fürstenrath umständlich vorgestellt, warum Ef. seine 25. April. 
Truppen zu der kaiserlichen Armee hat stossen lassen, und dass ihm daher 
nicht zngemuthet werden könne, zu Unterhaltung der Kreis-Generalität, 
Anschaffung des Proviants und dergl. etwas zu contribuieren. Die Kreis- 
stände sehen ein, dass ihnen der Unterhalt der Generalität und vieler an- 
derer Dinge sehr schwer fallen dürfte, aus welchen Ursachen und Unge- 
wissbeiten das ganze Werk stecken bleibt. 

Die vom Kf. über seine inter serenissimos filios aufgerichtete Dispo- 
sition ') begehrte Confirmatiou durch den Kaiser wird in wenigen Tagen, 
wie ihnen zugesagt worden, ausgestellt werden. 



^) S. (las deswegen an den Kaiser gerichtete Schreiben der Evangelischen 
Staude, d. Begensburg 13. April 1664, v. Schanroth II S. 19. 

') S. das Schreiben derselben von demselben Datum, v. Schaaroth II 
S. 172. 

>) Das Testament des Kf. vom 23. März 1664, die kaiserliche Bestätigang 
ist vom 29. April 1664 datirt, s. Droysen, Das Testament des Grossen Kur- 
fürsten S. 9 (Gesch. der Pr. Pol. IV 4 S. 133). 



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238 I^or AnfaDg des BegeDsburger Beicbstages. 

Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensburg 
22. April/2. Mai 1664. 

[HiDziehuDg der Jägerndorfer Sache. Die schwedische Belehonng.] 

2. Mai. Iq der Jägerndorfschen Sache geschieht trotz aller ihrer Bemühuo 

gen nichts, es ist den kaiserlichen Ministern damit kein Ernst and sie 
suchen nur diese Sache anfznschieben. Die Schwedischen Gesandten 
haben ihnen eine Abschrift des Lehnbriefs mitgethcilt, die Investitur selbst 
soll anf heute angesetzt sein. 

In den Collegien ist bisher yornehmlich von Unterhalt der Generalität, 
Besetzung des Generalstabs und der Eriegskanzlei verhandelt worden*). 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Cöln 
26. April/[6. Mai] 1664. 

[Beilegung der Erfurter Sache.] 

6. Mai. Der Rath von Erfurt hat in einem Schreiben^ um seine Cooperation 

gebeten, damit die Stadt wieder aus der Acht erledigt werde. Ges. sollen, 

.wenn diese Sache vorkommen sollte, sich derselben annehmen und dahin 

wirken, dass sie gütlich beigelegt werde, insonderheit aber dabei in Acht 

nehmen, dass K.Mainz dadurch nicht disgustiert werde. 



Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Regensburg 
29. April / 9. Mai 1664. 

[Eioführang Portias. Die neuen vota. Besolatioo wegen Jägerndorfs. Schwe- 
dische BelehnuDg.] 1 

9. Mai. Fürst Portia hat die begehrte Session erlangt') und ist vom Erz^ 

bischof von' Salzburg in den Fürstenrath eingeführt worden; es werden 
so viel neue vota gesucht^), dass man sich nicht wohl darin schicken kann, 
und es dürfte aus Inclination, Freundschaft, gegenwärtigem oder künftigem 
Interesse fast allen gefügt werden, ob zwar viel nützlicher wäre, die vota 
zu verringern und zu contrahieren. Wenn noch mehrere recipiert werden 

1) S. Gemeiner I S. 176ff. 

>) d. 14./24. April 1664 s. unten Abschn. 6. 

^ S. Gemeiner I S. 162. ^ 

*) Vgl. die Relation vom 18./28. März oben S. 233. Die kaiserlichen Decrete 
betreffend die Admission von E.Cöln und Herzog Jalius Heinrich von 
Lanenburg für Engern und Westfalen (d. 25. April) und von Münster für 
Stromberg (d. 2. Juli 1653, dict. Regensburg 5. Mai 1664) bei Pachner v.Eggen-: 
Btorff I S. 90. 92. 



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Kaiserliche Resolation wegen Jagerndorf. 239 

sollten, erkläreo etliche Häuser, sich garnicht mehr dnrcb majora binäeQ 
lassen za wollen. 

InderJägerndorfschen Sache haben sie endlich beifolgende kaiserliche 
Resolntion *) erhalten, darinnen nurten die vor diesem gebotene Summe, 
von welcher man anfänglich alhier nichts wissen wollte, agnosciret 
und confirmiret wird. Wir haben zwar ein mehreres gewünscht und 
die Restitution des Landes prätendiret, weil aber keine andere Re- 
solution zu erhalten gewesen, haben wir diese uns zugeschickte — 
angenommen, und stunden gar nach so langem Verzug in Furcht, man 
werde uns ohne alle Antwort lassen. 

Am 25. haben die Schwedischen Gesandten die Reichsbelehnnng 
empfangen^), am folgenden Dienstag Dänemark die über Holstein. 

Der Kaiser ist gestern nach Linz abgereist^). K.Mainz wird anch in 
3 — 4 Tagen abreisen. 



*) d. Ratisbonae 6. lAaii 1664: »Der Rom. Key. auch zu HangarD and Bo- 
bemb Kooigl. Majestät, unserm allergDädigsten Herrn ist ausführlich vorgetragen 
worden, was bei deroselben H. Conrad Aschen von Mahrenholtz und H. 
Gottfried von Jena auf gnädigsten Befehl Ihrer Churf. Durchl. zu Branden- 
burg wegen des Fürstenlhumbs Jagerndorff angebracht, seiot auch böchstbesagter 
Ihrer Key. und Königl. Maj. die vielfältig und hocherspriessüche Dienste, welche 
dero hochlöbl. Ertzhaus Ihre Churf. Durchl. und dero hochgeehrte Vorfahren 
ganz rühm- und annehmlich geleistet und noch weiters zu leisten vermögen, wohl 
bekannt, welche ansehnliche merita, gleich wie Ihre Key. und Konigl. Maj. zu 
dero danknehmigen Gemäth ziehen und hoch estimiren, also hätten Sie auch wün- 
schen mögen, Selbe mit der hiebevor vertrösteten Erkantnuss der einroalhundert 
und achtzigtausend Reichsthaler zu begegnen und Ihro Durchl. mit der Bezah- 
lung an die Hand zu gehen. Es ist aber Ihro Durchl. selbst wohl bekannt und 
menniglich vor Augen, in was kummerhaften Zustand Sie sich leider der Zeit 
befinden und nit allein dero Cammergefäil aufs höchste erschöpfet, sondern auch 
seithero des Welitzkischen Salzes Mittel Ihro entfallen und dergestalt wider 
Ihren Willen und Zuversicht dasjenige zu prästiren nicht vermögen, wessen Sie 
sich hiebevor gegen Ihre Durchl. vernehmen lassen. Haben derohalben zu 
Deroselben das gnädig freundoheimliche Vertrauen, Sie diese so beschwerliche 
Zeit selbst erwägen und in dessen Ansehung in gutwilliger Geduld stehen wer- 
den, mit dieser Versicherung, dass sobald Sie die hierzu erforderte Mittel haben 
wurden, Sie die hievorige willfahrige Erklärung berührter Summen Bezahlung 
ins Werk setzen und sich dergestalt bezeigen wollten, dass Ihro Durchl. Ihrer 

Key. Maj. Affection und dankbares Gemüth in der That verspüren sollen. ** 

In seinem Schreiben an den Kf. (d. Regensburg 7. Mai 1664) bezieht sich der 
Kaiser auf diese Resolution und ersucht Kf.*. „bei jetzigen kummerhaften Zu- 
stand sich hierinuen von Selbsten finden und wegen Werkstelligmachung unserer 
hievorigen willfahrigen gnädigsten Erklärung noch in etwas in Geduld stehen*' 
zu wollen. 

«) S. oben Abschn. 3 S. 102. 

^ S. Diar. Europ. XI S. 226. 



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240 4- ^^^ Anfang des Regensbarger Reichstages. 

Der Kanzlist Preasse geht heute mit der vom Kaiser confirmierten 
Disposition^) nach Berlin zurück. 



Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensburg 5./15. Mai 1664. 

[Verhandlangen des Earfürsten von Mainz and des schwedischen Gesandten mit 

Pfalz-Nenbarg ] 

15/ Mai. Zu Pfalz Neu bürg, welcher sieb, um den Kaiser zu Straubing auf- 
zusuchen, in der Nähe in einem Kloster aufgehalten hat, sind K.Mainz 
und der schwedische Gesandte Schnolski gefahren und haben mit dem- 
selben, wie sie den Ges. mitgetheilt, wegen des Jülichschen Religions- 
streits und des Westfälischen Kreisdirectoriums geredet; der Pfalzgraf 
hat erklärt, er sei an dem Vorgegangenen nicht Ursache^ ein Beamter') 
hätte über Befehl gehandelt, sei auch dafür bestraft und des Dienstes entr 
setzt. £r wäre geneigt , das Religionswesen auf ein gewisses und bestän- 
diges kommen zu lassen, und würde das Directoriutn nicht eher yerwilligen. 
K.Mai DZ bittet, Kf. möchte es nur noch jetzt in statu quo auf ein Interim 
lassen und nicht ferner zu einer oder anderen Execution schreiten, damit 
die Sache dadurch nicht schwerer würde; auch die Pfalz-Neuburgischen, 
mit denen sie wegen der Sache geredet, und der Schwedische raten, 
alles vorläufig in dem jetzigen Zustande zu lassen, bis entweder die Inter- 
position oder die Kommission zum Ende gelange. 



Der Kurfürst an die Gesandten. D, Cöln 
11./21. Mai 1664 

[aaf die Relation vom 29. April/9. Mai. Die neuen vota. Beitrag zu dem Unter- 
halt der Generalität and der Artillerie. Die kaiserliche Resolotion in der Jägern- 

dorfer Sache.] 

21. Mai. Wegen der gesuchten neuen vota (ausgenommen Querfurt) sollen 
Ges. auf die Inconvenientien, welche aus Multiplication derselben entstehen, 
und wie durch dieselben dem Reich so garkein Nutzen zuwachsen würde, hin- 
weisen. Wenn anderen neue Sessiones zugestanden würden, so behalte sich 
anch Kf. vor, dergleichen wegen der Neu mark, der Stifter Brandenburg 
Havelberg undLebus und der Grafschaften Ruppin und Vierraden 
zu suchen. 

Was andere Kur- und Fürsten zu den Unterhalt des Kriegsrats 
und der Artollerie verwilligen, lassen wir dahin gestellet sein, Ihr 

1) S. oben S. 237. 

^ Rautenstein. S. oben S. 214. 217. 219. 



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Die Denen vota, die Erfurter nnd Bremer Sache. ' 241 

aber habt Euch dazu nicht zu erklären, sondern uns die freie Hand, 
ob wir dazu etwas geben wollen oder nicht, vorzubehalten. 

Mit der Keyserl. Resolution wegeii Jägerndorff können wir nicht 
zufrieden sein, ^eil aber nach Abreise Ih. K. M. bei gegenwärtigem 
Reichstage dabei schwerlich ein mehreres wird können gethan werden, 
als werden wir die Notturft desshalb sonst beobachten lassen. — 



Die Gesandten an den Kurfttrsten. D. Regensburg 
20./30. Mai 1664. 

(Die Denen vota. Die Erfnrter Sache. Beschwerden Bremens aber die Schwe- 
dische Regiernng.] 

Durch ihre and der meisten anderen Weltlichen Bemübangen ist es 80. Mai. 
dahin gebracht worden^ dass die neuen prätendierten sessiones et vota, aas- 
genommen Qnerfurty Salzbach und Lorsch^ verschoben worden sind, 
sie haben es aber nicht verhindern können, dass aach C ammin, obwohl es 
sich bei demselben nur um den ihb za assignierenden Ort handelt, den 
übrigen gleichgestellt worden ist. 

Za Anschaffang and ' Unterhaitong der Aitillerie ist wegen des Kf. 
nichts verwilligr, sondern die Sache von ihnen so beobachtet worden, dass 
als diejenigen Stände, welche hiezu contribuieren , specificiert worden, Kf 
darnnter nicht befindlich gewesen. 

Von der Stadt Erfurt Acht ist es eine Zeit lang ganz still gewesen, 
man hört von keiner Handlang, welche hier vorgenommen werden sollte, 
auch von dem, was zwischen E.Mainz and K.Sachsen hier deswegen ab- 
geredet sein mag, ist keine weitere Nachricht, als dass K.Sachsen den zu 
ihm namens der evangelischen Stände abgeschickten Depntierten versichert 
hat, dass von K.Mainz der Religion in der Stadt kein Nachtheil zugezo- 
gen werden würde, dass aber ein Reichsstand sein Recht prosequiere, 
könne mau demselben nicht verdenken. 

Die Fürstlichen haben jetzt die vom kurfürstlichen Collegio projec- 
tierte beständige Capitulation unter Händen und stellen in Aassicht, dass 
sie bald mit ihren monitis dazu fertig sein wurden. 

Die Stadt Bremen^) beschwert sich beim Kaiser über die Schwe- 
dische Regierung, dass diese der Stadt Gefälle in den unter schwedischer 
Territorialhoheit stehenden Dorfschaften arrestiert, weil sie ihr Contingent 
an der Contribution nicht zu der Landkasse geliefert; ferner darüber, dass 
sie trotz zweier kaiserlicher Decrete nicht im Niedersächsischen Kreise ad 



*) S. Dnntse,- Qesch. der freien Stadt Bremen IV S. 138. 146 und unten 
den Abscbo. über die Bremischen Handel. 

Mater, z. Gescb. d. G. Karfursten. ZI. IG 



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242 ^- Der Anfang des Regeusbarger Reichstages. 

Yotum et' Sessionen) zugelassen worden, der Kaiser will wieder in dieser 
Sache ein Gutachten der Kurfürsten^) fordern. 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Cöln 
7./ [17.] Juni 1664. 

[Beförderung der Tärkenhulfe. Wegen Beilegung der Streitigkeiten mit Pfalz-Neu- 
burg erwartet Ef. Vorschläge.) 

17. Juni. Da man mit den Berathungen über die Reichsdefension gegen die 
Türken noch immer nicht zu Ende gekommen ist, sollen Ges. sich der Be- 
förderung der Sache annehmen, wobei dann das Absehen nicht blos auf 
dieses Jahr, sondern auch, weil leider der Frieden mit den Türken in so 
kurzer Zeit nicht zu hoffen, auch darauf zu richten sein wird, wie es ins- 
künftige und zwar so lange der Krieg währet zu continuieren, und dass 
man auch von Zeit zu Zeit recrutiere. 

'In der Westfälischen Directions* und J ül Ichs che n Religionssache 
sieht er nicht, so lange keine Vorschläge geschehen, wie er ihnen weitere 
Information oder Vollmacht geben könne, doch hat er an seinen C le- 
vis eben Statthalter und Regierung geschrieben und ihr Gutachten, wie 
aus der Sache zu kommen und was für Mittel und Vorschläge sich dazu 
finden möchten, gefordert, unterdessen sollen Ges. denen, welche sich 
zur Interposition erbieten, dafür Dank sagen und sie bitten, ihre Vorschläge 
zu eröffnen. 



Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Regensburg 
10./ 20- Juni 1664. 

20. Juni. Es wird jetzt über die Instruktion des Reichsfeldmarschalls, des Reichs- 
kriegsraths und der Directoren desselben berathschlagt '), dann soll darüber 
verhandelt werden, wie lange diese Reichshülfe dem Kaiser zu leisten sei ^). 



lieber das frühere Gutachten der Kurfürsten in dieser Bremischen An- 
gelegenheit 8. oben Abschn. 1 S. 33 f. und 55. 

^ S. Oemeiner I S. 19ü. Die Instruktion für die Reichskriegsrathsdirek- 
toren d. 22. Juni 1664 Londorp IX 8. 264. Pachner v. Eggonstorff I 
S. 111 ff. 

*) Ef. erneuert in Bezug darauf (d. Cöln 21. Juni/1. Juli 1664) seine In- 
struktion vom 7./17. Juni, dass wegen der Dauer der Hälfe keine bestimmte Zeit 
festzusetzen, sondern dieselbe, so lange der Krieg dauere, zu leisten und von 
Zeit zu Zeit, namentlich im nächsten Herbst, zu ergänzen sei. 



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Bevorstehende Auflösung des Reichstages. Wahlcapitulation. 243 

Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Regensburg 
24 Juni /4. Juli 1664. 

[ Wahlcapitulation.] 

Die Gapitolation ist von den weltlichen Fürstlichen wieder dnrcbge- 4. Juli, 
gangen und nach ihrer Meinung eingerichtet und darauf den geistlichen 
übergeben worden, um deren Willen ebenso zu vernehmen. Dieselben wer- 
den hente dazu zusammenkommen und haben auch Ges., die als Isurfürst- 
liehe von den Weltlichen nicht gerufen worden waren, eingeladen; einer von 
ihnen wird sich auch dort einfinden. Das jus adcapitulandi, welches das 
kurfürstliche CoUeg sich reserviert, ist in dem von den Weltlichen ge- 
machten Aufsatz g^anz ausgelassen worden. 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Cöln a. d. Spree 
5./15. Juli 1664. 

[Angebliche Absicht, den Reichstag aufzulösen.] 

Er theilt ihnen mit, was K.Pfalz an ihn wegen Aufhebung des Reichs- 16. Juli, 
tages und dass derselbe in einen Deputatioustag möge verändert werden 
gebracht, sowie seine Antwort darauf und ein darauf bezügliches Schreiben 
an K.Sachsen ^). Sollte etwas wegen Dissolntion des Reichstages vor- 
kommen, so sollen sie sich nach seiner dort ausgesprochenen Meinung richten. 



G. V. Jena') an den Kurfürsten. D. Regensburg 
15./ 25. Juli 1664. 

(auf das Rescript vom 5./15. Juli. Berathungen der Geistlichen über die Wahl* 

capitulation.] 

Es soll daftkin getrachtet werden, dass die etwa • beabsichtigte Disso- 25. Juli. 
Intion des Reichstages verhütet bleibe, oder aber, wenn ein Deputationstag 
beliebt würde, solcher ohne alle Trennung angetreten, auch die Reise der Ge- 
sandten von hier auf Nürnberg oder Augsburg unerwartet eines neuen 
Ansschreibens gerichtet und die Handlungen daselbst fortgesetzt werden. 

Die Instrulstionen für den Reichslsriegsrath, den Feldmarschall und die 
General- Commissarien sind jetzt fertig'); inzwischen haben die Verhand- 
lungen über die Capitulation von selten der geistlichen und einiger welt- 
lichen Stände, welche von den Weltlichen vorher ausgeschlossen waren, 
begonnen. 

') Diese Schreiben liegen den Akten nicht bei. 
*) V. Mahrenholtz war wieder nach Halberstadt verreist. 
') S. über diese langwierfgen Verbandlungen Gemeiner I S. 205 ff. 

16* 



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244 * 4. Der Anfang des Regensburger Reichstages. 

. Man hat auch dort das von den Kurfürstlichen abgefasste Project zu 
Grunde gelegt, gleich über das Prooemium aber waren die Meinungen sehr 
verschieden, schliesslich hat die Majorität sich für die Fassung: ,,So ist ein- 
mal ein Project derselben vom Churf. Collegio abgefasst, in allen dreien 
Käthen für Hand genommen, berathschlaget und endlich erdeutete CapitA- 
lation erkläret worden, wie folgt,^ entschieden. 

Wegen Rekrutierung der Reichsarmee ist einmüthig beschlossen wor- 
den^), dass alle Stände deq Abgang ihres Contingents an Mannschaft 
spätestens bis Mitte September aus eigenen Mitteln zu recrutieren schuldig: 
sein sollen. 



Derselbe an den Kurfürsten. D. Regensburg 
22. Juli / 1. August 1664. 

[Oesuch des Kaisers um Beihülfe zur Artillerie. YerhandlaDgeD der Geistlichen 
über die Wahlcapitulatioo.] 

l.Aug. Nachdem es mit den Instruktionen und Rekruten seine Richtigkeit er- 

langt, ist materia assistentiae fast gänzlich abgethan. Doch lässt der Kai- 
ser nun wieder um etliche Römermonate zu Anschaffung und Einrichtung ei- 
ner nöthigen Artillerie anhalten '). Die Alliierten wollen sich hierin gänzlich 
eximieren, weil sie deswegen mit dem Kaiser einen besonderen Vertrag 
gemacht, auch manche andere Stände zeigen wenig Neigung, dazu zu con- 
tribuieren; Ges. wollen nach ihrer Instruktion dahin arbeiten, dass dem 
Kaiser zu diesem hochnöthigen Dinge ein Zuschub geschehe. Bei den 
weiteren Verhandlungen wegen der Capitulation hat namentlich der Passus 
wegen der Wahl eines römischen Königs bei Lebzeiten eines Kaisers grosse 
Schwierigkeiten gemacht, die Majorität der Geistlichen hat beschlossen, 
diese Frage vorläufig auszustellen. Diese Verhandlungen zeigen, dass die 
meisten Fürsten entweder das Recht des kurfürstL Collegii zu schmälern 
oder das, was ihnen zu gute in der entworfenen Capitulation enthalten, auf 
Rechnung zu nehmen und nach und nach mehr an sich zu z|jehen gedenken. 



Derselbe an den Kurfürsten. D. Eegensburg 
29. Juli/ 8. August 1664. 

[Qesuch Erfurts. Glückliche Kämpfe bei Parkan und au der Raab.] 

8. Aag. Wegen der Stadt Erfurt hat sich einer bei ihnen angemeldet und 

das instrumentum paritionis und ein. Memorial übergeben, worin der Rath 
die Gesandten ersucht, nachdem nun die Einführung der Gebetsformel 
erfolgt sei, sich zu Gunsten der Stadt zu verwenden und auch bei Ef. ihre 

Dict. 23./13..Juli 1664. Pachner v. Egg^nstorff I S. 125. 
2) S. Gemeiner I S. 218 ff. 



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WahlcapitalatioD. Glückliche Kämpfe gegen die Tarken. 245 

Sache za recommendiereo. Er hat geantwortet, Kf. hätte sich deswegen 
schon beim Kaiser verwendet und hätte aach der Gesandtschaft dem ent- 
sprechende Befehle 1) ertheilt. 

PS. Der Erzbischof von Salzburg hat ihm gestern Abend noch 
spät eben eingetrofifene Briefe des Kaisers mitgetheilt, welche melden, dass 
General de Souches Barchan erobert und die Donaabrücke bei Gran 
zerstört'), und dass die conjungierte Armee die Türken, welche mit ganzer 
Macht die Raab haben passieren wollen, nach langem Gefecht^) glücklich 
zurückgetrieben und einige Tausend erschlagen habe. 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Cöln 2./ 12. Augast 1664 

[BewilliguDg der Beibülfe zur Artillerie. Wahrung der Rechte der Kurfürsten.] 

Kf. befindet für billig, dass dem Kaiser wegen der Artillerie von den 12. Aug. 
Reiehsständen, aber ebenso auch von den Alliierten mit einigen Römer- 
monaten an die Hand gegangen werde; in betreff der Höhe des Beitrages 
sollen sie sich nach den Vorsitzenden im kurfürstl. Colleginm richten. 

In betreff der Capitulation findet Kf., dass man nunmehr den Kurfürsten 
recht ans Herz greife, indem man ihnen die freie Wahl eines römischen 
Königs vivente imperatore zu entziehen und selbige allen Ständen gemein 
zn machen gedenkt^ Ges. haben bei ihrem Widerstände dagegen zu behar- 
ren, da hierin der Kurfürsten Recht kl^r durch die Observanz bestätigt 
ist. Kf. könne daher die Aussetzung dieses Punktes nicht verwilligen, es 
sei denn, dass in den Reichsabschied gesetzt würde, man hätte sich über 
diesen Punkt nicht vergleichen können und die Kurfürsten hätten sich ihr 
Recht vorbehalten. 



G. V. Jena an den Kurfürsten. D. Regeüsburg 
5./ 15. August 1664. 

. [BecrutieruDg. Beitrag zur Artillerie. Verpflichtung der Landstande zu den 
LegatioDskosten beizutragen. Erklärung Oravels.] 

Die Recrutiernng ist bewilligt, die Mannschaft soll Mitte September in 15. Aug. 
Ungarn sein. Gott gebe, dass die Zeit besser, als verwichen, mit der 



1) S. das Rescript vom 26. April/6. Mai oben S. 238. Kf. weist darauf die 
Gesandten (d. Cöln 9./19. August 1664) an, in betreff dieser Erfurter Angelegenheit 
die Meinung der anderen Kurfürstlichen, namentlich von K.Mainz zu sondieren. 

*) S. darüber unten Abschn. 5. 

^ Gemeint ist die Schlacht bei St. Gotthard am I.August 1664. S. das 
Schreiben des Kaisers andenErzbiecbofvon Salzburg (d. Wien 4. August 1664) 
und die Relationen des Markgrafen Leopold von Baden (d. Fürstenfeld 
4. August 1664) und des Grafen Hobenlobe (d. Feldlager bei St. Gotthard 



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246 ^' ^^f Anfang des Regeosburger Ruichbtages. 

Reichbhülfe beobachtet werde, ein Theil der Kreise hat die Ihrigen erst im 
Juli oder gar im Angnst geliefert, von manchen Mannschaften wird wohl 
wenig oder garnichts übrig sein, daher wird die Recrutierong sehr schwer 
fallen und wohl nicht viel anders als anf eine neue Leistung des tripli 
aaslanfen. 

Nachdem das Korfürstencollegiom schon am 6./ 16. Mai sich zu 8 Rö- 
mermonaten als Beihülfe zur Artillerie erboten, hat jetzt anch die Majorität 
des Fürstenrathes beschlossen i), dem Kaiser dazu einen Beitrag za leisten. 

Ebenfalls ist beschlossen worden^), dass die Landstände nnd Unter- 
thanen die Legationskosten zu Reichs-, Deputations- und Kreistagen mit- 
tragen sollen. 

Der französische Gesandte Gravel hat neulich gegen Jena erwähnt, 
dass die Tractateu zwischen denl Könige und dem Kf. den Schloss er- 
reicht') nnd er den Befehl hätte, wenn Sachen, des Kf. Interesse betreffend, 
vorkämen, solche von seiten seines Königs za secandieren^). 



Derselbe an den Kurfürsten D. Regensburg 
12./ 22. August 1664. 

[Beitrag zar Artillerie. Erklärung der Alliierten.] 

22. Aog. Wegen der Artillerie ist es noch nicht zar Re- nnd Correlation ge- 

kommen, da das im Fürstenrath gemachte Conclnsnm mehr eine Erzählung 
unterschiedlicher Meinungen, als ein gleichstimmender gewisser Schluss ist. 
Die geistlichen Fürsten sind noch mit der Berathung über die Wahl- 
capitulation beschäftigt. Punctus gravaminum et restituendorum bleibt noch 
immer cum magno gravamine gravatorum unangegriffen. 



Derselbe an den Kurfürsten. D, Regensburg 
19./29, August 1664. 

[Verhandlungeu im Farstenrath über GoDtinaaiion der Türkenhülfe.] 

29. Aog. üeber die Continuation der Hülfe wider den Erbfeind») ist im Fürsten- 

rath eine Umfrage gehalten, aber sehr ungleich gestimmt worden, viele 

2. Aagust 1664) an die ReichstagsgesaodteD Diar. Europ. XI S. 423ff. Lon- 
dorp IX S. 274ff. 

1) 8. Gemeiner I 8. 218 f. 

») S. Gemeiner I S.219. 

^ S. über die neaen, zum Abscblass fahrenden Unterhand langen v. Blamen- 
thals in Paris, Jani bis Aagust 1664, Urk. u. Akt. IX S. 682 ff. 

«) Ef. weist darauf die Gesandten an (d. Göln 16./26. Aagust 1664), Gravel 
dafür za danken and zu verBicbern , dass auch er sich werde angelegen sein 
lassen, die billigen Interessen des französischen Königs zu befördern. 

^) S, über diese Verhaüdlangen Gemeiner I 8. 221 ff. 



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WabIcapitalatioD. ErfurtcTr Sache. 247 

haben die EntscbeiduDg darüber noch verschieben wollen, um, wenn der 
Kaiser in puncto capitnlationis und sonst ihnen nicht zu Willen wäre, ihm 
die Assistenz entziehen zu können, nnd da sie fürchten, dass, wenn es mit 
dem puncto auf etliche gewisse Jahre seine Richtigkeit erlangte, der Reichs- 
tag werde aufgelöst werden. 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Oöln 29. August / 
[8. September] 1664. 

[Behandlung der Wahlcapitulationssache. Die Erfurter Angelegenheit.] 

Wegen des punctus capitnlationis hat das gesamte kurfürstliche Golle- 8. Sept. 
gium zu verhüten gewünscht, dass man hierüber zu keinen ordentlichen 
Deliberationen , noch weniger aber zu den gewöhnlichen Re- nnd Corre- 
lationen kommen möchte, Ges. sollen also danach handeln und dahin wirken, 
dass man sich sonst extraordinarie wegen der monita des fürstlichen Colle- 
ginms vergleichen möge. 

Die Erfurter Sache findet Ef. so beschaffen, dass, wenn E.Mainz 
bei seiner Resolution, die Stadt mit Gewalt zu bezwingen, verbleiben sollte, 
daraus leicht ein grosses Feuer im Reich angesteckt werden könnte. Da- 
her hat er an E.Mainz geschrieben und Berlepsch an denselben ge- 
schickt, um ihn von der vorhabenden Expedition abmahnen zu lassen i). 
Ges. sollen inzwischen mit der interessierten Eur- und Fürsten Abgesandten, 
als Sachsen-Altenburg, Weimar und Gotha, aber nicht weniger 
mit den Egl. Schwedischen nnd Braunschwe'igischen und Hessi- 
schen daraus communicieren. Sollten dieselben dahin zielen, dass nomine 
imperii an E.Mainz geschrieben und derselbe davon dehortiert werden' solle, 
haben, sie solches mit zu befördern. 



V. Mahrenholtz und v. Jena an den Kurfürsten. D. Regens- 
burg 2./12. September 1664. 

[Berathaogen und Massregeln der Evangelischen in der Erfurter Angelegenheit.] 

In den gemeinen Reichsgeschäften ist diese ganze acht Tage her nichts 12. Sept. 
gehandelt worden^, weil glaubwürdige Eunde gekommen, dass E.Mainz 
Truppen zusammengezogen, zu denen auch lothringische Truppen gestossen, 
um die Execution an £rfurt zu vollstrecken, auch würden dazu noch et- 
liche tausend französische, um Metz stehende, und andere Völker erwartet. 
Dorch diese Zeitung sind die evangelischen Fürsten bewogen worden, vor 
acht Tagen» 26. August/ 5. September, aus der gemeinen Rathsstube ab- 



') S. unten Abschn. 6. 

^ 8. Gemeiner I S. 224 ff. Kocher I S. 3d4f. 



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248 ^' ^6f Aofang des RegeDsburger ReichstageB. 

zutreten and sich in der Depntationsstube allein zu versammeln, dahin auch 
Halber Stadt ans dem kurfürstlichen Collegio gerufen worden. Die De- 
liberationen sind auch Sonnabend nnd Sonntag fortgesetzt worden, manche 
waren der Ansicht, man sollte den österreichischen Gesandten andeuten, 
dass, wenn der Kaiser diesem gefahrdrohenden Wesen nicht steuerte und 
K.Mainz zurückhielte, die evangelischen Stände den Rath nicht mehr be- 
suchen, keine Recruten schicken, ja ihre in Ungarn stehenden Vülker zurüclc- 
rufen würden; Jena aber erschien dies noch zur Zeit zu heftig und er 
schlug gelindere Mittel vor. Darauf wurde für gut befunden, davon zu ab- 
strahieren, und geht der vom Magdeburgischen Directorio abgefasste Schluss ^) 
dahin, im Namen der Evaogelischen an den Erzbischof von Salzburg, 
H. Gravel und an die österreichische Gesandtschaft gewisse deputati 
abzusenden, die das in dem coucluso Enthaltene remonstrieren sollen. 

Am Montag liess der knrsächsische Gesandte, H. Strauch, alle 
evangelische Kur-, Fürst-, Graf- und Städtische in sein Quartier laden, wo 
auch Mahrenholtz^) sich einfand. In seiner Propositiou wurde des Er- 
furter Wesens specialiter nicht gedacht, sondern nur generaliter vorge- 
tragen, wie ein Theil der Augsbnrgischen Religionsverwandten schon lange 
begehrt, einen solchen Convent zu halten, und weil nunmehr der punctus 
restituendorum et gravaminum vorkommen sollte, da auch von der Visitation 
•und Ordnung des Reichshofraths zu reden, wollte er vernehmen, was die 
Stände hiebei oder auch sonst zu erinoern hätten, darauf der kurpfäi zische 
sofort auf Erfurt gefallen nnd ausgeführt, wie dieses das allerwichtigste 
sei, dessen Meinung die Nachstimmenden gefolgt, da dann das bereits ge- 
machte fürstliche concli^um in Umfrage gestellt, welches in der Hauptsache 
unverrückt geblieben, doch vom Knrsächsischen Directorium ein conclusum') 
im Namen aller obgedachter Stände aufgesetzt worden. Es hat sich auch 
sonst anfangs der Kursächsische dieses Dinges gar wenig angenommen, 
vielleicht aus Mangel der Instruktion, welches mancherlei Gedanken er- 
weckt hat*). • 

Ges. haben, obwohl man ihnen sehr angelegen, die deputationes an den 
Erzbischof von Salzburg und Gravel «u übernehmen, sich doch ent- 
schuldigt und sich nicht eben sonderlich interessieren wollen, da ihre In- 
struktionen sie zu nichts mehr, sls geschehen, anweisen» Die öster- 
reichische Gesandtschaft hat Jena ersucht, dem Convent beizuwohnen, 
nm zu verhüten, wenn etwas dem gemeinen Wesen oder der Verfassung 
wider den Türken Nachtheiliges vorkommen sollte. 



S. CJooclusum priocipam EvaDgelicoram d. 26. Augast 1664 die wegen 
der Erfarter Sache vorzakehrende Massregeln betreffend, v. Schaoroth I S. 521. 

') Derselbe war am 5. September wieder nach Regensborg zurückgekehrt. 

^ S. Relation was bei gesamter Evangel. Stande Zusammenkanft den 
29. Aagasti 1664 wegen furhabender Ch. Mainzischer Ueberziehung der Stadt 
Erfurt furgekommen, v. Schaarotb 1 S. 523. 

^) S. über K.Sachsens Verhalten iu dieser Erfarter Angelegenheit anten 
Abschn. 6. • * 



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Die Erfarter Aogelegenheit. 249 

Dienstag und Mittwoch sind darauf die deputati bei dem Erzbischof 
YOD Salzburg und der österreichischen Gesandtschaft gewesen, der 
£rzbi6chof erklärte, er sei darauf nicht instruiert, hätte auch keine Nach- 
rieht vom Anmarsch fremder Truppen, K.Mainz gebe die besten Versiche- 
rungen, er wolle aber den Vortragt, den er schriftlich begehrte und erhielt« 
dem Kaiser Yorstellen nnd die Sache recommendieren, er ermahnte aber, dar- 
über die publicas deliberationes nicht zu unterlassen. Die österreichische 
Gesandtschaft erwiderte ähnlich, erklärte, dass dieses kein ad comitia ge- 
höriges Ding, Erfurt kein Stand des Reiches, der Kaiser durch die Ca- 
pitulation in dergleichen Processen gebunden, auch sonst an diesem Handel 
ganz unschuldig sei. 

Bei Gravel hat die Deputation nicht ausgerichtet werd(;n können, da 
derselbe sich mit Unpässlichkeit entschuldigte, worauf beschlossen wurde, 
ihm etwas schriftlich zu schicken >), mit der ßitte, es seinem Könige zu re- 
commendieren. 



Dieselben an den Kurfürsten. D. Regerisbarg 
9./ 19. September 1664. 

[Die Erfurter Sache.] 

Die Erfurter Sache hat wieder veranlasst, dass in den anderen Ge- 19. Sept. 
Schäften, nichts hat gehandelt werden können, di» die Gesandten der Augs- 
burgischen Confessionsverwandteu Fürsten coutinuierlicb a part darüber be- 
rathen haben. Am 30. August sind im Namen derselben Hal-berstadt, * 
Würtemberg, die Fränkischen Grafen nnd die Städte Regensburg 
und Golmar an die österreichische Gesandtschaft deputiert worden, 
da dann von Halberstadt die Sache ausführlich und beweglich vorge- 
stellt und gebeten worden ist, dieselbe dem Kaiser schleunigst zu hinter- 
bringen und zu remonstrieren, dass mit der Execution zurückgehalten, 
super paritione erkannt und auf allen Fall auf Mittel gedacht werden möge, 
die einer und ander zu apprehendieren nicht ürsach hätte; man sei durch- 
aus nicht gemeint, die Rechte von K.Mainz in Zweifel zu ziehen. Zu- 
gleich sind von der gesamten Augsburgischen Confessions verwandten Ge- 
sandten Schreiben') an den Kaiser, K.Maiuz, die Reichskriegsraths- 
directoren und einige ausschreibende Fürsten gerichtet, auch an Gravel 



^) 8. denselben und die darauf von dem Erzbischof von Salzburg ertheilte 
BesolutioQ (d. 30. August 1664), bei v. Schauroth I S. 527 ff. 

') S. Indiculus ratiooum, qnae Ohristianissimae suae Regiae Maiestati per- 
saadeant, ut non tan tum ab opprlmenda civitate Erfurtensi regias maaus absti- 
nere sed et Emin^ntissimo d. Electafi Moguntino, ut civitati parcat, auotor esse 
velit, bei v. Schauroth I S. 538 ff. 

^ S. dieselben, sämtlich datiert Begensburg 3./[ld] ^ptember 1664, bei 
V. Schauroth I S.öSOff. 



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250 4- Doc Anfang des Regensbnrger Reichstages. 

Information gegeben worden. Die Aagsbargischen Confessionsverwandten 
Fürstlichen haben auch nnterschiedlich an die Katholischen gebracht *)» ^^^ 
die Erfnrter Sache im Fürstenrath conjnnctim deliberiert werden möchte, 
allein dieselben haben sich dazu nicht bequemen wollen, theils vorschützend 
Mangel an Instruktion, die Sache gehöre nicht ad comitia, sei schon an 
den Kaiser ausgebracht und stünde erst dessen Resolution zu erwarten, 
theils gaben sie auch vor, dass jeder Fürst berechtigt sei, seine Unter* 
thanen zum Gehorsam zu bringen, und würde, wenn sich andere daraus 
hielten, keine Weitläufigkeit oder Unruhe im Reiche entstehen. 



Dieselben an den Kurfttrsten. D. Regensburg 
16,/ 26. September 1664. 

[Die Erfurter Sache.] 

26. Sept. Wegen der Erfurter Sache haben die Augsbargischen Confessions- 
verwandten Fürstlichen auch diese acht Tage oft berathen und haben be- 
schlossen, dieses Werk sei von solcher Wichtigkeit, dass es vor allen an- 
deren in den drei Reichsräthen vorzunehmen sei, und wird das Magdebur- 
gische Directorium solchen wiederholten Beschluss den Katholischen um- 
ständlich hinterbringen, doch steht zu vermuthen, dass sie dieses Begehren 
auch jetzt abzulehnen suchen werden. Sonst ist nicht zu merken » dass 
einige Gesandten zu der rechten Realität genngsam instruieret^ und werden 
anch die anmarschierenden Truppen durch den Kur- und Oberrheinischen^ 
* Niedersäcbsischen und Fränkischen Kreis ohne Hinderung gelassen. 



Der Kurfttrst an die Gesandten. D. Cöln 
20./ [30.] September 1664. 

[Oes. sollen sich Erfurts annehmen, doch wegen dieser Sache die Beiohsdelibe- 
rationen nicht ausgesetst werden.] 

30. Sept. — In der Erfi^rtischen Sache habt Ihr wohl gethan, dass Ihr 
Euch der Stadt, dass dieselbe a banno imperii absolviret und dass 
Ghur Mainz von der vorhabenden Militarexecution abgemahnet 
werden mochte, mit angenommen, allermassen wir dann auch uns 
äusserst angelegen sein lassen'), Ghur Mainz Ld. von solchen Extre- 
mitäten abzumahnen. Wiewohl es das Ansehen gewinnet, dass es 



S. ExtractuB Fürstlicher Protocolloram dd. 3./ 13. Sept — 26. Oct./5. Nov. 
1664 betreffend dasjenige, was wegen der Erfurtischen Sache aod deren Propo- 
sition auch Inseriroag in das Conclusun zwischen denen Färstlich- Evangelischen 
und üatholischen vorgegangen, bei v. Schanroth I 3. 554 ff. 



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Die Erfarter AogelegeDheit. 251 

nunmehr -schon 80 weit gekommen und die Sache nicht zu remediren, 
indem die Churmainzischen Truppen schon wirklich vor die Stadt 
gerückt sein auch zwischen ihnen und der Stadt, dem eintreffenden 
Bericht nach, schon viel Hostilitäten rorgegangen. So habet Ihr den- 
noch darin zu continuiren und wie dieses Feuer wieder zu leachen 
mit anderen Evangelischen zu überlegen, gestalt wir solches zu Wege 
zu bringea ebenermassen continuiren und unsern Berleps ') an 
C hur- Mainz L. abgeschickt haben. Dass man aber darumb sich 
gar des Raths enthalten und alle andern Sachen wolle stecken lassen, 
davor stehen wir an, und habet Ihr, wie Ihr solches schon wider- 
rathen, zu suchen die Evangelischen zu disponiren, dass sie sich 
wieder bei den ordinären Berathungen einfinden. -~ 



Die Gesandten an den KurfUrdten. D. Kegensburg 
23. September / 3. October 1664. 

[Die Erfurter Sache. Abschlass des Friedene mit den Türken.] 

• 

Da die Evangelischen und Katholischen in ihrer angleichen Meinung 3. Oct. 
wegen Voraebmang der Erfurter Execations- Sache verharren nnd jeder 
Theil deswegen absonderlich zusanomenkommt, so hat nochmals nichts an- 
deres vorgenommen werden können. Ein kaiserliches Decret vom 20. Sep- 
tember 1664^ verwirft die Parition der Erfurter nnd lässt es bei der 
declaratio banni bestehen, wofern nicht die Stadt plene pariere nnd E. Mainz 
als pars laesa für sie intercediere. 

Von den Alliierten ist jetzt die Eidesformel für die R.Eriegsräthe fest- 
gestellt worden ; es dürfte aber der ganze panotas assistentiae und also auch 
diese Dinge ihre abhelfliche Maasse erlangt haben, nachdem heute in den 
Reichscollegiis durch die directoria öffentlich verkündigt worden, wie der 
Friede mit den Türken gebchlossen, auch die Feindseligkeit zwischen den 
in Ungarn stehenden Armeeen bereits aufgehoben sei% und sollten die con- 
ditiones pacis den Ständen ehest communiciert werden. 



^) S. über dessen Sendung unten Abschn. G. 

^ S. das Schreiben des Kaisers an den Ef. von demselben Datum unten 
Abschn. 6. 

*) S. die Schreiben des Fürsten Portia an die Beichskriegsdirektoren (d. 
Eberstorf 28. September) und dieser an die Reichstagsgesandten (d. Wien 
19./29. September 1664) Diar. Enrop. XI S. 501 ff. Londorp IX S. 279, 



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252 ^' I^or Anfang des Begensbarger Reichstages. 

Die Gesandten an den Knrftirsten. D. Regensbnrg 
30. September/ 10. October 1664. 

[Wiederbeginn der ordentlichen Reichstagsverhandlungen. Die jetzt vorzaneb- 

menden Pankte.] 

10. Oct. Die BemühoDgen der EvangelischeD; die Execotion gegen Erfart zu 

verbäten, sind vergeblicb gewesen, die Feindseligkeiten haben schon be- 
gonnen, die französische Cayallerie steht schon Yor der Stadt, die Infanterie 
marschiert durchs Würzburgische dorthin. 

Die ordentlichen Deliberationen haben wieder begonnen, auch die Evan- 
gelischen haben sich dazn bequemt, bei der Umfrage im Fürstenrath über 
vier vom Herzog Johann Adolf von Holstein übergebene Pnnkte^ 
aber haben sie in ihren votis der Erfurter Sache gedacht nnd die Katho- 
lischen nochmals vergeblich ermahnt, sich mit ihnen zu gemeinschaftlichen 
Schritten bei K.Mainz zu vereinigen. 

Da sich die Conjuncturen wegen des mit den Türken geschlossenen 
Friedens, über welchen verschieden geurtheilt wird, merklich geändert haben 
und von der Hülfeleistung nicht mehr geredet werden darf, wollen nunmehr 
die Evangelischen punctum securitatis, restituendorum et gravaminum und 
das Polizeiwesen vorgenommen, auch die Gapijtulation beschleunigt und also 
gegenwärtigen Reichstag continuiert haben^ die Catholischen aber erwäh- 
nen hievon nichts und scheint^ dass sie die Dissolution dieses Gonvents ihnen 
nicht möchten zuwider sein lassen, doch soll der Erzbischof von Salzburg 
den Winter über hier anszuhalten resolviert haben. 



Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensburg 
7./ 17. October 1664. 

[Streit wegen Erwähnung der Erfurter Sache. Anzeige des Friedens mit 
• den Türken.] 

17. Oct. lieber die in dem Memorial des Herzogs von Holstein enthalteneu 

Punkte ist es noch zu keinem Schluss gekommen, da sich Evangelische 
und Katholische wegen der von den ersteren dabei verlangten Erwähnung 
der Erfurter Sache nicht haben einigen können'). 

Der Kaiser hat betreffend den mit den Türken abgeschlossenen 20jäh- 
rigen Stillstand und dessen Conditionen an den Erzbischof von Salzburg 
ein Schreiben ^) gerichtet mit Begehren, solches den anwesenden Gesandten 
mitzutheilen. 



M S. Gemeiner II S. 4. 

^ S. Gemeiner II 8.6 0*. v. Schauroth I 8.554 ff. 

*) D. Bbersdorf 5. October 1664 Pacbner v. Eggenstorff I S. 136 ff. 



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ErledigQDg der Erfurter Angelegenheit. Der Frieden mit den Türken. 253 

Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensburg 
14./24. October 1664. 

[Schlichtang des Streites zwischdo den Evangelischen und Katholischen über 
die Erfurter Sache. Die neu proponierten Punkte.] 

Nachdem die Nachricht der Uebergabe vod Erfurt elDgetroffen, haben 24. Oct. 
endlich die Katholischen nachgegeben, dass dem concluso ^) folgende Worte 
beigerückt würden: ^£s haben die H.H. Angsbargischen Gonfessions Ver- 
wandten in ihren votis einige Erinnernngen wegen Erfnrt gethan, hingegen 
aber die H.H. Gatholisehen es bei ihren vorigen, dieser Sache halber ge- 
thanen Erklärungen bewenden lassen^, nnd dieses ist alles, dämm man sich 
und die übrigen Reichsgeschäfte in die siebente Woche aufgehalten. Nach 
diesem erfolgten Vergleich sind in allen • drei RathscoUegiis nachfolgende 
Punkte proponiert worden: 

1) Wie der Herzog von Holstein, welcher Reisekosten prätendiert, 

2) Der F. ßaden-Durlachsche Secretarius, der dergleichen nnd einen 
Recompens fordert, zn expedieren. 

3) Wie dem Kaiser wegen des nötificierten Friedens za antworten. 

4) Wie es mit der R.Kriegsratfas-Directoren nnd Generalität Erlassung, 
deren rückständiger Gage etc. und Abführung der Völker zu halten. 

5) Was an den Gen. Kriegs- Commissanus zu schreiben. 

. Beschlüsse darüber sind noch nicht zustande gekommen. Da Kf. beim 
Kreiscorpo nicht concurriert, ist von ihnen zu dem allermeisten wenig ge- 
sagt worden, da sie decisive hierüber nicht votieren können. 

Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensbufg 
.21./31. October 1664. 

[Beschwerden über den vom Kaiser eigenmächtig geschlossenen Frieden. Fort- 
setzung des Reichstages.] 

Alle dem Türkenkriege noch anhängende Dinge sind erörtert und abgethan 31. Oc. 
worden '), auch das Glückwunsch- und Dankschreiben an den Kaiser wegen 
des getroffenen Stillstandes ist schon abgegangen, es hat deswegen einige 
Difficultäten ^ gegeben, da mehrere Fürstliche mit dem gemachten Frieden 
nicht zufrieden gewesen und in ihren Votis erwähnt, der Kaiser hätte vorher 
den Ständen von den vorseienden Traktaten Mittheilung machen und ihre Mei- 
nung und Gutachten einholen sollen, im kurfürstlichen Colleg hat der K.C öl- 
nische dergleichen vorgestellt, doch ist er von niemand secundiert worden 
und ist es dabei geblieben. Nach geendigter Umfrage im Fürstenrath hat 
dns österreichische Directorinm glimpflich auf jene Anschuldigungen 

d. 15./25. October 1664 (Londorp IX S.280f.), s. v. Schauroth I S. 688 f. 
*) 8. den Reichsschluss vom 19./29. October 1664 (Londorp IX S. 283. 
Pachner v. Bggenstorff I S. 138*flf.). 
3) S. Gemeiner 11 S. 8. 



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254 4* I^er Anfaflg des Regensbarger Reichstages. 

geantwortet 0- Der Kaiser hat dorch dasselbe versichern lassen , er wolle 
cooperieren, dass trotz des erlangten Friedens die veranlassenden Materien 
angegriffen , ausgearbeitet und also der Reichstag ferner continniert werde. 



Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensburg 
28. October / 7. November 1664. 

7. Nov. Die Angsburgischen Confessionsverwandten nnd die Katholischen kom- 
men der Gapitnlation wegen absonderlich zusammen, die auf die Religion 
bezüglichen Dinge, welche einzurücken begehrt werden, zu überlegen. 



Dieselben an den Kurfürsten. D. Regensburg 
4./ 14 November 1664. 

[Wiederaufbabme der BerathuDgeo über die Wahlcapitalatioo. K.Gölns Antrag, 
wegen des vom Kaiser eigenmächtig gesdilosseaen Friedens Klage za fuhren.] 

14. Nov. Auf das Drängen der Evangelischen , welche deswegen eine Deputation 

an den Erzbischof von Salzburg geschickt, haben die Katholischen die 
Berathung der Gapitnlation Sonnabend wieder aufgenommen , haben aber 
beschlossen, die Hauptsachen, das prooeminm, den epilogns, die electio 
regia Komanorum und bannnm bis zuletzt zu lassen, trotzdem Ges. dagegen 
remonstriert. Ebensowenig konnten Ges. am Montag, bei der Berathung • 
des Postwesens, mit ihrem Widerspruch dagegen, dass dasselbe ein regale' 
nnd reservatum Gaesaris sei« oder wenigstens, dass auch ein künftiger Kai- 
ser dasselbe haben müsste, durchdringen. De modo deliberandi et tractandi 
capitulationis materiam ist abermals geredet, aber zwischen beiden Parten 
im Fürstenrath noch nichts verglichen wordeu, die Evangelischen, mit ihnen 
auch Ges., bleiben dabei, dass alles extra plennm, wie angefangen, zu trac- 
tieren und zu schliessen sei, die anderen wollen es dagegen in pleno haben. 
Wenn sonst, wie aus allen bisher vorgegangenen Dingen zu sehen, das 
kurf. CoUegium mit den Katholischen allein zu thun hätte, würde alles, wie 
es Vor diesem gewesen, bleiben, wie denn die geistliche Bank allemal, wenn 
die Weltlichen darauf gedrungen, es mit Stillschweigen übergangen , auch, 
dass sie es vornehmen müssten, fast genöthigt sind. 

K. Göln hat beantragt, alle Kurfürsten sollten, wenn sie dem Kaiser 
zu dem Frieden gratulierten, eine kleine Ahndung thun, dass solcher ohne 
des kurfürstl. Gollegii Yorbewusst und Rath eingegangen sei. 



'} Schriftliche Information des Hochl. Oesterreichischen Directorii an den 
Fürstenrath auf dem Reichstag in Regensbarg von den Ursachen des mit den 
Türken in Ungarn geschlossenen Stillstands (d. 14. /24. October 1664) Diar. 
Earop. XI S. öOdff. Londorp IX S. 309ff. 



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Wahloapitnlation. Paoctas restitaeDdoram. Türkenfrieden. 255 

Dieselben an den Kurfttrsten. D. Regensburg 
ll./21..November 1664. 

[Verhand langen über den punctus restitaendoram und über die Wahlcapitalation.] 

Endlich Mittwoch den 9./ 19. November sind die schon auf yorigem 21. Nov. 
Reichstage ad ponctam restitnendornro Deputierten (darunter aus dem kur- 
fürstlichen Collegium auch Brandenburg) zubammmen gekommen und ha- 
ben gemäss dem bereits am 24. October 1668 gemachten conrlusum be- 
schlossen, dass die zu Frankfurt gewesenen Deputat! Relation erstatten 
sollen, was yorgegangen und warum man dazumal nichts frnchtbarliches 
habe verrichten können. Es ist wenig Aussicht auf einen erwünschten Aus- 
gang dieser Sache. 

Die Katholischen sind nunmehr mit ihren monita wegen der Capitula- 
tion fertig, haben aber die wichtigsten Punkte unerörtert gelassen. In der 
Postsache haben Ges. verlangt, dass dem Kf. in seinen Landen allein 
das Recht zustehen sollte, dessen sich der Kaiser in seinen Erbländern 
im Postwesen bediente, der österreichische Gesandte Hess sich gar 
freundlich vernehmen, doch ist es bei allgemeinen Vertröstungen geblieben. 

Der Erzbischof von Salzburg^) ist nach Hause gereist, hat aber er- 
klärt, in kurzem wieder zurückzukehren. 



Der Kurfürst an die Gesandten [s. 1.]. 15.;[25.] No- 
vember 1664. 

[auf die Relation vom 4./ 14. November. Postwesen. Kf. billigt die Art des 

FriedensschlusBeB.] 

Wegen des Postwesens kann er nicht einräumen, dass es 'ein* solch 25. Nov. 
Reservatum imperatorum sei, dass den Ständen deswegen in ihren Landen 
alle Disposition benommen würde; der Kaiser habe seine Erblande selbst 
von dem Reichspostamt ezimiert, daher könne ^r dieses anderen Kur- und 
Fürsten nicht absprechen. 

Ob aber bei Ihr. Keys. M. Anhang, zu thun, dass sie vor Schlies- 
sung des Friedens von dem kurfürstlichen Collegium kein Gutachten 
begehret, dabei stehen wir an. Der Krieg ist bisher hauptsächlich 
nur I. K. M. wegen Ungern angegangen, und hat das Reich nur Hülfe 
geleistet, die Stände selbst haben das Subsidium nur pro voluntario 
gehalten — und, das das Principaliste ist, so wollen in Kriegssachen 
die Zeiten nicht zulassen, weitläuftige consultationes anzustellen und 
vieler abwesender Stände Gutachten einiuhol'en. — Wir haben auch 



1} S. Diar. Europ. XII S. 2f. 



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256 « 4. Der Anfang des Regensbarger Reichstages. 

I. E. M. ZU dem Frieden schon grataliret ') und desgleichen werden 
andere unsere Herren MitchurfÜrsten ohne Zweifel auch schon gethan 
haben. — Daher wir davor halten, dass man damit zurückzuhalten, 
in noch mehrer Erwegung, dass I. E. M. auch darumb die Traktaten 
geheim gehalten, damit dadurch die Stände durch geschöpfte Hoffnung 
des Friedens nicht in den Deliberationen und Fortsetzung der Eriegs- 
rüstungen schläfferig gemacht werden, welche considerationes uns dan 
dahin bewogen, dass wir I. E. M. in diesem Punkt wohl entschul- 
diget nehmen. — 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Cöln 23. November / 
3. December 1664:. 

[Abfährung der Besatzung aas Erfort] 

3. Dec. Da trotz der vor erfolgter Redaction von Erfurt sowohl von E.Mai nz 

als auch von E.Sachsen üod demEaiser gemachten Hoffnung, dass so- 
bald die Stadt zur Parition und Submission gebracht, das fremde Eriegs- 
volk wieder abgeführt und alles in vorigen Stand gesetzt werden solle, eine 
ansehnliche Besatzung französischer nnd knrmainzi'scher Völker bis dato in 
der Stadt gehalten wird, welches den im Ereise und den benachbarten Stän- 
den kein geringes Nachdenken billig verursacht, so sollen Ges. deswegen 
mit d6n Gesandten der hierbei interessierten Hänser, namentlich mit den 
knr- und fürstlichen Sächsischen communicieren nnd mit denselben über- 
legen, wie E.Mainz dahin zu disponieren sei, diese ansehnliche Besatzung 
aus der Stadt abzuführen'). Was dazu gut befunden wird, sollen sie mit 
allem Eifer nud Ernst befördern. 



Die. Gesandten an den Kurfürsten. D. Regensburg 
25. November / 5. December 1664. 

[Die Wahlcapitulation soll im plenum des Ffirstenrathes weiter behandelt werden.] 

5. Dec. Im Fürstencolleg ist von Geld- nnd Proviantrechnnngen und den Prä- 

tensionen einiger Officiere und Bedienten gehandelt nnd fast alles abgethan 
worden*). Wegen der Capitulation haben Evangelische und Eatholische zu 
keiner durchgehenden Gonformität gelangen können, haben daher beschlossen 



S. das Schreiben des Kf. an den Kaiser vom 20./30. October 1664 unten 
Abschn. 5. « 

^ 8. die Schreiben des Ef. an K.Mainz und an Herzog August von 
Sachsen vom 23. November / 3. December 1664 unten Abschn. 6. 
. ^ S. Gemeiner II S. Uff. 



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Erfurter Sache. Wablcapitnlation. 257 

am die Sache nicht länger aufzuhalten^ dass ein jeder seine Meinung in 
pablico sagen möchte; aoch die übrigen kurfürstlichen Gesandten haben 
darein gewilligt, in der Hoffnung, die Katholischen geistlichen würden es 
durchgehend mit den Kurfürstlichen halten und also die majora machen. 
Es dürfte aber mit nichten erfolgen, da nicht wenige derselben sich mit 
Salzburg, welches ad partes Evangelicorum ziemlich incliniert, confor- 
mieren^). 



Die Gesandten an den Kurfürsten. D. Regensburg 
26./16. December 1664. 

Mriteria capitulationis ist noch im vorigen Stande; Ges. haben aber 16. Dec. 
unterdessen das Werk ganz in der Stille so herumgeworfen, dass die meiä*- 
ten im Fürstenrath und auch die Kurfürstlichen das Werk nur extra plenum 
vornehmen wollen. 

In puncto restituendorum ist nichts geschehen, auch die Relation an 
die 3 Reichscollegia von den früheren Deputatis nicht verglichen, viel we- 
niger abgestattet, und hat man etliche Tage her die Proviantrechnuug 
durchgesehen. 



^) £f. erwidert darauf (d. GöId 5./ [15.] December 1664), wenn ee nicht an- 
ders zn verbäten sei, wolle aoch er in die Beratbung darnber in pleno willigen, 
er halte es auch nicht für rathsam, über die qnaestiones praejodicialies viel Dis- 
pntierena zu machen, Ges. sollten nnr dahin wirken, dass den Karfarsten ihre 
althergebrachten Vorrechte und das jns adcapitnlandi verblieben. 



Mater, z. Oeseh. d. G. Karfursten. XI. l7 



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Anhang 

Die Obersächsischen Kreistage zu Leipzig (October 1663 und 

Juni 1664) und die Zusammenkünfte der Kurfürsten von 

Sachsen und Brandenburg zu Torgau und Berlin (December 

1663 und Mai 1664). 

Kurfürst Johann Georg von Sachsen an den Kurftlrsten. 
D. Dresden 3./[13.] Juli 1663. 

[Vorschlag der Bernfong eines Obersächsischen Kreistages.] 

13. Juli. Er zweifelt nicht, dass der kaiserliche Abgesandte Graf Isola bereits 

in Königsberg angehingt und bei Kf. dieselben Anträge auf Succars bei der 
Türkengefahr wie Graf Dietrichstein bei ihm gestellt haben werde. Ob- 
gleich er sich nach Gelegenheit der Zeit und Beschafifenheit zu etwas er- 
klärt hat^), anch solches aufzubringen im Werk begriffen ist, hat der Kai- 
ser aufs neue durch ein Handschreiben vom 23. Juni um Beschleunigung 
der Hülfe nachgesucht. Da auch der Obersächslsche Kreis durch die Tür- 
kengefahr bedroht ist, auf dem Reichstage zu Regens bürg aber es sehr 
langsam und wunderlich zugeht, so beabsichtigt er eine Versammlung der 
Obersächsischen Kreisstände zu berufen, bittet Kf. ihm seine Gedanken 
darüber za eröffnen. 



^) Laut dem beiliegpoden Dankschreiben des Kaisers vom 23. Juni hatte 
sich K.Sachsen zur Lieferung von 300 Centner Pulver und zar Stellung einer 
Compagnie Beiter von 125 Mann nnd von 1000 Mann zu Fass erboten. Dem 
Wunsche des Kaisers entsprechend, welcher erklärte, dass ihm bei diesen Gon- 
jnnctoren mit Fnssvolk mehr gedient sei, schickte er nachher ein Regiment Fuss- 
volk (1174 Mann in 6 Compagnieen), welche, nachdem sie am 16. September von 
dem Kurfürsten zu Torgau gemustert waren, am 26. September deu Marsch nach 
Ungarn antraten, s. Schuster und Francke, Geschichte der sächsischen Armee 
I 8. 85. 



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Bern fang eines ObersäcbsischeD Kreistaged. 259 

Der Kurfttrst an den Kurfürsten von Sachsen^). 
D. Königsberg 31. Juli 1663. 

[auf das Schreiben vom 3./ 13. Jali. Vorschlag einer Verständignng der Kur- 
fürsten untereinander. Znatimmang znr Berufung eines Kreistages.] 

Ef. dankt für die Mittheilang und dass E.Sachsen sich die angewöhn- 31. Juli, 
liebe Art zn Regensburg zu Herzen nehme. Da man dort, wie er höre, 
den Fundamentalgesetzen und dem statni reipublicae Romanae zuwider- 
laufende und vornehmlich die Eurfürsten und deren Fräeminenz touchierende 
Dinge vorhabe, so werde ohne Zweifel E.Sachsen eine rechtschafiPene 
vertrauliche Correspondeuz zwischen den Eurfürsten darüber für nöthig er- 
achten, wie die Sache recht anzugreifen und ob man hieraus a part oder 
collegialiter oder durch . Schickung sich unterreden solle, auch was sonst 
mehr dabei zn beobachten sein werde, damit die Harmonie im Reiche er- 
halten werde. Mit der Berufung des Ereistages ist er einverstanden'). 



Instruktion für den Geh. Hof und Kammergerichts Rath, auch 
Vicekanzler zu Cöln a. d. Spree, Lucius v. Rahden auf den 
Obersächsischen Kreistag. D. Königsberg 24./ 14. Sep- 
tember 1663. 

[Sicherung des Kreises, schleunige Entsendung der noch rückständigen Kreis- 

. truppen.] 

Ef. hat dem E aiser schon 1000 Musketiere, 600 Dragoner und 500 24. Sept 
Reiter zu Hülfe geschickt, will auch ferner sowohl daselbst als bei dem 
Obersächsischen Ereise das Seinige thnn. Das Werk ist so beschaffen, 
dass man sich durch lange Deliberationen nicht aufhalten darf, das beste 
ist, jeder Stand soll das Seinige so beitragen und eine solche Mannschaft 
an die Hand schaffen, welche zu Sicherung der Grenzen ausreicht, und diese 
Mannschaft soll aus des Ereises Mitteln unterhalten werden, dabei aber ist 
nicht nöthig, kostbare Generale und andere hohe Officiere zu bestellen, falls 
nicht das Defensionswerk zu eztendieren sei und die Nothdurft eine stärkere 



^) Schon vor Empfang des Schreibens vom 13. Juli, das erst am 25. Juli in 
Königsberg anlangte, hatte Kf. seinerseits (d. Königsberg 20. Juli 1663) K.- 
Sachsen mitgetheilt, dass er Anstalten treffe, dem Kaiser Hülfe zu senden 
und seine Lande in Vertheidigungezustand zu setzen, und angefragt, welcher 
Hülfe er sich im Nothfalle von demselben zu versehen habe und ob und was er 
meine, dass dieses Punktes halber im Kreise zu berathschlagcn und zu thun sei. 

*) K.Sachsen theilt darauf Kf. mit (d. Dresden 2./12. September 1663), dass 
er, zumal nachdem durch den Einbruch der Tataren in Mähren alle benachr 
harten Lande in Schrecken gesetzt seien, den Kreistag nach Leipzig auf den 
27. September berufen habe. 

17* 



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260 4- ^01* Anfang des Begensbnrger EeichsUgds. Anhang. 

Verfassung erforderte. Zugleich soll er erinnern, dass die Stände, welche 
dem Kaiser noch keine Hülfe geschickt, dieselbe auf das äasserste beschlea- 
nigen mögen. Sollte weiteres vorgebracht werden, so hat er sich defectu 
mandati ond dass dem Kf. das Aasschreiben erst am 23./ 13. zugekommen 
sei, zn entschnldigen. 



Kreisabschied des Obersächsischen Kreistages. 
D. Leipzig 10./[20.] October 1663. 

[Kreisverfassnng nach dem Triplam. Anweisung an die Gesandten in Regensburg. 
Zahlung vorlanfig eines Bomermonates zur Ereiskasse.j 

20. Oct Zur Vertheidigang des Kreises ist das Triplnm des auf dem Kreistage 
1657 festgesetzten Simplum, das ein jeder Stand bereit halten solle, bewilligt 
worden ; jeder Stand soll sein Contingent an Volk *) möglichst schnell, $p&- 
testens binnen 2 Monaten aufbringen, dem Kreisobersten Anzeige davon 
machen und dessen Ordre wegen der Zusammenführnng, Verpflichtung und 
Musterung erwarten; zugleich sollen die Stände ihre XJnterthanen mit Ge* 
wehr versehen nnd dann fleissig ezercieren lassen, damit sie im Nothfall auf- 
geboten werden können, ihre Grenzen und Festungen wohl besetzen und auf 
unbekannte Reisende nnd durchstreichende Leute fleissige Aufsicht halten. 

Es ist eine Liste der Officiere nnd Gemeinen, wie stark die Regimenter 
sein and welche Stände ihre Völker zusammenführen sollen, wie viel davon 
unter jede Compagnie und Fähnlein zn bringen, was einem jeden zum 
monatlichen Sold zu geben, und wie es mit der Artillerie, Munition und 
anderem zn halten, gemacht worden. 

Jeder Stand hat sein Contingent selbst zu unterhalten, doch soll das- 
jenige, was in gemein auf hohe Befehlshaber, Stabspersonen und andere 
Kriegsbediente, Artillerie, Munition, Kundschaft und anderes aufzuwenden, 
in gemein nach dem Anschlag eines jeden entrichtet werden. 

Sollte die Gefahr sich vergrössern and die türkischen Truppen weiter 
einbrechen, so ist dem Kreisobersten, Nach- nnd Zugeordneten anheim- 
gestellt, einen Theil des Fussvolks in Dragoner zn verwandeln. 

Um schnelle nnd zuverlässige Nachricht von den Kriegsereignissen zn 
erhalten, soll eine Gorrespondenz mit dem Statthalter in Prag nnd dem 
Oberamt in Schlesien eingerichtet und Gorrespondenten an verschiedenen 
Orten bestellt werden. 

Ein Kreiszahl' nnd proviantmeister soll bestellt werden. Die Gesand- 
ten in Regen sbnrg sollen von ihren Frincipalen Befehl erhalten, den 

^) Der Anschlag nach dem Triplam betragt im ganzen: 807 Mann z. Rose, 
3513 z. Fqss, 23736 Rtblr., davon fallen anf: 

K.Brandenburg 180 z. R 831 z. F. 5484 Bthlr. 

Pommern 102 « 600 , 3624 , 

Cammin 18 , 84 , 552 , 



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Obersacbsischer Kreistag zu Leipzig. 261 

punctum srcuritatls aufs schleunigste abzuhandeln und so die wirkhclie 
Hülfeleistnog desto eher zu Staude zu bringen. 

Die benachbarten Kreise sind zum Beistand aufzufordern. 

Ein Römermonat soll spätestens innerhalb 2 Monaten in die Kasse 
gezahlt und, da dieses wahrscheinlich nicht zureichen wird, von dem Kreis- 
obersten, auf vorhergehende Gommunication mit den Nach- und Zugeordne- 
ten, noch ein oder zwei Monate ausgeschrieben werden. 

Diese Verfassung soll^ wenn die Gefahr durch Friedenshandlung oder 
sonst sich endigen sollte, auch ihre Endschaft erreichen. 

Die Stadt Erfurt soll durch ein Schreiben ermahnt werden, mit Geld, 
Geschütz und dergl. zu dieser Verfassung beizutragen. 



Aus V. Rahdens Relation. D. Leipzig ll./[21.] Oetober 1663. 

5./15. Oetober ist auf die Frage, ob diese Hülfe im Kreise zu behalteo 21.0ct. 
oder dem K.a i s e r auf Begehren etwas davon zu schicken sei, per majora be- 
schlossen, dass, wenn die deliberationes auf dem Reichstage sich verzögerten 
und der Kaiser in äusserster Gefahr Hülfe begehrte und die benachbarten 
Kreise sich dazu auch verstehen wollteu, der Kreisoberste solches den an- 
deren Kreisständen notificieren und nach deren eingelangter Meinung mit 
dem Nach- und Zugeordneten einen Schluss wegen Zuschickung der Hülfe 
machen solle. Doch soll dieser Schluss dem Kreisabschiede nicht inseriert 
werden, damit, weil derselbe dem Kaiser zugesendet wird, dieser nicht 
Anlass nehme, die in eventum gewilligte Hülfe sofort zu begehren. 

7./17. Oetober wird beschlossen, den Kaiser in einem Schreiben zu er- 
suchen, dass die Ezecution wider Erfurt etwas suspendiert und nicht 
K.Mainz, sondern dem Obersächsischen Kreise befohlen werden möchte. 

10./20. Oetober wird beschlossen, zwei Schreiben an Erfurt zu richten, 
in dem einen die Stadt um Beitragung zur Defension dieses Kreises, in dem 
anderen ^) zu Parition der zwischen ihr und K.Mainz publicierten Urtheile 
anzumahnen. 

Die Lüneburgischen Gesandten, welche für Walkenried an dem 
Kreistage Theil nehmen, haben in voto Erwähnung gethan, dass eine ge- 
nauere Correspondenz zwischen diesem und dem Niedersächsischen Kreise 
gestiftet werden möchte, und, als solches von den anderen nicht attendiert 
worden, von Rahden privatim begehrt» solches dem Kf. zu berichten. 



') Beide sind datiert Leipzig 10./[20.] Oetober 1663, das letztere gedruckt 
Üiar. Europ. X S. 759. Londorp VIII S. 935 f. 



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262 ^' I^or Aofang des Regensborger Beichetages. Aohang. 

Kurfürst Johann Georg von Sachsen an den Kurfürsten. 
D. Dresden 2./[12.] December 1663. 

[SeodoDg Pflag'8 v. Eottwicz behafs näherer Verabredung über die gewüoBcbte 
persönliche ZuBammeokanft.] 

12. Dec. Er hat aas der Relation seines Oeh. Eriegsraths und G. Wachtmeisters 

Wolf Christoph v. Arnimb») sich vergewissert, dass Kf. wünsche'), 
wegen erforderter persönlicher Erscheinung auf dem Reichstage und auch 
wegen anderer die Wohlfahrt des Reiches, insonderheit auch die Angelegen- 
heiten des kurfürstlichen collegii concernierenden Materien mit ihm zu con- 
ferieren. Auch er selbst verlangt nicht weniger danach, ehe er sich auf die 
Reise dorthin begebe, sich mit Kf. vertraulich zu besprechen, und da Kf. 
ihm die Bestimmung von Ort und Zeit anheimgegeben, so sendet er behufs 
näherer Verabredung seinen Kämmerer und Trabanten -Hauptmann Hie- 
ronymus Siegmund Pflug zu Kottwiez^. 



Actum Torgau 187 [28.] December hora 3 postmeridiana auf 

churfürstlichem Schloss in des Freih. v. Schwerin Gemach. 

Praes. Churf. Sachs. Geh. Rath Freiherr v. Frisen und 

Ü. Präs. Freih. v. Schwerin. 

28. Dec. V. Schwerin erinnert an die vor 6 Jahren zu Lieh tenb er g zwischen 

beiden Kf. gehaltene Zusammenkunft^), welche die einstimmige Wahl des 
jetzigen Kaisers, Beendigung des damaligen Krieges und andere segens- 
reichen Folgen gehabt habe, daher habe auch Kf. diese Zusammenkunft 
gewünscht. Derselbe verspüre zu seinem Leidwesen auf dem Reichstage 
sehr wenig Ernst bei dem Defensionswerk und der Beförderung des vom 



1) (Jeher die Verhandlaogen mit demselben findet sich nur folgende Notiz 
in dem Geheimenraths- Protokoll vom 21. November/ 1. December 1663: »Reeo- 
Intion, 80 H. Hoverbeck dem K-Sächsischeo Abgeschickten H. v. Arnheim 
geben soll: dass S. Gbf. D. hätten wänscben mögen, dass es ihr möglich wäre, 
da sie nur erst ins Land kommen , solche ferne Reise dabin zu thnn, würde ihr 
lieb sein, wenn gleichwohl K.Sachsen dahin ziehen mochte and des Reiches Beste 
befördern. Wegen K. Main zs Sache mit Erfurt hätte man ihm geschrieben, da- 
fern es auch begehrt würde, wollten S. Chf. D. alle gute officia aach media- 
toria anwenden. '' 

*) Schon in einem Schreiben an K.Sachsen vom 15./25. November spricht 
Kf. die Hoffnung aus, es werde die von ihm jüngst vorgeschlagene persönlicbe 
Zusammenkunft bald stattfinden. 

^ Kf. erwidert (Cöln 8./18. December 1663), er habe nach Besprechung mit 
Kottwicz beschlossen, sich am 18./ 28. bei K.Sachsen in Torgau einzufinden. 

*) December 1657, s. Pufendorf 1. VII § 33 (Ö. 417f.). ürk. u. Akt. VIII 
S. 470. 



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ZusammenknDft za Torgau. 263 

Kaiser begehrten Saccurses, es sei za besorgen, dass der Winter verfliess<>n 
werde, ohne dass dieses wichtige Werk zur Richtigkeit gelange. Bei den 
dem Reiche aber nicht nur von den Türken, sondern auch von andern be- 
nachbarten Kronen, welche stark rüsteten, drohenden Gefahren achte sich 
Ef. verpflichtet, die Sache mit behörigem Nachdruck zu befördern und bitte 
K.S. ihm zu eröfifnen, wie dies Werk am füglichsten anzugreifen sei. Kf. 
wünsche zu wissen, ob K.S. allein zu Richtung eines ezercitus oder allein 
zu einer Geldhülfe oder theils auf Geld, theils auf Volk incliniere, was er 
ferner wegen des Hauptes, dessen Commando das Heer zu untergeben, für 
Absichten hätte. Weil auch bei einer Armee, wozu ein jeder Stand seine 
Leute schickt, vielfältige confasiones nothwendig entstehen, ob es nicht 
am rathsamsten sei, mit dem Haupte, welchem die Armee untergeben wer- 
den solle, zu capitulieren , dass derselbe die Armee selbst, jedoch unter 
des Reiches Pflichten werbe. 

2) Da aber die Erfahrung bezeuge, dass es mit solcher allgemeinen 
Hülfe langsam zugehe, die Gefahr abör den Landen beider Kurfürsten am 
nächsten sei, so fragt er au, ob sie nicht zur Defension der Grenze ent- 
weder allein oder mit Zuziehung einiger Nachbaren auf eine Verfassung 
bedacht sein wollten, und was K.S. solchen Falles wegen Anzahl der 
Mannschaft und sonst conditionieren wolle. 

3) Da, wie die Reichstagsakten ergeben, das einmüthige Zusammen- 
gehen der Reichsstände auch dadurch gehindert wird, dass zwischen dem 
kur- und dem fürstlichen Collegium allerhand Streitigkeiten, namentlich 
wegen der verlangten capitulatio perpetua, vorfallen, so sieht Kf. zwar^), 
wie wenig die Prätensionen des fürstlichen Collegiums fundiert sind und 
man ihuen schon soviel zugestanden hat, dass sie damit zufrieden sein 
könnten. Da er aber fürchtet, dass die Fürsten sich .hierin sehr hart- 
näckig zeigen und auf fremde Kronen, welche sie darin bestärken, verlassen 
werden, gleichwohl aber die Wohlfahrt des Reiches erfordert, dass man 
mit ihnen in Einigkeit und Frieden verbleibe, so wünscht Kf. zu wis- 
sen, wohin K.S.s Gedanken hierin zielen, damit man diesen Punkt zu Re- 
gensburg desto einmüthiger zur Richtigkeit befördere, welche Einmüthig- 
keit zu Wege zu bringen auch K. Mainz 2) sehr beflissen ist. 

4) Kf. wäre deswegen und aus anderen Ursachen gern selbst nach 
Regen sbnrg gekommen, da ihm aber solche Verhinderungen zngestossen 
seien, welche nicht nur statum publicum sondern auch seine eigenen Län- 
der concernierten, so müsse er, namentlich wegen des sehr fremden und 
verwirrten Zustandes in Polen, seine Grenzen in Obacht nehmen und habe 
sich deswegen beim Kaiser entschuldigt. Kf. wünsche zu wissen, was K.S. 
zu thun gedenke; wenn derselbe nach Regensbnrg gehen sollte, werde 
er seine dortigen Gesandten anweisen, die Intentionen desselben nach Mög- 
lichkeit zu befördern. 

S. das Rescript des Kf an die ReichBtagsgesaadten vom 27. November 
1663, oben S. 207. 

^ S. das Rescript an dieselben vom 21. September, oben S. 197. 



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264 4* I)®r Anfang des Regensbnrger Beicbstages. Anhang. 

5) Aoch vom Polniscben Wesen halte Ef. nicht für nndienlicb, K. 8. 
nähere Information za geben. Dort wäre zwar die Conföderation aufge- 
hoben^), aber der Adel wäre noch immer von Mibstranen erfüllt, weil das- 
jenige, was versprochen worden, nicht gehalten und noch immer stark 
gearbeitet werde, einen französischen König bei Lebzeiten des jetzigen mit 
Verlost der Freiheit ins Reich zn fuhren. Als das allergefährlichste fürchte 
Ef., dass es zwischen dem Hofe und den Ständen zn solchen Extremitäten 
kommen möchte, dass aoch aoswärtige Kronen dazo schlagen oder wohl 
gar vom Hofe dazo sollicitiert werden möchten. Da non diese Trooblen 
das Rom Reich gar leicht implicieren könnten und es allein daranf ankäme, 
dass entweder de electione vivo rege garnicht geredet oder, wenn solches 
geschehen sollte, der Republik ein solches Sobjectom vorgeschlagen werde, 
von dem weder dieselbe noch die Nachbaren einige Jalousie zo befahren, 
so wurde es Ef. lieb sein, wenn K.S. sein Ontachten darüber ertheilte, ob 
es nicht zoträglich wäre, dass die Krone Polen vom ganzen Rom. Reiche 
ersncht werde, einen solchen König und ans solcher Familie zo wählen, 
der keinem der benachbarten Potentaten oder Stände Ombrage geben 
könnte. 

6) Aoch habe Kf. K.S. nicht verbergen wollen, was er jetzt in Frank- 
reich und Schweden negotiieren lasse. Der König von Frankreich') 
hätte nach dem Olivaer Frieden öfters zo verstehen gegeben, dass ihm die 
Renovation des vorigen Bündnisses angenehm sein würde, aoch zo dem 
Ende an Kf. einige Schickongen^ gethan, Kf. hätte, da jene vorige Allianz 
bloss in Instr. pacis fondiert und zo keines Standes Beleidigong angesehen 
sei, solche Offerte ohne Offension nicht abschlagen können ond deswegen 
zor Erneuerong solcher Allianz einen nach Paris geschickt^), die Sache wäre 
längst richtig gewesen, wenn Frankreich nicht hätte etwas weiter gehen 
wollen, wozo sich Kf. garnicht verstehen wolle. Gleiche Beschaffenheit 
hätte es mit der Gesandtschaft in Schweden, woselbst die Regierang ihm 
zom öfteren Freondschaft ond die Renovation der Allianz angeboten hätte ^), 
Kf. in der Hoffnong, dass solches zur Erhaltong des Friedens gereichen 
werde, habe darein eingewilligt^). Es wäre ihm auch Bericht zogekommen, 
von dem er jedoch nicht wüsste, ob er fondiert wäre, dass Frankreich 
von dem neolich katholisch gewordenen Herzog von Mecklenburg^) 



S. ürk. u. Akt. IX S. 385 f. 

») ürk. u. Akt. IX S. 591 ff. 

') Ueber die Sendung L es seine' an Kf. (Janaar bis April 1662), s. Urk. 
u. Akt. II S. 243 ff., IX 8. 599 ff. 

*) Ueber die Sendung v. Blumentbals nach Paris (seit Januar 1663) 8. 
Urk. u. Akt. IX S. 620 ff. 

») S. oben Abschn. 3 S. 109 f. 

^ 8. aber die Sendung v. Erockows nach Schweden (seit December 1662) 
Urk. u. Akt. IX S. 742 ff. 

f) S. Diar. Europ. X S. 642 f. Urk. u. Akt. IX S. 661, über solche Ge- 
rüchte Diar, Europ. XI S. 620. Urk. u. Akt. IX S. 674. 



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ZasamineDkQDft zu Torgau. 265 

sein ganzes Herzogtham oder doch einen grossen Theil desselben an sich 
zu erhandeln beabsichtige. 

7) K.S. habe schon 1647 bei den Münsterschen Tractaten wegen Er- 
neuerung der Brbverbrtidernng zwischen Sachsen, Brandenburg 
und Hessen erinnern lassen, auch 1657 sei die Sache zu Lichtenberg 
vorgekommen und habe Kf. versprochen^ das Werk nach Möglichkeit zu 
fördern. Kf. meine, dass die Confirmation von Kaiser und Reich bei dieser 
Conjunctur wohl zu erlangen sein werde. 

8) Kf . danke K.S., dass er seine Verordnung wegen der Witten- 
bergischen Universität^) so, wie sie gemeint sei, aufgenommen habe 
Es sei weder geschehen, um jene hochberühmte Universität zu beschimpfen, 
noch um seinen Lutherischen Unterthanen in ihrer Religion Eintrag zu 
thun, noch gar um K.S. zu nahe zu treten, sondern Kf. suche nur seine 
Lande in Ruhe und Einigkeit zu erhalten. 

9) Kf. erinnere sich, dass auf der vorigen Zasammenkunft eines Cere- 
moniels Erwähnung geschehen, wie sich Kur- und Fürsten sowohl in Person 
unter einander, als auch gegen auswärtige königliche und andere Gesandte, 
und wie sich die Gesandten unter einander zu comportieren. Weil aber 
nichts Beständiges abgeredet und inzwischen sich in Regensburg und 
anderen Orten allerhand Neuerungen zugetragen, so verlange Kf. K.S.s 
Meinung darüber zu vernehmen, damit man sich eines gewissen hierunter 
vergleichen könne. 

10) Kf. bitte K.S. um Intercession beim Kaiser, namentlich wenn er den- 
selben persönlich in Regensburg begrusse, inbetreff der Restitution von 
Jägerndorf. 

11) Kf. habe, sobald er vernommen, dass die Häuser Sachsen bei 
der Stadt Erfurt interessiert seien, K.Mainz von der beabsichtigten 
Ezecntion abgemahnt^). Wenn K.S. ihm seine fernere Meinung wegen 
dieser Sache eröffnen wolle, so werde er nicht unterlassen, dessen Interesse 
weiter nach Möglichkeit zu fördern. 

12) Kf. wolle vorstellen, welchen Schaden und Ungelegenheit seine und 
die benachbarten Lande bei den von Alters so angestellten Gilden und 

^) Das Edikt des Kf. vom 21. Angost 1662, in welchem allen br'aDdeqbnr- 
gischen Unterthanen, welche Theologie and Philosophie studieren wollten, der 
Besuch der Universität Wittenberg verboten wurde. Dasselbe war veran- 
lasst worden durch eine von der dortigen theologischen Fakultät in demselben 
Jahre herausgegebene Schrift, betreffend das 1661 zu Gassel zwischen lutheri- 
schen und reformierten Theologen gehaltene Colloquium, in welcher eine Ver- 
einigung zwischen beiden Gonfeasionen für unmöglich erklärt und den Reformier- 
ten der Name der' Evangelischen abgesprochen worden war. S. Hering, Nene 
Beitrage zur Geschichte der evangeliscb-reformirten Kirche in den Preussisch- 
Brandenborgischen Ländern II S. 160 ff. Brandes, Geschichte der kirchlichen 
Politik des Hauses Brandeobarg I S. 233 ff. Vgl. oben S. 185 and Urk. u. Akt. 
IX S. 767. 

^ S. das Schreiben des Kf. an K.Mainz vom 25. November 1663, unten Ab- 
schnitt 6. 



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266 4- ^^^ Ad fang des Regeosburger ReichBtages. Anhang. 

Zünften») fmpfinden, und ünfragm, ob K.S. nicht diensam finde, auf 
einem Kreistage oder adf gegenwärti(i:eni Reichstage darauf zu dringen, 
dass solche Zönfte entweder aufgehoben oder dergestalt modificiert würden, 
dass dadurch nicht andere geschickte Leute sich in diesen Landen nieder- 
zulassen abgehalten werden möchten. 

V. Friesen erklärt, er werde über diese proponierten Punkte seinem 
Herrn referieren und danu antworten. 



Actum Torgau 19./[29.] Üecember hora 9 antemeridiana praes. 
Freih. v. Friesen und Freih. v. Schwerin. 

29. Dec. V. Friesen erklärt nach abgestattetem Danke: 

ad 1. Inbetreff der Türken hülfe. E.S. wisse nach den eingekom- 
menen Relationen nicht anders, als dass die Volkshülfe in allen Reichs- 
coUegien beliebt worden, nnd es sei nicht wohl abzusehen, wie dies zu än> 
dern, es könnte doch einem jeden Stand, der etwa wenig Volk gebe, Geld 
zu zahlen gestattet werden. Auch auf dem jüngsten Kreistage zu Leipzig 
sei beschlossen worden^), da:>s all^ Stände des Obersächsischen Kreises sich 
mit einer gewissen Anzahl Volk ohne Geld gefa<st halten sollten. InbetrefiF 
des Quantum habe K Baiern schon längst im kurfürstl. Collegium die 
Frage angeregt, ob nicht der Türkenkrieg besser ofi'ensive als defensive 
zu führen sei. Diese Frage wäre zwar noch nicht vom Directorium pro- 
poniert, sollte es aber noch geschehen, so müsste eine weit grössere Hülfe 
erfolgen, über welche am füglichsten auf dem Reichstage durch den Kaiser 
selbi>t zu verbandeln sei. Auch K.S. erkenr:e, dass man die Armee mit 
einem qualificierten Haupte versehen müsse, er habe schon längst gehört, 
dass vom Kaiser deraKf. wegen Uebernahme des Reichsgeneralats Antrag 
geschehen, er wünsche zu vernehmen, ob dieser Antrag erfolgt sei und wie 
sich Kf. darauf erklärt habe ; ihm wäre diese Nachricht sehr angenehm ge- 
wesen^ da er zu Kf. ganz besonderes Vertrauen hege, nnd er sehe keine 
Ursache, warum Kf. dieses ausschlagen solle. Ueber die Einrichtung der 
Capitulation bei der Reichsarmee sei am füglichsten zu Regeiisburg zu 
schliessen und dabei die Executionsordnung zu Grunde zu legen. 

ad 2. Auch K.S. erkenne eine solche Verfassung zur Sicherung 
der Grenzen für nothwendig. Doch sei dem auf dem letzten Kreistage 
einigermassen providiert worden, indem die Stände beschlossen hätten, dass 
die Türkenhülfe aus zwei Theilen bestehen solle, von denen der eine wider 
die Türken, der andere zur Vertheidigung der Grenzen z'ü gebrauchen sei. 

*) Ueber die auf die Abstellung der Zunftmissbräuche gerichteten Bestre- 
bungen und Massregeln des Kf. s. Moritz Meyer, Gesch. der Preussiscbeu 
Handwerkerpolitik 1 S. 63 ff. 

3) S. oben ö. 240. 



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Zasammenkanft zn Torgan. 267 

Aach hätte er daneben sein Absehen auf eine Landesverfassung gerichtet, 
wonach von beiden Kurfürsten zur Sicherang ihres Estats eine Anzahl ge- 
worbener Völker, etwa 3000 z. F. and 1000 z. R., aufgebracht und unter- 
halten werden mussten. 

ad 3. K.S. sei erfreut darüber, dass im kurfürstl. Collegium ein solches 
Temperament, wie in K.brandenb. Proposition erwähnt, gefunden sei, er hoffe, 
dass die Fürsten sich damit befriedigen lassen, und, wenn dieses nicht ge- 
schehen sollte, Ef. die wohlhergebraehte Präeminenz der Kurfürsten sich 
aufs beste werde recommendiert sein lassen, bitte zugleich um Communi- 
cation des Schreibens von E.Mainz an Kf.; an ihn wäre bis jetzt nichts 
gekommen, aasser was Reiffenberg') mündlich gedacht. 

ad 4. E.S. bedauere, dass Ef. nicht nach Regensbnrg kommen 
könne, er selbst werde der kaiserlichen Einladung folgen, erwarte aber erst 
Nachricht, wer von den übrigen Kurfürsten bereits zur Stelle sei. 

ad 5. Ein an P ölen zu richtendes Gesamtschreiben des Reiches Hesse 
E.S. sich nicht missfallen; wie es einzurichten sei, werde sich am besten 
in Regensburg verhandeln lassen. Man werde zu verhüten haben, dass 
keiner Partei in Polen einige Jalousie gegeben, vicinis regnis keine un- 
gleiche impressiones erregt, alles aber mit Vorwissen und Gefallen des 
Kaisers vorgenommen werde. 

ad 6. Die Erneuerung der Allianzen des Ef. mit Frankreich und 
Schweden halte auch er zur Erhaltung guter Correspondenz mit den 
Nachbarreichen für sehr dienlich. 

ad 7. Die Erneuerung der Erbverbrüderung wünsche er auch 
sehr, die näheren Verbandlungen darüber könnten am passendsten in Re- 
gensbnrg geführt werden. 

ad 8. Das Edikt des Ef. wider die theologische Facultät zu Wit- 
tenberg habe K.S. nicht anders aufgenommen, als es gemeint gewesen, 
wiewohl er dessen Commnnicntion vor der Ankündigung gewünscht hätte. 
Aus einem Schreiben, welches er bald nach Auslassung des Ediktes am 
23. Januar erlassen^, könne Ef. ersehen, dass er nicht gemeint sei, seinen 
Theologen unbefugte Eingriffe zu gestatten, auch Kf. werde gewiss geneigt 
sein, alles, was ratione dieses Ediktes sowohl bei anderen Evangelischen 
ungleiche Opinion erwecken könne als auch sonst bedenklich sein möchte, 
aus dem Wege zu räumen. 

ad 9. Das Ceremoniale betreffend erwarte man das Project des 
Kf., wie man 1657 übereingekommen sei. 

ad 10. Für die Restitution von Jägerndorf wolle K.S. alles thun, 
was Kf. wünsche. 



S. aber desBen Sendung an K. Sachsen, welche zu dem geheimen Vertrage 
zu Torgau vom 30. November 1663 geführt hatte, Heibig, Johann Philipp von 
Mainz und Johann Georg IL von Sacbsen während der Erfurter Wirren, 1650— 
1667 (Archiv für die Sächsische Geschichte III) S. 415 ff, 

») S. Hering, Neue Beiträge II S. 172 ff. 



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268 4 I^er Anfang des Regeosbargör Reichstages. Anbang. 

ad 11. K.S. erkenne mit Dank, dass Kf. seine Gedanken dahio ge- 
ricbtet, dass die yod K.Mainz gegen Erfurt gerichtete Executton sas- 
pendiert werde, auch er hätte sich gegen den jüngsten K.Mainzischen Ab- 
gesandten in gleicher Weise erklärt, er könnte nicht anders merken , denn 
dass dieses etwas gefruchtet^ indem K.Mainz die Völker wieder zarück- 
gezogen, hätte aber ohnlängst nicht ohne Befremdung vernommen, dass der- 
selbe wieder von Herzog Ernst einen Pass durch dessen Lande gefordert 
hätte. Sollte dieses auf einen gewaltsamen Angriff angesehen sein, so 
laufe dieses der von dem Baron v. Boynebnrg zu Regeneburg gethanen 
Erklärung zuwider^ dass man nichts Thätliches gegen Erfurt vornehmen, 
sondern erwarten werde, was man zu Regensburg zu Conservierung der 
Reputation und Rechte von K.Mainz im kurfürstl. CoUeginm oder sonst 
ergreifen werde. K S. habe daher seine dortigen Gesandten dem ent- 
sprechend instruiert, er werde schwerlich wegen seines Interesse geschehen 
lassen, dass eine solche Stadt sub praetextu dieser Execution occupiert und 
seiner Protection entzogen werde. 

ad 12. K.S. vermeine, dass dieser Punkt auf dem Reichstage erörtert 
und die Innungen dergestalt eingerichtet werden müssten, dass die hohe 
Landesobrigkeit sich vorbehalte, selbige zu restringieren oder zu modificieren. 

Ferner hätte K.S. an Kf. zu bringen begehrt, was wegen des dem 
Herzog August zu Sachsen neulich zu Regensburg vom Kaiser und 
den meisten Ständen bewilligten voti et sessionis vorgegangen i). Er hoffe, 
Kf. werde das Werk nicht ferner difficulticren, bei der Aufrufuug des votnm 
solle nicht Quer fürt genannt werden und also kein neues votum sein, 
sondern das alte Sächsische votum bleiben, recommendiere solches nochmals 
aufs beste. 

Schwerin dankt und erklärt, darüber dem Kf. referieren zu wollen. 



Actum Torgau 19./ [29.] December 1663 hora 4 postmeridiana. 

29. Dec. Schwerin erklärt: ad 1. Obzwar Kf. dafür halte, dass das in Re- 

gensburg bewilligte Triplum bei weitem nicht zureiche, so wolle er es 
doch dabei bewenden lassen, weil er befürchte, dass, wenn man etwas neues 
proponieren liesse, solches mehr zur Behinderung als zur Beförderung der 
Sache ausschlagen könnte, zumal weil die Städte sich so gar widerwärtig 
bewiesen. K.S. möge dabin wirken, dass, wenn die 24000 Mann, auf welche 
er das Triplum berechne, aufgebracht wären, man auf mehr Succurs be- 
dacht sein möge, weil bekannt, dass solches corpus in solchen Quartieren 
leicht zerschmelzen werde. Auch gefiele dem Kf. das K. Bairische votum 
so uneben nicht, da alles vergebens sein würde, wenn man nicht zum hello 
offensivo wider den Türken überginge. Wegen des General-Commando der 
Reichsarmee sei am kaiserl. Hofe und andern Orten viel Redens und Für- 

') S. oben S. 180 ff. 



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Zusammenkatift eh Torgan. 269 

schlageiis gewesen. Wie aber Kf. bei allen Occasionen zu erkennen gege- 
ben, daes die Regierung so vieler Lande und andere Angelegenheiten ihm 
nicht gestatteten, ein so schweres Werk über sich zu nehmen, absonderlich 
da er beim Reiche auch keinen grossen Eifer verspüre, die Hülfe mit Nach- 
druck zu leisten, so wäre auch ferner an ihn deshalb nichts gebracht wor- 
den. Ef. wünsche, dass der Allerhöchste ein solches Haupt erwecken 
wolle, 80 dieser Last genugsam gewachsen^ und dass einer aus dem K.- 
Säc heischen Hause sich damit beladen lassen wolle, er wolle dieses nach 
allen seinen Kräften befördern helfen, E.S. möchte sich darüber ezpecto- 
rieren. 

Kf. halte es auch für zuträglicher, wenn die Reichsarmee nicht von 
einem Haupte geworben werden soll, dass die Werbungen in den Kreisen 
von einem jeglichen Kreisobersten geschehen, da es viel Weitläuftigkeit 
geben würde^ wenn die Werbungen von so vielen Ständen sollten angestellt 
werden. Er besorge, wenn dieses in Regensburg proponiert werden sollte, 
daas es nur Verzug verursachen dürfte, weil die meisten Gesandtschaften 
sich defectu mandati entschuldigen würden, daher würde ihm lieb sein, wenn 
K.S. sich zu einer Defensionshülfe verstehen wollte, welche, ob sie zwar 
zu allen Occasionen nicht zureichend, doch zur Abwendung der Gefahr 
hochnöthig sei, er erbiete sich zu einer gleichmässigen Hülfe und erwarte 
nor, wie hoch K.S. solche determinieren wolle, auch werde ihm lieb sein, 
wenn die Ereishülfe zustande gebracht werden könnte. — 

ad 5. E.S. möge Sorge tragen, dass das Schreiben an Polen behut- 
sam eingerichtet werde, Kf. sehe es nicht gern, dass fremde Kronen, ab- 
Bonderlich Frankreich, daraus OfiFension ergreife. — 

ad 10. IL ES. möge die Jägerndorfer Sache befördern, Ef. wolle 
dem Begehren zufolge entwerfen lassen, wie etwa das Schreiben einzurich- 
ten sein möchte, er werde sich ebenso die Erfurter Sache aufs beste re- 
commendiert sein lassen. 

Das desiderium des Herzogs August finde Ef. auf aller Billigkeit 
beruhend und es sei ihm lieb, dass die evangelischen vota vermehrt würden, 
es würde damit auch keine Schwierigkeit geben. Es wäre nur Streit ratione 
loci, und dass seine Vettern von Baireuth sich beschweren möchten. 
Daher wünsche Ef. zu wissen, wie sich dieselben etwa darüber erklärt hät- 
ten, er halte dafür, dass es nicht gross zu bedeuten hätte, was für ein Ort 
dem Herzoge August assigniert würde. 

V. Friesen danfkt und sagt zu, E.S. werde über die verglichenen Punkte 
seinen Gesandten in Regensburg gemessenen Befehl zukommen lassen 
and auch in publicis mit dem Kf. alle gute Correspondenz continuieren, 
nur wegen des letzten' Punktes hofifte er, Kf. werde das desiderium des 
Herzogs August per mandata an seine Gesandtschaft so secundieren lassen, 
dass ihm nicht allein votum und sessio an sich selbst, sondern auch der Ort; 
wo das K.Säch8ische Hans seine vota ablegt, gestattet werde. 



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270 4* D^r Anfang dee Regeneburger Reicbstages. Anhang. 

Actum Torgau 20./[30.]December 1663 hora 10 matutina. 

30. Dec. V. Friesen erklärt als Antwort K.S.s, derselbe sei mit Kf. darin einig, 

dass zum Türkeukriege 24000 Mann nicht zulangen, man wolle daher in 
Regensbnrg Yotieren, dass man nach deren Aufbringung dem Kaiser mit 
noch einem considerablen Corpo secnndiere. K.S. wünsche zum Anführer 
ein Haupt von Ansehen, hoffe, dass Kf., wenn das Werk direct an ihn ge- 
bracht werde, sich mit dieser Function werde beladen lassen, er hoffe, dass 
wenn ein Haupt von solcher Autorität dazu käme, der Eifer im Reich 
grösser sein werde. Die a parte Verfassung von K.Sachsen und K. Bran- 
denburg werde ohne Abbruch der Kreisverfassnng verstanden, also dass 
die 4000 Mann zu beiderseitiger Defension zu gebrauchen. Da K.S. dem 
Kaiser ein starkes Regiment gesandt, was andere Kreisstände nicht gethun, 
so dürfe dieses Regiment und auch was Kf. für den Kaiser gethan die 
Kreishülfe vertreten und wolle man die anderen Kreisstände ermahnen, sich 
in gleicher Weise anzustrengen. Wenn K.S. und Kf. jeder mit 4000 Mann 
gefasst wären, könnte solches eine bastante Reserve sein, die Grenze zu 
vertheidigen nnd im Nothfail auch zur Assistenz gegen die Türken zu ge- 
brauchen *). 

Im Streite der collegia verspricht K.S. in Regensburg gute officia, 
für die Erb Verbrüderung Mittheilung der nöthigen Archivalien; er will in 
Regensburg im Interesse beider wirken, dafür soll Kf. als Nachgeord- 
neter im Kreise dafür sorgen, dass daheim alles in Ruhe and Frieden bleibe, 
und die Wünsche Herzog Augusts unterstützen^). 

Infolge des Beginnens des Eisganges auf der Elbe bricht Kf. sogleich 
auf, so dass keine Conferenz mehr gehalten werden kann, seine Bagage 
muss über Dresden zurückgehen. 



Geheimenraths- Protokoll. D. Cöln a. d. Spree 
19. /[29.] Januar 1664. 

[Conferenz mit General Würtz.] 
29. Jan. H. Kanzler Jena referiert von der Conferenz, so er mit H. Würtz 



1) Auf eine Anfrage K.Sachsens vom d./13. März 1664, ob Kf., nachdem sie 
zu Torgaa verabredet hätten, 3000 Mann z. F. und 1000 z. R. zur Sicherung 
ihrer Lande parat zu halten, noch bei seiner damaligen Mein&ng verharre, antwortet 
Kf. (d. Cöln 15/25. März 1664): ,So haben wir auch soviel Völker anf den Bei- 
nen, dasB wir demselben, was wir zu Torgan mit E. Ld. verabredet, wenn es 
die Noth erfordert, jederzeit, sonderlich was das Fussvolk anlanget, ein wnrk- 
liches Genüge leisten können, und zn den Reutern können wir auch leichtlich 
gelangen, also daes wir es unserstheils bei solcher Abrede nochmals bewenden 
lassen und von E. Ld., wie Sie es halten wolle, fernere Erklärung erwarten.*' 

^ S. das Rescript des Kf.'an die Beichstagsgesandten vom 9. Januar 1664, 
in welchem er denselben die Ergebnisse der Torgaaer Zasammeukanft mitthoilt 
und ihnen die entsprechenden Weisungen ertbeilt, oben S. 216. 



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Gonfereoz mit Würtz. ZosammeDkooft mit R. Sachsen za Berlin. 271 

gehalten 1); weil er über der Gratulation noch etwas mehr anzobringeD, ob 
er Apertur davon thon wollte. 

Würtz bat erklärt, er sollte, nachdem Kf. an die Pommersche Regierung 
geschrieben und die Noth des Türken vorgestellt, sie dieses dem König 
commnniciert und derselbe des Kf. Vorsorge wohl aufgenommen; vernehmen, 
1) wie Kf, vermeine, wie es wegen der Defension contra Turcam einzurich- 
ten, 2) hätte er wissen wollen, wie die negotia der Tractaten in Schweden 
ständen. Dann fragte er an wegen der Rheinischen Allianz, ob Kf. hinein- 
treten wolle. Es ist ihm erklärt worden, Kf. hätte sich erklärt, aber es wä- 
ren etliche Punkte darin, so nach dem jetzigen Znstand nicht könnten bestehen. 

Es wird berathen, was ihm wegen der Verfassung gegen den Türken 
zu sagen sei, Kf. entscheidet: 

1) zu reden von der Defension, wie wir die Grenzen gegen die Ca- 
naillen [vertheidigen wollen], ihm zu sagen und zu commnnicieren, was mit 
K.Sachsen vorgegangen. 

Ob man nicht Mecklenburg, Braunschweig-Lüneburg auch 
dahin disponieren könne, dass sie uns assistierten. Gewiss wäre es, dass 
es das beste, wenn man ein Haupt hätte, dem man das Geld gebe, aber 
das wird schwerlich geschehen. 

Was von Krockau geschrieben, kann man ihm commnnicieren, und 
möchte H. Würtz auch seine Meinung sagen. 



ProtocoUum was bei Anwesenheit I. Chf. D. zu Sachsen alhie 

zu Cöln an der Spree aufm Schlosse im April 1664 die Churf. 

Sachs. Herren Geheimen Räthe des Herrn Oberpräsidenten 

Freiherm von Schwerin Gn. proponiret haben. 

1. Conferenz. ProtocoU dessen, v^as die K.Sächs. H.H. Ministri, der 
Freiherr v. Friesen und General-Lieutenant Wolf Christian v. Arnheim 
den 24. April 1664 dem Churbrand. H. Oberpräs. Freiherrn v. Schwerin 

proponiret. 
V. Friesen erklärt, K.8. hätte inKegensburg mit Freuden die grosse 4. Mai. 
Sorgfalt verspürt, welche Kf. zur Erhaltung der Sicherheit im Reiche öffent- 
lich bezeigt, und dass zwischen den beiderseitigen Gesandten gute Ver- 
traulichkeit gepflogen, er habe auch befohlen, solche Vertraulichkeit zu con- 
tinuieren. K.8. habe, wie er zu Torgau zugesagt, die Jägerndorf er 
Sache sofort dem Kaiser schriftlich vorgestellt, auch dieselbe in Regeusburg 
beim Kaiser mündlich und beim kurfürstl. Collegio recomniendiert und er- 
biete sich, auch ferner darin alle gute officia zu thun Betreffend die ver- 



') S. ürk. u. Akt. IX S. 775. 778. Würtz war wahrscheinlich von der 
BchwediBcheo- Regierung nach Berlin geschickt worden, um dem Kf. zu seiner 
glücklichen Heimkehr aus Prenssen zu gratulieren. 



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272 4- ^^^ Ad fang des Begensbarger Reichstages. Anhang. 

abredete reciproque Assistenz habe K.S. schon angefangen, za deren 
Ezpedierung Anstalt zn machen, es wäre ihm lieb gewesen zu vernehmen, 
dass Kf. sich mit dem Schwedischen O.Lieuten. Würtz deshalb vereint 
nnd dessen Gedanken ihm mitgetheilt habe % die beabsichtigte Znsammen- 
schicknng von Gesandten lasse er sich desto mehr gefallen, je vortbeilhafter 
es für den ganzen Kreis wäre, dass dergleichen gute Verfassung geschehe. 
Nachdem neulich der Niedersächsische Kreis auf ein Triplum an Völ- 
kern und ein Simplum an Gelde geschlossen, und da es gute Facilität geben 
könnte, wenn diese beiden Kreise zusammenhielten, wünsche er des Kf. Ge- 
danken darüber zu vernehmen, ob man den Obersächsischen Kreis dazu 
disponieren und zu diesem Zweck eine Kreisversammlung ausschreiben solle. 

K.S. danke dafür, dass Kf. in der Erfurter Sache wirklich die Ver- 
mittelung betrieben hätte, dessen Schreiben an K.Mainz sei nicht ohne 
Effect gewesen. Da er aber bemerke, dass der Kaiser stark auf die Pa- 
rition dringe, gleichwohl aber verlaute, dass der gemeine Pöbel so unge- 
zogen sei, dass der Magistrat nicht mehr Macht hätte denselben zur Raison 
zu bringen, auf welchen Fall K.Mainz sicher auf die Ezecution dringen 
werde, so wäre er sehr besorgt und wünsche von Kf. zu vernehmen, was 
vor die Hand zu nehmen, damit demselben vorgekommen und gefährliche 
Consequenzen verhindert würden. 

V. Schwerin bezeugt des Kf. Freude über diesen Besuch, bittet mit 
der Bewirthung nach Gelegenheit der Zeit vorlieb zu nehmen und verspricht 
Antwort auf die proponierten Punkte. 

2. Conferenz. Den 25. April 1664. 

5. Mai. V. Schwerin erklärt: ad 1) Kf. danke für die Bemühungen K.Ss. in der 
Jägerndorfschen Sache, da aber darauf bisher noch kein effectus am 
kaiserlichen Hofe erfolgt sei, Kf. aber gemeint sei, in dieser Sache ein- 

1) Kf. hatte (d. Cola 22. März/l.April 1664) K.Sachseo mitgetheilt, er habe 
neulich mit dem Schwedischen 6.Li6uteoant v. Würtz bei dessen Anwesenheit 
in Berlin, gemäss der in Torgan getroffenen Abrede, wegen einer Defensions- 
verfassnng der vornehmsten Stande des Ober- and Niedersächsischen Kreises 
gegen die Türken verhandelt (s. darober das oben S. 270 f. mitgetheilte Qeh.Baths- 
ProtokoU vom 19./29. Jannar 1664); derselbe habe jetzt (in einem Schreiben an 
den Karsten von Anhalt, d. Stettin 10./20. März 1664) berichtet, dass man in 
Schweden bereit sei, das Werk za befördern und auch andere Stände des 
Niedersacbsischen Kreises, das Haas Braunschweig, Mecklenburg und Hol- 
stein aufzunehmen. Kf. habe sich darauf zur Beschickung einer Zasammenkonft be- 
reit erklärt und als Ort derselben Goslar, Magdeburg, Tangermünde, Salzwedel and 
Lüneburg vorgeschlagen; er ersucht K.Sachsen, auch an dem Werke mitzuhelfen 
und wogen Ort und Zeit seine Meinung zu eröffnen. Darauf hatte Herzog Mo- 
ritz von Sachsen, als Statthalter für seinen noch in Begensburg abwesenden 
Bruder, geantwortet (d. Dresden 31. März/ 10. April 1664), er werde dieses dem 
Kurfürsten bei dessen bald bevorstehender Bäckkehr melden, nnd gebeten, so 
lange zu warten. S. auch ürk. u. Akt. IX S. 778. 



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ZnsammenkoDft mit K. Sachsen sa B^rliD- 273 

mal eioe endliche Richtigkeit zu treffeo, so ersuche er E.S., ihn auch fer- 
ner dabei za anterstützen. 

ad 2) £f. halte anch jetzt für nöthig, aasser der Reichshülfe aaf De- 
fension der Grenze hedacht zn sein. Er habe zwar gemeint, dass das 
vom Obersächsisehen Kreise bewilligte Triplam zur Ereisdefension angese- 
hen sein solle, da er aber hente vernommen, dass es auf die zq Regensburg' 
gewilligte Tripelhülfe zn verstehen sei, so wolle er sich mit K.S. gern 
hierunter conformieren, wenn man nach dem Beispiel des Niedersächsischen 
Kreises auch eine solche absonderliche Hälfe thnn möchte-, er stelle ganz 
K.S. anheim, wie dieses werkstellig zn machen sei. 

ad 3) in der Erfurter Sache, da K.S. selbst erkenne, dass der Kai- 
ser und K. Mainz auf die Parition dringen würden, und wünsche, dass die 
Stadt billig parieren solle, so erbiete sich Kf., dieselbe dazu zu ermahnen. 
Er gebe auch zu bedenken, ob es nicht rathsam sei, im Falle die jura, jvelche 
beide Kurfürsten zu Sachsen und zu Mainz an diese Stadt prätendierten, 
noch streitig wären, dass sie beide sich zuförderst darüber verglichen, was 
einem jeden zustehen solle, und K.S. alsdann sich erbiete, er und sein 
H^ns und erforderlichen Falls der gaUze Obersächsische Kreis wollten' die 
Stadt dazu bringen, dass sie dasjenige, was man alsdann E.Mainz zuge- 
stehen werde, acceptieren solle, wozu Kf. seine Hülfe zusage. 

lieber die anderen Torgauer Funkte wolle er nicht proponieren, da er * 
sehe, dasB K.S. so sehr wieder wegeile. Da aber von den Gesandten zu 
Regensburg berichtet werde^ dass, sobald der Kaiser aufgebrochen, man 
deliberieren wolle, ob der Reichstag continuiert oder in einen Deputations- 
tag verändert werden solle, wünsche Ef. E.S.s Gedanken darüber zu ver- 
nehmen. Noch einen anderen Punkt halte Kf. für nöthig, hier zu repe- 
tieren. Bei neulicher Zusammenkunft sei desideriert worden ^}, dass das von 
Kf. wider die theologische Fakultät zu Wittenberg erlassene Edikt ge- 
mildert werde. Ef. habe das auch so viel bei ihm gelten lassen, dass er 
seitdem wider den Inhalt des Edikts diejenigen, welche nur von Wittenberg 
gekommen, zum ministerio befördert hätte, und er hätte es noch ein wenig 
ansehen wollen, wie sich die Theologi anf E.S.s harten Verweis verhalten 
würden, da dann das Edikt nicht allein von sich selbst dahin gefallen, son- 
dern Ef. auch den jungen studiosis den Besuch von Wittenberg erlaubt 
haben würde. Allein zu seiner grossen Bestürzung sei neulich ein grosses 
weitläuftiges Scriptum der Wittenberger theologischen Fakultät hervor- 
gekommen '), worin dergleichen harte, anzügliche und erschreckliche Redens- 
arten enthalten , als noch nie sich in Schriften zwischen diesen streitenden 
evangelischen Eirchen gefunden: Ef. wolle davon, dass in diesem Scriptum 
den reformierten Glaubensgenossen die Seeligkeit ganz abgesprochen werde, 
und anderem abseben, darüber aber könne er nicht umbin zum höchsten 

') S. oben S. 265. 267. 

• ^ Diese Schrift führte deo Titel: Zeugnisse der theologischeo Fakultät und 
Ministeriaois , dasa die Calvinische und Zwinglische Lehre verdammlich sei*, s. 
Hering, Neue Beiträge II S. 179. 

Mater, x. Oeicb. d. G. Kurfunteu. XI. ]8 



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274 4. Der Anfang des Regensbarger ReichaUges. Anhang. 

za klagen, dasB dieses Scriptnm eigentlich gegeo ihn gerichtet, dass darin 
welter gegangen sei, als es Theologis gezieme, dass sie hieranter .aach 
wider den Religionsfrieden und das Instr. Pacis handelten, dass sie auf 
ganz nnverantwortliche Weise ihn und seine Vorfahren beschuldigten, als 
hätten sie ihre getreuen Lutherischen Unterthanen aus dem Lande yertrei- 
ben wollen, u. s. w. 

Kf. stelle zu K.S.s Belieben, was er gegen die Autoren dieses 
Buches wegen ihres Ungehorsams verordnen wolle, und sei nicht gemeint, 
ihm hierüber etwas vorzuschreiben, bitte aber K.S. es künftijg nicht übel 
zu entpfinden, wenn er solche Mittel- gegen dieses Scriptum der Witten- 
berger Theologen gebrauche, die den autoribus ihren Unfug öffentlich zeu- 
gen und seine getreuen Unterthanen warnen könnten, sich vor diesem 
Scriptum zu hüten. 

T.«Frie6en versichert darauf, dass weder sie, die Deputierten, noch, 
wie sie meinten, ihr Kurfürst, von dem Buch der Wittenberger wisse, der- 
selbe werde sich gewiss darauf so erklären , dass Kf. zufrieden ' sein und 
das gute Vertrauen zwischen ihnen nicht gestört werde, sie würden hier- 
über wie über das andere referieren. ' •. 



3. Conferenz. a meridie eodem die den 25. April 1664. 

5. Mai. V. Friesen erwidert: Wegen der Assistenz wolle K.S. eine Zusam- 

menkunft des Obersächsischen Kreises zu Montag nach Trinitatis an- 
setzen, die Verhandlung mit dem Niedersächsischen Kreise könnte 
bei dieser Zusammenkunft gleichfalls besprochen werden, wie denn, wann 
ratione modi die Kreisobersten es festgestellt, die Sache leicht einzurichten 
sein werde, weil im Niedersächsischen Kreise dergleichen schon angestellt 
sein solle. Da aber indessen Brandenburg und Sachsen leicht die 
erste Gefahr treffen könne, so stelle er anheira, ob* man sich nicht hier- 
unter schon praeliminariter in quanto und modo succurrendi einigen wolle. 
NB. Dieses ward hernach also declariert, dass 'es nic^t allhier abgehandelt 
werden sollte, sondern erst auf dem bevorstehenden Convent. 

K.S. danke für des Kf. Erbieten, Erfurt zu disponieren, dass die Strei- 
tigkeit beigelegt werde. Nachdem von Regensburg eine Schickung an 
Erfurt geschehen und sie zum schuldigen Gehorsam anermahnt worden, 
wünsche er erst zu erfahren, was solches gefruchtet; wenn solcher Bericht 
einkäme, wollte er ferner Apertur davon thun und bitte er, dass Kf. dann 
seinem Erbieten nachkommen wollte. Er tvüsste aber nicht, dass wegen 
der jurium mit K.Mainz Streit entstanden sei, als bis zu der neulich von 
demselben begehrten Qebetsformel , vermeinte sonst, ob nicht der Parition 
dadurch abzuhelfen, wenn untersucht würde, was eines jeden Intention in 
dieser Sache gewesen, und hernach das Werk vel per interpositionem yel 
per coromis«ionem gehoben würde. 

W^gen der Erb v erbrü(leruiig werde Kf. von seinen Gesandten er- 



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ZasammoDkanft mit K.Sachseo eu Berlio. 275 

fahren habend), dass die Gesandten d^r drei Uäaser deshalb beim Kaiser 
hätten einkommen wollen. 

Das Buch der Wittenberger Theologen kenne E.S. nicht, er 
werde es einfordern und examinieren lassen und, wenn es sich also befinde, 
als angezogen worden, solche Verordnung ergehen lassen, dass man spüren 
solle; er wbHe, dass dem Instr. pacis und den Reichsgesetzen nachgelebt 
und, soviel Gewissens halber geschehen kann, nachgekommen werde. 

£.S. sehe es gern, dass der Reichstag continniert werde. 

4. Conferenz. Dfcn 26. April 1664. 

T. Schwerin erklärt, Ef. bitte um Fortsetzung der Recommendation 6. Mai. 
in der Jägerudorfer Sache. Ba er vernehme, dass K.S. ehestens znm 
Kaiser nach Prag kommen werde, so bitte er dort die Sache zu recom- 
mendieren/ 

Kf. sei mit Zeit und Ort für di^Obersächsische Kreisverfassnng 
einverstanden. Modus und Quantum der gegeiüseitlgen Assistenz bedürfe reifer 
Deliberation, vorläufig meine er, weil beide Kreise sich von allem aufgebrachr 
ten Volk nicht würden entblössen wollen, hätte man zu begehren, es möchte 
die HäMie der aufgebrachten Völker zur Bewachung der Grenzen beider 
Kurfürstenthümer hergegeben werden, deren Unterhalt aus den Kreisen er- 
folgen müsse. Da K.S. zur Besetzung seiner Grenzen von diesen Truppen 
mehr vonnöthen haben werde, so werde 'er mit einem Drittel jener Hälfte 
zufrieden sein, die er ins Crossensche und einige andere Orte an dem Neuen 
Graben verlegen werde, K.S. werde etwa die SecbsstÄdte in Acht zu neh- 
men haben. Auch werde der attaquierte Tbefl von dem anderen, der dies 
nicht zu befahren habe, succurriert werden müssen, worüber die Officiere 
zu beordern seien. 

Für die Continuierung des Reichstages werde auch Kf. durch seine 
Gesandten wirken lassen. 



Kurfürst Johann Georg von Sachsen an den Kurfürsten. 
D. Dresden 13./[23.] Mai 1664 

[Berufung eines Kreistages nach Leipzig.] 

Nachdem die jüngst zu Brannschweig fersammelt gewesenen Ge- 23. Mai. 
sandten der Stände des Niedersächsischen Kreises bei den Ober- 
sächsischen beantragt haben, dass Tcrmitteist Zusammenschickuug beide 
Kreise sich vereinigen möchten, wie die Assistenz bei diesen höchstgefähr- 
lichen Zeiten einzurichten , nachdem ferner der Obersäehsische Kreis das 
im vorigen Jahre zu Leipzig bewilligte Triplum dem Kaiser bat gänz- 
lich zur Hülfe senden müssen und derselbe daher bei der aufs n^ue dro- 
_ _ _ ^ 

S die Rotationen derselben vom 21. und 28. März 16^)4, (oben S. 2d2f.). 
worin sieklageo, dass K.Sachsen auch um diese Angelegenheit sich nicht kammere. 

18* 



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276 4- ^^^ Anfang des Regensbarger Reichstagen. Anhang. 

henden Türkengefahr ganz ohne Yerfassang steht, hat er nach Torheriger 
persönlicher Unterredung mit Ef. und dem Herzoge voo Alten barg eine 
Ereisversammlang anf den 13. Juni nach Leipzig ansgeschrieben, am vor- 
nehmlich za bereden , ob, gleich dem Niedersächsischen Kreise, noch «in 
anderweitiges Triplnm an Volk und Simplom an Geld zu des Kreises Yer- 
sicherang eilend zasammenzubringen und wie die Grenzen zu besetzen, auch 
was mit dem Niedersächsischen Kreise der reciprocierlichen Hülfe nnd 
Assistenz halber zu tractieren und wer deshalb abzuschicken sein möchte. 
Kf. möchte die Versammlung beschicken. 

PS. Er empfiehlt seinen Gen. Lieutenant Wolf Christo pb v. Ar- 
nimb zum General über die- Ei^eistruppen. 



Instraction für ansere Hof- nnd Kammergerichts- nnd Halber- 
stftdtische Regiernngs- nnd Kammerräthe Philipp Wambold 
von Umstadt nnd Johann Bndendach. D. Cöln a. d. Spree 
. • 7./[17.] Jnni 1664. 

[Aafbriognng eines Krmsheeres; Sicherang- der Grenzen; Vereinigong mit dem 
Niedersäcbsischeo Kreise. Die Erfurter Sache.] 
• • 

17. Jani. 1) Ef. erachtet für nöthig, dass ausser der gemeinen Reichshülfe, 

welche im Felde wider den Türken agieren muss, zur Defension des Krei- 
ses ein Triplnm an Volk nnd Simplum an Geld spätestens in 2 Monaten 
aufgebracht und dabei die 1663 gemachte Eintheilung der Comptfgaieen, 
Regimenter u. s. w. beibehalten werde. Was Kf. für seine Eurlande von 
den vorigen Bewilligungen noch schuldig (etwa 1828 Reichsthaler), erhalten 
Oes. mit sur Ablieferung in die Kreiskasse, was Kf. wegen Hinterpom- 
mern und Cammin von den seit 1656 ge willigten Römermon^ten noch 
zuzutragen hat, soll auch ehest erfolgen. 

2) SoHten die kaiserliche und Reichsarmee sich vor dem Erbfeind re- 
tirieren müssen, so müssen alle Völker des Kreises zusammengezogen nnd, 
da^ die beiden Kurfürstenthümer zunächst von dem Angriff bedroht sind, 
diese vornehmlich geschützt werden, Kf. würde dann Crossen, Frank- 
furt a. 0., Beeskow und die Oerter dahernm in Acht nehmen uiid will, 
da K. Sachsen mehr Oerter zn besetzen hat, mit einem Drittel des Kreis- 
volks zufrieden sein, und müsste im Nothfall ein Theil dem anderen un- 
gesäumt succurrieren. 

3) Kf. wünscht Vereinigung mit dem Niedersächischen Kreise zu 
gegenseitiger Hülifeleistung, es muss sofort eine Abschickung dortbin erfol- 
gen,, dieselbe würde am besten von K.Sachsen, Kf. und Sachsen- Alten- 
burg g^cheheu, Kf. will dazu seinen Halberstädtischen Regiernngsrath 
Johann Butendach bestnimen. Da die Siehe) heit des Obersächsischen 
Kreises besonders darauf beruht, dass die Grenzen der Ober und Nie- 
der- Lausitz wohl verwahrt werden, so sollen Ges. anfragen, ob K.S. 



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InstraktioD für die GesandteD zam ObersächsiacheD Kreistage. 277 

dazu die KreLshüliü mit gebräacbeo wolle, doch müsste er dann a part 
dieser Lande wegen zu diesem Defensionswerk zutragen. 

4) Ef. ist einverstandeii damit, dass W. Chr. v. Arnimb als Oen. 
Lieutenant das Commando über die Kreistruppen tibertragen werde, doch 
darf ihm, bevor er nicht wirkliche Dienste thnt, die Tolle Verpflegung nicht 

. gereicht werden. Diese Verfassung darf erst aufhören'; wenn die Gefahr 
beseitigt ist Die Artillerie betreffend bat schwere Stücke der Stand her- 
zugeben, in dessen X<ande agiert wird, wegen der Feldstücke kann es bei 
dem bleiben; w^s auf dem vorigen Kreistage beschlossen ist. 

In dem Notificationsschreiben an den Kaiser kann erwähnt werden, 
derselbe möchte wegen des Proviants für die Armeeen, Beschirmung der 

Frenzen und Festungen gute Anstalt treffen und den Ungarn, Schlesiern 
und Mähren das cxercitinm religionis nicht ferner hemmen lassen. 

Auf diesem Kreistage ist auch die Erfurter Sache zu überlegen. 
Ges. sollen Torschlagen, dass nomine des Kreises einige Völker in die 
Stadt entweder mit Zulassunjg des Raths und der Bürgerschaft gelegt 
oder sonst hineingebracht würden, um die Aufrührerischen so viel besser 
zum Gehorsam zu bringen und den Kreis zu verwahren, dass nicht an- 
dere auf Mittel, sie zum Gehorsam zu bringen, bedacht sein dürfen, sodann 
müsste man trachten, dass die Stadt mit K.Mainz ausgesöhnt werde und 
demselben Satisfaction geschehe, doch so, .dass ihm nicht mehr, als wozu 
er vorher befugt, attribuiert werde, dann würde es sich wegen des Kaisers 
und Reiches hernach auch wohl finden. 



Nebenmemorial für die Kurfürstlichen Abgesandten zu. dem 
Kreistage, D. Cöln 7./[17.] Juni 1664. 

[Die besondere VerfasBUDg zwischen E.Sachsen und K.Brandenburg. Zuziehung 
Schwedens. Besetzung des Kreisgeneralats. Znlasauog Herzog Augusts von ^ 

Sachsen zum Kreistage.] 

Die von K.Sachsen auf der Zusammenkunft zu Torgau angeregte 17. Juni, 
absonderliche Verfassung beider Kurfürstenthümer hält Kf. in Anbetracht 
der Gefahr und, da es mit solcher Kreishülfe so langsam dahergeht, auch 
jetzt für nöthig und zuträglich. £r lässt es bei dem dort verabredeten 
Quantum (3000 z. F. und lOOO z. R.), doch könnte zur Erleichterung der 
Unterthaneu hierin die Kreishülfe mitbegriffen werden. 

Well aber gegen einen mächtigen Feind diese Verfassung zu schwach 
sein würde, so wünscht Kf., dass auch Schweden, mit welchem er schon 
deswegen verhandelt hat i), und andere fürstliche Häuser dazugezogen werden. 
Wenn die K. Sächsischen damit übereinstimmen, so könnte mit den an- 
wesenden Schwedischen Gesandten sofort daraus communiciert , das 
ganze Werk aber müsste auf eine besondere Zusammenkunft verschoben 

^) S. oben ftj. 271. 



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278 ^^^ Anfang des Regensbarger Reicbstaget. Anhang. 

and zn dieser auch die anderen, welche welter dazu zu ziehen, eingeladen 
werden, inmittelst bliebe doch das, was Kf. mit K.Sacbaen abgeredet; in 
seinem vigor. • • 

Nachdem nachträglich Fürst Emanuel Ton Anhalt bei Ef. angehalten, 
dass er zu der Charge als General über die Rreistruppen employiert würde, 
so lässt Kf. Fich denselben, doch nur im Fall E.S. TOn dem v. Arnimb 
abstehen sollte, gefallen. 

Nachdem E.Sachsen bei Ef. angehalten, dass eic seinem Bruder, dem 
Administrator Ton Magdeburg, bei diesem Kreistage Session und Totnm 
wegen Querfurt gestatten und ihm, wie in Regensburg, darin gegen zu 
erwarten^^e Opposition assistieren möchte, und Ef. ihm auf dem Reichstage 
dieses zugestanden hat, so sollen Qes. darein willigen und jenen dabe# 
unterstützen. 



Wambold and Badendach an den Kurfürsten^ D. Leipzig 
15./[2B.] Juni 1664. 

[Besprechung mit den K.Sächsisohen Qesandten. Eröffnung des Kreistages.] 

25. Juni. 12./22. Juui Bind sie in Leipzig angelangt, haben aber ausser den E.S&ch- 
sischßu Abgesandten nur den für Vorpommern, Obristen Wulff, vorgefunden. 
13./ 23. Juni haben sie die E. Sächsischen besucht und angefragt, wie 
E.S. in betreff der Aufnahme von Schweden in die besondere Verfassung 
denke; jene erklärten aber, da auf der neulichen Conferenz zu Berlin 
davon nichts vorgekommen, sondern nur dieser Ereistag, Bewilligung noch 
eines Simplum und Verbindung mit dem Niedersächsischen Ereise, so hätte 
man geglaubt, Ef. hätte seine Meinung geändert. Vergeblich remonstrierten 
sie dagegen, jene behaupteten, darüber nichts in Instruktion zn haben. 
9 y. Arnim, der etwas mehr Affection zu dieser Verfassung als die beiden 
ander.en zeigte, berichtete, ;K.S. hätte unter dem Namen des Landvolks 
wohl 8000 M. recht geworbene Völker auf den Beinefi. Als sie darauf 
fragten, ob sich E.S. zur Besetzung der Grenzen in der Lausitz der 
Kreishülfe bedienen wolle, konnten sie darauf auch garkeine kategorische 
Resolution erhalten. In der ersten Sitzung 14. /24. Juni wurde nach Ver* 
lesung der Creditiye die Froposition von den E.Sächsischen abgelegt, heute, 
15./25. Juni, in der zweiten Sitzung wurde der erste Punkt der Proposition, 
Aufbringung eines zweiten Triplum an Mannschaft und Simplum an Geld, 
verhandelt. Die Verfassung selbst wurde durchgehends für nothwendig befnu" 
den, die meisten aber wollten von einer Werbung nichts hören, sondern 
stimmten auf Bewehrung des Landvolks oder auf ein Simplum oder hoch* 
' Btens ein halbes Triplum geworbener Völker. 



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Obersachsischer Kreistag eu Leipzig. 279 

Dieselben>n den KurfUrsten. D. Leipzig 18./[28.] Jani 1664. 

[Verhandlnngeo auf dem Kreistage.] 

Am 16. /26. hat sich endlich die Majorität für das Triplam an Volk 2d. Juni, 
and Simplum an Geld erkl&rt. Betreffs des zweiten Punktes* (Bewahrung 
der Grenzen) waren aach die Meinungen sehr ungleich , die Majorität ent- 
schied endlich am 17./27. dahin, dass dieser Punkt sich am besten bei der 
bevorstehenden Gonferenz mit dem Niedersächsischen Kreise würde erörtern 
lassen, dass auch eine Besichtigung der Grenzen nöthig sei, diese aber, 
ebenso auch, auf welche Weise das Triplum zu employieren, den Ereisäni- 
tern anheimzugeben sei. Nachmittags wurde Punkt 3, Bestellung eii^es 
Generals, vorgenommen und von K.Sachsen G.L. v. Arn he im b empfohlen, 
wegen Verschiedenheit der vota aber konnte noch kein rechtes oonciusnm* 
gemacht werden. Heute (]d./28.) wurde über Punkt 4 berathen und fast 
einstimmig beschlossen, dass die Zusammenachickung mit dem Nieder - 
sächsischen Kreise nothwendig sei, und wurde dieselbe den Kreisämtern, 
K.Sachscn, K-Bran^denburg und Sachsen* Altenburg übertragen. 
Bei dieser Gelegenheit wurde auch die Erfurter Sache vorgebracht und 
fast einstimmig beschlossen, an den Kaiser und an K.Mainz zu schreiben, 
dass die Stadt, nachdem dort die innere Unruhe beseitigt und sie schon 
völlige Parition geleistet, vom Banne befreit werden möge. Gestern Nach- 
mittag bei der Gegenvisite der K. Sächsischen haben sie sich vergeblich 
bemüht, deren eigentliche Intention in betreff der absonderlichen Verfassung 
zu erfahren, dieselben erklärten nur, man solle noch nicht mit^den Schwe- 
dischen communicieren, sondern erst den Ausgang dieses Tages und der 
Cbnferenz mit dem Niedersächsischen Kreise abwarten. 



Der Kurfürst an die Gesandten. D. Cöln 22. Juni/ 
[2. Juli] 1664. 

[K.Sachsen^verweigert die besondere Verfassung. Die Erfurter Sache.] 

Da auch aus dem Beantwortungsschrefben K. Sachsens hervorgeht, 2. Juli. 
dass derselbe die absonderliche Verfassung nicht für vorträglieh hält, so 
sollen sie deswegen keine weitere Anregung thun. Dass Erfurt den kai- 
serlichen Mandaten völlige Parition gethan, kann Kf. aus dem, was bisher 
ihm zugekommen, der Formul des. Gebets und anderem, nicht befinden, Oes. . 
BoUen darüber gewissen Bericht einziehen und, wenn es sich nicht befindet, 
ihrer Instruktion nachleben. 



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280 ^^f AofaDg des Regenaburger Reichstages. AohaDg. 

Die Gesandten an den KurfÜröten. 1). Leipzig 27. Juni / 

[7. Juli] 1664. 

[Die letEteo YerhaodlaDgen aaf dem Kreistage.] 

• 

7. Juli. Nachdem am 2()./.30. and 21./31. Jaoi zanäcbst darch eiue Deputatioo 

mit G. L. V. Aruimb verbandelt und dann beschlossen worden war, anter 
den von dieser mit demselben verabredeten Bedingungen demselben das 
Commando der Kreisvölker zu übertragen, wurde am 23. und 24. wegen 
Verbesserung der Verpflegungsordnung verhandelt und ausserdem beschlos- 
sen, dem Proviantmeister wegen der Correspondenz monatlich SO Thalcr 
zi^ seiner Oage zuzulegen. Am 25. wurde der Abschied verlesen, G.L. 
V. Aruimb dem Kreise verpflichtet und das Notificatiousschreiben an den 
Kaiser 1) mit der inserieiten Verwendung für Erfurt verlesen, und als Ges. 
beantragten, denselben wegen Beischaffung des Proviants für die Armee 
in Ungarn, Bewachung der Grenze und Gestaltung des exercitii religlonis 
in seinen Erb! luden zu erinnern, beschlossen, deswegen besondere Schrei- 
ben abzufassen. Am 26. wurden dieselben, sowie die revidierte Verpfle- 
gungsordnnng verlesen und dann der Kreistag geschlossen 



Ereis^bschied des Ober&ächäischen Kreistages. D. Leipzig 
25. Juni/ [5. Juli] 1664. 

[BewilliguDg eines neaen Triplum an Volk und vorlaufig eines Simplum an Geld. 

iQspiciurung der Grenzen. Ernenoung v. Arnims zum General der Kreistruppen, 

Korohöffers zum Kreiszahl- und proviantmeister.] 

5. Juli. Da das im vorigen Jahre beschlossene und wirklich aufgebrachte Tri- 

plum an Volk, nachdem auf dem Reichstage dem Kaiser vom ganzen 
Reiche ein 'triplum bewilligt worden, nach Ungarn geschickt und so die 
ganze Kreisverfassung dahin angewendet ist, ist in anbetracht der foft- . 
dauernden Gefahr beschlossen worden, ein neues Triplum aufzubringen, 
wozu ein jeder Stand sein Contingent binnen zwei Monates bereit zu halten 
hat. Zugleich hat jeder Stand Vorkehrung zu thun, dass im Nothfalle ein 
allgemeines Landaufgebot erfolgen kann. 

Die auf dem vorigen Kreistage angefertigte Liste der aufzubringenden 
Völker und dje Bestimmungen über die Vertheilung derselben unter die 
einzelnen Stände, über Besoldung, Artillerie, Munition u. s. w. sind revi- 
diert und neueingerichtet worden und sollen in dieser Gestalt pro norma 
dienen. 



Dasselbe (d. 25. Jani/ö. Joli 1664) bei v. Tettau, Die Reduktion von 
Erfurt und die ihr vorangegangenen Wirren (Jahrbücher der K: Akademie gemeio- 
nätziger Wisse Dschaften zu Erfart. Neue Folge. III S. 334 f.; Inhaltsangabe 
Diar. Europ. XI S. 383. 



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Obersachs) scher Kreistag zu Leipzig. 281 

Zq dem auf dem vorigen Kreistage bewilligten Simplum an Qeld ist 
nocb ein anderweitiges Simplum binnen Monatsfrist zur Kasse zu liefern 
bewilligt worden y auch soll im Fall der Nöth von dein Kreisobersten mit 
Zustimmirog des Nach- nnd Zugeordneten noch ein Monat ausgeschrieben 
werden. 

Betreffend die Sicherung der Grenzen des Kreises gegen Böhmen nnd 
Schlesien hin, ist zunächst Inspiciemng derselben und Berichterstattung 
darüber an den Kreisobersten beschlossen worden. Ob aber solche Qrenze 
mit Land?ölkern zn besetzen nnd das Triplum von den Geworbenen zu 
mehrerem Nachdruck beisammenzuhalten nnd an den bedrohten Ort zn 
stellen, ist bis nach der mit den Niedersächsischen Kreisdepntierten 
jvegen reciprocierlicher Assistenz beider Kreise zu haltenden Conferenz 
ausgesetzt worden. 

Das Commando über das KreiBcorpo ist dem G.Lieutenant v. Arnim b 
übertragen worden, derselbe spll nur einen G.Adjutanten unter sich haben 
nnd soll dafür vom 1. September an ausser der Kriegsoperation monatlich 
233 Rthlr. 8 Groschen, wenn er aber zn Felde gehen und gegen den Feind 
agieren mnss, 466 Rtbir. 16 Groschen erhalten. Zum Kreiszahl- nnd pro-' 
viantmeister ist der Obriste Wachtmeister Johann Kornhöffer ernannt 
nnd demselben für sich und seine Leute 100 Rthlr, dazu noch für Füh- 
rung der Correspondenz 30 Rthlr. monatlich bewilligt worden. 

Die Kreisrechnnngen des Raths von Leipzig sollen durch eine De- 
putation geprüft werden. 

Dieser Kreisabschied soll dem Herkommen nach dem Kaiser nnd den 
4 benachbarten correspondierenden Kreisen communiciert werden. 



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Abschnitt 5. 

Der Ttirkenkrieg. 
1663 — 1664. 



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Einleitung. 



Der Krieg*, welchen Kaiser Leopold T. in den Jahren 1663—1664 ge- 
gen die Türken zu führen gehabt hat, ist veranlasst worden') durch die 
Siebenbürgischen Wirren der Jahre 1658 — 1662, und dies6 wiederum 
haben ihren Ursprung in den Verwickelungen des nordischen Krieges. 
An diesem Kriege hatte auch, und 'zwar auf schwedischer Seite, der unter 
türkischer Oberhoheit stehende Grossfürst von Siebenbürgen, Georg 
Rak'oczy II. Theil' genommen. Von König Karl Gustav durch das 
Versprechen eines Theiles von Polen angelockt, war derselbe, ohne die 
Zustimmung dos Sultans einzuholen, 1657 mit Heeresmacht in Polen ein- 
gefallen, aber sein Unternehmen hatte den unglücklichsten Ausgang gehabt; 
Ton seinem schwedischen Bundesgenossen, welcher inzwischen seine Waffen 
gegen Dänemark gewendet hatte, im Stich gelassen, war er von den 
Polen und den mit diesen verbündeten Tataren geschlagen worden; fast 
sein ganzes Heer war vernichtet worden, und er selbst hatte als Flüchtling 
in seine Heimat heimkehren müssen. Zugleich aber hatte er sich durch sein 
unvorsichtiges Unternehmen die Ungnade des Sultans Muh am ed IV. zuge- 
zogen. Dieser, welcher mit Folen in Frieden geblieben war und dasselbe durch 
die von ihm abhängigen Tataren hatte unterstützen lassen, erklärte Rakoczy 
für abgesetzt,' lies^ da derselbe Widerstand leistete, Truppen in Sieben- 
bürgen einrücken und ernannte, ohne sich um das Wahlrecht der dortigen 
Stände zu kümmern, einen anderen Magnaten Barcsai, welcher sich zu 
härteren Bedingungen verstehen musste, zum Grossfürsten. Aber die Mehr- 
zahl der Siebenbürgen hielt an Räkoczy fest, und so wurde dieses Land 
während der Jahre 1658 — 1660 der Schauplatz eines wechselvollen und ver- 
heerenden Krieges, in welchem schliesslich Rakoczy unterlag. Im Mai 
166Q wurde er in dem entscheidenden Treffen bei Szaroosfalva geschla- 
gen und tötlich verwundet und starb bald nachher in Gross Wardein. 

') 8. V. fingel, Geschichte des Ungarischen Reiches V S. Iff. Zinkeisen, 
Geschichte des Osmauischen Reiches IV 8. 871 ff. Pohler, Oesterreichs Türken- 
krieg 1603— 16G4 (Programm des köutgl. Friedrichsgymnasinms zn Frankfurt a. 0. 
1879; dasselbe behandelt nyr die Vorgeschichte dos Krieges bis 1660}, 



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286 * . ^' ^^^ Türkenkrieg. 

Das türkische Heer zog darauf gegen diese feste Stadt, die klefne Besatzung 
derselben vertheidigte sich mit der grössten Tapferkeit, mosste aber endlich 
am 30. Augnst' capitulieren. Doch die Anhänger Rakoczys setzten den 
Widerstand fort und erwählten 1. Januar 1661 dessen früheren Feldherren 
Kemeny Janos znm Grossfürsten, aber die Pforte wollte denselben nicht 
anerkennen, sie erzwang, nachdem Barcsai in dessen Hände gefallen und 
von ihm getötet war, die Erhebung eines anderen Magnaten Michael 
Apaffy zum Grossfürsten und Hess, als Kemeny den Widerstand fort- 
setzte, 1661 aufs neue ein Heer in Siebenbürgen einrücken. 

Die oesterreichische Regiernng hatte in diesen Wirren bisher eine 
sehr zweideutige Haltung eingenommen. Sie hatte die Bitten Rakoczys um 
Hülfe zurückgewiesen, hatte denselben aber inKgeheim zum Widerstände 
ermuntert und ihn in seiner Bedrängniss 1658 zum Abschluss eines Ver- 
trages, bewogen, in welchem er vier Festungen dem Kaiser zu übergeben 
zugesagt, und diese Festungen waren dann auch durch die Truppen 
des in Oberungarn stehenden kaiserlichen Generals de Sonches besetzt 
worden. Als dann die Türken Tor Gross Wardein erschienen, hatte 
die Besatzung in Wien um Hülfe gebeten, der Kaiser hatte auch de 
Solches den Befehl «rtheilt, der Stadt» Entsatz zu bringen, allein der Be- 
fehl war zu spät gekommen und dessen Truppenmacht zu schwach ge- 
wesen, als da^s er demselben hätte Folge leisten können. Nach dem Falle 
der Stadt hatte dann die oesterreichische Regierung in Gonstantinopel 
drohende Vorstellungen gemacht, sich des Wahlrechts der siebenbür- 
gischen Stände angenommen und zugleich verlangt, dass diejenigen sie- 
ben oberungarischen *Comitate, welche sie früher Rakoczy ebenso wie 
dessen beiden Vorgängern Bethlen Gabor und Georg Rakoczy 
I. auf Lebenszeit überlassen hatte und welche sie jetzt als heimgefallen 
betrachtete, ihr zurückgegeben würden, aber die Pforte wollte davon 
nichts wissen und so kam es, obwohl keine förmliche Kriegserklärung er- 
folgte, 1661 zum Ausbruch der Feindseligkeiten in Ungarn. Diese i) wur- 
den zunächst von beiden Seiten mit sehr ungenügenden Streitkräften ge- 
führt. Der kaiserliche Feldmarschall Montecuccoli, welcher mit etwa 
25000 Mann bei Comorn stand, erhielt den Befehl, nach Siebenbürgen vor- 
zugehen und Kemeny Janos zu unterstützen. An Air Theiss bei To- 
kai angekommen, fand er das türkische Heer unter dem Pascha Ali von 
1?emeswar bis dorthin vorgedrungen^ aber derselbe wagte keinen Kampf 
und zog sich vor ihm zurück, Montecuccoli folgte demselben bis in das 
Innere von Siebenbürgen, besetzte Klansenburg, aber sein Heer litt in 
dem ausgesogenen Lande, deäsen Bevölkerung den Kaiserlichen wider- 
willig; ja feindlich gegenübertrat, die grösste Noth, so begnügte er sich 
damit, Klansenburg mit Besatzung und Proviant zu versehen und' ein 

S. iZinkeiaeo a. a. 0. IV S. 901ff. Rinteleo, die Feldzüge Monte- 
caccolis gegen die Tarken von 1661—1664 (Oesterreichische militärische Zeit- 
Bcbrift I, 1 S. Iff). Campori, Raimondo Montecaccoli S. 360ff. 



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BiQloitaog. 287 

kleines Truppencorps bei Eemeny Janos znrückznlassen, dann kehrte er 
nach Oberongarn in die Winterquartiere zurück, während auch die Türken 
sich nach Temeswar zurückbegaben. 

Zu Anfang des folgenden Jahres 1662 fand Kemeny Janos bei ei- 
nem Versuche^ seinen Gegner Apaffy zu überwältigen, seinen Untergang. 
Apaffy verlangte (darauf von dem Kaiser Anerkennung und Räumung« 
der von den Truppen desselben besetzten Plätze , der Kaiser wies diese 
Forderungen zurück, knüpfte aber mit der Pforte zuerst durch den nach 
Constantlnopel geschickten Hofkammerrath Be^is, dann durch seinen 
dortigen Residenten Rennig er Unterhandlungen an, welche von den Tür- 
ken das ganze Jahr hindurch hingezogen wurden, während dieselben gleich« 
zeitig gewaltige Rüstungen yeranstalteten. Trotzdem erneuerte der Wiener 
Hof, welcher zumal bei der schwierigen Stimmung der Unghrn den Krieg 
zu yermeiden wünschte, (den im Mai 1662 in Pressburg versammelten Reichs- 
tag hatten die protestantischen Stände, weil ihre Klagen abgewiesen worden 
waren, verlassen, und auch die übrigen hatten die Entfernung der deutschen 
Truppen aus dem Lande verlangt) Anfang 166§ die Unterhandlungen und 
schickte den Freiherrn de Goes an den türkischen Hof. Anfangs zeigte 
sich der Sultan. zu Unterhandlungen bereit, beauftragte Ali Pascha mit 
denselben, und zwischen diesem und d e G o e s sowie dem demselben beige- 
gebenen Renniger kam es in Temeswar zum Absc&luss eines Präli- 
mioarvertrages, nach welchem der Kaiser zwei von jenen ungarisch A Comi- 
taten zurückerhalten, dafür aber Apaff j anerkennen und in die Schleifung 
der von dem Banns von Croatien, Graf Niclas Zriny neu angelegten 
Festung Serin war willigen sollte. Der Kafser ratificierte diesen Vertrag, 
als nun aber de Goes und Renniger sich zu dem Grossvezier Achmed 
Köprili begaben, welcher inzwischen an der* Spitze eines grossen Heeres 
bis Belgrad vorgerückt war, wurden sie- von diesem auf das hochmüthigste 
empfangen, die Ratification des Vertrages verweigert und neue, geradezu de- 
müthigende Bedingungen (Zahlung einer Kriegscontribntjpn und Erneuerung 
des früheren Tributs) gefordert, auf welche sie nicht eingehen konnten, und 
sie in Haft behalten. So brach der Krieg wieder aus und zwar für den 
Kaiser, unter den ungünstigsten Aussichten, da derselbe dem türkischen 
Heere von 120,000 Mann, welches ^icht nur Ungfirn, sondern auch seine 
deutschen Erblande bedrohte, von eigenen Truppen nur etwa 28,0OP Mann 
entgegenzustellen hatte, von denen ein Theil in den sicbenbürgischen und 
ungarischen Plätzen zerstreut lag. 

Allerdings hatte der Kaiser gleich beim Beginn dieser Verwickelungen 
versucht, sich Unterstützung von Deutschland her zu verschaffen, er hatte 
zu diesem Zwecke zunächst, da er die Berufung eines Reichstages zu ver- 
meiden wüneclite'), bald nach dem Falle von Gross Wardein, zu Ende 
des Jahres 1660, Abgesandte an die einzelnen Kurfürsten und an die mäch- 
tigeren Fürsten und Reichsstädte geschickt, um von diesen eine Beihülfe 

») 8. oben 8. 150. 



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288 5- I>er Türkenkrieg. 

womöglich an Geld für die gegen die Türken zn treffenden Rüstungen so 
erwirken. Bei dem Kurfürsten von Brandenborg, welcher damals in 
Cleve verweilte, erschien Anfang 1661 der kaiserliche Reichshofrath nnd 
Kämmerer, Obrist Oraf Claadios Colalto, welcher schon so Anfang des 
' Jahres 1660 znsammen mit seinem Schwiegervater, dem Fürsten Qonsaga, 
*zo demselben nach Berlin gesendet gewesen war '). tJeber die mit dem- 
selben geführten Yerhandlongen finden sich jetzt in dem Berliner Geheimen 
Staatsarchiv keine Anfzeichnongen, solche scheinen aber noch Pofendorf 
vorgelegen zo haben , ond ans dessen Angaben *) , welche durch gelegent- 
liche Aeusserungen ') des Kaisers, des Kurfürsten und der Gesandten des- 
selben auf dem Reichstage bestätigt werden, geht hervor, dass Colalto 
dem Kurfürsten die Gefahr eines Türkenkrieges, nachdem durch die Be- 
setzung von Gross Wardein der Waffenstillstand von 1649 gebrochen 
sei, vorgestellt und Hülfe von ihm selbst sowie Verwendung deswegen bei 
anderen Fürsten gebeten hat, dass der Kurfürst*), sich dazu bereit erklärt 
und Zahlung von 100000 Thalern Subsidiengeldern versprochen, insgeheim 
aber sich ausbedungen hat', dass er diese Summe nicht gleich zu zahlen 
brauche, sondern der Kaiser dieselbe erst, wenn es wirklich zum Kriege 
kommen sollte, verlangen sollte. Die versprochenen Schritte» bei anderen 
Fürsten hat der Kurfürst gethan % er hat damit aber ebenso wenig Erfolg 
gehabt wie der Kaiser selbst, und so musste sich dieser, am Hülfe zu er- 
halten, Anfang 1662 zur Berufung des Reichstages entschliessen. Welche 
Rolle der Kurfürst auf demselben, gespielt, wie er sich insbesondere in den 
Verbandlongen über die Türkenhülfe verhalten hat, geht aus den in dem 
vorigen Abschnitte mitgetheilten Aktenstücken hervor nnd ist auch in der 
Einleitung zu demselben kurz dargelegt worden. Der Kurfürst hat auch 
dort während der die ganze erste Hälfte des Jahres 1663 sich hinziehenden 
Verhandlungen darüber die Forderungen des Kaisers nachdrücklich unter- 
stützt, freilich aber hat er sich wieder insgeheim ausbedungen, dass er selbst 
von der von dem Reiche zu leistenden Hülfe entbunden sein sollte. Dieses 
ja nicht gerade besonders rühmlich erscheinende Verhalten erklärt sich 
daraus, dass der damals in Preussen befindliche Kurfürst angesichts der 
ihm von Schweden und von Polen her drohenden Gefahren sowie seiner 

') 8. ürk. n. Akt. VIH S. 421. 428. 

») L. IX § 77 (8. 620). 

*) S. das Schreiben des Kaisers an Kf. vom 26. Mai 1663 ond disn Öericht 
der Oesandteo ans Regensbarg vom 9. April (oben S. 178.) Der Kf. bemerkt 
10 einem Bescripte an die Gesandten vom 6. März 166H, er habe, als der Kaiser 
Colalto zu ihm nach Cleve geschickt, sich willfährig wegen der Tarkenhalfe erklärt. 

*) In dem Oeheimenraths-Protokoll vom 11; Februar 1661 wird bemerkt: ,,Der 
H. 0. Präsid. verlesen das Concept einer Resolution, so dem kaiserl. Abgeord- ' 
netea Grafen Colalto wegen gesuchter Tärkenhülfe gegeben worden.*" 

^) Naph den Geheimenraths-Protokollen vom 11. Februar und 5. Mars lässt 
Kf. sowohl die Colalto ertheilte Resolution als auch ein in Aogelegcnheit der 
Türkenhülfe nn den Kaiser gerichtetes Schreiben den übrigen Kurfürsten mittheilen. 



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Eioleitüog. 289 

Streitigkeiten mit den Prenssischen Ständen es für nothwendig erachtete, 
die sehr beschränkten Mittel an Truppen und Geld, welche er besass, za- 
sammenznhalten , um dieselben im Nothfall dort im Norden zum Schntz 
seiner eigenen Lande nnd zur Wahrung seiner Interessen in verwenden. 
Andererseits aber ist es sehr wahrscheinlich , dass auch er ebenso wie an- 
dere dem Kaiser weniger günstig gesinnte Fürsten Zweifel daran gehegt 
hat, ob denn wirklich die Gefahr des Türkenkrieges so ernstlich sei, nnd 
ob nicht der Argwohn, welcher von französischer Seite auch ihm gegen- 
über geäussert wurde 9 dass der Kaiser nicht daran denke, gegen die 
Türken Krieg zu führen, sondern dass er die unter diesem Vorwande von dem 
Reiche zu erlangenden Mittel zu ganz anderen Zwecken zu verwenden ge- 
denke, gegründet sei. Aus den Berichten, welche er von seinem Residenten 
in Wien, A. Neu mann erhielt, erfuhr er, dass man am kaiserlichen Hofe 
eifrig bemüht sei, den Bruch mit den Türken zu verhüten, dass noch bis 
in den Sommer 1662 hinein die Aussichten auf Erhaltnug des Friedens 
günstig schienen, nachher klangen die Nachrichten* allerdings drohender, 
zu Anfang 1663 aber, gerade als die Reichstagsverhandlungen begannen, 
kam die Kunde von dem zu Temeswar abgeschlossenen Waffenstillstände 
nnd erst Ende Juni, nachdem man erfahren hatte, dass der Grossvezier 
jenen Vertrag verworfen habe und mit seinem Heere im Auzuge sei, konute 
kein Zweifel mehr darüber bestehen, dass der Krieg wirklich vor der Thür 
stehe. Am kaiserlichen Hofe ht man schon Anfang Mai infolge der Nach- 
richten über die tüikischen Rüstungen von der Aussichtslosigkeit der Frie- 
densverhandlungen überzeugt gewesen, angesichts der drohenden Gefahr 
und in der Erkenntnis, dass vom Reichstage wenig, am wenigsten eine 
schleunige Beschaffung von Hülfe zu erwarten sei, entschloss sich der 
Kaiser anfs neue, Gesandtschaften an einzelne ihm freundlich gesinnte^Für- 
sten zu senden und von diesen die sofortige Sendung von Hülfstruppen zu 
erbitten. Mit diesem Auftrage erschien Ende Juni bei dem noch immer in 
Königsberg weilenden Kurfürsten der demselben schon von den Verhand- 
lungen der Jahre I6ÖT—I66O») sowie von seiner späteren Thätigkeit als 
Gesandter in Polen') wohlbekannte Freiherr de Ligola, dem bald auch 
ein spanischer Gesandter d'Ucedo folgte. Damals hatte der Kurfürst 
freiere Hand, schon Anfang Mal waren die Streitigkeiten mit den Preussir 
sehen Ständen geschlichtet und ein den Wünschen des Kurfürsten entspre- 
chender Landtagsabschied zustande gekommen^), auch die Aussichten in 
Polen hatten sich günstiger gestaltet und ebenso hatten die seit Anfang 



S. Urk. Q. Akt. H S. 261f. 26df. Vgl. die Schreiben Ludwigs XIV. au 
Gravel vom 4. Januar, 27. Mai, 14. Juni und 9. September 16G2 (Quhrauerll, 
S. 321. 332 334: 341). 

») 8. Urk. u. Akt. VIU 8. 212ff. 346ff. 702ff. 

») 8. Urk. u. Akt. IX, 8. 29 ff. 

*) S. Pufendorfl. IX§50 (S. ö89f.). Droysen, Geach. der Preuss. Politik 
UI, 2 8. 454. 

Mater, s. Gescb ä. 0. Knrfurston. XI, ^9 



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2iK) 5- I>^r Türkenkrieg. 

des Jahres in Schweden durch v. Krockow geführten Verhandlungen gc* 
rade damals einen ernsteren Gang genommen *), der Kf. war so im stände, 
dem bedrängten Kaiser Hülfe zu leisten, and er hat dieses anch wirklich 
in nacbdrurklichsfer Weise gethan. 

Die in diesem Abschnitt mitgelheilten Akten heginnen mit den vom 
Juli an bis Anfang September 1663 mit Li sola geführten Verhandlungen, 
dieselben verfolgen dann die Schicksale des von dem Kurfürsten dem Kai- 
ser unter Führung des Herzogs August von Holstein zu Hülfe geschick- 
ten Truppencorps und sie veranschaulichen zugleich die Bemühungen, welche 
der Kurfürst ebenso wie auf dem Reichstage und im Obersächsischeii 
Kreise auch bei anderen Reichsfürsten und in den Niederlanden im Inter- 
esse des Kaisers aufgewendet bat Des ruhmvollen Antheils, welchen die 
brandenburgischen Hülf^truppen an dem Feldzuge des Jahres 1664 auf dem 
oberungarischen Kriegsschanplatze genommen haben, ist in den von kaiser- 
licher Seite veröffentlichen Berichten wenig gedacht worden und auch in 
den auf diesen beruhenden späteren Darstellungen dieser Kämpfe ist davon 
wenig zu fiuden'), zuerst Fufendorf) hat auf Grund der von ihm be- 
nutzten Relationen des Herzogs von Holstein einen zwar gedrängten, 
aber die wesentlichen Funkte berührenden Bericht darüber gegeben und 
nenerdings hat dann Drojsen*) sowohl diese militärischen Ereignisse als 
überhaupt die Thätigkeit, welche der Kurfürst während dieses Türkenkrieges 
entfaltet hat, in eingehender Weise dargestellt und gewürdigt 

Wenn der Kurfürst in so eifriger und wenigstens theilweise erfolgreicher 
Weise den Kaiser in diesem Türkenkriege unterstützt hat, so hat er dabei 
doch keineswegs seine eigenen Interessen ausser Acht gelassen Er hat bei 
den Verhandlungen mit Li sola es durchgesetzt, dass der Kaiser den Sold 
und Unterhalt der ihm zn Hülfe gesandten Truppen übernahm, und da er unter 
Berufung darauf, dass dieses dem Kaiser überlassene Corps stärlfer sei als 
das Contingent, welches er nach der Reichsmatrikel zu dem Reichsheere 
hätte stellen müssen, jeden Beitrag zu der Ausrüstung und dem Unterhalt 
dieses lezteren ablehnte, so hat er wenigstens Geldopfer auf diesen Krieg 
nicht verwendet, im ^egentheil selbst während dieser Zeit an den Heeres- 
kosten sparen können^). Zugleich hat er diese Gelegenheit benutzt, um 
eine alte und schon mehrmals vorgebrachte Forderung an den Kaiser zu 
erneuern. Schon auf dem letzten Rei« hstage^^) (1653), dann bei Gelegenheit 
der Kaiserwahl Leopolds L (165H) und nachher auch während der durch 
die Bundesgenossenschaft im nordischen Kriege veranlassten Verband 



S. ürk. u. Akt. IX S. 755. 

^ S. Droyeen, Beiträge zur Kritik Pufendorfa 8. 89 ff. 

») L. IX § 77. 78. S. Droysen a. a. 0. 

*) Gesch. der Freuss. Folitik lU, 3 8. 30 ff. 

^) 8. Hirsch, Die Armee des Grossen Karfürsten S. '242f. 

«) S. ürk. n. Akt. VI 8. 201f. 207. 209. 2nff. 2-2öff. 271. 



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. Eioleitnog. 291 

lungen ^) hatte der Karfürst die alte Forderang seines Hauses aof die 
Zurückgabe des Fürstenthumsi Jägern dorf oder auf eine wenigstens tfaeil- 
weise in Landgebiet bestehende Entschädigang dafür geltend gemacht, aber 
diese Bemühangen waren bisher immer erfolglos gewesen, der Kaiser hatte 
sich znletzt in der dem nach Wien geschickten Oeheimenratbe Friedrich 
Y. Jena am 5. Januar 1669 ertheilten Resolution') nur zu einer Oeldent- 
schädiguDg im-6etrage von 180,000 Thalern bereit erklärt. Doch hatte der 
Kurfürst die Sache nicht ruhen lassen, schon Ende December 1661, als 
die Berufung des Reichstages schon als sicher gelten konnte, hatte er in 
seinem Geheimen Rathe') die Frage erörtern lassen, ob er nicht wieder 
schon jetzt bei Zeiten wegen der Satisfaction für Jägern dorf am kaiser- 
lichen Hof anhalten und> wenn diese nicht erfolgte, diese* Sache an den 
Reichstag bringen sollte, und Anfang Mai 1662 hatte er dann wirklich an 
den Kaiser ein Schreiben gerichtet^), in welchem er nach Recapitulation 
der bisher in dieser Angelegenheit geführten Verhandlungen, bei denen, wie 
er klagte, sein Haus allezeit mit dilatorischen Resolutionen vergeblich auf- 
gehalten worden sei, und nochmaliger Auseinandersetzung des Sachverhaltes 

') S. ürk. 0. Akt. VIII S. 339ff. 366flf. 500. 513 f. 

*) ürk. u. Akt. VITI S. 371. 

^ Geheimenraths-Protokoll vom 18./28. December 1661 ; sam Schluss heisst 
es: „Es ist aber ans diesem allen bei dem Discars verblieben nod kein Schluss 
geworden.* 

*) d. CöId 28. April/ 8. Mai 1662. Der Schluss lautet: «.Ich werde dahero ge- 
nöthigt En. Keys. M. nochmals gauE gehorsambst — zu bitten, Sie wollen in 
Betrachtang meiner sonderbaren . Dienste und offenbaren klaren Rechteos nun- 
mehro geruhen, den jetzigen Detentorem, den Forsten von Lichte ost ein — an- 
zobefehlen, sofort mein Herzogthnm Jägerndorf zo raomeo ond mich damit nicht 
länger aofbalten zo lassen. Damit aoch Eo. Keys. M. mit dieser Sache so viel 
ond allein nicht mehr behelliget. werden dÖrffen, will ich mich bei so bewandten 
Umstanden zogleich an mein Herzogthomb ond dessen oorechtmässigen Deten- 
torem — halten ond werde also aof des Detentoris fernere Verzögerong mit Eu. 
Keys. M. gnädigsten Permission ood Zolass sehen, wie ich ehest wieder zo der 
wfirklichen Possession — gelangen könne. Welches mir dann weder Eo. Keys. 
M. noch aoch jemand anders gestalten Sachen nach — nicht verdenken, son- 
dern vielmehr mir dazo behulflich sein werden. Gleichwie ich aber dieses alles 
an Eo. Keys. M. nicht deshalb bringe, als wenn ich mich mit dem Detentore, da 
das Recht so latfge nicht zo erhalten ond ich dazo noch destitntos nod objeotost 
rechtlich einlassen wollen, also bedinge ich aoch hiermit nochmals zom aller- 
feierlichsten ond getröste mich Eo. Keys. M. guädigsten Beistandes.*' In dem 
Geheimenraths-Protokoll vom 14./24. April wird bemerkt: „Ein Goncept Schreibens 
an I. Keys. M. wegen Jägerndorffische Restitotion von H. Oantzl. Jena verlesen 
worden. H. Plateo vermeinte, es sei etwas zo hart eingerichtet. S. Chf. D. 
sagten, da?s Sie diese Sache schon zo Osnabrogge hätten wollen anhängig machen, 
Graf Traotmannsdorff hätte aber gesagt, man mochte es nicht thon, dann 
I. K. M. wollte S. Chf. D. gewiss Satisfaction geben, man sollte es derowegen 
•0 lassen, wie es wäre*. 

19* 



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292 ö. Der TürkeDkrieg. 

aad der Rechtsfrage den Kaiser ersuchte, in Aobetraebt ^seiner sonderbaren 
Dienste und offenbaren klaren Rechts^ dem Detentor, Fürsten von Lichten- 
stein anznbefehlen, sofort das Herzogthum ihm abzutreten, widrigenfalls er 
erklärte entschlossen zu sein, sich selbst in den Besitz desselben zu setzen. 
Dieses Schreiben scheint garnicht beantwortet worden zu sein, der Kurfürst 
aber hat nnn die Gelegenheit, welche ihm die Bemühungen des Kaisers, 
für den Türkenkrieg seine militärische Hülfe und sonstige Unterstützung zu er- 
langen, darboten, dazu benutzt, um mit allem Nachdruck diese Sache wieder 
zu betreiben. Er hat sofort bei den ersten Verhandinngen mit Li sola die 
Rückgabe von Jägern dorf gefordert, hat dann das Erscheinen des spa- 
nischen Gesandten an seinem Hofe dazu benutzt, um von dem Könige von 
Spctnien die Zusage zu erwirken, jene Forderung beim Kaiser zu unter- 
stützen, er hat dann einerseits bei den weiteren Verhandlungen, welche 
nach seiner Rückkehr nach Berlin mit jenen beiden Gesandten geführt 
wurden, eben dieses Verlangen wieder vorgebracht, andererseits durch seine 
Gesandten in Regensburg während der Anwesenheit des Kaisers daselbst 
diese Sache betreiben lassen, dabei auch sich die Fürsprache des Kurfür- 
sten von Sachsen und nachher des ganzen kurfürstlichen Collegiums zu 
erwirken gewusst. Trotzdem waren auch diesesm^^l seine Bemühungen ganz 
vergebens, nachdem Li sola und der spanische Gesandte ihn mit unbe- 
stimmten Versprechungen hingehalten, in Regens bürg die kaiserlichen 
Minister die Verhandlungen monatelang verzögert hatten, erfolgte schliess- 
lich am 6. Mai 1664 die Resolution des Kaisers *), in welcher derselbe nur 
auf sein früheres Versprechen, dem Kurfürsten eine Eotscliädigungssnmme 
von 180 000 Thalern zu zahlen, Bezug nahm, aber erlclärte, dass er in seiner 
jetzigen bedrängten Lnge ausser Staude sei, diese Summe zu bezahlen, und 
dass der Kurfürst sich daher vorläufig gedulden müsse. Der Kurfürst hat 
darauf erklären lassen, dass er sich mit einer solchen Resolution nicht zu- 
frieden geben könnte, und hat, als der Kaiser im Augnst 1664 mit ihm 
wegen Sendung weiterer Hülfstruppen verhandeln Hess, seine Forderung 
erneuert, jetzt sogar geradezu die Gewährung jener Hülfe von der Erfüllung 
derselben abhängig gemacht, aber auch jetzt nichts ausgerichtet, da der 
Kaiser sich inzwischen zum Frieden ent^chlossen hatte und so auf die Sen- 
dung der Hülfbtruppen verzichten konnte. Wie der Kurfürst diese Miss- 
erfolge aufgenommen, warum er trotz derselben doch immer wieder jene 
Forderung erneuert und mit welchen Nebengedanken er sich schon damals 
getragen hat, das erfahren wir aus einem, wenige Jahre Später von ihm 
aufgezeichneten merkwürdigen Entwürfe znr Erwerbung Schlesiens'), in 
welchem er dieser wiederholten Bemühungen um die Wiedererwerbung von 
Jägern dorf gedenkt und erklärt, er habe in der Hoffnung auf eine günsti- 
gere Zukunft sich durch die Fru< htlosigkeit derselben keineswegs betrüben 



') S. oben S. 239. 

^ Rauke, Genesis des Prenaslschen Staates S. 518ff; dieses Schrirtstuck 
fällt in die Zeit zwidcben 1667 und 1671. 



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EinleitQDg. 293 

lassen'), dann aber aoseiiiaadersetzt/ welche Rechte er und sein Haus für 
den damals in naher Aussicht erscheinenden Fall des Aossterbens des 
Habsburgischen Hauses auf ganz Schlesien geltend machen und mit wel- 
chen Mitteln dieselben durchgeführt werden könnten. 

^) „lomittels, anf das es nicht in Vergas geratüD mochte, offtera ErioDeniDg 
tbuo lassen, worauff aber weuig oder gar nichts erfolget ist, wessen Ich mich 
keineswegs betrübt habe, denn eio Freondt borgt dem aidereu biss zur gele- 
geoen Zeitt." 



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Kaiser Leopold an den Kurfürsten. *D. Wien 26. Mai 1663^. 

[Die Tärkeogefahr. Bitte nm Hälfe.] 

26. Mai. £r bat dem Reichstage voQ der drohenden Türkengefabr Nachricht*) 

gegeben, zugleich aber noch an einzelne Stände besondere Gesandtschaften 
geschickt. Zum Ef. sich zu begeben hat er den Reichshofrath , Freiherrn 
Franciscns de Lisola, beauftragt*)! da er aber bei dem unsicheren 
Gesundheitszustande desselben zweifelt, ob derselbe sich rechtzeitig bei 
Kf. einfinden werde, so stellt er ihm durch dieses Schreiben seine bedrängte 
Lage vor. Er hat nichts unterlassen, was zu einem friedlichen Vergleiche 
hätte führen können, hat nach Möglichkeit gerüstet und Vorkehrungen ge- 
trofifcn, dieselben reichen aber gegen die Uebermacht des Feindes nicht aus 
und tr braucht Hülfe, er bittet daher Kf., ihm solche durch rechtzeitige 
Sendung von Truppen, Eriegsniunition und Geld zu leisten. 



Kaiser Leopold an den Kurfürsten. D. Wien 25. Juni 1663. 

[Drohende Nachrichten von den türkischen Absichten. Bitte um Hülfe.] 

25. Juoi. Er theilt dem Ef. die Berichte seiner an den Grossvezier geschickten 

Gesandten*) mit, welche zeigen, dass dieser schon den Marsch angetreten 

Schreiben ähnlicheD Inhalts^hat der Kaiser unter demselben Datum auch 
an andere Fürsten abgelassen, 8. Diar. Europ. X S. 328 ff. Londorp VIII 
8. 973f. • ' 

'j S. die Relation der Beichstagsgesandteo vom 8. Juni 1(363 oben Abschn. 4 
S. 186. 

*) Schon in einem Schreiben vom 2. Mai 1668 hatte der Kaiser dem Kf. an- 
gezeigt, dass er Lisola zu ihm senden würde. Der Resident des Kf. in Wien 
Andr. Nenmann meldet von dort am 12. Mai, Lisola habe sich heate von ihm 
verabschiedet, wolle morgen abreisen and über Breslau und Danzig a grandes 
journöes seine Reise zam K f. nach Königsberg aasführen. Ueber die Besorg- 
nisse, welche Lisolas Gesandtschaft zam Kf. in Frankreich wie in Schwe- 
den erweckte, s. Urk. u. Akt. IX S. 647. 755. 

*) Es liegen der Bericht Rennigers aas Griechisch Weissenburg vom 
H.Juni und die Berichte von de Goes und Renniger vod demselben Datam 



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Sendang Lisola's. 295 

uud bei deu Traktateu ganz uubilüge Bediuguugen gestellt hat^ und er- 
sucht deoselben, ihm mit allem, was er an Volk, Geld und Munition immer 
eutrathen könne^ s^hlennigst an die Hand zu gehen, zugleich seine eigenen 
Lande in Vertheidigungszustand zu setzen, damit man dem Feinde wenig- 
stens Widerstand leisten könne, bis von den anderen Reichsständen grösse- 
rer Succnrs komme. 



Der Kurfürst an den Fürsten Portia. D. Königsberg 
3. Juli 1663. 

[Bereitwilligkeit, die WüDScbe des Kaisera zu erfulleo, seine GegenfordorangoD.] 

Wir zweifeln nicht, Ew. Ld. werden aus — des Freiherrn von 3. Juli. 
Isola Relationen mit mebrem ersehen, was gestalt wir unb in allen 
von demselben proponirten Punkten und Sachen Ihrer Key. M. alier- 
gnädigsten Intention gemäss erkläret haben, — also haben wir 
auch zu Ew. Ld. das Vertrauen, Sie werden Dero Wohlverniogenheit * 

nach unsere Angelegenheiten und billigmässige desideria, insonderheit 
wegen des Ilerzogthumbs Jägerndorf bei I. Key^ M. hinwiederumb 
bestermassen recommendiren, damit uns darin alle behörige Satisfac- 
tion wiederfahre und wir zu unsern so klaren Befugnissen dermaleins 
kommen mögen. — 



Der Kurfürst an den Kaiser. D. Königsberg 
17. Juli 1663. 

[auf das Schreiben vom 25. Juni. Zusage von Hülfe.] 

Dank für die Mittheilnogen, Kf. hofift, dass wenigstens der grössere 17. Juli. 
Theil der Reichsstände das Ihrige bei der Sache thun werde. 

So viel mich belanget, so haben E. Key. M. so viel Staat auf 
mich zu machen, als ich nur immer bei meinem £. Key. M. bekann- 
ten Zustand werde thun können, ich zweifei auch nicht, es werde der 
Freiherr von Lisola E. Key. M. meine Erklärung allerunterthänigst 
zu wissen gemacht haben, es ist auch solchem zufolge von mir albereit 
die Ordre gestellet, dass zwene hundert Gentner Pulver zu E. Key. M. 

über ihre Andieos beim Grossvezier (Lundorp VIII 8. 925 flf., erstere auch Diar. 
Europ. X 8. 334ff.) und das Schreiben des Grossveziers an den Fürsten Lob- 
kowitz vom 20. Juni 1663 .Diar. Europ. X 8 343ff. Loodorp VlII 8. 930) bei. 



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2% i>. Der Tärkeokrieg. 

Diiipo«ition naebm Fraokfort an der Oder gebracht werden. Wann 
ieh auch nar Xachriehl erhalten, mit was far Sorten an StQekkugeln 
und Granaten E. M. gedienet, will ich deroselbea etliche tausend 
Stück nachm vorgedacbten Frankfurt schicken, so viel Völker als ich 
ror diesmal entrathen kann, wann E. Key. M. Erklärung einlanget, 
marcbiren lassen und in meinen Landen alle mngliche Anstalt und 
Verfassung machen, auch mich mit allerhand Notdurft an Munition 
und Magazins versehen. — 



Der Kurfürst an Herzog Augustus von Holstein*). D. Königs- 
berg 20. Juli 1663 (conc. Fürst Job. Georg v. Anhalt). 

{Aas welchen. Truppen er das Hälfsheer gegen die Türken, dessen Anfähraog 
ihm fibertragen wird, zusammensetzen soll.] 

20. Jnll. Nachdem Wir Ihrer Key. M. einige Völker zum Succurs nach der 

Hchlesien zu schicken resolviret und dazu eine Compagnie zu Pf. uud 
2 Comp. Dragoner von Unseren Preussischen Völkern, imgleichen 
500 M. von Ew. Ld. ßegiment und 500 von dem Goltzischen Regi- 
ment neben der in Unser Grafschaft Ravensperg liegenden Esqua- 
dron Dragoner*) dcstinirt und verordnet, auch Ew. Ld. aus sonder- 
barem zu Deroselben tragenden Vertrawen das Commando über diese 
Volker aufgetragen: als zweifeln wir nicht, Sie werden solches gern 
und willig Ober sich nehmen, wie wir Ihro dan fernere Instruction 
Ihres eigentlichen Verhaltens halber hiernegst zuschicken werden. 
Inmittelst haben Wir vorberUrter Unserer Squadron Dragoner Ordre 
gegeben, mit dem fttrderlichsten sich auf den Marche nach Unserer 
Ghur Brandenburg zu begeben und ihres ferneren Verhaltens halber 
von Ew. Ld. Ordre zu erwarten, wie Wir dan auch Unserm G.W. v. 
Goltzen anbefohlen, 500 M. von seinem Regiment in Bereitschaft 
zu halten, damit sie auf fernere Ordre zu Ew. Ld. stossen können, 
Welche von Dero Regiment gleichergestalt 500 M. zum March parat 



') August, Eweiter Sohn des Hersogs Joachim Ernst von Holstein-Plön, 
geb. 9. Mai 1635, war 1669 in den Dienst des Kf. getreten und war Generalwacht- 
meister und Oberst des im Halberstädtischen und in der Altmark stehenden In- 
fanterieregimentes, s. Hirsch, Die Armee des Grossen Rurfürsten und ihre Unter- 
haltung während der Jahre 1660— 1606 (Histor. Zeitschr. N.F. XVII S. 234 ff.). 

^) S. ebendaselbst S. 284. 



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Bildaog eines Hülfscorps. 297 

ZU halten und solche in 4 Compagnien jede ad 125 M. yertheilen zu 
lassen belieben wollen; jedoch muss denen dabey comniandirenden 
Officieren angedeutet werden, dasB wan hiernegst diese Volker wiede- 
rumb in Unsern Landen ins Quartier gehen würden, alles dabey wie' 
derumb in den vorigen Stand und auf die jetzige Verpflegung gerichtet 
werden soll; die beim Graben arbeitenden Soldaten können Ew. Ld. 
dabey lassen, und diese 500 M. von den andern, so in Halberstadt 
und der Alten Mark logiren, unterm Coramendo Dero Obristlieutenant 
Sparren') marchiren lassen. — 



Der Kurfürst an den Feldmarschall v. Sparr. D. Königs- 
berg 20. Juli 1663. 

[ADordnuogeD iabetreflf der dem Kaiser za Hülfe zü schickeDden Truppen.] 
£r hat dem Kaiser Succars ao Volk versprochen, dazu eine Com- t^O. Joli. 
pagoi^Kciiter und zwei Cümpaguiceii Dragoner von den P reu ssischeu 
Völkern, fünfhundert Mann von dem Golzischen und fünfhundert von dem 
Holsteinischen Regiment nebst der in der Grafschaft Ravensberg logie- 
renden Esquadron Dragoner destiniert, anch über alle diese Völker das 
Commando dcmG. Wm. Herzog zu Holstein aufgetragen. Sparr soll dieses 
Werk befördern und dem G. Wni. Golz die nötbigen Ordres zukommen lassen ; 
die 500 Mann desselben, sollen in 4 Compagnieen vertheilc und die nöthigen 
Officiere bei denbclben bestellt, die Fahnen aber aus dem kurfürstlichen 
Zeughause genommen und darauf diese Völker dem Commando des Herzogs 
von Holstein untergeben werden, auch mit G.Fzm. Dörfling soll er 
dessen Esquadron halber communicieren, welche er nach der Ankunft in der 
Mark Brandenburg in drei Compagnieen vertheilen und die dritte einem 
qualificierten guten Officier untergeben kann. Er soll wegen dieser Sache 
anch mit dem Oberpräsidenten und den Geh. Räthen in Cöln reden, damit 
wegen des Marsches, Nachtlager u. s. w. die nöthigen Anstalten bei Zeiten 
getroffen werden. 



Kaiser Leopold an den Kurfürsten. D. Wien 1. August 1663. 

[Dank für die sagesagte Hülfe.] 
• Ich habe sowohl aus Ew. Ld. Schreiben vom 17ten nächst ver- i.Aug. 
wichenen Monats als auch aus — des Freiherrn von Li sola Relation 

') Der 1661 begonaeoe „Nene Graben'', spätere Friedrich- Wilhelms-Canal , 
welcher die Oder oberhalb Frankfurt mit der Spree verbindet, s. über die Yer- 
weoduDg von Soldaten dabei Hirsch a. a. O. S. 239. 

*) Anselm Casimir Ferdioand v. Sparr, Vetter des Feldmarschalls, s. 
V. Möruer, Märkische Kriegsohprsteo S 27. 



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298 ö. Der Turkenkrleg. 

mit mehrerm vernotuiuen, nicht allein mit was fttr treameinender 
guter Resolution Ew. Ld. sich erboten, über die vorhin bewilligte 
Mannschaft noch bis in die 300 Reuter und 300 Dragoner mit zu 
Bchicken, sonderu auch in was f&r gute Verfassung Sie Ihre eigne 
Länder wider allen besorgenden Vorbruch des Erbfeinds zu setzen 
im Werk sein. 
Dank dafür. 



Convention in betreff der von dem Kurfürsten für den Türken- 
krieg zu stellenden Hüifstruppen. Signatum Königsberg 
23. August 1663. 

23. Aug. Nachdem S. Ch. D. zu Brandenburg sich gegen den Keys. 

Herrn Abgesandten den Freiherrn de Tlsola erkläret, der Rom. 
Key. M. einige von Dero Völkern, als nämlich 1000 Mann zu Fuss, 
400 Reuter und 600 Dragoner zum Succurs gegen den Erbfeind%uzu- 
schicken, als sein deswegen nachfolgende Puncta abgeredet und — 
von dem Herrn Abgesandten unterschrieben worden: 1. S. Ch, D. ha- 
ben anfänglich vervvilliget, dass die Reuter und Dragoner zur Monte- 
cucolischen Armee'), jedoch diesseit der Donaw und nicht darüber 
geführt werden mügen. 2. Die Fussvölker aber gehen nicht weiter 
als in Schlesien. 3. Alle Trouppen, welche S. Ch. D. Ihrer Keys. M. 
zuschicken, werden an Unterhalt, Verpflegung, Proviant und Quartieren 
als in Diensten auf Zug, Ritt und Wachten denen keys. Völkern nach 
Proportion überall gleich tractiret. 4 Wan S. Ch. D. dieser Völker 
Selbsten von Köthen haben und solche zum Theil oder alle abfordern, 
oder I. Keys. M. deren nicht mehr bedürfen würden, müssen solche 
ohne einzigen Abgang in solchem Stand und Anzahl, wie sie anitzo 
geschickt werden, und zwar ohne einzige S. Ch. D. Kosten oder 
Gefahr auf den Grenzen der Chur und Mark Brandenburg geg^n 
Schlesien wieder geliefert werden. 5. Weil auch Ihre Key. M. diese 
Trouppen auf Dero Kosten unterhalten und verpflegen lassen, so be- 
halten Sie dahingegen diejenige 100 M. Rthl., welche jüngsthin an 
Ihre Key. M. bey Ihrer Kgl. M. zuHispanien von S. Ch. D. cediret 
und abgetreten^), und wollen Sie dessfals hiernegst von Ih. K. M. 

*j Dieselbe stand damals nördlich von der Donau in der Nähe von Pressburg, 
•8. Diar. Europ. X S. 571. 

^ Bei Gelegenheit der Sendung v. Blumenthals an den spanischen Hof 
(d. Urk. U.Akt. IX S 574f.) hatte König Philipp IV. dem Kf.,« solange derselbe 



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Conventioo mit Lisola. 299 

niehts ferner praetendiren. 6. Sonstea soll diesen Trouppen so wohl 
im Feld als in den Quartieren ihr Exercitium Religionis nach der A. 
C. in Predigten, Administration der Sacramente, Begräbnissen und 
andern Dingen ungehindert verstattet, ihnen auch zu solchem End 
ihre Frediger gelassen und sie darin keinesweges geirret werden. 
7. Wen die Musquetirer in einige Plätze verlegt werden sollten, solchen- 
falls lassen S. Ch. D. geschehen, dass sowohl die Officirer als Gemeine, 
sa lang sie in den Plätzen liegen, zugleich in I. Keys. M. Eidespflicht 
mitgenommen werden. 8. Die Compagnien zu Pferd und Dragoner sollen 
unter keine andere Regimenter vertheilet werden, sondern in ihren ab- 
sonderlichen Squadronen sowohl bey Occasionen als in Märchen und 
Quartieren bestehen bleiben. 9. Gleicher gestalt sollen die Fussvölker 



iü dtiin Büudnia mit dem Kaiser verbleiben werde, eine jahrliche Subsidie von 
100000 Tbalero versprocheo, deren Zahlanj; durch den spanischen Gesandten in 
Wien, Marqais de laFuente, geschehen sollte. Der Kf. hatte darauf mehrmale 
(5. Jali, 18. August und 12. October 1660) von diesem letzteren die Zahlung jener 
Summe gefordert, aber von demselben immer, zuletzt noch 12. März 1661, die 
Antwort erhalten, dass ihm deswegen aus Spanien keine Nachricht zugekommen 
sei. Bald darauf aber war bei dem damals in Gleve residierenden Kf. ein Abge- 
sandter des Statthalters der spanischen Niederlande, des Marquis de Uarazena, 
mit einem gehreiben desselben (d. Brüssel 2{5. März 1661) erschienen, in welchem 
dieser dem Kf. mittheilte, sein König habe ihn beauftragt demselben auzuzeigen, 
dasB er beschlossen habe, diese Summe ihm jetzt und auch künftig auszahlen zu 
lassen, und auf die Mittheilung davon hatte auch la Fuente dem Kf. geschrieben 
(d. Wien 4. Mai 1661), er hab« von seinem Könige den gleichen Auftrag erhalten 
und hoffe das Geld dazu aus Neapel zu empfangen; die Zahlung war aber auch 
darauf nicht erfolgt. Jetzt .nun (3. Juli 1663) richtete Kf. ein Schreiben an 
den Vicekönig von Neapel, Grafen von Fenneranda, in welchem er denselben 
ersuchte, dem Ueberbringer gegen eine demselben mitgegebene Quittung 
100000 Thaler von jenen ihm zugesagten Geldern auszahlen zu lassen, und vom 
4. Juli liegt eine schriftliche Erklärung Li sola s vor, dass er vom Kf. eine 
Quittung über 100000 von dem Vicekouig von Neapel an denselben zu zahlende 
Thaler empfangen habe, welche der Kf. dem Kaiser als Bulfsgelder zum Türken- 
kriege überlassen habe (s. auch unten das Dankschreiben des Kaisers vom 
23. September 1663). Infolge der Versprechungen, welche der eben damals bei 
dem Kf. eingetroffene spanische Gesandte Ucedo demselben machte, dass ihm 
ausser jener dem Kaiser cedierten Summe noch weitere 100000 Thaler in Neapel 
gezahlt werden sollten, hat der Kf. versucht, vermittelst eines in Wien lebenden 
italienischen Kaufmanns Pestalozzi diese Summe zu erhalten, die darüber b'is 
in den Juli 1665 fortgesetzte Gorrespondenz aber war ganz erfolglos. Ucedo 
erklärt in der am 18. April 1664 zu Berlin mit dem Fürsten Anhalt, O.v. Schwe- 
rin und Lisola gehaltenen Gonferenz (^s. das Protokoll derselben unten), dass, 
wenn der Kf. in die Rheinische Allianz treten sollte, sein König das versprochene 
Geld nicht geben könne. 



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300 5. Oer Tnrkenkrieg. 

• 
nicht hin und wieder vertheilt, sondern ihnen die Quartiere in der 

Nähe bey einander assigniret werden, und wen. es ja die Noth erfor- 
derte, solche etwas zu verlegen, zum wenigsten 2 Compagnien bey- 
sainmen verbleiben. 10. Die Lieferung der Trouppen geschiehet auf 
den Schlesischen Gräntzen, und werden I. Keys. M. gewisse Commis- 
sarien zu deren Empfahung verordnen. 11. Das Kriegsrecht so wohl 
in civilibus als criminalibus neben freier Aunehm- und Absetzung der 
Officirer bleibt einig und allein bei S. Ch. D. und denen jenigen, 
welche die zum Succurs geschickte Trouppen commandiren, und soll 
ihnen dessfalls im geringsten kein Eintrag noch Schoiälerung geschehen. 



Instruction, vrornach sich Unser — General Wachtmeister, 
Obrister z. F. und freundlicher lieber Vetter Herr Augustus, 
Erbe zu Norvregen, Hertzog zu Schlessvrig-Holstein etc. bey 
denen I. Keys. M. zu Hulf geschickten Trouppen in ein und 
anderm zu achten. D. Königsberg 24. August 1663. 
(conc. Fürst J. G. von Anhalt.) 

[Wiederholang aod Erläuterung der in der Cooveotion getroffeDeu Verabredongeo.] 
24. Aug. Nachdem — Wir — der Conditionen halber — auf welche diese 

Hülfe geschickt werden soll — mit dem bei uns anwesenden — FH. 
de risola weiter verglichen, als haben Wir zuvorderst dasjenige, 
was Wir wegen des Commando über diese Völker für diesem Ih. Ld. 
geschrieben, hiemit nochraal wiederholen und solches — Ih. Ld. — 
auftragen wollen, der — Zuversicht, Ih. Ld. dasselbe Dero gethanen 
Erbieten gemäss willig über sich nehmen und sich dergestalt dabei 
comportiren und bezeugen werden, wie es der Sachen Notturfi und 
Dero selbst eigener hoher Ruhm erfordert. 

2. Die zu diesem Succurs destinirten Völker bestehen in nach- 
folgenden Trouppen: 500 M. z. F. von Ih. Ld. unterhaböndem Regiment, 
500 z. F. vom Golzischen Regiment, die Derflingsche Esquadron 
Dragoner, so in der Grafschaft Ravensberg bishero gestanden, 300 
Dragoner, so aus dem Herzogthumb Preussen geschickt werden, das 
Fürstl. Radzivilsche Regiment z. Pf, von 400 Reutern, welches 
auch aus dem Herzogth. Preussen geschickt wird. — 

3. Von obspecificirten Völkern nun können Ih. Ld. an die Dörf- 
ingsche Esquadron Dragoner und die 1000 M, z. F. solche Ordre 
«rgehen lassen, dass sie sich zu behöriger Zeit und zwar dergestalt auf 



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lustiuktion für Herzog Aagust von Holstein. 301 

den March begeben, damit sie ohngefähr gegen den . . . bey Grön- 
berg in Schlesien aufm Rendezvous anlangen können, gestalt dan ge- 
gen solche Zeit die Preussische Trouppen auch daselbst ankommen 
werden. 

4. Denen Officiren muss beim March ernstlich anbefohlen werden, 
allenthalben scharfe Ordre und Disciplin zu halten und an denen Or- 
ten, welche sie berühren, nicht die geringste Insolenz zu verüben, 
noch zu einigen Klagten Ursach zu geben, welches dan desto mehr 
von denselben zu praetendiren , weil ihnen aus ihren jetzigen Quar- 
tieren ein Monat Sold mit auf den March vermog ergangener Ver- 
ordnung gegeben werden soll, wie dann auch Ih. Ld. die Vorsehung 
zu thun wissen werden, damit den Beambten und Obrigkeiten der 
Oerter, so der March treffen wird, in Zeiten Notification davon ge- 
schehe, damit in ein und anderm die benotigte Anstalt von denselben 
gemacht werden könne. Welcher gestalt und auf was Weise aber der 
March durch die Mark Brandenburg zu nehmen, solches werden Ih. 
Ld. mit denen zu Colin a. Sp. hinterlassenen Oberpraesidenten und 
G.H.Rhäten wie auch mit dem G.Feldmarschall Sparren zu verab- 
reden haben, damit alles in guter Ordre und ohne Beschwerung der 
Unterthanen geschehe. 

5. JNicht weniger werden Ih. Ld. nach der Schlesie denen Keys. 
Oberampt- Bedienten in Zeiten von Ihrer Ankunft Notification thun, 
damit sie von einigen Commissarien auf den Grentzen empfangen, die 
Trouppen darauf besichtiget, in die Quartier geführet und mit behöri- 
ger Verpflegung versehen werden mögen. 

6. Worauf dan ferner Ih. Ld. auf die Conservation und Bey- 
behaltung dieser Trouppen fleissig und sorgfältig achten werden, in- 
sonderheit damit solche dem Versprechen gemäss mit behörigen Quar- 
tieren versehen 'und ihnen ihr Tractament und Verpflegung jedesmal 
richtig gegeben werde, die Officirer auch keinen Unterschleif und 
Partirerey dabei gebrauchen, sondern denen Gemeinen und Unteroffi- 
ciren das ihrige ohne Abzug reichen mUgen. 

7. (Convention § 2. 9. und 7.) 

8. (Convention § 8.) 

9. (Convention § 3.) 

10. (Convention § 4.) Also werden Ih. Ld. zu beobachten wissen, 
dass diejenige, so etwa abgehen, versterben, verlaufen oder für dem 
Teind bleiben mögten, alsofort wieder ersetzet und zu solchem End 



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302 5. Der Tärkeokriegr. 

die nötige Eecruyten und Werbegelder ausgezahlet, von den OflSeiren 
auch zur Werbung und Gompletirung ihrer Coropagnien wQrcklicli 
angewendet werden mugen. 

11. (Convention- § 4.) 

12. (Convention §6.) 

13. Das völlige Kriegsrecht über diese Trouppen behalten Ih. 
Ld. und die dabei commandirende hohe Officirer in civilibus et cri- 
minalibus, welche aber auch auf eiukommende Klage unverzögerte 
Justiz zu administriren, alle unverantwortliche Excesse gebührend be- 
straffen und darin sich dergestalt bezeigen müssen, damit Niemand 
mit Fug über sie zu klagen • Ursache haben möge. 

14. Inigleichen bleibt sowoU Ih. Ld. als denen andern Regi- 
mentern und Squadronen die Bestell- und Annehmung der etwan ster- 
benden oder sonsten abgehenden Officirer, wobey dan dieser Unter- 
scheid zu halten, i&ss wen beim F. Radziviischen Regiment wie 
auch bey denen Esquadronen der Dragoner einige Officirer vom 
Lieutenant an zu rechnen für- dem Feinde bleiben oder sonsten bei 
währendem Feldzuge abgehen würden, Ih. Ld. solche mit Communi- 
cation der hohen Officirer an diejenige, welche dazu für andern qua- 
Kficiret, wieder vergeben mögen. Würde aber ein Christ- Lieutenant, 
Ober Wachtmeister, Rittmeister oder Capitain abgehen, solchenfalls 
können zwar Ib. Ld. interimsweise das Commando jemand anders 
auftragen, die Charge und Compagnie aber bleibt alsdan denen, wel- 
chen das Regiment und die Esquadronen gehören, wieder zu verge- 
ben, und soll dessfalls anff Ih. Ld. Bericht alsofort behörige Ordre 
gestellet werden. 

15. Das Commando bey ein oder andern furfallenden Occasion 
betreffend lassen wir zwar geschehen, dass die Keys. Officirer, allsie 
auch gleich jüngere Officirer als die unserige wären, »den Unserigen, 
so mit denselben in einem Grad und Charge sein, furgezogen wer- 
den. Wen aber unsere Officirer höhere Charge als die keyserliche 
bedienen, solchenfalls- müssen sie auch denselben' nicht cediren noch 
sich von ihnen commandiren lassen. 

16. Wegen der Gefangenen ist verabredet, dass alle Unsere 
Officirer, welche vom Feind gefangen werden mögten, auf I. Keys. M. 
Kosten wiederumb befreiet und rangooniret werden sollen; hingegen 
gehören auch alle von unsern Völkern eingebrachte Gefangene Ih. 
Keys. M., welches Ih. Ld. also zu beobachten wissen werden. 



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InatruktioD für Herzog Aagnst vod Holstein. 303 

17. Schliesslich stellen wir es Ih. Ld. frei, ob Sie bey 3er In- 
fanterie in Schlesien verbleiben oder mU der Cavallerie und den Dra- 
gonern zur Keys. Armöe gehen wollen. Und werden dieselben sich im 
übrigen gefallen lassen, mit Uns wie anch mit Unserra CF^Marschall 
fleissig zu correspondiren und Uns bei allen Posten, was etwa furge- 
Jiet, zu berichten. Wünsche Ih. Ld. damit eine glückliche Reise, und 
dass diese Expedition und Dero führende Conduite zu Gottes Ehren, 
der Rom. Keys. M. allergnädigsten Wohlgefallen und Ihr selbsten zum 
unsterblichen Ruhm gereichen mögeO- 



Die Geheimen Käthe an den Kurfürsten. D. Coln a. d. Spree 

24. August 1663, 

[ÄukonftFirDemonts, dessen Bitte, den Marsch der Hiilfstrnppen za beschleunigen.] 

Der G.Feldzeagmeister uud Landebhanplmann des Fürstentboms Glo- 24. Aog. 
gaa, V. Firnemont, ist hier angekommen, hat sich bei ihnen angemeldet 
und auf Grand eines im Auszüge vorgelegten Schreibens L isolas um 
Bescbleanignng des MarRcbes der brandenbnrgischen Hülfstruppen gebeten, 
da die Türken schon bei Gran ständen nnd die Hülfe, wenn sie sich ver- 
zögere, zu spät kommen würde, zugleich wollte er Zeit und Ort, wo er 
die Truppen an der Grenze erwarten sollte, besprechen, v. Platen, der 
mit ihm, da der Oberpräsident bettlägerig war, verhandelte, hat das Säu- 
men des Herzogs von Holstein entschuldigt, der seine Truppen aus ver- 
schiedenen Orten, bis aus dem Raveiisbergischen her, zusammenziehe und 
deFFen Officlere wegen Mangel an Pferden uud Wagen noch nicht zum 
Marsch parat seien, doch sollte der Aufzug möglichst beschleunigt werden^). 



Unter demselben Datum (Königsberg 24. August 1BG3) erlasst der Kf. A'u- 
weidDogen an G.Fm. Sparr, sich des Marsches der Truppen aosunebmen und 
wegen des von denselben eiozuschlagendeo Weges sich mit den Gehefmeo Rathen 
in Berlin zu verständigen, ao G.Wachtm. Goltz; die von seinem Regiment 
Commandierteo in Bereitschaft su halten, an G.Wachtm. Marwitz, mit seiner 
Eskadron Dragoner aufsubrecben und weitere Ordre vom Herzog von Holstein 
ZQ erwarten, und an die Geheimen Räthe in Berlin, dem Herzog von Holstein 
Kommissare entgegenzuschicken, welche die Truppen bis an die schlesische 
Grenze bringen sollen, und sich wegen des einzuschlagenden Weges mit G.Fm. 
Sparr zu vergleichen. 

^ Kf. erwidert (d. Kiauten 31./21. August 1663), er habe schon bei vorij?er 
Post Ordre ergehen lassen, dass die Truppen ihren Marsch beschleunigen sollten, 
und er hoffe, dass dieselben in kurzer Zeit sich ^n der schlosischen Grenze 
Btelleo wurden. Er habe ursprünglich nur die im Ravensbergischen stehenden 
Dragoner versprochen, nachher aber noch die in Preusaen vorhandenen drei Com« 
pagnieeo hinzugethan. 



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304 5. Der Türkenkrieg. 

Freiherr de Lisola an den Kurfürsten. D. Königsberg 
1. September 1663. 

[Bitte Dm BescbleauigUDg des. Marsches der Hülfstruppeo.] 

1. Sept. Kf. möge die nöthigen Befehle zur Beschleonigung des Marsches seiner 

Hülfstnippen ertheilen^). Baron Vernemont, der deswegen in Berlin ge- 
wesen, schreibe ihm, dass dieselben noch keine andere Ordre als sich bereit 
zu halten hätten, er selbst erfahre, da<a auch die hiesigen Truppen noch 
keinen Befehl znra Marsch erhalten hätten. Er fürchtet, dieselben würden 
zu spät kommen. 



Der Kurfürst an den Freilierrn de Lisola. D. Insterburg 
4. September 1663. 

[auf das Schreiben vom \. Sept. Die Marschbefehle sind ertbeilt] 

4. Sept. — Sobald man jüngetenhin wegen der Conditionen einig gewesen, 
[haben] wir alsofort denen in Teutschland stehenden Trouppen Ordre 
ertheilet, aufs schleunigste aufzubrechen und ihren March nach denen 
Schlesischen Grenzen zu zu nehmen, wir Zweifeln auch nicht, dieselben 
werden anitzo in March begriflfen sein und in kurzer Zeit bei Grünen - 
berg anlangen, wie dann gleicher Gestalt denjenigen Compagnien, 
welche aus diesem unserm Herzogthumb geschicket werden sollen, die 
Ordre zum March bereits ertheilet und denenselben auf den 17. dieses 
das Rendezvous im Ambt Marienwerder bei der Weixel assi- 
gniret. 



Der Kurfürst an den Herzog Augustus von Holstein. D. 
Insterburg 9. September 1663. 

9. Sept. Die preussischen Compagnieen sind auf dem Marsch, er soll seinen Marsch 
so beschlennigen , dass er gegen den 10. October auf der schlesischen 
Grenze sein könne. 



') Auch der K aiser hatte in eioem Schreiben (d. Wien 20. August I6G0) den 
Kf. gebeten, indem er ihm von dem unglücklichen Gefecht, welches Graf For- 
gatsch den Türken geliefertiiatte, von der Belagerung von Neu hau sei und der 
Vereinigung der Tataren, Walachen und Moldauer mit dem Türkischen Heere 
(s. Oiar. Kurop. IX S. 486 ff. 579ff. 591. Theatr. Europ, IX S. 947ff.^ Mit- 
Uieilung machte, seinen offerierten Succurs möglichst accclerieren %vl lassen. 



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Anmarsch der brandenborgiBcheD HüIfstruppeD. 305 

Freiherr de Lisola an den Kurfürsten. D. Königsberg 
19. September 1663. 

[Eroeate Bitte um Beechleunigang des Marsches der Hulfstrnppen.] 

Er beschwört den Kf. aof Grund der in einem beiliegenden Briefe von 19. Sept. 
de Soucbes enthaltenen Nachrichten über den Einfall der Tataren in 
Mähren^) und die bedrohte Lage der kaiserlichen Provinzen, und da er von 
einigen Officieren gehört, dass dieselben einige Tage auf dem Rendezvous 
bei Marienwerder bleiben und langsam marschieren wollen, seinen Officieren 
den Befehl zu ertheilen; den Marsch auf das äusserste zu beschleunigen. 



Der Kurfürst an den Freiherrn de Lisola. D. Rositten 
20. September 1663. 

[Ursache der Verzogernog.] 

— Was unsere Truppen betrifft, so ist Euch genugsam wissend, 20. Sept. 
dass dieselbe den ganzen Sommer parat gewesen, und sobald man 
der Konditionen nach Wiederkunft des Secretarii von Wien, welcher 
zimblich lang aussenblieben, einig worden, — denselben auch anbe- 
fohlen, solchen aufs möglichste zu beschleunigen — wie dann solche 
Ordren annoch bei dieser Post von uns wiederholet werden'). — 



8. Diar. Europ. X S. 594 ff. Londorp. VIII, S. 932f., Theatr. Europ. 
IX S. 952. Aach v. FernemoDt in einem Schreiben an die Geh. Rathe in Berlin 
(d. Gr. Glogan 17. September 1663) giebt denselbeo Nachricht von diesem Ein- 
fall in Mähren, von den Befürchtnogen , dass aach die Hauptmacht der Feinde 
sich gegen Mähren und Schlesien wenden werde, and von den dort getroffenen 
VertheidigangsaDBtalten, and bittet am BeBchleooigang des MarscheB der Hülfe- 
troppen. Andr. Neamann meldet aus Wien (<i. September 16G3), die Tataren 
seien aber die Waag gegangen, setzt^^n jeneeits der Donao alles in Brand, streiften 
bis ans Marchfeld, man erwarte sie etandlich vor den Donaabrücken. S. aach 
den Bericht der Gesandten aas Regensbarg vom 21. September oben Abschnitt 4 
S. 198, and ürk. a. A kt IX 8. 863. 

^ Unter demselben Datam ergeht an den Herzog von Holstein diö Ordre, 
wegen der zanehmenden Gefahr seinen Marsch za beschleaaigen; falls die Ravens- 
bergischen Dragoner noch nicht bei ihm angelangt seien, solle er die Fossvölker 
voraas nach Schlesien marschieren lassen and O.Wachtm Marwitz befehlen, ihm 
anfs Bchleanigste za folgen. Die preussischen Reiter ond Dragoner hätten Be- 
fehl erhalten, nicht auf seine Ankanft zu warten, sondern ihren Marsch nach der 
schlesischen Grenze fortzasetzen. 

Maler, z Gesch. d. G. Kurfü raten. XI. 20 



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306 &• I>er Tärkenkrieg. 

Herzog Augnstns von Holstein an den KarfQrsten. 
J). 8. 1. 12./[22.] September 1663. 

[auf das Rescript vom 9. September. Ursache seiner Verspätung ] 

22. Sept. __ Bin anitzo in vollem Marsch begriflfen, werde nicht manquiren 

auf die bestimmte Zeit an die schlesiscfae Grenze anzulangen und 
wollte ich schon weiter fortsein, wenn nicht die Derflingsche Dra- 
goner so langsam wären, ob ich sie schon mehr als zu zeitig zum 
Aufbruch beordert habe ^). Es scheinet, der Oberst Marvitz sei was 
nachlässig, er entschuldiget sich, wie auch der 6. major Eller *) schrei- 
bet, dass sie mit die Sattel nicht haben können fertig werden. — 

Kaiser Leopold an den KurfUrsten. D. Wien 23. Sep- 
tember 1663. 

[Dank für die Hfilfe. Bitte, die Fosstnippen bis Mähren vorrücken za lassen.] 

23. Sept. Er hat dorch L is ol a Nachricht von dem Jlülfserbieten des Kf. erhalten. 

So nimb ich die bewilligte sowohl Volk, als die bei der Cron 
Spanien ausstehende hunderttausend Reichstlialer *) GeldhQlf zu freund- 
gnadigem Dank an und ersuche solchem nach Ew. Ld. — dass Sie 
die Völker ehest mQglich, und zwar die Reuterey und Dragoner wo- 
hin sie destiniret, auf das schleunigste fortziehen, die Infanterie 
aber, weil dieselbe, als ich vemimb, alte versuchte Rnedht sein und 
die Zeit vor dem Winter kurz, wenigst bis in Mähren, welches ihro 
nur umb ein geringes weiter als Schlesien entlegen, fortgehenlassen 
wollen. — 



Memoire & S. A. E. de Tenvoy^ d'Espagne,*) Pr. Königs- 
berg 3. Octobris 1663. 

[Zablong der Snbsidien. Anflösang der Rheinischen Allians. Aafnahoie des 
Königs von Spanien in die Oeneralgarantie des Reiches. Erledigung der Jägern- 

d orfer Angelegenheit] 

3. Oct. S. M. le roi mon maistre par sa lettre du 29 d'aoust me com- 

mande de reiterer les remerciments a S. A. E. tant du secours qu'elle 

Aach am 27. September meldet er dem Kf. von Zossen ans, er sei dort 
angelangt und würde schon weiter sein, wenn er nur die Dragoner fortkriegen 
könnte, von denen er noch nicht wisse, ob sie ober die Elbe seien. 

^ Qouverneur des Sparenberg im Ravensbergischcn. 

^ S. oben S. 299. 

^} Im Jnli 1668, bald nachdem Lisola in Königsberg erschienen war, hutte 



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Antrage des spanischen Gesandten. 307 

donne a Tempereor que pour la perseuerance qu'elle tesmoigne dans 
sa bonne resolation de lie 86 point separer des interests de la tres 
auguste maison et de ne uouloir entrer en aucune [alliance] a son 
preiudice et sans son inclusion. 

Elle m'aduertit aussi, qu'elle a despeschö de nouueau au Vice 
Roy deNaples, affin qa'il haste le premier payement des cent mille 
escus, et luy donn6 en celä tant de presse et des ordres si preeis, 
qu'elle veut meme, qu*il laisse toutes autres eonsiderations et dif&eultä 
en arriere pour satisfaire a cette Obligation, de sorte que celuy, a 
qui V. A. E. en a donn6 la Charge, serä fort bien receu et bien traittä, et 
il en serä de mesme h qui que ce soit, qu'il plairrä a S. A. E. enuoyer 
en cour d'Espagne. 

S. M. tesnioigne desirer et trouuer fort a propos que Ion tra- 
uaille a desfaire doucement la ligue du Rhin, en quoy Ion negotie a 
present non sans esperance de succes, les electeurs ecclesiastiques 



sich dort auch ein spanischer Gesandter Sebastian d'Ücedo eingefanden (s. 
Pafendorf 1. IX § 58 (S. 598), 64 (8. 604); Droysen m, 3 S. 29 nennt denselben 
irrthümlich Macedo). König Philipp IV. in seinem Creditiv (d. Madrid 6. October 

1662) nennt denselben: in nostro Mediolanensis statns exercitu praeciponm no- 
strnm antigrapbum und bezeichnet als den Aaftrag, den er demselben ertheilt, dem 
Kf. seine Freundschaft zn bezeugen und dieselbe noch mehr zu befestigen. 
28. Mai 1663 melden der Oberpräsident v. 8chwerin*and die Geheimen Räthe 
in Berlin dem Kf., dass nach einer Mittheilang A. Nenmanns aus Wien der Ge- 
sandte dort angekommen sei nnd nach Berlin reisen wolle, und fragen an, wie 
sie sich demselben gegenüber verhalten sollen, worauf Kf. (d. Königsberg 7. Juni 

1663) sie anweist, denselben zu ihm dorthin zu verweisen. In einem am 23. Sep- 
tember daselbst übergebenen Memoire spricht derselbe dem Kf. auf Grund eines 
Schreibens seines Königs vom 15. August dessen Dank für die ihm, dem Gesand- 
ten, bereitete freundliche Aufnahme und für die Zuneigung, welche Kf. gegen den 
König und dessen Haus bezeugt habe, ans, versichert, dass das Versprechen 
wegen der Subsidienzahlung'(8. oben S. 299) in Neapel zur Ausführung gebracht 
werden wurde, ferner dass derselbe in betreff des Ceremoniells (darüber hatte 
schon V. Blumenthal 1660 (s. Urk. u. Akt. IX S. 572) den Auftrag gehabt, mit 
dem spanischen Hof zu verhandeln) die näheren Vorschläge des Kf. erwarte, 
welche er, der Gesandte, inzwischen eingesandt habe; er macht ferner dem Kf* 
Anzeige von der Verlobung des Kaisers mit der Infantin (dieselbe war .am 
27. März (s. Diar. Burop. X S. 242) zu Madrid publieiert worden) und entschul- 
digt, dass dies nicht schon früher geschehen sei, damit, dass man am spanischen 
Hofe nicht gewusst habe, wohin man den betreffenden Befehl an den Gesandten 
schicken solle, endlich ersucht er im Auftrage des spanischen Gesandten in 
Wien Marquis de laFuente den Kf, seinen dortigen Gesandten anzuweisen, 
mit demselben in nähere Verbindung zu treten. — üoedö ist dem Kf. nachher 
von Königsberg nach Berlin gefolgt und ist bis Ende December 1664 bei dem- 
selben geblieben. 

20* 



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ö. Der Tärkenkrieg. 

cominencant d'ouurir les yeux et de conoistre, que les uns de cette 
ligue ne sont pas conformes a Tiaterest des princes de Tenipire, et 
si la chose reussit en cette conformitö, Ion aura ueritablement ce qae 
Ion desire, mais Ion ne \siUBe- pas pour cela de juger, qu'il sera fort 
apropos, que S. M. seit comprise dans la garantie generale de Tem- 
pire, ce qui ne luy peut estre refusä comme membre de ce corps, 
ayant mesnie extremement approouä la proposition de faire une ligue 
entre S. M. I. et les autres princes de Tempire, qui uoudront y en- 
trer pour la commune seuretä. 

Desirant aussi a S. A. E. toute sorte de satisfaction eile ordonne 
au duc deMedina de las Torres, son premier ministre, de traitter 
aucc Tanibassadeur de Tempereur pour trouuer le moyens d'aiuster 
raflfaire de Jcgersdorff a rentiere satisfaction de S. A. E., a quoy 
S. M. et le duc de Medina apporteront toute sorte d'application, 
afßn que S. A. £. seit pleinement contente. 



Kaiser Leopold an den Kurfltrsten. D. Wien 
3. October 1663. 

[Die DefeDsioDSverfassong auf dem Reichstage.] 

3. Oct. Die Türken haben Nenhänsl genommen, der Saltan soll im nächsten 

Jahre selbst ins Feld ziehen wollen, die Eiblande des Kaisers und die an- 
grenzenden Lande sind in grosser Gefahr. Daher hat er durch den Erz- 
biechof von Salzburg den Reichstag aufgefordert, den punctum defensionis 
wenigstens provisionaliter nach eines jeden Vermögen einzurichten. Er er- 
sucht Kf. seine Gesandten anzuweisen, dazu mitzuwirken, dass zunächst 
diese Defensionsverfassnng znt^ta:ide gebracht und erst nachher von der 
Capitulation gehandelt werde. 



Freiherr de Lisola an den Kurfürsten. D. Königsberg 
4. October 1663. 

[Die Infanterie soll bis Mähren vorgehen. Wunsch einer schnellen Beendignng 
der prenesischen Wirren.] 

4. Oct. — Sa Majeste Imperiale se sent fort obligee des secours, qu'il 

a pleu ä V. A. S. luy envoyer — eile souhaitte seulement pour comble 
de faueurs, qu'il plaise a V. A. S. envoyer un ordre a M. Ic prince 
d'Holstein, a ce que Tinfanterie puisse passer jusques en Moravie, 



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Marsch der brandeoburgtscheo Hülfstroppen. 309 

ou eile sera bien traittee et conservee aussi soigneusement que si 
elles demeuroient en Silesie, le principal interest a present est de 
eonserver ce pays et le preserver de rinondati<^n de ces barbares, 
qui pourroient facilement penetrer plus' outre. Si les ennemis nous 
voyent prepares a la deffence, ils modereront leur audace, mais s'ils 
voyeut nos trouppes dispersees ailleurs et la Moravie desgarnie, cela 
leur donnera courage d'y entrer. — Je luy despesche mon secretaire, 
affin que, s'il est possible, il me rapporte les ordres de V. A. pour M. 
le prinee d'Holstein et que je puisse expedier le Courier sans delay. 
Nostre cour est dans une grande impatience de voir V. A. S. 
hors de ces embarras de Prasse pour pouvoir de plus pröz commu- 
Diquer auec eile et songer a la commune seuret^. II Importe de ter- 
miner icy les affaires en toutes facons, j'en souhaitte a V. A. S. un 
succez tel, qu'elle peut desirer, esperant, que Dieu benira la justice 
de la cause commune et qu'il confondra a la fin ceux, qui auront de 
mauvais desseins. — 



Herzog Augustus von Holstein an den Kurfürsten. D. Freystadt 
zwei Meilen von Grüneberg 25. September/ 5. October 1663. 

[Das Rendezvoue der Trappen soll za Frejgtadt sein, Zustand der Truppen, noch 
keine Anweisung wegen der Quartiere.] 

— Berichte derselben, dass ich gestern als den 4. dieses bei 5. oct. 
Grüneberg angelanget mit den commendirten 500 Mann meines Begi- 
ments, weil aber die Kais. Commissarii nicht vor gut befunden, dass 
der Bendevous der sämbtlichen Truppen dort sein sollte, so habe ich 
mich mit ihnen verglichen, dass es alhier, wo ich itzo stehe, sein 
sollte. Die Preussischen als Goltzschen auch die Derfflingsche 
Dragoner stehen itzo alle umb Crossen, und hab ich ihnen befohlen, 
den Marsch hie her zu richten, damit Ghurf. 6n. Lande nicht von 
unnöthigem Stilliegen mQgen beschweret werden. Ich will hoffen, es 
sei solche Ordre unterweges gehalten, dass E. Gh. Gn. desswegen 
keine Elachte vorkommen werde. Von den Preussschen Dragonern 
seind 150 zu Fuss, von den Bavensperschen bei 60, das Fussvolk 
und Beutter seind noch im guten Stande. Ich habe schon zu unter- 
schiedliche Mal an das Oberamt geschrieben, umb mich zu erkundigen, 
wo die Quartier uns werden assigniret werden, so wollen sie noch 
von nichts wissen und schreiben, dass deswegen von I. Kais. M. noch 



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310 ö. Der TörkeDkrieg. 

nichts befohlen* Ich schreibe auch diese Post deswegen an dem Fürst 
Conzaga und Lobcovitz als Krieges Präsidenten. Und weil das 
Oberamtjbegehret, dass ich mit den Truppen den graden Weg nach 
Breslau marschieren soll, so werde ich, sobald sie nur etliche Tage 
ausgeruhet, demselben nachleben. — 



Der KurfUrst an den Kaiser. D. Königsberg 7. October 1663. 

[auf das Schreiben vom 23. September. Die Fusstnippen sollen nach Mähren 
marschieren. Erinnerong wegen Jägerndorfs.] 

7. Oct. — Auf dass Ew. Key. M. ferner sehen und erfahren möge, dass 

ich derselben nach Müglichkeit willig und gern an Hand gehe, so 
habe ich den Herzog von Holstein beordert'), dass er die Fussknecht 
nachm Mähren marchiren lassen solle, und will ich nicht zweifeln, 
weil sie albereit in der Schlesie ankommen, sie werden auch nu 
ehest in Mähren sein — habe auch das sichere Vertrauen zu E. 
Key. M., Sie werden endlich meiner gerechten Jägerndorfischen 
Sache ihre abhelfliche Mass geben und mich dadurch zu Dero Dienst 
noch freudiger machen. — 



Herzog Augustus von Holstein an den Kurfürsten. 
D. Wanse^ 21. October st n. 1663. 

[Streit wegen der Quartiere.] 

21. Oct. Gleich itzo bekomme ich Schreiben von Breslaw, dass Bie auch 

das Fussvolk hier im Lande nicht behalten wollen, sondern wollen, 
wir sollen zur Armee gehen, habe ich mich deswegen auch resolviret, 
auch die Reutter und Dragoner nicht abfolgen zu lassen, sondern will 
mich im bischofflichen NeuB(?) setzen mit ßeutter, Dragoner und 
Fussvoik und dorten so lange stehen, bis sie sich entweder ein an- 
ders resolviren, oder Ih. Chf. Gn. ein anderes befehlen. Es scheinet, 
sie achten unser nicht, weil es gegen Winter, wollten unser wohl gern 
wieder los sein. — 



') Kf. ertheilt demselben (d. Königsberg 7. October 16G3) den Befehl, die 
Fuasknechte bis nach Mähren, aber nicht weiter, marschieren nnd in gute Oerter 
legen zu lassen. 

^ Wansen, an der Ohlau im Regierungsbezirk Breslau, s.w. von Brieg. 



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Streitigkeiten wegen der Quartiere. 311 

Derselbe an den Kurfürsten. D. Zobten 22. October st n. 1663. 

[Verdächtiges Verhalten der kaiserlichen Behörden, üble Lage seiner Truppen.] 

— Berichte deroselben nochmals — dass sie uns hier weder 22. Oct. 
Quartier noch Verpflegung noch nichts gestehen wollen, wollen, wir 
sollen zur Haubtarmee gehen. Ich weiss nicht, was ich vor Gedanken 
schöpfen soll, sie reden hier, ob sollten wir auf das Fürstenthumb 
Jegerndorff oder Schweinitz und Gaur einig Absehen haben. 
Selbe Gedanken ihnen zu benehmen, habe ich ihnen die Punkten, so 
in meiner Instruktion von Ih. Churf. Gn. auf das Quartier und Ver- 
pflegung gehen, abcopiren lassen, werde sehen, was sie nun machen 
werden. Ich habe neue Munition von ihnen begehret, wenn wir ja 
auf die Grenze gehen sollten, welches mir auch abgeschlagen worden, 
bin also übel daran und sehe ich nicht, wie wir ein paar Monat hier 
ohne unsern Buin subsistiren werden, ja nicht den November aus. Ich 
habe E. Gbf. D. schon neulich berichtet, wie dass wegen des weiten 
Marsch über 100 Dragoner von beiden Spuadronen zu Fuss, wie 
auch bei die Reutter wohl 50. — 

Die Beutter stehen itzo in der Grafschaft Gl atz*), ich will mit 
den Reuttern zur Seuchen Armee gehen, welche 1500 Mann stark und 
bei Eremsier stehet, und werde das Fussvolk unter Conduite des 
Ob. L. Sparren hier stehen lassen. — 



Der Kurfürst an den Kaiser. D. Königsberg 
22./ 12. October 1664. 

[auf das Schreiben vom 3. October. Ratl^schlage inbetreflf der Kriegführang.] 

Er wird seiner Gesandtschaft in Regensburg dem Wunsche des 22. Oct. 
Kaisers gemäss Weisung zugehen lassen *). 

Qottfr. von Jena sendet aus Regensburg dem Kf. ein Schreiben der Bob- 
mischen Regierung an den Erzbischof von Salzburg (d. Prag 22. October 1663), 
welches ihm dieser mitgetheilt hat. Darin wird geklagt, dass 600 Dragoner und 
400 Reiter brandenbnrgische.Hnlf8truppen mit zwei Stäben und sehr vielem Tross 
nach Böhmen gekommen seien, welche nur der Ordre des Herzogs vorn Holstein 
parieren wollten, «sich unbewusst der Regierung und ohne einigen von dem Kaiser 
vorher eingelangten Befehl sich von Selbsten logieret, stattlich traotieren lassen 
nnd von keiner Zahlung melden". Der Erzbischof wird gebeten , sich bei den 
brandenborgischen Reichstagsgeiaandten zu verwenden, dass diese Truppen wieder 
von dort fort und nach Oesterreich, oder wo sonst der Kaiser befehle, abgeführt 
wfirden und dass sie in den kaiserlichen Landen der dortigen Regierung den nöthigen 
Respect erwiesen. 

*) S. das Rescript an die Gesandten in Regensburg vom 22. October 1663 
oben Abschn. 4 S. 201. 



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312 5. Der Türkenkrieg. 

E. Key. M. werden besser thun, wann Sie alles, was müglich, 
zusammenziehen und das Hauptwerk des Erbfeindes vornehmlich re- 
spiciren, weil doch ohnmQglich mit zertheilter Macht und einzelnen 
Trouppen oder Regimentern ihme Abbruch zu thun oder sein Dessein 
zu brechen. — Deroselben will ich auch aus aufrichtigen getreuen 
Herzen als ein getreuer Churftirst ohnmassgebig rathen, ob es nicht 
müglich denen Evangelischen in dero Erblanden mehrere Gewisseus- 
freiheit zu gönnen, und zweifele nicht, es werde solches zu E. Key. 
M. merklichen und unausbleiblichen Nutzen und Besten gereichen, zu- 
mal sie dergleichen unter den Türken zu gemessen. — 



Der Kurfürst an die Fürsten von Brannschweig^ Hessen^ Wür- 

temberg, Altenburg, Gotha, Weimar, Anspach, Oalmbach, Sim- 

meni, Mecklenburg, Anhalt and den Administrator zu Halle. 

D. Königsberg 15./ 25. October 1663. 

[MabnoDg, aaf dem Reichetage für die Törkenhülfe zu wirken ] 
25. Oct Er weist auf die dem ganzen Reiche drohende Türkengefahr hin, be- 

klagt, dasB man anf der gegenwärtigen Reichsversammlnng so wen'g Eifer 
in Beschützung der Christenheit und Rettung des Kaisers zeige , sondern 
lieber die Zeit mit solchen Sachen, welche bei weitem nicht so pressant 
seien, zubringe, ersucht denselben zur Herstellung des so nöthigen extra- 
ordinären Defensioaswerkes mitzuwirken und seine Gesandten zu Regens- 
burg dahin zu instruieren, dass diese Materie, und zwar, wenn nicht eher, 
doch vor Ausgang des Winters und vor Herannahen des Frühlings erledigt 
werde *). 



') Darauf antwortet zuerst Herzog Ernst von Gotha in einem langen Schrei- 
ben (d. FriedeoBtein 28. October /[7. November] 1663), in welchem er erklärt, er 
sei mit Kf. durchaus darin einig, dass in solcher Gefahr das Reich hohe Ursache 
habe, sicn anders und besser anzogreifen. Doch ständen dem manche alten 
Schäden hinderlich entgegen: das grosse Misstraaen und die Zerrüttung unter 
den Ständen in geistlichen und weltlichen Sachen, der verderbliche Eigennutz 
und die bei den Vorfahren nicht erhörte Pracht und der Luxus, der «mit Oppression 
und EnervatioD der armen Unterthanen*' an den meisten Orten getrieben werde, 
sowie die Mängel der Justiz. Er sei bereit, nach Kräften zu helfen, und er ersucht 
den Kf., der sowohl zur Abwendung der Gefahr von aussen als auch zur inner- 
lichen Besserung des gefahrlich laboriereoden Status publici viel beitragen könne, 
beideilei Zwecke bei den ReichBConsoltationeD in Obacht zu Lehmen, dass neben 
der Kriegsbereitschaft wider den auswärtigen Feind auch die Harmonie zwischen 
Haupt und Gliedern des Reichs und dieser Glieder Proportion und Correspondenz 



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Die brandeDbnrgischeD Hülfstruppen in Mähren. 313 

Der Kurfürst an Herzog Augustus von Holstein. D. Riesen- 
burg 4 November 1663. 

[auf das Scbreibeo vom 21. October. Wiederholang der Ordre vom 7. October.] 

Er ersieht, dass dem Herzoge eeiue Ordre noch nicht zugegangen ist, 4. Nov. 
wiederholt daher dieselbe, dass er auf Ordre' des Kaisers seine Fussvöliser 
bis nach Mähren, aber nicht weiter, gehen lassen solle, wegen der Reuter 
ond Dragoner aber bleibe es bei der vorigen Abrede und Verordnung. 
Es verwundert ihn nicht wenig, dass man sich der Völker nicht mehr an- 
nimmt and derselben sich besser zu bedienen sucht. 



Herzog Augustus von Holstein an den Kurfürsten. *D. Bei 
Troppau 5. November st. n. 1663. 

Er hat des Kf. Ordre vom 7. October erhalten , marschiert heute nach 5. Nov. 
Troppau, um dort nach Mähreu überzugehen. F.Zm. Souches schreibt 
ihm, dass seine Quartiere im Olmützschen und Stern bergseben Kreis 
sein sollen. Die Truppeu siud in gutem Stande. 



Herzog Augustus von Holstein an den Kurfürsten. 
D. Sterenberg 12. November 1663. 

[Die Quartiere in Mähren.] 

Er hat nunmehr die Quartiere in Mähren, wie eine beigefügte Speci- 12. Nov. 
fication angiebt, bezogen. Die Quartiere sind ziemlich gut, von Geld will 
man aber noch nichts wissen, sondern vertröstet ihn auf den Landtag ')> 
welcher den 18. dieses zu Brunn gehalten werden soll. Die türkische Ar- 
mee steht noch bei Neuhäusel, den F.Zm. de Souches hat er, da der- 
selbe von hier abwesend ist, noch nicht gesehen. 



Der Kurfürst an Herzog Augustus von Holstein. 
D. Oöln a. d. Spree 9./[19.] November 1663. 

[Forderung schärferer DiBcipIin.] 

Da die kaiserlichen Minister Klage geführt haben, dass seine Truppen 19. Nov. 
schlechte Ordnung und Disciplin halten, Kf. auch nach i^eiuer Rückkehr 
hieher vernommen hat, dass dieselben auch auf dem Durchzuge durch seine 



befördert werde. — Auch von deu andereo Fürsten trafen im Laufe des November 
Schreiben mit äholicheo allgemeineu Erbietungen fin. 

*) S. den Extract aas der diesem Landtage vorgelegten Proposition Diar. 
Europ. X 8.887. 



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314 5. Der Türkenkrieg. 

eigenen Lande nicht aller Orten gleich gute Disciplin gehalten, so weist er 
ihn an, seiner Instruktion gemäss bei allen seinem Commando anvertrauten 
Völkern scharf und ernstliche Ordre zu halten und die vorfallenden Inso* 
lentien exemplariter zu bestrafen, auch die Officiere zu Haltung scharfer 
Disciplin bei Vermeidang der Ungnade des.Kf., Entsetzung ihrer Chargen 
und nach Befinden Leib- und Lebenstrafe anzuweisen. 



Herzog Augustus von Holstein an den Kurfürsten. 
D. Sterenberg 28. November 1663. 

[ZusammentrefifeD mit de Souches, dessen ForderoDg, io Böhmen Quartiere za 
beziehen, und andere verdächtige Reden.] 

28. Nov. Er hat vom Kaiser Befehl i) erhalten, seine Reiter und Dragoner mit 

F.Zm. de Souches eine Cavalcade nach Ungarn^) unternehmen zu 
lassen. Obwohl darin nicht enthalten war, dass er selbst mitziehen sollte, 
hat er sich doch entschlossen, dieses zu thun, um besser auf die Leute 
Acht zu haben, da er gehört, de Souches wolle die Dragoner in den un- 
garischen Bergstädten diesen Winter lassen, wo sie unfehlbar hätten cre- 
picren müssen. 

Wie ich nun den 24. dieses bei Hung. ßadisch, wie meine Ordre 
vom F.Zm. lautet, mich eingefunden und gleich zum de Souches bin 
geritten, mich von ein und andern zu bereden, so hat er mir gleich Or. 
der ertheilet, wieder in die Quartier zu gehen; und wie ich mich darüber 
beschweret, wendete er vor, der Feind hätte sich zurückgegeben und 
hätte uns bei sich itzo nicht nöthig, und dass er bastant genug wäre, das 
Sächsche Fussvölk allein hin zu convoyiren, wo es diesen Winter stehen 
bleiben sollte^), sagete darneben, dass L Maj. mir Order ertheilen würden, 
mit FussYolk und allem in Bohemen Quartier zu beziehen. Weil aber 
Ih. Ghurf. Gn. Order lautet, das Fussvölk nicht aus Mähren gehen zu 
lassen, so werde ich mich an Churf. Gn. Order halten. Der .F.Zm. 
versicherte mich darneben, dass Ih. Maj. nicht gesinnet wären, uns mit 
Verpflegung versehen zu lassen, sondern praetendirten, dass Ew. Churf. 
Gn. selbe gleich andern Churf. selber bezahlten, und haben wir bis 
datto noch nichts empfangen, werde desswegen Ew. Churf. Gn. gnä- 



d. Wien 11. November 1663. 

^ S. Diar. Enrop. X S. 920. Der Haaptsweck derselben, Novigrad und 
Leweoz zu entsetzen, wurde nicht erreicht. 

^) Die K.eächsicheD Hnlfstruppen, 1174 Mann z. Fuss unter dem O.Lieutenant 
JohüDü Christoph Brand v. Lindau waren Ende September in Böhmen an- 
gelangt; und bezogen die Winterquartiere in Oberangarn in der Gegend von Krem- 
üitE. S. Schuster und Francke, Gesch. der Sächsischen Armed I S. 85. 



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Klagen über schlechte DUclplin. AeasseraDgen de Soaches. 315 

dige Verordnung erwarten. Er gedachte, dass, so Ew. Churf. Gn. ßich 
nicht resolviren würden, diese Völker Ib. Maj. ganz zu schenken, dass 
sie selbe aucb nicht unterhalten würde, verspräche mir auch darbey, 
dass, wen Ib. Churf. Gn. solches eingehen würden, Ib. Maj. gesinnet 
wäre, bey der Armee mich als General Wachtmeister zu bestätigen. 
Wie ieh- aber vorwandte, dass so lange Ew. Churf. Gn. mich in dero 
Dienste gnädig leiden wollten, ich keinen anderen Herrn verlangete, 
ward er sehr still. Und ob dieses nun zwar blosser Discours, so habe 
ich doch Churf. Gn. hiermit gehorsamst ersuchen wollen, wenn sie 
sich hierzu resolviren sollten, weil ich nicht zweifele, dass fleissige 
Ansuchung hierumb geschehen wird, dass sie doch meiner nunmehro 
4 Jahr lang geleistete Dienste in Gnaden eingedenk sein wollten und 
mich aus dero Dienste so gar nicht zu verstoszen, zumahlen ich nicht 
gesinnet, ausser Diensten Churf. Gn. mich hier zu engagiren. 



Herzog AugUBtus von Holstein an den Kurftirsten. 
D. Sterenberg 30. November st. n. 1663. 

[aaf das Rescript vom 9./19. Vertheidigang gegen die Vorwurfe wegen schlechter 
Disciplin, Klage über die Verpflegung. Meuterei. Neue Quartiere in Böhmen.] 

In den Earfürstlichen Landen weiss er nicht, dass auf dem Marsch ir- 30. Nov. 
gend eine Klage erhoben sei, die nicht sofort remediert worden, er verlangt, 
dass die Kommissare, welche ihn durch die Mark geführt, ihre Klagen 
schriftlich aufsetzen. In den Kaiserlichen Landen ist er von Anfang an 
schlecht tractiert worden, man hat ihm keine Verpflegung noch Quartier 
geben wollen, so hat er an vielen Orten snbsistieren müssen, doch sind da- 
bei besondere Excesse nicht vorgefallen und ist strenge Jnstiz geübt worden. 
Man bleibt hier dabei und will ihm keine Verpflegung geben, er hat seit- 
dem er in den kaiserlichen Landen ist nicht mehr als 7000 Gulden empfangen. 
Li sola hat nach Breslau geschrieben, Kf. hätte ihm 40000 Rthlr. zu Be- 
zahlung der Leute mitgegeben ; wenn solche Reden bei den Soldaten laut- 
bar werden sollten, so könnte das üble Folgen haben, schon vor etlichen 
Tagen hat des Landhofmeisters Wallenrodt Compagnie gar eine Meuterei 
angefangen, indem sie behauptet, es restierte ihnen noch so viel aus Preussen, 
sie hätten von dem Landhofmeister noch ao 4000 Rthlr. zu prätendieren ; 
er hat dem O.L. Koller befohlen, es zu untersuchen. 

PS. Man verlangt von ihm, er solle mit allen seineu Truppen nach 
Böhmen gehen, er erwartet des Kf. Ordre. 



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316 5. Der TürkeDkrieg. 

Der Kurftlrst an Herzog Augustus von Holstein. D. Colin 
22. November /[2. December] 1663. 

[Verwendang der Truppen. De Soaches' AensseraogeD.] 

2. Dec. Niichdem der Kaiser begehrt Oi dass die Infanterie weiter vorrückea 

solle, gestattet er, dass dieselbe bis nach Mähren gehe, za Verrichtung 
der Inipresa aber soll unr die Hälfte der Völker hergegeben und ausdrück- 
lich bedungen werden, dass dieselben nach verrichteter Expedition wieder 
in die Quartiere zurückkehren sollen, Reuter und Dragoner dagegen können 
wohin es der Dienst dos Kaiser fordert employiert werden. Den Bericht 
über de Souches' Discurse hat er mit Befremden gelesen und deswegen an 
den Kaiser geschrieben'), er erwaitet ausführlichen Bericht über die bishe- 
rige Verpflegung. 



Herzog Augustus von Holstein an den Kurfürsten. 
D. Sterenberg 4. December 1663. 

[Quartiere in Böhmen.] 

4. Dec. Der Kaiser hat der Landesbauptmaunschaft in M ä h r e n befohlen, seinen 

Truppen den Monat November zu zahleui dieselbe kann aber mit den Ständen 
noch nicht richtig werden. Der Kaiser hat durch F.M. Montecuccoli 
ihm befohlen, mit allen seinen Völkern nach Böhmen zu marschieren und 
dort die Quartiere vom 1. December an sich zahlen zu lassen, er ninss dar- 
auf eiugehen, will aber hier so lange bleiben, bis der volle Monat November 
gezahlt ist'). 



*) lu einem Schreiben an Li sola vom 27. October, welches dieser von Kü- 
Stria aus am 7. November dem Kf. zugeschickt hatte. 

^ Dieses Schreiben liegt den Akten nicht bei. 

3) Am 7. December meldet er, dass er, obwohl ibm der Rest auf den November 
noch nicht gezahlt sei, doch um nicht zu Klagen, als ob er des Feldmarschalls 
Ordre nicht stracks pariert, Anlass zu geben, morgen nach Böhmen aufbrechen 
wolle. Doch steht er noch am 16. in Steruberg und meldet von dort aus an 
diesem Tage, die Dragoner, welche am weitesten zurückständen, würden heute 
den Marsch nach Böhmen beginnen, er selbst würde noch zwei Tage warten und, 
wenn er bis dahin keinen Befehl vom Kf. erhalte, auch mit dem Fussvolk auf- 
brechen, am 16. werde er mit allen Truppen bei Landeskron in Böhmen stehen, 
wo Kommissare dieselben zählen sollten, .welches mir recht lieb, weil ich ge- 
wiss weiss, dass wir bei 200 Mann stärker sind als 2000''. Kf. genehmigt (d. 
Cöln 8./ 18. December 1663) die Verlegung der Quartiere nach Böhmen. 



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Yerlegnog der Qaatriere nach Böhmen. Confbrenz mit Lisola und ücedo. 317 

Protocollura, was bei der Conferenz, so I. F. D. der Fürst 
von Anhalt und der H. O.Präsident Freih. v. Schwerin mit 
dem Kaiserlichen und Spanischen Gesandten, * dem H. Baron 
de Lisola und Don Sebastian d'Ussiedo [gehalten], vorgegan- 
gen, am l./[lli] December 1663. 

[Massregelo gegen die Türken.] 

Fürst Anhalt macht den Ingress, weil die H.H. Gesandten zn unter- ll.Dec. 
Bchiedenen Malen bei Kf. Anregung gethau^ dass von dem Türkischen Wesen, 
wie auch von den Reichssachen und Polnischen Händeln möchte conferiert 
werden, so hätte Kf. diese Conferenz verordnet und möchten sie belieben 
anzudeuten, von welchem Punkte man zuerst reden wollte. 

Lisola stellt zn ihrer Wahl, welchen Punkt man dieses Mal vornehmen 
wolle. 

F.Anhalt: Weil die Gefahr von den Türken die gröste, würde das 
nöthigste sein, davon zuerst zu reden. 

Lisola: Der Kaiser thäte dagegen alles, was in seinen Kräften siehe, 
hoffe im Frühling 50000 Mann ins Feld zu fuhren, ziehe selbst jetzt nach 
Regensburg, die Assistenz dort zu befördern, er selbst wäre deshalb zurück- 
gekommen, um Kf zu dieser Reise zu disponieren, der Kaiser fürchte, andere 
möchten sich ein Fxempel daran nehmen, wenn Kf. nicht käme. Wie er 
von Königsberg weggezogen, wäre Kf. gar geneigt zu dieser Reise gewesen. 

F.Anhalt: Es wäre ihm schon gesagt, was Kf. daran verhindere ^)) 
dies würde aber dem Kaiser nichts schaden, da Kf. dessen Intention auch 
durch seine Gesandten genugsam befördern würde. 

L. hat darauf zu wissen begehrt, was des Kf. Meinung wäre, wie es 
mit dem Succurs anzustellen, denn, wenn derselbe nach etlicher Stände 
Meinung geschickt werden sollte, so würde der Kaiser lieber garkeincn 
Legehren. 

Schwerin, von F.Anhalt aufgefordert fortzufahren, erinnert Lisola 
daran, dass ihm schon angezeigt wäre, wie nöthig es sei, dass der Kaiser 
seinen Vorschlag von dem Succurs dem Kf. eröffnete, damit dieser den- . 
selben ins Werk zu setzen zu helfen sich bemühen könnte, er hoffe, wenn 
der Kaiser sich angelegen sein Hesse, das ganz zerfallene .Vertrauen im 
Reich zu restabilieren , dass alsdann alles besser von statten gehen würde. 
Es sei ihnen auch angezeigt worden, wie Kf. sich angelegen sein lasse'), 
dass alle anderen Sachen zurückgestellt und allein vom Succurs tractiert 
werde, es wäre auch von K.Mainz') und anderen Fürston gute Vertröstung 
eingekommen, es sei ihnen auch Bericht geschehen, was der R Admiral in 



S. oben Abscho. 4 S. 204r. 
») S. oben S. 197. 201 f. 
») S. oben S. 197. 



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318 5. Der Turkenkrieg. 

Schweden Wrangel für Erbieten von einer Diversion in der WallacheiO 
getban. 

Lisola: Des Kf. goter Intention halte er sieb versiebert, aber von den 
meisten glaube er, dass sie dureb den Saccors des Kaisers Autorität viel- 
mehr gänzlich zu untertreten suchten. Das geschwundene Vertrauen zu re- 
stabilieren sei keine Sache, welche so geschwinde sich thun Hesse, inson- 
derheit da die meisten so gar dependent von fremden Kronen wären, auf 
allen Fall wäre besser, dass diejenigen, so es mit dem Kaiser halten, ihre 
Macht zusammensetzten und dem Kaiser hülfen, Kf. möchte selbst erwägen, 
wie es ihm gefallen würde, wenn Pf. Neuburg oder einem anderen, dem er 
nicht vertraue, die Reichsarmee untergeben würde. Die Diversion in der 
Wallachei hätte er schon längst am kaiserlichen Hof gerathen, H.Lubo- 
mirskj offerierte^ dem Kaiser dazu 8000 Pferde, Wrangel wäre mit 
guter Hoffnung zu unterhalten, er glaubte nicht, dass die Schweden die 
französische Wahl zu befördern gedächten und daher könnte man es von 
ihnen wohl annehmen, jedoch müssten nicht gar zu viel Schweden bei der 
Armee sein. 

F.Anhalt schlägt vor, dass der Kaiser sich erklären möchte, keine 
italienische oder fremde O/Bciere zu der Armee zu geben, Lisola sagt 
dieses zu, man würde nur diejenigen nehmen, welche Kur- und Fürsten vor- 
schlagen würden. Es würde dem Kaiser am liebsten sein, wenn Kf. es 
dahin beförderte, dass die Hülfe zum Theil an Geld, zum Theil an Volk 
angenommen werde, denn ohne Geld würde der Kaiser auch seine eigene 
Armee nicht unterhalten können, er urgierte uorbmals, dass Kf. seine Be- 
denken, wie der Succurs einzurichten, dem Kaiser eröffnen möchte. 

Als ihnen hierauf Ouvertüre gethan worden von demjenigen Bedenken, 
so neulich im Rath verlesen worden, dass durch 2 Schiffsarmeeen dem Tür- 
ken im Archipelago Abbruch geschehen könnte, hat der Spanische 
Gesandte weitläufig remonstriert, das3 den Türken am selben Orte garkein 
Abbruch geschehen könnte. 

Da nun hierauf weiter gefragt wurde, ob von dem Könige von Per- 
sien nicht zu hoffen, dass er eine Diversion machen würde, haben sie 
angedeutet, dass von demselben das allermeiste geschehen könnte und 
dass der Kaiser auch wohl dahin schicken würde, auch gewünscht, dass 
der Friede zwischen Mo sc au und Polen getroffen würde, weil dem Tür- 
ken auch dadurch sehr wehe geschehen könnte. 

F.Anhalt referiert, dass der Herzog von Holstein sehr klagte, dass 
des Kf. Truppen Noth litten, Lisola regerierte, dass über ihn grosse 
Klage käme, dass er so übel Ordre hielte. 

F.Anhalt that Anregung wegen Restitution von Jägerndorf, worauf 
beide Gesandte gar gute Vertröstung gethan, dass Kf. ehestens wegen 



') S. ürk.u. Akt. IX S. 760. 

^} S. Diar. Europ. X S. 701. 818. 



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Conferenz mit Lisola und Ucedo. Die Quartiere in Böhmen. 319 

eines Aequivalents Resolntion bekommen würde, womit diese Conferenz 
geendiget. 



Herzog Augustus von Holstein an den Kurfürsten. 
D. Königin Grätz 26. Decemberst. n. 1663. 

[EiDrichtQDg der Quartiere Mo Böhmen. Bezahlung der Trappen.] 

Er bat jetzt die Quartiere hier in Böhmen bezogen, die 1000 Mann 26. Dec. 
z. F. and 5 Compagnieen z. Pf. logieren im Königgrätzer Kreise, die 
übrigen 5 Compagnien z. Pf. unter dem Commando des Ob.L. Block 
und Ob.W. Marwitz in der Grafschaft Glatz, die Quartiere sind alle 
an einander längs der Mährischen Grenze, so dass die Trappen, wenn es 
nöthig ist, in kurzem zusammen kommen können. Wegen der Bezahlung 
sind sie jetzt anf den November und December contentiert, die Musquetiere 
haben je 2Va Rthlr., die Reuter und Dragoner je 4 Rthlr. 20 Gr. erhalten. 
Obgleich der Kaiser nur zwei Regimentsstäbe gnt thut, hat er doch drei, 
einen z. F. , einen z. Ross und einen bei den Dragonern bezahlt und das . 
Geld daher genommen, dass ein Musquetier hier nach der kaiserlichen 
Ordinanz 3 Gr. mehr als 2Va Rthlr. kriegt. Die Dragoner und Reiter zu 
Fuss sind schon meist remontiert, weil hier die Pferde gar wohlfeil sind*). 



Instruction, wonach, unsere — Geh. Clevische Regierungs- 
auch Amtscammerräthe und Resident im Hage Werner Wil- ^ 
heim Blaspeil, Jan Copes und Sylvester Danckelman bei 
der ihnen aufgetragenen Commission an die HH. Staten Ge- 
neral der Vereinigten Niederlande der gegenwärtigen Türken- 
gefahr halber sich gehorsamst zu achten haben. D. Colin 

a. d. Spree 7./[17.] Januar 1664. 
(Conc. 0. V. Schwerin. Jjcctum in consilio 7./ [17.] Januar 1664.) 
[Hülfe gegen die Tarken.] 

Hinweis auf die Türkengefahr, die Unzulänglichkeit der Mittel des Kf., 17. Jan. 
das langsnme Betreiben des Werkes in Regensburg und anderer Orten, 
Kf. wünscht die Niederlande dazn zu bewegen, zulängliche Hülfe zu 
leisten, er bemüht sich daher dahin, dass vom Kaiser und dem ganzen Reiche 



') In den folgenden Relationen ans dem Januar und Februar meldet der 
Herzog nur, dass die Trappen in gutem Stande seien, anch für jene beiden 
Monate die richtigen Assignationen erhalten hätten, dass sie aber sehnsuchtig 
anf einen gnteo Feldzag warteten, weil hier sonst ,,gar schlechter Zeitver- 
treib«* aei. 



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320 ö. Der Türkenkrieg. 

durch eine expresse Gesandtschaft bei den Geueralstaaten dieses eifrig solli- 
citiert werden solle'), inzwischen sollen die Ges. das Werk, nachdem sie 
es mit der Prinzessin von Uranien überlegt, die übrigen im Haag, 
Danckelmann in den anderen Provinzen betreiben. 

In der ersten Conferenz sollen sie nur eine generale gnte Erklärung za 
erhalten suchen, nachher aber bei ferneren Conferenzen im einzelnen fordern : 

1) Anempfehlung der Sammlung freiwilliger Beiträge an alle Provinzen. 

2) Aussendung einer SrhifiPsflotte im Namen der Generalität, um dem 
Türken eine Diversion zu machen, oder wenigstens Erlaubnis, dass ei- 
nige ihrer Einwohner solches propriis sumtibus unternähmen, in 
welchem Falle Ges. sich zn bemühen haben, eine Societät von reichen 
Leuten zusammenzubringen, die dergleichen versuchen sollten. 

Sollte man aus Furcht, dass die Commercia gehindert würden, keine 
direrte Hülfe leisten wollen, so sollen sie vorschlagen, dass die G.Staaten 
einige Trnppen licentiieren , sofort aber wieder zur Hülfe gegen den Eib- 
feind annehmen lassen möchten, jedoch dürften dann dazu keine Werbegelder 
gefordert werden. 



Der Kurfürst an den Kaiser. D. Cöln a. d. Spree 
22. Februar/ [3. März] 1664. 

[Qemeioschaftliche Bemühungen io Holland Manitioo za erhalten.] 

3. MäfE. Kf. hat aus einem Schreiben des Kaisers vom 4. Febinar ersehen, dass 

derseU}e seinen Vorschlag, zu versuchen eine gute Anzahl Kriegsmnnition 
• in Holland zu erlangen, gebilligt und seinen nach Dänemark geschickten 
Gesandten, Graf Sinzendorff angewiesen hat, nach Verrichtung seines 
dortigen Auftrages nach Holland zu gehen und den angeregten Vorschlag 
bei den G.Staaten ins Werk zu richten. Kf. hat seine Räthe im Haag an- 
gewiesen*), denselben dabei zu unterstützen. 



') S. das Rescript des Kf. von demselben Datum an die Gesandten in Regens- 
barg (oben Abschn. 4 S. 218) und die Relationen derselben vom 31. Januar (S. 220). 
29. Februar (S. 225) und 7. Mär» (8. 22S). Auf den Vorschlag von K.Maini wurde 
die Sache nur an das Kurfürstencolleg gebracht und dieses richtete (d. Regens- 
burg 5. Mars 1(;64) ein Schreiben an den Kf., in welchem es denselben ersucht, 
bei den Niederländischen Staaten das Hülfsgesuch des EaiserB zu unterstütseo. 
Der Kf. schickte dasselbe den Gesandten zu mit der Weisung (d. C5ln 12./22. März 
1664) von demselben bei Gelegenheit Gebrauch zu machen und das Werk nach 
Möglichkeit zu befördern , doch nichts publice ohne den Rath seiner Schwieger- 
mutter und Goncertierung mit dem kaiserlichen Gesandten, dem eben damals 
im Haag eingetroffenen Grafen Sinzendorf (s. Diar. Europ. XI S. 176 ff.) vor- 
zunehmen, .damit wir uns nicht prostituieren und, im Fall nichts zu erlangen, 
vergeblich sollicitieret haben mögen**. 

'^ Kf. sendet unter demselben Datum an D laspeil und Copes den be- 



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HüIfegesQch in Holland. Marsch der Truppen nach Ungarn. 321 

Der Kurfürst an Herzog Augnstus von Holstein. D. Cöln 
23. Februar/ [4. März] 1664. 

[H. soll den Befehlen des Kaisers gehorchen.] 

Nachdem die Söm. E. M. uns gst. zu vernehmen gegeben '), 4. Mars, 
wasmassen Sie entschlossen wären, mit dem 'ehesten einige Operation 
in Ungarn fürzunehmen, wobei Sie unsere Auxiliarvölker von nöthen, 
als gesinnen wir von E. Ld. — , Sie wollen auf allerhöchst Ih. K. M. 
Ordre und Befehl sich dazu williglich gebrauchen lassen und das- 
jenige, was Ihne desfalss oder sonsten anbefohlen werden mögte, ne- 
benst denen Ihrem Commando anvertrawten Völkern ohnweigerlich 
exequiren. — 



Herzog Angnstus von Holstein an den Kurfürsten. 
D. Königin Grätz 6.März 1664. 

[Befehl Montecaccolis nach Ungarn aufzubrechen. ] 

£r übersendet ein Schreiben des F.M. Montecuccoli'), in welchem 6. März, 
ihm befohlen wird, zn der Armee de Sonches' nach Ungarn zu ziehen. 

treffenden Befehl. ~ Diese Versuche, von den Niederlanden Hülfe zu erhalten, 
waren ganz vergeblich, Blaspeil und Gopes melden (d. S*6ravenhage 4. März 
1664): ,Die Apparenz, etwas zu erlangen, ist so schlecht, dass Ihre Hoheit sehr 
bedenklich und schwierig sein, Ew.Chf. D. zu rathen, diese Sache mit Eifer trei- 
ben zu lassen^, und (8. März), es werde sehr schwer fallen, der Gomroercien hal- 
ber etwas auszurichten, Holland werde sich wahrscheinlich nach England richten, 
das ebenso bedeutenden Handel nach den Türkischen Landen treibe, und man 
werde dem Gesandten die Bedrückung der Protestanten in Ungarn vorhalten, und 
(8. April), Sinzendorf könne nichts aasrichten, daher würde es ganz vergeblich 
sein, wenn sie wegen des Kf. in dieser Sache Schritte zu thun versuchten, und 
Danckelmann berichtet (Haag 13. Juni), als er im Januar dorthin gekommen, 
seien unter dem Eindrucke der von den Tataren in Mähren verübten Gräuel 
viele vornehme Personen zur Beisteuer von Geld bereit gewesen, aber die lang- 
same Ankunft Sinzendorfv, günstigere Nachrichten aus Ungarn und Oester- 
reich, auch eingeschlichene Simultäten hätten die Gemnther erkältet, so dass die 
Generalstaaten beschlossen hätten, sich nach den benachbarten Fürsten, nament- 
lich nach England zu richten, auch von dort habe Graf Konigseck gemeldet, 
dass der Konig wegen des bevorstehenden Krieges mit Holland sich zum 
wirklichen Beistand gegen die Türken nicht verstehen könne. (S. anchM^moi- 
res du comte d 'Estrad es H S. 244 f. und Alpen, De vita et rebus gestis- 
Christophori Bernardi episcopi Monasteriensis I, S. 612 ff.)- 

1) Das betreffende Schreiben liegt den Akten nicht bei. 

^ d. Wien 29. Februar 16G4, darin theilt der F.M. dem Herzog mit, es solle 
ein Corps in Ungarn jenseits der Donau unter dem Commando des G.Fzm. Grafen 

Mftter. X. GMch. d. G. Kurfur«teD. XI. 21 



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322 5. Der Türkenkrieg. 

Obgleich er von Kf. keinen Befehl hat, das Fussvolk dorthin zn führen, 
hat er demselben doch erwidert, dass er seiner Ordre nachkommen werde, 
er bittet aber den Ef., ihm schleanigst Bescheid znkomroen zn lassen^). 



Protocollum dessen, was bei der Conferenz, so I. F. G. zu 
Anhalt und der H. 0. Präsident Freih. v. Schwerin mit den 
kaiserlichen und spanischen Gesandten,, dem H. Baron de Li- 
sola und H. Don Sebastian d'Ussiedo gehalten, vorgegangen 
8./[18.] April 1664. 

[Klage über das reservierte Verhalten des Kaisers. Die polnische Wahl. Dro- 

hencle Forderung der Restitution von Jägerndorf. Wenn Kf. in die Rheinische 

Allianis tritt, will Spanien die Snbsidien nicht zahlen.] 

18. April. Nachdem F.Anhalt die Conferenz eröffnet, propooiert v. Schwerin: 
Kf. hätte in der am 1. December gehaltenen Conferenz'), da von der Ge- 
fahr der Türken und des Polnischen Wesens gehandelt, insonderheit 
begehrt, dass der Kaiser ihn allezeit wissen lassen möchte, wohin seine Ge- 
danken in den vorfallenden Sachen gingen, wiewohl dieses nicht geschehen, 
hoffe er, der Kaiser werde aus dem, was zn Regensburg vorgefallen, sei- 
nen Eifer und Devotion für das Interesse desselben ersehen haben. Er wün 
sehe nun vornehmlich des Kaiser Meinung zu wissen wegen des von dem 
Bischof zn Münster desiderierten Directorii über die Reiöhsarmoe, ferner, ob 
des Kaisers Begehren wäre, dass, wie es von einigen vorgeschlagen worden^ 
ein Hanpt aus dem Reich znm Reichsgeneral benennet werde, weiter ob der 
Kaiser noch für rathsam hielte, dass man mit anderen Potentaten aaf eine 
Diversion in der Wällachei negotiieren sollte, nnd dann, was der Kaiser 
intentioniert wäre wegen Verhinderung der französischen Wahl in Polen. 

de Souches gebildet werden nnd auch die brandenbnrgischen Hülfstrnppen 
zn demselben gehören, er solle daher mit allen seinen Truppen aus seinen jetzigen 
Quartieren so aufbrechen, dass er am 29. März in Hradisch ankommen und von 
dort weiter nach T re n c h i n in Ungarn marschieren könne, woselbst er weitere Ordres 
von deSouches erhalten werde. Beigefügt sind Yerbaltongsvorschriften, darunter 
auch die, er solle, in Ungarn angekommen, eine Liste seiner Völker, wie sie sich 
effective befanden, einschicken, ferner er werde eine monatliche Verpflegung an- 
ticipando erbalten nnd er solle einige OfGciere in den bisherigen Quartieren zu- 
rücklassen, um den Völkern die nach und nach fallende Verpflegung nachzu- 
schicken. 

Kf- (d. Cöln 2./ 12. März 1664) wiederholt darauf seine frühere Ordre, er 
solle den Befehlen des Kaisers Folge leisten, und wünscht ihm zu dem bevor- 
stehenden Feldzuge Glück. Der Herzog meldet am 25. März von Zwittau bei 
Brunn aus, dass er auf dem Marsche nach Oberungarn dort angelangt sei. 

') S. oben S. 317 f. 



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Gonferenz mit Lisola und ücedo. 323 

Denn ob ^war Ef. die Allianz mit Frankreich schlösse^), hätte er sich 
doch im geringsten nicht verobligiert, solche za befördern, wollte vielmehr 
hiernnter das gemeine Interesse beobachten. Die commnnicierte Allianz 
wäre zwar in einigen Wörtern aber nicht in Snbstantialibus geändert, so* 
bald sie vollends adjastiert, sollte sie in forma wieder communiciert werden. 
Die Schwedischen Tractaten') wären noch wenig avanciert; wenn das ver- 
sprochene Schwedische Froject einkäme, wollte Kf. auch part davon geben. 

Bei solcher Bezeugung seiner Devotion aber sei es dem Ef. sehr, 
schmerzlich , dass er trotz aller Promessen nicht za der Restitution von 
Jägerndorf gelangen könne, er müsse glanben, die Kaiserlichen Ministri 
meinten, da er und sein Vater sich nun bald 40 Jahre hätten mit Vertröstun- 
gen abspeisen lassen, so würde dieses das beste Mittel pein also zu conti- 
nuieren, Ef. aber wolle sich nicht länger aufhalten lassen, er wolle hiermit 
declariert haben'), dass er den Fürsten von Lichtenstein pro injnsto 
usurpatore halte und dass er nach soviel gehabter Geduld gegen denselben 
alle Mittel, zu dem Seinigen zu gelangen, gebrauchen werde, er wolle zwar 
dabei den Respect gegen den Eaiser nicht vergessen, er halte sich aber 
versichert, ders^elbe werde ihn mit dem Fürsten von Lichtenstein gewäh- 
ren lassen. 

Lisola repliciert, er hätte dem Ef. schon längst vorgetragen, der 
Eaiser begehre, Ef. möchte seinen Gesandten in Regensburg befehlen, 
alles daselbst mit den kaiserlichen Kommissaren zu überlegen und nach 
gemachtem Concert zu exequieren, es wird ihm aber entgegnet, dass solches 
zwar in geringen Dingen wohl sein könnte, wie die Gesandten auch solchen 
Befehl hätten, aber in diesen und anderen wichtigen Sachen könnten die 
Gesandten nicht ohne des Kf. Resolution etwas thun. 

Lisola fährt darauf fort, was des Bischofs zu Münster prätendierte 
Directiou anlangte, würde dem Kaiser lieb sein zu vernehmen, was Ef. da- 
von meine, und sich alsdann darnach regulieren; wegen der beiden folgenden 
Funkte hätte er noch keine Resolution erhalten. Dtf8 Polnische Werk 
anlangend'hielte er davor, wenn man die Election mit Gewalt durchbringen 
wollte, so würde der Kaiser sich solchem Dessein opponieren, es wäre 
aber schwer, etwas in dieser Sache zu thun, weil man vor Frankreich nichts 
geheimes vornehmen könnte, der Kaiser hätte das Vertrauen zu Ef., der- 
selbe werde bei der Allianz mit Frankreich seine vorige Affection und guten 
Vorsatz nicht ändern; wegen der Rheinischen Allianz hoffe er, Ef. 
werde sich besser bedenken, er würde dadurch zu vielen schädlichen Din- 
gen gezogen werden, denen er sich dann nicht würde entziehen können. 

V. Blnmenthal war Aufang April von Paris nach Berlin zurückgekehrt 
und wurde finde Mai aufs neue behufs VervoIlstandiguDg und Ratificierung der 
Vertrage dorthin geschickt s. Urk. n. Akt. IX S. 679 ff. und über die dem Kaiser 
davon gemachten MittheilnngeD oben S. 224 f. 231. 

») S. Urk. u. Akt. IX ä. 759 ff. 

^ Dieselbe Drohung schon io dem Schreiben des Kf. an den Kaiser vom 
7. Mai 16ri2 oben S. 291. 

21* 



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324 5. Der Tärkenkrieg. 

Betreffend die Jägerndorfs che Sache hätte er sich seiner Zosage 
gcuQgsam acquLttiert und die Sache mit grossem Eifer recommendiert^ er 
hoffe, dass Kf. noch Geduld haben werde und dass das, was er jetst an* 
ziehen lassen, keine genommene Resolution, sondern nur die Sache zu be- 
fördern gemeint sei. 

F.Anhalt und Schwerin, nachdem sie einen Abtritt genommen und 
sich unterredet, reassumieren namentlich den Funkt wegen Jägerndorf 
pnd erklären, dass solches garnicht acherzweise geredet sondern des Kf. 
feste Resolution sei, und dass er auch schon befohlen, solches dem Kaiser 
selbst zu schreiben, er sei verwundert, dass man jetzt von der Sache noch 
weniger spräche als vorhin. D. Ussiedo recapituliert darauf, was zu 
Königsberg und hier in dieser Sache vorgegangen, er habe das Werk auf 
das beste dem Könige recommendiert und dieser auch an den Kaiser ge- 
schrieben, damit dem Kf. Satisfaction geschehen möchte. 

Lisola zeigt darauf an, Kf. habe in Preussen erklärt, dass er mit 
einem billigmässigen Aequivalent zufrieden sein *) und sich der fructuum 
perceptorum begeben wollte, es wird ihm aber regeriert, Kf. sei jetzt nicht 
weiter daran gebunden, weil ihm nicht sofort die Restitution gethan oder 
ein Aequivalent gegeben, und wollte er auch davon nunmehr nicht abstehen, 
es würde wohl das letzte Mal sein, dass er von dieser Sache auf solche 
Art sprechen würde. 

Lisola verspricht dieses alles zu referieren. Don Ussiedo erklärt 
darauf, dass sein König grosse Jalousie über v. Blumen th als Negotiation 
zu Paris genommen*), vornehmlich wenn Kf. in die Rheinische Allianz 
sollte treten wollen, weil das Haus Oesterreich dadurch ganz und gar wurde 
abandonniert werden, es könnte auch auf solchen Fall sein König das 
versprochene Geld') nicht geben, und hat demnach grosse Instanz gethan, 
dass Kf. in dieselbe nicht treten möchte. 

£s ist dieses letztere ad referendum angenommen und die Conferenz 
damit geendigt wordeif. 



^) Nach der Angabe des späteren kaiserlichen Gesandten Baron Fridag, der 
sich dafür auf des Rf. eigene MittbeiluDgen beruft, ist schon bei diesen Ver- 
handlungen mit Lisola die Abtretung des Schwiebaser Kreises als Ersatz 
für Jägerndorf zur Sprache gekommen, s. Fri dag s Relation an den Kaiser ans dem 
Docember 1689 bei Fribram, Oesterreich und Brandenburg 1688—1700 S. 214. 
Nach ebendesselben Angabe ist auch schon durch Lisola Fürst Anhalt ,ei- 
uiger reellen Kays. Gnadensbezeugungen vertröstet worden* (Relation vom 22. März 
1686 bei Fribram, Oesterreich und Brandenburg 1685—1686 S. 101). 

') S. das Rescript des Kf. an die Gesandten in Regensburg vom 26. Februar 
1664 oben S. 224. 

»> S. oben S. 299. 



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Conferenzen mit Lisola und ücedo. 325 

ProtocoUum dessen, was bei .der Conferen^, so I. F. D. zu An- 
halt und der H. O. Präsident Freih. v. Schwerin mit dem Spani- 
schen Gesandten gehalten, vorgegangen ll./[21.] April [1664]. 

[Die spanischen Subsidien. Eintritt des Kf. in di^ Rheinische Alliane. Die 

Jägern dorfer Sache.] 

Es wird dem Don Ussiedo angezeigt, Ef. sei durch dessen jüngste2i.Aprn. 
Proposition^ sein König könnte*), im Fall Ef. in die Rheioische Allianz treten 
wollte, das versprochene Geld nicht geben, ziemlich surprennieret worden, 
er wünsche zu vernehmen, ob der Gesandte dieses aus seinem eigenen 
moavement geredet, oder ob er von seinem Könige Ordre dazu hätte. Der 
König hätte keine Ursache, über v. Blumenthals Negotiation Ombrage 
zu jiehmen, jene Alliance wäre eine pure defensive Alliance, die Artikel 
sollten communiciert werden, würde darin etwas sein, so wider ihr Interesse 
liefe, so wolle Ef. solches evitieren. Wenn aber der Eönig trotzdem Be- 
lieben trage, das versprochene auuuum subsidinm nicht ferner zu continuieren? 
so wolle Kf. darum seine Freundschaft nicht brechen und sich desto glück- 
licher schätzen, wenn er auch ohne solches Geld demselben angenehme 
. Dienste erweisen könnte. 

D. Ussiedo antwortet, es wäre seinem Eönige Bericht zugekommen, 
dass Ef. sich jdergestalt mit Frankreich vertiefte und in eine solche Liga 
träte, welche dem Könige und dem ganzen Hause Oesterreich sehr prä- 
jndicierlich , darauf hätte der Eönig ihm geschrieben, er könnte es nicht 
glauben, und auf solchen widrigen Fall würde er das Geld nicht con- 
tinuieren können , da doch noch vom 20. Martii eine indispensable Ordre 
ergangen,* an Kf, ohne Aufenthalt das Geld zu zahlen, er hätte auch zum 
dritten Mal wegen Jägerndorf an den Kaiser geschrieben, er hielte 
davor, wenn Ef. mit dem Hause Oesterreich in fester Freundschaft 
stände, bedürfte er der anderen Allianzen nicht. In der Rheinischen 
Allianz wäre nichts dem Könige präjudicierlicbes, nnr rapportierte sie sich 
auf das Instr. pacis, welches derselbe nicht angenommen, weil darin enthalten, 
dass das Reich dem Könige von Spanien keine Assistenz leisten sollte, wie 
denn GTammon t und Lionne zu Frankfurt solches gar stark urgiert hätten. 

Nach genommenem Abtritt wird ihm repliciert, dass solches ein Irrthum 
wäre, das was von Verweigerung der Hülfe an Spanien paciscieret werde, 
redete nur de hello praeterito, nunmehr aber stände einem jeden frei, nach 
seinem Belieben Spanien zu assistieren, worauf ihm weitläufig die Ursachen 
auseinandergestetzt werden, welche K f. obligierten, in die Allianz zu treten, 
weiche Spanien nicht schadeten, aber dem Kf. zu statten kämen, und dass 
es Spanien und dem Hause Oesterreich selbst vortheilhaft wäre, wenn Kf. 
darein trete; er könnte trotz solcher Allianz, wenn das Haus Oesterreich 
attaquiert werde. Hülfe wohl schicken. 



1) S. das vorhergehende Protokoll vom 15. April 8. 824. 



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326 ^- ^^r Türkenkrieg. 

D. Ussiedo verspricht dieses nm^tändlich zu berichten und bittet, in 
die Allianz eine Ciaasel zu setzen, so dem Hanse Oesterreich zum besten'^ 
käme, und dass sie auch eine offene Thür dazu behielten. Hierauf ist noch- 
mals das Jägern dorfische negotium auf das beweglichste recommendiert 
und damit die Conferenz geendigt worden. 



Herzog Augustua von Holstein an den Kurfllrsten. D. Im 
Feldlager vor Neutra 22. Aprilis ßt. n. 1664. 

[Belagerung von l^eutra. Zustand der Truppen.] 

22. April. Er ist dem Befehl des Ef., mit nach Ungarn zu ziehen, nachgekommen'): 
zuraahlen wir Neutra') vor 6 Tagen belagert, der Feind hat 
gleich von Anfang die Stadt verlassen und in Brand gestecket und 
sich im Schloss retiriret, welches sehr fest, wir sind aber schon 
so weit mit der Mine gekommen, dass ich verhoffe, wir morgen unter 
einem Bollwerk sein wollen, es liegen 600 Mann darin. Unsere Armee 
bestehet mit Ungern und alles in 10000 Mann'), ich habe mich mit 
dem F.M. Souches soweit verglichen, dass ich die Infanterie sowohl 
Keyserliche als Sächsche commendire, und der 6. Wm. .Garnier die 

Reutter Sonst sind die Lcutte noch in gutem Stande und habe 

ich noch nicht mehr als 40 Beschädigte und Dotte. — 



Derselbe an den Kurfürsten. D. Im Feldlager unter Neutra 

4. Mai St. n. 1664. 

[Einnahme von Neutra.] 

4. Mai. Vorgestern . . . haben wir Neutra mit Accord erobert, seindt ge- 

stern ausgezogen bei 700 Mann zu Ross und Fuss, wackere Xeutte, 
und nach Neuheusel convoiyret. Und weil ich die Ehre gehabt mit 
Ew. Churf. 6n. mir anvertrauten Völcker die Approche und Mine zu 

') S. über den Beginn des Feldzuges in Oberungarn de Souches' Bericht 
an den Kaiser s. d. (Jali 1GG4) Diar. Europ. XI S. 448 ff. 

^ S. über die Belagerung von Neutra Diar. Kurop. XI S. 197 ff. 451 f. 
(Beschreibung und Plan der Stadt und des Scblosses X S. 923 ff.). S. auch 
Theatr. Europ. IX S. 1156 und Rintelen in Oesterr. militär. Zeitschrift j 
Heft 3 S. 270. 

') Diar. Europ. XI S. 197 wird die Stärke der Armee auf 16000 Mann an- 
gegeben, wogegen Rintelen a. a. O. S. 270 dieselbe nur auf 8500 Mann ausser 
den ungarischen Truppen berechnet. 



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BelageruDg vod Neutra. Gefecht bei Czeroowitz. 327 

führen, habe ich beim Accord auch die Ehre gehabt, die erste Geisel 
zu geben und die Breschen zu besetzen ^). Nunmehr aber wir inner- 
halb wenig Tagen yon hier nach Levenza marchiren werden, selbes 
zu attacquiren, und ich meine Leute nicht gerne so zertheilen werde 

lassen, wird das Schloss Ton den Eeyserlichen besetzet werden 

Die türkische Macht, so hier herumb, wird noch zur Zeit über 8000 
nicht sein. — 



Herzog Augustus von Holstein an den Kurfürsten. D. St. Creutz 
in den Bergstetten 18. Mai st. n. 1664. 

[Glückliches Gefecht. Mangelnde Verpflegung. Uebler Zustand der Truppen.] 

Sie sind seit dem Aufbrach von Neutra beständig hin und wieder 18. Mai. 
marschiert, sind durch schlechtes Wetter an der Belagerung von Levenz 
verhindert worden. 

Vorgestern') ist uns der Feind mit 20000 Türeken und Tartern 
in die ReseiTC gefallen, und weil unsere Armee in allen nicht 8000 
war, weil die meisten hin und wieder commendiret, sah es wohl' 
zum flbeln Aussschlag aus, aber Gott und des Feldmarschalks Souches 
seine gute Conduite haben uns erhalten und haben Ew. Ghurf. Gn. 
Leute vor allen den Ruhm, dass sie vor allen das beste gethan, und 
ist kein ander Fussvolk als das meine darbet gewest, haben sich wohl 
gehalten und im freien Felde mit ihnen gefochten. Ich habe über 
50 Mann von Mussquetire, Keutter, Dragoner nicht verloren, unter 
welchen ist ein Haubtmann und 2 Leutenambts von Marvitz, der Tür- 
ken sind bei 1000 todt und beschädigt, und haben wir unterschiedene 

Fahnen bekommen. Ob uns zwar versprochen, dass, wenn wir 

schon zu Felde, dass gleichwohl unsere Verpflegung folgen sollte, nun 

') Laut Beilage zu dieser Relation betrug der Verlust der brandenburgischen 
Truppen vur Neutra an Todten 3 Dragoner, 16 Gemeine und ein Sergeant vom 
Fussvolk, an Verwundeten im ganzen 25 Mann. 

'; S. über dieses Treffen bei Czernowitz (Ü./ 16. Mai) Diar. Europ. XI 
S. 274 ff., woselbst (8. 278 f.) auf Grund eines .Bericht-Schreibens'' vom 17. Mai, 
das auch der Relation A. Neumanns beiliegt, auch der Mitwirkung der bran- 
denburgischen Truppen Erwähnung geschieht. Auch in einem Neumanns Re- 
lation beiliegenden „Extract-Schreiben des H. G.Wm. Garnier'' d. 18. Mai 1664 
heisst es: „und hat sich in dieser Occasion die Cavallerie, die es am meisten 
getroffen-, sehr wohl comportiret uud voraus die Braudenburgische und Sächsische 
Reutter.* S. auch Theatr. Kurop. IX S. 1158 f. Oesterr. roilitär. Zeitschr. I 
8. 272. 



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328 ö- ^®*' Türkenkrieg. 

wir aber ins Feld sein, will man nichts von wfssen, habe ich also 
nichts, da ich die Leute mit helfen kann, und sehe nichts als ihre Ruin 
vor Augen .... und ist unsere Condition in solchem Fall viel schlim- 
mer als alle andern Reichsvölker, weil wir von niemand nichts kriegen 
werden. So ist deswegen mein gehorsames Bitten, E. Chf. 6n. gnädig 
vor uns an I. Kais. M. schreiben wollen und, im Fall dieses nichts 
fruchten werde, mir mit etwas gnädig beistehen, damit ich die 
Leutte mit Schuhe und Kleidung helfen könnte* auch die Krancken bes- 
ser assistiren könnte, was ich habe gehabt, habe ich schon vorge- 
schossen*). — 



Derselbe an den Kurfürsten. D. St. Creutz 22. Mai 1664. 

[Mangel an LebeosinittelD und Krankheiten.] 

22. Mai. Berichte deroselben, dass sieder dem letzten, so ich geschrieben, 

nichts Notables vorgefallen, wir liegen hier und wird uns der Hunger 
mehr verderben als der Feind, und scheinet, dass man es mit uns 
machen will wie ihr alter Gebrauch, die Krankheiten reissen auch 
sehr ein, ich habe kaum noch von dem Fussvolk 800 Gemeine Dienst 
zu thun, die Dragoner haben auch sehr abgenommen. — 



Kaiser Leopold an den Kurfürsten. D. Linz 13. Juni 1664. 

[Kriegsnachrichten. Bitte am Mitwirkung des Kf. bei dem Reichstage.] 

IB. Jani. Wegen des Anzuges eines starken Eotsatzheeres unter dem Grossve- 

zier selbst hat die Belagerung vou Canisa') aufgegeben werden müssen, 
GrafStrozzi hat darauf die Türken, als sie versuchten die Mur zu über- 
schreiten, zurückgetrieben, ist aber dabei gefallen'). Er selbst ge- 



0* Kf. erwidert darauf (d. Cöln 24. Mai/3. Juni 1664), er habe wegen der 
Verpflegung der Truppen an Fürst Lobkowitz geschrieben, zugleich von dem 
sich bei ihm aufhaltenden kaiserlichen Abgesandten (Lisola) begehrt, dass er 
deswegen bei Hofe Vorstellungen mache. 14./24. Juni meldet er, dass er auch 
an de Souches deswegen geschrieben habe. 

^ Die vereinigten Truppen Zriny's, Strozzi's und Hohenlohe's hatten am 
27. April die Belagerung von Canisa begonnen, hatten dieselbe aber infolge des 
Anzuges eines grossen türkischen Kntsatzheeres unter dem Grossvezier am 22. Mai 
aufgeben und sich nach Serinwar zurückziehen müssen, s. Diar. Europ. XI 
S. 204ff. 248ff. Theatr. Europ. IX S. 1166 ff. Oesterr. milit. Zeitschrift. II 
S. Iff. 

») S. Diar. Europ. XI S. 270. GrafStrozzi hatte sich Anfang 1660 ala 



kl 



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Mangelhafte Verpflegung der Truppen. 329 

denkt den 21. Juni nach Wien zurückzukehren und will alle möglichen 
Anstrengungen gegen den Feind machen, bittet den Kf. zu cooperieren, 
dass der punctus assistentiae und die Rekrutierung der Truppen und ebenso 
die von dem Kurfürstencolleg bewilligte Geldhülfe für die Feldartillerie ^) 
unverzüglich ausgeführt werde. 



Der Kurfürst an Herzog Angustus von Holstein. D. Cöln 
a. d. Spree 7./[17.] Juni 1664. 

[Nichterwähnung der Brandenburger in de Souches* Bericht über das Gefecht bei 

Gzernowitz.] 

Er übersendet ihm eine Abschrift des Berichtes de Souches'*) über 17. Juni, 
das Gefecht bei H. Kreuz an die kaiserlichen Geheimen Räthe vom 17. Mai. 

Weilln aber darin weder Ew. Ld. noch unserer Völker garkeine 
Meldung geschiehet, welche es doch Ew. Ld. und anderer Bericht 
nach an ihrer Devoir garnicht ermangeln lassen, als stellen wir dero- 
selben anheimb, ob Sie sich hierüber bei vorged. G.Fm. deSouches 
nicht glimpflich beschweren wollen, angesehen derselbe darin wohl 
anderer Particulieren — Erwähnung gethan. — . 



Der Kurfürst an den Kaiser. D. Cöln a. d. Spree 
21. Jum/[1. Juli] 1664. 

[auf das Schreiben vom 13. Juni. Bereitwilligkeit zur Unteretützung. Ungenügende 
Yertheidignngsanstalten in den kaiserlichen Landen.] 

Er will des Kaisers Absichten nnterstützen, hat seine Gesandten in 1. Juli. 
Regensburg dem entsprechend angewiesen'). 

Wobei ich jedoch aus treudevotestem Gemüth nicht unterlassen 
kann, Ew. Key. M. gehorsambst zu hinterbringen, dass an versehiede- 
neu Orten sowohl in- als ausserhalb Reichs vielfältige Beschwerden 
geführet werden, dass in Ew. Key. M. eigenen Königreichen und 
Erblanden keine gnugsame noch proportionirliche Anstalt zur Gegen- 
wehr gemacht werde, daher dann bei vielen nicht allein die Giedanken 



BevoHmachtiger Montecuccoli's am brandenburgischen Hofe anfgebalte^n s. ürk. 
u. Akt. VIII S. 413. 

1) S. oben Abschn. 4 S. 244. 

3) abgedruckt Diar. Europ. XI S. 276 f. 

') S. das Rescript des Kf. an die Gesandten in Regensburg vom 12 Au- 
gust (oben S. 245). 



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330 5. Der TürkeDkrieg. 

ersteheo, ob wäre es mit diesem Kriege kein rechter Ernst, sondern 
es lasset sich auch die Assistenz dannenhero desto träger und an- 
williger hin und wieder verspüren, das» man bei der so augenschein- 
lichen und täglich wachsenden Gefahr und Macht eines so grausamen 
Feindes billig einen wahren Eifer und Ernst yerspUren Hesse und die 
Defensions- und Rettungsmittel, so der höchste Gott Ew. Key. M. 
herrlichen und reichen Landen gegeben, bei so grosser Noth auch 
gebührend gebrauchte. — 



Herzog Augustus von Holstein an den Kurfürsten. D. Neutra 

1. Juli St. n. 1664. 

[de Soucbes' EotscbaldigangeD.] 

1. Jali. Er hat sich sofort nach Empfang des kurf. Schreibens [?om 7. Juni] >) 

bei de Souches beschwert; da er sich denn überaus sehr entschuldiget 
und seine Schwachheit vorwenden, dass er die Schreiben selber nicht 
lesen können, sondern habe sich auf seinen Secretario verlassen, wel- 
cher, wie er itzo vernehme, vom General Garnier und Obrist Eochari 
ein Pferd geschenkt bekommen, w^elches die wahrhaftige Relation ge- 
ändert, schicket mir danebens gestern eine Abschrift eines Schreiben 
so er an Ew. Churf. 6n. vom 20. Juni abgehen lassen*), ob nun Ew. 

S. S. 329. * 

^ Ueber die Ereigoisse im Juni liegen keine Berichte des Herzogs von 
Holstein vor. De Souches hatte am 9. Juni die Belagerung von Leweus 
begonnen, am 12. die Stadt gestürmt, worauf die Besatzung am folgenden Tage 
gegen Zusicherung freien Abzuges auch das Schloss übergeben hatte. Er hatte 
dann auf die Runde, dass ein starkes türkisches Corps jenseits der. Theiss za- 
sammengezogen werde, um einen Einfall nach Mähren hin zu nnternehmen, sich 
mit der Reiterei und den Dragonern bei St. Benedict und dann bei Frei- 
städtl gelagert und das Fussvolk weiter zurück nach den Bergstädten verlegt, 
war dann aber, als jenes feindliche Corps bei Neuhäusel erschienen war, mit 
der ganzen Armee nach Neutra gezogen, wo dieselbe am I.Juli anlangte, s. 
Diar. Europ. XI S. 375 ff. und (de Souches' Bericht) S. 453. Theatr. Europ. 
IX S. 1160 f. 

^ In demselben (d. Neutra 20. Juni) schreibt de Souches: „Hiermit aber 
thae auch meines Orts gehorsamsten Dank ablegen, dass Ew. Chf. D. hochan- 
sehnliche Truppen meinem Commando anvertrauet worden, welche in Wahrheit 
durchgehend tapfere Leute und so beschaffen seind, dass, wenn selbige nicht 
wären, wir mannichmal den Feind nicht so leicht reponssiret haben würden, 
bevorab in der Belagerung Neutra, allwo die Fussvölker mit unverdrossener 
Mühe die Approchen an des Feindes Werke gebracht und den Belagerten viel 
zu schaffen gegeben, in dem Treffen aber bei Czernowitz sowohl Reuter als 



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De Sooches Entschaldignog. 331 

Churf. Gd. solches werden erhalten haben, stehet darhin, gewiss ist, 
dass ich ans allen Actionen sehe, dass er meine Freundschaft sehr 
Buchet, und weil ich keine Ehre darin suche, meinen Namen durch 
Geld in den gedruckten Zeitungen zu briugen, so kann es leicht sein, 
dass andere mir vorgezogen werden. Ew. Churf. 6n. werden aber 
allezeit vernehmen, dass wir wie ehrliche Leute thun werden. Itzo 
ist der F.M. sehr krank') an den Blutgang, und zweifeln viele, dass 
er auffkommen werde, er hat mir das Commando über die Artoglerie 
und Infanterie aufgetragen und dem G.Wm. Knie, welcher die Reutter 
commendiret, befohlen, in guter Verstandtnus zu leben; sonsten nehmen 
die Krankheiten viel Leutte weg — und nehmen unsere Armeen also 
ab und der Feind verstärcket sich. Die Türken stehen noch bey 
Neuheusssel, wir bey Neutra, morgen aber werden wir nach der 
Wage raarschiren. — 



Derselbe an den Kurfürsten. D. Freystettel 5. Juli 1664. 

[Der Kaiser waDScht noch weitere 1000 Mann.] 

Landmarächall v. Traun, der vom Kaiser hieher geschickt') ist, hat 5. Jali. 
ihn besucht und geäussert, demselben wäre gute Infanterie sehr nöthig, 
wenn derselbe wüsste, dass er keine abschlägige Antwort erhielte^ wollte 
er Kf. bitten, ihm noch 1000 Mann zu schicken, Ef. wurde es ein leichtes 
sein; sie aus seinen zahlreichen Besatzungen zu nehmen. Abaffi soll mit 
30000 Mann im Anznge sein, unsere Arme^ ist nicht mehr 7000, wir werden 
also was zu thun haben. Gestern haben sich die Armeeen zu Serinvar 
coniungiert ^) und vermuthet man , dass es heute zu einem Treffen kommen 
werde. 



Dragooer und Fussvöiker mit einer wunderlichen Resolation gefocbten und den 
Feind merklichen aufgehalten, dann letztlichen auch vor Lewentz die ersten ge- 
wesen Bein, welche mit den Chursächsiechen Fnsdvölkern die Stadt gestürmet 
und erobert haben, jedoch über alle des Hertzogen Augusti Heldenmath, wel- 
cher ihm auch die geringste Arbeit wider den Feind zu verrichten vor eine Ehre 
schätzet, auch mit löblicher Wachsamkeit und väterlicher Vorsorge den Trappen 
untern Arm greifet'. 

') S. Diar. Europ. XI ö. 453. 

'0 S. über dessen Sendung Diar. Europ. XI S. 378. 

^) Montecuccoli selbst war, nachdem er den Befehl erhalten hatte, an der 
Yertheidigang der durch den Grossvezier schwer bedrängten, bisher von Zriny 
und Uohenlohe vertheidigteu Festung Serinwar Theil zu nehmen, am Abend 
des 14- Juni dort eingetroffen, ein Theil der kaiserlichen Truppen folgte in den 



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332 5. Der Tfirkenkrieg. 

Herzog Augustus von Holstein an den Karfttrsten. D. 
St. Benedict 20. Juli 1664. 

[Glückliches* Treffeo bei LeweoE.] • 

20. Juli. Seit seinem letzten Schreiben von Freystettel ist nichts Bemerkens- 
werthes passiert, bis auf den 19. dieses, welchen Tag wir aber mit 
dem Feind eine so glückliche Bataglie ') geliefert, dass vielleicht in 
vielen Jahren dergleichen nicht geschehen in Ungarn. Der Feind 
hatte Leventz sieder den 11. dieses belagert, alwo gegenwärtig 
waren der Yisir von Offen, der Bascha von Keuheusel, der Fürst 
auss Moldaivund der auss der Wallachei, und haben sie sich ge- 
rechnet insgesamt den Tartern auf 25000 Mann *). Wess wegen sich 
der F.M. de Souches auf erhaltenen Befehl von Hoffe, selben Platz 
zu securiren und mit dem Feind zu schlagen, den 16. dieses von 
Freystettel aufgebrochen und den 18. zu Nacht an der Gran an- 
gelanget, da es denn gleich selben Abend mit dem Feind einige Ren- 
contre gegeben, und haben wir selben poussiret, dass der Pas ver- 
lassen und uns das Wasser freigelassen worden. Den 19. aber zu 
Morgens seindt wir den Fluss Gran passiret, uns auf ienerseiten in 
Bataglie gestellet und zwar so, dass der F.M.Leut. Heister*) den 
rechten Flügel kommandiret, Knie den linken, ich in der Mitten das 
Fussvolk und die Stücke, in allen 9000 Mann, und seindt in solcher 
Postur bis auf den Mittag eine viertel Weges von des Feindes Lager 
gestanden, Nachmittag aber .commendirte der F.M. den Obersten 
Gaprara mit tausend Pferde nebens den Obw. Marwitzen mit 150 
Dragonern den Feind zu attacquiren und selben aus dem Lager zu 
locken, welcher denn auch nicht faul war, sondern gleich erschien 
und sich mit schrecklichen Geschrei und Lärm ins Feld stellte und 

näcbsten Tagen, während die Reichsarmee nud das fransösiscbe Hfilfscorps sich 
erst nach der Erobernog voo Seriowar durch die Türken (17. und 22. Juli) mit 
ihm vereinigten, s. Diar. ßurop. XI S. 353 ff. Theatr. Europ. IX 8. 1189ff. 
Oesterr. milifr. Zeitschr. II ä. 18 ff. 

>} 8. ober dieses Treffen den aosführlichen Beriebt von de8oucheB an den 
Kaiser d. Lewenz 20. Juli 16ü4 (Diar. Earop. XIS.454ff. Londorp IX S. 269 f.). 
Der Kaiser theilt denselben . (d. Wien 23. Juli 1G64) dem Kf. mit nnd bemerkt 
dabei, er habe daraus auch erfahren, „mit was für tapferer and fast unglaublicher 
Resolution'' des Kf. Hulfsvölker sich bei dieser Gelegenheit verhalten hätten. 

*) Auf soviel schätzt sie auch de Souches, nath den Aussagen der Ge- 
fangenen aber, sagt derselbe, seien es 30—40,000 Mann gewesen. 

') Derselbe mit seinem Corps hatte sich am 15. Juli zu Freystattel mit de 
Souches' Armee vereinigt. 



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Treffen bei Lewenz. 333 

auf tiDS loRging, eucbete uns auf beiden Seiten in den Rücken zu 
kommen und uns in Gonfusion zu bringen, welches auch bald wäre 
geschehen gewesen wegen der grossen Menge. Der F.M. war zum 
Obersten Caprara geritten, und weil derselbe poussiret wurde, wurde 
dem G.Wm. Knie befohlen, selben mit ein Regiment zu Pferde zu 
secundiren. Unterdessen drängete der*Feind aber ie mehr und mehr 
auf beiden FlUgeln, selbe zu trennen und uns in den ROcken zu kom- 
men, wie denn auf der linken Seite eine Hochte war, welche er oc- 
cupiren wollte. Und weil der G.Wm. Knie zum FM. geschicket war, 
und also der linke FlUgel ohne Raubt, so befahl mir der F.M.Leut. 
Heistef selben zu nehmen und gegen den Berg zu avanciren, wel- 
ches ich so glücklich getahn, dass der Feind ist repoussiret worden. 
Er hat nochmahl unterschiedlich angesetzet, aber wie wir gleich und 
mit guter Ordnung darauf los gedrungen, hat er das Feld gereumet 
mit Hinterlassung Stücke, Bagagie und Fahnen, unter den Stücken 
ist eine ganze Gartaune. Das Fussvolk ist alles todt geblieben und 
sonsten viel Yornehme Leute, gefangen ist niemand geworden, weil 
alles ist niedergemachet worden. Die Beute bei der Bagagie ist 
gar gross gewesen. Der Verlust unserer Armee ist nicht 80 Mann, 
von meinen Leuten, ausser etliche Dragoner, ist nichts geblieben, kein 
Fussvolk ist nicht zum Treffen gekommen, weil sie an einen avan- 
tagosen Ort standen, wo der Feind nicht leisten wollte. Ew. Churf. 
D. Dragoner aber und Reutter haben sich uberauss wohl gehalten, 
absonderlich der Obw. Marvitz. — Nun sind wir im Marsch be- 
griffeQ nach Gran zu gehen, dem Feind die Brücken über die Donau 
zu verderben, wenn uns Gott darzu Glück giebet, sindt wir Meister 
diesseit der Donau ins Feld. 

PS. Ew. Ghf Gn. berichte auch, dass ich auf diese Völker den 
Monat Majum und Junium in Bezahlung von L K. M. erhalten und 
hoffe den Julium auch zu kriegen. 



Herzog Augustus von Holstein an den Kurfürsten. D. Im 
Feldlager vor Comorre 3. August 1664. 

[EioDabme von Parkan.] 

Er übersendet die Gopie eines kaiserl. Handschreibens (d. Wien 23. Juli 3. Aag. 
1664), worin er ond seine Trappen wegen der in dem TrefiFea bei Lewentz 
bewiesenen Tapferkeit belobt werden. 



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334 5. Der Tarkenkrieg. 

Wir sind den ersten dieses vor Baracan^i welches sonsten 
Gayata genannt wird und vor die Schiffbrücken zu Gran lieget, 
gerücket, ein welches selbes Ort wie auch die Brücke zu ruiniren, 
es ist ein fester Ort mit zwo Wassergraben und dubbelde Palanquen 
und war besetzet mit<1500 Janitzscharen , lieget so nahe unter dem 
Schloss von Gran, dass es mit Duppelhacken kann beschossen wer- 
den. Wie wir nun davor gekommen, hat der F.M. gleich alle Re- 
gimenter zu Fuss mit fliegenden Fahnen darauf los gehen lassen, 
da wir uns gleich, ohngeachtes ihr starke Gegenwehr, am ersten 
Graben loschiret und angefangen den Graben zu füllen und die Pa- 
lissaden umbzuhauen umb zu stürmen, welches gewehret bitf in die 
Nacht. Aber sobald es finster geworden, haben sie den Ort sowohl 
als die Brücke schandtlich verlassen, Stücke und alles im Stiche ge- 
lassen und sich über das Wasser retiriret, hinder sich alles in Brand 
gestecket mit Hinterlassung vieler Dothen und Beschädigten, ist dieses 
also ein grosses Gelück, welches den keyserlichen Ländern zu grossen 
Nutzen gereichet, zumahlen der Feind nun keine Brücke mehr über 
die Donaw hat als zu Fest, welches weit abgelegen. Wir haben et- 
liche 40 Dothe und 87 Beschädigte. Ich werde in 3 Tagen nach 
Wien, mich und meine Bagage, welche alles ruiniret, zumahlen ich mit 
guten Pferden im Felde kommen und nun mit Ochsen fahre, wieder 
zu renoviren. — 



Derselbe an den Kurfürsten. D. Comorre 7. August st. n. 1664. 

[BestaDd der Trappen, frühe Winterquartiere. Bitte am Erlaubnis, ea Ef. reisen 

zu dürfen] 

7. Aug. Er übersendet die Listen '), wie stark (»eine Truppen noch effecti?e an 

Gesunden y Kranken und Beschädigten sind, Ef. wird daraus ersehen, dass 
dieselben ziemlich im Stande sind. Er wünscht nur etwas Ruhe zu haben, 
die Mundierung wieder auszubessern, ehe das Herbstwetter eintritt. Er 
bittet um Erlaubnis, wenn die Quartiere bezogen seien und er alles in Stand 



') S. über diese Einnahme von Park an den Bericht von de Soncbes an 
den Kaiser (d. Feldlager an der Donau, oberhalb Gran 2. August 1664) Diar- 
Europ. XI S. 461 ff. 

^ Danach zahlen die 4 Gompagnieen e. Robb noch 396 Mann, darunter wirk- 
lich dieDSttfauend 22f>, während 22 tot oder verloren sind, die Radziwillschen 
Dragoner 255 (davon dienstthuend 239, verloren 12), die Derfflingschen Dra- 
goner 322 (davon dienstthuend 239, verloren 5H), die 8 Compagnieen z. Fuss 820 
(davon dienstthuend 615, verloren 148). 



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EiDDahme von.ParkaD. Bitte des Kaisers am weiteren Succnrs. 335 

gesetzt habe, sich zu Kf. begeben zo dürfen^). Man redet hier von gar 
zeitigen Winterquartieren, da sie schon im März den Feldzng begonnen 
haben. 



Kaiser Leopold. Instruktion für Herzog August von Holstein. 
D. Wien 20. August 1664. 

[Rf. soll weitere Truppen zur RekrntieruDg der Reichsarmee hergeben.] 

Er soll den Ef. ersachen, den Ereis&tänden zu Snpplierang ihrer Ver* 20. Aag. 
Stärkungswerbung von seiner auf den Beinen habenden alten Soldatesca noch 
ein paar tausend Mann wegen der auf dem Verzug liegenden Gefahr zu 
überlassen, der Kaiser werde demselben dafür Wiedererstattung und Satis- 
faction an Mannschaft oder Geld yerschaflfeo. Der Kaiser wünscht, dass 
ihm diese Völker möglichst bald, noch vor AuBgang des September zuge- 
sendet werden, er wird Verordnung ergehen lassen, dass dieselben auf 
den Schlesischen Grenzen übernommen und gleich den anderen mit dem un- 
entbehrlichen Unterhalt versehen werden >). 



Geheimenraths-Protocoll. D. Cöln a. d. Spree 
l9./[29.] August 1664. 

praes. S. Gbf. D. I. F. D. v. Anhalt. H. Gr. von Dona. Freih. v. Schwerin. 

Freih. v. Loben. H. v. Hoverbeck. H. v. Platen. H. v. Somnitz. 

[Ob Kf. die von dem Kaiser geforderten weiteren Truppen schicken solle.] 

Kaiserliches Schreiben und Instruction des Herzog Augusti zu29. Aag. 
Holstein') verlesen, darinnen I. K. M. begehret, S. Chf. D. möchten 
noch 2000 ihrer ältesten und besten Soldaten vor Ausgang des Sep- 
tember schjeken, sollte defalciret werden an den Becruiten oder sonst 
Geld davor gegeben werden. 

Der Reichs Directoren Schreiben^) in eadem causa verlesen. 

S. Chf. D. erinnern wegen des Moscowiters, dass er Miene 
machte, in Preussen einzubrechen, 2) wegen derTartaren, die tran- 
situm durch Schlesien bei Polen begehren. 

Kf. ertheilt diese Erlaubnis (d. Cöln a. d. Sp. 17./27. August 16G4). 

^) Unter demselben Datum erlasst der Kaiser auch Schreiben ähnlichen In- 
halts an K.Baiern und an die Fürsten von Hessen-Gasselund Braunscbweig. 

^) S. das vorhergehende Schreiben vom 20. August. 

^) Auch diese (der Bischof Christoph Bernhard von Münster und der 
Markgraf Friedrich von Baden) hatten sich mit Schreiben desselben Inhalts 
wie das kaiserliche (d. Wien 19. August 1664) an den Kf., sowie auch an K.Bai- 
ern und die Fürslen von Hessen-Cape el und Braunschweig gewendet. 



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336 5. Der Turkenkrieg 

F. ZU Anhalt, dass S. Chf. D. noch 1000 Mann dem Ea}8er 
schickte, Kaiser wollte vor einen Mann 15 bis 16 Thaler geben, mochte 
S. Chf. D. das Geld nehmen, die Hälfte davon zu Werbung anderer 
Völker employiren, die andere Hälfte anderswo anwenden. 

G. T. Dona: quaestio est, ob S. Chf. D. solle die 2000 schicken, 
der Nutzen und Gefahr zu consideriren: das Land würde entblösset,. 
die Gefahr vor Moscowiter und Tartaren ist da: meinet es würde 
eine Schule der Soldaten sein, so S. Chf. D. ohne ihre Kosten in 
fremde Lande hielte, würde also nicht undienlich sein, solche lOÖO 
Mann zu schicken, möchten aber nicht lauter alte, sondern auch 
einige neue mit darunter sein und sollten von unterschiedenen Re- 

' gimentern genommen werden. 

H. 0. [v. Schwerin]: S. Chf. D. erwägen die Sache billig wegen 
des Moscowiters und die schlechte Anstalt, so in Polen ist. Weil 
L K. M. versprochen, S. Chf. D. alsofort in casu necessitatis ihre 
Völker wieder folgen zu lassen, conformiret mit denen, die sagen, dass 
S. Chf. D. die Völker schicken, vor die angebotene Bezahlung, und 
dass wegen Jägern dorf wieder aufs eifrigste vorgestellet und urgiret 
werde. 

V. Loeben ähnlich. 

H. V. Hoverbeck: Es könnte wohl sein, dass Moscau und Tar- 
taren etwas thua möchten, aber die Türkische Gefahr sei die pres- 
sauste, und wann dieser gesteuert wird, so geschieht es auch den 
Tartaren. Von Moscau, meinet er, sei nicht zu befahren, dass er mehr 
Feinde machen wollte, da er Polen hat und mit Schweden noch nicht 
richtig; meinet, dass die Völker wohl könnten abgefolget werden, so 
kämen S. Chf. D. an allen Orten in Consideration, ihre Volker wür- 
den in steten exercitio erhalten und die Länder hier würden etwas 
subleviret von dem onere zu erhalten. 

H. V. Platen: Wann S. Chf. D. dem Kaiser werde willfahren, 
dass sie bei der ganzen Welt grossen Buhm erwerben und dass sie 
die 1000 Mann schicken könnte. De modo wird müssen gehandelt 
werden auf die conditiones, gleich wie die anderen zu schicken, so 
können sie selbe auf den Nothfall wieder haben und wären wohl 
exerciret. 

H. Somnitz: sei wohl gerathen, dass S. Chf. D. mit 1000 Mann 
dem Kaiser zu Hülfe komme, auch mit Werbung anderer 1000 Mann 
sich anheischig mache. Er habe vernommen von Recruiten, so vom 
Reich gewilliget, wann sie solche schicken müssten, hätten sie nichts 



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Weitere von dem Kaiser begehrte Hülfsleistoog. 337 

davon zu hoffen, wäre also besser itzo zu thun. Wenn Werbung ge- 
seheben sollte, dass solche ausserhalb der Lande geschehe. 

S. Chf. D.: wird zuerst zu bedenken sein, wie S. Chf. D. sich 
vor dem Moscowiter in Preussen zu versichern, darnach wird sich 
das andere alles richten. In Preussen^) zu Mdmel 4 Compagnien, 
Pill au 400 Mann, 800 Eulenburgische, 150 Pferde, 150 Dragoner; 
auf die Lehnpilichtigen ist sich nicht zu verlassen, Landvolk seind 
500 ohngefähr, Wibrantzen seind nichts ntttze. Wann sie nicht vor 
dem Moscowiter sicher sein, können sie hier nichts resolviren. Man 
möchte conditiones bedingen: 

1) dass S. Chf. D. möchte in allen andern Landen werben, 

2) dass die Truppen stets beisammen bleiben, 

3) dass sie den Namen von Brandenburg führen, 

4) dass die Stücke, so man erobert, nach advenant getheilet werden, 
item die Fähndel. 

Res. Sollen 1000 Mann geschickt werden mit gewissen Condi- 
tionen, so noch aufzusetzen. 



Resolution des Kurftirsten an den Herzog Augustus von Hol- 
stein. D. Cöln 20. /[30.] August 1664.0 

[BediDgoDgeo, onter denen Ef. dem Kaiser weitere Hülfe schicken will.] 

— Nun sein zwar höchstged. S. Chf. D. allezeit begierig gewesen, 30. Ang. 
Ihrer Key. M. bei aÜen Occasionen, insonderheit auch bei dem gegen- 
wärtigem Türkischen Kriege dero gehorsambste Devotion in der That 
zu contestiren — , S. Chf. D. können aber daneben nicht umbhin, Ihrer 
Key. M. zu remonstriren, dass alle dero Lande und insonderheit das 
Herzogthumb Preussen überall vielfältiger und grosser Gefahr offen 
stehen — und es dannenhero deroselben gefährlich ausschlagen könnte, 
wenn sie bei solcher Beschaffenheit sich und ihre Lande aller Defen- 
sion entblösseten. über dem sein auch höchstg. S. Chf. D. bishero 
auch in dero gerechtesten desideriis, sonderlich wegen Restitution des 
Herzogthumbs Jägerndorf, so unglücklich, dass ohngeachtet aller 
hohen Versicherungen sie bis auf die gegenwärtige Stunde sehen 



1) S. Hirsch, Die Armee des Gr. Kurfürsten S. 233. 241. 

3) Von demselben Datum ist auch die Antwort des Ef. an die beiden Heichs- 
kriegsraths - Directoren , in welcher auf die an den Kaiser ergangene Resolution 
verwiesen wird. 

Mater, s. Gesch. d. G. Kurfürsten. XI. 22 



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338 & ^«r Torktokrieg. 

mllMeii, dasB solches von einem Frembden usurpiret werde und man 
wegen dessen Bestitation neulich in einer schriftlichen Besolation') 
sich noch weiniger and schlechter, als jemals zuvor geschehen, er- 
kläret, welchem allem nach S. Chf. D. wohl Ursach hätten, gleich 
anderen vielen Beichsständen an sich zu halten und sich mit fernerer 
H&Ife nicht zu incommodiren. Nichts desto weniger, weil S. Chf. D. 
gleichwohl hoffen, es werden Ihre E. M. endlich dero heharrliche 
Devotion gn. erwägen und also auch dieselbe an dero Kaiserlichen 
oft versicherten Affection nicht femer zweifeln lassen, insonderheit 
aber S. Chf. D. mit förderlichster Bestitution dero Herzogthumbs, wie 
auch völliger Satisfaction und Refusion der fructuum perceptorum 
et percipiendorum erfreuen*), so wollen S. Chf. D. in solcher festen 
Zuversicht f&r diesesmal Ihrer Key. M. mit eintausend Knechten, je- 
doch unter nachfolgenden Conditionen abermalen gehorsambst an 
Hand gehen: 

1) Dass dieselbe mit eben dem Beding auf Ihrer Key. M. selten 
und auf die Art und Weise, wie f&r diesem zu Königsberg man sich 
mit dem Freiherrn de Lisola verglichen (welche conditiones des 
Herzogen von Holstein F. 6n. bekannt sein), ausser was nachge- 
hends darunter geändert, Ihrer. Key. M. zum Succurs geschicket wer- 
den sollen. 

Weiln auch Ihre Key. M., begehret zu dero Diensten noch ein- 
tausend Mann gegen Erlegung der Werbegelder und Unkosten werben 
zu lassen, so wollen S. Chf D. ohngeachtet aller in dergleichen Fäl- 
len fttrgehender Ungelegenheiten Ihrer Key. M. hierunter mit dieser 
Condition gehorsambst willfahren, dass deroselben dazu 20000 Bthlr. 
erlegt und ausgezahlt werden sollen. 

Ihre Key. M. würden sich auch gn. gefallen lassen, einigen Cburf 
Officiren die Werbung in der Schlesien solchenfalls zu gestatten, 
damit diese Völker desto besser aufgebracht werden möchten. Zu 
welchem End dann auch dieses Begiment allzeit den Namen eines 



1) S. oben Abschn. 4 S. 239. 

*) Der Resident des Ef. io Wien, A. Nenmann, welchen dieser beanflragt 
hatte (d. Coln 20./30. Aagnst 1664), dem Herzoge von Holstein in den demselben 
übertragenen Geschäften znr Hand za sein, antwortet darauf (d. Wien 31. Angnst/ 
10. September) , er werde diesem Befehle nachkommen, .wie dann hochbesagte 
I. Fürstl. Gn. ?on dem, was Ew. Chf. D. io der Jägerndorfschen Sache dero- 
selben committiret, mir Nachricht gegeben, and wie weit ich hierin sn gehen 
and was numehr zn thnn, Ew. Chf. D. gnadigsten Befehls gewärtig bin*. 



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Weitere vod dem Kaiser begehrte Hülfsleistang. 339 

Brandenburgischen Regiments behalten mttsste, wiewohl Bonsten 
Ib. Key. M. sich dessen nach dero gn. Gefallen gebrauchen können 
und S. Chf. D. nicht praetendiren , dass diese Völker dergestalt und 
auf die conditiones wie dero Ihrer Key. M. zum Succurs geschickte 
Auxiliar Völker avociret oder sonsten tractiret oder consideriret wer- 
den sollten. 

Sobald nun Ihre K. M. sich auf obiges gn. erkläret und eine 
schriftliche Resolution desfalls Ihrer Fürstl. 6n. ertheilet, welche die- 
selbe sofort anhero zu schicken hätten, wollen S. Chf. D. die Völker 
marchiren lassen, also dass sie noch ftlr Ausgang des Septembris in 
Ihrer Key. M. Erblanden geliefert werden sollen.^) — 



Kaiser Leopold an den Kurfürsten. D. Wien 
9. September 1664^). 

[BinstellnDg der Eriegsoperationen, Ef. soll die bewilligteD MaDDSchafteD zn- 

rückbehalteD.] 

Er hat sowohl ans einem Schreiben des Ef. vom 20. Aagast als auch 19. Sept. 
aus der Relatioo des Herzogs von Holstein ersehen, dass Ef. sich zu 
der ihm aDgesonnenen Ueberlassang von ein paar taaseod Mann bereit er- 
klärt hat, er dankt ihm dafür, theilt ihm aber mit, dass er, nachdem die 
Türken, während das verbündete Heer sich ausgeruht, die Festungen Grau 
undNenhänsel verproviantiert und mit stärkerer Besatzung versehen haben, 
so dass in diesem Jahre ein Angriff auf dieselben nicht mehr werde unter- 
nommen werden können, ferner wögen der Strapazen, welche die Truppen 
würden aushalten müssen, und da auch die Reichskriegsraths-Directoren und 
Generale der Ansicht seien, dass in diesem Jahre weitere Operationen nicht 
mehr unternommen werden könnten, beschlossen habe, die Reichsstände 
nicht um weitere Anticipation der verlangten Völker zu ersuchen. Er bittet 
daher Ef., mit der auch von ihm verwilligten Mannschaft zurückzuhalten, 
zugleich durch seine Gesandtschaft in Regensburg dahin zu wirken, dass 
nicht allein der punctus continuandae assistentiae zur Richtigkeit gebracht 



') Wenige Tage darauf, anter dem Eindruck der in der Erfurter Ange- 
legenheit eiDgetroffenen Nachrichten, droht Kf. nicht nur, die neube willigten 
Truppen nicht zu schicken, sondern auch das Corps des Herzogs von Holstein 
aus Ungarn zaruckzurufeD, b. die Schreiben an den Eai ser und an E. Mainz vom 
27. August/ 6. September unten Abschn. 6. 

^ Vgl. das Schreiben ganz ähnlichen Inhaltes von demselben Datum an den 
Brzbischof von Salzbarg zur Mittheilung an die Reichsstände Londorp IX 
S. 277. 

22* 



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340 ^' I^or Türkenkrieg. 

ood sofort ins Werk gesetzt werde, sondern auch, dass die noch rück- 
ständigen Contigente geworben und für das nächste Frühjahr in Bereit- 
schaft gehalten würden. 



Herzog Augustus von Holstein an den Kurfürsten. D. Wien 
11. September 1664. 

[Der Kaiser bedarf der Hülfe vorläufig nicht. Friedensgerücbte.] 

11. Sept. Berichte in Eile, dass ich vor 6 Tagen hier angelanget, in Hoff- 

nung wegen meiner guten Verrichtung gar angenehm zu sein, habe 
desswegen einige Resolution von hiesigen Ministris verlanget, wel- 
che mir gestern ist gegeben worden, als nämlich, dass man itzo 
der Hülffe nicht bedarff, zumahlen die Resolution, einigen Platz zu 
attacquiren, sich schon geändert und man verhoffet, zu Ende Octobris 
in die Winterquartiere zu gehen, haben die Bayrische, Salzburgische 
und andere, welche schon im Marsch gewesen, contramandiret. Mich 
deucht, dass alle die Zurückschickung der Völker etwas andres aut 
sich habe und dass man den Frieden unter der Hand ohn Vorwissen 
einiges Stande^ des Reichs suche zu schliessen, viele wollen sagen, 
es sei schon meistentheils richtig M. Sie haben mir zwar gesaget, 
ich möchte Ew. Churf. On. bitten, dass sie diese gefastete Resolution, 
Ihre K. M. mit Volk zu assistiren, mochten zu künftiges Vorjahr werk- 
stellig machen, ich weiss aber nicht, ob es Ew. Churf. 6n. vortheil- 
haftig sein wird, den ganzen Winter Leute auf den Beinen zu halten 
umb selbe hernach im Sommer hier crepiren zu lassen. Ich werde 
in zwei Tagen wieder zur Armee. 



*) Kf. ist durch diese Friedensgerücbte keineswegs überrascht worden. Schon 
am 7./17. Juli hatte ihm A. Nenmaon von Regensbnrg aus berichtet, nachdem 
der Feind Serin war zerstört habe, meine man, er werde sum Frieden geneigt 
sein, dass man aber auch am kaiserlichen Hofe die Gedanken meistens suni 
Frieden richte, darauf deute auch die Anfertigung von Silbergeschirr hin, das 
wabrscheiolich zu Präsenten bestimmt sei. Derselbe meldet 14./24. Juli: „Kann 
man nur den Frieden auf einigerlei Weise erhandeln, so wird man's nicht unter- 
lassen' und aus Wien, wohin er am 2. August zurückgekehrt war, 18./23. August, 
ein Courier Rennigers melde Inclinatfon des Grossveziers zum Frieden, auch 
hier verlange man nichts höheres als den Frieden, und 31. August/ 10. September: 
,Mit den Friedensgedanken gehet man noch immerfort umb, und wenn man ta- 
liter qualiter zur Facification kommen kann, wird man's nicht ausschlagen, zumal 
wegen der Nachrichten aus Spanien, wo der Tod des Königs befürchtet wird." 



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AblehDQDg weiterer Hulfstroppen. 341 

Der Kurfürst an den Kaiser. D. Grimnitz 
7./[17.] September 16640- 

[auf das Schreiben vom 9. September. Verwunderung über die Veränderung 
des Entschlusses, Unzuträglichkeiten dadurch für Ef. Die von dem Kf. gelei- 
steten Dienste. RestifotiOD von Jagerndorf.] 

— Nun muss ich zwar Ew. Key. M. hochsterleuchteten Verstände 17. Sept. 
und directorio anheimb gestellet sein lassen, welcher gestalt dieselbe 
diesen Krieg — fortzusetzen und was Sie dabei zu thun und zu re- 
solviren — gut finden, ich hätt mich aber dieser Veränderung desto 
weniger versehen, weil Ew. Key. M. dieser anderweiten Hülfe halber 
so eifrige und ernstliehe Instanz bei mir thun lassen, wodurch ich 
denn auch bewogen worden, nicht allein die Völker bereits gegen die 
Grenzen marchiren zu lassen, sondern auch dabei sofort die nöthige 
Officirer^ bestellet — welches alles mir und meinen Landen anitzo 
nicht ohne grosse Beschwerde auf dem Halse bleibet. Ich lebe aber 
hiebei der unterthänigsten Hoffnung und Zuversicht, Ew. Key. M. 



^) 0. Y. Schwerin hatte dem damals von Berlin abwesenden Kf. das Schrei- 
(ben des Kaisers vom 9. September zugesendet und in einem Begleitschreiben 
d. C51n a. Spr. 6./16. September) gerathen, in der zu ertheilenden Antwort dar- 
auf hinzuweisen, dass Kf., nachdem der Kaiser diese Hülfe so eifrig von ihm 
verlangt habe, nicht hätte denken können, dass dieselbe nicht wurde angenommen 
werden, er hätte schon die nothigen Anstalten dazu getroffen. £r hoffe, der 
Kaiser werde seine Willfährigkeit künftig erkennen, namentlich ihm in der Jägern - 
dorfer Sache endlich die längst desiderierte Satisfaction widerfahren lassen. 
Diesen Vorschlägen gemäss ist das Schreiben ausgefertigt 

3) Kf. hatte gleich am 20./ 30. August an den bei der Armee Montecuccolis 
stehenden Kämmerer Freiberrn v. Wald bürg geschrieben, ihm mitgetheilt, dass 
er ihm das Gommando nebst der Obristlieutenantscharge über die dem Kaiser 
zuzuschickenden 1000 Mann übertragen wolle , und ihn aufgefordert, da diese 
Trappen von verschiedenen Orten zusammengebracht und möglichst bald nach 
den kaiserlichen £rblanden geführt werden müssten, sich, sobald der Herzog von 
Holstein die desiderierte Resolution vom Kaiser erhalten haben werde, nach Berlin 
zu verfügen, zugleich hatte Kf. den F.M. v. Sparr angewiesen, Wald barg, dem 
er jenes Gommando übertragen habe, auf das schleunigste hieher zu dimittieren. 
Wald bürg in seiner Antwort (d. im Feldlager unweit der Waag 9/19. September 
1664) dankt dem Kf. für das ihm zugedachte Gommando, da ihm aber der Herzog 
von Holstein gestern mitgetheilt habe, dass die Sache zurückgegangen sei und 
die Völker diesen Herbst nicht marschieren würden, so werde er hier des Kf. 
weitere Befehle abwarten. — Andere Officiere dagegen sind von dem Kf. wirklich 
schon angestellt worden, am 20./30. September weist derselbe den Oberlicentein- 
nehmer Preunel an, 1000 Thaler zur Goutentierung derjenigen Officiere zu zahlen, 
welche mach Ungarn zur kaiserlichen Armee hätten gehen sollen, jetzt aber coq* 
tramandiert seien. 



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342 5- ^^^ Türkenkrieg. 

werde meiDe bei diesem Werk und sonsten jedesmal bezeugte gehor- 
sambste Devotion und Willfährigkeit hiernegst in keyserlichen Gnaden 
erkennen — wie ich denn insonderheit zu Ew. Key. M. das feste Ver- 
trauen setze, Sie werden dermaleins denen von dero — Vorfahren 
und Ew. K. M. selbst so oft gethanen guten Versprechen und Zusagen 
sich gnädigst erinnern und mir in der Jegerndor fischen Restitutiohs- 
sache Satisfaction widerfahren zu lassen geneigt sein. — 



Otto Christof v. Sparr*) an den Kurfürsten. D. Im Haupt- 
quartier Wiskilet 19. September st. n. 1664. 

[Waldbarg. ErnenDung des H. v. Holstein zum G.FeldmarschalU Lieutenant.] 

19. Sept. Er hat Waldbnrg seine Ernennung notificiert und es so eingerichtet^ 
dass derselbe seine Compagnie zu Pf. unter dem Obristen Schmidt, wann 
es ihm beliebt, quittieren kann. Er hat auch des Kf. NotificationsschreibeD, 
dass er den Herzog von Holstein znm G.FeldmarschalU Lieutenant be- 
stellt'), erhalten, wird dem gleichfalls Parition leisten und den Herzog da- 
für respectieren, und gratuliert demselben zu dieser Charge. 



1) Schon Ende Januar 1664 hatte der Kaiser den Gesandten des Ef. in 
Begensburg (b. deren Relation vom 1Ö./2Ö. Janaar oben 8. 219) seinen Wunsch 
mittheilen lassen, des Ef. G.F.M. Otto Christoph v. Sparr für den Tarkenkrieg 
in seinen Dienst zu bekommen, und zwar in der Armee Montecuccolis zu 
verwenden. Der Ef. hatte darauf zunächst (5. Februar, oben S. 221} erklart, da 
er sich selbst in Defension zu setzen entschlossen sei, so könne er sich wegen 
Sparr's noch nicht erklären, doch hatte er dann schon Ende Februar auf direktes 
Ersuchen des Kaisers demselben die Erlaubnis zum vorlaufigen Uebertritt in dessen 
Dienst ertheilt. Sparr hat sich zunächst gegen Mitte April nach Begensburg, 
wo sich damals das kaiserliche Hoflager befand, begeben, von dort reiste er, 
wie der ebenfalls dort anwesende Besident des Ef. A. Neu mann am 24. April 
meldet, am 18. April zu Wasser nach Wien, um dort einige Wochen zu bleiben 
und gute Anstalten zu machen. Er hat sich dann zu der bei Ung. Altenburg 
stehenden kaiserlichen Armee begeben, hat Anfang Juni diese von dort nach der 
Mar geführt, ist selbst am 20. Juni (s. Diar. Europ. XI S. 357) bei Serinwar 
eingetroffen und hat an den dortigen, sowie nachher an den weiteren Eämpfen 
bis zu Ende des Feldzages Theil genommen. Am 27. November 1664 schreibt 
der Eaiser dem Kf., da ihr beiderseitiger Feldmarschall v. Sparr eine Beise 
nach Hause unternehmen wolle, so bezeuge er demselben, dass er durch Tapfer- 
keit und Kriegserfahrung sich ganz zu seiner Zufriedenheit bewiesen habe. 

*) Wie er den Herzog von Holstein durch Verleihung dieser Charge für 
die in dem Turkenkriege geleisteten Dienste belohnte, so erliess der Kf. auch 
(d. Cöln 20./30. August 1664) gleichlautende Schreiben an die Obristlieutenants 
Block, Koller und Marwitz, sowie an den Obristwachtmeister Sparr, in 



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Uothätigkeit der vereiDigten Armee. 343 

Herzog Angustns von Holstein an den Kurfürsten. D. Im 
Feldlager bey Freystettel 26. September 1664. 

[Unthätigkeit der vereiDigten Armee, Erankbeiten.] 

— Es gehet itzo hier nehrisch zu, wir seind itzo mit der Haubt- 26. Sept 
armee und Reichs, Alliierten und Frantzosche Armee conjungiret '), 
seind in allen über 20000 Man') nicht stark. Montecuculi saget 
alle Tage von schlagen, aber es wird nichts daraus und wird es auch 
wohl schwerlich darzu kommen und sterben die Musquetiere hauffich 
weck, und seind in 3 Wochen von denen mir anvertrauten 136 ge- 
storben. — 



Derselbe an den Kurfürsten. D. Im Lager bey Freystettel 
27. September 1664. 

[Mangelnde Besahlang, der Friede scheint sicher.] 

— es gehet zimlich schlecht zu, man ist uns itzo 3 Monat schul- 27. Sept. 
dig und ob man mir zwar bei meinen damaligen Keisen zu Ih. Churf. 

denen er ihnen mittheilt» dass der Herzog von Holstein bei seiner Anwesenheit 
daselbst gerahmt habe, dass sie nicht allein für die ihrem Commando unterge- 
benen Truppen gute Sorge getragen, sondern auch bei den Rencontren und Occa- 
sionen gegen den Feind Tapferkeit und gute Resolution bewiesen hätten, und 
bezeugt ihnen sein Wohlgefallen darüber. 

^) Nach der Schlacht bei St Gotthard (1. August), durch welche der Ver- 
such des Grossveziers, die Raab zu überschreiten, von Montecuccoli vereitelt 
worden war, hatte sich der erstere gegen Stuhlweissenburghin zurückgezogen, 
wahrend Montecuccoli's Armee nach Oedenbnrg hin abzog und dann An- 
fang September zwischen Co morn, Raab und Ungarisch- Altenburg Stellung 
nahm. Inzwischen hatte die Armee de Sonches', welche aber jetzt, nachdem 
dieser selbst sich nach Wien begeben hatte, von dem General Heister befehligt 
wurde, sich nordlich von der Donau bei Co morn gelagert und von hier aus Neu- 
bau sei eingeschlossen gehalten. Auf das Gerücht aber, dass eine grosse türkische 
Armee zum Bntsatz dieser Stadt herannahe, gab Heister seine Stellung auf 
und zog sich nach der Schutt zurück, so dass der Grossvezier, welcher inzwischen 
(27. August) in Gran angelangt war und die dortige Donaubrücke wiederherge- 
stellt hatte, Verstärkungen an Truppen und Proviant nach Neuhäusel werfen 
konnte. Darauf ging auch Montecuccoli mit den kaiserlichen, den Reichstruppen 
und den französischen Hnlfstruppen am 7. September bei Pressburg über die 
Donau und lagerte sich an der Waag bei Tyrna und Freistättl, wo auch Hei- 
sters Corps zu ihm stiess, und dort ist die vereinigte Armee bis zum Friedens- 
schluss stehen geblieben. S. Diar. Burop. XIS. 483ff. Oesterr. milit. Zeitschr. 
ni 8. 23 ff. 

>) Oesterr. militär. Zeitschr. III S. S2 wird die Stärke der vereinigten Ar- 
meeen auf 40 000 Mann angegeben. 



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344 5. Der Türkenkrieg. 

Gn. versprochen, es solte alles richtig bezahlet werden, sehe ich doch 
itzb, dass man alle Zusage, weil man unser vielleicht nicht gross mehr 
bedarf, vergessen. Sie sagen zu Wien noch, der Friede sei nicht 
geschlossen, aber in allen Grenzfestungen reiten die Türken aus und 
ein, handeln und verkaufen wie sie wollen, haben alle Gefan- 
genen, die sie diesen Feldzug gemacht, wieder herüber geschickt ohne 
Kaution, gewiss gelaube ich, dass sie uns wollen hier crepiren lassen, 
damit man zu nichts mehr dauchlich, ich bitte, Ew. Churf. Gn. wolle 
es am keyserlichen Hofe remonstriren und sich unser genedigst an- 
nehmen. — 



Derselbe an den Kurfürsten. D. Im Feldlager vor Freystettel 

1. October 1664. 

[Der Friede ist geschlosBeo. Bitte am VerhaltüDgsbefehle.] 

l.Oct. — Ich kann — nichts schreiben, als dass der Friede hier rich- 

tig*), die conditiones seindt zwar noch geheimb, aber es ist kein 
Zweifel, dass es Friede ist. Man weiss nicht, wie man die Auxiliar- 
volcker will los werden, man redet, dass man uns in die Bergstette 
lägern will, welches ich aber totaliter abgeschlagen und ohne expresse 
Ordre von E. Chf. Gn. nicht thun werde. 
Er bittet um Verhaltungsbefehle. 



Derselbe au den Kurfürsten. D. Wien 8. October st. n. 1664. 

[Uebler Zastand seiner Truppen.] 

8. Oct. Er hat auf seine letzten Schreiben noch keine Antwort, bittet um Ver- 

baltangsbefehle. Es seind bei Reitern und Dragonern über 300 zu 
Fuss, von dem Fussvolk ist der Abgang auch bei 400 Mann; in der 
mir mitgegebenen Instruction ') stehet, dass diese Volcker Ih. Rom. E. 
M. versprochen im selben Stande und Anzahl wieder zu lielBfern, wie 
sie sie empfangen. — 



^; Der schon am 10. Aagast in dem Hauptquartier des Grossveziers zu Vas- 
var auf 20 Jahre abgeschlossene Friede war erst nach der beiderseitigen Rati- 
fication am 26. September bekannt gemacht worden, s. Zinkeisen IV S. 932ff., 
das Ffiedensdokument bei Dumont, Corps diplomatique VI 2. S. 2Jf. 

^ S. oben S. 301 (§ 10), vgl. auch S. 298 (§ 4). 



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Der Friedeo. Uebler Zostand der Hulfetruppen. 345 

Der KurfUrst an Herzog Augustus von Holstein. D. Cöln 
3./[13.] October 1664. 

[auf das Schreiben vom 1. October. Die Truppen sollen im kaiserlichen Gebiet 

Quartiere beziehen] 

Er ist erfrenty dass der Friede geschlossen, wünscht die Bedingangen 13. Oct. 
desselben zn erfahren. Wir wollen sonsten nicht vermuthen, dass Ihre 
K. M. die Auxiliarvölcker so gesehwind dimittiren und weggehen lassen 
werden, wie uns dan bey dieser Zeit auch deren Verpflegung und Unter- 
halt, weil dieses alles unvermuthet kommet, sehr ungelegen fallen 
würde, und wollen E. Ld. demnach Gefallen tragen, umb gute Quar- 
tiere bey Zeiten anzuhalten, auch austrücklich dabei bedingen, dass 
Sie sich mit unsern Trouppen nicht nach den Bergstetten weisen und 
verlegen lassen können. 

Er will auch an G.Fm. Sparr deswegen schreiben. 



Herzog Augastas von Holstein an den Kurfürsten. D. Wien 
14. October st. n. 1664 

[Die Truppen sind ohne Sold und Lebensmittel in traurigster Lage.] 

Er hat seit seiner Rückkehr von Berlin keine Antwort auf seine ver- 14. Oct. 
schiedenen Schreiben erhalten, bittet dringend darum. Ich liege hier mit 
grossen Unkosten und solicitire sowohl 4 restirende Monat Sold, als 
den Julium, Aug., Sept., Oct., von welchem allem ich nichts erhalten 
kan, ob es gleich vorhin zu geben versprochen. Die Trouppen stehen 
noch auf die Ungersche Grenze, ohne dass geringste von Lebens- 
mittel nicht ist, und gehen die Pferde sowohl von Reuttern als Dra- 
gonern alle zu Grunde. — Die Ordre vom Hofe zum Abmarsch habe 
ich noch nicht erhalten ich vermuthe sie stundlich. 

Herzog Angustns von Holstein an den Kurfürsten. D. Wien 
22. October st. n. 1664. 

[auf das Bescript vom 3./13. October. Quartiere sind nicht bewilligt, die Truppen 
sind schon auf dem Rückmarsch.] 

£r hat sich vergeblich bemüht, Quartiere zu erhalte'n. Man wendet 22 Oct. 
mir vor, dass Ih. Mai. schon mehr uns gegeben als uns zukomme, 
dass sie selbst resolviret, 8 Regimenter zu Fuss und 5 zu Pferde zu redu- 
ciren, und dass also man ihr nicht verdenken könne, dass sie uns nicht 



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346 5- Der Turkenkrieg. 

hier behalten konte, alle andern Trouppen sind schon marschiret ^), 
ich habe auch meine Abfertigung gänzlich von hier und seind I. Churf. 
6n. Trouppen schon im Marsch nach Schlesien, 5 Wochen werden 
sie wohl zubringen, ehe sie an £. Churf. Gn. Grenze kommen. — Vor 
einer halben Stunde ist ein Courier von Chur Maintz hier angekom- 
men, berichtet, dass Erfurt auf Discretion übergegangen *), worüber 
gross Frohlocken. — 



Der Kurfürst an Herzog Augastus von Holstein. D. Göln 
20./ [30.] October 1664 

[Eventueller BackmarBch der Truppen. ErgäosnDg derselben.] 

30. Oct. Er verwundert eich, dass derselbe seine Schreiben nicht erhalten. 

Was Ew. Ld. BQckmarche betrift, geben wir deroselben aus un- 
serem an Ih. K. H. abgelassenen Antwortschreiben mit mehrem zu 
vernehmen, wohin unsere Intention desfalls zielet, sollte man nun am 
keyserlichen Hofe der ferneren Quartier und Verpflegung halber viele 
Difficultäten machen und sich dazu nicht verstehen wollen, solchenfalls 
hatten Ew. Ld. gewisse Commissarien zu begehren, welche Sie mit 
der Soldatesque bis auf unsere Gränze begleiteten. — — Inmittelst 
haben £. Ld. fest darauf zu bestehen, dass man dem aufgerichteten 
Vergleich gemess die Volcker uns in so starcker Anzahl, als wir solche 
geschickt, wie ingleichen mit behöriger Montirung wieder lieffere. 
Er hat G.Fm. Sparr anbefohlen, daeo zu cooperieren. 

Der Kurfürst an den Kaiser. D. Cöln a. d. Spree 
20. /[30.] October 1664. 

[Glackwunsch znm Frieden. Wunsch, dass seinen Trappen noch einige Zeit 
Quartiere gestattet werden, Forderung, dass die vereinbarten Bedingungen erfällt 

werden.] 

30. Oct. Aus einem Schreiben des Kaisers vom 5. October*), das er aber erst 

am 18./ [28.] erhalten, hat er die zwanzigjährige Prorogation des Stillstan- 

^) Anfang October war die bisher bei Freistättel vereinigte Armee auf- 
gelost worden und hatten darauf die verschiedenen Contingente der Reichsarmee 
. sowie die Truppen der Alliierten und das französische Hülfsoorps den Rückmarsch 
angetreten. 

^ Die Uebergabe von Erfurt war am 16. October erfolgt, s. darüber unten 
Abschn. 6. 

*) Dasselbe liegt den Akten nicht bei. 



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Der Frieden. Rückmarsch der HälfstrnppeD. 347 

des mit den Türken, die Ursachen, welche den Kaiser dazn bewogen, ond die 
dabei aosgemacbten Bedingungen erfahren. 

Wie nun Ew. K. M. für sothane Communication gehorsambst 
danke, also wünsche ich, dass dieses Werk zu Ew. E. M. und der 
ganzen werthen Christenheit beständiger Wohlfahrt gedeihen und die- 
selbe an allen Orten — in friedlichem und ruhigem Wohlstand durch 
des Höchsten Gnade erhalten werden möge. Was sonsten meine zu 
Ew. Key. M. geschickte Äuxiliarvolker und deren Abführung betrifft, 
muss ich wohl bekennen, dass weiln Ew. Key. M. umb dero Ver- 
stärkung so inständigste Erinnerung noch ohnlängst bei mir thun 
lassen, ich mich nicht versehen können, dass solche mir annoch für 
den Winter wieder zugeschicket werden sollten, und also auf deren 
Verlegung keine Anstalt gemachet. Wie aber solchem allem so ac- 
commodire ich mich hierunter billig Ew. Key. M. gnädigstem Gutfin- 
den und werde deroselben mit fernerer Verpflegung meiner Trouppen 
wider dero — Intention — keineswegs beschwerlich fallen. — öo 
lebe ich doch dabei der unterthänigsten Zuversicht, Ew. K. M. werden 
die nachdrückliche Vorsehung thun, damit den Völkern — ihr resti- 
render Sold ausgezahlet, daneben auch wegen Montirung der Unbe- 
rittenen — gebührende Anstalt gemacht und darauf die Völker dem mit 
Ew. K. M. Hofrath, dem Freiherm von Lisola aufgerichteten Vergleich 
gemäss bis an die Grenze meiner Chur und Mark Brandenburg wieder 
geliefert werden mögen. Sollte es aber ohne Ew. Key. M. höchste 
Incommodität geschehen können, dass ihnen noch auf einige Zeit die 
Quartiere gestattet werden könnten, würde Ew. Key. M. ich aus vor- 
angezogener Ursach wohl sonderbare hohe Obligation desfalls haben. 



Herzog Augustus von Holstein an den Kurfürsten. D. Breslau 

1. November 1664. 

[Marsch der Troppen. Der Sold ist bezahlt. BemonueraDg ist nicht zu erlangen 

gewesen.] 

Er ist hier, am die restierenden Marschmonate za empfangen und am i. Nov. 
mit dem K. Amt wegen des Dorebmarsches zu coDieriereD; die Truppen 
werden hente oder morgen an der Scblesischen Grenze anlangen und wohl 
noch 4 Wochen gebrauchen; bis sie an der Kurraärkischen Grenze bei 
Crossen anlangen, da von dem G. Kriegs -Commissario angeordnet ist^), 

Auch Kf. weist (d. Cöln 24. October/3. November 1664) den Herzog an, 
möglichst langsam seinen Marsch fortzusetzen, damit nichts zurückbleibe. In 
Schlesien bei Gruneberg könne er etwas stehen bleiben und ausruhen. 



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348 5. Der Turkenkrieg. 

dass sie nicht aber 2 Meilen des Tages marschieren and den dritten still 
liegen sollen. Man hat zq Wien Abrechnung gemacht, was ans au unsenn 
Sold restierte, und ist befunden, dass wir dasjenige empfangen, was ans 
dem Versprechen des Kaisers gemäss gebührt, da mit Li sola ver- 
glichen worden, dass wir den kaiserlichen Regimentern an Bezahlung 
gleich gehalten werden sollten, zum Marsch hat der Kaiser ans noch 
einen Monat Sold mitgeben lassen. Beifolgende Liste ^) weist den Ab- 
gang der Völker und deren jetzige Effektivstärke nach. Wegen Ke- 
montierung der Unberittenen hat er sich vergeblich bemüht, man wendet 
vor, dass diese Reichs- und Anxiliarvölker völlig zu contentieren eine 
Million erfordern würde, wozu man jetzt nicht die Mittel hätte. Man könnte 
die Leute wohl ergänzen, da der Kaiser 8 Regimenter z. F. und 5 z. R. 
rednciert, aber die Mannschaft ist so liederlich und zerrissen, dass die 
Lande des Kf. davon mehr Schaden als Nutzen haben würden. 



Kaiser Leopold an den Kurfürsten. D. Wien 
2. November 1664. 

[Dank für die Hülfe. Er kann den brandenburgi sehen Truppen keine Quartiere 

gewähren.] 

2. Nov. Dank für die geleistete treue Hülfe, er ist bereit dieselbe mit gleich- 

massiger Gegenbezeigung zu verschulden, auch den Abgang von dem, was 
er nach dem mit Lisola getroffenen Vergleich zu erstatten habe, von 
seinen Völkern zu ersetzen. Es wäre ihm lieb gewesen, wenn er des Kf. 
Völkern in seinen Landen noch einige Ergötzlichkeit hätte gewähren können, 
aber die Quartiere für seine eigenen Völker sind so enge, dass er diese 
nicht unterzubringen weiss, daher hat er dem Herzog Augustus geschrie« 
ben, er möchte seinen Marsch so beschleunigen, da^s er noch vor dem 
Winterwetter die Mark Brandenburg erreiche.^ 



Nach derselbeo zählt: 

die HolsteiDBche Eskadron 343 Mann, 

die Goltzsche Eskadron 331 *" 

das Radziwillsche Regiment zu Robb Berittene 324 

zo FuBB 62 

386 

die BadziwillBche Eskadron Dragoner Berittene 197 

zu FnsB 57 

254 

die DerfflingerBche Eskadron Dragoner Berittene 185 

zu Fqbb 45 



230 
zuBaminen also 674 Mann z. F., 386 z. Pf., 484 Dragoner. 

^ Die brandenburgischeo Truppen sind Ende November in der Mark wieder 
angelangt. 



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Abschnitt 6. 

Die Erfurter Händel. 
1663 — 1665. 



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Einleitung. 



Wie 80 viele bischöfliche St&dte hatte auch das zum Mainzer Erzstift 
gehörige Erfurt^) im Mittelalter seinem geistlichen Herren gegenüber eine 
sehr selbständige Stellnog errungen, doch hatte die Stadt nicht die volle 
Unabhängigkeit nnd Reichsnnmittelbarkeit erworben, vielmehr hatten die 
Mainzer Kurfürsten, anch nachdem dieselbe im Reformationszeitalter pro- 
testantisch geworden war, dort einen Theil der Gerichtsbarkeit und die 
Landesherrlichkeit über einige Dörfer des Stadtgebietes behauptet, während 
andererseits die Sächsischen Fürsten ausi dem Wettioer Hause die Aner- 
kennung ihres Schutzrechts über die Stadt und die Lehnsherrlichkeit über 
einen Theil der zu dem Gebiete derselben gehörigen Dörfer durchgesetzt 
hatten. Während des Dreissigjährigen Krieges >) hatte die Stadt, nachdem 
sie 1631 den siegreichen Schwedenkönig Gustav Adolf aufgenommen hatte, 
von diesem die Mainzischen Domaoialbesitznngen zum Geschenk nnd die 
Zusicherung erhalten, dass sie in den dereinstigen Frieden namentlich ein- 
geschlossen, also als reichsnnmittelbar anerkannt werden sollte. Die Schwe- 
den, welche, nachdem die Stadt nach dem Frager Frieden demselben bei- 
getreten war und die schwache schwedische Besatzung zum Abzug ge- 
nöthigt hatte, sich 1636 derselben wieder bemächtigt nnd dieselbe bis zum 
Ende des Krieges behauptet hatten, hatten sich bei den Friedensverhand- 
lungen wirklich aber vergeblich bemüht, die Anerkennung der Reichsnnmit- 
telbarkeit derselben durchzusetzen, und so war durch den Westfälischen 
Frieden das frühere keineswegs klare Rechtsverhältnis zwischen der Stadt 
und dem Mainzer Erzstifte wiederhergestellt worden. Der ehrgeizige und 



') S. V. Tettau, üeber das staatsrechtliche VerhältDis von Erfurt zum 
Erzstift Mainz. (Jahrbücher der K. Akademie gemeinuatziger Wissenschaften 
zu Erfurt. Nene Folge, Heft I. Erfurt 1860.) 

^S. Herrmann, Der Kampf um Erfurt 1636—1638. (Hallesche Abhand- 
Inogen zur neueren Geschichte, Heft Xn. Halle 1880.) 



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352 6. Die firfarter Handel. 

klage Kurfürst Johann Philipp v. Schönborn») zeigte sich aber sofort 
bestrebt^ seine Rechte in der Stadt zn befestigen und auszudehnen, und diese 
Bemühungen wurden durch innere Zwistigkeiten, welche damals in der Stadt 
zwischen dem Rath und der Bürgerschaft ausgebrochen waren, erleichtert. 
Auf seinen Antrag bestellte Kaiser Ferdinand III. 1649 eine Kommission, 
bestehend aus dem Bischöfe von Bamberg und dem Herzoge von Würtem- 
berg^ um sowohl das Erzstift in die Gerechtsame, welche dasselbe vor dem 
Kriege in der Stadt besessen, wiedereinzuführen als auch jene inneren Strei> 
tigkeiten zu schlichten, und die Subdelegierten derselben, welche im Sep- 
tember 1649 in der Stadt erschienen, brachten in der That einerseits den 
sogenannten Compositionsrecess vom 4. August 1650 zu stände, durch wel- 
chen jene inneren Wirren beigelegt und das Stadtregiment neu geordnet 
wurde, andererseits schlichteten sie durch den sogenannten Restitntionsre- 
cess vom 18. Juli desselben Jahres auch die zwischen der Stadt und dem 
Kurfürsten streitigen Punkte. Die Hanptschwierigkeit dabei hatte die erst 
zuletzt von dem Kurfürsten erhobene Forderung bereitet, dass das, wie 
derselbe behauptete, früher übliche Kirchengebet für ihn selbst und das 
Erzstift in den evangelischen Kirchen der Stadt wiederhergestellt werden 
sollte. Obwohl der Rath lebhaft dagegen protestiert und geltend gemacht 
hatte, dass ein solches Gebet erst 1626, also nach dem in dem Friedens- 
schluss festgesetzten Normaljahre 1624 vorübergehend abgehalten worden 
sei, so hatten die Kommissare doch, da ein Theii der Bürgerschaft sich für 
die Wiedereinführung aussprach, dieselbe, aber ohne eine bestimmte Formel 
für jenes Gebet festzusetzen, in den Restitutionsrecess aufgenommen. Bald 
nach der Abreise der Kommissare aber brachen neue Streitigkeiten zwischen 
dem Rathe und der von ehrgeizigen Führern, namentlich dem Magister 
Volkmat* Limprecht geleiteten Volkspartei aus, welche auch die nächsten 
Jahre hindurch fortdauerten. Das Kirchengebet für den Kurfürsten wurde 
infolge der Weigerung der protestantischen Geistlichkeit nicht abgehalten, 
so erwirkte Kurfürst Johann Philipp im Jahre 1654 die Absendnng 
einer neuen kaiserlichen Kommission, des Reichshofraths v. Bohn und des 
Kammergerichtsfiskals v. Emmerich nach Erfurt. Das Ergebnis der 
Thätigkeit derselben war der sogenannte Additionalrecess von 1655, in 
welchem die Streitigkeiten über die Rathswahl geschlichtet, in betreff des 
Kirchengebetes aber erklärt wurde, dass es bei den Bestimmungen des 
Restitutionsrecesses bleiben solle. Trotzdem wurde dasselbe nicht einge- 
führt und auch die inneren Wirren in der Stadt hörten nicht auf, sie wurden 
geschürt durch jenen Limprecht, das frühere Haupt der Volkspartei, 
welcher auf Betreiben der kaiserlichen Kommissare 1654 als Obervierherr 
Mitglied des Stadtregiments geworden war, auch in den nächstfolgenden 
Jahren immer wiedergewählt worden war, schliesslich aber, nachdem er sich 



S. für das Folgende v. Tettan, Die RednktioD von Erfurt und die ihr 
voranagegangeDen Wirren 1647 — 1665. (Jahrb. der Erfurter Akademie. Neue 
Folge, Heft III. Erfurt 1863.) 



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BinleituDg. 353 

durch sein ehrgeiziges und hochmüthiges Auftreten auch unter seinen ehe« 
maligen Anhängern zahlreiche Feinde erweckt hatte, 1659 bei der Wahl für 
das nächste Jahr übergangen war und nun voll Zorn und Hass sich nach 
Mainz begab und mit dem Kurfürsten in Verbindung trat. Durch ihu 
noch mehr aufgereizt erneuerte dieser beim Kaiser seine Beschwerden über 
die Stadt, namentlich wegen der Nicbteinführung des Kirchengebetes und 
bewirkte die Absendung einer neuen kaiserlichen Kommission nach £rfurt. 
Der Reichshofrath v. Schmidburg, welcher infolge der Erkrankung des 
zweiten Mitgliedes derselben, Jenes Reichshofratbs ?. Emmerich, allein 
im September 1660 dort erschien, verfuhr auf die willkürlichste Weise, er 
setzte sogleich Limp recht wieder zum Obervierherrn ein, entfernte die 
Gegner desselben aus dem Stadtregimente, änderte die Zusammensetzung des- 
selben und bewirkte mit Limprechts Hülfe von diesem die Annahme einer 
von ihm vorgeschlagenen Gebetsformel, allein das Auftreten desselben und 
die weiteren Uebergriffe, welche sich der Kurfürst und dessen Beamte und 
Anhänger erlaubten, erregten in der Bürgerschaft heftige Erbitterung, das 
Kirchengebet für den Kurfürsten, durch dessen Annahme man die landes- 
herrliche Gewalt desselben anzuerkennen und damit die Freiheiten der Stadt 
zu gefährden fürchtete, wurde trotz weiterer kaiserlicher Mandate nicht 
eingeführt, vielmehr Massregeln zum Widerstände vorbereltel. Man hoffte 
in Erfurt auf den Beistand des Kurfürsten von Sachsen und der Sächsi- 
schen Herzoge, als der Schutzherren der Stadt, welche eine Erweiterung 
der Rechte des Mainzer Kurfürsten nicht dulden würden, und in der That 
waren ^) sowohl die Ernestiner, die Herzoge Ernst von Gotha, Frie- 
drich Wilhelm von Altenburg und Wilhelm von Weimar, als auch 
die mit eigenen Herrschaften ausgestatteten Brüder des Kuriürstcn, der 
Administrator August von Magdeburg und die Herzoge Christian von 
Merseburg und Moritz von Zeitz geneigt, sich der Stadt anzunehmen, 
sie berathschlagten darüber, Truppen in dieselbe hineinzulegen, um die 
Volkserhebung niederzuhalten und auch etwaigen Gewaltanschlägeu von 
aussen die Spitze zu bieten , allein sie wurden gelähmt durch die Haltung 
des Kurfürsten Johann Georg U. von Sachsen, welcher sich zu keinem 
energischen Vorgehen entschliessen konnte. Erst nachdem im December 
1662 eine vierte kaiserliche Kommission, bestehend aus den beiden Reichs- 
bofräthen v. Schmidburg und v. Goppel d, in Erfurt erschienen war, 
welche auf das gebieterischste Gehorsam und Bestrafung der Widerspäa- 
stigen forderte, traf dort Anfang Januar 1663 auch eine Gesandtschaft 
des Kurfürsten und der Herzoge von Sachsen ein und versuchte zu ver- 
mitteln, die Erfurter zur Annahme der Gebetsformel gegen eine von dem 



^) S. Hei big, Johann Philipp von Mainz und Johann Georg IL von 
Sachsen während der Erfurter Wirren 1650—1667 (Archiv für die Sächsische Ge- 
schichte Iir. 1805) S. 401 ff. Kirch ho ff, IHe Besitzergreifung Erfarts durch 
Kurroainz 1664 (Zeitschr. für Preussiacho Geschichte und Landeskunde VIII. 1871) 
S. 97 ff. 

Mftter. X Oe8ch. 4- 0. KurHireten. XT. 23 



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3ö4 6. Die Erfarter Handel. 

Mainzer Karfürsten auszustellende, die sonstigen Rechte der Stadt sichernde 
Erklärung ZQ bewogen, allein die kaiserlichen Eomniissaie wollten eine Ein- 
mischnng derselben nicht dulden, verlangten unbedingten Gehorsam and 
bewirkten dadnrch (Juni 1663) einen Ausbrach der Leidenschaft des Volkes, 
welcher sich zunächst gegen Limprecht and dessen Genossen richtete, 
durch welchen sich aber aach der noch dort ^inwesende kaiserliche Kom- 
missar y. Schmidburg bedroht sah, so dass derselbe aus der Stadt floh 
and sich za dem Korfürsten von Mainz begab. Auf das Betreiben 
dieser beiden erfolgte ein kaiserliches Mandat vom 28. Juli, in welchem 
der Stadt nnr eine achttägige Frii^t gestellt wurde, am die kaiserlichen 
Befehle zur Ausführnng zu bringen, and, wenn dieses nicht geschehe, die 
Kommissare beauftragt worden, die Reichsacht über dieselbe aaszu- 
sprechen. In Erfurt war inzwischen die Aofregung immer höher gestiegen, 
gegenüber dem Rath, welcher durch Nachgiebigkeit gegen den Kaiser and 
den Kurfürsten von Mainz die von aussen drohende Gefahr abzuwenden 
sachte, gewann in der Bürgerschaft eine extreme Partei mehr nnd mehr 
das Uebergewicht« welche von keinen Zugeständnissen etwas wiesen wollte. 
Leicht hätte der Karfürst von Sachsen dorch bewaffnete Unterstützung des 
Rathes die Stadt retten können, allein derselbe begnügte sich damit, den 
Kaiser zu ersochen, mit der Ezecotion gegen die Stadt noch einzohalten. 
Inzwischen aber verlor dort der Rath immer mehr die Autorität and kam 
der Pöbel zur Herrschaft. Als Ende September 1663 zwei von den in Mübl- 
hauhcn befindlichen kaiserlichen Kommissaren abgeschickte kaiserliche Notare 
iu Erfurt erschienen, um dort jenes kaiserliche Mandat zu insinuieren, erhielten 
dieselben keine Antwort and worden bei ihrer Abreise von der Menge be- 
schimpft. Der Rath sochte daranf durch Zusage des Gehorsams die Kommis- 
sare za begütigen, allein diese liessen sich von dem Kurfürsten von Mainz 
bestimmen, sofort die Achtserklärang zu publicieren. Am 8. October 1663 er- 
schien der Reichsherold Jacob Lidl v. Schwanen feld in der Stadt, um 
das Achtsdekret zu verkündigen, aber er samt seinen Begleitern wurden 
von der unbändigen und wüthciidcn Menge beschimpft nnd gemisshandelt, 
und nur mit Mühe gelang es durch das Einschreiten Besonnener, sie vor 
noch Schlimmerem zu behüten und ihnen zur Flucht zo verhelfen. Darauf 
schickte Anfang November der Kurfürst von Mainz eine Truppenabtheilnng 
gegen Erfurt, diese verübte aber nar in der Nähe der Stadt einige rohe 
Gewaltthaten und ergriff vor einem Ausfalle der Bürger die Flucht. In der 
Stadt aber herrschte jetzt vollständige Anarchie, nach der Rückkehr der aas- 
gezogenen Bürger von der Verfolgung der Mainzischen Truppen kam es 
dort zu wilden Ezcessen, der oberste Rathsmcister Kniephof wurde er- 
mordet, dann dem seit dem Juni gefangen gehaltenen Limprecht der Pro- 
cess gemacht und derselbe am 30. November hingerichtet. 

Diese Excesse boten dem Kurfürsten von Mainz die willkommene Ge- 
legenheit, mit Gewalt gegen d!e Stadt vorzugehen, um diese dann seiner 
Herrschaft vollständig zu unterwerfen. Jener erste Misserfolg seiner Truppen 
hatte gezeigt, dass er einer grösseren Macht bedürfe, um dieselbe zu be- 



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EioleitaDg:. 355 

zwingen, und in der umsichtigsten und geschicktesten Weise hat er nun 
seine Vorbereitnngen dazu getroffen. Um zunächst zu verhüten, dass der 
Kurfürst von Sachsen, als Schutzherr der Stadt, sich derselben annehme 
ond seinen Plänen entgegentrete, entsandte^) er an denselben im October 
1663 eine Gesandtschaft bestehend ans dem Domherrn v. Reiffenberg 
und dem Dr. Molitor, und diesen gelang es, den schwachen und kurzsich- 
tigen Kurfürsten zum Abschlnss des Tor g au er Vertrages vom 20/30. No- 
vember 1663 zu bereden, in welchem derselbe sich zur Unterstützung der 
Achtsvollstreckung gegen Erfurt verpflichtete, wogegen ihm zugesagt wurde, 
dass er die sächsischen Lehndörfer im Erfurter Gebiet als sein Eigenthum 
behalten, dass ihm mit dem Kurfürsten von Mainz zusammen in der Stadt 
gehuldigt werden, dass er mit demselben zusammen die Stadt besetzen 
nnd dass alles Nähere auf einer persönlichen Zusammenkunft beider Kur- 
fürsten festgesetzt werden solle. Diese persönliche Begegnung fand zu An- 
fang des nächsten Jahres 1664 in Regensburg, wohin beide Kurfürsten 
ebenso wie der Kai^ser zur Theilnahme an den Reichstagsverhandlungen 
sich begeben hatten, statt, und dort gelang es Johann Philipp den säch- 
sischen Kurfürsten durch die Zusage, dass die Torgauer Versprechungen 
erfüllt werden sollten, vollständig zu gewinnen und von jeder wirksamen 
Intervention zu Gunsten der Stadt abzuhalten. Ebendort aber wusste er 
sich auch dem Kaiser, zu dem er als das Haupt der französischen Partei 
im Reiche in den letzten Jahren in sehr gespanntem Verhältnis gestanden 
hatte, wieder zu nähern und, indem er auf dem Reichstage nnd bei den 
Rheinischen Alliierten dessen Bemühungen um Unterstützung im Türken- 
kriege beförderte, zu erwirken, dass derselbe ihm gegen Erfurt vollständig 
freie Hand Hess. Zugleich wusste er die geistlichen katholischen Mitglieder 
der Rheinischen Allianz dazu zu bewegen, ihm die Stellung von Hülfstrnppen 
zu dem Feldzuge gegen Erfurt zuzusagen, ebenso von dem Herzoge von 
Lothringen die Ueberlassung von Truppen zu diesem Unternehmen zu 
erwirken, und endlich bemühte er sich dann auch, von König Ludwig XIV. 
bewaffnete Unterstützung zu erlangen. Zu diesem Zwecke') hatte er ur- 
sprunglich seinen bisherigen einflussreicben Minister, den Freiherrn v. Boine- 
bnrg nach Paris zu senden beabsichtigt, da dieser sich aber bei dem 
französischen Könige zu grosser Annäherung an den kaiserlichen Hof ver- 
dächtig gemacht hatte, so wurde Ende Juni 1664 ebenjener Freiherr v. 
Reiffenberg zu demselben geschickt, und diesem gelang es denn auch 
mit leichter Mühe, den französischen König zur Erfüllung der Wünsche des, 
Kurfürsten, zur Zusage eines Hülfscorps von 6000 Mann zu bestimmen 
während . dieser da'für damals Boineburg der Rache Frankreichs auf- 
opfern masste. Im August 1664 sammelten sich die Truppen des Mainzer 
Kurfürsten und seiner Verbündeten theils im Eichsfelde, theils im Würz- 
burgischen, und Anfang September rückten dieselben gegen Erfurt heran. 



') S. U eibig a. a. O. S.415fir. 

^ S. Gahrauer, Kur-Maioz In den Epoche von 1672 I. 8. 5.5 ff. 

23* 



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356 '^- ^i^ Erfurter Uändel. 

Der Kurfürst von Br aodeo bürg*) ist in diese Erfurter Händel erst zu 
Ende des Jahres 1663, nachdem schon die Arhtserlclärung gegen die Stadt 
erfolgt und dieselben damit in ihr letztes Stadium getreten waren , hinein- 
gezogen worden, und zwar hat man sich fast gleichzeitig von drei Seiten 
aus an ihn gewandt. Der Kurfürst von Mainz hat ibm Anzeige davon ge- 
macht, dass er im Begriff sei, die Exemtion ge^^en die Stadt vorzunehmen, 
und um seine Unterstützung dabei nachgesucht, die Herzoge von Gotha und 
Altenburg haben ihm die sowohl der Stadt als auch dem Sächsischen Hause 
von Kur mainz drohende Gefahr vorgestellt und ihn gebeten, bei dem letzte- 
ren und bei dem Kaiser sich zu bemühen, dase die gewaltsame Exeeutioii 
aufgegeben und die Sache durch Unterhandlungen beigelegt werde, und auch 
der Hath von Erfurt hat unter Darlegung der Ungerechtigkeit des gegen 
die Stadt eingeschlagenen Verfahrens die gleiche Bitte an ihn gerichtet. 
Wie die hier mitgetheilten Akten darlegen, hat der Kurfürst von vorne 
herein und nachher fortgesetzt in dieser Angelegenheit eine sehr vorsichtige 
Haltung eingenommen. Er hat auf jene Bitten hin im November 1663 dem 
Kurfürhten von Mainz Vorstellungen gemacht und ihn zu fiicdliiher Bei- 
legung der Sache zu bewegen gesucht, er hat dann auf den Zusammen- 
künften mit dem Kurfürsten von Sachsen zu Torgau und Berlin (Decem- 
ber 1663 und Mai 1664] mit diesem auch über die Erfuiter Sache verhan- 
delt und, ohne Kenntnis von den geheimen Abmachungen desselben mit 
Kurmainz und in der Meinung, dass derselbe sich wirklich der Stadt an- 
nehmen wolle, wenn dieselbe den schuldigen Gehorsam leiste, sich bereit 
ei klärt, mit demselben dabei Hand in Hand zu gehen. Er hat dann auch 
im Angust 166 ^ nachdem inzwischen die kriegerischen Rüstungen des 
Mai nzer Kurfürsten bekanntgeworden waren und er aufs neue sowohl von 
der Stadt Erfurt als auch von dem Herzoge von Gotha gebeten wor- 
den war, dazwischenzutreten, siih darauf beschränkt, bei dem Kurfürsten 
von Mainz jene Vorstellungen zu wiederholen und seine Vermittelung an- 
zubieten. Erbt als er Anfaiig September aus einem Schreiben des Kur- 
fürsten von Sachsen ersah, dass derselbe ruhig die Stadt ihrem Schicksal 
zu überlassen beabsichtige und dass der Kurfürst von Mainz auch gegen 
die bisherigen Beschützer der Stadt, die Sächsischen Herzoge, Drohungen 
geäussert habe, entschloss er sich zu nachdrücklicherem Auftreten, verlangte 

') Das Verhalten des Rf. in diesen Erfurter Häudeln ist bisher keineswegs 
genügend aufgeklärt gewesen. Pnfendorf hat auch diese Angelegenheit gauz 
übergangen, v. Tettau, der hauptsächlich auf den Erfurter chrouikaliBchen Dar- 
stellungen fusst, ist über diesen Punkt sehr mangelhaft unterrichtet, Kirch- 
hoff hat zwar in den von ihm hauptsächlich benutzten Materialien des Weimarer 
Archivs darüber manches gefanden, seine Quellen aber sehr flüchtig verarbeitet, 
Droysen (Gesch. der Preuss. Politik III, 3 S. 47 ff.) stellt zwar die damalige 
Politik des Kf. in ihrem weiteren Zusammenhange in grossen Zügen richtig dar, 
doch ist ihm nicht das gesamte in Berlin vorhandene Material, namentlich nicht 
die alleriliogs sehr fragmt'Utarischen Nachrichten über die Verhandinngen mit 
Reiffeil berg im September 1664 und nachher im März 16GÖ bekaont gewesen. 



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Einleitang. 357 

vom Karfürsten von Mainz, an den er, um diese Mabonngeu noch eiu- 
dringlicher vorznstelleo, seinen Schlosshaaptmann v. Berlepsch schickte, 
und auch vom Kaiser Einstellung der Executiou, indem er drohte, sonst 
nicht nur die eben zugesagten weiteren Hülfstrappen nach Ungarn nicht zu 
schicken, sondern auch seine schon dort befindliche^ Truppen zurückzurufen 
und mit Schweden und anderen Kreisständen in engere Verbindung zu 
treten, und suchte zugleich durch die ernstlichsten Vorstellungen demKurfürstcu 
von Sachsen die Augen über das Verderbliche seiner Politik zu öffnen. 
Doch gelang es dem wenige Tage darauf bei ihm anlangenden Mainzischen 
Abgesandten, eben jenem Freiherren v. Reiffenberg, indem derselbe ihm 
theils über die von seinem Herren bei dieser Expedition gegen Erfurt ver- 
folgten Absichten die beruhigendsten Zusicherungen gab, andererseits ihm 
dessen Unterstützung in seinen eigenen, namentlich in der Polnischen An- 
gelegenheit, und ein Zusammengehen desselben mit ihm auf dem Reichs- 
tage in Aussicht stellte, ihn zu beschwichtigen, so dass er von seinem Wider- 
spruche gegen die Ausführung der Ezecntion abstand^ an v. Berlepsch 
dem entsprechende neue Weisungen sandte nnd nach Verabredung mit 
V. Reiffenberg die Erfurter auf das ernstlichste ermahnte, sich den Forde- 
rungen des Kurfürsten zu fügen und so die Anwendung von Gewalt zu ver- 
hüten, und der Rath der Stadt, welcher inzwischen wieder der unbändigen 
Menge Herr geworden war, hat diesen Rathschlägeu folgend sich in der 
That bemüht, eine friedliche Lösung der Sache herbeizuführen und so die 
Freiheiten der Stadt zu behaupten. Freilich musste Kurfürst Friedrich 
Wilhelm bald erkennen, dass auch er von Reiffenberg getäuscht sei, 
denn der Kurfürst von Mainz erklärte sich nun nicht mit der inzwischen 
erfolgten Einführung des Kirchengebets und der angebotenen Genugthuung 
für die verübten Excesse zufrieden, sondern verlangte als Realassecuratiou 
die Einräumung der Barg und zweier Thore, d. h. die militärische Be- 
setzung der Stadt, und Hess, als diese sich nicht sogleich dazu verstehen 
wollte, die förmliche Belagerung beginnen. Kurfürst Friedrich Wilhelm 
hat sich dem gegenüber darauf beschränkt, durch Verhandlungen den Kur- 
fürsten von Mainz zum Aufgeben oder wenigstens zur Milderung dieser 
Forderungen zu bewegen; der Vorschlag, welchen der Rath von Erfurt, 
der Herzog von Gotha und auch sein mit diesen Verhandlungen betrauter 
Gesandter v. Berlepsch ihm machten >), bevor die Einschliessung der 
Stadt vollendet sei, Truppen in dieselbe zu werfen, hat er zwar nicht ganz 
von der Hand gewiesen, aber doch sich dafür entschieden, nur, wenn die 
Zustimmung des Mainzer Kurfürsten dazu zu erlangen wäre, denselben 
auszuführen, nnd da diese, wie voranszusehen war, nicht ertheilt wnrde, 



^ 8. unten Berlepschs Relationen vom l./ll., 4./14., 6.yi6., uod 17./27. Sep- 
tember und des Kf. Resiripte vom 7./17., 12/22. September und 21. September/ 
1. Oetober. Irrig behauptet Kirchhoff a. a. 0. S. 188, der Gedanke, Erfurt 
durch braudeuburgisühe Truppen zu besetzen, habe einerseits in Berlin, anderer- 
seits in Gotha und Weimar seinen Ursprung gehabt. 



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358 ^* ^^^ Erfarter Händel. 

bat er davon Abstand genommen und offen den Erfurtern erklären lassen, 
dass sie von ihm keine weitere Unterstützung zu hoffen hätten. Dem Di*än- 
gen der Sächsischen flerzoge, welche noch ganz znletzt (Anfang October 
1664) durch eine Gesandtschaft ihn dazu zu bestimmen suchten, sich der 
Stadt thatkräftig anzunehmen, bat er nur insoweit Folge geleistet, dass er 
sich zur Abschickung einer neuen Gesandtschaft an den Kurfürsten Ton 
Mainz behufs Anknüpfung weiterer Unterbaodluugen entscbloss, er bat aber 
von vorne herein erklärt, dass er davon wenig Erfolg hoffe, und er bat, als 
dann die Kunde kam, dass die Stadt sich inzwischen (16. October) ergeben 
habe, die Abschickung jener Gesandtschaft ganz unterlassen. Auch nachher, 
als infolge der neuen Befestigungen, welche der Kurfürst von Mainz sofort 
in der jetzt von ihm besetzten Stadt vornehmen Hess, des längeren Verblei- 
bens der fremden Truppen desselben, der Veränderung der Stadtverfassung 
und der Eingriffe in die von den Sächsischen Herzogen beanspruchten 
Rechte diese letzteren wieder seine Hülfe in Anspruch nahmen, hat er sich 
nur auf gütliche Vorstellungen bei dem Kurfürsten von Mainz beschränkt. 

Dass der Kurfürst sich hier so zurückhaltend gezeigt hat, ist nicht 
etwa dadurch veranlasst worden, dass er die in diesem ganzen Verfahren 
gegen Erfurt und in der scbliesslichen Besetzung dieser Stadt, einer der 
wichtigsten Festungen Norddeutschlands, durch jenen ganz an Frankreich 
geketteten katholischen Fürsten liegende Gefahr verkannt hätte, im Gegen- 
theil er bat seiner Missbillignng und den auch bei ihm dadurch erweckten 
Befürchtungen den deutlichsten Ausdruck gegeben, aber er hat sich so vor- 
sichtig zurückgehalten, weil er erkannte, dass er selbst, zumal da damals 
die Hälfte seiner Truppen fern in Ungarn stand, zu schwach sei, der von 
dem Kurfürsten von Mainz aufgebotenen Truppenmacht entgegenzutreten, 
weil er sich überzeugte, dass auf Kursachsen garnicht zu rechnen sei nnd 
dass er auch von den anderen sächsischen Herzogen und den übrigen pro- 
testantischen norddeutschen Fürsten und von Schweden, so laut dieselben 
auch ihren Unwillen über das Vorgehen des Mainzer Kurfürsten kund gaben, 
keinen wirklichen Beistand zu erwarten habe, nnd weil er sich scheute, 
durch etwaigen Widerstand gleichzeitig den Kaiser, unter dessen Autorität 
der Mainzer Kurfürst handelte, nnd den König von Frankreich, welcher 
demselben seinen Beistand geliehen hatte, herauszufordern und so weitere 
Unruhen nnd Gefahren für Norddentscbland heraufzubeschwören. Ausserdem 
hat ihn noch ein besonderer Umstand mit dazu bestimmt, nämlich die Rück- 
sicht auf Magdeburg, welche Stadt in ähnlicher Weise wie Erfurt ihrem 
Landesherren und ihm selbst, dem einstigen Nachfolger desselben, trotzte, 
deren Widerstand er schon damals entschlossen war bei günstiger Gelegen- 
heit ebenfalls, wenn nothwendig, mit Waffengewalt zu brechen und welcher 
er daher keineswegs durch ein nachdrückliches Auftreten für Erfurt gegen 
den Kurfürsten von Mainz zu einem Präcedens verhelfen wollte, auf welches 
sie nnd ihre etwaigen Beschützer sich ihm gegenüber einstmals berufen 
könnten. 

Im Anhange ist ein gedrängter Auszug aus den Akten des im Februar 



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EioleituDg. 359 

1665 zu Leipzig abgehaltenen Obersächsiscben Kreistages, welcher 
ein Nachfipiel zu den Erfurter Händein bildet, mitgetheilt worden. Dieselben 
sind dadurch besonders von Interesse, weil sie zeigen, wie der brandenbar- 
gische Knrfürst^ da der Kurfürst von Sachsen auch hier in seiner passiven 
Haltung verharrt und alle Massregeln, welche ein nachdrücklicheres Auf- 
treten des Kreises gegenüber den weiteren Uebergriffen des Mainzer Kar- 
fürsten ermöglichen sollen, zu hintertreiben sucht, die führende Rolle über- 
nimmt und es durchsetzt, dass wirklich einige solche Massregeln, die Auf- 
bringung einer freilich gegen seinen Wunsch sehr unbedeutenden Kriegs- 
macht, weitere Verhandlungen mit dem Niedersächsischen Kreise wegen 
einer schon im Jahre vorher beabsichtigten engeren Verbindung mit dem- 
selben und die Forderung, dass bei den Verhandlungen zwischen Kur- 
mainz und den Sächsischen Fürsten die Vermittlung anderer Kreis- 
stände zugelassen werde, beschlossen werden. 



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KnrflirBt Johann Philipp von Mainz an den KurfUrsten. D. 
St. Martinsburg in unserer Stadt Maintz 20. October 1663. 

[Anzeige, dass er die über Erfurt verhäDgte Acht sa ▼ollBlreckeo im Begriff 
Bei. Bitte aoa Unterstütsang.] 

20. Oct. Kurzer Bericht über den von der Stadt Erfurt ihm und den kAiserlicben 

Mandaten gegenüber beharrlich fortgesetzten Ungehorsam, über die Ver- 
kündigung der vom Kaiser über die Stadt verhängten Reichsacht und die 
dabei erfolgte Misshandinng des damit beauftragten Reichsherolds. 

So seind wir auch, vermög der von der Rom. Kay. M. uns auf- 
getragenen Execution zu angeregter Vollstreckung des Kayserlichen 
Reichsbanns und Acht, und weiln bevorab die Burgerschafft, wie ge- 
meldet, in öffentlichem Uffstand eich befindet und sich unsere Dorff"- 
schafften ausszublUndern und in Brand zu stecken ohne Scheu ver- 
lauten lassen, im Werck begriffen, dagegen nöthige Verordnung zu 
thun und sie von dergleichen Vorhaben ab- und einzuhalten. Und 
haben weniger nit auch Ew. Ld. hiemit von allen Nachricht geben 
und, weiln nunmehr bey diesen Leuthen der schuldige Gehorsamb und 
Rcspect gantz und gar erloschen ist, dieselbe hiebei freundlich ersuchen 
wollen, wofern etwan diese unbendige Reichsächter bei deroselben sich 
zu beschönen understehen oder sonsten Ihre ein wideriger Bericht ein- 
langen sollte, demselben nit allein kein Gehör oder Glauben zu ge- 
ben, sondern auch uns hierin in krafft der Churfürstlichen Verein mit 
Rath und That zu assistiren, indem einmahl, wan dergleichen Mediat- 
Btfttten und Underthanen sotbane — Sedition und Auffstand gegen 
ihre Obrigkeit ungestrafft hingelassen — daraus auch bei andern leicht 
höchst schädliche Consequentien erfolgen würden — zumahln wir 
auch durch die vorhabende würckliche Vollstreckung des Banns nit ge- 
meint seind, weder der Statt in ihrem vermög des Friedenschlusses 
habendem Religionsexercitio noch auch dem Haus Sachsen in seinen 
der Orten habenden und hergebrachten Particularjuribps Eintrag zu thuen. 



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Anzeige der beabsichtigten Execntion gegen Erfurt. 361 

Herzog Ernst von Sachsen an den Kurfürsten. D. [Frieden- 
stein] 28. October/[7. November] 1663. 

[Der St«nd der Erfurter Sache. Bitte um Vermittelung.] 
PS.') Auch — müssen Ew. Ld. unserer und unsers gesambten 7. Nor. 
Chur- und Fürstlichen Hauses dringender Angelegenheit nach wir 
wehemüthig zu vernehmen geben, welcher gestalt die itn Ende des 
an Keys. M. — copeylich beigefügten Schreibens') berührte Erfurti- 
sche Sache nun dermassen gefährlich worden, dass wir ohne sonder- 
bare göttliche Hülfe und Ver^iittelung hoher wohl affectionirter Stände 
fast nicht sehen, wie ohne grosses Unheil unserer und anderer Silchs. 
Lande und Leute das Vorhaben, welches des H. Churfürsten zu 
Maintz Ld. nun mit feindseliger Angreifung gedachter Stadt Er- 
furt in^ Werk zu richten suchet, abgehen könne. Was unsers 
Hauses Interesse dabei sei, das ist am Keys. Hof, wiewohl ohne ver- 
hofften Effect, nun viel Jahr hero angeftthret worden. E. Ld. wollen 
— sich aus beiliegender Deduction '), die zwar Glimpf halber — nur 
ein und anderen Orts vertraulich communiciret worden, sich vortragen 
lassen, worauf das Werk von a. 1648 her bis in den verwichenen 
Monat Junium beruhet. Seithero nun hat der Maintzische Antrieb 
BO viel durchgedrungen, dass die Acht wider die Stadt publiciret und 
der Pöfel zu desperaten Resolutionen dadurch folgends praecipi- 
tiret worden. Wir sind wohl versichert, dass E. Ld., als es doch die 
letztere keys. Gapitulation*) nicht allein im Fall, da Stände, son- 
dern auch da andere in diese äusserste Straf der Acht zu verur- 
theilen sind, erfordert, umb solches Urtheil keine Wissenschaft tragen, 
also dessen Valor und darauf selbst angemasste Maintzische Execu- 
tions-Befugniss nicht agnosciren werden. Was auch auf jüngsten 

^) Postscriptum zu dem oben Abschn. 5 S.'313 erwähnten Schreiben von 
demselben Datum, der Antwort auf des Ef. Circularschreiben vom 2ö. October 1663. 

^ In demselben (d. Friedenstein 14. /24. Juni 1663), der Antwort auf ein 
Schreiben des Kaisers (d. Wien 23. Mai 1663), in welchem d«*r8elbe die Turken- 
gefahr geschildert und um Hälfe gebeten hatte, erklärt sich der Herzog zur 
Hnlfeleistnng bereit, räth aber dem Kaiser, durch Zugeständnisse an die Pro- 
testanten in Ungarn sich deren eifrige Unterstützung zu verschaffen und in Deutsch- 
land die kriegerische Executiou gegen Erfurt nicht zu gestatten. 

*) Jnstitia protectionis Sazonicae in civitate Erfurtensi sive brevis expositio 
indubitati juris, quod Ser. Elector et Duces äaxoniae — more majorum et se- 
cundom Imperii leges pacisque publioae constitutiones merito ezercent. A. 1663^ 
mense Junio, verfasst von dem Gothaischon Kanzler Veit v. Seckendorf 
(wiederabgedruckt Diar. Europ. XI Appendix, Londorp IX S. 35ff.). 

*) Wablcapitulation Kaiser Leopold I. §28 (Londorp VIII 8.357.). 



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362 6. Die ErfarUr Häodel. 

Creystag zu Leipzig deshalben an Key. M. geschrieben worden*), 
das wird E. Ld. von dero Gesandtschaft wohl der Gebühr nach sein 
referiret worden. Inzwischen hat es das Ansehen, es werde zu unwie- 
derbringlichen Schaden unsers Hauses die mitten in unsern — Landen 
gelegene und unserm Hause in so viel Wege verbundene Stadt in 
Maintzische Hände und Superioritat fallen, also ihre zimblichermassen 
hergebrachte Freiheit, sonderlich was das jus armorum betrifft, ver- 
lieren und dannenhero unserm Hause, ja dem ganzen Ober-Sächsischen 
Creis ein immerwährendes Präjudiz zumal in Kriegszeiten entstehen — . 
Ew. Ld. — wollen ihres hohen Ortes sich zu unsers Hauses und 
der gemeinen Wohlfahrt und Ruhe Aufnehmen und Beförderung ge- 
fallen lassen, dero Gesandtschaft zu Regensburg furdersamst zu in- 
struiren, dass sie diese wichtige Sache — in bessere Wege richten 
helfe. Wir sind nebst unsern Herren Vettern erbötig, was nur zu 
billiger Vergnügung des H. Churfürsten zu Maintz Ld. immer dienen 
kann, aufrichtig zu befördern, allermassen wir dann, ohngeachtet S. 
Ld. auf unsere und unserer HH. Vettern bisshero an Sie abgelassene 
Schreiben nicht einst mit einer Antwort sich vernehmen lassen, dennoch 
uns überwunden, deroselben solche freundliche Anerbietung ^) zu thun 
— darauf Sie — Ihres Stifts jura und Sicherheit viel beständiger als 
auf die itzo in Sinn gefasste Opportunitäten — bauen könnten. — *) 

Der Rath zu Erfurt an den Kurfürsten. D. 
2./[12]. November 1663. 

[AuseiDandersetzuDg der Sachlage. Bitte um VerwenduDg beim Kaiser und beim 

Reichstage.] 
12. Nov. Dank dafür, dass Kf. auf dem jüngsten Kreistage zu Leipzig*) sieh 

nebst den anderen Kreisständen der Stadt angenommen hat. Da sie fürchten, 

^) S. oben Abschn. 4, Anhang S. 261. 

>) In dem abschriftiich beigelegten Schreiben an K.Mains (d. Priedensteio 
21./31. October 1663) stellt der Herzog demselben die Uebelstände und Gefahren 
vor, welche ein gewaltsames Vorgehen gegen Erfurt verursachen würde, und for- 
dert ihn auf, sich sunachst auf einer Conferens mit dem Hanee Sachsen über 
sein Vorhaben zu benehmen. Ueber die früheren Verhandlungen desselben mit 
K.Mainz s. Ki rohhoff, Die Besitzergreifung Erfurts durch Eurmainz (Zeitschr. 
für Preussische Geschichte und Landeskunde Jahrg. VIII 1871) S. 108 ff. 

*) Auch HerzogFriedrich Wilhelm von Sachsen-Altenburg wendet sich 
in einem Schreiben (d. Altenburg 3./ 13. November 1663) an den Kf. mit der 
Bitte, bei dem Kaiser und K.Mainz dahin zu wirken, dass letzterer sich all«r 
Thätlichkeiten und der unrechtmässigen Ezecution enthalte und es zu gütlicher 
Unterhandlung kommen lasse. 

*) 8. oben Abscbn. 4. Anhang S. 258 ff. 



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VerwendoDgsgesuche ao den Rf. 363 

dass ihre Feinde K. Mainz hertig anliegen werden, bei dem Kaiser and dem 
kurfürstlichen CoUegio die Sache 8o durcbxatreiben, dass die Execution doch 
fortgesetzt werde, so wollen sie kurz vortragen, was bisher sowohl in meritis 
als circa processum in dieser Sache vorgegangen. Auseinandersetzung 
der Vorgänge von dem Erseheinen der ersten kaiserlichen Kommission im 
Jahre 1650 an bis zn der Publicieruug der Reichsacht durch den kaiser- 
lichen Herold, welcher bei dieser Gologeuheit allerdings von einzelnen be- 
schimpft, aber doch mit Qlimpf entlassen worden sei. 

Sie haben jetzt zu ihrer Betrübnis hören müssen, dass K.Mainz die 
Execution der Acht übernehmen und dazu seine eigenen und seiner Alliierten 
Mittel anwenden wolle. Sie stellen dem Kf. die Ungerechtigkeit des ganzen 
Verfahrens vor, bezeugen, dass sie nach Möglichkeit sich gefugt und nach- 
gegeben haben, hoffen, dass K.Sachsen sowohl als Kreisoberister als auch 
als Scbutzherr nebst dem Fürst!. Hause den Einbruch jener Völker nicht 
gestatten werde, bitten aber auch Kf., sich ihrer beim Kaiser und K.Sacbsen 
und auf dem Reichstage anzunehmen, damit die Execution, wo nicht gar 
abgethan, wenigstens einstweilen suspendiert werde'). 



Der Kurfürst an den Kurfürsten von Mainz. D. 
Cöln 15./[25.] November 1663. 

[auf das Schreiben vom 20. October. Ratb, die Execution gegen Erfurt vorläufig 

Bu anterlassen.] 

— Wie wir nun — ganz ungern vernehmen, dass E. Ld. von 25. Nov. 
dieser Stadt dergleichen Widersetzlichkeit und Ungehorsam erwiesen, 
auch keineswegs zweifeln, E. Ld. werden an Ihrer Seiten nichts ha- 
ben ermangeln lassen, was zu gütlicher Hinlegung aller dieser Irrun- 
gen und Streitigkeiten erspri esslich sein könne, also können wir E. 
Ld. auch nicht verdenken, dass dieselbe auf nachtrQckliche und in 
den Reichsconstitutionibus fundirte Weise und Wege Dero Respect 
und jura zu mainteniren und die Widerspenstigen zur Raison zu brin- 
gen beflissen sein. Wir erkennen uns nicht allein vermög Gburfttrst- 
licher Verein schuldig, sondern sein auch von uns selbsten ganz ge- 
neigt, E. Ld. in dieser Dero Angelegenheit mit Rath und That zu 
assistiren. Stellen aber E. Ld. hocherleuchtetem Kachsinnen anbeimb, 

') Beigelegt ist eine Abschrift des Paritions-lDStrameDtes (d. 24. September 
1663) oud die Druckschrift: , Gründliche Dedaction aud warhaffter Bericht, dass 
die Stadt Erfurt in puncto dess von Ihrer Cburfärstl. Gnadea zu Mayotz bey 
derselben gesuchten Kirchen-Gebets uud sonsten keine straffbare Widersetzlich- 
keit oder Ungebähr, wie ihr solche uugüllich beygemessen werden will, verübet 
etc." 1663 (wiederabgedruckt Di ar. Europ XI Appendix, Londorp IX S. 5ff.). 



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364 6. Die Erfurter Händel. 

ob nicht diesem Werk bei den jetzigen höchstgefährlicben Conjuncturen 
und da unBer geliebtes Vaterland vom Erbfeind des Christlichen Na- 
mens in so augenscheinlicher grossen Gefahr begriffen, lieber noch auf 
einige Zeit ein Anstand zu geben, als zu wttrcklicher Execution der 
publicirten Achtserklärnng, welche ohne überaus grosse Zerrüttung und 
Ohngelegenheit des Obersftchsischen Greises und aller dazu gehörigen 
Stände, ja des ganzen Römischen Reichs nicht werkstellig gemacht wer- 
den kann, noch zur Zeit zu schreiten, wozu dann — E. Ld. desto mehr 
geneigt sein werden, weil Sie dadurch Ihren jnribus nicht allein nichts 
präjudiciren oder vergeben, sondern auch das — Haus Sachsen sich 
dieser Sache sowohl ratione neben E. Ld. in der Stadt Erfurt haben- 
den Gerechtigkeiten, als auch, weil solche mitten in Dero Landen ge- 
legen, sehr annimbt, der Magistrat auch und viele verständige Leute 
an denen bisherigen ungehorsamen und halsstarrigen Proceduren dem 
Verlaut nach nicht schuldig, sondern daran ein Missfallen tragen, der 
unbändige Pöbel aber jedesmal in gebührendem Zwang nicht gehalten 
werden kann, wie solches die gegen den Magistrat selbst verübte 
harte Proceduren') genugsamb darthun. Wir haben demnach nicht 
unterlassen wollen, E. Ld. dieses — furzustellen, und zweifeln nicht, 
Dieselbe werden, so viel es immer möglich, alle hochschädliche Extre- 
mitäten und innerliche Trennungen in unserm Vaterlande bei diesen 
Leuften verhüten, hingegen aber das hochnötige Defensionswerk und 
Aie h Key. M. versprochene Hülfe — auch ferner befordern zu 
helfen geneigt sein"^). 



S. V. Tettau, Die Redaktion vod Erfurt und die ihr vorausgegangeneQ 
Wirreo 1647—1665 (Jahrbücher der K. Alcademie gemeioDütziger WisseDschaften 
zu Erfurt. Neue Folge, Heft III) S. 115 ff., Heibig, Johann Philipp von Mainz 
und Jobann Georg IL von Sachsen während der Erfurter Wirren 1650 — 1667 
^Archiv für die Sächsische Geschichte IIL) S. 405 ff. 

') Nachdem K.Mainz (d. Schloss Marienberg ob Würzbarg 16. November 
1663) dem Kf. den gedruckt erschienenen Bericht der kaiserlichen Kommissarien 
und des Reichsherolds über die ihnen in Erfurt zugefügten Real- und Verbal- 
injurien (8. Diar. Europ. X S. 955ff., 929ff. Londorp VIII S. 936 ff.) zuge- 
sandt und erklärt hat, er müsse darauf bedacht sein, wie solche Leute von dem 
angedrohten Ueberfalle seiner angrenzenden Lande ab- und zum schuldigen Ge- 
horsam angehalten werden mochten, erwidert derselbe (d. Cöln 2./ 12. Dt^cember 
lf;63) in ganz ähnlicher Weise, er könne es ihm nicht verdenken, dass er seinen 
Respect und seine Rechte durch nachdrückliche Mittel zu wahren beabsichtige, 
bittet ihn aber mit Rücksicht auf die drohenden Conjuncturen die Sache noch 
etwas in suspenso zu lassen. 




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Verwendang des Ef. bei K.Mainz für Erfurt. 365 

Der Kurflirst an die Herzoge Ernst und Friedrich Wilhelm 
von Sachsen. D. Cöln 15./[25.] November 1663. 

[auf die Schreiben vom 28. Oclober/[7. November] und 3./ [13-] November. 
Mittbeiinng der K.Mains gemachten Vorstellungen.] 

Er lässt dabin gestellt, was E.Mai oz für Ursache and Faodament zu 25. Nov. 
seinen bisherigen Procedaren gegen Erfurt habe nnd wie weit das Haas 
Sachsen ratione seiner jurium bei der Sache interessiert sei^ er hält aber 
ODter den jetzigen Gonjonctaren die Execation der Acht and die derselben 
nothwendig aniclebenden Extremitäten für so bedenklich, dass er K.Mainz 
bewegliche Vorstellungen gemacht und gebeten hat, dem Werk znm wenig- 
sten einigen Anstand zu geben. 



Kurfürst Johann Philipp von Mainz an den Kurfürsten. 
D. Marienberg ob Würzburg 12. December 1663. 

[auf das Schreiben vom 15./25. Nov. Die Ansfäbruug der Acht gegen Krfurt kann 
zu keinen weiteren Gefahren Anläse geben. Erfurt wird vom Hause Sachsen 

aufgestachelt.] 

Die Auslüliruüg der Acht gegen seine nngehorsameu Unterthanen in 12. Dec. 
Erfurt wird weder die Türkenhüife verhindern noch sonst zu Weiteruageu 
Anlass geben, am wenigsten im Obersächsischeu Kreise, da Erfurt als 
eine zu K.Mainz gehörige